^^'6// HANDBUCH DER VERGLEICHENDEN PHYSIOLOGIE BEARBEITET VON E. BABÄK (Prag), S. BAGLIONI (Sassari), W. BIEDERMANN Oena), R. DU BOIS-REYMOND (Berlin), F. BOTTAZZI (Neapel), E. v. BRÜCKE (Leipzig), R. BURIAN (Neapel), R. EHRENBERG (Göttingen), L. FREDERICQ (Lüttich), R. F. FUCHS (Breslau), S. GARTEN (Giessen), E. GODLEWSKI (Krakau), C. v. HESS (München), J. LOEB (New-York), E. MANGOLD (Freiburg), A. NOLL (Jena), H. PRZIBRAM (Wien), J. STROHL (Zürich-Neapel), R. TIGERSTEDT (Helsingfors), E. WEINLAND (Erlangen), O. WEISS (Königsberg), H. WINTERSTEIN (Rostock) HERAUSGEGEBEN VON HANS WINTERSTEIN IN ROSTOCK DRITTER BAND PHYSIOLOGIE DES ENERGIEWECHSELS PHYSIOLOGIE DES FORMWECHSELS ERSTE HÄLFTE n. TEIL MIT 134 ABBILDUNGEN UND 2 TAFELN IM TEXT JENA VERLAG VON GUSTAV FISCHER 1914 Alle Rechte vorbehalten. J-ZÄf Inhalt des III. Bandes, i. Hälfte. Zweiter Teil. Seite Der Farbenwechsel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. Von R. F. Fuchs, Breslau, Mit 94 Abbildungen 1189 Einleitung 1189 Literatur 1194 Erster Teil: Wirbellose 1194 I. Das Verhalten der Chromatophoren bei den niedersten Tierstämmen . . 1194 Literatur 1199 IL Mollusken (exkl. Cephalopoden) 1199 Literatur 1206 III. Cephalopoden 1206 A. Einleitung 1206 B. Anatomie 1210 Entwicklungsgeschichte 1225 Bau der Iridocyten 1231 C. Physiologie der Chromatophoren 1233 1. Spontaner und reflektorischer Farben Wechsel 1233 2. Einfluß des Lichtes 1235 3. Keaktionsarten der Chromatophoren 1242 4. Kräfte der Formveränderung der Chromatophoren 1246 5. Direkte Reizung der Chromatophoren 1249 6. Wirkung von Sauerstoff und Kohlendioxyd 1253 7. Chemische Reizung der Chromatophoren 1256 8. Reaktion der Chromatophoren beim Absterben und an toten Tieren 1263 9. Einfluß des Nervensystems auf die Färbung 1265 10. Der Tonus der Chromatophoren 1279 Literatur 1282 IV Inhalt. Seite IV. Arthropoden 1285 A. Einleitung 1285 Crustaceen 1285 B. Morphologie der Chroraatophoren 1291 1. Anordnung der Chrom atophoren 1291 2. Bau der Chromatophoren 1294 C. Die Pigmente 1302 D. Die Pigmentverschiebungen innerhalb der Chromatophoren .... 1321 E. Nervenendigungen an den Chromatophoren 1327 r. Entwicklungsgeschichte der Chromatophoren 1329 G. Physiologie des Farbenwechsels 1335 1. Die allgemeinen Erscheinungen des Farbenwechsels der Crustaceen 1335 2. Einfluß der Umgebung 1839 3. Einfluß der Ernährung und chemischer Agentien 1341 4. Einfluß der Temperatur 1344 5. Postmortale Veränderungen 1346 6. Einfluß des Nervensystems 1346 7. Einfluß des Lichtes 1349 a) Der periodische Farbenwechsel 1349 b) Wirkung der BeUchtung und Verdunkelung 1352 c) Direkte photische Reizbarkeit der Chromatophoren 1355 d) Wirkung der Intensität und Wellenlänge des Lichtes .... 1357 e) Wirkung des Untergrundes 1359 8. Koloratorischer Einfluß der Augen 1361 Literatur 1365 Zweiter Teil: Wirbeltiere 1368 I. Allgemeines • 1368 IL Fische 1372 A. Historisches 1372 B. Färbung und Zeichnung 1377 C. Morphologie der Chromatophoren 1381 1. Anordnung der Chromatophoren 1381 2. Bau der Chromatophoren 1383 D. Chemie des Pigments 1390 E. Pigmentbildung 1394 F. Formveränderungen der Chromatophoren 1400 G. Nervenendigungen der Chromatophoren 1404 H. Entwicklungsgeschichte der Chromatophoren 1405 I. Iridocyten und Argenteum 1410 1. Morphologie der Iridocyten 1411 2. Die Iridocytenkristalle 1413 3. Die Entwicklungsgeschichte der Iridocyten und des Argenteums 1415 K. Physiologie des Farbenwechsels 1416 1. Allgemeine Biologie des Farbenwechsels 1416 2. Einfluß der Ernährung auf die Färbung 1423 3. Einfluß der Temperatur auf die Färbung 1424 4. Einfluß des Blutkreislaufes ; Wirkung von Sauerstoff und Kohlen- dioxyd 1427 5. Koloratorische Wirkung mechanischer und elektrischer Reizung 1430 6. Koloratorische Wirkung chemischer Substanzen 1433 7. Postmortale Reaktionen der Chromatophoren 1434 Inhalt. V Seite 8. Einfluß des Nervensystems auf den Farbenwechsel 1435 a) Die Wirkung der peripheren Nerven 1435 b) Der koloratorische Einfluß des Sympathicus (autonomes Nerven- system) 1437 c) Koloratorische Wirkung des Zentralnervensystems 1440 d) Der Tonus der Chromatophoren 1443 9. Die koloratorische Wirkung des Lichtes 1444 a) Wirkung der Intensität 1444 b) Wirkung der Wellenlänge 1447 10. Beeinflussung des Earbenwechsels durch die Augen 1453 11. Die koloratorische Wirkung des Untergrundes 1458 a) Die Helligkeit des Untergrundes 1458 b) Die Farbe des Untergrundes 1460 Literatur 1463 IIL Amphibien 1467 A. Einleitung 1467 ß. Färbung und Zeichnung 1474 C. Morphologie der Chromatophoren 1476 1. Anordnung der Chromatophoren 1476 2. Der Bau der Chromatophoren 1480 a) Die Melanophoren 1480 b) Die Xantholeukophoren 1483 c) Die Leukophoren 1483 d) Farblose Zellen 1484 3. Die Formveränderungen der Chromatophoren beim Farbenwechsel 1484 4. Der Mechanismus der Formveränderung 1488 5. Die Innervation der Chromatophoren 1490 D. Die Pigmente 1491 1. Form und Anordnung der Pigmente 1491 2. Chemisches Verhalten des Pigmentes 1492 3. Die Bildung des Pigmentes 1495 a) Entwicklung der Chromatophoren 1495 b) Ursprung des Pigmentes 1499 4. Beeinflussung der Pigmentbildung durch innereund äußere Faktoren 1502 a) Einfluß der Ernährung auf die Pigmentbildung 1503 b) Wirkung der Chromatophorentätigkeit auf die Pigmentbildung 1505 c) Einfluß der Temperatur auf die Pigmentbildung 1506 d) Einfluß des Lichtes auf die Pigmentbildung 1506 e) Einfluß der Feuchtigkeit auf die Pigmentbildung 1509 f) Pigmentanomalien 1509 E. Physiologie des Farbenwechsels 1509 1. Allgemeine Biologie des Farbenwechsels 1509 2. Koloratorische Wirkung des Lichtes 1513 3. Koloratorische AVirkungen der Temperatur und Feuchtigkeit . . 1517 4. Einfluß des Blutkreislaufes auf die Färbung (Sauerstoff-Kohlen- dioxyd Wirkung) 1520 5. Farbenveränderungen durch chemische Substanzen 1523 6. Farbenveränderungen nach elektrischer und mechanischer Haut- reizung 1531 7. Der Einfluß des Nervensystems auf die Färbung 1533 a) Eeizung und Durchschneidung peripherer Nerven 1533 VI Inhalt. Seite b) Die koloratorischen Einflüsse des Zentralnervensystems . . . 1536 c) Die koloratorische Funktion des Sympathicus (autonomes Nervensystem) 1539 8. Beeinflussung des Farbenwechsels durch die Augen 1542 9. Die koloratorische Wirkung des Untergrundes 1547 Literatur 1548 IV. Reptilien 1553 A. Einleitung I553 B. Färbung und Zeichnung , 1564 C. Morphologie der Chromatophoren 1575 1. Anordnung der Chromatophoren 1575 2. Bau der Chromatophoren 1580 a) Melanophoren 1580 b) Xanthophoren 1585 c) Phäophoren 1585 d) Erythrophoren, Porphyrophoren 1586 e) Leukophoren . . 1587 f) Farblose Zellen 1587 g) Guanophoren 1588 3. Formveränderung der Chromatophoren beim Farbenwechsel . . 1590 4. Der Mechanismus der Formveränderung 1594 5. Die Innervation der Chromatophoren 1596 D. Die Pigmente 1597 1. Form und Anordnung der Pigmente 1597 2. Chemisches Verhalten des Pigmentes 1599 3. Bildung des Pigmentes • . . 1603 a) Entwicklung der Chromatophoren 1603 b) Beeinflussung der Pigmentbildung durch innere und äußere Faktoren 1605 1. Einfluß des Alters, Geschlechtes und der Ernährung auf die Pigmentbildung 1605 2. Einfluß der Temperatur auf die Pigmentbildung 1607 3. Einfluß der Feuchtigkeit auf die Pigmentbildung 1609 4. Einfluß des Lichtes auf die Pigmentbildung 1610 5. Pigmentanomalien 1611 E. Physiologie des Farben wechs eis 1613 1. Allgemeine Biologie des Farbenwechsels 1613 2. Koloratorische Wirkung des Lichtes 1623 3. Koloratorische Wirkungen der Temperatur und Feuchtigkeit . . 1631 4. Einfluß des Blutkreislaufes auf die Färbung (Sauerstoff- und Kohlendioxydwirkung) 1636 5. Farbenveränderungen durch chemische Substanzenen 1638 6. Farbenveränderungen nach elektrischer und mechanischer Haut- reizung 1642 7. Der Einfluß des Nervensystems auf die Färbung 1643 a) Reizung und Durchschneidung peripherer Nerven 1643 b) Der koloratorische Einfluß des Zentralnervensystems .... 1644 Inhalt. VII Seite c) Die koloratorischen Funktionen des Syrapathicus (autonomes Nervensystem) 1647 8. Die Beeinflussung des Farbenwechsels durch die Augen .... 1649 Literatur 1652 Farbe und Zeichnung der Insekten. Von W. Biedermann, Jena. Mit 2 Tafeln und 40 Abbildungen 1657 I. Die Körperfarben (Pigmente) der Insekten 1658 A. Chemie der Körperfarben 1658 1. Melanine ' 1658 a) Allgemeines 1658 b) Tyrosinase bei Insekten L659 c) Tyrosinase und Skelettfarbe 1660 d) Chemische Natur der Melanine 1665 2. Lipochrome 1668 3. Farbstoffe der Purinreihe 1671 4. Farbstoffe aus der Gruppe der Galleni^igmente 1674 5. Chlorophylloide Insektenfarbstoffe 1678 6. Die Beziehungen des roten Vanessenfarbstoffes zum Chlorophyll 1690 B. Versuche, die „Zeichnung" der Insekten auf physiologische Ent- stehungsursachen zurückzuführen 1698 1. Die Blutzufuhr zu den Insektenflügeln " 1699 2. Die Pigmentbildung in den Schmetterlingsschuppen 1703 3. Die Entwicklung der Flügelzeichnung 1710 a) Die Bedeutung der „Adern" 1710 b) Die Theorie von Gebhardt 1722 C. Die Einwirkung äußerer Einflüsse auf Farbe und Zeichnung der Insekten 1734 1. Der Einfluß von Kälte und Wärme 1734 a) Saisondimorphismus und Klimavarietäten 1734 b) Versuche einer experimentellen Beeinflussung der Färbung und Zeichnung durch Wärme und Kälte 1741 c) Theoretische Ansichten über den Einfluß der Temperatur auf Färbung und Zeichnung 1755 a) Die Ansichten von Weismann, Standfuss und Fischer . . 1755 ß) Die Vererbbarkeit der durch Temperatureinflüsse bewirkten Veränderungen 1767 Y) Die „Stoff Wechseltheorie" der Gräfin Linden und Bach- metjews „Plasmatheorie" 1769 2. Der Einfluß mechanischer Einwirkungen 1773 3. Der Einfluß der Feuchtigkeit und Trockenheit 1778 4. Der Einfluß der Nahrung und chemischer Stoffe 1780 5. Der Einfluß des Lichtes und der Farbe der Umgebung auf Färbung und Zeichnung (Schutzfarben) 1791 a) Der Farbenwechsel der Schmetterlingspuppen 1793 b) Die Farben und Zeichnungen der Raupen 1801 c) Theorien der Farbenänderung bei Raupen und Puppen . . . 1817 6. Die Farben entwickelter Insekten (Imagines) und ihre Abhängig- keit vom Licht 1825 VIII Inhalt. Seite a) FarbenanpassuDg (Schutzfärbung) 1825 b) Erklärungsversuche 1833 c) Die Auffassung von Standfuss und Fischer 1838 7. Farbe und Zeichnung als sekundäre Geschlechtsmerkmale . . . 1860 II, Die Strukturfarben (optische Farben) der Insekten 1892 A. Die Schillerfarben schuppenloser Insekten 1894 Zusammenfassung 1913 B. Die Schuppenfarben 1926 1. Käferschuppen 1926 2. Schmetterlingsschuppen 1932 Folgerungen bezüglich der physikalischen Natur der Schuppen- farben 1968 Literatur 1980 Tafelerklärungen 1994 Sachregister 1995 Der Farbenweehsel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. Von R. F. Fuchs, Breslau. Einleitung. Der Farbenweehsel der Tiere hat seit den ältesten Zeiten die Aufmerksamkeit der Naturforscher und Laien in hohem Grade auf sich gelenkt und je nach dem besonderen Stande der Naturwissen- schaften seine Erklärung gefunden. Bald waren es ästhetische Ge- sichtspunkte, bald biologische, welche zur Erklärung der bunten Farben- pracht der Tierwelt herangezogen wurden. Schon Aristoteles (1) war der Farbenwechsel der Tintentische bekannt, von ihm ist viel- leicht zum ersten Male der Gedanke der Schutzfärbung in klarer Weise formuliert worden, denn Aristoteles erwähnt, daß der Polyp seine Farbe je nach den Steinen ändert, zwischen denen er sich be- wegt, um seinen Verfolgern zu entgehen ; außerdem legt Aristoteles auch psychischen Einflüssen, wie Angst, Zorn, einen großen Einfluß auf die Färbung bei. Durch Darwins Lehre vom Kampfe ums Dasein wurde die Körperfärbung der Tiere ein wesentlicher Faktor für die Erklärung der Erhaltung der Tierwelt. Man fing an, die ganzen Probleme der Tierfärbung nur von dem ganz einseitigen Standpunkte der Farben- anpassung, bezw. Schutzfärbung aus zu betrachten, und glaubte damit das Um und Auf dieser Fragen, die letzten Probleme der Tierfärbung gelöst zu haben. Und doch liegt in dieser Auffassung ein bedenk- licher Fehler, worauf ich bereits mehrfach hingewiesen habe (Fuchs, 4, 5, 7). Die DARWiNsche Lehre versucht, mit Hilfe der Tier- färbungen eine Reihe biologischer Erscheinungen zu erklären , ohne aber selbst über den Mechanismus der Färbung, über die Ursachen ihres Zustandekommens etwas auszusagen. Sie nimmt die Tierfärbung vielmehr als einen gegebenen Faktor hin, mit dem sie weiter operiert und ihn zu wertenden Urteilen verwendet. Damit hat aber diese Lehre, so paradox es klingen mag, den Boden der rein naturwissenschaftlichen Betrachtungsweise verlassen , da die Naturwissenschaft jenseits von Gut und Böse steht, oder wie der bekannte Philosoph Rickert sagt, die Naturwissenschaft ist die „wertfreie Betrachtung" der Dinge. Wenn aber die Selektions- theorie wertende Betrachtungen an die Dinge anlegt, indem sie ihnen nützliche und schädliche Eigenschaften zuerkennt, dann hat sie sich 1190 -R. -F. Fuchs, der historischen Betrachtungsweise zugewandt und ist damit Naturgeschichte geworden. Diese selbst kann aber niemals eine Aufklärung über das Zustandekommen einer Naturerscheinung, in unserem Falle über den Mechanismus der Tierfärbung Aufschluß geben. Trotz des Siegeszuges der Selektionstheorie hat es immer einzelne Forscher gegeben , die sich dessen bewußt blieben, daß diese Lehre keine Erklärung im streng naturwissenschaftlichen Sinne für den Mechanismus, für das Naturgeschehen selbst bieten kann ; in erster Linie ist hier Semper (13) zu nennen, der in seinem ausgezeichneten Buche „Die natürlichen Existenzbedingungen der Tiere" gerade auch für das Zustandekommen der Tierfärbung die Mängel der selektionistischen Betrachtungsweise mehrfach betont, wie aus folgenden Stellen hervorgeht : „Es fragt sich, ob nicht manche Farbenverteilungen, denen wir jetzt einen bedeutenden Wert für die Auswahl unter den Formen zu- zuschreiben geneigt sind, von uns in dieser Beziehung gar sehr über- schätzt werden .... Nicht nur die Farben , das heißt die Pigmente , sondern auch deren Verteilung, also die Zeichnung, können unter Umständen durch Ursachen hervorgerufen werden, welche verschieden sind von denen, auf deren Wirken die Zuchtwahl zu beruhen scheint. Die Zuchtwahl kann unter keinen Umständen das Pigment, den eigentlichen Farb- stoff selbst erzeugen. Die Entstehung des Pigmentes muß abhängen von physiologischen Prozessen im Körper jedes Individuums, welche für das gesunde Leben dieses einzelnen Tieres von hoher Bedeutung zu sein scheinen. Die bestimmte Art ihrer Verteilung auf der Haut wird zunächst ganz allgemein durch innere im Tier selbst tätige Ur- sachen bewirkt werden müssen. Sie kann dabei von Anfang an eine regelmäßige oder ganz ungeordnete sein , und diese wird davon ab- hängen, ob die inneren physiologischen Ursachen die Ablagerung der Farbstoffe in die Haut in gewisse Bahnen leiten oder nicht. Sind die Bahnen sehr scharf bestimmt, so wird natürlich auch die Farben- verteilung eine sehr regelmäßige sein müssen, und viele ungemein charakteristische Zeichnungen bei den Actinien, Steinkorallen, Schnecken- und Muschelschalen dürften auf solche Weise entstanden sein. Anderer- seits kann aber auch die Zuchtwahl diese Farben und Zeichnungen vervollkommnen." Es sind somit für eine unser Kausalbedürfnis befriegende Erklärung der Probleme der Tierfärbung die physiologischen Grundlagen zu erforschen, denn ohne diese wird sie immer eitel Stück- werk bleiben. Wie groß und wie lohnend diese Aufgabe ist hat, einer der besten Kenner der Tierfärbung, Franz Leydig (10), klar ausge- sprochen : „Es wäre eine verdienstvolle und dankenswerte Arbeit, wenn ein in Histologie , Physik und Chemie durchgebildeter Beobachter die in der Tierwelt auftretenden Färbungen einer genaueren vergleichenden Prüfung unterziehen wollte. Und auch jetzt kann ich den W^unsch nicht unterdrücken, daß ein Naturforscher von solchen umfassenden Kenntnissen sich finden möge, um das „wunderbare Kapitel" der Farben der Tiere in die Hand nehmen zu können. Ich selber bin mir wohl bewußt, daß ich nur vom einseitig morphologischen Stand- punkt aus einige der Fragen berühren könnte." Der Farbenwecbsel und die chromatisclie Hautfunktion der Tiere. 1191 Wer anders als der Physiologe wäre geeigneter, den Forde- rungen Leydigs am ehesten zu entsprechen, obgleich natürlich heute bei dem enormen Umfange der einschlägigen Gebiete ein solcher Polyhistor, wie ihn Leydig fordert, wohl schwer zu finden sein dürfte. Aber soviel steht zweifellos fest, daß das Problem der Tierfärbung ein wesentliches Kapitel der physiologischen Forschung ist, dem leider von selten der Fachphysiologen viel zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird, so daß der größte Teil der ganzen Arbeit den Mor- phologen (Zoologen und Anatomen) überlassen worden ist. Die Färbung der Tiere kommt durch verschiedene Anord- nung der Farbstoffe in den Bestandteilen des tierischen Orga- nismus zustande. Die einfachsten Verhältnisse sind die, wo noch keine eigenartigen morphologischen Elemente mit be- sonderen chromatischen Funktionen zur Ausbildung ge- langt sind, sondern der Farbstoff diffus in den verschiedensten Zellen des Organismus sich vorfindet. Dabei handelt es sich zunächst um gleichmäßig im Zellprotoplasma gelöste Farbstoffe. Diese Art von Färbung tierischer Gewebe ist die allgemeinst verbreitete, sie kommt bereits bei den Protozoen vor und erstreckt sich bis zu den höchststehenden Tieren, den Menschen (z. B. Muskelfarbstoffe etc.). Eine weitere Differenzierung stellt jene Art der Färbung dar, bei welcher der Farbstoff nicht mehr diffus gelöst die Zellen erfüllt, sondern in Form kleinster Körnchen vorhanden ist, ohne daß die Farbstoffpartikelchen an bestimmte Zellen des Organismus ge- bunden wären. Auch dieses Verhalten der Farbstoffe findet sich durch die ganze Tierreihe hindurch verbreitet. Endlich tritt eine schärfere morphologische Differenzierung dahin gehend ein , daß der Farbstoff sich in besonderen Zellen des Organismus ablagert, den Chromophoren oder Chromatop hören, welche eine mehr oder weniger bestimmte Anordnung in den einzelnen Ge- webs- und Organsystemen des Tierkörpers aufweisen. Die Chromato- phoren finden sich dann zumeist in dem Integument der Tiere abge- lagert, obzwar auch innere Organe, wie z. B. der Verdauungstraktus, sowie das zentrale Nervensystem nicht selten reichliche Mengen von Pigmentzellen enthalten. Ja es scheint sogar zwischen dem Nerven- system, insbesondere zwischen den Sinnesorganen und den Chromatophoren eine innige physiologische Beziehung zu bestehen, die sich in ihrer vollkommensten Bedeutung beim Auge ausspricht. Aber auch bei niederen Tieren, wo man von der Ausbildung eines gesonderten Organs für die Lichtperzeption noch nicht sprechen kann, finden sich nicht selten Pigmentzellen in der Gegend der Nervenendigungen des Integuments. Da, wo sich besondere An- häufungen solcher Chromatophoren um Nervenendorgane ausgebildet haben, spricht man von Oc eilen, welche man als primitivste Per- zeptionsorgane für Licht anzusehen pflegt. Es scheint mir aber durch- aus unwahrscheinlich, daß diese Organe nur der Perzeption jener strahlenden Energie dienen sollen, die wir als Licht bezeichnen, sondern es ist vielmehr auch anzunehmen, daß sie als Sensibilisa- toren für die Energieform dienen, welche sonst vom Körper nicht entsprechend wahrgenommen und ausge- nützt würde, nämlich die Wärme. Wir werden in einem späteren Kapitel auf diese physiologische Bedeutung der tierischen Pigmente des näheren einzugehen haben , so daß hier dieser kurze Hinweis genügen mag (Fuchs, 7). 1192 R. F. Fuchs, Sobald es zur Differenzierung eigener Pigmentzellen im engeren Sinne, der Chromatophoren, gekommen ist, lassen sich zwei scharf getrennte Typen dieser Zellen unterscheiden. Die einen stellen in ihrem Aussehen veränderliche Zellen dar, bei denen die Bewegungen des farbigen Inhaltes offenbar durch Protoplasmabewegungen, -Strömungen im Innern der Zelle erfolgen. Ob dabei die von manchen Autoren angenommene Aussendung verzweigter Fort- sätze nach Art der Pseudopodien von Amöben vorhanden ist oder nicht, ob sich das Pigment in festen präformierten Bahnen bewegt, ist für die grundsätzliche biologische Beurteilung dieser Pigmentver- schiebungen zunächst von untergeordneter . Bedeutung. Der wesent- liche Punkt, auf den es hier allein ankommt, ist der, daß an dieser Klasse von Chromatophoren ein eigens differenzierter, mor- phologisch wahrnehmbarer Bewegungsapparat nicht nachweisbar ist. Als Beispiel seien die Pigmentzellen der Am- phibien , Reptilien und Fische genannt. Pouchet (11) hat diese Gattung von Farbstoffzellen als ,,Chromoblast en" bezeichnet, um sie von der zweiten Gattung von Pigmentzellen , die einen eigens differenzierten Bewegungsapparat besitzen, den ,,C h r o m a t o p h o r e n'\ im engeren Sinne des Wortes zu trennen. Diese letzteren Gebilde, welche hauptsächlich bei den Cephalopoden bekannt sind, faßt Pouchet nicht als einheitliche Zellen auf, sondern als Organe und will durch die verschiedene Nomenklatur diesen Unterschied zum Ausdruck bringen. Jedoch erscheint der von Pouchet gewählte Terminus „Chromoblasten" nach unseren gegenwärtigen Anschauungen in der anatomischen und embryologischen Nomenklatur nicht glücklich ge- wählt zu sein, da wir als „B lasten" Zellen bezeichnen, aus denen sich erst die definitiven Zellen des entwickelten Organismus bilden, die also Vorstufen, Entwicklungsstadien gewisser Zellen vorstellen. Diese Auffassung trifft aber keineswegs für die Chromatophoren zu, obgleich Pouchet von den Chromatophoren der Cephalopoden sagt, daß sie anfangs Chromoblasten seien. Es ist aber zweifellos unrichtig, die embryonale Chromatophore, die noch keinen eigenen Bewegungsapparat in Form von Muskelfasern erkennen läßt, mit einer fertigen Pigmentzelle der Amphibien identifizieren zu wollen. Will man die zwei Typen von Pigmentzellen voneinander durch Termini scheiden, dann wäre es zweckmäßiger, für die erste Art von Farb- zellen, bei denen kein gesonderter morphologischer Bewegungsapparat besteht, den von Sangiovanni (12) zuerst gewählten Namen „C h r o m o - p hören" zu benützen. Die chromatische Hautfunktion steht, wie zahlreiche Versuche er- geben haben, unter dem Einfluß des Nervensystems, wenn- gleich der histologische Nachweis des Zusammenhanges der Nerven- fasern und Chromatophoren verhältnismäßig spät erbracht worden ist. Harless (8) glaubte zuerst einen Zusammenhang der Chromatophoren mit darüber hinwegziehenden Nerven gesehen zu haben, und damit war der Weg gegeben, auf dem die Einflüsse des Zentralnervensystems den Chromatophoren zugeleitet werden. Daß das ganze Farbenspiel unter der Herrschaft des Zentralnervensystems steht, hatte man schon frühzeitig richtig vermutet, und seit Aristoteles (1) hat man bis in die neueste Zeit einen willkürlichen Farbenwechsel, z. B. bei Tintenfischen und Chamäleonen, angenommen. Die genauen, besonders experimentellen Untersuchungen über den Einfluß des Zentraluerven- Der Farbenwecbsel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. 1193 Systems beginnen aber erst mit Versucben von Klemensiewicz (9) sowie Fredericq (3) an Cephalopoden. Alle auf diesen Punkt ge- richteten Untersuchungen haben nicht nur im allgemeinen einen Ein- fluß des Zentralnervensystems auf den Farben Wechsel ergeben, sondern zur Kenntnis von eigenen koloratorischen nervösen Zen- tralorganen geführt, von denen aus die Farbenveränderungen ge- setzmäßig geregelt werden. Gerade die Existenz dieser eigens differenzierten koloratori- schen Zentralorgane, welche keineswegs nur bei den Tier- gattungen vorhanden sind, welche mit Muskeln versehene Chromato- phoren besitzen, sondern auch z. B. beim Frosch durch Biedermann (2), Steiner (14) und andere Forscher nachgewiesen wurden, deutet auf die große funktionelle Wichtigkeit des Farben wechseis hin. Außer- dem werden wir dadurch zu der Frage gedrängt: welche funk- tionellen Momente haben im Laufe der Phylogenese den Anstoß zur Differenzierung eigener kolora torischer Zentralorgane gegeben? Es ist naheliegend, anzunehmen, daß die koloratorischen Zentren sich zuerst bei jenen Tieren durch funk- tionelle Anpassung und Selbstgestaltung entwickelt haben dürften, bei denen die koloratorischen Funktionen eine wichtige Bedeutung für die Erhaltung des Lebens und vor allem auch eine grössere Mannigfaltigkeit ihrer Form erlangt haben. Denn gerade bei diesen Tieren ergab sich zuerst die Notwendigkeit eigens differenzierter koloratorischer Zentralorgane, um einesteils diese lebens- wichtigen, sich ständig wiederholenden Vorgänge in feste Bahnen zu lenken, die einen gesetzmäßig prompten Ablauf der Erscheinungen sichern, sie zum Reflex zu gestalten. Da alle primitiven nervösen Zentralorgane nur Reflexorgane sind, so liegt es nahe, daran zu denken, daß die ständig wiederkehrenden einfachen Erregungs Vorgänge in letzter Linie den Anstoß zur Differenzierung eines Zentralnerven- systems überhaupt gegeben haben. Für die Ausbildung besonderer koloratorischer Zentren kommt noch der Umstand in Betracht, daß mit der Mannigfaltigkeit der chromatischen Reaktionen sich eine Notwendig- keit eigener Koordinationszentren ergeben mußte, wenn auf die verschiedenen Reize, die dem Tier von der Außenwelt zugehen, verschiedene voneinander deutlich unterscheid bare Reaktionen er- folgen sollen, welche als sogenannte zweckmäßige erscheinen. Solche höhere Leistungen können nur von verhältnismäßig hochdiff'e- renzierten nervösen Organen hervorgebracht werden (Fuchs, 6). Nach dieser kurzen Schematisierung der chromatischen Funktionen vom physiologischen Gesichtspunkte aus sollen in den folgenden Ab- schnitten zunächst die wichtigsten Tatsachen über die Physiologie des Farbenwechsels bei den einzelnen Tierklassen behandelt werden. Gleich hier möchte ich, gleichsam zu meiner Entschuldigung, anführen, daß diese Darstellung keinen Anspruch darauf machen kann, alle ein- schlägigen Arbeiten berücksichtigt zu haben. Sicherlich sind mir viele Einzelbeobachtungen der weitverzweigten zoologischen Literatur ent- gangen, ganz abgesehen davon, daß mir auch nicht alle einschlägigen Arbeiten im Original zur Verfügung standen. Außerdem würde aber eine auch nur annähernde Vollständigkeit eine Monographie gezeitigt haben, die den Rahmen und den Zweck dieses Handbuches weit über- schritte. 1194 R. F. Fuchs, Literatur. Eiiileitu ng. 1. Aristoteles, Historia animalium, Lib. IV, cap. 37. 2. Biedermann, W., Ueber den Farbenwechsel der Frösche. Ärch. f. d. (/es. Physiol. d. Tiere n. d. Menschen (Pfliujer), Bd. 51 (1892). 3. Fredericq , Leon, Recherches sur la physiologie du Poulpe comrmm (Octopus vulgaris). Arch. de zool. e.vper. et gebier., T. 7 (1878). 4. Fuchs, R. F., E. Fischers (Zürich) experimentelle Untersuchnnge^i über die Vererbung erworbener Eigenschaften. Arch. f. Entw.-Mech. d. Organismen, Bd. 16 (1903). 5. — Ztir Physiologie der Pigmentzellen. Biol. Ctbl., Bd. 26 C1906) und Festschrift f. J. Rosenthal, Leipizig 1906. 6. — Zur Physiologie der Pigmentzellen, zugleich ein Beitrag zur Funktion des Stellar- ganglions der Cephalopoden. Arch. f. Enttv.-Mech. d. Organismen Bd. 30 (1910). (Festschrift f. W. Roux.J 7. — Die physiologische Funktion des Chromatophorensystems als Organ der physi- kalischen Wärmeregidierung der Poikilothermen. Sitz.-her. d. Phys.-med. Soc. in Erlangen, Bd. U (1912). 8. Harless, E., Untersuchungen über die Chromatop hören bei Loligo. Arch. f. Natur- gesch., Jg. 12, Bd. 1 (1846). 9. Klemensieivicz, H., Beiträge zur Kenntnis des Farbenwech.sels der Cephalopoden. Sitz.-ber. d. K. Akad. d. Wiss. in Wien, math.-naturwiss. Kl., Bd. 78, Abt. 3 (1878). 10. Leydig, F., Pigmente der Hautdecke und Iris. Verhandl. d. physik.-med. Ges. zu Würzburg, N. F. Bd. 22 (1889). 11. Pouchet, G., Des changements de coloration sous l'influence des nerfs. Journ. de V Anal, et de la Physiol. norm, et pathol. de l'homme et des animaux (1876). 12. Sangiovanni, G., Descrizione d'un particolare sistema di organi cromoforo-espan- sivo-dermoideo e dei fenomeni d'esso produce, scoperto nei molluschi cefalopodi. Giorn. enciclop. di Napoli, Anno 13 , Frorieps Notizen aus d. Gebiete d. Natur- u. Heilkunde, Bd. 5 (1823). 13. Sentper', Karl, Die natürlichen E.vistembedingungen der Tiere, Leipzig, Bd. 391^0 d. internat.-iviss. Bibliothek (1880). 14. Steiner, J., Die Funktionen des Zentralnervensystems. Abt. 1. Untersuchungen über die Physiologie des Froschhirns, Braunschweig 1885. Erster Teil: Wirbellose. I. Das Verhalten der Chromatophoren bei den niedersten Tierstämmen. Bei den Protozoen, Tieren ohne zellig gesonderte Organe und Gewebe, kann von Chromatophoren als histologisch selbständigen Elementen nicht die Rede sein. Wohl aber sind häufig feinkörnige gefärbte Einschlüsse im Protoplasma, ja sogar direkte Pig- menthäufungen, z. B. bei Radiolarien, beobachtet worden. Erst bei den Cölenteraten treten Zellen auf, die im histo- logischen Sinne als Pigm entz eilen anzusprechen sind. Schon bei dem niedersten Kreis dieses Tierstammes, den Spongien, wurde von K. V. Lendenfeld (6) in seinen Untersuchungen über Südsee- cölenteraten ein Farbenwechsel beschrieben, indem bei Aplysilla violacea, einem violett gefärbten Schwamm, die Bestrahlung des Schwammes mit konzentriertem violetten Licht sogleich einen roten Schimnier auftreten läßt, welcher im diffusen Tageslicht nicht sichtbar ist. Eine Erklärung über das Zustandekommen dieser Farben Verände- rung, welche vielleicht durch Fluoreszenz hervorgerufen wird, hat V. Lendenfeld nicht gegeben, wohl aber erwähnt der Autor, daß ab- gestorbene Schwämme, deren ektodermales Plattenepithel von der äußeren Oberfläche stets abgestoßen ist, den roten Schimmer unter Der Farbenwechsel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. 1195 keinen Umständen zeigen , obwohl die schwarz-violette Farbe des Schwammes unverändert erhalten geblieben ist. Aus dieser letzteren Angabe v. Lendenfelds kann man wohl annehmen, daK die Farben- änderung im geschilderten Versuche durch die Epithelzellen bedingt ist, die aber nicht als Pigmentzellen angesehen werden können. Im direkten Sonnenlicht erscheint die Oberfläche des Schwammes samtartig und zeigt einen karmesinroten Schimmer, der durch eine fluoreszierende Wirkung der äußersten Zellschicht oder vielleicht der Cilien der Ektodermzellen hervorgerufen wird. Der Bestandteil des Ektoderms, welcher die Fluoreszenz verursacht, verliert, in Alkohol gelöst, seine fluoreszierenden Eigenschaften. Nach diesen Angaben V. Lendenfelds würden wir bei den Spongien bereits Fluoreszenz- zellen anzunehmen haben, also Elemente, die für Färbungserschei- nungen, welche an höheren Tieren auftreten, von großer Bedeutung sind. Aber auch echte Pigmentzellen beschreibt v. Lendenfeld. In der Haut von Aplysiüa trifft man dicht zusammengedrängt große amöboide Zellen. „Die läppen förmigen vorderen Fortsätze werden von hyalinem Plasma gebildet, und erst nachdem dasselbe eine Strecke weit vorgegangen ist, ergießt sich der körnige Inhalt in die Fortsätze hinein. Die hinteren feinen Pseudopodien sind stets von trübem Plasma gebildet und scheinen dadurch zu entstehen, daß das körnige Plasma an einigen Stellen haftet und daher in der Bewegung zurück- bleibt." Der ovale Kern liegt hinter der Mitte. Außer zahlreichen feineren und gröberen stark lichtbrechenden Körnchen enthält das zentrale Protoplasma rundliche, fast undurchsichtige, dunkelviolette Körnchen. Diese sind es, welche dem Schwamm seine Farbe verleihen. In der Haut ist aller Farbstoff" an diese amöboiden Zellen gebunden, während alle übrigen Teile derselben farblos sind. Bei der in der Adria lebenden Aplysilla sulfurea enthalten die amöboiden Zellen gelbe Pigmentkörnchen. Im Innern des Schwammes sind aber die Pigment- körnchen nicht auf die Wanderzellen allein beschränkt. Auch bei Dendrilla rosea ist der Farbstoff" an kleine Körnchen gebunden, welche wahrscheinlich ausschließlich in den Wanderzellen vorkommen. Bei Behandlung mit Alkohol verwandelt sich der rosa Farbstoff in einen bräunlichen fleischfarbenen. Tote Schwämme, die an keiner Stelle mehr Flimmerung zeigen, bleiben im Meerwasser einige Tage lang schön rot, erst später nehmen sie eine schmutzig-bräunliche Fär- bung an. Dendrilla aerophoha ist ebenso wie Aplysina aerophoha schwefel- gelb gefärbt und zeigt ebenso wie diese den gleichen Farbenwechsel infolge der Einwirkung von Süßwasser, Luft oder anderen schädlichen Substanzen. Der Schwamm wird, wenn er unter günstigen Umständen langsam abstirbt, allmählich von der Oberfläche gegen die Mitte zu schön blau. Später wird die Farbe ein sehr dunkles Blau, fast Schwarz. Durch Alkohol wird er schmutzig-kupferrot gefärbt. Dieser Farbstoff" geht zum Teil in Lösung und fällt dann als brauner Niederschlag wieder aus. Der Farbstoff findet sich bei Dendrilla in kleinen Körn- chen, während er bei Aplysina aerophoha konkrementartige Ballen bildet. Der Farbenwechsel des Schwammes ist im zentralen Teile, selbst dann, wenn man ihn durchschnitten hat, weder durch Einwir- kung von Süßwasser, noch der von Alkohol so intensiv wie an der Oberfläche, was nach v. Lendenfeld darauf zurückzuführen ist, daß 1196 R- F. Fuchs, die Haut von Dendrilla, ebenso wie die der anderen australischen Schwämme besonders reich an amöboiden Wanderzellen ist, und deshalb besonders viel Pigmentkörnchen enthält. Die im Leben schwefelgelben Pigmentkörnchen sind auch hier ausschließlich an die Wanderzellen gebunden. Diese Farbstoflfzellen stehen nach v. Lendenfeld in wesentlicher Beziehung zur Ernährung des Schwammes. Der Farbstoff selbst ist aber kein Nahrungsstoff, sondern die Zellen sind als den roten Blutkörperchen der Wirbeltiere vergleichbare Gebilde anzusehen. Wenn wir auch keine ausreichende Erklärung für den Mechanismus der Farbenänderungen bei den Spongien durch die Arbeiten v. Lenden- felds gewonnen haben, so sind sie doch geeignet, das größte In- teresse der Physiologen zu beanspruchen und lassen gerade syste- matische physiologische Untersuchungen des Farben wechseis der Spongien, welche Tierklasse bisher von den Physiologen ganz beiseite gelassen wurde, sehr aussichtsreich und wünschenswert erscheinen. Gerade auch die physiologische Bedeutung der Farbstoffzellen, welche ihnen v. Lendenfeld zuerkennt, fordert die Aufmerksamkeit der Physiologen heraus, weil sie uns auf eine Funktion der Pigmentzellen hinweist, welche von den Physiologen bisher eigentlich so gut wie vollkommen außer acht gelassen wurde. Vielleicht gewinnen wir bei weiteren Untersuchungen nach dieser Richtung hin ein Verständnis für das bei manchen Tierarten gewiß höchst auffallende Vorkommen zahlreicher Pigmentzellen in den inneren Organen, insbesondere im Verdauungsrohr. Auch Franz Eilhard Schulze (10) beschreibt bei Spongien in der Nähe der Geißelkammern gelegene Zellen von verschiedener Form, welche im Leben wahrscheinlich amöboide Bewegungen ausführen, und die an den dunkel gefärbten Tieren reichlich dunkel- braune Pigmentkörnchen enthalten. Bei Acalephen (Scyphomedusen) finden sich nach J. V. Carus (2) häufig Pigmentzellen in der zarten, aus polyedrischen Zellen ge- bildeten Epidermis, welche das Körperparenchym überzieht. Ob diese Zellen Formveränderungen zeigen, welche einen Farbenwechsel herbei- führen, scheint nicht untersucht zu sein. Ferner hat 0. Keller (5) bei Cassiopeia poJypoides, einer Meduse des Roten Meeres, Zellen beschrieben, die in der Schirm gallerte in großen Mengen "dicht unter dem Epithel eingebettet und meist zu kugeligen oder länglichen Haufen vereinigt sind. Sie sind intensiv gelb- braun und werden von Keller als Pigmentzellen bezeichnet, doch hält der Autor selbst diese Gebilde für identisch mit den gelben Drüsenzellen, welche 0. Hamann bei einem großen Teil der Rhizo- stomen aufgefunden hat, so daß wir diese Zellen den Pigmentzellen im engeren Sinne des Wortes nicht zuzählen dürfen. Auch bei den Würmern sind nach Angaben von J. V. Carus und F. Leydig Pigmentzellen beobachtet worden; insbesondere hebt Leydig (7) hervor, daß man zwischen den rundlichen, eckigen Epidermiszellen bei Piscicola stark verästelte Pigmentzellen gewahrt. Carus (2) weist ferner darauf hin, daß gerade bei den Würmern sehr häufig die Fär- bung von einer eigentümlichen Faserung herrührt, wodurch eine Iri- deszenz hervorgerufen wird. Aus der Klasse der Anneliden sind Chromatophoren bei Hiru- dineen beschrieben worden. Der Falbenwechsel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. 1197 Die Pigmente der Hirudineen hat Leydig (7) sehr eingehend studiert. Das Pigment von Piscicola kann schwarze, rotbraune, schmutzig-gelbe, violette oder grüne Farbe haben. Das Pigment ist zum Teil in vielseitig verästelten, mit deutlichen Kernen und Mem- branen versehenen Zellen enthalten, die zum Teil durch Kommuni- kation Netze bilden. Andererseits kommt das schmutzig-gelbe Pigment in Anhäufungen vor, die zwar einen Kern, aber keine Zellmembranen erkennen lassen. Endlich kommt das Pigment in Klümpchen (Leydig nennt sie „Molekeln"), oder in Tropfen vor, ohne jede Andeutung zelliger Differenzierung. Während bei Piscicola, wie bei vielen anderen Würmern, fast alle Organe mit Pigment versehen sind, besitzt Clepsine nur in der Haut Pigment, die anderen Organe besitzen davon nur ganz geringfügige Spuren. Das Hautpigment von Hirudo medicinalis läßt nur teilweise einen zelligen Charakter erkennen. In diesem Falle sind verästelte mit Kernen versehene Zellen vorhanden, besonders in der Fußscheibe und am Kopf. Es sind sehr zierliche Zellen, welche unter dem strukturlosen Oberhäutchen liegen. In tieferen Schichten trifft man Pigmenthaufen an, die nur hie und da den Anschein zelligen Charakters bieten. Bei Nephelis bildet das gelbe Pigment der Haut Klümpchen, während das schwarze in dendritisch verzweigten Zellen sich vorfindet. Bei Clepsine sind die im auffallenden Licht weiß er- scheinenden Flecke Zellen mit bläschenförmigem Kern, einem Kern- körperchen und körnigem Pigment als Zellinhalt. Dagegen sind die roten Pigmenthäufchen ohne jeden Zellcharakter. Die Membranen der Pigmentzellen bei Piscicola und Clepsine bilden sich erst später im ausgewachsenen Zustand. Leydigs Angaben wurden von Hachlov (4) an verschiedenen Hirudineen vollständig bestätigt und noch dahin gehend ergänzt, daß das in den Chromatophoren vorhandene schwarze, dunkelbraune oder orangefarbene Pigment gewöhnlich in gesonderten Chro- matophoren vorkommt, aber es gibt auch Chromatophoren, welche gleichzeitig zweierlei Pigmente enthalten, also polychrom sind wie die Chromatophoren der Crustaceen. Graf (3) hält die Pigmentzellen der Hirudineen für amöboide Wanderzellen, die die Aufgabe haben, die beim Stoffwechsel ge- bildeten Pigmente in die Haut zu transportieren und dort abzulagern. Da es sich um Beseitigung von Produkten des Stoffwechsels durch diese Zellen handelt, so bezeichnet sie Graf als Exkretophoren. Das in der Haut befindliche Pigment soll aus den abgerissenen Zell- fortsätzen stammen, die die Exkretophoren zwischen die Epidermis- zellen senden. Da die abgerissenen Fortsätze von ihren Zellen (Kernen) abgetrennt sind, so sterben sie ab. Diese Auffassung von Graf widerspricht aber den durch Leydig und Hachlov festgestellten histologischen Tatsachen, die zu den Zellen gehörige weitverzweigte Fortsätze nachgewiesen haben, so daß Grafs Beobachtungen wohl andere Zellen betreffen als echte Chromatophoren. H. Rathke (9) beschreibt Chromatophoren bei Nephelis und Clepsine. Bei Nephelis beginnt die Pigmentierung einige Tage nach der Geburt zunächst an der Rücken- und Bauchfläche, indem die hier gelegenen Hautzellen beginnen, eine molekulare Masse von gelb- brauner Färbung in sich abzulagern und immer stärker anzuhäufen. „Später entwickeln sich zwischen den braunen auch schwarze Pigment- zellen von mehr oder minder zackigem oder strahligem Aussehen." 1198 E. r. Fuchs, Bei Clepsine erscheinen die Pigmentflecken bereits einige Tage vor Abtrennung vom mütterlichen Tier, wo sie zuerst in spärlichen Reihen am Rücken auftreten und sich dann nach der Geburt des Tieres sehr rasch vermehren. Die Flecken haben eine wechselnde Form und Größe und sind als Pigmentzellen zu deuten, die einen hellen Kern im braunen Pigment meist leicht erkennen lassen. In den tieferen Lagen der Körperdecke kommt außer den beschriebenen noch eine zweite Form von sehr großen Pigmentzellen vor, die gelblichgrüne Pigmentkörnchen enthalten. Auch Kalkkörperchen kommen in der Haut vor, welche sich durch ihr starkes Lichtbrechungsvermögen aus- zeichnen. Bei Echinodermen hat v. Uexküll (11) einen auffallenden Farbenwechsel beschrieben, der durch Belichtung und Verdunk- lung experimentell erzeugt werden kann. Centrostephanus entfärbt sich nach einem etwa halbstündigen Aufenthalt im Dunklen, wobei sich alle schwarzen Chromatophoren, mit Ausnahme jener der Madre- porenplatte, zusammenziehen. Am Licht dehnen sich die Chromato- phoren wieder aus und nehmen verästelte Gestalt an, wodurch das Tier dunkel wird. Bei jungen Tieren entfärbt sich der Analstern ; ältere Tiere, die längere Zeit im Dunklen waren und hell geworden sind, zeigen am Lichte gleichfalls zuerst eine Expansion der Chro- matophoren am Analstern, später reagieren auch die anderen Chro- matophoren. Die Geschwindigkeit der Reaktion ist von der Intensität des Lichtes abhängig. Ganz analog wie Centrostephanus verhält sich Arbacia pustulosa, die in der Dunkelheit braun gefärbt ist, während sie im Licht tiefschwarz erscheint. Leider enthalten v. Uexkülls Angaben keine näheren histologi- schen Details über den Bau der Chromatophoren, sowie über die sich bei den Pigmentbewegungen abspielenden Prozesse in diesen als Zellen nicht nachgewiesenen Chromatophoren. Denn es wäre mög- lich, daß es sich um Pigmentströmungen in einem Kanal- system handelt. Es ist deshalb dringend erwünscht, die Beobach- tungen V. Uexkülls durch neue genaue histologische Untersuchungen zu ergänzen. Die Bedeutung der Pigmentverschiebung erblickt v. Uexküll in einer Schirmwirkung zum Schutze eines nach v. Uexkülls Vermutung hinter den Chromatophoren gelegenen Farbstoffes, der durch Licht zersetzt wird. Es ist das eine Auffassung der Chromatophorenfunktion, wie sie neuerdings auch von Bauer (1) für die Crustaceen (siehe diese) im Detail durchgearbeitet worden ist. Aus den Schalen von Sphaerechinus hat v. Uexküll durch abso- luten Alkohol einen purpur- bis weinroten Farbstoff extrahiert, der gegen direktes Sonnenlicht sehr empfindlich ist und durch dieses zu- nächst in Gelb übergeführt und dann allmählich fast ganz entfärbt wird. Durch Süßwasser oder Glyzerin lassen sich verschiedene F'arben extrahieren, welche von v. Uexküll nicht näher charakterisiert worden sind. Im Dunklen sind alle Farben unbegrenzt haltbar, auch Er- hitzen ändert die Farbe nicht. Säure verwandelt das Purpur in Ziegel- rot, Alkalien dagegen in Schwarz, aus dem durch Neutralisieren der lichtempfindliche Purpurfarbstoff wiedererhalten wird. An der Sonne gelegene Schalenstücke lassen nur ein gelbes Pigment im Alkohol- extrakt erscheinen, dagegen geben im Dunklen aufbewahrte Schalen purpurfarbene Extrakte. Aus Schalen von Centrostephanus wurden nur gelbe Farbstoffe ausgezogen. Der Farbenwechsel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. 1199 Die chemische Natur dieses Farbstoffes und seine biologische Be- deutung läßt sich nach v. Uexkülls Angaben nicht beurteilen, eben- sowenig ist die Regulation der Pigmentverschiebung, der Angriffs- punkt des Reizes klar, so daß neue Versuche sehr lohnend erscheinen. Literatur. Niederste Tier st ä m m e. 1. Bauer, Victor, lieber die Atisnützung strahlender Energie im intermediären Farh- Stoffwechsel der Garneelen. Ztschr. f. allg. Physiol., Bd. IS (1912). 2. Cartis, J. Victor, System der tierischen 3forphologie, Leipzig 1853. 3. Graf, Artiolcl, Ueber den Ursj^rung des Pigments und der Zeichnung hei den Hiru- dineen. Zool. Am., Jg. 18 (1895). 4. Hachlov, L., Die Körperwand von Hirudo medicinalis nebst einigen Bemerkungen über die Bayer sehen Organe von Clepsine sexoculata. Zool. Jahrb., Abt. f. Anat. u. Ontog. d. Tiere, Bd. 29 (1910). 5. Keller, C,, Untersuchungen über neue Medusen aus dem Boten Ifeere. Ztschr. f. wiss. Zool., Bd. 38 (1883). 6. t'. Lendenfeld, R., Ueber Cölenteraten der Südsee. II. Ilitteil. Neue Aplysinidae. Ztschr. f. wiss. Zool., Bd. 38 (1883). 7. Leydig, Franz, Zur Anatomie von Piscicola geometrica mit teilweiser Vergleichung anderer einheimischer Hirudineen. Ztschr. f. iviss. Zool. Bd. 1 (1849). 8. — Lehrb. der Histologie des Menschen, und der Tiere, Frankfurt a. M. 1857. 9. Rathlce, Heinrich, Beiträge zur Entwicklungsgeschichte der Hirxidineen, herausg. von Rudolf Leuckart, Leipzig 1862. 10. Schtilse, Frans Ftlhavd. Untersuchungen über den Bau, und die Enttvicklung der Spongien. 8. Bfilteil. Die Gattung Hircinia, Nardo und Oligoceras n. g. Ztschr. f. wiss. Zool., Bd. SS (1880). 11. r. Uexküll, J., Vergleichend-sinnesphysiologische Untersuchungen. II. Der Schatten als Reiz für Centrostephanus longispinus. Ztschr. f. BioL, N. F. Bd. 16, der ganzen Reihe Bd. 34 (1896). II. Mollusken (exkl. Cephalopoden). Bereits bei der 1. Ordnung der Amphineuren, nämlich den Aplacophoren, erwähnt H. Simroth (11) Farbzellen und einen Farbenwechsel. Als besonderes Beispiel wird das Verhalten vo,n EcJiinomenia angeführt, welche auf einem roten Korallenstamm rot wird, indem das Tier seine Kalkstacheln, die Spiculae, aufrichtet, während es zwischen weißen Polypen durch Niederlegen der Spiculae weiß er- scheint, weil dann die in der Haut liegenden roten Pigmentzellen verdeckt sind. Simroth nimmt an, daß es sich bei diesem Vorgang um eine Farbenwahrnehmung handelt, die natürlich um so auf- fallender ist, als es sich um ein au gen loses Tier handelt, weshalb Simroth den roten Farbzellen die Farbenperzeption zuschreibt. Seine Auffassung stützt er mit der Angabe von Tullberg (14), welcher eine Verbindung von Chromatophoren mit einer Nervenfaser bei Neomenia beschrieben hat, obgleich Simroth selbst die Nervenfaser Tullbergs für eine Muskelfaser hält. Zweifellos ist dieser Farbenwechsel von Echinomenia ein sehr interessantes physiologisches Phänomen, doch dürfte es wohl vom Standpunkte des Physiologen aus richtiger sein, hier nicht von Farbenwahrnehmung zu sprechen, sondern einen anderen Erklärungs- modus für den Reflex der Aufrichtung der Kalkstacheln, um einen solchen kann es sich doch nur handeln, zu suchen. Wahrscheinlicher sind als Reflexursachen mechanische Reize, Rauhigkeit der Korallenstämme, Glätte der Polypen, oder vielleicht chemische Reize, Vorhandensein von verschiedenen Exkreten dieser Tierarten anzu- nehmen. Denn von Farbenwahrnehmung oder noch strenger ausge- 1200 R. r. Fuchs, drückt Farbenunterscheidung könnte erst dann mit einiger Wahrscheinlichkeit gesprochen werden, wenn z. B. Echinomenia auf roten Korallen rot, auf weißen weiß erschiene, wenn andere Reize bei solchen Beobachtungen ausgeschlossen wären. Immerhin ver- dient der Farbenwechsel von Echinomenia eine genauere Untersuchung. In der Klasse der Lamellibranchiaten treten Pigmente vor- nehmlich an dem häutig gefalteten oder auch Papillen und Tentakeln tragenden Mantelsaum auf (Claus, 4). Angaben über einen Farben- wechsel der Muscheln habe ich nicht finden können. Auch über die P i g m e n t z e 1 1 e n der Gastropoden sind unsere Kenntnisse noch sehr mangelhaft. Pigmenttragende Zellen sind zwar bei den Gastropoden sehr verbreitet, so findet sich nach den Unter- suchungen von Franz Boll (1) Pigment in den Plattenepithelien einiger Heteropoden, sowie in vielen Cuticular- und Wimperepithelien der Gastropoden. Bei Haliotis tuherculata ist der Mantelteil mit einem schwarzen, körniges Pigment führenden Zylinderepithel überzogen, ferner finden sich in dem Zylinderepithel der Tentakel stets einige oder viele Körnchen eines schmutzig -olivbraunen bis grünlichen Pigmentes. Nach H. Simroth (12) liegt bei Janthina ein dunkel- schwarzes Pigment, das wohl während des Lebens blau schimmert, in den meisten Epithelzellen an der freien Körperoberfläche. Es findet sich in dicken Klumpen bald distal, bald proximal vom Kern, wobei benachbarte Zellen streckenweise die gleiche Pigmentverteilung auf- weisen. Simroth vermutet, daß es sich dabei um Pigment- wanderungen innerhalb der Zellen je nach der Beleuch- tung handle. Bei Vermetus besitzt der Eingang der Fußdrüsen nach Fr. Houssay (7) ein schwarzes Epithel. Physiologisch in- teressant ist, daß nach Simroth eine besondere Beziehung zu den Sinnesepithelien besteht, ohne daß allerdings die physiologische Be- deutung dieser Erscheinung klargestellt wäre. So finden sich be- sondere Pigmentierungen an der sensitiven Region der verschiedenen Osphradien, und es ist wohl kein Zufall, daß auch der Fühler und Kopf von Cyclostoma, also exquisit sensitive Organe, pigmentiert sind, während sonst das Epithel farblos ist. Von Cypraea tigris aus der Ordnung der Prosobranchier wird von Broderip (3) angegeben, daß diese Schnecke imstande ist, die Farbe zu wechseln. Bei den von C. Gegenbaur (6) untersuchten Heteropoden enthalten die mit rosaroten oder rotvioletten Flecken bedeckten Arten, Plerotracliea Friderici und Pterotrachea mutica das Pigment ausschließlich in den Epidermiszellen, ebenso findet sich nach Boll (1) bei Doris, einem Opisthobranchier, ein gelbes Pigment in den Epithelzellen des Mantelrandes. Hier wären auch noch die Untersuchungen von H. Müller (10) über die Gattung FhylUrhoe zu erwähnen. Die Tiere zeigen an ihrem oberen und unteren Rande unregelmäßig zylindrische opalisierende Körperchen. Etwas tiefer liegen schon mit bloßem Auge sichtbare intensiv gelbe Punkte, welche mit körnigen Massen erfüllte Zellen sind, die bald eine zackige, bald glatte oder rundliche Gestalt haben. Manchmal findet man eine Menge von der Zelle abgehende Radiärfasern, so daß diese Gebilde den Chromatophoren der Cephalopoden sehr ähnlich sind. Ein Form Wechsel dieser Zellen wurde nur bei Aenderungen des Kontraktionszustandes des ganzen Der Farbenwechsel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. 1201 Tieres bemerkt, wobei diese Zellen bald flacher, bald dicker wurden. Neuerdings wurden die Chromatophoren von PhpUirho'e bucephala von Born (2) als vielkernige (2 — 12 Kerne) Gebilde beschrieben, welche zwischen den einzelnen Kernen Zellkonturen zeigen. Die Kerne selbst sind bläschenförmig und liegen an verschiedenen Stellen der Zelle. Auch die Pigmentverteilung zeigt verschiedene Bilder; häufig findet sich das Pigment in großer Menge um den Kern gelagert, zu- weilen ist es aber an die Zellperipherie gedrängt. Einwandfreie Ver- bindungen der Pigmentzellen mit Muskel- und Nervenfasern ließen sich nicht nachweisen. Hingegen beschreibt Born eigenartige Wanderungen der ganzen Zellen, indem sich die einzelnen Zellen der obenerwähnten vielkernigen Gebilde voneinander entfernen. Zunächst bestehen zwischen ihnen deutliche protoplasmatische Ver- bindungsbrücken, die mit dem Abrücken der Zellen voneinander immer feiner werden und schließlich nicht mehr nachweisbar sind. Diese fast kreisförmigen Gebilde haben zahlreiche homogene Ausläufer und größere Kerne. Aus der Darstellung Borns geht leider nicht klar hervor, ob der Autor dieses Auseinanderrücken der Zellen als amöboide Wanderungen selbständiger Zellen ansieht, oder Aus- senden von Pseudopodien, die sich nachher zu Zellen entwickeln. (Einfaches Abschnüren von Zellteilen.) Jedenfalls kann man sich aus den Angaben Borns kein klares Bild von den physiologischen Ur- sachen dieser Zellwanderung machen. Denn es wäre denkbar, daß es sich um verschiedene Entwicklungsstadien eines sich bildenden zu- sammenhängenden Organsystemes der Chromatophoren handelte, wie es Keeble und Gamble (siehe Kapitel „Crustaceen") für die Crusta- ceen beschrieben haben. rnu Fig. 1. Fig. 2. Fig. 3. Fig. 1 u. 2. Phyllirhoe bucephala. Chromatoplioren vom Kopf, k Kern, j9 Pigment, z Zellhaut, mu Muskel. Fig. 3. Chromatophore vom Körper. (Nach Trojan.) An konserviertem Material hat Trojan (13) die Chromatophoren von Phyllirhoe bucephala untersucht. Es sind große, unmittelbar unter der Haut gelegene kugelige Zellen von 25—35 in Durchmesser (Fig. 1 — 3), die im ganzen Körper mit Ausnahme der Tentakel vorkommen. Der elliptische Kern ist basal gelegen und schwer zu sehen, weil er von den bei der Färbung der Präparate autgenommenen künstlichen Farbstoffen verdeckt wird. Die gelben Pigmentkörnchen der Zellen selbst haben unregelmäßige Form. Die Zellen sind von einer ziem- lich dicken Zellhaut umschlossen. An den Chromatophoren des Kopfes Handbuch d. vergl. Physiologie. III, 1. 76 1202 ß. F. Fuchs, beschreibt Trojan radiär angeordnete Muskelfasern, die an der Zellhaut inserieren. Die dafür gegebenen Abbildungen lassen es allerdings als wahrscheinlich erscheinen, daß es sich um Muskelfasern handelt, wenngleich diese Deutung der Figuren nicht absolut zwingend erscheint. Die Chromatophoren des Körpers liegen in ziemlich tiefen Einstülpungen der Haut und dürften ebenfalls Kon- traktionen bzw. Expansionen vollführen , da auch hier radiär an- geordnete Elemente knapp unter der Oberfläche in einer seichten muldenartigen Vertiefung liegen. Jedenfalls stimmen Trojans An- gaben in den wesentlichen Punkten mit denen von H. Müller überein, so daß wir bei PhyUirhoe tatsächlich ähnliche Chromatophoren wie bei den Cephalopoden antreffen. Bei den zu den Pulmonaten gehörigen Limax variegatus und carinatus hat Leydig (8) echte Chromatophoren beschrieben. Im Epithel der Haut kommt bei Landschnecken, obwohl die Epi- thelien meist glashell ohne Pigment sind, namentlich bei Heli einen, gelbes oder auch dunkles Pigment vor. In der Lederhaut liegen be- wegliche dunkle Pigmentzellen, auf die Leydig (9) den von ihm bei Limax variegatus und Limax carinatus beobachteten Farbenwechsel bezieht. Die letztgenannte Schnecke hat einen graurötlichen Farben- ton; wurden solche Tiere über Nacht in eine feuchte Blechkapsel gesperrt, so zeigten sie am anderen Tag an Stelle des rötlichen Farbentons eine dunkle Färbung. Ein in Kaliumbichromatlösung ge- worfenes lebendes Tier hellt sich, solange es lebt, stark auf; im Tode wird es auf dem Rücken dunkel, fast schwarz. Limax variegatus zeigt ein deutliches wechselndes Farbenspiel, indem die Pigment- flecke ihre Lage wechseln. Wenn auch diese kurzen Mitteilungen Leydigs uns nicht gestatten, eine genauere Analyse des Farben- wechsels bei den genannten Schnecken vorzunehmen, so kann doch an der Existenz eines solchen nicht gezweifelt werden. Es müssen erst neue genauere physiologische Versuche über die Mechanik des Farbenwechsels der Schnecken angestellt werden. Viel eingehender behandelt Leydig dagegen die anatomischen und histologischen Verhältnisse der Chromatophoren, wobei er unter anderem hervorhebt, daß z. B. bei Limax arhorum auch die Be- grenzung des Leibesraumes schwarz gefärbt ist, und bei Helix arbu- storum erstreckt sich die Pigmentierung auch auf die inneren Organe. Die Chromatophoren aller Limaceen ^nd viel kleiner als die der Wirbeltiere. Die dem freien Auge als dunkle Flecke erscheinenden Punkte, welche einzelne große Chromatophoren vermuten ließen, be- stehen in Wirklichkeit aus einer Anhäufung dieser kleinen Pigment- zellen. Außer dem dunklen Pigment, welches in den oberen Cutis- schichten hegt, kann auch ein bräunliches zugegen sein, welches dem metallisch glänzenden der Batrachier entspricht und sich namentlich in der Haut des Schildes von Limax agrestis und marginatus sehr aus- gebreitet vorfindet, wobei durch die Pigmentauhäufungen gewisse Zeichnungen entstehen. Am stärksten ist diese Pigmentanhäufung bei Limax einer eonig er. Dagegen fehlt bei Ärion empiricorum, namentlich an den hell- roten Tieren, das dunkle Pigment fast vollständig, noch am ehesten bleibt es an der Haut des Kopfes erhalten. An diese Beobachtung knüpft Leydig eine biologisch sehr beachtenswerte Bemerkung an. „Das Beharren des dunklen Pigmentes am Kopf oder wenigstens im Der Farbenwechsel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. 1203 Musculus retractor des Fühlers ist bemerkenswert und hängt wohl mit dem Bedürfnis des Auges für Lichtempfinden zusammen. Es ist der Zurückzieher des oberen Fühlers oder Augenträgers nicht selten ganz dunkel pigmentiert bei sonst ganz farblosem Körper, z, B. Helix fruticum. Es gibt auch Arten, bei denen in diesem Muskel das Pigment ganz fehlt, so z, B. bei Helix pulcliella, wo alsdann die Augenpunkte mit dem Chorioidalpigment besonders lebhaft von dem sonst hellen Tier abstechen." Ob es das Bedürfnis nach Licht ist, wie Leydig glaubt, das die Pigmentierung verursacht, scheint doch sehr zweifelhaft, viel eher würde auch hier die oben erwähnte Anschauung Simroths plausibel erscheinen, wonach es sich auch in den von Leydig beschriebenen Fällen um eine auffallende Pigmentierung ausgesprochen sensibler Gebilde handelt. Da Leydig bei manchen Schneckenarten ganz farblose Ex- emplare aufgefunden hat, die er direkt als Albinos bezeichnet, während andere Tiere derselben Species stark pigmentiert sind, so glaubt er diese Verschiedenheiten der Pigmententwicklung durch die verschiedene Oertlichkeit, an der die Tiere leben, er- klären zu müssen. Neuerdings hat Distaso (5) das Pigment von Helix - k.vtQ\]. ge- nauer untersucht und gefunden, daß den Pigmentbändern entsprechend subepithelial angeordnete Anhäufungen von Pigmentzellen vorhanden sind, von denen aus das Pigment in Körnchenreihen in das Epithel übertritt. Ob diese Körnchenreihen von einer Wand umgeben sind, war nicht zu entscheiden. Die subepithelial gelegenen Pigmentzellen sind aber zweifellos echte Chromatophoren, die mit Pigment- körnchen gefüllt sind und einen Kern besitzen, der sehr arm an Chromatin ist. Die Zellen besitzen gegen das Epithel zu gerichtete Ausläufer, die ihnen sternförmige Gestalt verleihen ; die Zellmembran konnte zwar nicht beobachtet werden, trotzdem zweifelt Distaso aber nicht an ihrer Existenz. Von besonderem Interesse ist Distasos Angabe , daß im Mantel der untersuchten Helicinen niemals Pigment vorkommt, das nicht in den charakteristischen Chromatophoren enthalten ist. Das Pigment der Chromatophoren ist nach Distasos Beobach- tungen ein Umwandlungsprodukt des in das Plasma der Zelle übergetretenen Chromatins. Das Chromatin des Kernes ballt sich allmählich zusammen, der Kern wird immer blasser und ärmer an Chromatin, während sich um den Kern Wolken von Pigment ablagern. Ob die von Distaso beobachteten Erscheinungen aber den Schluß gestatten, daß das Pigment sich aus dem Chromatin bildet, scheint mir zwar noch nicht sicher, aber möglich zu sein, denn der Schwund von Chromatin und die Anhäufung des Pigmentes in den Zellen können zeitlich nebeneinander bestehen, ohne daß das Chromatin die Muttersubstanz des Pigmentes zu sein braucht. Arion ater zeigt nach Bolls (1) Untersuchungen zwar unter dem Epithel eine dichte Lage körnigen Pigmentes, welches das Binde- gewebe ganz und gar verdeckt, etwaige Pigmentzellen sind aber nicht unterscheidbar, die ganze Schicht erscheint diffus infiltriert. Besonders erwähnt sei noch, daß in der Haut der Landpulmonaten die Becher- zellen eine eigentümliche Umwandlung zu einzelligen Farbdrüsen erfahren. 76* 1204 ß- I". Fuchs lieber die Chromatophoren der Pteropoden sind wir durch die Arbeiten von Kölliker und H. Müller sowie C. Gegenbaur schon frühzeitig unterrichtet worden. Zuerst wurden von Kölliker und H. Müller (10) die Chromatophoren, sowie ein Farben wechsel bei Oymlmlia radiata beobachtet. „Als das zarte Tierchen zufällig aus einiger Höhe in eine flache Schale mit Wasser fiel, bedeckte sich im Moment der rundliche Leib mit großen, schön rosafarbenen Flecken, welche nach einigen Sekunden wieder zu kleinen schwarzbraunen Pigmentpunkten sich zusammenzogen, und dasselbe Phänomen wieder- holte sich, so oft das Tierchen unsanft angefaßt oder das Gefäß, welches dasselbe enthielt, geschüttelt wurde. Dagegen zeigte sich der Farbenwechsel nicht, sobald das Tier sich selbst überlassen wurde." H. Müller hat durch die mikroskopische Untersuchung die Existenz großer Pigmentzellen festgestellt, um welche wie bei den Cephalo- poden viele spindelförmige Muskelfasern radiär angeordnet sind. Noch eingehender als H. Müller hat Gegenbaur (6) in seiner Monographie „Untersuchungen über Pteropoden und Heteropoden" das Verhalten der Pigmentzellen studiert. Cymbulia quadripunctata n. sp. zeigt 4 rote Flecken auf den Flossen, die bereits mit freiem Auge ein sichtbares Pulsieren erkennen lassen, indem sie bald größer und deutlich rot erschienen, bald wieder zu kaum sichtbaren schwarzen Punkten zusammenschrumpften. Dabei alternierten die vorderen und hinteren Flecke ganz regelmäßig in ihrer Expansion und Retraktion, so daß auf jeder Seite immer nur ein vorderer Fleck sichtbar war, während der hintere als schwarzes Pünktchen erschien und umgekehrt. Die mikroskopische Untersuchung ergab auch hier die Anwesenheit von Pigmentzellen. Tiedemannia hat nach Gegenbaur bereits zweierlei Arten von Pigmentzellen. Die erste Gattung liegt in großen im Pa r eu- ch ym der Flosse befindlichen Hohlräumen und ist durch feine, dichtstehende, oft verästelte Fasern, welche vom Aequator der rundlichen Zelle entspringen , an die Wandung des Hohlraumes be- festigt. Diese Fasern sind keine bloßen Ausläufer der Pigmentzelle, sondern selbständige, aus eigenen Zellen hervorgegangene Elemente, worauf die an den einzelnen Fasern vorhandenen Kerne hindeuten. Die Pigmentzellen haben eine scharf konturierte Membran , welche eine durchsichtige homogene Substanz einschließt, um welch letztere dunkle, braun gefärbte Pigmentkörnchen liegen, welche die hyaline Sub- stanz bald vollständig bedecken, bald in Lücken hervortreten lassen. Zuweilen bemerkt man zwischen den Pigmentkörnern und der Membran einen hellen Saum, welcher von einer Flüssigkeitsschicht herzurühren scheint. Obzwar ein Kern in diesen pigmentierten Gebilden nicht mit Bestimmtheit beobachtet werden konnte, so ist doch Gegenbaur von der Zellnatur dieser Gebilde überzeugt. Wir werden sehen, daß diese histologischen Beobachtungen ganz analog sind mit den später ausführlich zu beschreibenden Befunden über den Bau der bei den Cephalopoden vorhandenen Chromatophoren. Aber auch in ihrem physiologischen Verhalten schließen sich die Chromatophoren von Tiedemannia ganz dem der Cephalo- poden an, wie bereits Gegenbaur hervorhebt, indem sie auffallende P'ormveränderungen erkennen lassen. Bei längerer Beobachtung von Tiedemannia bemerkt man am Mantel und Flossenrand ein all- mähliches Verschwinden der großen braunen Flecke, welche sich bis Der Farbenwechsel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. 1205 auf feine schwarze Punkte verkleinern und nach einiger Zeit allmählich wieder zur ursprünglichen Größe und Farbe der Flecke sich aus- breiten. Diese Formveränderungen der Flecke wurden auch mikro- skopisch untersucht. Die Ausdehnung der Zellen geschieht durch die vom Aequator der Zellmembran ausgehenden Fasern, die deshalb als Muskelfasern anzusehen sind, und ist häufig ungleich, so daß die Zelle oft bizarre Gestalt annimmt. Die vollständig expandierte Zelle hat die Gestalt einer fiachen Linse und den Durchmesser des sie um- gebenden Hohlraumes. Das Pigment bedeckt dann niemals die ganze Innenfläche der Zellmembran, sondern sammelt sich meist im Kreis, oft auch halbkreisförmig um den Rand des Binnenraumes der Zelle und läßt dann den hyalinen Zellinhalt an den pigmentfreien Stellen durchscheinen. Auch mit freiem Auge sind die Pigmentkreise leicht zu erkennen. Die Schnelligkeit der Kontraktion ist verschieden , sie dauert von einer halben Minute bis zu ^4 Stunden und mehr. Die Verkleinerung, Retraktion, der Zelle erfolgt durch die Erschlaffung der peripheren Muskulatur, sowie durch die Elastizität der Zellmembran; aber auch der hyalinen Substanz kommt nach Gegenbaur eine aktive Rolle hierbei zu. Die hyaline Substanz teilt sich zuweilen in mehrere rundliche Partien, in deren Interstizien die Pigmentkörnchen liegen. Sind die Muskeln erschlaff't, dann folgt die Zellmembran rein passiv der Kontraktion der hyalinen Substanz , die ganze Zelle nimmt wieder kugelige oder eiförmige Gestalt an , wobei die Pigmentkörner den hyalinen Inhalt umlagern, so daß die Zelle dem unbewaffneten Auge wieder als dunkler Punkt erscheint. Die gleichen Verhältnisse wie diese Chromatophoren von Tiede- niannia zeigen auch jene bereits oben beschriebenen von CymhuUa quadripundata , nur daß bei ihnen das Pigment im retrahierten Zu- stand der Zelle rotbraun , im expandierten schön mennigerot er- scheint. Die zweite Art von Pigmentzellen findet sich in den gelben Flecken von Tiedemannia chrysosticta. Es sind sternförmige Zellen, deren Fortsätze sich vielfach verästeln und an ihren Enden kolbig angeschwollen sind. Sie liegen im Parenchym, ohne von einem gesonderten Hohlraum umschlossen zu sein. Ihre Zell- membran ist sehr zart, oft schwer zu sehen, der Zellinhalt besteht gleichfalls aus einer hyalinen Substanz und Pigmentkörnern. Trotz- dem Muskeln an diesen Zellen nicht beobachtet wurden, will Gegen- baur deren Existenz doch nicht in Abrede stellen. Das Pigment ist bald in dem Zellkörper, bald in den Fortsätzen angehäuft, im letzteren Falle erscheint der Zellkörper vollkommen farblos. Oft sind in den Fortsätzen nur einzelne Körnchengruppen vorhanden, oder sie sind nur zur Hälfte mit Pigment gefüllt. Bei den verschiedenen Ausbreitungszuständen scheint die Zellmembran fast gar nicht aktiv beteiligt zu sein, nur die hyaline Grundsubstanz scheint durch ihre Bewegung die verschiedenen Verteilungen des Pigmentes zu bewirken, indem sie selbst sich in den ver- schiedenen Teilen der Zelle ansammelt. Gegenbaur vertritt die Meinung, daß die Bewegung der hyalinen Substanz nur die Pigment- ansammlung im Zellkörper verständlich erscheinen lasse, nicht aber in den Fortsätzen, dazu müßte noch eine aktive Kontraktion der Zellmembran angenommen werden. Diese durch keinerlei 1206 R. F. rocHs, Beweise gestützte Annahme Gegenbaurs scheint ganz entbehrlich zu sein, da nach unseren gegenwärtigen Anschauungen über die Protoplasmabewegungen kein Grund vorliegt, warum das Protoplasma nicht in die Zellfortsätze eindringen könnte. Die Tätigkeit dieser zweiten Chroraatophorenart ist eine äußerst langsame, die nur durch lange dauernde Beobachtung festzu- stellen ist. Häufig kann man aber auch dann noch keine Bewegung sehen. Bei frisch gefangenen Tieren scheint die Bewegung am besten zu beobachten, während sie bei abgematteten Exemplaren nur sehr schwach und bei toten Tieren gar nicht mehr verbanden ist. Auf mechanische Reizung, Stechen mit einer Nadel, re- agieren nur die Chromatophoren der ersten Art, während die der zweiten Kategorie keinerlei Reaktion erkennen lassen. Bei diesem Versuch reagieren die Chromatophoren nicht sofort, sondern erst nach dem Verlauf von 1 Minute, wobei sich der Reizerfolg über den ganzen Körper erstreckt. Waren die Chromatophoren vor der Reizung expandiert, so werden sie nach der Einwirkung des Reizes retrahiert, während die Applikation desselben Reizes auf retrahierte Chromatophoren ihre Expansion zur Folge hat. Literatur. Mollusken (mit Ausschluß der Cephalopo den.) 1. Boll, Franz, Beiträge zur vergleichenden Histiologie des Molluskentypus. Arch. f. mirkrosk. Anat., 1869 Suppl. 2. Sovn, E., Beiträge zur feineren Anatomie der Phyllirhoe bucephala. Sitz.-ber. d. Ges. naturf. Freunde zu Berlin, 1907. 3. Broderip, Zitiert nach Franz Leydig. Lehrbuch der Histologie des 3fenschen und der Tiere, Frankfurt a. M. 1857. 4. Claus, C, Kleines Lehrbuch der Zoologie, Marburg 1880. 5. Distaso, A., Die Beziehtingen zwischen den Pigmentbändern des Mantels und denen der Schale bei Helix nemoralis L. und hortensis Müller nebst Bemerkungen über die Entstehung des Pigmentes bei Mollusken. Biol. Ctbl., Bd. 28 (1908). 6. Gegenbaur, Karl, Untersuchungen über Pleropoden und Heteropoden, Leipzig 1855. 7. Houssay, Fr., Recherches sur l'opercule et les glandes du pied des Gasteropodes. Arch. de Zool. exper. et gener. (2) T. 2 (1884). Zitiert nach Simroth No. 12. 8. Leydig, Franz, Bemerkungen über Farben der Hautdecke und Nerucn der Drüsen bei Insekten. Arch. f. mikrosk. Anat., Bd. 12 (1876). 9. — Die Hautdecke und Schale der Gastropoden nebst einer üebersicht der einheimischen Limnacinen. Arch. f. Naturgesch., Jahrg. 42, Bd. 1 (1876). 10. Müller, H., in C. Gegenbaur , A. Kölliker und H. Müller. Bericht über einige im Herbste 1852 in Messina angestellte vergleichend-anatomische Unter- suchungen. Ztschr. f. wissenschaftl. Zool., Bd. 4 [1858). 11. Simroth, H., In H. G. Bronns Klassen und Ordnungen des Tierreichs, Bd. 3 Mollusca. Abt. I. Amphineura und Scaphopoda, Leipzig 1892 — 1894- 12. — Idem. Abt. II. Gastropoda prosobranchia, Leipzig 1896 — 1907. 13. Trojan, Enianuel, Ein Beitrag zur Histologie von Phyllirhoe bucephala Pcron u. Lesueur mit besonderer Berücksichtigung des Leuchtvermögens des Tieres. Arch. f. mikrosk. Anat., Bd. 75 (1910). 14. Tullherg, Neomenia a new genus of invertebrate animals. Bih. tili k. Svensk. vet. Akad. Hand., Bd. 3 (1875). Ref. Arch. de Zool. exper. et gener., Annee 5 (1876). III. Cephalopoden. A. Einleitung. Am eingehendsten von allen Mollusken sind bezüglich der Ana- tomie und Physiologie des Farbenwechsels die Cephalopoden untersucht, da an ihnen die Erscheinungen so auffallend sind, daß sie Der Farben Wechsel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. 1201 bereits im Altertum die Aufmerksamkeit der Laien und Naturforscher lebhaft auf sich zogen. Wer sich für diese historischen Studien über den Farbenwechsei interessiert, sei vor allem auf die Werke des Aristoteles (2), sowie auf die Zusammenfassung von van Rynberk (65) in den Ergebnissen der Physiologie verwiesen. Die genauere Untersuchung des Farbenwechsels der Cephalopoden erfolgt zum ersten Male durch den neapolitanischen Forscher SangiovannI (66), der bereits 1819 eine genauere Beschreibung des Vorganges gegeben hat, welcher durch eigene, Chrom ophoren genannte Organe be- wirkt wird. Die farbigen Höcker haben die Fähigkeit, sich auszu- dehnen und zusammenzuziehen und behalten diese Bewegungen auch noch einige Zeit nach dem Tode bei. Während des Lebens sind die Höcker während der Ruhe des Tieres kaum sichtbar, dagegen erscheinen und verschwinden sie bei Reizung des Tieres mit einer unglaublichen Geschwindigkeit. Sie bilden Flecke, welche ihren Platz wellenartig verändern. Sangiovanni deutet den Farbenwechsel im Sinne der Schreckfarben Darwins. In den folgenden Arbeiten Sangiovannis (67, 68) kennt der Autor bereits den Einfluß des Nervensystems auf die Chromatophoren und beschreibt eine Verbindung der Chromato- phoren mit einem weitmaschigen Nervennetz. Wenige Jahre später wird der Farbenwechsel der Cephalo- poden von DE LA Frenaye (24) an Loligo subidata Sam. auf Grund makro- skopischer Beobachtungen neuerdings beschrieben, wobei besonders hervorgehoben wird, daß die Lagerung der Pigmentflecken in der Haut eine konstante ist, daß sie niemals ganz verschwinden, sondern sich nur bis auf kleine Pünktchen zusammenziehen und bei ihrer Ausdehnung an der gleichen Stelle wiedererscheinen. Obwohl die Isolierung der einzelnen in der Cutis gelegenen Pigmentflecke nicht gelang, so konnte de la Frenaye doch zeigen, daß auf Druck die kleinen, punktförmigen Flecke sich expandierten wie am lebenden Tier. Er glaubt, daß das Farbenspiel im Leben durch Ausbreitung und Zu- sammenfließen des dunklen Saftes der Pigmentflecken bewirkt wird, wobei der zur Ausbreitung erforderliche Druck auf die Chromatophoren von der Hautmuskulatur ausgeübt wird. Das Blaßwerden der sterbenden Tiere war de la Frenaye nicht entgangen. Auch C. G. Carus (12) beschreibt den Farbenwechsel der Cephalopoden, ja er versucht sogar eine Erklärung für den Mechanismus des Farbenwechsels zu geben, indem er annimmt, das Hellwerden der Tiere beruhe darauf, daß durch Dehnung der Haut die einzelnen farbigen Punkte weiter auseinandergezogen werden , so daß das helle Muskelfleisch durch- schimmert. Die dunkle Färbung kommt durch eine Kontraktion der Haut zustande. Durch Einschnitte in die Haut überzeugte sich Carus davon, daß das Pigment nicht als gefärbter Saft in der Haut vorhanden ist. Das Irisieren und der Metall glänz werden auf die Wirkung des Schleimes der Hautoberfläche bezogen. Später folgt Delle Chiaje, der die verschiedenen Farben der Tiere auf eine einzige Art von Farbelemeuten, rote Kügelchen, zurückführt, die in ihren verschiedenen Ausbreitungszuständen verschiedene Farben in- folge verschiedener Lichtbrechung zeigen. Von besonderer Bedeutung ist aber die Angabe Delle Chiajes (15), daß die Ausbreitung der Kügelchen durch radiäre Muskelfasern bewirkt wird, von denen je sechs an einer Chromophore sich ansetzen. Damit sind die wesent- lichen Punkte für die Funktion der Chromatophoren bekannt geworden, 1208 R. F. Fuchs, und die weitere Forschung beschäftigt sich seit den nunmehr folgenden Untersuchungen von Wagner (78) in erster Linie mit dem anatomi- schen Bau der rätselhaften Gebilde, die vor allem deshalb ein be- sonderes Interesse erlangten, da Wagner, auf den Arbeiten Schleidens und ScHVi^ANNs fußend, den Chromatophoren Zellcharakter zu- sprach und sie direkt als „Farbz eilen" bezeichnete. Trotz der vorwiegend anatomisch-histologischen Untersuchungen des Problems steht doch eine speziell physiologische Frage im Vordergrund des Interesses, nämlich der Mechanismus des Farbenwechsels, insbesondere die Frage, ob die Expansion der Chromatophore durch Muskel Wirkung erfolge, oder ob es sich dabei um ein Phänomen handle, das dem Gebiete der einfachen Lebenserscheinungen der Zelle, amöboide Bewegung des Plasmas, zuzuschreiben ist. Kölliker (47), Harless (33), E. Brücke (10, 11) hatten sich ganz entschieden für die Deutung der Expansion als einer Folge der Kontraktion der au der Chromatophore ansetzenden Radiär fasern, welche Muskeln seien, ausgesprochen, und nun entbrennt der Streit um die histologische Natur der Radiärfasern, die von H. Müller (54, 55), Keferstein (44), Boll (9), Pouchet (62), Klemensiewicz (46), Solger (71), H. Rabl (63), Steinach (72) und C. Chun (16), um nur die Hauptvertreter der histologischen Forscher auf diesem Gebiete zu nennen, als Muskelzellen angesehen wurden. Ihnen schloß sich später auch Phisalix (58 — 61) an, obgleich er in seinen ersten Arbeiten (57) den muskulären Charakter der Radiär- fasern leugnete, Anschauungen, wie sie namentlich von Wagner (78, 79) und C. Keller (45) auf deutscher Seite, von Blanchard (8), GiROD (31), JouBiN (43) auf Seite der Franzosen vertreten werden. Es ist ein hervorstechendes Symptom im Streite dieser Meinungen, daß sich die Gegner der muskulären Natur der Radiärfasern über die histologische Klassifikation dieser Gebilde keineswegs einigen konnten, die einen sprachen sich darüber überhaupt nicht aus, andere hielten sie für Bindegewebsfasern, z. B. Blanchard, Girod, endlich hielt Karting (34) sie für Nervenendorgane. Ja es fehlt sogar nicht an der Meinung, daß die Radiärfasern bei der embryonalen Zelle muskulöser, bei der ausgewachsenen Zelle aber bindegewebiger Natur seien, eine Meinung, die Joubin (43) allen Ernstes vertrat. Wohl war man durch die Annahme von Muskelwirkung imstande, die Expansion der Chromatophore zu erklären, aber wie kommt die Retraktion zustande? Alle Forscher nehmen elastische Wir- kungen der Umhüllung der Chromatophore an, und so kommt es, daß nun der von Boll (9) zuerst genauer beschriebenen Zell- krause eine eingehende Untersuchung zuteil wird, bis endlich H. Rabl (63) diese bei den verschiedenen Autoren immer wieder auftauchende „coli er et te" als nicht bestehend nachwies. Seitdem Kölliker in seiner Entwicklungsgeschichte der Cephalo- poden (47) auch die Frage der En t Wicklung der Pigmentzellen in Angriff genommen hatte, sind später zahlreiche Untersucher dem Altmeister auf diesem Gebiete gefolgt, Grenacher (32), Klemensie- wicz (46), Phisalix (59) Joubin (43), H. Rabl (63) und Chun (16). Zunächst war es die Frage, ob die Pigmentzellen ektodermalen oder mesodermalen Ursprungs seien, w^elche den Streit der Meinungen lebhaft anfachte, bis von Phisalix (59) zuerst die Un- haltbarkeit der Anschauung dargetan wurde, daß die Pigraentzellen Dei- Farbenwechsel und die chromatische Hautfuiiktion der Tiere. 1209 ektodermalen Ursprungs seien. Eine andere noch immer nicht überein- stimmend beantwortete Frage ist die, ob die fertig ausgebiklete Chromato- phore ein einheitliches Gebilde sei, das aus einer einzigen Zellanlage hervorgegangen ist, wie Chun (16) annimmt, oder ob es sich um eine Verschmelzung von aus verschiedenen An- lagen entstandener Gebilde handelt, wie Phisalix (59) und besonders H. Rabl (63) scharf betonen. Obzwar der Einfluß des Nervensystems auf die Tätigkeit der Chromatophoren schon Aristoteles (2) bekannt war, denn er beschreibt Farbenänilerungen der Cephalopoden infolge psychischer Affekte, und die Annahme eines willkürlichen Farbenwechsels von den meisten Autoren, so auch von Klemensiew^icz (46), noch vertreten wird, so hat es doch nicht an, wenn auch nur vereinzelten Stimmen gefehlt, welche den nervösen Einfluß auf die Bewegungen der Chromatophoren gänzlich in Abrede stellen wollten, wie z. B. Keller (45) und Karting (34). Auch Pelvet (56) ist hierher zu zählen, da er die Bewegungen der Chromatophoren rein passiv er- folgen läßt. Trotz dieser abweichenden Anschauungen hat man niemals ernstlich den Nerveneinfluß auf die Chromatophoren bezweifelt, wes- halb das Streben der histologischen Forscher vor allem darauf ge- richtet war, dieVer bin düng von Nerv und Chromatop höre sicherzustellen. Obgleich bereits Sangiovanni (66 — 68) und andere Untersucher der früheren Zeit den Zusammenhang zwischen Nerven- faser und Chromatophore erkannt zu haben glaubten, so wurden doch immer neue histologische Untersuchungen nach dieser Richtung hin erforderlich, weil jedesmal der Nachfolger behauptete, die von dem Vorgänger als Nerven beschriebenen Gebilde seien alles andere nur keine Nerven gewesen. Ich nenne hier nur die Arbeiten von Joubin (43), Samassa (69), Phisalix (58), Solger (71), Rabl (63) sowie Chun (16), F. B. Hofmann (37—39). Gerade die Arbeiten der letzt- genannten Forscher haben aber den histologischen Zusammenhang der Chromatophoren mit dem Nerven außer jeden Zweifel gestellt. Sehr bald wurde, durch Brückes Untersuchungen an Chamaehon (11), sowie an Octopus (10) angeregt, der Weg der experimentellen Forschung beschritten, um genauere Kenntnisse über den Zusammen- hang zwischen Chromatophoren und dem Nervensystem zu erlangen. So entdeckte Pelvet (56) den Einfluß des Mantelnerven auf die Chromatophoren, obschon er ihn für einen indirekten, durch Vermitt- lung der Hautmuskeln herbeigeführten hielt. Später hat Colasanti (18) den Einfluß der Amin erven auf die Chromatophoren der Arme festgestellt. Aber erst die ausgezeichneten experimentellen Arbeiten von Fredericq (23) und Klemensiewicz (46) verschafften uns eine eingehende Kenntnis vom Einfluß des Nervensystems, insbesondere führten sie zur Erkenntnis eigener koloratorischer Organe im Zentralnervensystem. Damit war eigentlich der Schlußstein des Gebäudes eingefügt worden, wenn auch durch die späteren Arbeiten von Phisalix (58, 59) und Steinach (72) sowie F, B. Hofmann (37—41) und Fuchs (29) noch manche wertvolle Erweiterung unserer Kenntnisse herbeigeführt wurde. Endlich sei noch eine Reihe experimenteller Arbeiten erwähnt, welche gleichfalls von Klemensiewicz (46) inauguriert wurde, nämlich das Studium der Einwirkung von verschiedenen Giften, wodurch man eine nähere Erkenntnis der Innervation sowie der Tätigkeit der 1210 R. F. Fuchs, Chrom atophoren erwartete. Am eingehendsten sind diese Fragen wohl von Krukenberg (49) untersucht worden, aber trotz der vielen mannigfaltig variierten Versuche konnten diese Versuche Kruken- bergs nicht die erwünschte Klarheit schaffen, da sie vor allem eine Summe sich widersprechender Resultate aufwiesen. Schon der nächste Untersucher, Yung (81), hatte hinreichend Gelegenheit, auf die Wider- sprüche zwischen seinen und Krukenbergs Experimenten hinzu- weisen. Erst in allerneuester Zeit sind diese Versuche durch die sehr sorgfältigen Untersuchungen F. B. Hofmanns (39, 41) auf eine feste Basis gestellt worden und haben wertvolle Ergebnisse gezeitigt. Als ein besonderes Färbungselement wurden zuerst von Brücke (10, 11) eigentümliche farblose Gebilde, „die Flittern", entdeckt, welche sowohl beim Farbenwechsel, namentlich beim Zustandekommen der irisierenden Farben und dem Metallglanz die wesent- lichste Rolle spielen, indem sie als Interferenzkörper wirken. Damit haben wir in großen Umrissen den allmählichen Ent- wicklungsgang sowie die Hauptprobleme der Forschung über die Chromatophoren der Cephalopoden skizziert und können nun mit der Analyse der Einzelfragen beginnen, wovon zuerst die Anatomie der Chromatophoren behandelt werden soll. B. Anatomie. Im allgemeinen liegt die Hauptmasse der Chromatophoren im Inte- gument, wobei besonders die dorsale Seite des Mantels, des Kopfes und der Arme intensiv gefärbt erscheinen, aber sie fehlen auch an den ventralen Seiten dieser Ge- bilde nicht vollkommen , wie man schon bei oberflächlicher Betrachtung verschie- dener Cephalopodenart^n, ich nenne nur Octopus, Eledone, sehen kann. An der dorsalen Mantelfläche zeigt sich auch am erwachsenen Tier eine ge- wisse symmetrische Anordnung der Zeichnung, indem sowohl bei Sepia als auch bei Eledone zwei große dunkle symmetrisch gelegene Flecke auffallen. Nach Chun (17) besteht die symmetrische Anordnung besonders am Kopfe, den Augen und der Flossenbasis. Viel deutlicher aber als an erwachsenen Tieren ist die sym- metrische Anordnung der Chromatophoren an Embryonen, wie aus den Abbildungen KöLLiKERs (47) sowie Geenachers (32) hervorgeht und worauf später Joubin (43) und ganz neuerdings Chun (17) besonders hingewiesen hat. Aber auch in inneren Organen kommen nicht selten Chromatophoren vor; so bemerkt Chun (17), daß sie auch den Eingeweidesack bei Bolitaena bekleiden und die Färbung auch auf die Innenfläche des Mantels übergreifen kann, so z. B. bei Calliteuthis ocellata, wo die Innenfläche des Mantels und die Kiemen purpurn gefärbt sind. Bei den intensiv rot gefärbten Tiefseecephalopoden kommen auch verästelte pigmentierte Binde- gewebszelleu vor, welche die von den eigentlichen Chromatophoren bedingte Färbung unterstützen. Es handelt sich offenbar bei diesen Zellen, die Chun (17) nicht zu den Chromatophoren zählt, um eine zweite Chromatophorengattung ohne eigenen Muskelapparat, wie sie bereits von Gegenbaur bei Tiedcmaiutia beschrieben worden sind. Ferner habe ich, wie Klemensiewicz (46) u. a. vereinzelte Chromato- phoren bei Octopus und Eledone sowohl in der Scheidewand des Mantels als auch im Tintenbeutel, sowie anderen inneren Organen gesehen. Nach den Untersuchungen Chuns (17) über die Cephalopoden der deutschen Tiefseeexpedition sind selbst bei jenen Cranchiiden, weiche sich durch eine fast vollkommene Durchsichtigkeit aus- zeichnen, Chromatophoren vorhanden. Gewöhnlich sind die Chromatophoren in der Cutis gelegen, wo sie vielfach eine tiefere und eine oberflächlichere Lage bilden (H. Rabl, 63; Chun, Der Farbenwechsel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. 1211 16), während die Epidermis im allgemeinen frei von ihnen ist. Die Anordnung der Pigmentzellen in mehreren übereinander liegenden Lagen tritt namentlich dann hervor, wenn mehrere Arten verschieden gefärbter Chromatophoren vorhanden sind. Dann liegen die dunklen über den hellen, welche die Farbe des Grundes bilden, der bei Expansion der dunklen Chromatophoren mehr oder weniger verdeckt werden kann, worauf H. Müller (55) zuerst eingehender hingewiesen hat. Die Größe der Chromatophoren ist bei den verschiedenen Tierarten eine sehr verschiedene. Nach den sehr eingehenden Untersuchungen von Rabl (63), sowie Hofmann (40) besitzen Loligo vulgaris und Loligo marmorae die größten Chromato- phoren. Bei Sepiola Rondeleti kommen nach Eabl die größten Chromatophoren vor, die man überhaupt sehen kann. Jedem, der diese Cephalopoden arten aus eigener Anschauung kennt, ist es bekannt, daß gerade bei diesen Arten die einzelnen Chromatophoren schon mit freiem Auge sichtbar sind. Ferner besitzen nach Kellers (45) Angaben sehr große Chromatophoren außer den genannten Species noch Argonauta und Ommastrephes. Kleiner und dichter stehend sind die Chro- matophoren bei Sepia, am kleinsten und dichtesten gedrängt sind sie bei Eledone und Octopus, wobei letztere Art die kleinsten Chromatophoren besitzt, ja bei Octopus rugosus sollen nach Keller die Chromatophoren besonders auffallend klein sein ; nach Jatta (42) trifft man bei manchen pelagischen Formen die kleinsten und sehr wenige Chromatophoren, so z. B. bei Doratopsis vermictilatus, Entomopsis Velaini, Oranchia etc. Die Gestalt und Größe ein und derselben Chromatophore wechselt je nach dem Expansions- oder Retraktionszustand, in. welchem sich die beobachtete Zelle gerade befindet und wird von den verschiedenen Autoren etwas ver- schieden beschrieben. Schon Wagner (78, 79) und Harless (33) sowie alle späteren Untersucher heben hervor, daß die vollkommen retrahierte (geballte) Zelle rund oder kugelig, bzw. oval ist, ja bei vollkommener Retraktion hat sich die Zelle zu einem kleinen punktförmigen Gebilde zusammengezogen. Je nach dem Grade der Expansion nimmt die Zelle eine mehr oder weniger gezackte polygonale Form an, die von bogenförmigen Konturen begrenzt wird. Bei stärkeren Ausbrei tungszuständen treten Fortsätze auf, so daß sternförmige Zellen erscheinen, die bei den stärksten Expansionen dann in reichverzweigte baumförmig verästelte lange Fortsätze übergehen. Schon Klemensiewicz (46) hat hervorgehoben, daß die Form, welche eine bestimmte Chromatophore im Zustand der vollkommenen Expansion annimmt, stets dieselbe ist, wenn auch noch so häufig ein Wechsel von Expansion und Retraktion eintritt. Es handelt sich demnach um bestimmte anatomisch-physiologisch fixierte Formveränderun gen und nicht um Aussendung von Pseudo- podien nach Art der Amöben, worauf später nochmals zurückzukommen sein wird. Die bei der Expansion auftretenden Vergrößerungen der Zellen sind sehr bedeutende. Während Harless (33) die Vergrößerung der expandierten Zelle auf das 2 — 3-fache der ruhenden angibt, wird von Klemensiewicz (46) bei embryonalen Zellen eine 5— 10-fache, bei den erwachsenen Zellen eine 15 — 20-fache Vergrößerung angegeben. Aehnliche Werte gibt auch H. Müller (55) für die Chromatophoren von LoHgopsis vermicularis an, 10— 15-fache Vergrößerung des Durchmessers. Der Besonderheit wegen sei noch erwähnt, daß nach Sangiovannis (67) Beobachtungen die expandierten Farbenhöcker 64mal größer waren als die retrahierten. Die Farbe der Chromatophoren ist bei den verschiedenen Cephalopoden- arten sehr verschieden, sie umfaßt beinahe die ganze Skala von rot, gelb, braun bis violett, selbst blaue Chromatophoren werden erwähnt. Trotzdem die Cephalopoden einen sehr lebhaften Farben Wechsel haben, so besitzen doch die verschiedenen Arten eine charakteristische Hauptfarbe, die von Jatta (42) in seiner Monographie über die Cephalopoden des Golfes von Neapel ausführlich beschrieben werden. So ist z. B. Scaeurgus tetracirrhus orangegelb, Eledone Aldrovandi gelb- 1212 R. F. Fuchs, braun, Todarodes sagittatus rotviolett, Loligo vulgaris karminrot usw. Ja, diese charakteristische Eigenfärbung ist so ausgesprochen, daß sogar bestimmte Farben- varietäten, je nach dem Ort, wo sie leben, zur Beobachtung kommen. Im allgemeinen sind die pelagischen Formen weniger gefärbt als die Küstenformen. Dem scheint zunächst die oft lebhafte Färbung von Loligo zu widersprechen, aber Loligo ist für gewöhnlich ganz blaß und zeigt nur bei Reizung sein Farbenspiel und außer- dem sind Loligo, Illex, Todarodes keine vollkommen pelagischen Tiere, denn sie nähern sich zu Zeiten der Küste oder steigen auf den Meeresgrund hinab. Fast alle Forscher, welche sich mit dem Studium des Farbenwechsels der Cephalopoden beschäftigt haben, konnten konstatieren, daß meistens an einem Tier zweierlei oder dreierlei verschieden gefärbte Chromatophoren vor- kommen. Je nach dem Expansions- oder ßetraktionszustand ändert sich die Nuance der Farbe. Bereits Sangiovaxni (66) hatte verschieden gefärbte Zellen angenommen, aber ihm gegenüber behauptete Delle Chiaje (15), daß alle Chromatophoren rot seien. Wagner (78, 79), einer der ersten Beobachter, beschreibt bei Oetopus vul- garis bereits zweierlei Pigmentzellen, rostbraune, die im retrahierten Zustand schwarz sind, ferner gelbe, weniger bewegliche Zellen, die je nach dem Retraktionsstadium der Zellen bald ein helleres oder dunkleres Gelb aufweisen. Die gleichen Angaben macht auch BoLL (9) für Oetopus vulgaris und macropus. Dagegen sollen Sepia und Sepiola nach den Angaben Bolls nur eine einzige Chromatophorenart besitzen, nämlich dunkle, bei Retraktion schwarz gefärbte, welche im Ausbreitungszustand rostbraun sind. Hofmann (38) weist besonders darauf hin, daß Boll bei Sepia die stets vorhandenen hellgelben Chromatophoren übersehen hat. Loligo weist dreierlei verschieden gefärbte Chromatophoren auf, welche im expandierten Zustande hellgelb, hellviolett und rostbraun sind. Bei Retraktion erscheinen die beiden letzteren schwarz, die ersteren dunkler gelb. Besonders hervorgehoben muß werden, daß die Farbe der Chromatophoren in den verschiedenen Entwicklungsstadien eine verschiedene ist, worauf Grenacher (32) zuerst hingewiesen hat. Seine Beobachtungen wurden von Klemensiewicz (46), Phisalix (59), Rabl (63) u. a. be- stätigt. So sind nach Klemensiewicz die Chromatophoren der Lo^i^o-Embryonen rot, während sie im ausgewachsenen Tier violett gefärbt sind. Bereits Wagner (79) macht darauf aufmerksam, daß bei expandierten Chromatophoren die zackigen Ränder immer schwächer gefärbt sind als die mittleren Teile, eine Tatsache, die auch von Jatta (42) besonders hervorgehoben wird. Diese Erscheinung kann wohl nur so gedeutet werden, daß in den Randpartien die Farbstoffschicht eine dünnere ist. Der in den Zellen angehäufte Farbstoff besteht aus verschieden großen Körnchen, welche in eine hyaline Grundsubstanz eingebettet sind. Die zuerst von Cu\t;er (19) ausgesprochene Meinung, daß der Farbstoff der Cephalo- podenhaut ein roter Saft wäre, der seinen Platz unter der Oberhaut wechsle, ist in etwas modifizierter Form von de la Frenaye (24) und später von Milne-Edwards (53) vertreten worden, indem dieser die Pigmentzellen der Cephalopoden für Säckchen hielt, die mit einer farbigen Flüssigkeit erfüllt sein sollten. Aber bereits Carus (12) hebt ausdrücklich hervor, daß sich in der Haut auf Schnitten kein farbiger Saft zeigt, und Wagner (78) beschreibt die Pigmentkörnchen, deren Existenz von allen späteren Autoren bestätigt wurde. Boll (9) erwähnt ausdrücklich, daß farb- lose Körnchen in den Chromatophoren nicht vorkommen, doch scheint die Flüssig- keit, in welcher die Pigmentkörnchen suspendiert sind, einen Teil des Farbstoffes in Lösung |zu enthalten, aber die Flüssigkeit ist stets sehr viel schwächer gefärbt als die Körnchen. Wenn auch die Existenz gelöster Farbstoffe nicht absolut in Abrede gestellt werden kann, so scheint es doch sehr wahrscheinlich, daß die Beobachtung Bolls durch die Konservierungsmethoden bedingt ist, da hierdurch leicht eine ge- ringe Menge des körnigen Farbstoffes gelöst worden sein könnte. Dagegen ist nach Der Farbenwechsel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. 1213 PoucHETs (62) Uotersuchungen der bei Embryonen vorhandene rote Farbstoff der Chromatophoren zum Teil gekörnt, zum Teil gelöst, der aber später einem braunen gekörnten Farbstoff Platz macht. Ueber das Substrat, in dem sich die Körnchen befinden, liegt nur eine genauere Angabe von Brücke (10) vor, indem er es bei Oc- topus als eine gerinnbare Masse bezeichnet; solange die Reizbarkeit der Zellen erhalten ist, sind die Körnchen gleichmäßig in ihr verteilt, längere Zeit nach dem Tode sammeln sie sich in einzelnen größeren oder kleineren Gruppen an als Folge der postmortalen Gerinnung. Die genauere Untersuchung der Pigmentverteilung innerhalb der Zelle hat aber ergeben, daß sie keineswegs eine gleichmäßige ist, so daß Steinach (72) gerade auf Grund dieser Erscheinung Jannimmt, daß selbst in der ruhenden Zelle Pigmentströmungen vorhanden sein müssen, indem der Farbstoff bald mehr im Zentrum, bald mehr in der Peripherie gelegen ist, oder ganz unregelmäßig ver- teilt erscheint. Ja, er kann sogar in mehreren Zentren angehäuft sein. Aber schon Harless (33) erwähnt, daß der Farbstoff nicht immer die ganze Zelle erfüllt, sondern daß er oft in Form eines Kinges gruppiert ist, welche Anordnung vielfach als Zell- kern gedeutet worden ist. Auch Pouchet hat bereits früher darauf hingewiesen, daß das Pigment in der Peripherie der Zelle fehlt. Am genauesten hat Rabl (63) die Pigraentverteilung in der Zelle studiert, und er unterscheidet danach zweierlei Arten von Pigmentzellen, die bläschenförmigen und die kompakten. Bei den ersteren liegt das Pigment peripher und umschließt einen inneren Hohlraum, während bei den kompakten Zellen der Hohlraum fehlt, da er von zu Klumpen ge- ballten Pigmentmassen erfüllt ist, die voneinander durch kleinere leere Spalträume getrennt sind. Die bläschenförmigen Zellen sieht Rabl als die Jugend- stadien der kompakten an, aber in noch jüngeren Stadien sind auch die bläschenförmigen Zellen kompakt. Die Pigmentkörnchen sind nach Beobachtungen an Eledone zuerst farblos und noch nicht in Kugeln geformt, erst später bilden die Körnchen Kugeln von 1 ij. Durchmesser. Ihre Farbe ist zuerst gelb, dann dunkel- braun. Bei Retraktion der Zelle zieht sich das Pigment häufig von der Zellhaut zurück, nur in der Zone der Aequato rialeben e, in welcher sich die Radiärfasern an- setzen, bleibt das Pigment der Membran stets auf das Engste angelagert. Hier muß der Zusammenhang zwischen dem Pigment und der Zellhaut ein außerordentlich fester sein. Im Gegensatz zu dem soeben beschriebenen Verhalten des Pigmentes bei Eledone zeigen die Pigmentzellen von Oetopus selbst bei stärkster Pigmentretraktion kein Abheben des Pigmentes von der Zellmembran, so daß hier überall die feste Verbindung zwischen beiden besteht. Bei Loligo liegen in der Mitte der Zelle kompakte Pigmentklumpen. Zwischen dem Pigment und der gefalteten Zellmembran der retrahierten Zelle kommt ein spaltförmiger Hohlraum zum Vorschein. Bei der expandierten Zelle sind die einzelnen Pigmentkörner sehr deutlich unterscheidbar, wie bereits Harless (33) beobachtet hat. Dieser Autor hat auch zuerst chemische Einwirkungen auf das Pig- ment untersucht und gefunden, daß Aether, Essigsäure und verdünnte Salzsäure den Farbstoff nicht verändern; dagegen löst KaUlauge den Farbstoff auf, ohne an- fangs die Körperchen, an welche der Farbstoff gebunden ist, zu zerstören; sie tut es erst bei langdauernder Einwirkung. Verdünnte Salpetersäure entfärbt nach Kle- MENSiEWicz (46) den Pigmentkörper. Die Pigmentzellen stellen nach der Auffassung der meisten Autoren bläschen- förmige Gebilde (Rabl, 63) oder runde Säckchen (Steinach, 72) dar, welche die Pigmentkörnchen enthalten. Es sind kompliziert gebaute Gebilde, die mit eigenen Muskeln, den Radiärfasern, versehen sind. Die Chromatophoren liegen in einem nach Klemensiewicz (46) strukturlosen Hohlraum, der von einer Flüssigkeit erfüllt ist und durch eine dichte Lage von Bindegewebe scharf von der Umgebung abgegrenzt erscheint. Auch an Alkoholpräparaten erscheint um die Zelle ein Hof, 1214 R. F. Fuchs, dessen Kontour dem der Zelle parallel läuft. Auch Phisalix (öl) beschreibt um die Chromatophore einen strukturlosen Hohlraum; diese Angaben über die Chro- matophorenhöhle wurden von Rabl an Sepiola und Loligo bestätigt. Da die Chromatophoren der Cephalopoden sehr kompliziert gebaute Gebilde sind, so haben sich die Forscher vielfach die Frage vorgelegt, ob es sich hier um einzellige oder mehrzellige Gebilde handelt, oder mit anderen Worten, ob die Chro- matophore als eine Zelle oder ein Organ anzusehen ist. Für die einzellige Natur der ganzen Chromatophore hat sich sehr entschieden Chun (16) aus- gesprochen, der auf Grund seiner Untersuchungen an Bolitaena sogar die Muskeln der Eadiärfaser aus der primären Anlage der Chromatophore entstehen läßt, ohne daß neue Zellen hinzutreten. Die meisten Autoren sehen aber die Chromatophoren als zusammengesetzte Organe an, wie bereits Haeless (33) es getan hat. BoLL (9) nimmt eine Zusammensetzung aus mehreren Zellen an, weil mehrere Kerne vorhanden sind, oder zum mindesten sind die Chromatophoren aus mehreren Zellen hervorgegangen, eine Ansicht, die auch von Phisalix (59) vertreten wird, nach dessen Auffassung es sich um Gebilde handelt, die aus Hohlräumen heI^'orgegangen sind, welche sich nachträglich mit Zellen erfüllen, die der Pigmentdegeneration anheimfallen. iSS4a«,.«...«».*>«i*?«W!glK£i pSSSSTT'., R.K. Chr.K. Fig. 4. Chromatophore von Eledone moschata (Querschnitt). M. Zellmembran, Chr.K. Kern der Chromatophore, R.K. Kern der Eadiärfaser. (Nach Eabl.) Die Entstehung der Chromatophoren durch pathologische Prozesse, Degeneration, läßt sich nicht aufrecht erhalten. Man wird vielmehr der Meinung Eabls (63) sich anschließen, daß es sich um eine einzige Zelle handelt, deren Be- wegungsapparat erst sekundär mit der Zelle verschmolzen ist. Eine besondere und kaum zu beweisende Auffassung über die Genese der Chromatophoren hat SiEMENZ (zitiert nach Solger, 71) vertreten, der die Chromatophoren in einen genetischen Zusammenhang mit den Farbstoffdrüsen der Mollusken bringt. Von den einzelnen Teilen der Chromatophore ist insbesondere der Zellkern und die Zellmembran des Pigmentkörpers Gegenstand einer langen Reihe von Unter- suchungen geworden. Die Frage der Existenz eines Zellkernes ist von allen Autoren, von Wagner (78, 79) angefangen bis zu den Untersuchungen von Kle- MENSiEwicz (46), Phisalix (59), Eabl (73) und Chun (16) bejaht worden, nur Haeless (33) hat die Existenz von Zellkernen vollkommen in Abrede gestellt. Schon H. MÜLLER (55) macht darauf aufmerksam, daß alle Chromatophoren einen, und zwar nur einen Kern haben, daß er aber bei den verschiedenen Species nicht Der Farbenwecbsel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. 1215 gleich gut zu sehen sei. Am besten zu finden ist er bei den kleinen Pigmentzellen ■von Ocfopi/s, JEledone, Sepia und auch bei Sepio/a , am schwersten bei Loligo. BoLL (9) beobachtete innerhalb der Pigmentraasse bei Eledone und Octopus stets einen Kern, der bei der expandierten Chromatophore leichter zu sehen ist als bei der retrahierten, und der auf Essigsäurezusatz noch deutlicher hervortritt. Auch bei Sepia und Sepiola, ja selbst bei kleinen Zellen von Loligo wurden Kerne beobachtet. Keller (15) beschreibt Kerne in den Chromatophoren von Argonautu, Sepia, Sepi- ola, Loligo, Octopus und Lledotie, hebt aber ausdrücklich hervor, daß an älteren Exemplaren die Kerne nicht mehr zu sehen sind, ebensowenig lassen sie sich an re- trahierten Chromatophoren erkennen, weil der Kern vom Pigment verdeckt wird; dagegen ist er im expandierten Zustand der Zelle sichtbar. Klemensiewicz (46) hat zur Darstellung des Zellkernes den Pigmentkörper durch Einwirkung verdünnter Salpetersäure entfärbt und fand stets Zellkerne, dagegen sind an Hämatoxylinpräpa- raten die in der Pigmentmasse liegenden Kerne nicht deutlich zu sehen. Embryo- nale Pigmentzellen enthalten immer Kerne, was von Phisalix (59) bestätigt wird. Am sorgfältigsten ist das Verhalten der Kerne von Eabl (63) studiert worden, der bei allen jugendlichen Zellen Kerne fand. In den Chromatophoren von Eledone liegt zwischen den Pigmentklumpen der Zellkern, der sich in seinem färberischen Ver- halten von gewöhnlichen Zellkernen deutlich imterscheidet. Er färbt sich nicht mit Eisenhämatoxylin, noch mit Hämalaun, sondern mit Eosin, wodurch das spärliche Kerngerüst und der elliptische große Nucleolus dunkelrot gefärbt wird. In den bläschenförmigen Zellen ist der Kern kleiner, peripher gelegen und zeigt ein normales Verhalten gegen Kernfarbstoffe. Bei Octopus sind die Kerne in den Pigmentkörpern leicht nachweisbar, sie sind kleiner als bei Eledone. Der große Nucleolus färbt sich mit Hämatoxylin-Eosin leicht rot. Auch bei Loligo sind Kerne immer vorhanden, aber nicht immer leicht nachzuweisen, ebenso bei Sepiola, wo die Kerne kleiner sind als bei Loligo und namentlich in der expandierten Zelle schwer zu finden sind. Sehr viel komplizierter und unklarer sind die Anschauungen der Autoren über jenen Teil der Chromatophore, der als Zellmembran, zellige Hülle, Zellkranz, collerette festonee von den einzelnen Autoren beschrieben worden ist, zumal auch die den Originalabhandlungen beigegebenen Abbildungen uns oft kein anschauliches Bild von diesen Gebilden geben. Die einfachste Anschauung vertrat Kölliker (47), der die Pigmentzellen als membranlose Zellen beschreibt, was von Klemensiewicz (46) für die embryonalen Zellen bestätigt wird. In neuester Zeit hat sich auch Chun (16) zu einer ähnlichen Auffassung bekannt. Schon Wagner (78) nimmt eine elastische Mem br an an, welche die Pigmentkörnchen umschließt, von der Harless (33) annimmt, daß sie einen kontraktilen Sack darstelle, welcher aus einerSummemiteinanderverschmolzenerZellenhervorgegangenist,deren Kerneerhalten geblieben sind, also nach unseren gegenwärtigen Anschauungen als Syncytium zu bezeichnen wäre. Diese Existenz einer einfachen elastischen Zellmembran wurde auch von Brücke (10) und Keferstein (44) angenommen. Kompliziert wurde die ganze Frage erst, als Boll (9) sowohl an frischen, als auch mit Essigsäure oder Oxal- säure behandelten Präparaten um den Pigmentkörper herum eine Lage protoplasma- reicher, nicht immer deutlich konturierter Zellen beschrieb, deren Kerne unregelmäßig gelagert sind. Diese Zellen bezeichnet Boll als „epithelartigen Kranz", von welchem an der expandierten Chromatophore nichts mehr zu erkennen ist. Die Beobachtung der Chromatophoren zeigt, daß der in der Ruhe vorhandene Zellriug bei der Expansion den konischen Anschwellungen an den Insertionsstellen der Muskelfasern entspricht. Stets wird die Wand der Chromatophore von den konischen Enden der Muskelfasern gebildet, welche aber die Chromatophore nur am Rande begrenzen, weshalb die Chromatophore an ihrer oberen und unteren Fläche eine eigene Wand haben muß, in Form eines Häutchens, dessen Existenz sich manchmal durch Falten und Kniffe verrät. Ob ein die Chromatophore allseitig umschließendes 1216 R. F. Fuchs, Häutchen vorhanden ist, wagt Boll nicht zu entscheiden. Warum Boll nach dieser Darlegung der Verhältnisse die Existenz eines eigenen epithelartigen Kranzes nicht rundweg ablehnt, ist eigentlich ganz unverständlich, jedenfalls kann man aus BOLLs eigenen Worten schließen, daß er an die Existenz eines Zellkranzes als mor- phologisches Sondergebilde geglaubt hat. Eine helle Zone, welche die Chromato- phore umgibt, hat Keller (45) als BoLLschen Zellkranz gedeutet, außerdem spricht er noch von einer strukturlosen Membran, die manchmal Falten zeigt. Auch Kle- MENSIEWICZ (46) beschreibt die „zellige Hülle", welche den Pigmentkörper allseitig umkleidet, sehr ausführlich; im Gegensatz zu Boll (9) handelt es sich aber nicht nur um einen Zellkranz, sondern die zellige Hülle ist die einzige Umgrenzung des Pig- mentkörpers, so daß die von Boll angenommene Membran für die Ober- und Unter- seite der Chromatophore von Klemensiewicz (46) als nicht existierend angesehen wird. Nach Behandlung der Präparate mit Salpetersäure liegt um den Pigment- körper die granulierte zellige Hülle, bei Goldchloridpräparaten als palisadenförmige, gegen die Peripherie abgerundete Zellen, in welche die Radiärfasern übergehen, so daß deren an den Pigmentkörper angrenzenden verbreiterten Basalteile nicht zu sehen sind, weil sie von den Elementen der zelligen Hülle verdeckt werden. Eine Dar- stellung von isolierten Elementen der zelligen Hülle gelang Klemensiewicz nicht. Ganz übereinstimmend mit Boll berichtet auch Klemensiewicz, daß die Breite der zelligen Hülle mit der Stärke der Expansion der Chromatophoren abnimmt, und bei vollständiger Expansion ist sie nicht mehr zu sehen. Auch an embryonalen Chro- matophoren beschreibt Klemensiewicz die zellige Hülle als selbständiges histo- logisches Gebilde. Obgleich Phisalix (59) dem Pigmentkörper eme eigene Um- hüllungsmembran zuerkennt, so beschreibt er noch eine gesonderte gefaltete Krause (coUerette festonee), welche den Pigmentkörper wie ein Epithelkranz umgibt. Um diese gefaltete Krause zieht ein fibrilläres Netzwerk von zirkulären und radiären Fasern. Ganz in Uebereinstimmung mit den Angaben der früheren Autoren hebt Phisalix hervor, daß die coUerette an expandierten Zellen nicht sichtbar ist. Er- wähnenswert ist noch, daß sich die coUerette mit Pikrinsäure gelb färbt, aber trotz- dem hält Phisalix an der Existenz eines eigenen nicht muskulösen Gebildes fest, dem er nur elastische Eigenschaften zuerkennt. Als letzter Autor in dieser Reihe hat endlich Solger (71) die zellige Hülle beschrieben und abgebildet, nur sind es bei ihm „blasige" Zellen, im übrigen stimmt er aber mit Phisalix überein; außer- dem erkennt Solger den Pigmentzellen eine eigene elastische Hülle zu, die von einem Netzwerk umgeben wird; er nennt sie „Zellkapsel". Sie haftet der Chromato- phore und deren Muskeln fest an. Im Gegensatz zu Boll (9) und Klemensiewicz (46) hatte bereits Girod (31) den Zellkranz und die zellige Hülle der genannten Autoren als nicht existierend bezeichnet und der Chromatophore einzig und allein eine einfache Zellmembran zuerkannt. Da aber die bestimmten Angaben von Phisalix und Solger Girods' Meinung vollkommen zu widerlegen schienen, so muß es als ein großes Verdienst Rabls (63) anerkannt werden, daß er endgültig mit diesen unhaltbaren Dingen aufräumte und sie in das große Reich histologischer Täuschungen verwies. Nach Rabls Untersuchungen ist der Zellkranz von Boll nichts anderes als die basalen kernhaltigen Teile der Radiärfasern, mit denen aber die zeUige Hülle von Klemensiewicz nicht identisch zu sein scheint. Nach Rabls Unter- suchungen wird der Pigmentkörper bei Eledone von einer sich mit Eosin rot färbenden Haut begrenzt, die eine einfache Zellmembran ist, an deren Außen- seite heften sich die Radiärfasern an. Da sich bei der Retraktion der Zelle häufig das Pigment von der Zellhaut zurückzieht, so kann sie in der Flächenansicht leicht gefaltet und mit Leisten versehen erscheinen. Eine besondere bindegewebige Hülle, wie sie bei Sepiola und Loligo vorhanden ist, existiert bei Eledone nicht. Bei Loligo ist die Zellmembran an expandierten Chromatophoren nur schwer zu er- Der Farben Wechsel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. 1217 kennen, dagegen ist sie auffallend deutlich gefaltet an retrahierten Zellen und hat wohl deshalb zur Beschreibung einer coUerette feston^e geführt. Die Membran selbst ist kernlos, und die von anderen Autoren in ihr gesehenen Kerne gehören anhegenden Bindegewebszellen an. Bei Sepiola liegt die Zellmembran dem Pigmentkörper an den Ansatzstellen der Radiärfasern dicht an, während sie im übrigen einen weiten Sack um die retrahierte Chroraatophore bildet. T)ie Membran färbt sich mit Pikro- fuchsin gelb und umschließt den Pigmentkörper allseitig. Auf Grund seiner mikro- skopischen Präparate bestreitet Steinach (72) die Existenz der von Rabl ange- nommenen Zellmembran, zumal sie auch bei sich entwickelnden Chromatophoren des erwachsenen Tieres von Steinach nicht gesehen wurde. Die Radiärmuskeln und die Chromatophorensubstanz gehen ohne jede Grenze ineinander über, dagegen M. / CKr-K,. r' Fig. 5. Eledone moschata. Ganz junge Cbromatophore (Querschnitt). 3f. Zell- membran, Chr.K. Kern der Cbromatophore. (Nach Rabl.) st die obere und untere Fläche der Cbromatophore (d, h. des Pigment körpers) von einer manchmal vom Pigment abgehobenen Membran bekleidet. Die Radiärfasern umfassen mit ihren konischen Enden den äquatorialen Rand der Pigmentplatte und treten, nach oben und unten übergreifend, mit der erwähnten Hüllenmembran in Verbindung. Man kann wohl in dieser Meinung keinen prinzipiellen Widerspruch gegen die Existenz der RABLschen Zellmembran erblicken, da ja Steinach selbst oben und unten vom Pigmentkörper eine der RABLschen ganz analoge Membran be- schreibt. Die Differenz der Meinungen wird aber um so kleiner, als Rabl selbst hervorhebt, daß an der Insertion sstelle der Radiärfasern die Zellmembran schwer sichtbar ist, insbesondere bei Sepiola, und Steinach seine Anschauung wohl vor- wiegend auf Präparate von Sepiola stützt, wenigstens bildet er gerade hierfür seinen Befund bei Sepiola ab. Endlich wird von Chun (16) die Existenz jeglicher Zellmembran, auch als Ansatzmembran der Radiärmuskeln, in Ab- rede gestellt, und er hält die von Rabl beschriebene Membran für eine Täuschung. Da Chun sich zu diesem Urteil nur auf Präparate von Bolitaetia stützt, so kann eine solche Verallgemeinerung dieser Beobachtungen Chuns doch nur mit einem gewissen Vorbehalt verzeichnet werden. An den Pigmentkörper setzen sich die Radiärfasern an, über deren histo- logische Deutung lange Zeit die Meinungen geteilt waren. Als ihr Entdecker muß Delle Chiaje (15) gelten, der 6—12 Radiärfasern an jeder Cbromatophore beschreibt, Handbuch d. vergl. Physiologie. III, 1. 77 1218 ß. F. Fuchs sie für Muskeln ansieht, durch deren Kontraktion die Expansion der Chromato- phore bewirkt wird. Aber dieser Meinung wurde sehr energisch von Keller (45) widersprochen, der ihre Existenz bei vielen Arten in Abrede stellte, und da, wo Radiär fasern vorhanden seien, z. B. bei Argonauta, Sepiola und Loligo sie für Zell- fortsätze ansieht, die im Bindegewebe der Haut sich verlieren. Harting (34) da- gegen hält die Eadiärfaser für Nervenendigungen, während BiiANCHARD (8), GiROD (31j und auch Phisalix (57) wenigstens in seiner ersten Mitteilung über die Chromatophoren die Eadiärfasern für Bindegewebe halten. Später hat allerdings Phisalix (59) diese Meinung verlassen und beschreibt die Radiärfasern ausdrücklich als Muskelfasern, die sich nicht von den Fasern des Mantelmuskels unterscheiden. Eine besondere Stellung nehmen nach den Untersuchungen von Samassa (69) die Radiärfasern von Scaeurgus tetracirrus ein, deren Zahl gering ist. Sie sind an den Ansatzstellen am Pigmentkörper nicht verbreitert, sondern dünn und haben Aehn- lichkeit mit Bindegewebszeilen. Bei den übrigen Cephalopoden sind aber die Radiär- fasern nach Samassa zweifellos Muskeln. Auch v. Uexküll (74) hält die Radiär- fasern für Bindegewebe. Er stützt seine Anschauung aber keineswegs auf histo- logische Untersuchungen, sondern nur darauf, daß es ihm nie gelungen sei, experi- mentell isolierte Expansionen der Chromatophoren durch unipolare elektrische Reizung hervorzurufen, sondern stets waren die Formveränderungen der Chromatophoren von Kontraktionen des Hautmuskels begleitet, so daß v. Uexküll ihnen jede aktive Beweglichkeit abspricht und die Radiärmuskeln für Bindegewebe, zum mindesten nicht für Muskelgewebe erklärt. Sowohl vor den v. UEXKÜLLschen Versuchen, als auch nachher, ich nenne hier nur die Untersuchungen von Stelnach (72) war ein- wandfrei festgestellt worden, daß isolierte Chromat ophorenbewegungen ohne Haut- kontraktionen häufig spontan vorkommen und auch experimentell erzeugt werden können, womit die vollkommene Haltlosigkeit der v. UEXKÜLLschen Be- hauptungen dargetan wird. Die größere Anzahl der Forscher, deren Namen bereits früher erwähnt wurden, hat die Radiärfasern immer für Muskeln gehalten, und heute ist die musku- läre Natur dieser Gebilde über jeden Zweifel erhaben. Die erste genauere Beschreibung der Radiärfasern verdanken wir Harless (33), der 4—8 kontraktile Fasern direkt an jeder Chromatophore ansetzen läßt, wo sie miteinander verschmelzen. Manchmal teilen sie sich noch kurz vor ihrer Verschmelzung mit der Chromatophorenhülle. Häufig sind 6 — 10 Chromatophoren miteinander durch Muskelfasern verbunden, wodurch die gleichzeitige Tätigkeit größerer Chromatophorengruppen erklärt wird. An der Insert ionsstelle zeigen die Radiärfasern eine A n schwell ung, welche bei deren Kontraktion sehr beträchtlich sich vergrößert; überdies treten an den Fasern während der Kontraktion „konvulsivische Oscillationen" ein. H._Müller (54) erweitert unsere Kenntnisse von den Radiärfasern dadurch, daß er ihren Kern beschreibt. Die folgenden Untersuchungen Bolls (9) bestätigen nur diese Angaben, ohne etwas prinzipiell Neues über die Radiärfasern zu enthalten. Pouchet (62\ erwähnt zuerst den fibrillären Bau der Radiärfasern, wodurch sie ein gestreiftes Aussehen erhalten. Den basalen Kernen der früheren Autoren spricht er aber jede Beziehung zur Radiärfaser ab, weil er diese Kerne wegen ihrer runden Gestalt als verschieden von den stäbchenförmigen Kernen der Muskelfasern ansieht. Die musku- löse Natur der Radiärfasern ist dadurch erwiesen, daß sie sich auf elektrische Reize verkürzen. Die weiteren Untersuchungen von Klemensiewicz (46), Phisalix (58—61), SolCtER (71), Steinach (72), Rabl (63) und Chun (16) haben aber zweifellos dargetan, daß der in den basalen Ansätzen der Radiärfasern zu beobachtende Kern diesen Fasern selbst angehört und als Kern der glatten Muskelfasern anzusehen ist. Da nach Angaben von Phisalix (59) bei Sepiola jede Radiärfaser aus mehreren nebeneinander liegenden Muskelfasern Der Farbenwechsel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. 1219 zusammengesetzt ist, so treten bei dieser Cephalopodenart mehrere Kerne an der Basis jeder Radiärfaser auf. Auch die fibrilläre Struktur derRadiärfasern wurde von den späteren Untersuchern, wie Klemensiewicz (46), Samassa (69), welcher gerade, nicht ge- schlängelte Streifung beschreibt, Steinach (72), der die Streifung bis in den basalen Teil der Zellen verfolgt hat, Rabl (63) und Hofmann (37), beobachtet. Rabl hat die fibrilläre Anordnung der Radiärfasern bei verschiedenen Cephalopodenarten sehr eingehend studiert, weshalb seine Befunde ausführlicher mitgeteilt werden sollen Bei Eledone ist die Längsstreif ung, welche auf den fibrillären Bau hinweist, deutlich zu sehen, manchmal sind ganze Fibrillenbündel zu beobachten, dagegen ist bei Oetopus eine Zusammensetzung der Radiärmuskeln aus Fibrillen nicht nachweisbar, desgleichen war an den mächtig entwickelten Radiärfasern von Loligo eine deutliche Längsstreifung nicht mit Bestimmtheit nachzuweisen. Bei Sepia hingegen ist die fibrilläre Struktur zuweilen ausgezeichnet zu beobachten, ferner ist sie bei Sepiola sehr deutlich. Nur Phisalix (59) glaubte, daß eine Pseudostreifung durch zentral eingelagerte Protoplasmagranula vorliege, ihm scheint sich auch Solger (71) angeschlossen zu haben, wenigstens kann man seine widerspruchslose Anführung des PHisALixschen Zitates so auffassen, zumal Solger selbst keinen fibrillären Bau der Radiärfasern beschreibt. Aber die Auf- fassung Phisalix ist durch die Beob- achtungen von Steinach (72), Rabl (63) und Hofmann (37) genügend widerlegt. Von Klemensiewicz (46) wurde zu- erst darauf hingewiesen, daß jede Radiär- faser eine doppelte Kontur zeige. Solger (71) fand dann, daß die Proto- plasmamasse der Radiärfasern von einer stark lichtbrechenden homogenen Wand- schicht umgeben wird, welche frei ist von den im zentralen Teil des Protoplasmas eingelagerten Granulis. Diese Gliederung der Radiärmuskeln in Randsubstanz und Achsenplasma ist nach Ballowitz (4) bei den Cephalopoden bereits seit Müller und Leydig bekannt. Auch Rabl (63) erwähnt den doppelten Kontur, indem ein grobkörniger Inhalt (Sarkoplasma) von einer kontraktilen Randschicht umschlossen wird. Außerdem beschreibt er noch eine mit Fuchsin sich rot färbende bindegewebige Umhüllung, welche als feiner Kontur zu sehen ist. Bezüglich der Anastomosen und Verzweigungen der Radiärfasern herrscht auch heute noch keine vollständige Einigkeit aller Forscher. Seit Harless (33) wurde, wie bereits erwähnt, von Boll u. a. angegeben, daß mehrere Chromato- phoren durch ihre Muskelfasern miteinander verbunden sein sollen. Phisalix (59) erwähnt, daß die basalen Teile benachbarter Radiärfasern miteinander anastomosieren, so daß sie einen einheitlichen Bewegungsapparat bilden, was auch von Solger (71) angegeben wird. Am anderen Ende verdünnt sich der Muskel, teilt sich in Fibrillen, welche im Bindegewebe endigen, oder mit ähnlichen Fibrillen anderer Chromatophoren anastomosieren. Nach Rabl (63) spaltet sich die Radiärfaser in einiger Entfernung von der Chromatophore in zwei oder mehrere dünne Teile, die sich allmählich ver- schmälern und spitz zulaufend im Gewebe der Haut endigen. BoLLs (9) 77* R.K. Fig. G. Sepia officinalis. Ansatz- stück einer Radiärfaser an die Chromato- phore. R. Radiärfaser, E.K. Kern der Radiärfaser, 31. Zellmembran der Chro- matophore. (Nach Rabl.) 1220 E. F. rucHS, Angabe, daß benachbarte Chromatophoren mehrere Fasern gemeinsam haben, konnte nicht mit Sicherheit bestätigt werden. Auch öteinach (72) hat die Verbindung der breiten konischen Basalteile benachbarter Eadiärfasern beschrieben, so daß um den Aequator der Zelle eine zusammenhängende Muskelzone entsteht, die auf die obere und untere Fläche der Zelle übergreift. An ihren peripheren Enden ver- ästeln sie sich und lösen sich in Fibrillen auf, welche in der bindegewebigen Um- gebung verschwinden, manchmal aber einen Uebergang in die Hautmuskelfasern zeigen. Steinach nimmt sogar eine sehr innige Beziehung zwischen Hautmuskeln und Eadiärfasern an, so daß ein Uebergreifen der Erregung von der Haut auf die Chromatophoren möglich ist. Auch geteilte Eadiärfasern beschreibt Steinach, deren einer Ast zu einer benachbarten Chromatophore zieht, während der zweite Ast in der Haut endigt, außerdem erwähnt er Verbindungen der Eadiär- / Fig. 7. Chromatophoren von Loligo vulgaris. Ueberkreuzen der Radiärfasern. (Nach HOFMANN.) faserbüschel zweier Chromatophoren untereinander. An intravital gefärbten Methyleu- blaupräparaten hat Hofmann (37) oft die büschelförmigen Verästelungen der Eadiärfasern gesehen, bezüglich deren Endverästelungen starke Variationen vorkommen. Ferner erwähnt Hofmann, daß sich die Eadiärfasern benachbarter Chromatophoren überkreuzen ; eine direkte Verbindung der Fasern an diesen Stelleu scheint er aber nicht anzunehmen. Endlich hat Chun (16) bei Bolitaena stets durchaus un verästelte Eadiärfasern gesehen, auch war eine Verbindung zwischen den Eadiärfasern benachbarter Zellen nicht nachzuweisen, wohl aber kann es vor- kommen, daß zwei Eadiärfasern sich an die gleiche Masche der unter der Chromato- phorenschicht gelegenen Muskelschicht anlegen. Beim Studium der histologischen Eigenschaften der Eadiärfasern hat auch das färberische Verhalten dieser Gebilde die Aufmerksamkeit der Forscher auf sich ge- Der Parbenwechsel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. 1221 lenkt, Solger (71) hatte beobachtet, daß die Eadiärfasern bei der vitalen Me- thylenblaufärbuDg sich ganz ähnlich färben wie glatte Muskeln (diffus blaßblau). Neuerdings hat Hofmann (37) ausgedehnte Beobachtungen an der vitalen Methylen- blaumethode untervForfenen Präparaten angestellt und konnte die Angaben Solgers bezüglich der Eadiärfasern bestätigen. Dagegen färben sich die Hautmuskelfasern nicht, was auf deutliche Strukturverschiedenheiten zwischen Haut- muskeln und Kadiärfasern hinweist. Daß in manchen färberischen Eigenschaften Unterschiede zwischen Eadiärfasern und glatten Muskeln bestehen, hat auch Eabl (63) hervorgehoben, so daß man sie nicht direkt als glatte Muskeln , sondern nur für ähnliche Gebilde halten muß. Die Eadiärfasern zeigen keine Doppelbrechung, während die glatten Muskeln des Mantels eine solche aufweisen. Gerade die Untersuchungen der Kon- traktionsvorgänge am Mantelmuskel der Cephalopoden haben ergeben, daß sich die Kontraktionskurven dieser Muskel in sehr wesentlichen Punkten von den bei glatten Muskeln gefundenen unterscheiden, so daß die Mantelmuskeln wohl eine der vielen Uebergangsstufen vom glatten zum quergestreiften Muskel darstellen. Deshalb kann man nur den histologischen Unterschied zwischen Eadiärfaser und Mantelmuskel konstatieren, ohne daraus folgern zu dürfen, daß die Eadiärfasern keine echten glatten Muskeln seien. Steinach (72) hatte auch durch die HANSENsche Modifikation der van Gieson- schen Pikrofuchsinfärbung die Eadiärfasern als gelb gefärbte Bildungen dargestellt, die sich sehr auffällig von dem umliegenden roten Bindegewebsnetz abheben. Da sich die Eadiärfasern hier ganz wie Muskelfasern verhalten, so war diese färberische Eeaktion eine wesentliche Stütze dafür, sie als wirkliche Muskelzellen anzusehen. Steinach glaubt allerdings, daß die Eadiärmuskeln den quergestreiften Muskeln nahe verwandt sind und führt für seine Meinung an : die große Erregbarkeit der Eadiärfasern für Momentanreize, sowie die rasch verlaufende Zuckung und ihre Fähigkeit in Tetanus zu geraten. Jedoch scheinen diese Eigenschaften durchaus nicht hinreichend, um die Eadiärfasern zu den quergestreiften Muskeln in ver- wandtschaftliche Beziehungen zu bringen, denn gegen eine solche spricht vor allem das histologische Verhalten. Außerdem ist der Tetanus der Eadiärfasern nicht als Tetanus exakt analysiert, denn langdauernde Kontraktionen brauchen besonders bei glatten Muskeln keine Tetani zu sein , wie die Untersuchungen von Fuchs (30) am Sipnnndus -KeiraetOT ergeben haben, bei welchem glatten Muskel auch rasch erfolgende lange anhaltende Dauerkontraktionen sich als einfache Zuckungen heraus- gestellt haben. Endlich müssen wir bedenken, daß die Physiologie des Kontraktions- prozesses derjenigen Gebilde, die wir in der Gruppe der glatten Muskeln vereinigen, noch keineswegs so weit gediehen ist, um mit Sicherheit ein kontraktiles Organ auf Grund des Kontraktionsverlaufes aus dieser Gruppe ausscheiden zu können. Andererseits ist es wohl heute nicht mehr zweifelhaft, daß wir in der Gruppe der glatten Muskeln physiologisch sehr verschieden sich verhaltende Muskeln vor uns haben, bei denen die histologische Untersuchung mangels geeigneter Methoden noch keine morphologischen Unterschiede feststellen konnte. Die Zahl der an einer Chromatophore befindlichen Eadiärfasern scheint bei verschiedenen und auch bei der gleichen Art verschieden zu sein. Harless (33) beschreibt deren 4—8, Klemensiewicz (46) 12—24, Eabl (63) bei Eledone 17, Hof- mann (37) durchschnittlich 20 und Chun (16) gibt einfach an, daß die Zahl der Eadiärfasern der Zahl der Kerne entspricht. Ebenso ist die Form (Eabl) und Länge (Hofmann) der Eadiärfasern, sowie die Mächtigkeit ihrer Entwicklung bei verschiedenen Arten verschieden, ja selbst bei nebeneinander liegenden Chromato- phoren eines und desselben Individuums verschieden. Bei Sepia und Loligo finden sich besondere einzelne dunkle Chrom atophoren mit sehr langen Eadiärmuskeln (Hofmann). 1222 . R. F. Fuchs, Auch die Form Veränderungen der Eadiärfasern bei ihrer Kon- traktion sind vielfach mikroskopisch genauer beobachtet worden. Klemensiewicz (40) hebt hervor, daß bei retrahierten Chromatophoren die Eadiärfasern schwer zu sehen sind und nur als feine glänzende Linien erscheinen, dagegen treten sie bei expandierten Chromatophoren wegen ihrer größeren Breite deutlich hervor. Ganz übereinstimmend äußern sich Samassa (69), Eabl (63) und Steinach (72), welche außer der Verdickung auch noch die Verkürzung der kontrahierten Fasern hervorheben. Die beiden letztgenannten Autoren erwähnen überdies, daß die Eadiär- fasern im erschlafften Zustande hier und da leicht geschlängelt erscheinen. Chun (16) hat beobachtet, daß bei der Expansion der Chromatophore die Eadiärfasern sich bis auf ein Drittel ihrer normalen Länge zu verkürzen vermögen. Im Anschluß an diese anatomischen Untersuchungen über die Eadiärfasern, seien hier noch die Versuche von Phisalix (58) erwähnt, welche bezweckten, einen physiologischen Beweis für die muskuläre Natur der Eadiärfasern zu erbringen. Phisalix zerstörte mit einer feinen Nadel den zentralen Teil der Chromatophore; die unverletzt gebliebene Eandpartie zeigt auf Eeizung sowohl rhythmische wie tetanische Bewegungen. Wurde aber die Eandpartie zerstört, wo die Chromatophoren- muskel ansetzen, dann tritt vollständige Bewegungslosigkeit auf. Da der Einfluß des Nervensystemes auf die Chromatophoren schon seit Aristoteles angenommen wurde, so war es eine zwar keineswegs leichte, aber umso dringendere Aufgabe, die anatomischen Verbindungen zwischen den Chromatophoren und den in der Haut befindlichen Nerven einwand- frei darzustellen. Als erster beschreibt Saxgiovanni (67, 6S) die Verbindung der Chromatophoren mit einem weitmaschigen Nervennetz, auch Harless (33) er- wähnt Nervenbündel, die mit den Chromatophoren in Beziehung treten, ja Joubin (43) will sogar Nervenendorgane gesehen haben, desgleichen Phisalix (59), der einmal Nervennetze um die Chromatophoren beschreibt, in denen stark lichtbrechende Körperchen, die vielleicht Ganglienzellen sein sollen, liegen. Ferner erwähnt er monilienartige Nervenendbäumchen an den Chromatophoren. Verbindung von Nerven- fasern mit Chromatophoren beschreibt auch Samassa (69). Aber bereits Wagner (79) sowie Keller (45) stellen einen Zusammenhang der Nervenfasern entschieden in Abrede, und selbst Klemensiewicz (46) konnte keine sicheren Verbindungen der Nervenfasern mit den Chromatophoren nachweisen. Da aber selbst die positiven Angaben der vorgenannten Autoren keineswegs genügten, um den anatomischen Zu- sammenhang der Chromatophoren mit dem Nervensystem klarzustellen, so unter- suchte Solger (71) diese Frage von neuem an vital gefärbten Methylenblaupräparaten . Zweifellos hat Solger Nerven an die Chromatophoren herantreten sehen, aber die letzten Enden der Nerven und deren Verteilung an der Chromato- phore sind ihm sicher entgangen. Chun (16) hat an Bolitacna, namentlich an jungen Chromatophoren stets Nervenendigungen aufgefunden, aber an vollständig entwickelten Chromatophoren sind sie viel schwieriger zu beobachten. Nur selten kann man sicher zeigen, daß ein über die Chromatojjhore ziehendes Nervenstämmchen eine Verbindung mit der darunterliegenden Eadiärfaser eingeht. Es ist ein großes Verdienst Hofmanns (37), durch seine sorgfältigen Untersuchungen vital gefärbter Methylenblaupräparate uns ein klares Bild von den Verbindungen der Nerven mit den Chromatophoren gegeben zu haben, weshalb die Befunde Hofmanns hier ausführlicher mitgeteilt werden sollen. Am geeignetsten für die Methylenblauuntersuchung sind Präparate von Loligo, in deren Chromatophorenschicht ein fast zu großer Eeichtum von Nervenfasern sich vorfindet. Die dickeren Nervenfasern verzweigen sich auf weite Strecken hin und bilden mit ihren x\esten ein Geflecht, das Hofmann den Grundplexus nennt, dessen Fasern glatte Konturen aufweisen. Der Grundplexus ist am stärksten ent- wickelt in der Gegend der Einstrahlung der Chromatophorennerven in die Haut. Der Tarbenwechsel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. 1223 Fig. 8. Nervengeflceht aus der Chromatophorensehicht der Haut von Loligo vulgaris. (Nach Hofmann.) Er stellt die allmähliche Aufteilung und Ausbreitung der Nerven in ihre Innervations- gebiete dar. Vom Grundplexus gehen feine Nervenfäden ab, welche häufig zu ßündelchen vereinigt sind, die aus varikösen Fäserchen bestehen und sich in wirrer Weise verflechten. Sie laufen an den Bündeln der Hautmuskeln entlang und stellen den intramuskulären Plexus dar, welcher wegen seiner oberflächlichen Lage alsEndplexus bezeichnet wird. Die Fasern, welche die Eadiärmuskeln innervieren, haben eine ganz charakteristische Anordnung. Jeder Radiär muskel ist in seiner ganzen Länge mindestens von einem Nervenfaden begleitet, der bei nicht kontrahierten Muskeln ziemlich geradlinig, an stark kontrahierten Muskeln aber oft stark geschlängelt erscheint. In der Nähe des Pigmentkörpers der Chromatophore werden die Nervenfasern blaß und scheinen bei nicht gut gefärbten Präparaten hier zu endigen, wie es Solger (71) beschrieben hat. Aber an geeig- neten Präparaten lassen sich die Nerven bis an den Chromatophorenkörper heran verfolgen, wo sie nach der Seite abbiegen und sich guirlandenförraig mit den Fasern der benachbarten Radiärfaser verbinden, und geben genau die Form der Einbuch- tungen zwischen den einzelnen Radiärmuskelansätzen wieder. Diese Fasern endigen nicht in der Chromatophore, sondern münden in die benachbarten Nervenfäden ein, so daß alle bisher von anderen Autoren dargestellten freien Nerven- endigungen als Kunstprodukte anzusehen sind. Hofmann gibt die Möglichkeit zu, daß von den Schlingen feine Nervenfädchen abgehen, die in den Radiärmuskeln frei endigen, aber darstellen konnte er diese Fasern nicht. Ob ein kontinuierliches Nervennetz vorhanden ist, läßt sich an Methylen- blaupräparaten wegen der Unvollständigkeit der Färbung nicht entscheiden ; es scheint 1224 R. F. Fuchs, zwar möglich, daß eine schleifen form ige Verbindung der Endverzweigungen einer Stammfaser untereinander besteht, aber die physiologischen Versuche Hof- manns (38) haben ein solches kontinuierliches Nervennetz unwahrscheinlich gemacht; denn auf Reizung einzelner isolierter Hautnervenstämmchen geraten stets ganz bestimmte oft inselförmig getrennte Chromatophorenbezirke in Expansion und ebenso treten nach Nervendurchschneidungen umschriebene scharf umgrenzte Läh- mungen einzelner Chromatophorenbezirke auf, was gegen ein kontinuierliches Nerven- netz spricht. Immerhin könnte man gegen diese Beweisführung Hofmanns den Einwand erheben , daß bei der Isolierung der einzelnen Hautnervenstämmchen zweifellos eine Reihe von Fasern durchrissen worden sind, welche eventuell die bei der Reizung des Nervenstammes nicht miterregten Felder innervieren, so daß also die Inselbildung, auf die gerade Hofmann großes Gewicht zu legen scheint, doch nicht so strikte beweisend ist, wie er annimmt. Daß dennoch gewisse nervöse Verbindungen zwischen einzelnen Cbromatophorenbezirken bestehen, geht aus Fig. 10. Fig. 9. Fig. 9. Nervenfasern , welche an einer Radiärfaser entlang laufen. (Nach Hofmann.) Fig. 10. Guirlandenförmige Nervenschlingen an den Radiärfasern von Loligo vulgaris. (Nach Hofmann.) einem anderen Versuche Hofmanns hervor. Tetanisiert man die Haut einer bereits abgestorbenen Loligo, bei der die Reizung des isolierten Nerven keinen Erfolg mehr hat, so zeigt sich gleichfalls Expansion der Chromatophoren in bestimmten Hautbezirken und in weit davon entfernten Inseln. Hofmann deutet diesen Versuch so, daß jedes Neuron gesonderte Nervenendnetze bildet. Es scheint, als würde dieser letzt- erwähnte Versuch den oben er- hobenen Einwand widerlegen. Aber doch nur scheinbar , denn bei der komplizierten geflechtartigen Anord- Der Farbenwechsel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. 1225 nung der Nervenfasern in der Haut sind Mitreizungen von in der unmittelbaren Nach- barschaft verlaufenden Fasern für entferntere Chromatophorenbezirke keineswegs aus- geschlossen. Endlich hat Hofmann die Meinung ausgesprochen , daß die normale Zeichnung, z. B. das Auftreten der Augenflecke am Rücken, sowie der Querbänder auf getrennte Inaervationsbezirke hinweise, denn diese Zeichnungen sind nicht allein durch die Anordnung der Chromatophoren bedingt, sondern sie sind im wesent- lichen auf eigenartige zentrale Innervation zurückzuführen. Wenn auch Medianlinie des Rückens Fig. 11. Grenzen der Innervationsbezirke von vier Hautuerven, Sepia ofßcinalis. {Nach HOFMANN.) die Bedeutung der Innervation für das Zustandekommen der normalen Zeichnung zweifellos nicht unterschätzt werden darf, so scheint doch die Anordnung und Form der Pigmentzellen selbst nicht ohne wesentliche Bedeutung für das Zustandekommen der Zeichnung zu sein. Zum Schluß unserer Betrachtungen über die Morphologie der Chromatophoren soll eine Uebersicht über die Entwicklungsgeschichte dieser Gebilde gegeben werden, zumal auch viele wichtige physiologische Beobach- tungen an embryonalen Chromatophoren angestellt worden sind, und manche anatomi- schen Einzelheiten an sich entwickelnden Chromatophoren besser beobachtet werden können als an den fertigen Gebilden, worauf schon mehrfach hingewiesen wurde. Die ersten Beobachtungen über die Entwicklung der Chromatophoren der Cephalo- poden verdanken wir Kölliker (47), der ihr Auftreten bei Sepia und Loligo sagit- tata erst gegen das Ende des Embryonallebens beobachtet hat, zu einer Zeit, wo der Embryo und der Dottersack ungefähr gleich groß sind. Es sind runde oder länglich- runde membranlose Zellen, die einen blasseren zentralen Teil zeigen, während die Peripherie durch gelbe Körnchen gefärbt ist. Die größten der vorhandenen Zellen sind violett oder rotbraun. Bei Loligo treten die Pigmentflecken nicht so zahlreich auf wie bei Sepia, sondern ganz vereinzelt und wie es scheint, in ganz bestimmter Reihenfolge; sie sind am zahlreichsten auf der Dorsalseite des Mantels, am spär- lichsten an jedem Arm des ersten Paares. Kölliker nimmt eine pigmentfreie Vorstufe der Zellen an, in die sich erst später Pigmentkörner ablagern. Bei den ältesten untersuchten Embryonen konnte Kölliker bereits Bewegungen der Chromatophoren beobachten. An noch früheren Embryonalstadien hat Grenacher (32) die Chromatophoren als erstes Differenzierungsprodukt der Blastoderinzellen gesehen. Es sind sternförmige, zunächst noch karminrot, später dunkler gefärbte Zellen, deren Farbstoff aus dem Dotter stammen dürfte. In Uebereinstimmung mit 1226 R. F. Fuchs, KöLLiKER hat auch Grenacher beobachtet, daß die Chromatophoren sich an den Armen viel später differenzieren als am Mantel. Klemensiewicz (46) hat bei noch im Ei befindlichen Embryonen von 2 bis 2,5 mm Länge bereits sich be- wegende Chromatophoren beobachtet. Das zeitlich verschiedene Auftreten sowie die Anordnung der embryonalen Chromatophoren wurde außer von den bereits ge- nannten Autoren noch voq Pouchet (62), Samassa (70), Joubin (4.3), Phisalix (59), sowie Solger (71) eingehender beschrieben, wobei zu bemerken ist, daß das von Phisalix (59) erwähnte späte Auftreten der Chromatophoren zum mindesten nicht für alle Cephalopoden gilt. Die Frage nach der Herkunft der Chromatophoren wurde zuerst von GiROD (31) eingehend behandelt, welcher die Chromatophoren als mesodermale Gebilde ansieht. Gegen diese Anschauung hat aber Joubin (43), wie Siemenz (zit. nach Solger, 71) einen ektoder malen Ursprung der Chromatophoren vertreten, und sie beschreiben an Präparaten von Argonatäa und Octopus eine Einwanderung der Chromatophoren aus dem Ektoderm in Form von Einstülpungen in das Meso- derm. Die akzessorischen Teile der Chromatophore, insbesondere die Radiärfasern läßt auch Joubin aus dem Mesoderm entspringen. Aber von allen späteren Forschern, Phisalix (59), Faussek (22), Solger (71), Rabl (63) und Chun (16) ist die voll- ständige Haltlosigkeit der JouBixschen Auffassung erwiesen worden, so daß der mesodermale Ursprung der Chromatophoren als endgültig bewiesen anzusehen ist. Trotzdem KLEME^fSIEWICZ (46), Phisalix (59) sowie auch Solger (71) manches interessante und richtige Detail über die Chromatophorenentwicklung beobachtet haben, so konnten ihre Beobachtungen doch keine genügende Aufklärung über diesen Prozeß geben, da die drei genannten Autoren durch die Annahme der zelligen Hülle, coUerette, ihre mikroskopischen Bilder mit dieser Annahme in Einklang zu bringen suchten. Trotzdem die Untersuchungen von Phisalix (59) sehr umfangreich, aber leider sehr wenig klar sind, wie Rabl (63) mit Recht betont, kann ich über ihre Spezialangaben hinweggehen und mich vor allem an die sehr sorgfältigen Beobach- tungen von Rabl (63) und die neuesten Untersuchungen von Chun (16) halten, die, wie wir sehen werden, noch manche prinzipiellen Gegensätze aufweisen. Die Be- obachtungen Rabls (63) beziehen sich auf Embryonen von Loligo vulgaris und Sepia offieinalis. Das erste Zeichen, durch das sich die zukünftige Chromatophore bei Loligo von den Bindesubstanzzellen unterscheidet, ist die Größe der Zelle und des Kernes. Später wird die Zellmembran gebildet und in einem folgenden Stadium erscheinen erst die Pigmentkörnchen, die kein flüssiges Vorstadium zu besitzen scheinen, sondern sofort als feste Körperchen erscheinen. Bei Embryonen von S'/a mm Länge waren bereits alle Teile der fertigen Chromatophore angelegt, hier sind sogar schon die Radiärfasern vorhanden. Bei Sepia sind erst bei 4 mm langen Embryonen unter den Mesodermzellen der Rückenhaut solche zu erkennen, die ihrer Größe und dem Kerne nach als Anlagen der Pigmentzellen anzusehen sind. Bei 5 und 6 mm langen Embryonen kann man durch Eosinnachfärbung der Eisenhämatoxylinpräpa- rate die Zellmembran bereits darstellen. Später erscheint das Pigment, doch hängt sein Auftreten nicht direkt von der Größe der Zellen ab, da kleinere Zellen pigmenthaltig sein können, während größere noch frei davon sind. Am häufigsten scheint das Pigment einen großen zentralen Hohlraum einzuschließen, doch ist zwischen Pigmentlage und Zellkapsel ein deutlicher Spalt zu sehen. Nur selten füllt der Pigmentkörper die Kapsel vollkommen aus, doch glaubt Rabl, daß der zentrale Hohlraum der in vivo vorhandene Zustand sei, während die kompakte Form, sowie die gelegentlich zu beobachtenden Uebergangsstufen zu ihr als Schrumpfungserscheinungen im Präparat aufzufassen sind. Bei Embryonen von Dez' Farbenwechsel vind die chromatische Hautfunktion dei- Tiere. 1227 8 mm, die das voranstehende Verhalten zeigen, ist auch die erste Anlage der Radiärfasern vorhanden, indem sich eine Reihe typischer Mesodermzellen, welche noch keinen besonderen Charakter haben, der Chromatophorenmembran an- lagern. Die Kerne dieser Zellen sind tangential zum Pigmentkörper gelagert. In anderen Fällen sind die Zellen mehr kubisch und entsenden in radiärer Richtung mehrere kurze, zarte Ausläufer, womit die Umwandlung der Mesodermzelle in eine Muskelzelle eingeleitet ist. Bei 17 mm langen jungen Tieren sind zwar schon zahlreiche, große, dunkel- pigmentierte Chromatophoren vorhanden, doch überwiegen noch die Entwicklungs- stadien, unter denen viele noch unpigmentierte Zellen sich finden. Die postembryonale Entwicklung der Chromatophoren unter- scheidet sich in mehreren Punkten von der embryonalen. Vor allem zeigen die post- embryonal sich bildenden Chromatophoren, zu einer Zeit, wo bereits die Radiär- faseranlagen kenntlich sind, noch keine Zellmembran, aber auch hier erscheint die letztere früher als die ersten Pigment- . ablagerungen ; ferner zeigen postembryonal sich bildende niemals bläschenförmige, rk- sondern stets kompakte Chromatophoren eine homogene blaßgelbe Substanz in ihrer Mitte. Später tritt eine durchgreifende /^' Sonderung zwischen Pigment und Zell- '; ;?% Protoplasma auf, indem sich Pigmenttropfen js- ' • %%* oder -klumpen bilden, um welche das Proto- ^ plasma fast regelmäßig nur eine Mantel- Th-^ ^ j.^^ Schicht bildet, aus der sich eine stark licht- '-'' .^,- brechende Haut (innere Pigmenthülle) bildet, /^ so daß die Chromatophore zu der Zeit, in / ' " der sich die eigentliche Zellmembran bildet, Chr.K zwei Umhüllungen besitzt. Die innere» ,j Pigmenthülle verschwindet aber wieder, so- bald sich die homogene Pigmentmasse in Körnchen umgewandelt hat, die später Fig. 12. Sepia officinalis. Embryo- immer dunkler werden. Gewöhnlich er- l^^t ..^^'r''nF^''z'\ ^^'' i^^^nu^ ^'T „ , , ,. ... ^. T ., ., Radiarzelle, Chr.K. Kern der Chromato- folgt die primäre Pigmentbildung an einer pho,e, r,k. Kern der ßadiärfasern. (Nach Seite des Kernes, gelegentlich kann sie Rabl.) aber rings um den Kern auftreten. Die Pigmentkörnchen selbst bestehen aus einer farblosen aus dem Zellprotoplasma hervorgegangenen Grundsubstanz, welche der Träger des Farbstoffes ist. Auf diese kontraktile Grundsubstanz führt Rabl das aktive Zurückziehen der schein- bar homogenen Pigmenttropfen von der Plasmahaut zurück. Ebenso wie sich die Chromatophoren verschiedener Körper- regionen hinsichthch der Form, in der das Pigment auftritt, unterscheiden, so zeigen auch die sich entwickelnden Radiärfasern der Chromatophoren in der Kopf- und Rückenhaut wesentliche Verschiedenheiten, auf welche hier nicht eingegangen -werden soll. Dagegen muß als prinzipiell wichtig hervorgehoben werden, daß die Ver- mehrung der Radiärfasern nach Rabl durch indirekte Teilung erfolgt, indem sich an einzelnen Zellen Kernteilungsfiguren nachweisen lassen. Dagegen konnte Rabl niemals, weder bei Embryonen noch in jungen Chromatophoren er- wachsener Tiere innerhalb einer als Chromatophore erkennbaren Zelle Kern- teilungsfiguren beobachten. Sobald einmal sämtliche Bestandteile der Chro- matophore angelegt sind, besteht ihre weitere Entwicklung nur in einer gleichmäßigen 1228 R- 'P- Fuchs, Vergrößerung der betreffenden Gebilde, ohne daß dabei neuartige Erscheinungen, wie solche Phisalix (59) beschrieben hat, auftreten. Auf Grund seiner Untersuchungen an BolitaeMa kommt Chün (16) zu der An- schauung, daß die frühesten Entwicklungsstadien der Chrom atophoren allen früheren Beobachtern entgangen seien. Die Chromatophoren entwickeln sich aus den gallertig verquollenen Bindegewebszellen der Cutis, es sind verästelte Zellen mit großem Kern und Kern körperchen, welche ein dunkles feinkörniges Proto- plasma und eine dem Kern anliegende dunkle Sphäre mit kleinem zentralen Kern Fig. 13. Bolitaena. Jugendstadien der Chromatophoren mit Pseudopodien Kern und Sphäre, Scheidung in Ekto- und Endoplasma. (Nach Chun.) erkennen lassen. Die Umwandlung beginnt damit, daß sich von dem den Kern und die Sphäre enthaltenden Endoplasma ein Ektoplasma scheidet, von dem kurze Pseudopodien artige Fortsätze ausgehen, meist 9—14 an der Zahl, selten mehr oder weniger. An den sternförmig gewordenen Zellen tritt an den Fort- sätzen die Ausscheidung einer kontraktilen Substanz in zwei getrennten seitlichen Zonen längs jeder Faser auf. Auch an der Basis der Fortsätze scheidet sich kontraktile Substanz in Form eines Ringes ab, so daß zwei kontraktile Systeme vorhanden sind. Dann beginnt sich der Kern ohne Zellteilungs- figuren zu teilen, wobei Bisquit- oder auch Hantelformen zu beobachten sind. Bereits in frühen Stadien treten im Zellkörper zahlreiche stark lichtbrechende un- regelmäßig gestaltete Schollen auf. Die bereits zu erheblicher Länge ausgewachsenen zahlreichen Radiärfasern kommen mit feinen Nervenstämmchen in Kontakt und lassen an sämtlichen jungen Chromatophoren verschiedenes Verhalten zeigende Nervenendigungen erkennen. Meist geht das Ende einer Radiärfaser ohne scharfe Grenze breit in ein Nervenstämmchen über. Obgleich in dem Verhalten der Nervenanlagerung mancherlei Verschiedenheiten bestehen, so tritt doch niemals eine direkte Innervation des Pigmentkörpers auf, sondern nur der Radiär- fasern, von denen mindestens eine mit den Nerven in Beziehung tritt. Im Stadium von 12—16 Kernen zeigt die Zellmembran der abgeplatteten Zelle feine Runzelung ; an Stelle der vorerwähnten Schollen, die aufgelöst werden, tritt leicht gelbliches oder rötliches großkörniges Pigment. Die Kerne rücken später auseinander und ordnen sich kranzförmig in der Peripherie der Zelle an. Der schon früher vorhanden ge- wesene große, mit 1 — 3 Kernkörperchen versehene Kern bleibt im Zentrum der Zelle zurück. Die Zahl der peripheren Kerne nimmt noch weiter zu. Obgleich ihre Zahl schwankt, so werden doch meistens 28 gezählt. Im weiteren Verlaufe der Entwick- lung flacht sich die Zelle noch mehr ab, das feinkörnig gewordene Pigment erfüllt die der Körperoberfläche zugekehrte Seite der Zelle, während die untere Zellhälfte pigmentfrei bleibt. Die peripheren Kerne rücken allmählich in die zwiebeiförmige Anschwellung der unteren Zellhälfte hinein, welche sich in die Radiärfasern fortsetzt , die miteinander zahlreiche Verbindungen eingehen. Erst dieses Stadium hat Der Farbenwechsel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. 1229 nach Chtjns Meinung den anderen Autoren vorgelegen. Die weitere Entwicklung bis zur funktionierenden Chromatophore besteht wesentlich darin, daß die ganze Anlage sich verbreitert und das Pigment bis in die peripheren Zellteile vordringt, ja zuweilen sich sogar in die Radiärfasern fortsetzt. Der Gegensatz zwischen oberer und unterer Zellhälfte verschwindet später wieder, der große zentrale Kern wird allseitig von Pigment umgeben. Auch die Anastomosen zwischen den Radiär- fasern verschwinden wieder, nur selten sind solche noch an ihren basalen Verbreite- rungen zu beobachten. Die einzelnen Radiärfasern sind durchaus unverästelt, auch lassen sich Verbindungen zwischen den Radiärfasern benachbarter Chromatophoren nicht nachweisen. Der prinzipielle Unterschied der Chun- schen Darstellung der Chromate phorenentwicklung gegenüber jener von Räbl ist dadurch charakterisiert, daß Chun die Radiärfasern direkt als Zellfort- Fig. 14. Bolitaena. Zweikerniges Jugendstadium der Chromatophore mit kon- traktilen Ausläufern, welche teilweise mit verbreiterten Enden auf das Nervennetz stoßen. (Nach Chun.) sätze der primären Pigmentzelle entstehen läßt und demnach die ganze Chromatophore als ein einzelliges sehr weit differenziertes Gebilde, etwa nach Art der höchststehenden Protozoen auffasst. Rabl hingegen sieht die Chro- matophore als ein vielzelliges Gebilde an, das sich durch die Entwicklung zu einem einheitlich funktionierenden Organ umwandelt. Es geht keines- wegs an, die RABLsche Darstellung durch die CHüNschen Beobachtungen als un- haltbar und widerlegt darzustellen, wie es van Rynberk (65) in seiner Zusammen- stellung getan hat. Solange die von Rabl an den embryonalen Radiärfasern be- obachteten Mitosen nicht als Kunstprodukte oder anderen Zellen zugehörig er- wiesen werden, ist die RABLsche Anschauung nicht widerlegt. Aber ebensowenig kann 1230 E. F. Fuchs, man sagen, daß Chuns Auffassung unrichtig wäre, die allerdings schon ziemhch hochdifferenzierten und spezialisierten Zellen weitgehende Entwicklungspotenzen zu- schreibt. Erscheinungen, die wir sonst an der Metazoenzelle eigentlich bisher nicht kannten. Wenn man aber bedenkt, daß die Chromatophoren bei den verschiedenen Cephalopoden arten nicht nur sehr weitgehende Formunterschiede auf- weisen, und daß auch in der Entwicklung mancher Gebilde, insbesondere in der der Eadiärfasern bei demselben Tier ie nach dem Hautbezirk, schon deutliche Unterschiede bestehen, worauf Rabl selbst hinweist, dann scheint es wohl das Naheliegendste, anzunehmen, daß der für Bolttaeua, einen gallertigen Tiefseecephalopoden, gefundene Entwicklungsmodus der ßadiärfasern nicht ohne weiteres für Sepia oder LoHgo, oder Octopus und Eledone zutreffen muß. Gerade bei so eminent variablen Gebilden wie den Chromatophoren wird wohl auch die Entwicklung keine so streng geregelte sein, daß ein einziger Bildungsmodus allein vorkommt. Fig. 15. BoUtaena. Junge Chromatophore mit großem zentralen Kern und 28 peripheren Kernen. Eadiärfasern zum Teil miteinander verbunden. Wabenförmige An- ordnung der Plasmastränge. (Nach Chun.) Als Schluß dieser Ausführungen über die Chromatophoreneutwicklung sollen auch noch einige Beobachtungen über die Rückbildung der Pigmentzellen angeführt werden. Bereits Samassa (59) sagt, daß die Chromatophoren wahrschein- lich nach einer bestimmten Zeit zugrunde gehen und durch nachrückende junge Elemente ersetzt werden. Genauer sind aber die Eückbildungsvorgänge meines Wissens nur von Eabl (63) studiert worden. Bei der Rückbildung der Chromato- phoren bilden sich aus der körnigen Pigmentmasse Ballen, zwischen denen Kerne in Der Farbenwechsel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. 1231 großer Zahl verstreut sind. Vielleicht verschwinden auch die Radiärfasern, aber eine sichere Entscheidung darüber konnte Rabl nicht gewinnen. Die in der Chromato- phorenhöhle enthaltenen Kerne, welche wahrscheinlich von außen her in die Chromato- phoren eingedrungen sind, werden vollständig homogen. Auch das Stroma der Pigmentkörnchen verläßt die Höhle der degenerierenden Chromatophore und gelangt in das subepitheliale Bindegewebe und end- lich zwischen den Epithelzellen hindurch an die Oberfläche der Haut. Diese Ortsverände- rungen zeigen nicht nur entfärbte Pigment- körner, sondern manchmal auch noch pig- mentierte. Wir wenden uns nun dem Bau der Iridoeyten zu, jenen Gebilden, die den Hintergrund dar- stellen, auf dem sich der durch die Chroma- tophorentätigkeit bewirkte P'arbenwechsel ab- spielt. Außerdem sind die Iridoeyten auch jene Gebilde, denen die Tiere ihren Metall - glänz und das Schillern verdanken, durch die erst die ganze Pracht des Farbenspieles zur vollen Geltung kommt. Die erste Unter- suchung der Iridoeyten verdanken wir Brücke (10,11), welcher sie „Füttern'' genannt hat. Die von ihnen im auffallenden Licht erzeugten lebhaften Farben sind Interferenzfarben dünner Blättchen, wofür deren Glanz und Lebhaftigkeit spricht, sowie der Umstand, daß alle Farben dem dritten NEWTONschen Ring angehören, von rot bis violett. Am häufigsten treten auf: blau, meergrün, gras- grün und gelbgrün. Dagegen gelang es weder Brücke noch Boll, (9) im durchfallenden Licht die Komplementärfarben, der im auf- fallenden Lichte erzeugten Farben zu sehen, was Brücke auf die Kleinheit der Füttern zurückführt. Wohl aber hat H. Müller (55) gelegentlich das Auftreten der Komplementär- farben gesehen. Gegen die BRÜCKEsche Auf- fassung der Farben als Interferenzfarben hat nur PouCHET (62) Stellung genommen , in- dem er die Flittern für zu dünn hielt, um Interferenzen zu erzeugen , außerdem war ihm das Fehlen der Komplementärfarbe im durchfallenden Licht ein Grund gegen BrüCKEs Anschauung, und endlich behauptet er, wenn ich ihn recht verstehe, daß die Farben nicht einem NEWTONschen Ringsystem angehören, wie Brücke angibt, sondern verschiedenen. Pouchet glaubt deshalb, es handle sich bei den durch Iridoeyten bedingten Farbenerscheinungen nur um einfache Ab- sorptionserscheinungen. Die Iridoeyten bilden nach H. Müller (55), Boll (9) eine einfache zu- sammenhängende Schicht unter der Chromatophorenschicht der Haut, die von Jatta (42) bereits in das Unterhautzellgewebe verlegt wird. Manchmal vereinigen sie gich zu zahlreichen Gruppen und erzeugen einzelne be- sonders lebhaft perlmutterartig oder metallisch glänzende Punkte oder Flecke. Schon Fig. 16. Octopodide. Querschnitt durch die Haut. Zerfall von Chro- matophoren. Pigment in Klumpen geballt. (Nach Eabl.) 1232 K ¥. Fuchs, H. MÜLLER beschreibt bei Enoploteutltis die großen blauschillernden Punkte, welche aus zwei übereinanderliegenden kugeligen Körpern bestehen, welche im Innern teils strukturlose, teils bestimmt kompliziert strukturierte schillernde Massen enthalten. Diese Körper sind wohl zweifellos den Iridocyten zuzuzählen. Jedoch ist das Vor- kommen der Iridocyten keineswegs auf die Haut beschränkt, sondern in den Umhüllungen vieler Organe kommen verschieden geformte Iridocyten vor, so besonders im Tintenbeutel von Rossia dispar, ferner bei Loligopsis (H. Müller). Ferner hat Hensen (35) in der Argentea des Cephalopodenauges die Füttern be- schrieben. Keller (45) erwähnt ihr Vorkommen an der Innenseite des Mantels, ferner in den großen Aesten der Kiemenvene von Sepia, sowie an den Kiemen von Spirula. Die Iridocyten werden von H. Müller (55), Leydig (51), Boll (9), Keller (45), POUCHET (62), GiROD (31) übereinstimmend als kernhaltige Zellen von polyedrischer Form oder als unregelmäßige rhombische Täfelchen JrK. % 'P ¥ Fig. 17. Sepiola Rondeleti. Iridocyste mit paralell verlaufenden, faserigen Irido- somen. Jr.K. Kern der Iridocyste. (Nach Rabl.) beschrieben, deren Form wechselt. Die ganzen Zellen, ,, Plättchen" nennt sie z. B. Boll, bestehen wieder aus kleinen Fhttern oder Blättchen, ^ei Argonauta haben die Iridocyten nach Angabe von Keller (45) eine den menschlichen Blutkörperchen ähnliche Form. Die Einwirkung chemischer Agentien auf die Iridocyten wurde besonders von Pouchet (62) untersucht. In Glyzerin zerfallen sie in dünne unregelmäßige Scheiben, während Essigsäure unter Vernichtung der optischen Eigen- schaften eine Zerspaltung der Körperchen herbeiführt; in Natronlauge nehmen sie Blasenform an, dagegen verändern sie sich in MÜLLERscher Flüssigkeit nicht. Rabl (63) hat in seiner ausgezeichneten Arbeit die Histologie und Entwicklungsgeschichte der Iridocyten, die er „Iridocysten" nennt, sehr sorgfältig untersucht, so daß ich mich im weiteren an die Darstellung ßABLs halte. Bei Eledone sind die Iridocyten vielfach verzweigte Zellen mit einem zentral gelegenen Kern. Sowohl der Zell- körper als auch die Fortsätze sind erfüllt von zahlreichen walzen- und scheiben- förmigen Körperchen, die in zwei Reihen in den Zellen angeordnet sind und von Rabl „Iridosoraen" genannt werden. Die Zellen liegen in einer der Haut- oberfläche nahezu parallelen, kontinuierlichen Schicht, in der die Ausläufer Der Farben Wechsel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. 1233 benachbarter Zellen miteinander anastomosieren. Ganz ähnlich sind die Iridocyten von Octopus gebaut, nur sind ihre zahlreichen Fortsätze plumper und die Iridosomen haben die Gestalt kurzer walzenförmiger Stäbchen. Die Iridocyten von Loligo sind regelmäßig begrenzte unverzweigte Zellen mit ovalen blättchenartigen regelmäßig angeordneten Iridosomen. Bei Sepiola sind die Iridocyten außerordentlich große glatte Zellen, in denen die Iridosomen meist nur in einfacher Schicht verteilt sind Die Iridosomen stellen gestreckte oder drehrunde geschlängelte Fäden dar, welche sich nicht teilen. Manchmal verkleben einzelne Fäden miteinander zu breiten Strängen. Die Fädchen besitzen die Fähigkeit, sich in wechselnder Anordnung zu grup- pieren, wodurch eine wechselnde Reflexion des Lichtes eintritt. Die Verschieden- artigkeit im Bau der Iridocyten, insbesondere der Iridosomen, ist für die betreffende Cephalopodenart ganz charakteristisch. Als selbständige histologische Elemente der Cutis können die Iridocyten erst bei Embryonen von 6—7 mm Länge nachgewiesen werden , wenn sich in ihnen Iridosomen entwickelt haben, die als kleine Körnchen oder auch in Fäden in den peripheren Teilen der platten Zellkörper liegen. Später verschmelzen die größer ge- wordenen Körnchen zu einer den Kern ringförmig umschließenden Masse, die zahl- reiche Fortsätze und Buchten zeigt. Bei Embryonen von 8 mm Länge treten nach einwärts von dem kompakten Ring neue winzige Körnchen und Fäden auf; die Iridocyten bilden in diesem Stadium bereits eine einschichtige Zellage. Bei 17 mm langen Sepien findet man am Kopfe bereits zwei bis vier Schichten großer Irido- cyten, die sich von embryonalen Zellen durch ihre Rotfärbung mit Hämatoxylin unterscheiden. Die Färbbarkeit ist in den verschiedenen Schichten eine verschiedene, indem die obere Schicht blau, die untere sich rot färbt. Die zuoberst gelegenen Zellen sind die kleinsten und jüngsten. Die Neubildung der Iridocyten aus Bindesubstanzzellen geht von der Oberfläche der Haut nach einwärts vor sich ; in den großen Iridocyten besteht der Inhalt aus zahlreichen manchmal staubförmigen Kügelchen, weshalb Rabl die Meinung vertritt, es könnte eine Zerkleinerung der Iridosomen stattfinden, zumal in den kleineren Iridocyten die Iridosomen Stäbchen- oder Fadenform aufweisen. C. Physiologie der Chromatophoren . I. Spontaner und reflektorischer Farbenwechsel. Der scheinbar spontane Farbenwechsel der Cephalopoden ist seit den ersten Beschreibungen des Aristoteles (2) stets von neuem bewundert und beschrieben worden und führte zu der An- nahme, daß dieses Farbenspiel dem Willen der Tiere unterworfen sei, wobei später unter dem mächtigen Einfluß der DARWiNschen Lehre der ganze Farbenwechsel zum Teil als Schutz-, zum Teil als Schreckfärbung gedeutet wurde. Aber bereits Aristoteles er- wähnt, daß die Tintenfische die Farbe der Steine des Grundes an- nehmen, um Fische zu täuschen und sie leichter fangen zu können. Der Entdecker der Chromatophoren, Sangiovanni (66), deutete den Farbenwechsel als Schreckfärbung. Aehnliche Anschauungen wurden vertreten von belle Chiaje (15), Seidlitz (70), Darwin (20), Kollmann (48), Fredericq (23), Klemensiewicz (46), Albini (1), Keller (45) u. a., wobei besonders auf die willkürliche Farben- anpassung an die Farbe des Grundes das Hauptgewicht gelegt worden ist. Aber gerade die letzten Arbeiten über diesen Gegenstand, die Untersuchungen von Steinach (72), sowie jene von Fuchs (29) haben gezeigt, daß es sich um gesetzmäßige Reflexe und nicht um willkürliche Farbenanpassungen handelt. Handbuch d. vergl. Physiologie. IJI, 1. 78 1234 R. F. Fuchs, Groß ist die Zahl von Beobachtungen, welche eine psychische und reflektorische Erregung der Chromatophoren dartun. Schon Wagner (78) hatte beschrieben, daß Octopus beim ruhigen Haften an der Wand des Bassins eine schmutzig-blaß gelbe Farbe aufweist, und bei Reizung ein lebhaft wechselndes Farbenspiel mit Auftreten dunkler Flecke zeigt. Diese Beobachtung wurde stets von neuem bestätigt. Von Fredericq (23) wurde beobachtet, daß Octopus vor dem Ausspritzen der Tinte ganz schwarz wurde und dann wieder grau. Hier handelt es sich um weiter nichts als um eine sehr starke reflektorische Erregung, da ja nur nach starken äußeren oder auch psychischen Reizen das Ausspritzen der Tinte im höchsten Stadium der Erregung erfolgt. Farbenänderungen bei der Orts- veränderung hat Phisalix (58) zuerst beobachtet. Steinach (72) beschreibt eingehend den Farbenwechsel der Tiere beim Ansaugen und Loslassen der Saugnäpfe als einen von ihnen ausgehenden Reflex. Um aus der großen Reihe von mehr oder minder gut fundierten Experimenten, welche den Einfluß der Psyche auf den Farben- wechsel zeigen sollen, nur einige zu nennen, seien die nachstehenden Angaben angeführt. Bereits Aristoteles (2) läßt die Cephalopoden aus Furcht erblassen und wechselndes Farbenspiel zeigen. Eine geradezu klassische und überaus fesselnde, farbensprühende Dar- stellung des Farbenwechsels unter dem Einfluß psychischer Erregungen, insbesondere während des Kampfes mit fremden oder auch Tieren derselben Art hat Kollmann (48) veröffentlicht ; während des Kampfes sind die Tiere intensiv dunkel gefärbt. Fredericq (23), Klemen- siEwicz (46) haben ähnliche Beobachtungen gemacht, indem die Tiere beim Anblick ungewöhnlicher Gegenstände, z. B. der er- hobenen Faust, sich dunkel färben. Hofmann (37) beschreibt sogar einen eigenen Schreckreflex bei Sepien, welche beim Erheben der Hand gegen das Tier oder sonstiger Aufregung eine deutliche Zebrastreifung zeigen. Noch weiter in der Differenzierung der psychischen Beeinflussung der Färbung geht Phisalix (58), nach seinen Beobachtungen werden Sepia und Sepiola aus Angst blaß, während Zorn eine dunkle Färbung hervorrufen soll. Gerade diese Versuche, welche eine psychische Verwertung opti- scher Eindrücke nahelegten, führten Klemensiewicz (46) dazu, den Einfluß des Auges auf den Farbenwechsel zu untersuchen, insbesondere nahm Klemensiewicz auf Grund von Versuchen mit Durchschneidung der Nervi optici an, daß die Farbenanpassung an die Farbe des Grundes reflektorisch vom Auge aus erfolge. Dieser Meinung schließt sich auch Phisalix (58) an, der hervorhebt, daß die vom Auge ausgelösten Reflexe besonders wirksam seien und beim blinden Tier fehlen. Gegen den Einfluß der Augen auf den Farbenwechsel hat sich insbesondere Steinach (72) ausgesprochen, indem er auf Grund seiner Versuche eine direkte Lichtwirkung auf die Chromatophoren annimmt, die nach den neuen Versuchen von Hertel (36) sowie Fuchs (29) zweifellos besteht, worauf bei Besprechung der Lichtwirkung näher eingegangen wird. Doch glaube ich hier schon sagen zu müssen, daß Steinach zweifellos den Einfluß der Augen bzw. optischer Reizung auf den Farbenwechsel der Cephalopoden viel zu sehr unterschätzt. Der Farbenwechsel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. 1235 Dagegen ist es ein großes Verdienst Steinachs (72), die reflek- torische Beeinflussung des Farbenwechsels der Cephalo- poden von den Saugnäpfen aus experimentell sichergestellt zu haben, Vermutungen, die bereits Harless (33) auf Grund allerdings nicht ganz einwandfreier Experimente ausgesprochen hat. Da Steinach die HARLESSsche Arbeit nicht zitiert, so scheint ihm Harless' Ver- such, mechanische Reizung der Saugnäpfe, unbekannt gewesen zu sein. Wohl aber mochten die bekannten Versuche Biedermanns (7) über den Einfluß von taktilen Hautreizen auf die Färbung von Fröschen Steinach den Gedanken nahegelegt haben, diese Frage auch bei Cephalopoden zu untersuchen, zumal Steinach beobachtet hatte, daß das lebhafte Farbenspiel i m M o m e n t d e s F e s t s a u g e n s auftritt. Nach Abtragen der Arme und Abschneiden der um dieMundöffnung angeordneten Saugnäpfe verlieren die Tiere {Octopus und Eledone) die Fähigkeit, ihre Farbe spontan zu wechseln; nach Abklingen der durch die Operation hervorgerufenen Erregung wird das Tier blaß, verdunkelt sich aber bei direkter mechanischer Hautreizung, jedoch nur so lange, als der Reiz selbst andauert. Behält das Tier nur einen einzigen Arm, 'dann bleibt die Fähigkeit, spontan die Farbe zu wechseln, erhalten, ja es genügt hierzu, einzelne Saugnäpfe an den Stümpfen der abgetrennten Arme stehen zu lassen. Es handelt sich also um eine reflektori- sche Beeinflussung der tonisch erregten Färbungszentra im Gehirn durch Erregung der zentripetal leitenden Nerven von den Saugnäpfen; die zentrifugale Bahn wird durch die motorischen Nerven der Radiärmuskeln dargestellt. Der spontane Farbenwechsel beruht nach Steinach auf einer graduellen Veränderung dieses Reflextonus infolge verschiedenartiger Hautreize. Beim Fest- saugen an groben Kies oder Gestein tritt eine fleckige Zeichnung auf, während beim Ansaugen auf feinkörnigem Sand das Tier gesprenkelt erscheint, während bei Untätigkeit des Saugapparates, so insbesondere beim Schwimmen die Tiere unauffällig graubraun sind. Dieses ge- setzmäßige Verhalten ist aber nur bei einer mittleren Lichtstärke zu konstatieren. Sobald jedoch eine stärkere Belichtung mit Sonnen- licht eintritt, dann reicht der von den Saugnäpfen ausgehende Reflex- tonus nicht mehr aus, es tritt dann die besondere Wirkung des Lichtes auf die Färbung noch hinzu. 3. Einfluß des Lichtes. Gelegentliche Beobachtungen über den Einfluß des Lichtes auf die Färbung wurden von verschiedenen Autoren angestellt; so erwähnt Sangiovanni (66), daß Belichtung des toten Tieres Chromatophorenbewegung auslöst, ferner führt Fredericq (23) an, daß Octopus im Lichte hell werde und im Schatten dunkel, und daß starke Belichtung eine eigenartige lähmende Wirkung auf die Pigment- zellen ausübe, indem die Bestrahlung des Kopfes mit dem durch eine Linse konzentrierten Sonnenlicht ein Erblassen der betreffenden Stelle hervorruft. Diese hellen Flecke bleiben längere Zeit bestehen; der Versuch wurde von Fredericq mehrfach mit dem gleichen Resultat wiederholt. Wie diese Beobachtung zu erklären ist, läßt sich zunächst nicht angeben, jedenfalls steht er im Widerspruch zu den umfang- reichen Beobachtungen von Steinach (72), Hertel (36) und Fuchs 78* 1236 R. F. Fuchs, (29), auf die weiter unten eingegangen werden wird. Auch Phisalix (61) beschreibt eine sehr deutliche und rasch eintretende Wirkung des Lichtes, indem Sepien in der Sonne sofort erblassen; diese Be- obachtung Phisalix muß eine grobe Täuschung sein, denn weder Steinach (72) noch Fuchs (29) konnten diese Angabe für Octopus und Eledone bestätigen, und Hofmann (39) hat bei Sepia keine aus- gesprochene Lichtwirkung gesehen. Umfangreiche systematische Versuche über den Einfluß des Lichtes auf die Färbung der Cephalopoden hat zuerst Steinach (72) angestellt; in seinen Versuchen hat sich sowohl direktes Sonnenlicht als auch diff'uses Tageslicht als außerordentlich wirksam erwiesen, wobei Steinach annimmt, daß es sich um eine direkte Erregbar- keit der Chromatophoren selbst durch das Licht handelt. Allerdings muß man Hertel (41) zustimmen, daß die STEiNACHschen Versuche diese Schlußfolgerung nicht exakt bewiesen haben, denn die direkte Lichtwirkung auf die Chromatophoren hat erst Hertel durch sehr eingehende exakte Untersuchungen zweifellos sichergestellt, auf die später eingegangen werden wird. Tiere {Eledone und Octopus), welche in einer dichtverdeckten Wanne abgeblaßt sind, werden bei Einwirkung des Sonnenlichtes in zweibis drei Sekunden lebhaft dunkel. Diese starke Färbung stellt gewissermaßen die Maximalleistung der Chromatophoren dar, sie dauert solange an, als die Strahlung einwirkt. Auch bei steilen Intensitätsschwankungen des diffusen Tageslichtes hat Steinach, wenn auch bedeutend schwächere, Färbungsunterschiede beobachtet; aber gerade gegen diese Versuche läßt sich ein auch bei den Versuchen mit Sonnenlicht zulässiger Ein- wand erheben, daß nämlich hier chemische Reizungen mit im Spiel waren. Schon Fredericq (23) fand, daß Luftmangel ein Erblassen der Tiere herbeiführt, während die Haut an der Luft stark dunkelt, die Beobachtung wurde sowohl von Hofmann (38), als auch Fuchs (29) bestätigt. Da Steinach in seinen Versuchen über die Wirkung des diff'usen Tageslichtes das Tier längere Zeit im Dunkeln hält, in- dem über das Aquarium eine mit Tuchpapier bekleidete Glasglocke gestürzt wird, so wird natürlich auch der Sauerstoffzu tritt zum Wasser verhindert, und das Erblassen des Tieres kann ebensogut durch den Sauerstoffmangel wie durch de^n Lichtmangel erfolgt sein ; beim raschen Abheben der Glasglocke hat dann sowohl das Licht als der Sauerstoff wieder freien Zutritt zum Wasser. Um zu beweisen, daß das Licht seine Wirkung direkt in der Haut entfaltet, exstirpierte Steinach (72) bei einigen Tieren die Augen oder durchschnitt die Nervi optici, um speziell die von Kle- MENsiEVi^icz u. a. vertretene Anschauung zu widerlegen, daß das Licht seine Färbungswirkung nur reflektorisch durch Vermittlung der Augen entfaltet. In der Tat zeigten die so geblendeten Tiere das gleiche Verhalten gegen Lichtreize wie normale Tiere. Dagegen zeigte sich nach Ausschaltung oder Zerstörung der cerebralen Färbungszentren eine bedeutende Herabsetzung der Licht- reaktion, woraus zweifellos hervorgeht, daß das Licht am nor- malen Tier seine Wirkung zum großen Teil reflektorisch unter Vermittlung der cerebralen Kolorationszentren entfaltet, wofür auch die Versuche von Fuchs (29) sprechen. Auch an isolierten Armen von Eledone und Octopus hat Steinach (72) die Beleuchtungsversuche mit dem gleichen Erfolg wiederholt. Der Farbenwechsel und die chromatische Hautfnnktion der Tiere. 1237 Wesentlich für die Auffassung, daß die Lichtwirkung eine lokale ist, sind die Versuche Steinachs mit partieller Beleuchtung der isolierten Arme, wo die Dunkelung nur oder fast nur auf die beleuchtete A r m p a r t i e beschränkt blieb. Endlich hat Steinach versucht, die Wirkung der Lichter von verschiedener Wellenlänge auf die Chroniatophoren zu er- mitteln, indem das Tageslicht durch farbige Glas- oder Gelatineplatten filtriert wurde. Dabei erwiesen sich die Strahlen des roten Lichtes als vollkommen wirkungslos, während grüne und blau grüne Lichter am stärksten wirksam sich erwiesen. Gerade diese Ueber- einstimmung der Wirksamkeit der Strahlenarten mit dem Maximum der Lichtintensität des Sonnenspektrums hätte Steinach dazu führen müssen, die In tensitätsun ter schiede der Beleuchtung bei mono- chromatischer oder wenigstens annähernd solcher Bestrahlung genau zu prüfen, eventuell auszuschalten, und hier setzt vor allem die sehr berechtigte Kritik Hertels (36) an den STEiNACHschen Versuchen ein. Aber bevor ich auf die Arbeit Hertels eingehe, muß noch eine Versuchsreihe Steinachs Erwähnung finden, weil ihr Autor sie für prinzipiell wichtig hält. Diese Versuche wurden an abgeschnittenen Armen ausgeführt, deren Nervenreizbarkeit auf den elektrischen Strom, sowie auch auf mechanische Reize erloschen war, und zwar mit dem gleichen Resultat wie an frischen Armen. Da in den Ver- suchen Steinachs chemische Reizungen nicht ausgeschlossen sind, und gerade nach den Untersuchungen von Hofmann und Fuchs die chemische Reizbarkeit der Chromatophoren nach Ausschaltung des Nervensystems erhöht erscheint, so möchte ich schon aus diesem Grunde diese Versuche Steinachs zum Beweise dafür, daß die Lichtwirkung ohne Vermittlung des Nervensystems erfolge, nicht für streng beweisend erachten, zumal nach den Beobachtungen von Fuchs (29) die Erregbarkeit der Chromatophoren durch Licht früher zu erlöschen scheint, als durch andere, besonders elektrische Reize. Erst Hertel (36) ist es gelungen, den einwandfreien Nach- weis zu führen, daß die Chromatophoren durch das Licht direkt erregt werden. Hertel untersuchte verschiedene Cephalopoden, Sepiola, Odopus, namentlich aber Loligo, mit ultraviolettem Licht von 280 fifi. blauen Strahlen von 440 /<« und gelben Strahlen von 558 ,«//, welche sämtlich gleiche Intensitäten hatten. Außerdem wirkten diese Strahlen nur auf einen ganz kleinen, eng umschriebenen Bezirk des Tieres, eine Mitbestrahlung der Augen war ausgeschlossen ; chemische Reizungen waren vermieden, da die Versuchstiere sich in mit frischem Seewasser durchströmten Gefäßen im verdunkelten Zimmer befanden. Die ultravioletten Strahlen erzeugten zunächst fast augenblicklich eine lokale E xpansion aller Chromatophoren, die sich aber schon nach kurzer Zeit auf das ganze Tier ausdehnte und eine Fluchtbewegung aus dem Strahlenbezirk hervorrief. Loligo zeigte alle diese Erscheinungen am stärksten. Bei Bestrahlung mit blauem Licht expandierten — namentlich an jungen Loligines be- sonders deutlich — zuerst die gelben Chromatophoren, welche anfänglich Pulsationen zeigten und dann immer länger dauernde Ex- pansionen aufwiesen; erst viel später beginnt die Reaktion der violett- roten Chromatophoren, während bei der Einwir4*ung der gelben Strahlen die violettroten Zellen zuerst reagieren. Eine 1238 R. F. Fuchs, Ausbreitung der Färbung auf das ganze Tier konnte niemals beob- achtet werden, ebensowenig Fluchtversuche, welche auf die Strahlen- wirkung zu beziehen gewesen wären. Die Wiederholung der Versuche an abgestorbenen Exemplaren, bei denen noch das Chromatophoren- spiel erhalten war, ergab übereinstimmende Resultate, nur erstreckte sich die Expansion nicht auf das ganze Tier und selbstverständlich fehlten die Fluchtbewegungen. Bei diesen Versuchen konnte auch konstatiert werden, daß eine länger anhaltende Bestrahlung mit ultraviolettem Licht die Chromatop hören gleich den übrigen Zellen abtötet. Auch weißes, unzerlegtes Licht, aus dem die ultravioletten Strahlen abfiltriert waren, ließ an toten Lo%o-Exemplaren stets die violettroten Chromatophoren früher ex- pandieren als die gelben. Exzidierte Hautstücke, deren Chromato- phorenschicht freipräpariert wurde, zeigten unter dem Mikroskop 'bei Bestrahlung mit den genannten Lichtarten ein übereinstimmendes Ver- halten, nur fehlte hier bei Anwendung des ultravioletten Lichtes die Ausbreitung der Expansion außerhalb des bestrahlten Bezirkes. Aber sowohl bei Bestrahlung mit ultraviolettem als mit gelbem oder blauem Licht ließ sich an den Pigmentkörnchen der expandierten Zellen eine zitternde Bewegung erkennen, sowie eine Strömung des Pigmentes nach dem Zentrum der Zelle zu. Die verschiedene Reaktion auf verschiedene Strahlenarten erklärte sich aus der verschiedenen Ab- sorption der Zellen für die einzelnen Strahlenarten, die mit dem ENGELMANNschen Mikrospektrometer genau gemessen werden konnte. Das von allen Zellen gleichmäßig stark, ja vollkommen absorbierte ultraviolette Licht von 280 i-i/n brachte deshalb an allen Zellen eine Expansion hervor, während die blauen Strahlen von 440 iti^i nahe dem Absorptionsmaxim um der gelben Zellen lagen, das sich bei 460 f(i^t befand. Daher wirkten diese Strahlen am intensivsten und raschesten auf die gelben Chro- matophoren. Die violettroten Zellen hatten ihr Absorptions- maximum bei 558 /n/n, also sehr nahe bei den für sie besonders wirksamen gelben Strahlen von 550 /.i/n. Die intensive Wirkung des ultravioletten Lichtes ist dadurch zu erklären, daß dieses Licht nicht nur von dem pigmenthaltigen Teil, sondern auch von dem übrigen pigmentfreien Teil des Plasmas aufgenommen wird, während die anderen Strahlen ihre Wirkungen nur durch das ab- sorbierende Pigment ausüben, dessen Vermittlerrolle zur Ent- faltung der Reizwirkung dieser Strahlen notwendig ist. Es wäre nun denkbar, daß die Chromatop horennerven durch die vom Pigment aufgenommenen Strahlen erregt würden, da pigmentierte Nervensubstanz, z. B. der Bauchstrang des Sipunculus, in der Tat durch Licht erregt werden kann. Aber durch A tropin ließen sich die Nervenendigungen lähmen und trotzdem erwiesen sich diese Strahlen von 280 in^i, 440 /v ^** Fig. 23. Elcdone, S'/j Tage nach Exstirpation des rechten Stellarganglions, dunkelung des Bassins. (Nach Fuchs.) Ver- Wir wenden uns nun zu den Versuchen über den Einfluß des Nervensystems der Arme auf die Färbung. Die Achsenstränge der Octopoden und Decapoden zeigen zwar einen etwas ver- schiedenen anatomischen Bau, aber bei beiden Unterordnungen be- stehen die Achsenstränge aus bestimmt angeordneten Ganglienzellen- anhäufungen und Nervensträngen ; zu diesem Nervensystem kommen noch die intramuskulären Ganglienzellenleisten sowie die Saugnapf- ganglien und endlich finden sich noch zerstreute Ganglienzellen im Stiel der Saugnäpfe bei den Decapoden. Die genaueren Angaben über die Anatomie dieser Nervensysteme hat V. Bauer (5) in seiner Einführung in die Physiologie der Cephalopoden übersichtlich darge- stellt. Die ersten Versuche über die Wirkung des Armnervensystems hat CoLASANTi (18) angestellt. Nach seiner Darstellung besteht der aus Achsenstrang des Armes einer Anzahl regelmäßiger Anschwel- Der Farbenwechsel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. 1273 lungen, den Ganglien, deren Zahl jener der Saugnäpfe entspricht. Die genauere Untersuchung hat aber ergeben, daß der Armnerv in seiner ganzen Ausdehnung mit Ganglienzellen besetzt ist, die be- stimmt angeordnet sind. Der Achsenstrang stellt ein bilateral sym- metrisches Zentralnervensystem dar, von dem die peripheren Nerven entspringen, welche nach Colasanti keine eingeschaltenen Ganglienzellen enthalten. Dieser letzteren Angabe widerspricht Steinachs (72) Be- obachtung, der in den peripheren Armnerven einzelne oder ganze Nester von Ganglienzellen beschreibt. Dagegen hat auch Steinach in der Chromatophorenschicht der Haut kei ne Ganglienzellen aufge- funden. Der Achsen Strang entspringt nach Klemensiewicz (46) aus dem Ganglion pedale, während der Mantelnerv aus dem Ganglion viscerale des Gehirns kommt. Die elektrische Reizung des Achsen Stranges abge- schnittener Arme bewirkt Kontraktion der Armmuskeln, Bewegung der Saugnäpfe, sowie Expansion der Chromatop hören; diese drei Reaktionen sind zwar konstant vorhanden, aber niemals gleich stark, indem bald die eine, bald die andere überwiegt. Diese Beob- achtungen Colasantis (18) sind von Klemensiewicz (46), Fredericq (23) sowie Steinach (72) und Hofmann (41) bestätigt worden, wobei letztgenannter Autor die Beobachtung machte, daß an frischen Arm- nerven schwächere Reize Bewegung hervorrufen, während Färbungs- effekte stärkere Reize erfordern. Die Wirkung verschiedener Stromstärken auf die Armnerven wurde auch von Fröhlich (26) untersucht; schwache Ströme erzeugen einen Anfangstetanus der Chromatophoren, mittelstarke Ströme bewirken Pulsieren und starke Ströme bewirken einen dauernden Tetanus, also andauernde starke Dunkln ng der Haut. Mit Hilfe der unipolaren Reizmethode hat V. ÜEXKüLL (76, 77) die Lage der koloratorischen Nervenbahnen näher bestimmt. Nach v. Uexküll (76) besteht der Achsenstrang aus drei voneinander gut abzugrenzenden Partien, nämlich zwei dor- salen Nervenbündeln und einem ventralen, welch letzteres von einer Ganglienzellenschicht umgeben ist. Die beiden dorsalen Nerven- bündel enthalten die koloratorischen Fasern für die ent- sprechenden Seiten der Armhaut. Bei Octopus überleben die kolora- torischen Nerven die übrigen motorischen Nervenfasern sehr lange, was bei Eledone nicht der Fall ist. Reizt man den freigelegten, an der Reizstelle nicht durchschnittenen Achsenstrang etwa in der Mitte eines Armes mit schwachen Strömen, so tritt eine Dunkel färb un g der Haut pur in der Peripherie auf, während die übrigen moto- rischen Effekte, Armbewegung und Saugnapfbewegungen, an beiden Enden des gereizten Armstranges zu beobachten sind. Daraus schließt V. Uexküll (77), daß die koloratorischen Nerven die ein- zigen Nervenstränge sind, die nur zentrifugal leiten und sich an keinerlei Reflexen beteiligen sollen. Die Versuche über die koloratorischen Wirkungen des Achsen- stranges stellen gleichsam ein Bindeglied zu den koloratorischen Funktionen des eigentlichen Zentralnervensystems im engeren Sinne dar, die wir nun in den folgenden Ausführungen erörtern wollen. Bevor wir aber darauf eingehen, ist es nötig, eine kurze Uebersicht über den anatomischen Bau des Zentralnervensystems zu geben. 1274 R. F. Fuchs, Das Gehirn stellt eine Reihe von Ganglien dar, welche den Oesophagus ringförmig umgeben, die Supra- und Subösophageal- portion, die jederseits durch eine vordere und hintere Kommissur miteinander verbunden sind. Die Subösophagealportion besteht aus drei symmetrisch gebauten Doppelgangiien, dem Brachialganglion, von dem die Armnerven entspringen, dem Pedalganglion, das die Trichter- nerven abgibt, und endlich dem Visceralganglion, aus welchem die Fig. 24. Uebersichtsbild des Nervensystems von Eledone moschata. Bg Bueeal- ganglion, 1.0 1 Zentralganglion, I.C, II.C 1. und 2. Cerebralganglion , Cg Kolorations- ganglion, Gib Ganglion intrabuecale , Go Gnnglion opticum, Hg^, Hg.^ 1. und 2. Herz- ganglion, Kg Kiemenganglion, ISn langer Stellarnerv, Mc Mantelkonnektiv (Mantelncrv), Sg Stellarganglion, Sn Stellarnerven, Vg Visceralganglion, V)i Visceralnerven. (Nnch Jatta.) Dei Earbenwechsel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. 1275 Eingeweidenerven und die Mantelkonnektive kommen. Das Brachial- ganglion wird durch die vordere große Kommissur (vordere Seiteu- kommissur) mit der Supraösophagealportion verbunden, während die hintere große Kommissur an der Vereinigungsstelle von Pedal- und Visceralganglion eintritt. Die Supraösophagealportion besteht bei Eledone aus 6, bei Sepia aus 5 Ganglien. Bei Octopoden liegt am weitesten nach vorn das Buccalganglion (v. Uexküll, 77) oder Supraösophagealganglion (Dietl, 21), dann folgen die drei Zentral- ganglien und zwei Cerebralganglien, welch letztere den drei Zentral- ganglien aufsitzen. Aus dem oberen dickeren Stiel der hinteren Seitenkommissur entspringt der Tractus opticus. Außer diesen Ganglien kommen für uns noch einige weitere Ganglien in Betracht, nämlich die Ganglia optica, welche durch die Pedunculi oder Tractus optici mit der hinteren Seitenkommissur in \'erbindung stehen und ferner die Ganglia pedunculi, auch Kol oratio nsgan glien genannt, welche dem Tractus opticus mit einem kurzen Stiel aufsitzen, ferner die Stellarganglien, welche durch das Mantelkonnektiv (Mantelnerv) mit dem Visceralganglion verbunden sind und endlich die Ganglienstränge der Arme, deren Längskommissuren aus den Brachialgauglien des Ge- hinlen Fig. 25. Gehirn vuu Eledone vou der rechten Seite gesehen , Br Brachialganglion, Bu Buccalganglion , 1., 2., 3. Cent 1., 2. 3. Zentralganglion, I., II. Cer 1., 2 Cerebral- ganglion , Oe Oesophagu , P Pedalganglion, V Visceralganglion. (Nach Dietl und Magnus aus Bauee, Einführung in die Physiologie der Cephalopoden.) hirns entspringen. Erwähnt sei noch, daß dem Buccalganglion der Octopoden das Ganglion suprabuccale der Decap öden entspricht. Bezüglich der genaueren anatomischen und histologischen Details sei wiederum auf die Darstellung Bauers (5) verwiesen. In den vorhergegangenen Ausführungen war bereits vielfach da- von die Rede, daß die Eärbung unter dem Einfluß des Gehirns steht, ja sogar willkürlicher Farbenwechsel wurde vielfach angenommen. Die experimentellen Untersuchungen über den Einfluß des Gehirns auf die Färbung beginnen aber erst mit den gleichzeitigen Arbeiten von Fredericq (23) und Klemensiewicz (46). Fredericq (23) erwähnt, daß die Tintenfische im Leben eine mittlere Färbung aufweisen, weil die Chromatophorenmuskeln sich in einer tonischen Erregung befinden; das Tonuszentrum soll im unteren Schlund ring liegen, weil die Abtragung der Ganglien des oberen Schlundringes keine Veränderung der Färbung herbeiführt. Viel ge- nauer und umfangreicher sind die Untersuchungen von Klemensiewicz (46). Zuerst soll das Ergebnis der Reizversuche erwähnt werden. Reizung der Tractus optici (Klemensiewicz nennt sie Pedunculi optici) mit mittelstarken Induktionsströmen bewirkt eine Verdunk- lung der entsprechenden K ö r p e r h ä 1 f t e , ohne daß dabei eine Kontraktion der Haut und anderer Muskeln eintritt. Der gleiche Erfolg tritt ein bei obenÜächlicher nicht zu starker Reizung der mitt- 1276 R. F. Fuchs, leren Partie des Ganglion opticum. Senkt man aber die Elek- troden zu tief ein, so erhält man lebhafte Arm- und Mantelbewegungen. Dagegen hat eine oberflächliche Reizung der Cerebralgan glien keine Färbungseffekte; die nach tiefem Einstechen der Elek- troden zugleich mit Muskelbewegungen auftretenden Verdunklungen der Haut rühren von Reizungen des Ganglion pedale und viscerale, sowie der daraus entspringenden Nerven her. Die Reizung des Ganglion pedale hat Armbewegungen und Hautverdunklung, die des Ganglion viscerale Mantelbewegung und Verdunklung der Mantelhaut zur Folge. Auch Bewegungen und Färbung des Trichters kann durch Reizung des mittleren Teiles des unteren Schlundringes erzielt werden. Nach Durchschneid ung eines Pedunculus tritt bei schwacher elektrischer Reizung des anderen Pedunculus der Erfolg auf der gereizten Seite ein, bei starken Reizungen kommt D unkelfärb un g des ganzen Tieres zustande. Dagegen hat die Reizung des Ganglion opticum auf der durchschnittenen Seite keinen Erfolg, wohl aber die Reizung des zentralen Stumpfes oder der Schnittfläche des Pedunculus. Es ziehen somit alle vom Ganglion opticum ausgehenden koloratorischen Bahn en durch die Pedunculi. Eine quere Durch trenn ung des ganzen Schlundringes (von rechts nach links) in frontaler Rich- tung im hinteren Abschnitt des Ganglion cerebrale be- dingt Verlust des Farbenwechsels der hinteren Körperhälfte, wenn man nun von den Pedunculis oder einem anderen wirksamen Punkt der Gehirnoberfläche reizt. Dagegen zeigen unter diesen Verhältnissen die vordere Körperhälfte, nämlich Kopf, Arme und Trichter eine Dunkelung. Auf der vorderen Schnittfläche kann man die kolora- torischen Bahnen in der Nähe der Durchtrittsstelle des Oesophagus in der Höhe des Cerebralganglions auMnden. Auf der hinteren Schnitt- fläche liegen aber die koloratorischen Bahnen bereits in der Sub- ösophagealportion, denn die Reizung dieses Teiles in der Nähe des Oesophagusdurchtrittes bewirkt Dunkelfärbung und Muskelbewegung, während die Reizung der der Supraösophagealportion angehörigen hinteren Schnittfläche keinen Erfolg aufweist. Verlegt man den Schnitt weiter nach vorn, also vor oder an die vordere Grenze des Cerebralganglions, so kann man die vordere Körperhälfte von der sonst wirksamen Reizung der Pedunculi und des Ganglion opticum ausschalten. Bei intaktem Zentralnervensystem führt eine schwache elektrische Reizung der Pedunculi und Ganglia optica in der Nähe der Ganglia pedunculi eine totale Expan- sion der Chromatop hören des gesamten Tieres herbei, ohne daß andere Reizerfolge, z. B. Muskelbewegungen, mit auftreten, so daß an diesen Stellen ein koloratorisches Zentrum gelegen ist. Durchschneidet man einer Eledone beide Pedunculi, so wird das Tier nach einer vorübergehenden Dunkelfärbung (direkte Reiz- wirkung des Schnittes) mittel hellgrau. Diese Tiere haben nach Klemensiewicz die reflektorische Farbenänderung auf Lichtreize verloren, sie passen sich auch nicht mehr der Farbe des Grundes an, dagegen ist die reflektorische Verdunklung der Tiere nach direkter Hautreizung noch vorhanden. Klemensiewicz schließt aus diesem Versuch, daß durch die Durchschneidung der Pedunculi nur jene koloratorischen Bahnen unterbrochen worden sind, welche vom Der Farbenwechsel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. 1277 Auge ausgehende Chromatophorenreflexe vermitteln. Endlich sei noch erwähnt, daß die koloratorischen Bahnen in den Ganglia optica, in bestimmten Teilen der Pedunculi und im mittleren und oberen Teil der Commissura optica noch gut isoliert sind. Erst auf der Bahn durch den Schlundring zu den verschiedenen peripheren Nerven mischen sich den koloratorischen Bahnen motorische Fasern zu. Zu wesentlich anderen Resultaten ist Phisalix (58, 61) gekommen. Da seine Versuchsergebnisse weder mit denen von Klemensiew^icz noch mit jenen von v. Uexküll, auf die später eingegangen werden wird, übereinstimmen, so wäre eine Wiederholung der Versuche von Phisalix sehr erwünscht, zumal auch seine Darstellung der Versuche nicht übermäßig klar erscheint, vor allem schon deshalb, weil die einzelnen Gehirnabschnitte, an denen die Durchschneidungs- und Reiz- versuche vorgenommen wurden, nicht genügend genau anatomisch präzisiert werden. Auch Phisalix (58) verlegt die Kolorations- zentren in die S chlund ganglien. Die Zerstörung der hinteren Lappen der unteren Schlundganglien hat Erblassen des ganzen Körpers zur Folge, aber das Ganglion selbst ist kein Ohromato- phorenzentrum, sondern die koloratorischen Bahnen ziehen nur durch dasselbe hindurch. Die Zerstörung des Mittellappens führt zu einer vollkommenen Lähmung der Chromatophoren , Halbseitendurchschneidung dieses Lappens bewirkt eine Lähmung der Chromatophoren auf der gekreuzten Körperhälfte. Der vordere Lappen enthält keine koloratorischen Zentren. Eine oberflächliche Verletzung der oberen Schlund ganglien läßt gleichfalls keine koloratorischen Effekte erkennen, dagegen zeigt eine tiefe Verletzung, Einstechen eines glühenden Eisens durch die Cerebralganglien bis zum Nervus opticus, eine vollständige Lähmung der Chromatophoren der gleichen Seite. Reizung der Cerebralganglien mit schwachen Strömen führt manchmal zu einer sehr starken Blässe des Tieres, dagegen bedingt einseitige Zerstörung dieses Teiles eine bleibende Expansion der Chro- matophoren der gekreuzten Seite, so daß Phisalix (61) in den Cerebralganglien Hemmungszentren erblickt. Auf Grund der letzterwähnten Beobachtung hat Phisalix die Frage nach der Existenz der Hemmungszentren weiter untersucht und findet, daß Reizung der Pedunculi optici und Ganglia optica mit schwachen faradischen Strömen ein Erblassen derHaut hervorruft, ja bei ermüdeten oder erschöpften Präparaten tritt auch bei Anwendung starker Ströme, die sonst eine Verdunklung bewirken, Erblassen auf. Die gleiche Hemmung ist auch bei schwacher Reizung der Nervi und Ganglia optica zu erzielen oder durch starke Reizung nach vorausgegangener Ermüdung dieser Teile. Sehr charakteristische Folgen soll die Abtragung der Cerebral- ganglien und seiner Verbindungen mit dem unteren Schlundganglion nach sich ziehen. Nach Durchtrennung der rechten Seite wird das Tier auf dieser Seite blaß, aber diese Blässe verschwindet, wenn die linke Seite der Cerebralganglien gleichfalls durchtrennt wird. Nach einigen Stunden zeigen diese Tiere eine sehr starke Erhöhung der reflektorischen Erregbarkeit der Chromatophoren, indem bei leichter Berührung der Haut eine maximale Expansion der Chromatophoren auftritt. Aus allen Versuchen schließt Phisalix, daß die Cerebral- ganglien eine wesentliche Rolle beim Erblassen des 1278 K. F. Fuchs, Tieres spielen; sind sie vollkommen durclitrennt, dann tritt auch bei Reizung des zentralen Stumpfes des Mantelnerven oder der Pedunculi optici das sonst von Phisalix beobachtete Erblassen nicht mehr ein. Die Hemmungszentren können sich gegenseitig vertreten, denn solange ein Hemmungszentrum intakt ist, breitet sich der „Blässereflex" auf das ganze Tier aus. Allerdings kann bei ein- seitiger Verletzung der Reflex auf die verletzte Seite beschränkt bleiben, sobald aber starke Reize einwirken, greift er auch auf die andere Seite über. Eine besondere Stellung nehmen die Chromatophoren der soge- nannten Augenflecke ein, die besonders bei Se2na als dunkle Flecke der sonst blassen Mantelhaut des Rückens erscheinen. Die Chromatophoren der Augenflecke sollen nach Phisalix unter der Herrschaft eigener, im ü b i- i g e n unabhängiger Zentren stehen, welche mit den Pedunculi und Ganglia optica Beziehungen haben; denn Abschnürung der Ganglia optica läßt die Augenflecke auf der verletzten Seite sofort hervortreten, die dann dauernd be- stehen bleiben. Dagegen hat eine Durchschneidung der Pedunculi eine dauernde Blässe des Augenfleckes der verletzten Seite zur Folge. Es ist daher nach Phisalix das nervöse Zentrum der Augenflecke direkt beeinflußt durch das Sehorgan. Die in den Cerebralganglien gelegenen Hemmungs- zentren sind nach Phisalix unentbehrlich für das Gleich- gewicht und die Koordination der Chromatophoren, sie spielen eine außerordentlich wichtige Rolle bei der Anpassung der Hautfärbung an die Farbe des Grundes, sowie bei der Färbung des ruhenden Tieres. Bei der großen Wichtigkeit der Angaben Phisalix' wäre eine exakte Nachprüfung dieser Befunde unbedingt notwendig, da manche Bedenken gegen die Arbeiten von Phisalix nicht zu unterdrücken sind. Endlich hat v. Uexküll (77) in einer Reihe von Versuchen an Eledone den Einfluß des zentralen Nervensystems auf die Chromato- phoren untersucht, wobei er in den meisten wesentlichen Punkten zu mit Klemensiewicz (46) übereinstimmenden Resultaten gelangt ist. Nach Durchschneidung der Brachialgan glien werden die Arme blaß, nach Durchschneidung der Pedal gan glien die Arme, ein ent- sprechender Anteil des Kopfes und des Trichters und endlich nach Durchschneidung der Visceralganglien der Mantel. Halb- seitige Durchschneidung der betreifenden Ganglien bedingt Erblassen der entsprechenden Körperabschnitte auf der operierten Seite. Die tiefe Durchschneidung der beiden hinteren Kom- missuren führt ein Erblassen des ganzen Tieres herbei, während einseitige Durchschneidung nur zu Erblassen der zugehörigen gleich- seitigen Körperhälfte führt. Dagegen hat Reizung des peripheren Stumpfes eine Dunkelfärbung zur Folge. Die vordere Kommissur und das Buccalgan glion enthalten keine koloratorischen Bahnen oder Zentren, denn Reizung oder Durchschneidung dieser Gebilde hat keine Färbungseft'ekte zur Folge. Es verlaufen demnach alle koloratorischen Bahnen durch die hintere Kom- missur. Das nach einer tiefen Durchschneidung der hinteren Kom- missur unterhalb des Eintrittes des Pedunculus auftretende Erblassen ist ein dauerndes. Die Reizung der Zentralganglien auf der gesunden Seite hat eine tiefbraune Färbung dieser Seite zur Folge, Der Farbenwechsel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. 1279 die gleiche Färbung dieser Seite tritt aber auch auf, wenn mau die Zentralganglien der operierten Seite reizt, demnach hat das Zentral- ganglion außer seiner gleichseitigen auch noch eine gekreuzte Wirkung, welch letztere im Visceralgangiion nicht vorhanden ist. Am leichtesten sind Färbungsreflexe vom Ganglion pedunculi zu er- zielen, von dem aus keine Bewegungen ausgelöst werden. Auch vom Ganglion opticum wird allerdings nach starker Reizung Dunkelfärbung der Haut bzw. entsprechenden Körperhälfte erzielt, wobei Atem-, Schwimm- und Hautmuskelbewegungen mit auftreten. Die Opticus fasern sollen nach v. Uexküll sowohl Färbungs- ais Entfärbungsfasern für das Auge enthalten, jedoch sind die diesbezüglichen Versuche von v. Uexküll keineswegs einwandfrei. Endlich hat v. ÜEXKtJLL einen eigenen feinen Kolorationsnerven für die Iris beschrieben, der mit dem Pedunculus zum Ganglion opticum tritt, und dessen Reizung eine Braunfärbung der Iris ergibt. Aus der Darstellung über die Kolorationszentren können wir heute wohl bereits mit Sicherheit sagen, daß solche vor allem in den Ganglia pedunculi und in den Zentral ganglien gelegen sind, ob es aber im Gehirn Entfärbungszentren gibt, wie sie auf Grund der Versuche von Phisalix (61) anzunehmen wären, ist noch eine offene Frage, weil, wie bereits gesagt, die Versuche von Phisalix aus mehrfachen Gründen einer Kontrolle dringend bedürfen. 10. Der Tonus der Chromatophoren. Den Schluß dieser Ausführungen über die Physiologie des Farben- wechsels der Cephalopoden soll eine Betrachtung über den Tonus der Chromatopho ren bilden, nachdem die Tonusfrage gerade durch die neuesten Arbeiten von Hofmann (38, 39), Fuchs (29) und Fröhlich (26) in den Vordergrund des Interesses und der Diskussion gerückt worden ist. Es ist schon mehrfach daraufhingewiesen worden, daß P. Bert (6) zuerst eine tonische Erregung der Chromatophoren annahm, und daß Fredericq (23) diesen Tonus als einen vom Zentralnervensystem ausgehenden ansah, der bewirkt, daß die Chromatophoren beim unerregten lebenden Tier in einem mitt- leren Expansionszustand sich befinden. Dieser Meinung schließt sich auch Phisalix (61) an, ebenso Rabl (63) und Chun (16), nur hält der letztere den jeweiligen Expansionszustand für die Resultierende ■der tonisch erregten Radiärmuskeln und ihrer Antagonisten , den Bogenfasermuskeln , während Phisalix und Rabl in den elasti- schen Kräften der Zelle die Antagonisten der Radiärfasern er- blicken. Eine wesentlich andere Anschauung über das Zustande- kommen des Tonus der Chromatophoren vertritt hingegen Steinach (72), der ihn nicht als einen von den Zentren ausgehenden autogenen ansieht, sondern als einen durch die nervösen Zentralorgane vermittelten Reflextonus betrachtet, der durch zentripetal geleitete Erregungen ausgelöst wird, welche von den Saugnäpfen ausgehen, weil Verlust der Saugnäpfe den spontanen Farbenwechsel aufhebt. Eine neue Wendung erhielt die Tonusfrage durch die Beobachtungen Hofmanns (39), die von Fuchs (29) bestätigt worden sind ; die nach Nervendurchschneidung auftretende Blässe verschwindet wieder und macht e i n e r a 1 1 m ä h 1 i c h d u n k 1 e r w e r d e n d e n F ä r b u n g Platz. Da die Versuche von Hofmann und Fuchs bereits vorher 1280 R. F. Fuchs ausführlich besprochen worden sind, so kann hier von einer neuer- lichen Beschreibung der Versuche abgesehen werden, doch sollen noch einige dort nicht erwähnte Beobachtungen hier eingefügt werden. Wurde bei Tieren, denen vor einiger Zeit einzelne Hautnerven durchschnitten worden waren, und die an den betreffenden gelähmten Stellen bereits eine dunklere Färbung aufwiesen, der Mantelnerv der- selben Seite durchschnitten , so erblaßt die zugehörige Seite des Mantels mit Ausnahme der schon vorher dunkler gewesenen Stellen. Diese Wiederkehr der Färbung bezieht Hofmann (39) auf einen peripheren Tonus, der vom Zentralnervensystem unabhängig ist. Daß der Chromatophorentonus der gelähmten Seite nicht von der normal innervierten Seite ausgeht, beweist Hofmann durch folgenden Versuch. War bei Tieren nach vorhergegangener einseitiger Mantelnervendurchschneidung auf dieser Seite bereits der peripherogene Tonus der Chromatophoren ausgebildet, so wurde dann der andere Mantelnerv durchschnitten oder der Kopf des Tieres abgetragen; dann zeigte das Tier auf der frisch operierten Seite eine starke Blässe, während die bereits früher gelähmte Seite dunkel blieb. Als weiterer Beweis für die periphere Natur des Tonus wird hervorgehoben, daß alle nervenlähmenden Gifte den Tonus beseitigen. Li cht Wirkung soll nach Hofmann für das Zustandekommen des Tonus nicht in Frage kommen, weil im dunklen Bassin gehaltene Tiere auf der vor längerer Zeit ge- lähmten Seite immer dunkler sind als auf der normal innervierten Seite, ebenso sind Temperaturschwankungen des Wassers bedeutungslos. Die Ursachen für den peripherogenen Tonus der Chromatophoren sind nach Hofmann in erster Linie in Stoffwechsel Produkten des Tieres zu suchen ; denn Tiere, die sich nach der Operation in schlechter Verfassung befinden, zeigen einen stärkeren Tonus als sich wohl- befindende Tiere. Uebrigens sei hier noch bemerkt, daß der Tonus bei Sepia wesentlich stärker ausgebildet ist als bei den widerstands- fähigeren Arten, Eledone und Octopus. Die Hauptursache für das Zustandekommen des Tonus erblickt Hofmann in der expandierenden Wirkung des Sauerstoffes, obgleich ein gewisser Grad von Kohlendioxydvergiftung an der Aufrechterhaltung des Tonus mitbeteiligt zu sein scheint. Außerdem wirkt noch die gesteigerte mechanische und thermische Erregbarkeit auf der gelähmten Seite mitunterstützend. Wenngleich auch die Wichtigkeit der von Hofmann hervor- gehobenen Momente für das Zustandekommen der Färbung nach Nervendurchschneidung nicht in Abrede gestellt werden soll, so müssen wir doch fragen, warum wirken all diese Reize auf der gelähmten Seite stärker als auf der normalen? Denn die Tatsache, daß sie eine diesbezügliche stärkere Wirkung haben, ist noch keine genügende Erklärung für die stärkere Wirkung auf der gelähmten Seite. Da treten nun die Versuche von Fuchs (29) ergänzend ein, der nach- gewiesen hat, daß das Stellarganglion einige Zeit nach der Mantelnervendurchschneidung funktionsunfähig wird. Auf Grund der von Fuchs entwickelten Anschauungen, denen zufolge nach Ausschaltung des Stellarganglions hemmende Einflüsse wegfallen, ist sofort eine Erklärung für die stärkere Wirkung der von Hofmann angeführten Reize gefunden. Nur in einem Punkte bedürfen Hofmanns Ausführungen noch einer Abänderung, indem Der Farbenwechsel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. 1281 das Licht, wenn es einwirken kann, sicher eine expandierende W i r k u n g auf die Chroniatophoren ausübt, also auch an dem Zustandekommen des sogenannten peripherogenen Tonus mitbeteiligt ist. Denn die Versuche von Fuchs haben die Licht- reaktion der Chroniatophoren auf der durch Mantelnervendurchschneidung gelähmten Seite vollkommen außer Zweifel gestellt. Das ist kein Widerspruch gegen Hofmanns Beobachtung, daß solche Tiere auch im Dunklen auf der gelähmten Seite stärker gefärbt sind als auf der normalen, denn unter den angegebenen Verhältnissen reichten eben die anderen Reize zur Aufrechterhaltung der dunkleren Färbung vollkommen aus. Haben wir nach dieser Auffassung des Zustande- kommens des sogenannten peripherogenen Tonus noch das Recht von Tonus zu sprechen? Wenn wir jeden dauernden Erregungszustand lebender Gewebe ohne Rücksicht auf den Mechanismus seines Zu- standekommens als Tonus bezeichnen, dann ist auch diese Bezeichnung für das in Rede stehende Phänomen berechtigt und wird durch die Hinzufügung des Wortes „peripherogen" genügend charakterisiert. Sobald wir aber den Tonus als eine ausschließliche Funktion des Nervensystems , insbesondere der Nervenzellen ansehen, dann wäre die Bezeichnung „Tonus" unzulässig, da es sich hier aller Wahrscheinlichkeit nach um direkte Reizwirkungen auf die Chroniato- phoren handelt, welche nur infolge des Ausfalles hemmender Wirkungen des Nervensystems besonders deutlich in Erscheinung treten. Endlich hat Fröhlich (26) die Meinung ausgesprochen, daß der nach Abtragung oder Ausschaltung des Zentralnervensystems auf- tretende Tonus als Entartungsreaktion aufzufassen sei. Den Sitz des Tonus verlegt Fröhlich in ein hypothetisches Nervenend- organ, das zwischen den Nerven und den Chroniatophorenmuskeln gelegen ist. Fröhlich stützt seine Anschauung auf folgende Beob- achtungen. Der an abgetrennten Armen sich entwickelnde Tonus der Chroniatophoren (Dunkelfärbung der Haut) tritt schon kurze Zeit, oft schon nach einer halben Stunde nach der Amputation ein ; er tritt um so früher ein, wenn das Tier vorher geschädigt oder durch vorhergegangene Reizungen ermüdet war. Dagegen tritt der Tonus an Präparaten, welche gegen äußere Reize geschützt gehalten werden, erst mehrere Stunden nach der Abtrennung auf. Die Tonuszunahme ist eine „scheinbare Erregbarkeitssteigerung" infolge der vorangegangenen Schädigungen des Präparates. Frisch amputierte Arme von Octopus macropus zeigen zwar keinen Chromatoi)horen- tonus, wohl aber tonische Nachwirkungen nach elektrischer Reizung des Achsenstranges, indem die Chromatophorenexpansion die Reizung überdauert. Allerdings fehlt bei starken Reizen die tonische Nach- wirkung. Im Beginn der Tonusentvvicklung der Chroniatophoren- muskeln ist die faradische Reizbarkeit des Achsenstranges noch un- verändert, später dagegen erhöht oder vermindert. Zur Zeit, wo die faradische Erregbarkeit vermindert ist, ist die galvanische erhöht, sie erreicht ihr Maximum 4 — 8 Stunden nach der Amputation und nimmt dann ab. Am folgenden Tage ist die Nervenreizung bereits unwirksam, aber direkte mechanische Reizung löst bereits einen 'langdauernden Lokaleffekt aus; der Tonus erlischt bei Sauer- stoffmangel. Die nach Ausschaltung des Nervensystems sich an den Chromatophoren entwickelnde Entartungsreaktion ist eine Veränderung der Funktion infolge des Absterbens, der Ermüdung und anderer Handbuch d. vergl. Physiologie. III, i. 81 1282 E. F. Fuchs, Schädigungen. Fröhlich glaubt, daß unter normalen Verhält- nissen kein pcMip herer Tonus der Chromatophoren be- steht, und deshalb auch periphere Hemmungen keine Be- deutung haben, da unter normalen Verhältnissen die Hemmung der Chromatophorentätigkeit durch die von Phisalix entdeckten Hemmungszentren im Gehirn erfolgt. Nun sind aber die Phisalix- schen Hemmungszentren keineswegs nachgewiesen, so daß wir in unseren Erklärungsversuchen damit nicht rechnen können. Daß an abgeschnittenen Armen namentlich nach Schädigung oder Ermüdung der Präparate sich sehr bald der peripherogene Tonus einstellt, spricht keineswegs gegen die Bedeutung des Ausfalles von Hemmungen beim Zustandekommen der Bräunung, da vielleicht die in den Armen gelegenen Hemmungszentren rascher absterben als die Stellarganglien, oder es fehlen solche Zentren in den Armen überhaupt. Wenn gewisse Erscheinungen der Chromatophorenreaktion auch eine Aehnlichkeit mit der Entartungsreaktion darbieten, so ge- nügt das meiner Meinung nach noch nicht, den ganzen Vorgang, die Wiederkehr der Färbung nach Nervendurchschneidung als Entartungs- reaktion hinzustellen. Vor allem sprechen dagegen die Versuche von Fuchs (29). daß die Lichtreaktion bei nach der Mantelnervendurch- schneidung lange lebenden Tieren auf der gelähmten Seite fast normal wird. Es scheint doch, daß die Wiederkehr der Fär- bung am einfachsten als direkte Reiz Wirkung des Sauer- stoffes, des Lichtes, mechanischer, thermischer und chemischer Einflüsse auf die von allen Hemmungen befreiten Chromatophoren gedeutet werden kann. ö Literatur. Cep halopo den. 1. Älbini) G., Sui movimenti dei cromatofori nei cefalopodi. Rendiconti deW Accademia delle scieme ßsiche e matem. Sezione della Societa Reale di Napoli, Anno 24^ (1885). 2. Aristoteles, Historia animalium Lib. IV cap. 37. 3. 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Ann. des Sc. nat., T. 16 (1829). 68. — Des divers orders de couleur des Globules chromato2')hores chez plusieurs mollus- gues ce2)halopodes. Desc7'i2)tion de quelques esepces nouvelles et 2)urticidih'enient de l' Argoiiaute. Ebenda. 69. Saniassa, F., Bemerkungen über die Chromatophorcn der Ceplialopoden. Verliandl. d. naturhist.-med. Ver. zu Heidelberg, N. F., Bd. 5 (1893 — 97). 70. Seidlits, Georg, Beiträge zur Deszendenztheorie, Leipzig 1876. Der Farbenwechsel und die chromatisclie Hautfunktion der Tiere. 1285 71. Solgev, Sernh., Zur Kenntnis der Chromatophoi'en der C'ephalopoden nnd ihrer Adne.va. Arch. f. mikrosk. Anat. u. Entiv.-Gesch., Bd. 5S (1898). 72. Steinach) E., Studien über die HautfärlnnKj und über den Farbenwechsel der Cej)halo- poden. Arch. f. d. ges. Physiol. d. Menschen u. d. Tiere, Bd. 87 (1901). 73. — lieber die lokomotorische Fnnktion des Lichtes bei Cephalopoden. Ebenda. 74. V. UexTcüll, J,, Physiologische Untersuchungeh an Eledone moschata. Ztschr. f. Biol., X. F., Bd. 10, der ganzen Reihe Bd. 28 (1891). 75. — Idem. IL Die Reflexe des Armes. Ebenda, Bd. 12, der ganzen Reihe Bd. 30 (1894). 76. — Ldem. LLl. Fortpflanzungsgeschwindigkeit der Erregung im Nerven. Ebenda. 77. — Idem. LV. Zur Analyse der Funktionen des Zentrulnervensystemes. Ebenda, Bd IS, der ganzen Reihe Bd. 31 (1895). 78. Wagner, Rudolf, Ueber das Farbensjnel, den Bau der Chromatophoren und das Atmen der Cep)halopoden. Lsis, 1833. 79. — Ueber die merkirürdigen Bewegungen der Farbenzellen (Chromatophoren) der Cephalopoden und eine mutmaßlich nette Reihe von Bewegungsphänomene7i in der organischen Natur. Arch. f. Naturgesch., Jahrg. 7 (I84I). 80. WaUleyev, W., Ueber die einfachsten Lebenserscheiniingen der Organismen. Verhandl. d. Ges. deutsch. JVuturf. u. Aerzte, 49. Vers, in Hainburg, 1876. 81. Yung, Etttile, Recherches experimentales sur l'action des poisons chez les cephalo- podes. Mitt. a. d. zool. Station zu, Neapel, Bd. 'S (1882). IV. Arthropoden. A. Einleitung. "Wie im vorhergehenden Abschnitt soll auch hier zunächst ein Ueberblick über die Entwicklung unserer Kenntnisse gegeben werden und in großen Umrissen jene Probleme gestreift werden, welchen die verschiedenen Forscher zu verschiedenen Zeiten ihr Augenmerk be- sonders zuwendeten. Da die größte Anzahl der Arbeiten über den Farbeuwechsel der Arthropoden sich auf die Klasse der Crustaceen bezieht, so sollen diese eingehend behandelt werden. Dagegen sollen die T räche aten in dieser Abhandlung überhaupt keine Berück- sichtigung finden, weil ich mich nur auf den durch Chromato- phoren bedingten Farben Wechsel beschränken will und bei den Tracheaten prinzipiell andere Verhältnisse vorliegen. Die ersten Forscher, welche ihr Augenmerk auf die Färbung der Crustaceen lenkten, begnügten sich damit, die Färbung im speziellen zu beschreiben und einzelne Farbenvarietäten besonders hervorzu- heben. Solche Beschreibungen finden sich in vielen alten systematischen und faunistischen Arbeiten (Pallas, 71), besonders aber in der ersten Hälfte des verflossenen Jahrhunderts. So werden von H. Rathke in seiner Fauna der Krym (80) zahlreiche Farben- und Zeichnungs- varietäten von Crustaceen beschrieben, wobei er auch bereits die Veränderung des Pigmentes durch Alkohol erwähnt. Einige im frischen Zustand schwarzbraune Exemplare von Ästacus angulosus nov. spec. waren nach einem halben Jahr in Alkohol ockergelb geworden ; Astacus leptodactylus Escholtz. welcher graubraun und gelb gefärbt ist, wird in Alkohol zinnoberrot, ferner zeigen dunkelolivgrün und braun gefärbte Exemplare von Astacus pachypus nov. spec. in Alkohol eine Umwandlung ihrer Körperfarbe in Violett, an den Scheren in Rotbraun. Außerdem hat der gleiche Autor in seinen Beiträgen zur Fauna Nor- wegens (81) die verschiedenen Farbenvarietäten von Hippolyte varians 1286 R. F. Fuchs, Leach, Mysis flexuosa Lam., verschiedene Idotliea- und Janira-Arten sehr ausführlich beschrieben und abgebildet. Aehnliche Angaben enthält P. Rouxs Crustaceenfauna des Mittelmeeres (84). Besondere Aufmerksamkeit wurde den roten und blauen Farben Varietäten von Ästacus fluviatilis zuteil, wie die Publikationen von M. Focillon (15, 16), M. Lereboullet (49) sowie Valenciennes (95) zeigen. Speziell Lereboullet hat sich mit der mikroskopischen Struktur der verschieden gefärbten Pigmente befaßt und gibt an, daß die roten, blauen und grünen Pigmente keine gekörnten Pigmente, sondern gefärbte Oele seien, die in den feinen Kanälen der Kalk- schale eingeschlossen sind. Die blaue Farbe ist aber in besonderen runden Zellen vorhanden, auch das rote Pigment kommt manchmal in durchscheinenden Zellen vor. Ferner hat Lereboullet bereits eine Reihe mikrochemischer Reaktionen angestellt, indem er nachweist, daß der rote Farbstoff in Chloroform leicht, der blaue nur bei längerer Einwirkung gelöst wird; auch die Umwandlung der blauen Farbe in Rot nach Säi^reeinwirkung und Hitze ist ihm bekannt. Aehnliche Angaben über chemische Veränderung des blauen Pigmentes hatte bereits 1 Jahr früher Ad. Focillon (15) gemacht. Die Farben- veränderung (Rotwerden der Kiefergegend) während der Copula wurde zuerst von Valenciennes (93) beschrieben, der auch den Einfluß der Hitze, sowie von Alkohol und verdünnten Säuren, insbesondere des Magensaftes von Fischen an vielen Brachyuren, Astacus, Palaemon squilla und Cancer crangon studierte; sämtliche Agentien bringen eine mehr oder weniger lebhafte Rotfärbung hervor. Die erste Angabe über einen Farbenwechsel bei Crusta- ceen dürfte die Beobachtung von H. Kröyer (46) sein, daß die ge- wöhnlich smaragdgrüne Färbung von Hippolyte smaragdina (varians) rasch einem Grünlichblau Platz machte, als sie in ein gläsernes Ge- fäß gesetzt wurde. Eine genaue Darstellung der mikroskopischen Anatomie der Chromatophoren bei den Crustaceen, sowie eine Beschreibung der Chrom atophorenbewegung hat zum erstenmal der norwegische Forscher G. 0. Sars in seiner mir leider im Original nicht zugäng- lichen „Histoire naturelle des Crustacees d'eau douce de Norvege" (15) gegeben. Sars beobachtete, daß lebende Exemplare von Mysis flexuosa, welche frisch gefischt braun sind, in der Gefangenschaft blaß und durchscheinend wurden. Unter dem Mikroskop sah er von den „Pigmentkernen" aus strahlenförmige Verästelungen hervortreten, wo- durch das Tier innerhalb einer Viertelstunde so braun wurde, wie zur Zeit, als es gefischt wurde. Diese Farbenveränderung deutet Sars dahin, daß die Pigmentflecke in irgendeiner Weise dem Willen unter- liegen müssen. Eine wesentliche Vertiefung erfuhr die Lehre vom Farbenwechsel der Crustaceen erst durch die Arbeiten Pouchets (74 — 76). Der berühmte französische Forscher behandelt in seinen Arbeiten, auf die im speziellen Teil ausführlich eingegangen werden muß, die mikroskopische Anatomie der Pigmentzellen, welche er, wie schon früher erwähnt, Chromoblasten nennt und studiert ihre Form Veränderungen bei den verschiedenen Färbungs- zuständen des Tieres. Die den Farbstoff enthaltenden Zellen sind kontraktile Gebilde (sarcode), welche zwei aktive Phasen aufweisen, nämlich den Zustand der Expansion, in dem verzweigte Ausläufer ausgesendet werden, und den Zustand maximaler Retraktion, in dem Der Farbenwechsel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. 1287 die Zellen sphärische Gestalt liabeu. Offenbar ist Pouchet, wenn er auch nicht ausdrücklich darauf hinweist, von den Anschauungen P. Berts über die Chromatophoren der Cephalopoden (s. Cephalo- poden) beeinflußt worden. Pouchet beschreibt ferner die verschie- denen Arten verschieden gefärbter Chromatophoren. Außer der Anatomie findet zum ersten Male die Entwicklung der Chro- matophoren bei Homarus, Crangon vulgaris und Palinurus eine eingehende Darstellung. Aber die in den Pigmentzellen im engeren Sinne vorhandenen Pigmente sind nicht allein das Untersuchungs- objekt, vielmehr richtet Pouchet sein Augenmerk auch auf die übrigen in den verschiedenen Zellen vorhandenen Farbstoffe und entdeckt eigentlich von neuem den diffus verteilten blauen Farbstoff derCrustaceen, welcher durch die ausführlichen Unter- suchungen von Keeble und Gamble (23, 39, 41) über die periodische Tag- und Nachtfärbung zu großer biologischer Bedeutung gelangt ist. Auch eine große Menge mikroskopischer Reaktionen über das Ver- halten der Farbstoffe wurden angestellt, insbesondere wurden die Be- ziehungen zwischen rotem Pigment und seiner blauen Modifikation untersucht, welch letztere Pouchet als ein Oxydationsprodukt oder wenigstens eine einfacher zusammengesetzte Stufe des roten Pigmentes ansieht. Nicht geringer sind die Ergebnisse der Arbeiten, in welchen Pouchet die Physiologie der Crustaceenpigmentzellen behandelt. Vor allem wird der Einfluß des Lichtes, hell und dunkel, insbesondere des Untergrundes, auf das Verhalten der Versuchstiere studiert mit dem Ergebnis, daß Garneelen, Pcdaemon, auf dunklem Grund ihre Chromatophoren expandieren, auf hellem retrahieren. Diese Farben- veränderungen faßt Pouchet als einen durch die Augen ver- mittelten Reflex auf und stützt seine Anschauung dadurch, daß er an Palaemon und Crangon die Augen abträgt und an diesen ge- blendeten Tieren eine Expansionsstellung der roten Chromoblasten erhält, die nunmehr durch keinen Wechsel in der Helligkeit des Untergrundes beeinflußt wird. Diese Beziehung zwischen Augen und Körperpigment sucht Pouchet auch noch durch eine Reihe von Be- obachtungen aus der vergleichenden Anatomie zu stützen, welche ihn dahin führen, die Ausbildung von Pigmenten in direkte Beziehung zur Entwicklung sehender Augen zu bringen. Da die Versuche über die Wirkung des Untergrundes die Beein- flussung der Pigmentzellen durch das Nervensystem dartun, so versucht Pouchet durch verschiedene Verletzungen des zentralen und peripheren Nervensystems auch die koloratorischen Nervenbahnen sowie Zentren zu erforschen und kommt zu dem Ergebnis, daß der Farbenwechsel durch Verletzungen der genannten zentralen Teile nicht beeinträchtigt wird, dagegen führt eine Verletzung der das Rücken- gefäß begleitenden Nerven bei Palaemon zu einer dauernden Expansion (Lähmung) der unterhalb der Durchschneidungsstelle gelegenen Nerven. Endlich hat Pouchet auch noch die Wirkung chemischer Ein- flüsse (Sauerstoffmangel bewirkt Expansion der roten Chromato- phoren) an Palaemon und Homarus, sowie die Wirkung von Alkaloiden studiert, von denen nur das Santonin einen sicheren Erfolg — Ex- pansion der Chromatophoren — hat. Diese letztere Tatsache sieht Pouchet wiederum als neuen Beweis für die Beziehung zwischen Körperpigment und Augen an. Wenn auch Pouchets Beobachtungen 1288 -R- F. Fuchs, und Schlüsse durch die späteren Beobachter in vielen Punkten ab- geändert werden mußten, so wird Pouchets Verdienst dadurch nicht gemindert, denn seine experimentellen Arbeiten sind die Grund- lagen gewesen, auf der die späteren Forscher fußten. Pouchet ist der Begründer der Physiologie des Farbenwechsels bei den Crusta- ceen. Einzelne Beobachtungen über den Farbenwechsel waren auch schon vor Pouchet gemacht worden. So teilt Darwin in seiner „Ab- stammung des Menschen" folgende Angabe von Fritz Müller (66) mit, der Beobachtungen über den Farbenwechsel einer brasilianischen Species von Gelasimus angestellt hat. Während das Weibchen gleich- mäßig gräulichbraun ist, ist beim Männchen der hintere Teil des Cephalothorax rein weiß, der vordere Teil dagegen saftgrün und zu dunkelbraun abgetönt. Diese Farben können sich leicht im Laufe weniger Minuten ändern, das Weiß wird schmutziggrau oder selbst schwarz, das Grün verliert viel von seinem hellen Glänze. Besonders hervorgehoben wird noch im Hinblick auf die Sexualselektion, daß die Männchen ihre glänzende Farbe nicht eher erhalten, als bis sie geschlechtsreif werden. 10 Jahre später hat Fritz Müller (67) seine Beobachtungen über den Farbenwechsel bei Krabben und Garneelen veröffentlicht, wonach die untersuchten südamerikanischen Arten Atyoidea potimifum, Palaemon potiporanga in gläsernen Ge- fäßen ihre dunkle Färbung verlieren und durchsichtig werden, wobei Palaemon ein blaues Uebergangsstadium aufweist. Seit dem Siegeszug der DARWiNschen Theorie ist bei allen Tieren, die einen ausgesprochenen Farbenwechsel zeigen, die Frage der An- passung an ihre Umgebung, die Schutzfärbung, immer wieder von neuem untersucht worden, zumal ältere faunistische Beschreibungen schon auf die Uebereinstimmung der Tierfärbung mit der Umgebung hinweisen. So kann es uns nicht wundernehmen, wenn eine Reihe von Autoren diese Frage auch bei Crustaceen einer experimentellen Be- arbeitung unterzogen haben. Die nachfolgend erwähnten Arbeiten von Malard (54, 55), Herdmann (30—32) und Hoavell (36) sind mir leider nicht zugänglich gewesen, so daß ich hier van Rynberks Bericht (85) zitiere. Malard fand, daß Hippolyte auf grünem See- gras grün, auf Fucus braun, auf rotem Seegras rot und auf Äntennu- laria und SertuJaria durchsichtig sei. Ferner nimmt Hippolyte im Dunkeln rote Farbe an, im hellen Lichte wird sie smaragdgrün. Aus seinen Versuchen schließt Malard, daß für den Farbenwechsel die Färbung der Umgebung wesentlicher ist als die Intensität des Lichtes. Herdmann schränkt diese Angaben insofern ein, als er darauf hinweist, daß Hippolyte keinen raschen Farbenwechsel besitzt, und daß die angepaßte Farbe der Tiere niemals genau jener der Umgebung entspricht, und Howell gibt an, daß der sympathische Farbenwechsel von Hippolyte sowohl im Dunkeln, wie im Hellen statt- findet. Gerade diese Angabe Howells scheint uns geeignet zu sein, gegen einen An p assu n gsfarben Wechsel im Sinne von Schutzfärbung zu sprechen, denn w-elche Vorteile soll dieser Farbenwechsel im Dunkeln haben? Offenbar handelt es sich um reflektorische Beeinflussungen der Chromatophoren, vielleicht durch taktile Reize, vielleicht auch durch chemische Reize, die auf verschiedenen Pflanzen verschieden sein können. Experimentelle LTntersuchungen über diese Fragen liegen leider nicht vor, ob- gleich der Einfluß der Ernährung auf die Körperfärbung Der Farbenwechsel und die chromatische Hautfuiiktion der Tiere. 1289 bei einigen Isopoden von Matzdorff (56), Möbius (64) u. a. disku- tiert worden ist, worauf später eingegangen werden wird. Während über das Verhalten der Nervenendigungen an den Chromatophoren der Cephalopoden sehr zahlreiche und umfang- reiche Arbeiten vorliegen, sind die diesbezüglichen Angaben für Crustaceen außerordentlich spärlich und erfordern unbedingt neue ge- naue histologische Untersuchungen. Das Herantreten von Nerven an die Chromatophoren ist von Retzius (82) bei Palaemon squilla, von Weber (95) für Philosciu, sowie von Holmgren (35) beobachtet worden. Die Anatomie, Embryologie und Physiologie der Chromatophoren der Schizo- und Decapoden hat durch die umfassenden Arbeiten der englischen Forscher Keeble und Gamble (23, 39 — 43) eine wesentliche Umgestaltung erfahren. Nicht nur, daß die Autoren eine Menge neuer bemerkenswerter Einzeltatsachen aus der Anatomie der Chromatophoren beschrieben haben, sondern sie haben eine prinzi- pielle Aenderung in der Auffassung von der Bedeutung der Chro- matophoren dadurch herbeigeführt, daß sie die einzelne Zelle ihrer Bedeutung als selbständige Zelle entkleiden und nur als untergeordnete Zentren eines zusammenhängenden Chromatophoren- sy stems (-organes) ansehen. Dieses System ist in einzelne Gruppen gegliedert, die neurale, viscerale, kaudale und endlich die akzessorische. Der prinzipielle Unterschied dieser Auffassung gegenüber der bis dahin herrschenden läßt sich am besten durch einen Vergleich ver- anschaulichen. Der Standpunkt Keebles und Gambles ist in diesen Fragen etwa ein ähnlicher wie jener der Gegner der Neuronentheorie, die die anatomische und funktionelle Selbständigkeit der einzelnen Ganglienzelle entschieden in Abrede stellen. Die beiden englischen Forscher haben ferner die Entwicklung der einzelnen Chromato- phorengruppen untersucht und die verschiedenen Zeichnungs- und Farbenvarietäten, besonders bei Hippolyte varians, in Beziehung zu der Entwicklung der verschiedenen Chromatophorengruppen gebracht. Endlich haben sie versucht, die Anordnung der Chromatophoren phylogenetisch zu erklären und haben damit den Vererbungs- faktor in den Kreis ihrer Betrachtungen gezogen und so wertvolle Beiträge zur Phylogenese der Farbenanpassung geliefert. Von nicht geringerer Bedeutung sind Keeble und Gambles Untersuchungen für die Physiologie des Farbenwechsels der Crustaceen. Vor allem entdeckten sie den perio dischen Tag- und Nachtfarben Wechsel der Schizo- und Decapoden, der bei allen früheren Untersuchungen eine den früheren Autoren aller- dings unbekannte Fehlerquelle darstellt. Ferner entdeckten sie das Auftreten einer diffusen Blaufärbung während der Nachtfärbung und bringen die Bildung dieses blauen Farbstoffes mit dem ge- änderten Chemismus des Stoffwechsels der Tiere zur Nachtzeit in Ije- ziehung. Daß nach diesen wichtigen Entdeckungen die Versuche über den Einfluß des Lichtes auf den Farben Wechsel unter Be- obachtungen aller möglichen Fehlerquellen von neuem aufgenommen werden mußten, lag auf der Hand. Keeble und Gamble studieren daher sehr eingehend die Wirkung des hellen und dunklen Grundes auf die Körperfärbung, sowie die koloratorische Bedeutung des Wechsels der Lichtintensitäten, hei Dunkelheit sind die Pigmente in den Zentren retrahiert, die Tiere werden durchsichtig 1290 R. F. Fuchs, bei gleichzeitigem Auftreten der diffusen Blaufärbung, dagegen sind die Tiere im diffusen Tageslicht oder bei künstlichem Licht deutlich gefärbt infolge der Expansion der Pigmente. Die Versuche über den Einfluß des Untergrundes zeigen aber, daß dieser Faktor die Wirkung der Lichtintensität bei weitem übertrifft, da die Färbung der Tiere in erster Linie von der Helligkeit des Grundes beherrscht wird. Auf weißem Untergrund tritt Durchsichtig- werden und Blaufärbung der Tiere auf, auf dunklem Grunde Ex- pansion der Pigmente und dementsprechende Färbung ein. Diese Wirkung des Untergrundes erklären die englischen Autoren durch eine gewisse Dorsiventralität in den nervösen Verknüpfungen der Retinaelemente mit den Chromatophoren, ohne daß sie für diese Hypo- these strengere Beweise beizubringen suchen. Endlich haben Keeble und Gamble in ihren Versuchen auch den Färbungseinfluß verschie- dener monochromatischer Lichter geprüft, wobei ein wesent- licher Einfluß der verschiedenen Wellenlängen nicht zu konstatieren war. Wohl aber bestätigen die Autoren die Angaben früherer Forscher, daß Hipjwlyte varians auf verschieden gefärbten Pflanzen eine ver- schiedene Färbung zeigt, welche eine Anpassungserscheinung, Schutz- färbung, darstellt. Hier sei auch einer Mitteilung Schmidtleins (88) gedacht, nach der Eisig bei Squilla mantis, einem Stomatopoden, ein lebhaftes Erröten des ganzen Körpers sah, als das Tier von einem Octo- poden angegriffen wurde. Ueber die Färbung und den Farben- wechsel von Amphipoden berichten die Arbeiten von G. Haller (28) und P. Mayer (58), welche verschiedene Caprelliden unter- suchten. Umfangreicher und zahlreicher sind die Arbeiten über den Farben- wechsel der Isopoden, von denen besonders Idotea tricuspidata Desm. vielfach studiert worden ist. Die vielen Farben- und Zeichnungs- varietäten sind vielfach beschrieben worden, so von Pallas (71), Roux (84) u. a., aber den Farben wechsel dieser Tiere hat zuerst P. Mayer (57) beobachtet, indem er die Tiere auf hellen oder dunklen Grund brachte. Auch gelang es Mayer, zu zeigen, daß infolge Ab- tragung der Augen geblendete Tiere diesen Farben Wechsel nicht mehr zeigen. Kurz nach diesen Beobachtungen Mayers hat Matzdorff (56) die Färbungs- und Zeichnungsvarietäten der Idotea beschrieben, sowie den Einfluß der Nahrung, der Temperatur und des Lichtes auf die Färbung untersucht; er kommt zu dem Resultat, daß keinem dieser Faktoren, selbst nicht dem Licht, ein direkter Einfluß auf die Körperfärbung zukomme. Die verschiedene Färbung sei als Schutzfärbung in dem Sinne aufzufassen, daß die Tiere mit der Farbe der Umgebung, verschiedenen Pflanzenarten, übereinstimmen. Phylogenetisch sei die einfarbige Art die älteste und die anderen Färbungs- und Zeichnungsvarietäten seien als Anpassungs- erscheinungen dadurch allmählich entstanden, daß Idotea ein ziemlich wohnfestes Tier sei und immer wieder bestimmte Pflanzen als Wohn- sitz aufgesucht habe. Ferner hat Matzdorff die Versuche von Mayer über den Farbenwechsel sowohl an sehenden als geblendeten Tieren wiederholt und ist zu übereinstimmenden Resultaten mit seinem Vorgänger gekommen. Endlich hat in neuester Zeit V. Bauer (1) das Problem von der Einwirkung des Untergrundes auf die Färbung von Idotea einer sehr sorgfältigen Untersuchung unterzogen Der Parbenweclisel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. 1291 und bis zu einem gewissen Abschluß gebracht. Bauer konnte zeigen, daß für die zu beobachtenden Farbenveränderungen weder die Licht- intensität, noch die Richtung der Lichtstrahlen eine entscheidende Rolle spielen. Auf Grund von Lackierungsversuchen, in denen ent- weder die ganzen Augen oder größere und kleinere Teile derselben vom Sehakt ausgeschaltet wurden, kommt Bauer zu dem Ergebnis, daß in den vom Licht nicht getroffenen Teilen des Auges ein Vor- gang stattfindet, der der Wirkung des gereizten Teiles entgegenwirkt und dieselbe gegebenen Falles überwiegt. Die un gereizten Teile der Netzhaut rufen eine Expansion der Chromatop hören hervor, die für den ganzen Körper dauernd eintritt, sobald die eine Hälfte der Netzhaut lackiert wird. Damit können wir den historischeu Ueberblick über die Entwick- lung unserer Kenntnisse vom Farbenwechsel abschließen unter Nen- nung einiger neuester Arbeiten, so von Doflein (14), Minkiewicz (62, 63), und Fröhlich (19), Franz (18) und Degner (11), welche an verschiedenen Crustaceen wertvolle Beobachtungen zur Lehre des Farbenwechsels, sowie zur Anatomie und Entwicklungsgeschichte der Pigmentzellen geliefert haben. Diese Arbeiten werden in den ein- zelnen Abschnitten des speziellen Teiles ausführlich bebandelt werden. B. Morphologie der Chromatophoren. 1. Anordnung der Chromatophoren. Bei den Crustaceen enthält die Hypodermis, welche unterhalb der chiti- nösen, bzw. verkalkten Schale gelegen ist, die Chromatophoren, wenngleich auch andere Gebilde, wie z. B. der Verdauungstrakt us, das zentrale Nerven- system sowie die Muskulatur erhebliche Mengen von Pigmentzellen aufweisen, welche sogar bei den mehr oder weniger durchsichtigen Crustaceen an der allge- meinen Körperfärbung, insbesondere aber an der Zeichnung dann betedigt sein können, wenn sie gruppenweise angeordnet sind und geschlossene Flecken von verschiedener Form und Farbe oder Linien bilden. Schon Haeckel (27) unterscheidet an der der Schale anliegenden Haut der Decapoden zwei Schichten, eine äußere Epithel- zellenschicht und eine innere Lage, welche aus mehr oder weniger festen Bindege- websschichten besteht, welche nach außen zum stützenden Träger (Membrana pro- pria) der Zellage sich verdichtet, während sie nach innen in das Bindegewebe der an der Haut angehefteten oder unter ihr liegenden Organe übergeht. „Diese meist sehr dünne Bindegewebsschichte, welche auch die Pigmentzellen und Farbkörnerhaufen, die Nerven und ernährenden Gefäße der Haut trägt, läßt sich allein mit der Cutis der Wirbeltiere vergleichen, während die gewöhnlich auch dazu gerechnete Zellenlage über ihr höchstens mit der Epidermis in Parallele gesetzt werden kann." Auch die Pigmentzellen der Daphnien sind nach Weismann (96) in der Hypodermis ge- legen, während sie bei Latona nicht in der Hypodermis selbst, sondern zwischen den beiden Blättern derselben gelegen sind, und wo jeder der großen braunen Flecke nur aus einer einzigen großen Chromatophore besteht. Die Caprelliden zeigen nach den Untersuchungen von Paul Mayer (57) Pigmentzellen in allen Teilen des Körpers. Sie liegen stets im Bindegewebe und den von ihm ausgehenden Umhül- lungen des Darmes (Fig. 26), des Nervensystems, insbesondere der Ganglien der Geni- talien und des Herzens. Ferner erwähnt Haller (28) ausdrücklich, daß bei Laemodipodes filiforniis die Zentren des Nervensystems sehr stark pigmen- tiert sind. 1292 R- F. Fuchs, Bei den Tricho nis cid en wurde insbesondere an Trichoniseus batavus die Lagerung der Pigmentzellen von Weber (95) untersucht. Hier liegen die Chromato- phoren in der Matrix der Cuticula, welche durch die zahlreichen Ausläufer der häufig miteinander kommunizierenden Pigmentzellen eine zellige Abgrenzung erhält, während sonst diese Matrix eine kernhaltige, aber nicht zellig abgegrenzte „mole- kulare Masse" darstellt und nur an einzelnen Stellen ein epithelartiges Verhalten zeigt. Gleiche Verhältnisse zeigt auch Philoscia, bei der ebenso wie bei Trichoniseus die Zellkörper der verzweigten Pigmentzellen teils unter, teils zwischen den Kernen der Matrixzellen gelegen sind. Die Verschiedenartigkeit dieser Lagerung läßt es auch zweifelhaft erscheinen, ob ein Unterschied besteht zwischen diesen Pigmentzellen und den auch bei diesen Tieren vorhandenen, tiefer in der Körperhöhle gelegenen, welche dem Bindegewebe angehören. Bei der gleichfalls zu den Isopoden ge- hörigen Familie der Idoteiden hat Matzpoeff (5(J) ähnliche Beobachtungen ver- öffentlicht wie Weber an Trichonisciden. Auch bei Idotea besteht die Hypodermis aus einer oberen Schicht von Chitinzellen und einer tieferen Lage, welche eine körnige Protoplasmamasse mit regelmäßig eingestreuten Kernen enthält und keine Zellgrenzen erkennen läßt. In diese Schicht sind die Chromato- f-, k'"i ß '' phoren in regelmäßigen Abständen eingelagert und nehmen die ganze Dicke dieser Schicht ein , ja sie reichen sogar in die obere Hypodermisschicht hinein, was schon früher von Leydig (50) und Weber be- £_i-ir obachtet worden war. Ebenso reichen die Chromato- r. --^^1 • ^* phoren auch in das unter der Matrix der Hypo- B. ', '« 1^ ^ dermis gelegene Bindegewebe. ;' j Fig. 26. Caprella aequilibra. Teil eines Mittcl- "" ■*• ' darmes mit dem Epithel, der Muskulatur und einer großen expandierten Pigraeutzclle, deren Kern in der Mitte sichtbar ist. (Nach P. Mayer.) Trotzdem die verschiedenen genannten Autoren stets die verschiedene Verteilung der Chromatophoren in den verschiedenen Körperbezirken und Organen hervorgehoben haben, so ist es doch das unzweifelhafte Verdienst von Keeble und Gamble (23, 39—43), durch ihre umfassenden Studien an Schizopoden und Decapoden uns ein klares Bild von der äußerst komplizierten Anordnung der Chromatophoren gegeben zu haben, welche zu besonderen Organen (Systemen oder Gruppen) vereinigt sind, welche nicht nur in ihrem anatomischen Bau und ihrer charakteristischen Verteilung, sondern auch in ihrer Entwicklung typische Ver- schiedenheiten aufweisen. Von den Schizopoden wurden besonders die Mysiden untersucht, Ifac/'o- mysis, Schistomysis, Neomysis, Mysidopsis, Leptomysis, Macropsis, Gastrosaccus und Siriella. Das Chromatophorensystem der Schizopoden, wie der Deca- poden ist sowohl oberflächlich als auch in tieferen Lagen des Körpers zu fmden und stellt ein kompliziertes System von Organen dar, die einerseits miteinander in funktioneller Beziehung stehen, andererseits durch das Nervensystem mit den Augen verbunden sind. Die einzelnen Teile dieses Systems sind die pigmenthaltigen Chro- matophoren, welche wiederum zu bestimmt gelagerten Zentren oder Gruppen zu- sammengesetzt sind. Obwohl die einzelnen Mysidenarten untereinander charak- teristische Unterschiede im Bau, sowie in dem Vorhandensein der einzelnen Gruppen aufweisen, so liegt doch bei allen Mysiden ein gemeinsamer Bauplan zu- grunde, und wir wollen als ein typisches Chromatophorensystem der Mysiden das von Macro^nysis flexuosa analysieren. Das Chromatophorensystem ist in fol- gende Gruppen gegliedert: Der Farben Wechsel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. 1293 1) Die neurale Gruppe, welche die konstanteste, sowie die am besten ent- wickelte und zuerst gebildete ist, ist die wichtigste Gruppe des ganzen Chromato- phorensystems. Wie schon der Name andeutet, ist sie durch ihre besonderen Beziehungen zum Nervensystem ausgezeichnet. Im allgemeinen kann man sagen, daß sich die Teile der neuralen Gruppe auf die Hauptmasse der oberflächlich und tief gelegenen Organe erstrecken, mit Ausnahme des Verdauungstraktus und eines Teiles der Schwanzoberfläche. Im besonderen hat diese Gruppe Beziehungen zum Gehirn, zum Bauchstrang, den basalen Teilen der Anhänge und der Haut an der ventralen Seite. Sie zerfällt in eine Reihe von Einzelzentren, von denen ein Paar über dem Gehirn sich findet, ein anderes an der Basis jeder Antenne, sowie im Konnektiv zwischen Gehirn und Bauchstrang, sowie Zentren zwischen den 1. als auch zwischen den 2. Maxillen. Die Zentren selbst sind über den Ganglien der be- treffenden Abschnitte gelagert. Ein Paar von solchen Zentren liegt im Bauchstrang an der vorderen Thoraxgrenze. Die Abdominalsegmente besitzen je ein vorderes und ein hinteres Zentrum, von denen jedes wieder in zwei CJnterzentren geteilt ist, von denen eines im Ganglion gelegen ist, das andere in den Flexoren. Im letzten Segment steht das Chromatophorenzentrum in besonderer Beziehung zur Anal- muskulatur. Die neuralen Zentren bilden sich in naher Beziehung zu den Ganglien. Ihre Zweige bilden besonders bei Macromysis ineniiis eine vollkommene Scheide um das zentrale und periphere Nervensystem. 2) Die viscerale Gruppe, welche eine Reihe von Zentren im Bereiche des Verdauungstraktes und der Keimdrüsen umfaßt. Die Zentren dieser Gruppe sind teils median, teils paarig angeordnet und zeigen einen deutlich segmen- talen Charakter. Es hegen an der Oberfläche des Magens zwei mediane Zentren, ferner eines in der Nähe der Keimdrüsen und Leber, ein anderes am hinteren Rande des Carpax. Diese Zentren sind in den Visceralscheiden gelegen ; die übrigen Zentren dieser Gruppe liegen in den übrigen Eingeweiden. Ferner erstrecken sich Teile dieser Gruppe auf die Haut und die Extensoren des Schwanzes. Die viscerale Gruppe hat aber auch Beziehungen zum Nervensystem des Magens und Schlundes, ferner zu den großen Gefäßen und zum Herzen. 3) Die kaudale Gruppe auf der Oberfläche des Schwanzes ist gleichfalls median, als auch segmental angeordnet. Sie umfaßt ein median gelegenes Zentrum in der Haut eines jeden Abdominal- sowie des letzten Thorakalsegments. Diesen drei streng zentralisierten Gruppen, welche entwicklungsgeschicht- lich eine Einheit darstellen und als das primäre Chromatophoren- system bezeichnet werden, steht eine akzessorische Gruppe gegenüber, die als ein beginnendes sekundäres System aufgefaßt werden kann. Die Teile der ak- zessorischen Gruppe erfüllen die Gewebe in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft und sind besonders durch ihre Beziehungen zu den eigentlichen Sinnes- organen, wie Augen, Antennen, Schwanzlappen und Otocysten ausgezeichnet. So liegt ein optisches Zentrum an Augenstielen hinter der Cornea, an den Antennen finden sich 5 Zentren, eines am Pedunculus der kleinen Antennen, eines an der Basis des Exopodiums, ferner ist eine Reihe von Zentren an den Brutlamellen, am Uro- podium und am Telson sogar eine doppelte Reihe von Zentren vorhanden. Wenn ich noch hinzufüge, daß sowohl die viscerale als auch die kaudale Gruppe außer zu den Nerven auch noch zu anderen Geweben Beziehungen haben, besonders zu den Drüsen und Muskeln, dann erkennen wir, daß von dem äußerst kompliziert angeordneten Chromatophorensystem alle Gebilde des Kör- pers umsponnen werden. Obwohl, wie bereits erwähnt, allen Mysiden ein nach einem gemeinsamen Plane gebautes Chromatophorensystem zukommt, so unterscheiden sich die einzelnen Mysidenarten doch durch konstante Modifikationen des gemeinsamen Bauplanes des Chromatophorensystems. Diese Abweichungen bestehen in der Gegen- 1294 R. F. Fuchs, wart von paarigen oder unpaarigen Zentren an besonderen Segmenten, in der Form und Anordnung der Endverzweigungen der einzelnen Chromatophorenäste, sowie in der Verteilung gewisser Pigmente in den Zentren und deren Zweigen. Auf diese Einzelheiten, denen Keeble und Gamble direkt taxinomischen Wert zuerkennen, soll hier nicht eingegangen werden. Bevor wir auf den feineren mikroskopischen Bau der Chromatophoren eingehen, sollen die besonderen Eigenschaften, welche das primäre und sekundäre Chromato- phorensystem charakterisieren, hervorgehoben werden. Das primäre System ist ausgezeichnet durch die geringe Anzahl der die einzelnen Zentren zusammensetzenden stark verzweigten Chromatophoren und die streng segmentale Anordnung des ganzen Systems. Die einzelnen weit ausgebreiteten Zentren bestehen aus zahlreichen Teilen, deren Endigungen Scheiden um die betreffenden Organe bilden. Innerhalb der Zentren sind zentral gelegene Mittelpunkte charakteristisch, außerdem sind die pri- mären Zentren durch das Bestehenbleiben der embryonal augelegten Chrom atoj^horen beim erwachsenen Tier ausgezeichnet. Das sekundäre Chromatophoren- system ist vor allem durch seine vollständige Dezentralisation charakterisiert. Die einzelnen Chromatophoren sind zahlreich, wenig verzweigt und uuregelmäßig an- geordnet. Von den Decapoden wurden Crangon, Palaemon, Hippolyte, Oalathea, Carduus und Portuniis untersucht. Als allgemeine Eigenschaften des Chromato- phorensystems der Decapoden sind zu nennen die große Zahl von Chro- matophoren, deren zerstreute unregelmäßige Anordnung, geringe Ausdehnung der einzelnen Zentren, ferner geringe Anzahl ihrer Zweige sowie Dezentralisation des Systems im ganzen. Es besitzt die gleichen Beziehungen zu den Organen wie bei den Mysiden. Auch hier unterscheiden wir ein primäres und ein sekundäres System, aber das zentralisierte primäre System tritt gegenüber dem mächtig entwickelten sekundären System in den Hintergrund. Die sekundären Chromatophoren erscheinen n Gruppen angeordnet, von denen einige Beziehungen zum primären System und zu dem gleichen Organe wie dieses haben, während andere Gruppen ganz unabhängig sind, wie z. B. an den Basen der Kiemen, am Carpax und an den Gliedern, wo das primäre System vollständig fehlt. Ohne auf die Unterschiede in der Verteilung und Ausbildung der beiden Systeme bei den verschiedenen Decapodenarten eingehen zu wollen, möchte ich nur erwähnen, daß auch hier diese Unterschiede wiederum charakteristisch für die einzelnen Arten sind. Bezüglich der Details muß ich auf die Originalarbeiten verweisen. Eine besondere Aufmerksamkeit erfordert die von Keeble und Gamble (23) an Hipiwlyte genauer studierte Beziehung der Chromatophorenanord- nung zu den Blutgefäßen und den Muskeln. Die Chromatophorenkörper liegen im Bindegewebe und sind eng verbunden mit dem Verdauungstrakt, der Leber, dem Gefäß- und Muskelsystem. Eine besonders innige Beziehung haben die Chromatophoren zur Wand des ventralen und dorsalen Blutsinus; auch in den Wänden der intermuskulären Arterien liegen sehr zahlreiche Chromatophoren. Auch an den Augenstielen lassen sich diese nahen Beziehungen zwischen Chromatophoren und Blutgefäßen leicht nachweisen. Sehr reichliche Chromatophorenanhäufungen finden sich in den Extensoren und Flexoren des Schwanzes, so daß die Muskeln vollkommen gefärbt erscheinen. Bei jungen durchsichtigen Tieren wird die Farbe des Tieres hauptsächlich durch die Muskelchrom atophoren bestimmt, während später die Hautchromatophoren für die Färbung ausschlaggebend sind. ii, Bau der Chromatophoren. Der mikroskopische Bau der Chromatophoren bietet eine große Mannigfaltigkeit nicht nur bei den verschiedenen Crustaceen-Ordnungen und -Arten dar, sondern auch in den verschiedenen Regionen eines und desselben Indi- Der Farbenweclisel und die chromatisclie Hautfunktion der Tiere. 1295 Tiduums zeigen sich bemerkenswerte Unterschiede, so daß man von einem einheit- lichen Bau der Crustaceenchromatophoren im strengsten Sinne des Wortes eigentlich nicht gut reden kann. Gerade die Außerachtlassung dieser Tatsache hat manche unbegründete Verallgemeinerung gezeitigt, die zu Kontroversen Anlaß gab, wobei vielfach vergessen wurde, daß von den betreffenden Autoren nur eine oder wenige Arten untersucht worden sind. Einen Wandel in diesen Dingen herbeigeführt zu haben, ist gleichfalls ein Verdienst der umfangreichen vergleichenden Untersuchungen von Keeble und Gamble, die allerdings in neuester Zeit durch Degner (11) stark erschüttert worden sind, welcher Autor einen gleichen Bau derChromato- phoren an verschiedenen Kör per stellen von Praunus beschreibt. Die Pigmentzellen der Daphnien hat Weismann (96) untersucht. Es handelt sich um Hypodermiszellen, die Pigmentablagerungen enthalten, z. B. an den blauen und roten Partien der ßuderarme und den roten Flecken auf den Vorderlappen der Schale. Die Zellen, welche mit einem hellen Kern versehen sind, stoßen unmittelbar aneinander. Jede Pigmentzelle besteht aus einem dicken Stiel, der das Lumen der Schale durchsetzt und zwei Platten, welche der Innenfläche der Hypodermis aufliegen. Im Stiel erkennt man den hellen Kern (Fig. 27). Die beim jungen Tier noch kleine Zelle wächst, indem sie dendritische Ausläufer um die Stützfaseransätze der Schale herumschiebt, die dann jenseits wieder miteinander ver- schmelzen. Es liegen zwei Maschennetze übereinander, eines auf dem äußeren, eines auf dem inneren Blatt der Schale, und dadurch tritt hier die netzförmige Zeichnung weniger deutlich hervor. Aehnlich dürften auch die braunen Farbzellen des Fett- kötpers gebaut sein. Weismann erwähnt die Angabe von P. E. Müller (68), daß die Maschen der zierlichen Farbnetze, welche die Daphnien, besonders Latona setifera O. F. Müller, darbieten, nicht einzelnen Hypodermiszellen entsprechen, sondern daß die das Pigment enthaltenden Hypodermiszellen viel größer sind, so daß auf jede von ihnen etwa 10 — 16 Farbmaschen kommen. Die hellen Flecke in den Maschen sind die ver- breiterten Ansatzstellen der Stützfasern der Haut, welche r^, von den P'ortsätzen der Pigmentzellen umsponnen sind. In \^ Ä jeder Zelle ist nur im mer eine Farbe, Eot oder J» ■1 Blau vorhanden. Die Chromatophoren der Caprelliden l^HK n werden von Pouchet (76), Haller (28) und Paul Mayer ^ -i^^^KT-T^ (58) als stark verzweigte Zellen beschrieben, in denen 'ÜBv die beiden letzteren Autoren einen Kern beobachtet haben. |^f X -^'^ Fig. 30. Praunus flexiiosvs. Sagittalschnitfc durch das sechste Abdominalsegmeut. Die Chromatophore zeigt Schollenteilung. Ä' Kerne, gl drüsiges Gewebe, Gg Ganglion des Segmentes, N.ac. Nervus acusticus, R Rectum. (Nach Degner.) Der Parbenwechsel und die chiromatische Hautfunktion der Tiere. 1299 im Innern der Schollen, wenn das Pigment retrahiert ist. Die Zahl der Kerne wechselt sehr stark und nimmt auch im späteren Leben noch zu, da Teilungs- figuren an erwachsenen Exemplaren mehrfach beobachtet wurden. Die Chromatophorenmembran betrachtet Degner als ein Produkt der Chrom atophoren, da es ihm nie gelang, die von den englischen Autoren beschriebenen Zellen bzw. deren Kerne zu entdecken, deren Produkt die Chromatophorenmembran sein sollte. Die vom Körper der Chromatophore ausgehenden Chromorhizen zeigen, wie bereits Keeble und Gamble mehrfach erwähnt haben, eine deuthche Fibrillen - struktur. Degner hält diese Fibrillenstruktur in üebereinstimmung mit Franz (17, 18) durch ein Stäbegerüst bedingt, doch nimmt er im Gegensatz zu Franz an, daß dieses Stäbegerüst nicht persistiere, weil die „Achsenstränge", die hellen Linien in den Chromorhizen, bei totaler Ballung vollkommen verschwinden und erst während der Expansion wieder auftreten, woraus Degner schließt, daß sie regelmäßig erst bei der Pigmentexpansion gebildet werden. Die letztere Ansicht ist aber nicht bewiesen, sogar sehr unwahrscheinlich, denn die Unsichtbar- keit der Achsenstränge an den pigraentfreien Chromorhizen kann keineswegs als Beweis für das Nichtvorhandensein angeführt werden. Degner gibt ja auch an, an vollständig retrahierten Chromatophoren niemals einen Kontur der Fortsätze gesehen zu haben, nur wenn Spuren von Pigment zurückbleiben, dann täuschen sie eine Wandung der Fortsätze vor. Da aber Degner trotzdem an der präformierten Gestalt der Chromatophore festhält, so ist gar nicht einzusehen, warum das Unsichtbar- werden der Achsenstränge gerade gegen deren Persistenz sprechen sollte. Uebrigens hat Bauer (2) an den dicken Aesten der Chromatophoren nach Osmiumbehandlung ein System von Stützfasern auch bei retrahiertem Pigment beschrieben. An vollständig expandierten Chromatophoren konnte Degner niemals eine direkteVerbindungder Chromorhizen zweier benachbarter Pigment- zellen beobachten. Von wesentlicher Bedeutung für die Physiologie der Chromatophoren scheint ihre innige Verbindung mit einem Drüsengewebe zu sein, die Keeble und Gamble folgendermaßen beschreiben. Jeder zentrale Teil der Chromatophore ist umgeben von einer Zone von Zellen, welche große gefleckte Kerne aufweisen ; ein Saum dieses Zellengewebes zieht von einer Chromatophore zur benachbarten. Dieses Gewebe findet sich hauptsächlich an den hinteren Enden der Abdominal- segmente, wo es ein breites Band von eckigen Zellen bildet, welche zur tieferen Lage der Epidermis gehören. Die visceralen Chromatophoren, sowie die der Brutlamellen sind durch ähnliche nur etwas lockerere und tiefer liegende Gewebszüge miteinander verbunden. Manche der dieses Gewebe zusammensetzenden Zellen sind birnförmig und können sich mit ihren kurzen Enden untereinander verbinden. Ihr Protoplasma ist in verschiedener Weise vakuolisiert und granuliert und zeigt offenbar ver- schiedene Phasen einer sekretorischen Tätigkeit. Die Bedeutung dieser Zellen für die Entstehung der Chromatophoren und des Pigmentes konnten Keeble und Gamble nicht auffinden. Auch Degner (11) erwähnt ein drüsig erscheinendes Gewebe in der Nähe der Chromatophoren, das er aber in keine funktionellen Beziehungen zu den Chromatophoren bringt, weil es an einzelnen Stellen, z. B. den Antennen- basalgliedern, fehlt. Genauere Angaben über die Histologie der Chromatophoren bei Macruren wurden an folgenden Familien beschrieben : Hippolyte (Keeble und Gamble, 23, 43), Crangon (Keeble und Gamble, 23, 43; Poüchet, 76; Degner, 11), Palaemon bzw. Leander (Pouchet, 76; Doflein, 14; Fröhlich, 19; Degner, 11), Eomarus (Poüchet, 76) und Pandalns (Franz, 18). Da auch hier offenbar bei den ver- schiedenen Familien weitgehende Unterschiede im histologischen 82* 1300 R- F. Fuchs, Bau der Chromatophoren vorliegen, so sollen die einzelnen Familien getrennt be- handelt werden. Wir beginnen mit den Chromatophoren von Hippolyte und Grangon, welche von KeebIjE und Gamble (23, 43) eingehend untersucht worden sind. Die ausge- wachsenen Chromatophoren von Hippolyte und Grangon sind in der Eegel zwei- oder auch dreifarbig. Während die genannten englischen Forscher eine echte Polychromasie der einzelnen Zelle beobachtet haben, glaubt Pouchet (76), dem die Mehrfachfärbung der Chromatophoren bei Grangon nicht entgangen war (Fort- sätze gelb und violett gefärbt, Zentrum rot), daß diese Erscheinung darauf zurück- zuführen sei, daß mehrere verschieden gefärbte, aber vollständig voneinander ge- trennte Chromatophoren dicht nebeneinander liegen, von denen jede einzelne durch verschiedene entgegengesetzt wirkende Einflüsse einen verschiedenen Grad der Expansion, bzw. Retraktion aufweist. Sowohl die Beobachtungen von Keeble und Gamble selbst, als auch die gleichen Beobachtungen Doflelns (14) an Leander lassen aber keinen Zweifel darüber, daß Pouchets Anschauung unrichtig ist, so daß es sich in der Tat um eine echte Polychromie der einzelnen Chromato- phoren handelt. Da nun die genannten englischen Forscher in den beiden Arbeiten (23, 43), welche sich mit dem Bau der Chromatophoren von Hippolyte beschäftigen, eine etwas verschiedene Beschreibung der Chromatophoren geben, so darf man wohl annehmen, daß die Chromatophoren ein und derselben Art an verschiedenen Körper- stellen verschieden gebaut sind, da die in der später erschienenen Arbeit (43) enthaltenen Angaben nirgends erkennen lassen, daß sie eine Eichtigstellung der früheren Beobachtungen sein sollen. In der ersten Publikation (23) werden die Chromatophoren aus den Querbändern des Abdomens von Hippolyte varians folgendermaßen beschrieben. Zuweilen ist ein zentraler Körper vorhanden, von dem eich verzweigende und untereinander anastomosierende Fortsätze entspringen ; meist sind aber zwei dicht gefärbte schlecht abgrenzbare Portionen eines im durchfallenden Lichte rot gefärbten Körpers vorhanden. Die dicht verzweigten, stellenweise anastomo- sierenden Fortsätze sind Röhren mit deutlicher Wandung, was um so sicherer erkannt werden kann, wenn die Pigmentkörnchen sie nicht vollkommen erfüllen. Da die Fortsätze von einer eigenen Membran begrenzt werden, so kommt ihnen eine feste, das soll wohl heißen unveränderliche Struktur zu. Es ist nicht möglich, au den Chromatophoren einen getrennten Zellcharakter nachzuweisen, sie bilden vielmehr ein kontinuierliches Netzwerk, in dem einzelne deutlich hervortretende Flecke als Zentren der Chromatophoren anzusprechen sind. In der späteren Abhand- lung (43) finden sich folgende Angaben. In der Haut von Hippolyte kommen alle Entwicklungsstadien als auch Degenerationsstufen der Chromatophoren vor. Bei der erwachsenen Hippolyte bestehen die Pigmentzellen aus einer Reihe kernhaltiger, birnförmiger Abteilungen, von denen verzweigte röhrenförmige Fortsätze entspringen, die mit baumförmigen Verzweigungen in den Intercellularräumen endigen. Die einzelnen Abteilungen sind flache Zellen (Cönocyten), die in zwei kon- zentrischen Reihen angeordnet sind. Das Cytoplasma dieser Zellen ist in einer für Tiere ungewöhnlichen Weise differenziert in ein festes lichtbrechendes Ekto- plasma, welches einen Wall bildet um die innere Zone des flüssigen Endo- plasmas. Hippolyte gaimardii zeigt einen etwas einfacher gebauten Chro- matophorentypus , bezüglich dessen Details auf das Original verwiesen werden muß. Auch bei Hippolyte varians kommen einfacher gebaute Chromatophoren vor, die aus drei oder noch weniger Zellen bestehen. Die Chromatophoren von Grangon sind im wesentlichen so gebaut wie die von Hippolyte. Sie zeichnen sich durch ihre beträchtliche Größe aus, sie sind im Gegensatz zu jenen von Hippolyte nur selten in der Muskulatur zu finden, haben ein eigenes violettes Pigment, das bei Hij)i)olyte fehlt, besitzen aber kein spe- Der Farbenwechsel und die chromatisclie Hautfunktion der Tiere. 1301 zielles nächtliches Pigment, welches bei Hippolyte die blaue Nachtfärbung hervorruft, worauf später noch ausführlich eingegangen werden wird. Die großen, schon mit bloßem Auge sichtbaren Chrom atophoren von Palaemon wurden bereits von Pouchet (76) beschrieben. Sie zeigen gelbe, stark ver- zweigte Fortsätze, welche von einem roten Zentrum auszugehen scheinen. Die roten Chromoblasten des Zentrums können gleichfalls expandiert sein. Es sei gleich hier erwähnt, daß Pouchet bei Romarus große rote in der Hypodermis ge- legene Chromoblasten mit großen Kernen beschreibt. Neuerdings haben die Chro- matophoren von Palaemon = Leander durch Doplein (14) eine sehr sorgfältige Untersuchung erfahren, wodurch die Angaben Pouchets wesentlich erweitert worden sind. Die Größe der Chromatophoren bei Leander xiphias ist eine sehr wechselnde an den verschiedenen Körperstellen, einige sind so groß, daß sie schon mit freiem Auge erkannt werden können, während andere erst mit starker Vergrößerung zu sehen sind. Die Chromatophoren sind rhizopodenähnliche verästelte Gebilde, in deren zentraler Masse das Pigment zu einem Ballen konzentriert sein kann. Von diesem Zentrum gehen Verästelungen aus, die Doflein „Chromorhizen" nennt, welche bei manchen Chromatophoren zahlreich und fein verästelt sind, während sie bei anderen geringer an Zahl und gröber erscheinen. Die vom Zentrum ent- springenden Fortsätze, welche nach allen Richtungen einer zur Oberfläche parallelen Ebene ausgehen, sind starke Stämme, welche oft bandartig abgeplattet sind und an der Basis ihre Zusammensetzung aus einer Anzahl feinerer Stränge erkennen lassen. Nach den Enden zu werden die Chromorhizen im allgemeinen feiner, doch kann man auch gelegentlich an den Enden knollenförmige Anschwellungen beobachten, worauf bereits Keeble und Gamble (43) bei Beschreibung der Chro- matophoren von Hippolyte varians aufmerksam gemacht haben. Auch Dofleln (14) stimmt mit den englischen Autoren darin überein, daß er hervorhebt, mau habe ^oft den Eindruck, als sei ein röhrenförmiger Hohlraum vorhanden, welcher die präfor- mierte Grundlage der Chromatophore darstellt", was besonders deutlich an den durch Druck veränderten Chromatophoren zu sehen ist. An den Enden der Chromorhizen ist nicht selten der Farbstoff in Form einer dünnen Lamelle ausge- breitet, welche im Umriß an den Fuß eines Schwimmvogels erinnert; darin läßt sich schon im frischen Zustand das Vorhandensein eines axialen Zellskelettes erkennen, das aus glashellen stark lichtbrechenden Stäben besteht, welche sich in der Mitte der Chromorhizen hinziehen, und an welche der Farbstoff sich anschmiegt. Dieses Skelett ist offenbar das von Franz zuerst an Fischchromatophoren (17) und neuerdings auch an Crustaceen (18) beobachtete Stäbeskelett. Die anderen Typen von Chromatophoren, welche Doflein beschreibt, sind im Prinzip gleich gebaut wie die vorstehend beschriebenen roten Chromatophoren, von denen sie sich aber durch die Anwesenheit von gelbem Pigment neben den roten in den Chromorhizen unterscheiden, oder eventuell kann das gelbe Pigment alle Chromorhizen erfüllen und das rote nur auf das Zentrum beschränkt sein. Endlich gibt es rein gelbe und rein weiße Chromatophoren. Die letzteren sind besonders häufig bei Leander treiUanus. Megüsak (59) bestreitet auf Grund seiner Beobachtungen die Existenz rein gelber Chromatophoren bei Leander rectirostris, indem er, aller- dings ohne Beweise dafür erbracht zu haben, annimmt, das rote Pigment werde im Licht in gelbes umgewandelt. Obgleich auch die weißen Chromatophoren ganz ähnlich wie die farbigen gebaut sind, so unterscheiden sie sich von den letzteren dadurch, daß ihre Verzweigungen plumper und reicher an Verdickungen sind, und ihr Inhalt weniger flüssig ist. Es kommen rein weiße Chromatophoren vor, bei denen ein zentraler Teil von den Chromorhizen kaum zu unterscheiden ist. End- lich zeigen die Chromorhizen der weißen Chromatophoren keine Längsstreifung. Doflein glaubt, daß sie meist nur durch die Pigmentmassen verdeckt ist. Auch die weißen Chromatophoren können bi- oder trichromatisch sein und neben 1302 R. F. Fuchs, weißem noch gelbes oder rotes oder beide Pigmente enthalten. Fröhlich (19) bildet um die Chromatophoren von Palaemon treillanus eine homogene gelbe Zone ab, welche nicht näher beschrieben ist. Die Chromatophoren von Pamlalus und Orangon hat Franz (18) untersucht. Bei Pandaliis sind die Pigmentzellen feuerrot, die reich verzweigten Fortsätze endigen mit feinen Ausläufern oder kommunizieren mit denen anderer Zellen. So- weit die Fortsätze von rotem Pigment frei sind, erscheinen sie hochgelb, daneben kommen aber auch manchmal ganz ungefärbte Fortsätze vor, die sich deutlich mit starker Vergrößerung beobachten lassen. Diese Fortsätze zeigen nun genau wie die mit Pigment noch erfüllten eine deutliche parallele fibrilläre Streif ung, welche nach dem Uebergang in die Zentralscheibe der Chromatophore einen mehr Fig. 31. Chromatophore von Pandalus. Fibrilläre Streifung. (Nach Fbanz.) zirkulären Verlauf annimmt (Fig. 36), während nach- Keeble und Gambles Bildern von Mysiden die Radiärstreifung in der Mitte der Zelle aufhört. Nach den Be- obachtungen von Franz (18) ist die Mitte der Chromatophorenscheibe von einer Körnelung erfüllt, über welche nur an einigen Stellen die Streifung quer hinweg- zieht. Diese Parallelstreifung rührt von einem feinen Stäbchen- skelett her, das in den Fortsätzen radiär angeordnet ist, aber innerhalb des Zellkörpers ein Fachwerk bildet, dessen Stäbe nach allen Seiten verlaufen und so die zentrale Körnelung hervorrufen. Bei Pandalus ist die Beobachtung des Stäbeskelettes durch das dichte rote Pigment erschwert, sie ist leichter bei Crangon, dessen Pigment grobkörniger ist. C. Die Pigmente. In den vorausgehenden Ausführungen war zwar gelegentlich von dem in den Chromatophoren eingeschlossenen Pigment die Rede, aber eine genauere Beschreibung der Arten und des chemischen Verhaltens des Pigmentes mußte einem eigenen Abschnitt vor- behalten bleiben. Der Farbenwechsel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. 1303 Schon die große Mannigfaltigkeit im anatomischen und histologischen Bau der Chromatophoren läßt vermuten, daß auch die färbenden Substanzen verschiedenartig, nicht nur in der Farbe, sondern auch in ihrer Anord nung innerhalb der Zelle sein vperden. In der Tat finden wir auch, daß die Pigmente diffus in den Zellen verteilt sind, wie z. B. das blaue Pigment der Nachtfarbe bei Eippo- lyte und Palaemon (Keeble und Gamble, 41, 43; Pouchet, 7ü), oder das grüne Pigment an bestimmten Körperstellen von Caprelliden, welches P. Mayer (58) beschrieben hat, doch erwähnt Mayer, daß bei Caprella dentata das grüne Pigment nicht an Chromatophoren gebunden ist. Schon Pouchet (76) unterscheidet die Chromatophorenpigmente in gelöste und gekörnte, wobei die Körnelung selbst wieder sehr verschieden sein kann, indem das Pigment in Form feinsten Staubes in den Zellen enthalten sein kann, wie z. B. in den Pigmentzellen von Idotea (Matzdorff, 56), oder in den karminroten Chromatophoren von Triehoniseus roseus (Weber, 95), oder es bildet winzig kleine Körnchen, wie die Pigmente der Chromatophoren der Caprelliden (Haller, 28; P. Mayer, 58), oder es bilden sich größere oder kleinere Farbstoffpartikel, die dann so gelagert sind, daß die größeren Teilchen in der Mitte des Zellkörpers, die kleineren in den Verzweigungen liegen. Ein solches Verhalten beschreibt Doflein (14) bei den gelben Chromato- phoren von Leander. Auch große Farbstoffklumpen kommen vor, welche von Dof- lein als Tropfen angesehen werden; auch Matzdorff (56) sowie andere Autoren erwähnen vielfach gefärbte Oeltropfen in den Zellen, so z. ß. bildet das rote Pigment bei Pandalus eine dicke, ölige Flüssigkeit, welche keine Körnchenstruktur erkennen läßt (Franz, 18). Degner (U) teilt die Chromatophoren nach der Beschaffenheit ihrer Pigmente in folgende drei Klassen : 1) mit rein flüssigem Pigmente (rot, orange, gelb, violett, blau), 2) mit flüssiger gefärbter Grundmasse, in der Pigmentkörner von (stets?) anderer Färbung hegen (sepiabraune Körner in gelber Grundmasse, rotbraune bis braunviolette Körner in rötlichgelber Grundmasse), 3) mit rein kör- nigem Pigment (gelb, weißgelb, weißopak). Manche Chromatophoren haben aber verschiedene Pigmente, wie z. B. Siriella armata, bei der die Lateralchromatophoren aus gelbkörnigen und rotflüssigen Abteilungen bestehen. Degner nimmt ebenso wie Keeble und Gamble an, daß die verschiedenen Pigmente in vollständig voneinander getrennten Abteilungen der Chromatophoren sich be- finden. Das ist ein "Widerspruch zu der von ihm früher als allgemein gültig an- geführten Beobachtung, daß die Pigmentschollen durch keine Membran vonein- ander abgegrenzt sein sollen, während Keeble und Gamble eine solche für die einzelnen Abteilungen annehmen, wie auch Bauer (2) für die Chromatophoren von Lemider angibt, daß das Zentrum aus mehreren blasigen Hohlräumen besteht, welche bei maximaler Kontraktion des Farbstoffes diesen vollkommen auf- nehmen; und zwar erfüllt der rote und gelbe Farbstoff getrennte Kammern. Wenn Degners Beobachtung richtig ist, dann kann sie nur für die mono- chromen, aber nicht für die polychromen Chromatophoren Geltung haben. Noch ein zweiter Punkt der DEGNERschen Einteilung erfordert eine Richtigstellung. In den Chromatophoren mit flüssiger gefärbter Grundsubstanz sind die Körnchen durch- aus nicht sicher von anderer Farbe. Hier handelt es sich offenbar nur um Kon- zentration sunt er schiede, wodurch die Körner anders gefärbt erscheinen als die Grundsubstanz. Die flüssigen Pigmente der ersten und zweiten Gruppe Degners erscheinen nur bei schwacher Vergrößerung homogen, bei starker Vergrößerung beschreibt Degner in ihnen eine Ansammlung feinster Tröpfchen. Bei der zweiten DEGNERschen Gruppe lassen sieh in der gleichmäßig gefärbten Grundsubstanz die Tröpfchen weniger deutlich erkennen. Dagegen sind die in der Grundsubstanz ver- teilten grossen runden Pigmentkörner um so auffallender. 1304 R. r. Fuchs Wir wollen nun zu den verschieden gefärbten Pigmenten selbst übergehen. Obwohl die Farbenskala der Körperfarben eine ziemlich reichliche zu sein scheint, so sind doch die eigentlichen Pig- mentfarben auf die verschiedenen Töne von Rot, Gelb, Braun bzw. Schwarz und Violett beschränkt, zu denen noch ein blauer Farbstoff hinzutritt. Das Grün der Körperfarbe ist mit wenigen Ausnahmen durch die Mischung von gelben und blauen Pigmenten hervorgebracht. Außer der bereits erwähnten Angabe von P, Mayer (58) über grünes Pigment bei den Cai)reliiden habe ich nur noch bei Lereboullet (49) die Angabe gefunden, daß bei Astacus zwischen den Maschen im Netzwerk der roten Chromatophoren sehr kleine grüne Flecke liegen, die bei mikroskopischer Untersuchung sich als sternförmige Zellen vom Typus der gewöhnlichen Pigraentzellen zeigen. Endlich gibt es eine nicht unbeträchtliche An- zahl von Crustaceen, welche weißes Pigment besitzen, z. B. Cajyrella grandinia (P, Mayer, 58), Idotea (Matzdorff, 56; Bauer, 1), Leander (Doflein, 14; Deg- NER, 11), Praunus flexuosus (Degner, 11). Bei Sienorhynchus phalangium ent- hielten die Chromatophoren nur weißes Pigment, es fehlte aber gänzlich bei Pandalus annulicornis (Degner, 11). Das rote Pigment ist bei den Crustaceen, wie überhaupt bei allen Meerbewohnern außerordentlich verbreitet, es findet sich insbe- sondere bei den Tieren der Tiefsee und hat schon lange Zeit die Auf- merksamkeit aller Biologen auf sich gelenkt. Gerade das Vorherrschen der roten Färbung bei der Tiefseefauna hat zu verschiedeneu Hypo- thesen über die biologische Bedeutung dieses Farbstoffes Anlaß ge- geben. Es ist kein Wunder, daß man versuchte, unter dem gewaltigen Einfluß der Lehre von der Farbenanpassung diese Rotfärbung durch Nützlichkeit zu erklären, wobei oft die kompliziertesten Speku- lationen sich einer Anhängerschaft erfreuten und als wirkliche Er- klärungen angesehen wurden. So hat Verill (94) die rote Farbe als besonders wirksame Schutzfarbe der Tiefsee angesprochen, weil in dem grünen Lichte des Wassers das Rot die Komplementärfarbe sei, wodurch die Tiere dann schwarz erscheinen würden. Diese Klügelei wird wohl heute niemand mehr ernst nehmen wollen. Eine andere Erklärung auf biologischer Basis wäre durch die bereits schon verschiedentlich betonte Tatsache (Keeble und Gamble, 23, 41 ; Fuchs, 21; Doflein, 14) möglich, daß die Pigmente Produkte des Stoffwechsels seien und durch besondere Stoffwechseländerungen z. B. zur Zeit der Geschlechtsperiode (Fuchs, 21, 22, Erklärung des Hochzeitskleides) besonders reichlich erzeugt würden. Außerdem kommt noch hinzu, daß die Pigmente auch als Teile eines Organ- systems funktionieren könnten, dessen Aufgabe es ist, dem Organismus einen Teil der strahlenden Energie zuzuführen, also als Sensibilisatoren zu dienen, der ohne diese Pigmente verloren gehen würde (Fuchs, 22). Aehnliche Gedanken hat, wie ich jetzt ersehe, schon Weber (95) ausgesprochen, indem er die Pigmente in den Dienst der Wärme- regulation poikilothermer Tiere stellte. Aber ich möchte gerade bezüglich der Rotfärbung der Tiefseefauna darauf hinweisen, daß diejenigen Strahlen, welche in die Tiefe gelangen, nur die längsten Wellenlängen haben können, für deren Absorption dann rot die ge- eignetste Färbung wäre, da sie natürlich auch am ehesten geeignet erscheint, die ultraroten Strahlen, die Wärmestrahlen, zu absor- Der Farbenwechsel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. 1305 bieren, über deren Vordringen in die Tiefe des Weltmeeres wir leider keine Kenntnis besitzen. Die interessanten Versuche von Chun über das Vordringen des Lichtes in die Wassertiefe können uns darüber keinen Aufschluß geben, weil Chun nur die chemisch wirksamen Strahlen mit der photographischen Platte prüfen konnte, die aber die kurzwelligen sind, welche am leichtesten durch die suspendierten Teilchen am Vordringen verhindert werden, wie die Entstehung der Himmelsbläue lehrt, während die roten Strahlen noch durch getrübte Medien hindurchgelangen können, worauf zum großen Teil die Rotfärbung des Abend- und Morgenhimmels mit- beruht. Allerdings kann das Vordringen dieser Strahlen nicht in große Tiefen reichen ; es ist daher von großer Wichtigkeit darauf hinzuweisen, daß nach Newbigin (69) die Rotfärbung der Tiefsee- crustaceen durch den Mangel an Kalksalzen bedingt sein soll, der die Bildung der orangefarbenen Kalkverbindung nicht eintreten läßt. Nach dieser allgemeinen Abschweifung wollen wir zum speziellen Verhalten des roten Pigmentes zurückkehren. Es ist beschrieben worden bei Branchipus (PoucHET, 75) in den Chroqjatophoren der Schwanzgegend, bei verschiedenen Daphnien, insbesondere sind die Siden des Bodensees rot gefärbt (Weismann, 96). Bei Caprelliden (P. Mayer, 58) findet sich ein äußerst fein verteiltes rotes Pigment, ferner von Isopoden bei Idotea (Matzdorff, 56; P. Mayer, 57), bei Trichoniscus roseus (Weber, 95), bei welch letzterem der diffus verteilte karminrote Farbstoff ölartige Beschaffenheit hat, der bei Zusatz von Kalilauge gelöst wird und sich mit Osmium schwärzt, weshalb ihn Weber für ein Fett hielt. Die My siden (Keeble und Gamble, 39, 41) besitzen gleichfalls rotes Pigment. Sehr sorgfältig untersucht wurde aber dieser Farbstoff bei verschiedenen Makruren, so bei Hippo- lyte (Keeble und Gamble, 39, 41, 43), wo er insbesondere mit dem Alter an Menge zunimmt, während junge Tiere wenig rotes Pigment besitzen. Eines der beliebtesten Untersuchungsobjekte stellt Palaemon = Leander dar, wo Pouchet (76) mehr- fache Modifikationen dieses Pigmentes erwähnt. Im gelösten Zustande ist es rosa oder rot, im gekörnten Zustand braun. Daß neben den rein röten Chromato- phoren auch solche mit Beimengung von Gelb und Blau vorkommen, hatten Keeble und Gamble bereits an Hippolyte und Palaemon (39, 41, 43) mehrfach beschrieben, genauer untersucht und sorgfältig abgebildet wurden aber die verschiedenen Chro- matophoren zuerst von Doflein (Fig. 32—36). Die Chrom atophoren von Leander treillanus scheinen vielfach rein rot zu sein, aber meist sind geringe Mengen von Gelb beigemischt, so daß Doflein die Frage, ob es in der Tat rein rote Chro- matophoren gibt, bei diesem Tier unentschieden läßt, weil geringe Spuren gelben Pigmentes sehr leicht von dem in großer Menge vorhandenen roten Pigment verdeckt werden können. In der Tat erwiesen sich die Chrom atophoren in allen genau unter- suchten Fällen als polychromatisch. Diese roten polychromatischen Chromato- phoren sind die zahlreichsten, über die ganze Körperoberfläche verteilt, an einzelnen Stellen, z. B. an den Antennen und Körperanhängen, oft lang bandförmig ausge- zogen, während sie auf den Körperflächen nach allen Seiten reich verzweigt sind. In rein roten Chromatophoren ist der Farbstoff in Tropfen oder Schollen vorhanden, er ist weniger flüssig als der gelbe Farbstoff. Die Hauptmasse des P^arbstoffes ist in eigenartigen homogenen Strängen vereinigt. Besonders dicht liegt das rote Pigment in den Chromatophoren von Leander xiphias, wo es im durch- fallenden Licht schwarz erscheint. Nach Fröhlich (19) soll um die roten Chro- matophoren von Palaemon stets eine gelbe Zone gelegen sein, die, wenigstens nach den Abbildungen dieses Autors, keinerlei Struktur aufweist. Da weder Keeble und Gamble diese homogene gelbe Zone erwähnen, so dürfte es sich wahrscheinhch nur 1306 R. F. Fuchs, Fig. 32. Leander treiUanus, stark lichtbrechende Chromatophoren bei auffallendem Licht, a fast rein weiß, b gelb und rot. (Nach DOFLEIN.) um einen Austritt von gelbem Pigment aus den gelben Chromorhizen handeln, welches das umliegende Gewebe diffus tingiert hat. Die Angabe von Franz (18) über das rote Pigment von Pandalus ist bereits früher erwähnt worden. Kotes Pigment bei Crangon erwähnen besonders Pouchet (76), sowie Keeble und Gamble (39, 43), doch sind die roten Chromatophoren weniger zahlreich als die gelben und violetten. Am längsten bekannt ist das rote Pigment der Astaciden. Schon Rathke (80) erwähnt das Rotwerden verschiedener Krebse nach Konservierung Der Farbenwechsel und die chromatische Hautfunktion der Tiere, 1307 \r ^//-rr^- ^^''S^' r Fig. 33. Fig. 34. Fig. 33. Leander treülanus. Monochromatische (?), rote Chroraatopliore. (Nach DOFLEIN.) Fig. 34. Leander xiphias. Rein gelbe Chromatophore. (Nach Doflein.) r/. .. Fig. 36. Fig. 35. Leander treülanus. Rotgelbe Chro- matophore mit reichlich Rot. Längsstreifung der Chromorhizen. (Nach DOFLEIN.) Fig. 36. Leander xiphias. Gelb-rot-blaue Chro- matophore. Netzbildung der Chromorhizen. Blauer Farbstoff in den Chromorhizen zum Teil in Schollen, außerdem im Gewebe zwischen den Chromorhizen. (Nach Doflein.) Fig. 35. 1308 ß. F. Fuchs, in Alkohol. Ferner berichten über die Eotfärbuug von Astacus und Eomarus FociLLON" (15), Lebeboullet (49), Valenciennes (93), Pouchet (76) ; nach letzterem Autor sind die großen roten Pigmentzellen in der Hypodermis sehr zahlreich, sie enthalten ein gelöstes oder sehr fein granuliertes Pigment, dessen Körnchen viel feiner sind als die des gleichzeitig vorhandenen schwarzen. Rotes Pigment wird ferner erwähnt bei Oalathea (Keeble und Gamble, 41), sowie bei vielen Brachy- uren, wovon ich nur Carcinus (Keeble und Gamble, 39, 41; Focillon, 15), so- wie Portunus (Keeble und Gamble, 39) nenne. Das chemische Verhalten des roten Farbstoffes der Crustaceen wurde zuerst von Pouchet (76) eingehender untersucht, weitere wesentliche Beiträge zu dieser Frage brachten besonders die Arbeiten von Heim (29) und Newbigin (69). Nach Heim ist der bei Crustaceen in der Hypodermis und den Eiern vorkommende rote Farb- stoff identisch mit dem roten Farbstoff des Blutes der Crustaceen, der von Heim in Uebereinstimmung mit Halliburton als zur Gruppe der Luteine oder Lipo ehr ome zugehörig betrachtet wird. Auch Newbigin rechnet das rote Pigment zu den Lipochrom en. Dieses rote Pigment wurde von v. Merejkowski (61) bei vielen Wirbellosen, aber insbesondere Crustaceen beschrieben und von ihm Tetronery- thrin bzw. Zoonerythrin genannt, ein Name, der gar nichts über die chemische Stellung aussagt und sicherlich eine Reihe sehr ver- schiedener chemischer Körper umfaßt, die eben nur die rote Fär- bung gemeinsam haben. Die physiologische Bedeutung dieses Farb- stoffes soll für die niederen Tiere dieselbe sein, wie die des Hämo- globins für die höheren. In Wasser ist das Pigment unlöslich (v. Mekejkowski, 61); in konzentrierter Schwefelsäure wird es grün, blau, violett und löst sich endlich vollkommen farblos (Pouchet, 76). Die Blaufärbung konnte auch manchmal mit Salpetersäure erzielt werden (v. Merejkowski, 61). In Alkohol, Aether, Schwefelkohlenstoff, Kreosot ist der rote Farbstoff löslich. Die so erhaltenen Extrakte sind orange bis rot ge- färbt, je nach dem Lösungsmittel und der Tierart. Die alkoholischen Lösungen werden durch konzentrierte Schwefelsäure blau gefärbt, rauchende Salpetersäure erzeugt eine vorübergehende Grünfärbung, dagegen bewirken andere Säuren, sowie Aetzkali und stark oxydierende Substanzen, sowie Jodjodkali keine Veränderung, so daß das rote Pigment als ein sehr beständiger Körper anzusehen ist. Es ist eine schwer reduzierbare Substanz, nur Wasserstoff in statu nascendi entfärbt sie langsam unter Zerstörung des Körpers, denn die dabei entstandenen Substanzen werden bei ihrer Oxydation nicht mehr rot (Heim, 29). Bei Behandlung der alkoholischen Lösung mit Soda (Newbigin, 69) fällt ein orangeroter Niederschlag aus, während die Lösung gelb wird. Aus der roten Kreosotlösung (Pouchet, 76) fällt Schwefelsäure einen grünlichen Niederschlag aus. Die Lösungen in Kreosot und Aether sind beständig und werden vom Licht nicht ver- ändert. Pouchet hat eine Reindarstellung des Pigmentes nach Ausfällung der Eiweißkörper durch Kochen oder andere Eingriffe ver- sucht, wobei die Gewebe mit einer kochenden Mischung von Alkohol und Aether behandelt wurden. Er erhielt auf diese Weise hexa- gonale Kristalle, die in Alkohol, Glyzerin unlöslich, wohl aber in Aether löslich sind. Beim Eindampfen einer Mischung von Alkohol und Aether, welche die Kristalle enthält, bekommt man ein orange- Der Farbenwechsel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. 1309 farbenes Oel und ein diffus rotes Pigment, letzteres ist in Aether oder Benzin löslich. Die Lösung erscheint im auffallenden Licht rot, im durchfallenden blau. Newbigin (69) hat durch ein Darstellungsverfahren, bezüglich dessen auf das Original verwiesen wird, das Pigment in reinem trockenem Zustand als ein rotes Pulver erhalten, das sich in Aether mit Orangefarbe löst, nach Verdampfen des Aethers kehrt die rote Farbe wieder zurück. Das gleiche gilt für die gelbe Lösung in Petroläther. Der Farbstoff ist in Eiweißlösungen leicht löslich. Im Gegensatz zu v. Merejkowski (61) gibt Newbigin an, daß durch Extraktion der Hypodermis von Homarus mit Wasser eine rote Lösung erhalten wird, die dunkler wird durch Hinzufügung einer Spur von Neutralsalzen, wodurch die Globuline in Lösung gehen ; endlich ist das Pigment in Lösungen, die Albuminate enthalten, löslich. Das rote Pigment, welches von Moseley als Cr ustacoerubin bezeichnet worden ist, ist in seinen orange oder roten Lösungen farb- unbeständig. Das trockne Pigment färbt sich mit Schwefel- und Salpetersäure stark blau, welche Farbe gleichfalls unbeständig ist. Die Verbindungen des Pigmentes mit Na. K, Ca, Ba, Mg sind orange gefärbt, sie sind unlöslich in kaltem Alkohol, jedoch löslich in Aether, Petroläther und Benzol. In alkalischen Lösungen sind sie unlöslich, dagegen leicht löslich in Eiweißlösungen, aus denen sie durch alle Eiweiß fällenden Substanzen niedergeschlagen werden. Obzwar das rote Pigment in Fetten löslich ist, so scheint es doch bei den von Newbigin untersuchten Crustaceen nicht in Verbindung mit Fett vorzukommen. Verdünnte Lösungen zeigen ein Absorptions- band bei der Linie F; durch Hitze nimmt das Pigment eine gelbe Farbe an. Mit Rücksicht auf die Verbindungen des roten Pigmentes mit Alkalien und alkalischen Erden, die orange gefärbt sind, erklärt Newbigin die rote Farbe der Tiefseecrustaceen rein chemisch dadurch, daß bei diesen Tieren, die nur wenig Kalk in ihren Schalen haben, die ursprünglich rote Farbe erhalten bleibt, weil die orangefarbenen Kalk- verbin düngen sich nicht bilden können. Obzwar das gelbe Pigment bei Crustaceen ebenfalls sehr häufig ist, so tritt doch seine Menge gegenüber den anderen Farbstoffen, insbesondere gegenüber den roten wesentlich zurück, ja es gibt Tiere, wie z. B. Galathea, bei denen das gelbe Pigment vollständig fehlt mit Ausnahme eines kleinen maxillaren Zentrums (Keeble und Gamble, 39). Besonders erwähnt wird gelbes Pigment bei folgenden Crustaceen: Branchipus (PoucHET, 75), Daphniden, Polijphemus oculus O. F. Müller (Weismann, 96), Caprelliden (P. Mayer, 58), Plironima sedentaria (Mixkiewicz, 63), Idotea (Matzdorff, 56; Bauer, 1), Squilla (Pouchet, 76), Mysiden (Keeble und Gamble, 39, 43), Hipjjohjte (Pouchet, 76; Keeble und Gamble, 23, 39, 43), Palaemon = Leander (Pouchet, 76; Keeble und Gamble, 23, 39, 43), Crangon (Pouchet, 76; Keeble und Gamble, 39, 43), Pandalus (Franz, 18), Homarus (Pouchet, 76; Newbigin, 69), Nephros norwecjicus (Newbigin, 69; Keeble und Gamble, 39), Palinurus (Focillon, 15), Galathea (Keeble und Gamble, 39), Pagurus (Pouchet, 76), Carcinus und Portunus (Keeble und Gamble, 39, 41). Ferner hat Doflein (13) bei einigen Brachyuren der Tiefsee gelbes Pigment erwähnt. 1310 R. F. Fuchs, Die Chromatophoren , welche das gelbe Pigment enthalten, sind zweierlei Art, einmal Zellen, die sich durch ihre besondere Größe aus- zeichnen und einen rundlichen Kern haben, wie z. B. bei Orangon (Pouchet, 7t)) und an den Seiten der Abdominalringe von Palaemon (Pouchet, 76; Doflein, 14). Auch Keeble und Gamble (43) erwähnen, daß in den aus mehr als einer Zelle zusammengesetzten Chromatophoren von Hijypolyte gaimardi stets zweierlei Zellen vorhanden sind, die kleineren enthalten das rote, die größeren das gelbe Pigment. Die andere Art von gelben Chromatophoren ist von Pouchet (75) bei Brafichipus beschrieben worden. Diese Zellen sind seür klein und schwer zusehen, sie bilden ein Netzwerk, „in dessen Maschen die großen Kerne der Hypodermiszellen liegen", was wohl nur so zu verstehen ist, daß sie die Hypodermiszellen vollkommen um- spinnen. Gelbe Chromatophoren finden sich vereinzelt an verschiedenen Stellen des Körpers, reichlich hingegen im Magen, der Leber und dem Darm der Crustaceen (Keeble und Gamble, 39, 41), wo es allerdings durch das oberflächlich gelegene braune Pigment fast ganz verdeckt wird, ferner finden sich gelbe Chromatophoren in großen Mengen an den Thoracalbeinen von Leander treülanus (Doflein, 14). Das Pigment selbst ist in verschieden großen Körnern in den Zellen enthalten (Pouchet, 76; Doflein, 14), die so verteilt sind, daß die größeren Partikel im Zentrum, die kleineren in den Fortsätzen liegen ; manchmal liegen auch große Farb- stoffklumpen ganz vereinzelt zwischen den Fortsätzen. In feinster Verteilung er- scheint der Farbstoff als feines Pulver. Während Keeble und Gamble (39, 41) den gelben Farbstoff als kristallinisch beschreiben, nimmt Doflein (14) einen flüssigen Aggregatzustand an, indem er die großen Teilchen als Tropfen be- zeichnet. Sie fließen auf Druck mit anderen, auch feineren Teilchen zu großen Tropfen zusammen. Große Tropfen sind dunkeiorange, kleine blaßgelb und bei feinster Verteilung durchscheinend oder durchsichtig, so daß sie kaum sichtbar sind. Es ist möglich, daß bei LeawfZer die gelben Chromatophoren die einzigen mono- chromatischen sind. An den polychromatischen Chromatophoren zeichnen sich die gelben Chromorhizen dadurch aus, daß sie länger sind als die roten. Die gelben Chromatophoren zeigen unter verschiedenen Bedingungen Expansion und Retraktion des Pigmentes, doch sind diese Pigmentbewegungen nicht gleichgerichtet mit jenen der roten (Pouchet, 76), das gelbe Pigment reagiert bei Macromysis weniger stark auf Reize, welche das dunkle Pigment aus- breiten, dagegen soll es bei Hippolyte rascher auf Licht reagieren als das rote (Keeble und Gamble, 39, 41). Gelbe Oeltropfen wurden von Matzdoeff (56) bei Idotea beschrieben, während Pouchet (76) bei Crustaceen ganz allgemein stark glänzende gelbe Tropfen erwähnt, die im Gewebe liegen, ohne sich über die nähere Natur dieser Tropfen aus- zusprechen. Endlich wäre noch der diffuse gelbe Farbstoff in der Umgebung der roten Chromatophoren von Palaemon zu erwähnen, den Fröhlich (85) be- schreibt. Ueber das c h e m i s c h e V e r h a 1 1 e n des g e 1 b e n P i g m e n t e s liegt außer einigen Bemerkungen von Pouchet (76) nur die Arbeit von Newbigin (69) vor. Das schwer rein darzustellende Pigment ist leicht löslich in Aether, dagegen nur wenig in kaltem Alkohol und Petroläther. Beim Verseifen der Lösungen bleibt das Pigment im Alkali und wird von- diesem weder durch Hinzufügen von Salzen noch durch Ansäuren getrennt. Durch Hinzufügen von Säuren entsteht eine braune Färbung, aber kein Niederschlag. Im trockenen Zustand ist es gelb gefärbt, gibt mit Schwefel- oder Salpetersäure keine Blau- Der Farbenwechsel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. 1311 färbung, wohl aber mit Salpetersäure Grünfärbung; bei geringen Pigmentmengen wird es orange. Es handelt sich dabei offenbar um eine Oxydation. Dieses gelbe Pigment hält Ne\vbigin im Gegensatz zu Keeble und Gamble, die allerdings keine chemischen Unter- suchungen angestellt haben, nicht für ein Lipochrom, sondern es ist identisch mit dem gelben Pigment der Leber, dem Hepato- chrom, welches als die Stamm Substanz aller Crusta- ceenpigmente anzusehen ist. Das Hepatochrom kann in das bereits vorhandene rote Lipochrom übergehen. Nach Newbigin könnte vielleicht das gelbe Pigment ein U m w a n d ! u n g s - produkt des roten sein; diese Vermutung begründet Newbigin mit dem Hinweis, daß viele Crustaceen in der Dunkelheit rot, im Licht gelb sind. Uebrigens hat auch Faxon die gelben Flecke, welche Tiefseecrustaceen zeigen, als Lichteiuwirkungen auf das rote Pigment gedeutet. Obwohl dieser Farbenwechsel im Dunkel gar nichts für Newbigins Annahme beweist, denn es gibt rein gelbe Chromato- phoren, als auch rote und gelbe Chromatophoren, wo im Licht das Rot bedeutend überwiegt, so kann doch diese Vermutung Newbigins richtig sein; denn für die nahen Beziehungen zwischen rotem und gelbem Farl3stoff sprechen vor allem Dofleins (14) Befunde, daß gelber Farbstoff in allen genau untersuchten roten Chro- matophoren angetroffen wurde; ferner hält auch Megusar (59) das gelbe Pigment für ein Umwandlungsprodukt des roten. Viel besser durchforscht als die Beziehungen zwischen dem gelben und roten sind jene zwischen dem roten und blauen Farbstoff, welche eines der interessantesten Kapitel d^r Physio- logie der tierischen Färbung darstellen, obgleich auch hier unsere Kenntnisse noch nicht über gewisse Anfangsstadien hinaus gelangt sind, und noch manche Widersprüche zwischen den einzelnen Autoren zu klären sind, welche vor allem zum großen Teil dadurch herbei- geführt worden sind, daß es offenbar verschiedene blaue Sub- stanzen gibt, die nicht immer streng auseinandergehalten worden sind, und daß vor allem die periodische Blaufärbung, welche manche Crustaceen zur Nachtzeit zeigen (Keeble und Gamble, 41) den früheren Autoren unbekannt war. Der blaue Farbstoff ist bei Crustaceen in zwei Modifikationen vor- handen, entweder diffus oder in Form von Körnchen. Dieser körnige Farbstoff wurde zuerst bei einer ßeihe von Crustaceen, Astaeus, Hoinarus, Carcinus u. a. von FociLLON (15) als ein kristallinisches Pigment beschrieben, das durch Säuren, auch Magensaft, Alkohol, sowie Kochen sich rot färbt. Dieses kristallinische Pigment ist später von Poüchet (75) bei Branchipus wiedergefunden und ausführlich be- schrieben worden. Die Kristalle haben verschiedene Größe, die größten sind 6 \i breit und 8 fj. lang, doch sind sie meist kleiner, manchmal sogar kaum wahrnehmbar. Sie sollen nicht in anatomischen Gebilden eingeschlossen sein, sondern nur die Protoplasmasubstanz der Chromatophoren äußerlich „bekleiden". Manchmal liegen sie zerstreut, manchmal sehr dicht, wie in der Wand des Verdauungstraktes. Hier scheinen sie auf der Oberfläche der Muskulatur zu liegen ; ferner sollen sie im Myolem quergestreifter Muskeln vorkommen. Es sind rhombische Kristalle. Aehn- Hche kristallinische Körper von etwas unregelmäßigerer Gestalt wurden von Pouchet auch in der Hypodermis der Krabben, besonders im Cephalothorax, den Abdominal- ringen und Schwanzplatten gefunden und ,,Cörulin körner" genannt. Bei Astaeus sind diese Körner entweder um die Kerne der Hypodermiszellen gelagert oder in 1312 R. F. Fuchs, runde oder längliche Zellen eingeschlossen, deren Kerne nach Entfärbung des Pig- mentes durch Schwefelsäure sichtbar werden. Auch Lereboullet (49) erwähnt bei Astacus blaue runde Hypodermiszellen, ohne aber über die Struktur des Farbstoffes Angaben zu machen. Palaemon hat nach Pouchet (75) keine Cörulinkörner. Die Anwesenheit von blauem Pigment in den Chromatophoren von Hippolyte haben Keeble und Gamble (39, 41, 43) mehrfach beschrieben, und zwar findet es sich zur Nachtzeit in einzelnen Fortsätzen der roten Chromatophoren als ein körniges Fett. Bei grün und braun gefärbten Hippolyten ist aber auch in den polychromen Chromatophoren ein blaues Tagpigment vorhanden, welches von der roten und gelben Substanz vollkommen getrennt ist und in seinen Bewegungen gänzlich unabhängig vom roten Pigment ist, es ist un- empfindlich gegen Licht und bleibt dauernd expandiert. Ferner entspringen bei Hippolyte aus Zweigen, die rotes Pigment enthalten, kleine mit blauem Pigment erfüllte Bläschen. Bei Palaemon = Leander wurde in den Chromatophoren neben rotem und gelbem auch blaues Pigment von Keeble und Gamble (43), sowie von DoFLEiN (14) beobachtet, so daß Pouchets Angabe, Palaemon enthalte kein blaues Pigment innerhalb der Chromatophoren, entschieden unrichtig ist. Nach Doflein (14) ist bei Leander treillamis sehr selten blaues Pigment in den Chromatophoren erkennbar, aber hin und wieder finden sich einzelne blaue Chromorhizen von plumper Gestalt, dagegen ist bei Leander xiphias das blaue Pigment häufiger innerhalb der Chromatophoren in Form eines feinen Pulvers zu finden. Eine andere Modifikation des blauen Farbstoffes, welche haupt- sächlich bei Palaemon von Pouchet (75) und Doflein (14) beobachtet wurde, kommt in Tropfen und Schollen von verschiedener Größe außerhalb der Chromato- phoren im Gewebe vor. Endlich ist ein diffuses Pigment gelöst in der Schale und der Hypodermis vorhanden, das bei Homarus, Astacus, Palaemon, Hippolyte, Carcinus beobachtet worden ist. Obgleich i¥acrow?/s^s und andere Mysi den kein blaues Pigment in den Chromatophoren besitzen, so nimmt das Tier in seinen Geweben eine diffuse blaue Nachtfärbung an (Keeble und Gamble, 41). Zu welcher Art von blauem Pigment die vielfachen blauen Färbungen der Daphniden gehören, ist leider aus Weismanns Darstellung nicht ersichtlich. Das blaue Pigment fehlt vollkommen bei /f?o ;- • >'■ .N^ • »■ <■.—■■•■;, ,v*- ■ .^.»^.V '•¥•5 ,>-i -.t "=-< Fig. 41. Leander serratus. Zunahme des Fettes iu den intercellulären Hautmascheu im Laufe des Tages, a 8 Uhr morgens Masehenwerk hell, fettfrei; b 11 Uhr vormittags mäßige Fettmengen iu den Hautmaseben ; c 3 Uhr 30 Minuten nachmittags viel Fett in den Maschen, linke Hälfte hohe Einstellung des Mikroskopes , rechts tiefe Einstellung. (Nach Bauer.) Fett, indem an hungernden Tieren der blaue Farbstoff verschwindet, ebenso nimmt der Fettgehalt der Hautepithelzellen ab, bis sie allmählich ganz fettfrei werden. Die Rolle, welche die Chromatop hören bei der Ueberführung der blauen Substanz in Fett spielen, ist die eines Farbfilters, indem das gelbe Pigment die für die blaue Substanz vorwiegend wirksamen Strahlen allein durchläßt, während das rote Pigment deren Wirkung abschwächt. Die Pigmentverteilung (Expansion und Retraktion) wird durch die Intensität der Beleuchtung vom Auge aus reguliert, so daß dadurch der Farbstoffwechsel geregelt wird. Eine Fettsynthese innerhalb der Chromatophoren bestreitet Bauer, obwohl auch er zugibt, daß der blaue Farbstoff in Form von Klumpen in den Chromatophoren selbst gefunden werden kann. Es läßt sich auch auf Grund der BAUERSchen Anschauung verstehen, daß bewegliches Fett in den Chromatophoren gefunden wird, da bei ge- nügender Beleuchtung auch der blaue Farbstoff innerhalb der Chromatophoren in Fett umgewandelt wird. Der Farbenweclisel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. 1321 D, Die Pigmentverschiebungen innerhalb der Chromatophoren. Wir wenden uns nun den Bewegungen des Pigmentes zu, wobei die Frage nach den Triebkräften der Pigm entVerschiebungen diskutiert werden muß. Vor allem haben wir die Frage zu beant- worten, sind die Chromatophoren der Crustaceen amöboide Zellen mit einer eigenen Motilität, oder sind die Zellen selbst in ihrer Form insofern unveränderliche Gebilde, daß ihnen eine aktive Beweglichkeit fehlt? Zunächst soll das Beobachtungs- material aufgeführt werden. Die Formänderungen, die das mikroskopische Bild der Chromatophoren je nach dem Expansionszustande des Pigmentes auf- weisen kann , wechseln von punktförmigen , runden oder unregel- mäßig begrenzten kleinen Flecken bis zu reich verzweigten Ge- bilden , deren Fortsätze mit denen benachbarter Zellen so innig verschmolzen sind, daß eine Diskontinuität nicht sichtbar ist. Ver- schiedene Expansionsphasen sind von Matzdorff (56), sowie Bauer (1) bei Idotea abgebildet worden (Fig. 42 — 44), doch sind die ex- tremsten Expansionen seltener, meist sind mittlere Grade zu beob- achten. Die Zahl und Form der Ausläufer ist verschieden, die Aeste können, wie bereits erwähnt, an einer Seite sehr reich entwickelt sein, während sie an der anderen Seite ganz fehlen oder nur spärlich sind. Die Ausläufer können sich sogar bis in die Epidermis er- strecken, obwohl die Pigmentzellen den tieferen Lagen der Hypodermis angehören, ebenso können auch tiefer gelegene Gebilde wie die Muskeln von ihnen noch umsponnen werden. Die Schnelligkeit, mit der die P'orm Veränderung vor sich geht, ist eine ziemlich große, wenn auch bei verschiedenen Tieren sehr verschieden. Sie wurde zu- erst von Saks (86) an Mysis flexuosa beobachtet. Nach Matzdorff (56) soll die Dauer der Expansion und Retraktion der Chromato- phoren gleich lang sein, doch ist die Geschwindigkeit, mit der die verschieden gefärbten Chromatophoren desselben Tieres ihre Ex- pansion und Retraktion ausführen, sehr verschieden. So sollen nach Matzdorff (56) die weißen Chromatophoren von Idotea wesentlich langsamer als die dunklen reagieren, obgleich auch die weißen vom Zustande stärkster Retraktion in den stärkster Expansion übergehen können. Doflein (14) hat bei Leander die Pigmentverschiebung mikroskopisch verfolgen können, doch war sie an diesem Objekt nie- mals rasch. Bei der Expansion ändert sich nicht nur das Aussehen der Zelle derart, daß die früher nicht sichtbaren Aeste hervortreten, son- dern auch die Konfiguration des Pigmentes selbst weist Veränderungen auf (Keeble und Gamble, 43). Die Pigmente bilden bald feine Körnchen in den Zweigen der Chromatophoren und lassen die Mitte der Zellen frei, oder sie ziehen sich zu einzelnen von- einander getrennten Schollen in den Chromatophorenzentren zusammen, wobei die verschiedeneu Pigmente ihre eigene Art der Bewegung auf- weisen und auf einen gegebenen Reiz verschieden reagieren. Während der Expansion strömt das Endoplasma, welches das Pigment enthält, von den zentralen Zellen in die Zweige aus, bei der Retraktion kehrt sich die Richtung der Strömung um, dabei können beim Rück- strömen des Pigmentes in das Zentrum einzelne Farbstoffkörnchen in 1322 R F. Fuchs, sr<^-e ,» 4 © Fig. 42. ?t -cÄ ß% ■■i>' ö /^ "\ \ Fig. 44. Fig. 43. Fig. 42. Idotea t7-icuspidata. Hraitstück mit Chromatophoren. ch geballte Chro- matophoren, a maximale Ballung, n Kerne der Hypodermis. (Nach Matzdorff.) Fig. 43. Idotea tricuspidata. Expandierte Chromatophoren, bei denen sich die Ausläufer berühren, a "Verschmelzungspunkt zweier Ausläufer, b Ausläufer über anderen Teilen der Chromatophoren gelegen, c ein zwischen Chromatophoren gelegener Ausläufer. (Nach Matzdokff.) Fig. 44. Idotea tricuspidata. Maximal expandierte Chromatophore. n Zellkern. (Nach Matzdorff.) den sonst von Pigment leer gewordenen Zweigen haften bleiben. Solche Pigmentströmungen konnten von Gamble und Keeble (23) auch noch nach dem Tode des Tieres beobachtet werden. Außerordentlich sorgfältig hat Degner (11) die Pigment Ver- schiebungen an den einzelnen Chromorhizen untersucht. Von der zentralen Pigmentmasse rücken einzelne Pigmentkörner in die Chromo- rhizen ein, an denen nun die Achsenstränge deutlich hervortreten. Die Pigmentkörner wandern erst einzeln, dann zu mehreren hinter- Der Farbenwechsel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. 1323 \ / :^-: II Fig. 46. Fig. 45. Stück einer Chromorhize mit strömenden Pigmentkörnchen. Die großen Pfeile geben die allgemeine Richtung der Strömung an, die kleinen die einzelner Körnchenreihen. (Nach Degner.) Fig. 46. Endplatte einer Chromatophore vom Augenstiel. Die Pfeile geben die Bewegungsrichtung der Körnchen an. (Nach Degner.) einander, schließlich in langen, fast ununter- brochenen Reihen, sich streng an die Achsen- stränge haltend (Fig. 45). Dabei ist aber I» die Bewegung an den verschiedenen ^1 Stellen der Chromorhize sehr ver- o' schieden. „Einzelne Reihen gleiten leb- hafter als dicht benachbarte, sie überholen sie bedeutend , bis ihre Schnelligkeit plötzlich ohne sichtbaren Grund sich verlangsamt; dann geraten sie ins Stocken , bleiben stehen, rücken wieder vor." Auch noch viele andere Veränderungen der Geschwindigkeit des Vor- rückens der Pigmentkörner wurden beob- achtet. Ja, an einzelnen Stellen kommt es pj ^- sogar zu rückläufigen Bewegungen. ^^' ' Die Achsenstränge scheinen die Bewegungen zu beschleunigen. In den Endverbreiterungen der Chromorhizen werden die Bewegungen der Pigmentkörnchen vollkommen ungerichtet, wie aus den Pfeilen der Fig. 46 zu ersehen ist. Auf Grund dieser Beobachtungen kommt Degnep. zu dem Resultat, daß bei der Ex- pansion der Chromatophore nur eine Pigmentverschiebung, aber keine am öboide Bewegung vorhanden ist. Die Kräfte, welclie eine solche Aenderung der Pig- mentverteilung bewirken können, können sehr verschieden 1324 ß. F. Fuchs, sein. Zuerst dachte man an eine Gestaltsveränderung der Zelle selbst, die nach Art der Amöben Pseudopodien auszusenden vermag, wie PoucHET (76) annahm, welcher sowohl die Expansion als auch die Retraktion als aktive Vorgänge ansieht. Ihm schließt sich auch Matzdorff (56) an, der annimmt, daß die retrahierte Form der Chromatophoren den Ruhezustand und die Expansion die aktive Phase der Zelle darstelle. Die amöboide Natur der Zellen gehe vor allem daraus hervor, daß bei nacheinanderfolgenden Ex- pansionen die Form der Zelle, Zahl und Anordnung ihrer Ausläufer verschieden sein können und niemals pigmentfreie Aeste gefunden worden sind. Die Zellen senden ihre Ausläufer nach der Seite des geringsten Widerstandes, ohne bestimmte Bahnen. Selbst wenn diese an Idotea erhobenen Befunde für dieses Tier allgemein zutreffen sollten, so können sie nicht auf andere Crustaceen übertragen werden, weil andere Forscher gerade gegenteilige Beobachtungen gemacht haben. Aber auch für Idotea kann aus den MATZDORFFSchen Beobachtungen noch kein Schluß auf die amöboide Natur der Zellen abgeleitet werden, denn welchen Beweis kann Matzdorff dafür erbringen, daß in den aufeinanderfolgenden Expansionen der Chromatophore die Intensität der Expansion immer die gleiche war, so daß nicht nur eine wechselnde Anzahl von Fortsätzen mit Pigment ge- füllt wurden? Nur wenn es möglich wäre, bei einer sicher mehrmals hintereinander maximal expandierten Chromatophore verschie- dene Anordnung der Verzweigungen zu zeigen, dann wäre dieser Schluß zulässig. Dieser Beweis ist bisher nicht erbracht worden und dürfte schwerlich zu erbringen sein. Neuerdings hat auch Minkiewicz (63) wiederum die amöboide Natur der Crustaceenchromatophoren auf Grund von Beobachtungen an Phronima verteidigt. Ja, er will sogar einen neuen Beweis dafür erbracht haben, der, wenn er zwingend wäre, allerdings für die embryonalen Chromatophoren einen Orts- wechsel veranschaulichen würde, indem die Chromatophoren vom Orte ihrer Entstehung (der Magenfalte) längs den Nervenstämmen aus- wandern. Aber die Bilder, die Minkiewicz für diese aktive Wan- derung der Chromatophoren als Beleg beibringt, können niemanden, außer Minkiewicz selbt, davon überzeugen, daß die Chromatophoren- verteilung im sich entwickelnden Organismus durch aktive Wan- derung der Chromatophoren erfolgt ist. Solange Minkiewicz oder irgendein Autor nicht direkt das Weiter kriechen an einer und derselben Chromatophore gesehen hat, kann die aktive Ortsveränderung der Chromatophoren nicht als erwiesen gelten; und dieser Beweis ist bisher noch nicht erbracht worden. Ich möchte noch erwähnen, daß Minkiewicz außerdem unabhängig von den amöboiden Bewegungen eine Bewegung der Pigmentkörnchen in der Zelle annimmt. Wenn wir also alles zusammenfassen, so müssen wir sagen: bisher ist kein bindender Beweis dafür erbracht worden, daß die Chromatophoren der Crustaceen amö- boide Zellen sind. Eine andere Erklärungsmöglichkeit könnte diskutiert Averden im Hinblick auf die von Keeble und Gamble (41) gegebene Abbildung einer Chromatophore aus dem Telson von Macromysis ßexuosa (Fig. 28). Man könnte die fibrillär gestreiften Fortsätze, welche sich mit einem kernhaltigen Teil an dem durch eine Membran abgegrenzten Teil des Chromatophorenkörpers ansetzen, für Muskeln halten, wie die Der Farbenwechsel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. 1325 Radiärfasern der Cephalopodenchromatophoren. Eine solche Deutung dieser scheinbar cellulären Gebilde ist nicht a limine von der Hand zu weisen, denn man muß bedenken, welchen Aufwand an Arbeit es kostete, bis die muskuläre Natur der Radiärfasern sichergestellt wurde. Wir kennen bis heute keine einzige Tatsache, die für eine solche Deutung sprechen würde, außer einer gewissen morphologischen Aehnlichkeit , es sind niemals F o r m v e r ä n d e r u n g e n dieser verzweigten Fortsätze beobachtet worden, welche einen Kontraktionsakt derselben wahrscheinlich machen, und endlich ist durch die Beobachtungen von Franz (18) über das Stäbeskelett und von Degner (U) über die Achsenfäden eine andere Erklärung der fibrillären Struktur möglich, als daß wir sie auf eine kontraktile Sub- stanz beziehen müßten, wozu ja überhaupt das Vorhandensein fibril- lärer Strukturen kein genügender Grund ist. Alles in allem ist die Möglichkeit, daß Muskelkräfte bei dem Expansions- und Koutraktions- akt der Crustaceenchromatophoren im Spiel sein könnten, höchst un- wahrscheinlich, ja so gut wie ausgeschlossen. Es bleibt uns nur noch eine dritte Möglichkeit übrig, die Pig- mentbewegung zu erklären, nämlich die, daß das Pigment sich in präformierten Bahnen bewegt infolge von Plasma- strömungen, welche in der Zelle auf eine, wenn auch noch nicht näher gekannte, Weise erzeugt werden. Welche Beobachtungen lassen sich nun für diese Annahme anführen? Keeble und Gamble (41) sowie Degner (11) haben bei Macromysis flexuosa beobachtet, daß nach wiederholten Reizungen stets die gleichen Zen- tren und Fortsätze zu sehen waren, und halten diese Beobachtung für beweisend, daß das Pigment sich in präformierten unveränderlichen Bahnen bewege. Ich kann die Bündigkeit dieses Schlusses nicht anerkennen; wenn ich auch an der Richtigkeit dieser Beobachtung nicht im geringsten zweifle, so liegt doch auch eine andere Erklärungsmöglichkeit der Beobachtung vor. Da die Chromatophoren nicht in einem mit Flüssigkeit erfüllten Hohlraum, sondern zwischen den Gewebszellen gelegen sind, so stehen der Aussendung von Pseudopodien nur die Intercellular- räume der benachbarten Gewebe zur Verfügung. Solange sich aber diese in ihrer Konfiguration nicht ändern, muß bei einer gleich inten- siven Expansion oder Retraktion immer das gleiche Bild der Anord- nung der Pseudopodien entstehen, solange wir nicht annehmen wollen, daß die Pseudopodien die Zellen der Umgebung selbst durchsetzen. Es kann also die Konstanz der Konfiguration der Chro- matophoren nicht als Beweis gegen ihre amöboide Natur angesehen werden. Dagegen scheint die von den englischen Autoren geraachte Beobachtung, daß bei polychromen Chromato- phoren die verschiedenfarbigen Pigmente an bestimmte Fortsätze gebunden sind, so daß ein und dasselbe Pigment sich nur immer in den bestimmten Fortsätzen hin und her bewegt, sehr entschieden gegen die amöboide Natur der Chromato- phoren zu sprechen. Denn die Anhänger der Amöbentheorie müßten zu außerordentlich gekünstelten Hilfshypotheseu ihre Zuflucht nehmen, um diese Erscheinung zu erklären. Aber ihnen bleibt ein anderer Ausweg off'en, indem sie die feste Struktur für die polychro- ma tischen Chromatophoren, die diese Konstanz aufweisen, zugeben, für die monochromatischen als nicht bewiesen gelten lassen, 1326 ß. F. PucHs, weil ja auch sonst große Strukturverschiedenheiten vorhanden sind, so daß es wohl neben amöboiden Chromatophoren auch solche geben könnte, bei denen die Pigmentströmung innerhalb fester Bahnen statt- findet, da doch verschiedene Autoren, ich nenne nur Leydig, Bieder- mann und POUCHS, an Amphibien (siehe diese) und anderen Tieren echte Chromatophoren beobachtet haben , deren Pigment im Gegen- satz zu allen anderen Chromatophoren der Umgebung sich nicht an der allgemeinen Reaktion beteiligte. Uebrigens hat neuer- dings DoFLEiN (14) bei einigen Crustaceen (Äcanthephyra, Gennandas, Sergio) rote Chromatophoren beobachtet, welche während der ganzen Dauer der Beobachtung keine Zeichen von Pigmentbewegung erkennen ließen, und Minkiewicz (63) erwähnt, daß es ihm bei Phronima nicht gelungen ist, die expandierten Chromatophoren durch Licht oder andere Mittel zur Retraktion zu bringen. Gegen die amöboide Natur wurde von Franz (18) die Vielkernigkeit der Chromatophoren angeführt, aber diesem Argument fehlt jede Beweis- kraft , da doch bei Rhizopoden , also Tieren , welche zweifellos Pseudopodien aussenden, eine Vielkernigkeit bekannt ist. Schwerer- wiegend ist dagegen als Gegenbeweis das Vorhandensein des Stäbeskelettes anzusprechen, aber auch dieses würde eine Aus- sendung von Pseudopodien nicht unmöglich machen, da ein solches bei den Foraminiferen und anderen Radiolarien bekannt ist. Endlich hat Franz auch die fibrilläre Struktur der Fort- sätze als unvereinbarlich mit ihrer amöboiden Natur angesehen, auch dieser Gegenbeweis ist nicht absolut bindend. Als weitere Be- weise gegen die amöboide Natur der Chromatophoren wurde von Keeble und Gamble sowie von Franz das Zurückbleiben von Pigmentresten in einzelnen Chromatophorenästen sowie die Sichtbarkeit pigmentfreier Verzweigungen angeführt. So beweiskräftig diese Beobachtungen auf den ersten Blick erscheinen könnten, so sind sie es doch nicht. Denn pigmentfreie Fortsätze sind nicht immer zu sehen, da Keeble und Gamble erwähnen, daß sie bei Macromysis flexuosa und inermis während des Lebens zu sehen sind, aber bei Hippolyte nicht zu beobachten waren. Auch Degner (11) gibt an, daß vollständig pigmentfreie Fortsätze an Fraunus nicht zu sehen sind. Man könnte zu der Hilfshypothese Zuflucht nehmen, daß sie bei Hippolyte zu fein sind, um ohne Pigment erkannt zu werden. Uebrigens läßt sich das Vorhandensein von pigmentfreien Fortsätzen oder Pigmentresten in ihnen nach Biedermann (8) ganz gut mit der amöboiden Natur der Zellen vereinbaren, wenn man an- nimmt, daß das Pigment in einem Cytoplasma sich vorwärts bewegt, daß aber das letztere sich langsamer bewege als das Pigment selbst, und daß die Bewegung desCytoplasmas erst einen gewissen Grad erreicht haben muß, bevor das Pigment in die bereits ausgestreckten Fortsätze hineinströmt. Diese Annahmen sind keineswegs haltlose Hypo- thesen, sondern haben manche Analoga in den Protoplasmabewegungen der Einzelligen. Wenn wir alles Für und Wider sorgsam abwägen, so können wir nur sagen, daß einzig und allein das Verhalten der poly- chromatischen Chromatophoren die Annahme unwahr- scheinlich macht, daß die Chromatophoren amöboide Zellen seien, alle übrigen angeführten Gründe sprechen nicht Der Farbenwechsel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. 1327 absolut gegen den amöboiden Charakter der Pigmentzellen bei den Crustaceen, so daß ein bindender Beweis erst noch erbracht werden muß. Der strenge Kritiker wird die Frage wenigstens für die mono- chromatischen Chromatophoren unentschieden ansehen, obgleich die Wahrscheinlichkeit dafür spricht, daß sich das Pigment in prä formierten Bahnen bewegt. Wahrscheinlich sind die Pigmentbewegungen durch Strömungen hervorgerufen, welche nach Keeble und Gamble durch eine Turgeszenzänderung der zentralen Teile der Chromatophore entstehen. Daß solche Schwankungen in der Tat vorkommen, haben die englischen Autoren an den Chromatophoren alter Mysiden gesehen, bei denen manchmal Endigungen der Chromatophorenzweige bersten, und das Pigment sich in die umgebenden Gewebe ergießt. Diese Turgor- schwankungen können herbeigeführt werden durch das Licht und unter dem Einfluß des Nervensystems. Daß erhebliche Turgor- Schwankungen auf äußere Reize erfolgen können, ist bei Pflanzen wohlbekannt, ich nenne nur die Blattbewegungen von Mimosa pudica und die Turgorveränderungen der chlorophylhaltigen Zellen um die Stomata, welche durch Licht hervorgebracht werden. Man könnte natürlich auch den Turgorschwankungen der die Chromatophoren umgebenden Zellen einen Einfluß auf die Pigmentbewegungen zuschreiben, da ja auch dann rein passiv Konfigurationsänderungen der Zelle mit verschiedener Pigmentverteiluug entstehen müßten, in- dem bei einer derartigen Verkleinerung der Intercellularlücken das Pigment aus den Fortsätzen in die Zentra gepreßt würde, um bei Nachlassen des Gewebsturgors wieder in die Fortsätze auszuströmen. Ob solcherweise entstandene Strömungen praktisch vorkommen, wissen wir nicht, aber ihre theoretische Möglichkeit muß zugegeben werden. E. Nervenendigungen an den Chromatophoren. Da alle Autoren, gleichgültig wie sie sich auch den Mechanismus der Pigmentverschiebung in der Zelle denken, annehmen, daß die Impulse dazu den Chromatophoren auf dem Wege der Nervenbahn zugeleitet werden, so haben wir zunächst die anatomische Voraus- setzung dieser Anschauung zu untersuchen, indem wir fragen: welche anatomischen Verbindungen lassen sich zwischen den Nerven und den Chromatophoren nachweisen? Während wir über die Nervenendigungen an den Chromatophoren der Cephalopoden bereits gut unterrichtet sind, muß unsere Kenntnis von den Nerven- endigungen an den Crustaceenchromatophoren als eine sehr mangel- hafte bezeichnet werden, da es sich immer nur um gelegentliche Be- funde bei anderen Fragestellungen handelt, die Frage selbst aber niemals zum Hauptausgangspunkt einer histologischen Untersuchung gemacht worden ist, trotzdem sie es in mehr als einer Beziehung verdienen würde. Weber (95) hat an Goldchloridpräparaten von Philoseia beschrieben, daß die Chromatophorennerven aus verzweigten, in der Haut gelegenen Zellen entspringen, welche mit ihren Ausläufern deutlich untereinander und mit einer Chromato- phore in Verbindung stehen, in welcher erst wenig Pigment abgelagert ist. An Methylenblaupräparaten von Palaemon konnte Retzius (82) beobachten, daß die Nervenfasern der Haut sich den Chromatophoren nähern, wobei feinste perlschnurartige Fäserchen sich an die Fortsätze der Chromatophoren an- 1328 R. F. FüCHs, legen und sie sogar umspinnen, wobei eine besondere Art von Nervenendigungen nicht zu erkennen war, aber es muß angenommen werden, daß eine innige Berührung, ein Kontakt zwischen den Nerven und Chromatophoren vorhanden sein muß. Da- gegen gibt vomRath (79) an, daß an Methylenblau- und Chlorsilberpräparateu in der Haut der Arthropoden freie verästelte Nervenendigungen an den Chro- matophoren von ihm beobachtet wurden. Leider konnte ich aus dieser Arbeit nicht ersehen, ob und für welche Crustaceen dieses Verhalten zutrifft. End- lich hat HoLMGREN (35) bei Palaemon vielfach miteinander anastomosierende multi- polare Chromatophoren ge- / /^ sehen, die mit dem Peri- / jj/^ neurium eines vor- / •'^ beiziehenden Nerven in Verbindung stehen, die nach der beigegebenen Abbildung (Fig. 47) eine sehr innige zu sein scheint. hu' Fig. 47. Palaemon. Tangentialschnitt durch die Haut der Telsonplatte. Teils starkj teils wenig pigmentierte Chromatophore. (Nach HOLM- GKEN.) Neuerdings hat Degner (11) bezweifelt, daß die von Retzius als Nervenfasern beschriebenen Klümpchen und Fäserchen wirklich Nervenfasern sind. Degner hat gleichfalls Methylen blaupräparate und zwar von Leander untersucht (Fig. 48), fand aber keine Umspinnung der Chromatophoren durch Nerven- fasern, doch legen sich Nervenstränge an die Chromatophoren an, ohne daß ein Zusammenhang der beiden Gebilde erwiesen werden konnte. Fig. 48. Leander treillanus. Methylenblaupräparat der Uropoden. der gefärbten Nerven zu den Chromatophoren. (Nach Degner.) Lagebeziehung Der Farbenwechsel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. 1329 Mit diesen kurzen Angaben sind leider unsere Kenntnisse auf diesem Gebiete erschöpft, alier so viel scheint doch sicher zu sein, daß Nervenendigungen oder ein Kontakt zwischen Nervenfasern und Chromatophoren vorhanden ist, wenngleich uns auch über die Art dieses Kontaktes zurzeit noch eine genauere Kenntnis fehlt. F. Entwicklungsgeschichte der Chromatophoren. Eine einheitliche abgerundete Darstellung der Chromatophoren- entwicklung bei den Crustaceen läßt sich zurzeit noch nicht geben, da unsere Kenntnisse noch viel zu lückenhaft sind, um die Verschieden- artigkeit der einzelnen Beobachtungen zu einem geschlossenen Ganzen zu vereinigen. Wenn auch einzelne Beobachtungen bei den ver- schiedenen Crustaceenarten wiederkehren, so daß sie wohl als allge- meine Entwicklungsregeln anzusehen sind, so findet man andererseits solche Verschiedenheiten bei den einzelnen Arten, daß sie als charakte- ristische Merkmale für die einzelnen Arten von den Autoren ange- sehen werden. Da die verschiedenen Autoren, Pouchet (76), Keeble und Gamble (39 — 41, 43) sowie Minkiewicz (63) an verschiedenen Tieren ihre Untersuchungen angestellt haben und außerdem noch sehr verschiedenen Detailfragen der Entwicklung ihr Augenmerk zuwandten, so wird die Darstellung außerordentlich erschwert und kann sich nicht über das Niveau einer losen Aneinanderreihung mehrfach wider- sprechender Beobachtungen erheben, da bei der ganzen Sachlage eine kritische Prüfung der einzelnen Angaben unmöglich ist; dazu fehlen vor allem systematische Untersuchungsreihen, die ein Abwägen der einzelnen Beobachtungen gegeneinander zulässig erscheinen ließen. Wir begnügen uns deshalb, kurz referierend die einzelnen Arbeiten darzustellen. Pouchet (76) hat zuerst die Entwicklung der Chromatophoren bei Homarus untersucht. Es sind bereits gut entwickelte rote Chromatophoren vorhanden, wenn der Dotter noch die Hälfte des Eies einnimmt. Es sind nicht granulierte Zellen mit Kernen von 5 — 6 [i, welche sich bereits kontrahieren. Zu gleicher Zeit erscheinen auch die gelben Chromatophoren, welche einzelne Tröpfchen des Farbstoffes ent- halten. Beide Arten sind über den ganzen Körper zerstreut und liegen in der Hypodermis, sowie auf der Oberfläche der Muskeln. Das rote Pigment liegt in der Mitte des Zellkörpers, ist scharf begrenzt, flüssig, durchsichtig von scharlachroter Farbe. Bei Palinurus tritt gleichfalls zur selben Zeit das Pigment im Ei auf. Crangon vulgaris zeigt zur Zeit, wo der Dotter ein Drittel des Eies einnimmt, bereits rote, gelbe und violette Chromatophoren, wobei die roten überwiegen, besonders in der Nachbarschaft der Kopf anhänge. Später, wenn die gelben und violetten Chromatophoren ihre Fortsätze aussenden, ist das rote Pigment nicht mehr so aus- gedehnt. Es erscheinen noch weitere Chromatophorengruppen an den Kopfanhängen und zuletzt kleine Gruppen auf der Medianlinie in der Nähe des Bauchstranges. Die roten Flecke sind bei ihrem Auftreten stets kleiner als die gelben und blauen. In den roten Pigmentzellen bildet das Pigment einen scharf begrenzten Fleck, manchmal sind auch zwei solche Flecken vorhanden. Die kleinen roten spindel- förmigen Zellen haben ein durchscheinendes nicht granuliertes Protoplasma mit einem etwa doppelt so langen wie breiten Kern, welcher einen Nucleolus aufweist. Die gelben und blauen Chromatophoreu sind kleiner als die roten, von un- regelmäßiger Form und zeigen bereits frühzeitig Fortsätze. Ihr Pigment ist schwach, manchmal nur teilweise gefärbt und bildet in der Mitte der Zelle einen unscharf be- Handbuch d. vergl. Physiologie. III, 1. 84 1330 R. F. Fuchs, grenzten Fleck. Der Zellkern ist rund. Demnach stellen die roten Zellen einerseits und die gelben und blauen andererseits je eine Kategorie von Zellen dar. Bewegungs- erscheinungen können bei den gelben und blauen Chromatophoren bereits in be- trächtlichem Umfange beobachtet werden, während die roten kaum solche erkennen lassen. An einer anderen Stelle heißt es ganz im Gegensatz zu den früher erwähnten Angaben : „es scheint, daß das gelbe Pigment früher erscheint als das rote." Wir wenden uns nun zu den leider nicht sehr übersichtlichen und oft schwer verständlichen Angaben von Keeble und Gamble (39 — 41, 43). Der Schwer- punkt dieser Untersuchungen liegt einmal darin, daß sie die Entwicklung der Chro- matophore als vielzelliges Organ darstellen und die verschiedene Ent- wicklung der einzelnen Gruppen bei verschiedenen Crustaceen verfolgen. Als allgemeine Regel für die Entwicklung des Chromatophorensystems sowohl der Schizopoden als auch der Decapoden, wie Hippolyte und Palaemon gilt, daß die Chromatophoren auf ihrer ersten Entwicklungsstufe aus einem un verzweigten Körper bestehen. Sobald die Pigmentzellen sternförmig geworden sind, beginnt das Pigment zu funktionieren, so daß man bereits am Embryo Pigmentbewegungen beobachten kann. Trotzdem die Entwicklung des Chromatophorensystems in ge- wissen allgemeinen Zügen bei den Crustaceen gleiches Verhalten zeigt, so differiert sie doch in einzelnen Punkten, ja es unterscheidet sich sogar die Entwicklung der einzelnen Chro- matophorengruppen bei dem gleichen Tier. Wir wollen mit der Entwicklung der Chromatophoren bei den Mysiden beginnen und die Verhältnisse bei Macromysis flexuosa schildern. Bei jungen Embryonen von 2 mm Länge, welche aus der Bruttasche des Weib- chens entnommen worden sind, sind bereits einzelne Gruppen von Chromatophoren vor- handen. Zuerst entwickelt sich die neurale Gruppe, dann die kaudale Gruppe, die ebenso wie die erstgenannte sich in der Richtung von vorn nach hinten weiter aus- bildet; zuletzt erscheint die viscerale Gruppe. Bei etwas älteren Embryonen treten dann einzelne Abteilungen der akzessorischen Gruppe noch hinzu, so daß vor der Geburt bereits alle Zentren der drei Hauptgruppen und einige der akzessorischen in ihrer endgültigen Stellung bereits vor- handen sind. Näher verfolgt wurde die Entwicklung einiger neuraler Zentren. Die Chromatophoren dieser Gruppe entwickeln sich als Proliferationen der Epidermis, welche die embryonalen Ganglien bedeckt, und senken sich in die tieferen Gewebe. Sie sind Einwüchse aus mehreren Zellen bestehend und umgeben ein kernloses körniges pigmentiertes Protoplasma. An einer anderen Stelle erwähnen die Autoren, daß diese Einwüchse Bläschen sind, die ungefähr aus einem Dutzend Zellen be- stehen, welche um einen zentralen Hohlraum angeordnet sind, in welchen sie ihr Pigment hinein sezernieren. Die Zellen wachsen dann zu den einzelnen Teilen der Gruppe aus und bleiben bis zu einem späten Stadium der Entwicklung unpigmentiert. Nach der Geburt erfolgen nur geringe und unwichtige Aenderungen in den Chro- matophorenzentren, die in einer Teilung der Abdominalzentren in mehrere Abteilungen bestehen und in der Ausbildung einiger neuer akzessorischer Zentren- Denn zur Zeit, wo der Embryo bereits alle Hauptzentren des erwachsenen Tieres hat, sind nur die Hauptzweige dieser Zentren vorhanden, die endgültige Ausbildung des ganzen Systems ist aber noch nicht erreicht, weshalb die Farbenmuster des erwachsenen Fig. 49. Hippolyte gaimardii. Jugendstadium einer Chromatophore vom erwachsenen Tier. (Nach Keeble und Gamble.) Der Farbenwechsel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. 1331 Tieres noch nicht vorhanden sind, sie bilden sich erst später aus. Was nun die Pigmente selbst anbelangt, so ist bei den jüngsten Embryonen in den neuralen Zentren nur ein Pigment vorhanden, das bei feiner Verteilung dunkelbraun er- scheint; es fehlt selbst bei reifen Embryonen noch immer die gelbe reflektierende Substanz, dagegen enthalten die kaudalen Zentren von allem Anfang an die gelbe Substanz, zu der später das dunkelbraune Pigment hinzutritt. Bei Crangon viiUjaris läßt sich die Entwicklung des Chromatophorensystems folgendermaßen kurz charakterisieren. Im jüngsten Stadium ihrer Entwicklung be- steht die Chromatophore aus einer sternförmigen Bindegewebszelle. Später treten Kerne in den verzweigten Zellfortsätzen auf, während im Chromatophoren- zentrum ein oder mehrere Kerne beobachtet werden. Die Zellfortsätze selbst sind Hohlräume, die von einer stark lichtbrechenden festen Randpartie begrenzt werden und in ihrem Innern ein bewegliches Endoplasma enthalten. Beim Embryo ent- wickelt sich ein zentralisiertes System, das aus einer kaudalen und neuralen Gruppe besteht, während die viscerale fehlt; ferner treten zerstreute sekundäre Gruppen auf. Im Mysisstadium ist das zentralisierte System bereits vollständig entwickelt und kann vollkommen mit dem primären System von Macromtjsis verglichen werden. Das sekundäre System hingegen entwickelt sich nur langsam und ist nur zum Teil dem Mysidentypus vergleichbar. Es entwickelt sich aber gegen Ende des Larven- lebens sehr schnell, indem neue Zentren in der dorsalen Oberfläche der Haut hinzu- kommen, während in der ventralen Oberfläche noch die neurale Gruppe vorherrscht. Schließlich überwiegt an der dorsalen Oberfläche das sekundäre System vollkommen über das primäre und bildet die graue Farbe des erwachsenen Tieres. Jedes Zentrum und dessen Teile sind von einem rotweinfarbenen Pigment und einer gelb reflektierenden Substanz erfüllt, welche bereits vor der Geburt Bewegungserscheinungen zeigen; das violette Pigment er- scheint erst später. Endlich sei noch die Entwicklung des Chromatophorensystems bei Hippolyte varians in seinen Hauptzügen geschildert. Die Chrom atophoren entwickeln sich von einer Zelle oder einer Gruppe von Zellen und bestehen immer aus einer Zell- gruppe, deren breitere zentral gelegene Enden zusammenlaufen, um einen zentralen Körper zu bilden, während die peripheren Enden zu einem verzweigten Röhren- system aus wachsen, dessen Randpartien die Kerne enthalten. In diesen Zellen ist das rote und gelbe Pigment enthalten, während in neu hinzutretenden gleichfalls verzweigten Zellen das blaue Pigment und Fett vorhanden ist. Aus einer Chromato- phore können durch ungleiche Teilung oder Knospung neue entstehen, die entweder wie in den Muskeln eine Zeitlang miteinander in Verbindung bleiben, oder sich bald voneinander trennen, wie es in der Haut der Fall ist. Die hauptsächlichsten Gruppen zeigen bei Hippolyte eine ähnliche Anordnung wie bei Orangon. Zur Zeit des Aus- schlüpfens besitzt die Zoea ein gut entwickeltes neurales und kaudales Zentrum, dagegen nur Andeutungen einer visceralen und einer kleinen akzessorischen Gruppe. Die einzelnen Zweige der Gruppen sind gut entwickelt und lassen die Bewegungen des eingeschlossenen Pigmentes deutlich erkennen. Zahl und Anordnung der einzelnen Zentra ist konstant. Die Entwicklungsvorgänge im Mysisstadium wurden nicht be- obachtet, sondern erst wieder bei Tieren, welche bereits seßhaft geworden sind. Die verschiedenen Farben des heranwachsenden Tieres sind zurück- zuführen auf Unterschiede im sekundären Chromatophorensystem. Obgleich das im Embryo angelegte und bei der weiteren Entwicklung voll aus- gebildete primäre Chromatophorensystem während des ganzen Lebens bestehen bleibt, so ist es doch für die Färbung und Zeichnung des erwachsenen Tieres ohne Be- deutung, weil es von dem gleichfalls in frühen Entwicklungsstadien erscheinenden sekundären System vollkommen überwuchert wird, welches die endgültige Fär- bung und Zeichnung bestimmt. 84* 1332 R. F. EucHs. Ueber das Verhalten der Pigmente selbst ist folgendes zu berichten. Das Anfangspigment kann rot oder gelb sein und kann sich ohne Hinzutreten einer neuen Farbe wesentlich vermehren. Da nun durch Knospung oder Abzweigung neue Chromatophoren entstehen, die miteinander in Verbindung bleiben, so entstehen aus sieben oder acht birnförmigen Zellen zusammengesetzte Komplexe, welche alle das gleiche Pigment enthalten. Die Zoea besitzt ein zentralisiertes Chromatophoren- system, das rotes Pigment und eine gi'ünlich reflektierende Substanz enthält, nur das gelbe Pigment erscheint später, während das blaue gewöhnlich zwar später als das rote aber früher als das gelbe zur Beobachtung gelangt, jedoch unter besonderen Ver- hältnissen kann es entweder gleichzeitig oder sogar früher als das rote vorhanden sein. Sobald der Nerveneinfluß sich auf die Pigmentbewegung geltend macht, ent- steht im Licht das gelbe Pigment und kann unter Umständen sogar über das rote überwiegen. Wir haben hier nur die Entwicklung des Pigmentes bei den Haujittypen der Crustaceen dargestellt, bezüglich der anderen Arten muß auf das Original verwiesen werden. Weiter haben wir über die Untersuchungen von Minkiewicz (62) zu berichten, welcher die Entwicklung der Chromatophoren an Phronima sedentaria verfolgt hat. Bei diesem Tier erscheinen die Chromatophoren erst in relativ späten post- embryonalen Entwicklungsstadien bei ausgeschlüpften Larven, welche ihre erste Häutung vollendet haben, in den Magenfalten des Digestionstraktus. Vorher haben sich aber bereits die Chromatophoren des Auges entwickelt und in zwei Gruppen geteilt. Die Chromatophoren der dorsalen Magenfalte vermehren sich sehr rasch durch direkte Teilung, von denen ein Teil im Magen verbleibt, während die anderen in die Gewebe der Umgebung auswandern und in die verschiedenen Körperregionen und das ganze Nervensystem allmählich vordringen, wobei sie die Nervenstämme als Bahnen benützen. Sobald die Chromatophoren die Scheren er- reicht haben, werden die ursprünglich violetten Pigmentzellen bräunlich, bei welcher Farbenveränderung die carpalen Drüsen von Einfluß zu sein scheinen. Degner (II) hat an Embryonen von Prauniis (2,4 mm Länge) die Chromato- phorenentwicklung beobachtet. Er findet die Zellen von einer einheitlichen Membran umschlossen, deren Inhalt nicht ganz vom Pigment erfüllt ist. Die Zellen sind sehr chromatinreich und zeigen zahlreiche spindelförmige Kerne, sowie Andeutungen der Chromorhizen , so daß hier fast die gleichen Bilder vorliegen wie beim erwachsenen Tier. Von einem zentralen Sack, wie ihn Keeble und Gamble beschrieben haben, der von peripheren Zellen durchbohrt wird, ist nichts zu erkennen. Da eine nicht zu verkennende Gesetzmäßigkeit in der Anordnung der einzelnen Chromatophorensysteme vorhanden ist, welche so groß ist, daß Keeble und Gamble ihr sogar taxin omischen Wert zu- erkennen, so liegt es nahe, zu fragen, auf welche Weise diese Konstanz der Färbung erreicht wird, ist sie vererbt oder vom Einzelindividuum erworben, oder sind beide Faktoren in gleichem Maße an der Ausbildung des endgültigen Färbungszustandes beteiligt. Schon Matzdorff (56) hat sich diese Frage für die ver- schieden gefärbten J(io^ea- Varietäten vorgelegt und in der Weise be- antwortet, daß die verschieden gestreiften und gebänderten Arten von einer einfarbigen Stammform abstammen, aus der sie dadurch hervorgegangen sind, daß der Aufenthaltsort Färbungsveränderungen hervorrief, die weiter vererbt wurden. Allerdings ist die Begründung dieser Annahme ganz auf den Boden der Mimicryhypothese gestellt und steht leider auf sehr schwachen Füßen, Aus den monochromati- Der Farbenwechsel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. 1333 sehen Tieren sollen die einstreifigen Arten dadurch entstanden sein, daß bei aufgehellten Tieren, die durchsichtig sind und die dunkle Medianlinie des Darmes durchscheinen lassen, es notwendig war, diese dunkle Linie zu verdecken, weshalb sie zur Ausbildung des weißen Pigmentes Veranlassung gab. Etwas Unphysiologischeres als eine solche Argumentation kann es gar nicht geben. Man muß doch zu- nächst fragen, unter welchen Bedingungen diese Aufhellung von Idotea eintritt, und ob diese die normalen Aufenthaltsbedingungen sind. Das ist nun keineswegs der Fall, denn Idotea lebt meist auf mehr oder weniger dunkel gefärbten Seegrasarten, während die Auf- hellung nur auf einem hellen Untergrund vorhanden ist; und dann noch eins: ist vielleicht eine weiße Linie auf einem durchsichtigen Körper nicht ebenso zu sehen wie eine dunkle? Ein Nutzen der weißen Färbung wäre nur auf einem weißen Grunde vorhanden, wenn der weiße Untergrund das durchsichtige Tier gleichfalls weiß er- scheinen läßt. Die zweistreifigen Arten sind nach Matzdorff vielleicht aus den einstreifigen Arten entstanden, indem sich die Anpassung an die Nervatur der Zos^'em-Blätter vervollkommnet hat; aus den ge- streiften entwickeln sich endlich die gefleckten Formen, um „die Zahl der bewohnbaren Pflanzen zu vergrößern". Die unbeweg- lichen Chromatophoren läßt Matzdorff aus beweglichen entstehen, weil an manchen Stellen des Körpers die Zeichnung unverändert bleiben mußte, um die Nachahmung der Schutz gewährenden Pflanzen- teile stets innezuhalten. Daß derartige vollkommen unphysiologische Deutungen uns keinen befriedigenden Aufschluß über die Genese der Tierfärbung geben können, braucht wohl nicht noch ausführlicher be- gründet zu werden. Auch Keeble und Gamble (39, 41, 43) haben wiederholt diese Fragen diskutiert. Da das primäre Chromatophorensystem der Mysiden bereits im Embryo vollkommen an gel egt ist und in bezug auf Anordnung, Zahl und Lage der einzelnen Zentren bei den verschiedenen Arten eine nahezu absolute Konstanz zeigt, so muß es als ein vererbtes angesehen werden. Das gleiche gilt auch für das sekundäre System. Bei den Decapoden bestimmt das sekundäre Chromatophoren System die endgültige Zeichnung und Färbung. Da das primäre System im Verlaufe der Ent- wicklung gleichfalls vollkommen ausgebildet ist, so scheint es gleich- falls vererbt zu sein. Die Entstehung des sekundären Systems aus dem primären ist zurzeit noch unerklärt und damit auch das Problem der Vererbung der Farbe. Immerhin muß darauf hingewiesen werden, daß z. B. Crangon bereits während des pelagischen Lebens die Haupt- züge seines sekundären Systems aufweist, und daß die Zeichnung und Färbung der erwachsenen Exemplare von Crangon und Falaemon konstant sind und sich direkt entwickelt haben, so daß bei diesen Tieren wohl auch das sekundäre System wahrscheinlich vererbt sein dürfte. Dagegen sind bei Hippolyte trotz der Konstanz der verschiedenen Zeichnungen der einzelnen Varietäten diese Muster indirekt ent- standen, denn hier wechselt nicht nur die Anordnung, Lage und Zahl der Chromatophorenzentren, sondern auch die Art und Weise, wie die endgültige Zeichnung und Färbung des Tieres erworben wird, indem die einfarbigen erwachsenen Arten sowohl aus ein- 1334 ß. r. Fuchs, farbigen als auch aus gestreiften und gefleckten Jugend formen hervorgegangen sein können. Das heranwachsende Tier hat ein besonderes Farbenrauster, das sich in weitem Umfange in Beziehung zum primären System der Zoea entwickelt, aber dieses primäre System wird, trotzdem es be- stehen bleibt, von dem sekundären System verdeckt, das für die er wachenen Tiere die Zeichnung und Färbung bestimmt. Das primäre System ist zweifellos vererbt, vielleicht auch noch die Zeichnung des heranwachsenden Tieres, aber die Endfärbung des erwachsenen Tieres ist das Resultat der Umgebung. Die englischen Autoren denken daran, daß nach Aufgabe des pela- gischen Lebens zur Zeit des Sichfestsetzens der Tiere je nach der Art des Seegrases, auf dem sie sich niederlassen, verschiedene Kom- plexe von Licht und Schatten auf das Tier fallen, so daß an den vom Licht getroffenen Stellen die Chromatophoren retrahiert und an den beschatteten Stellen expandiert sind. Unter der allerdings noch nicht erwiesenen Voraussetzung, daß im Expansionszustand das Chromatophorenwachstum begünstigt werde, während es bei Retraktion verlangsamt werde, könnten dann entsprechende Licht- und Schattenstellungen zu persistierenden Zeichnungen Anlaß geben. Bei diesem Erklärungsversuch handelt es sich im Prinzip um eine Anlehnung an die Anschauungen, welche Wiener (97) über die Be- einflussung der Tierfärbung durch das Licht entwickelt hat. Es kann zugegeben werden, daß die verschiedenen Ausbreitungszustände für die Entwicklung der Chromatophoren von entgegengesetzter Wirkung sein können, denn in der Entwicklungsmechanik wird mit derartigen wachstumshemmenden und wachstumsfördernden mechanischen Fak- toren vielfach operiert, und ich selbst habe in meinen Untersuchungen über die Entwicklungsmechanik des Gefäßsystems vielfach von diesen Erklärungsmöghchkeiten Gebrauch gemacht. Nur darf eines bei solchen Begründungen nicht übersehen werden: ist es möglich, eine Tatsache dafür anzuführen, daß die Expansion die Entwicklung der Chromato- phoren fördert? An Crustaceen sind derartige Versuche überhaupt noch nicht angestellt worden, weshalb diese Voraussetzung nicht mehr und nicht weniger als eine Petitio prinzipii ist. Wir kommen auf diese Fragen noch mehrfach zurück in den Kapiteln über Fische und Amphibien. Könnte man heute mit Sicherheit entscheiden, daß die Expansion der aktive und die Retraktion der passive oder Ruhezustand der Chromatophoren wäre, dann wäre die obige Annahme schon einigermaßen gestützt, denn man könnte an die Wachstums- förderung denken, die durch die Tätigkeit bedingt ist. Aber einer- seits ist es möglich, daß sowohl die Expansion als auch die Retraktion aktive Prozesse sind, zumal wenn die Pigment- bewegungen durch Strömungen infolge Turgoränderungen der Zellen hervorgerufen werden, wie Keeble und Gamble selbst annehmen. Andererseits ist es aber viel wahrscheinlicher, daß die Expansion der Ruhe und die Retraktion der Tätigkeit der Zelle entspricht. Wie sollen nun die durch das Licht erzeugten Schattenbänder manifest werden? Das wäre doch nur möglich, wenn der Schatten stets auf die gleiche Körperstelle fiele; dazu dürfte sich der Stand der Sonne nicht ändern, also eine Voraus- setzung, die unerfüllbar ist, und außerdem dürfte das Tier keine Orts- veränderungen aufweisen. Endlich können scharf begrenzte Schatten Der Farbenwechsel und die chromatische Hautfimktion der Tiere. 1335 in einem Wald von Zosteren doch nur an den äußersten Rändern entstehen, denn im Innern dieses dichten Waldes herrscht ein gleich- mäßiges Halbdunkel, oder wir wollen richtiger sagen, ein zerstreutes diffuses Licht ohne Vorherrschen einer bestimmten Strahlenrichtung, so daß scharf begrenzte Schlagschatten gar nicht entstehen können. G. Physiologie des Farbenwechsels. 1. Die allgemeinen Erscheinungen des Farben wechseis der Crustaceen. Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß der Farbenwechsel der Crustaceen in der Hauptsache durch die Expansion und Retraktion des in den Chromatophoren enthaltenen Pigmentes be- dingt wird, daneben spielt aber auch die Umfärbung der Tiere durch Neubildung von Pigmenten, bzw. Vermehrung und Verminde- rung bereits vorhandener Pigmente eine sehr bedeutende Rolle. Dieser Mechanismus der Umfärbung ist schon während der Ent- wicklungsperioden der Crustaceen vorhanden, da, wie wir bereits gesehen haben, die verschiedenen Chromatophoren ver- schiedene Pigmente besitzen, oder polychromatische Chromatophoren vorhanden sein können. In beiden Fällen entstehen aber die ver- schiedenen Pigmente zu verschiedenen Zeiten, woraus eine mehr oder minder ausgesprochene Umfärbung resultieren muß. Diese Umfärbung kommt aber auch am erwachsenen Tiere vor, sie ist besonders von Keeble und Gamble, sowie von anderen Autoren an üippolyte varians beobachtet worden, wenn das Tier von einer Pflanze auf eine anders gefärbte übergeht. Bis zu einem gewissen Grade gehört auch der periodische Tag- und Nachtfarbenwechsel zu den Um- färbungen, da bei ihm ein neues Pigment erscheint. Andererseits spielen auch bei ihm die Verteilungen der schon vorher vorhandenen Pigmente innerhalb der Chromatophoren eine gewisse Rolle, so daß er eine Mittelstellung zwischen dem einfachen Farbenwechsel (Pigment- bewegungsfarbenwechsel) und der Umfärbung einnimmt. Schon aus der Art des Mechanismus, wie der Farben Wechsel und die Umfärbung zustande kommen, geht hervor, daß die Verände- rungen der Farbe nicht ganz plötzlich erfolgen können, wie etwa bei den Cephalopoden, wo es sich um eine Kontraktion von Muskeln handelt, sondern es müssen größere Zeitintervalle hierzu erforderlich sein, welche außerdem verschieden groß bei verschiedenen Tieren sind und auch besonders von den Bedingungen abhängen, unter denen die Beobachtungen angestellt werden. Die kürzeste Zeit für den Farbenwechsel von llippoJyte und Macromysis haben Keeble und Gamble (39, 41) beobachtet, indem dunkle Tiere auf einem hellen Untergrund (in einer weißen Porzellanschüssel, die mit weißem Musselin überspannt war) innerhalb ^U—l Minute vollkommen transparent wurden. Andererseits braucht die Aufhellung in der Dunkelheit je nach der Tageszeit und dem Zustande des Tieres 10 Minuten bis 2 oder mehrere Stunden. Auch Sars (86) hat an Mysis flexuosa das Dunkelwerden innerhalb Vi Stunde beobachtet. Für Idotea gibt Matzdorff (56) als das Minimum der Zeit der Ex- pansion der Chromatophoren 3 — 5 Minuten an, als Durchschnitt 10 — 20 Minuten. In Bauers (1) Versuchen an Idotea war das Minimum 1336 ß. F. Fuchs, für die Retraktion des Pigmentes 7 Minuten , für die Expansion 22 Minuten, so daß Bauer selbst auf die auffallenden Unterschiede in der Geschwindigkeit der Expansion und Retraktion hinweist, während Matzdorff direkt angibt, daß die beiden Vorgänge gleiche Zeit be- anspruchen ; solche Widersprüche sind eben nur dadurch erklärlich, daß die früheren Autoren unter ganz verschiedenen Experimental- bedingungen arbeiteten, die eine Vergleichung der Resultate unter- einander nicht ermöglichen. Uebrigens hat von den älteren Autoren bereits Pouchet (74) angegeben, daß bei Palaemon der Farben- wechsel auf verschiedenem Untergrund verschieden rasch erfolgt, in- dem der Uebergang von Hell zu Dunkel schneller von statten geht als in umgekehrter Richtung, „im letzteren Falle ist er in 24 Stunden noch nicht beendet''. Desgleichen haben Keeble und Gamble (41) bei Palaemon und Macromysis auf dunklem Untergrund eine sehr rasche Expansion der Pigmente beobachtet. Bei Anüocra mediterranea hat Mayer (57) einen Farbenwechsel nicht direkt beobachten können, er ist aber zweifellos vorhanden, denn dieser Isopode ändert seine Farbe mit derjenigen der Fische, auf denen er lebt, aber der Farben- wechsel ist wohl außerordentlich langsam, so daß er bei einer nicht sehr langen Beobachtungszeit gar nicht direkt wahrgenommen werden kann. Vielleicht darf man das Gleiche auch für Phronima sedentarla annehmen, da es Minkiewicz (63) durch keinen künstlichen Eingriff gelang, einen Farbenwechsel hervorzurufen. Außerdem gibt es nach Matzdorff (56) einige schwarzbraun gefärbte Wo^e« -Varietäten, welche selbst im hellsten Sonnenlicht und in einem völlig belichteten weißen Gefäß ihre dunkle Farbe bewahren. Solche Beobachtungen hat wohl jeder Autor gemacht, der seine Versuche über Farbenwechsel an einem großen Versuchsmaterial angestellt hat, und sowohl Bieder- mann (8) als auch Fuchs (21) haben ausdrücklich betont, daß es unter den Versuchstieren immer einzelne gibt, die aus unbekannten Gründen keinen oder nur einen unvollkommenen Farben- wechsel aufweisen, die deshalb zu solchen Versuchen unbrauch- bar sind. Von bedeutendem Einfluß auf den Umfang und die Geschwindig- keit des Farben wechseis scheint das Alter der Tiere zu sein, in- dem jüngere Exemplare einen besseren Anpassungsfarbenwechsel zeigen als erwachsene, worüber sehr interessante V^ersuche von Keeble und Gamble (43) an Hijjpolyte vorliegen. Junge, durchscheinende, fast farblose Tiere wurden auf braunrotes Seegras gesetzt. Bei mehreren Tieren war bereits am folgenden Tage eine Anpassung an die Farbe des Grases bemerkbar. 11 von den 17 Versuchstieren zeigten sie am 2. Tage. Auf grünen Pflanzen wurden sie im Verlauf eines Tages grün. In einem anderen Falle wurden junge, farblose Hippo- lyten auf grünem Gras binnen 3 Tagen seegrün, einige von diesen grünen Tieren wurden auf braunes Gras gesetzt und wurden inner- halb 3 Tagen braun. Im grünen Stadium wurde viel gelbes und blaues Pigment gebildet, aber wenig rotes, dagegen im braunen Stadium das rote bedeutend vermehrt und das blaue vermindert. Ist dagegen bereits r e i c h 1 i c h P i g m e n t v o r h a n d e n , w i e beim Erwachsenen, dann reagieren dieTiei'e sehr langsam auf die veränderte Farbe ihrer Umgebung. Es scheint, daß die Tiere zur Zeit, in der sie von der pelagischen zur festsitzenden Lebensweise übergehen, in hohem Grade die Fähig- Der iParbenweclisel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. 1337 keit besitzen, Schutzfärbungen auszubilden, dagegen wird im Alter das Chromatophorensystem mehr stereotyp und kann sich den Farben- veränderungen der Umgebung nur langsam oder gar nicht mehr an- passen. Von großem Interesse ist die Beobachtung Gambles und Keebles (23), daß ein erwachsenes grünes Tier langsam, im Verlauf mehrerer Wochen auf braunem Seegras braun wurde, während die Rückverwandlung in Grün rascher erfolgte. Bei Wiederholung des Versuches an freilebenden Exemplaren zeigten sich die Tiere ent- weder ganz unem])findlich oder reagierten noch langsamer. Ebenso- wenig gelang es Degner (11). an Idoiea derartige Umfärbungen zu beobachten. Da nun die Farbenveränderung durch verschiedene Pflanzen bei Erwachsenen nicht sehr groß ist, sehr langsam und auch im Dunkeln erfolgt, so kann es wohl keinem Zweifel unterliegen, daß die schützende Wirkung dieser Umfärbungen nur etwas ganz Sekundäres sein kann, daß die Art des Stoffwechsels in erster Linie die Färbung bedingt. Gerade die stärkere Anpassungs- möglichkeit der jungen Tiere spricht dafür, denn sie können ihren Stoffwechsel leichter umformen als die Erwachsenen. Inwieweit die verschiedenen Pflanzenfarbstoffe der Nahrung selbst von Bedeutung für die Umfärbung sind, werden wir in einem späteren Kapitel be- sprechen. Ferner zeigt sich nach den Untersuchungen von Matzdorff (56) an Idoiea, daß geschwächte oder kranke Tiere einen sehr langsamen Farbenwechsel haben, ja er kann sogar ganz fehlen. Hierher gehört wohl auch die von Keeble und Gamble sowie von DoFLEiN (14) gemachte Beobachtung, daß die P'arben der Tiere in der Gefangenschaft abblassen. Auch höhere Kon- zentrationen des S alz Wassers (2— 2.62 Proz.) Verlan gsamen den Farbenwechsel beträchtlich. In gleicher Weise wirken niedere Temperaturen des Wassers, ja, bei 10^ oder weniger war über- haupt kein sicherer Farbenwechsel mehr zu konstatieren. Schon lange vorher hatte Jourdain (37) angegeben, daß der Farbenwechsel von Nica bei Temperaturen von 5—6*' sehr verlangsamt ist. Alle Autoren stimmen darin überein, daß das Licht der mächtigste Faktor der Farbenveränderung ist, was ja um so weniger verwunderlich ist, als gerade diese Energieform als der adäquate Reiz für die Chromato- phoren angesehen wird. Es besteht geradezu eine gewisse Abhängig- keit z wischen der Schnelligkeit der F a r b e n v e r ä n d e r u n g und der Intensität der Beleuchtung, denn im Sonnenschein erfolgt die Farbenveränderung rascher als im diffusen Licht, bei hellem Wetter rascher als im Winter. Allerdings sind in den früheren Versuchen eine Reihe von Fehlerquellen enthalten, die nicht erlauben, alle diese Wirkungen nur auf die Intensität des Lichtes, d. h. der sichtbaren Strahlen zu beziehen, denn im direkten Sonnenlicht, sowie im zerstreuten Licht sind unter verschiedenen Bedingungen verschie- dene Mengen ultravioletten Lichtes enthalten, welches nach Hertels (33) Untersuchungen eine außerordentlich intensive Wirkung auf die Pigmentzellen hat. ferner ist der Gehalt an Wärmestrahlen ein wechselnder, die ja auch für die Schnelligkeit der Reaktion von Bedeutung sind. Aber durch die Versuche von Keeble und Gamble ist wohl sichergestellt worden, daß die Intensität des Lichtes für die Schnelligkeit der Reaktion von ausschlajigebender Bedeutung ist, so daß die letztgenannten Forscher sogar allgemein eine Beziehung der 1338 R. F. Tuchs, Geschwindigkeit der Farbenänderung zur Intensität des Reizes an- nehmen. Einen besonderen Einfluß auf die Intensität des Farbe n - wechseis soll nach Minkiewicz (63) die Häutung ausüben, denn auch alte Hiiipolyten sollen nach der Häutung die Fähigkeit haben, sich der Farbe des Grundes anzupassen, indem sie bei der Häutung die verlorengegangene Plastizität der Chromatophoren wieder erlangen. Doch konnte Doflein (14) an frisch gehäuteten Leandern keine sicheren Befunde in dieser Richtung konstatieren. Neuerdings hat MeguSar (59) vielfache Einflüsse der Häutung auf den Farben- wechsel beschrieben, die aber einen einheitlichen Einfluß der Häutung auf die Tierfärbung nicht erkennen lassen. Was den Umfang des Farben wechsels bei den Crustaceen anbelangt, so ist er bei den verschiedenen Arten sehr verschieden, indem er von farblos, hell, braun zu schwarz oder verschiedenen Tönen von rot übergehen kann, wobei orange und gelbe Zwischen- stufen auftreten, ja, wenn blaues Pigment vorhanden ist, können auch grüne Farben erscheinen. Wenn wir von den echten Umfärbungen und dem Auftreten der blauen Nachtfarbe absehen, so können wir wohl sagen, daß der in der freien Natur vorkommende Farben Wechsel durch Pigmentverschiebung sich in mittleren Grenzen hält, zumal auf Grund verschiedener An- gaben anzunehmen ist, daß die Chromatophoren unter mittlerer Be- leuchtungsintensität einen mittleren Expansionszustand aufweisen. Dagegen soll bei Hippolyte das Pigment am Tage fast vollständig expandiert sein (Keeble und Gamble, 41). Andererseits gibt es Tiere, wie z. B. Crangon, welche trotz verschiedenfarbiger Pigmente, doch nur ein sehr geringes Farbenspiel zeigen, obwohl gerade durch die Anwesenheit verschiedener Pigmente eine größere Mannigfaltigkeit der Farbenveränderung erreicht wird; denn die einzelnen Pigmente reagieren in verschiedener Weise auf einen gegebenen Reiz und außerdem verschieden zu verschiedenen Zeiten. Keeble und Gamble formulieren ihre Anschauung dahin, daß sie sagen, der Farbenwechsel, welcher unter bestimmten Bedingungen auftritt, ist kein einfacher gesetzmäßiger Reflex, wie ein physikalischer Versuch, sondern es zeigen sich zeitweise Verschiedenheiten, denn die drei vorhandenen Pigmente (rot, gelb, blau) können unabhängig voneinander innerhalb der Zelle verteilt sein. Außerdem besitzen die Chromato- phoren einen eigenen Rhythmus der Reaktion, welcher als Nach- wirkung der Tag- und Nachtbewegung verschieden ist, woraus dann die verschiedene Geschwindigkeit der Reaktion erklärlich ist. Trotz der englischen Autoren wollen wir an der reflektorischen Natur des Farbenwechsels festhalten, wir müssen nur zugestehen, daß es uns bis heute noch nicht möglich ist, alle bestimmenden Fak- toren dieses komplizierten Reflexmechanismus zu erkennen. Denn sobald wir die reflektorische Natur des Farbenwechsels leugnen, stehen wir ganz unerklärbaren Phänomenen gegenüber und müssen zur züch- tenden Allmacht, zur Lebenskraft und anderen mystischen Dingen unsere Zuflucht nehmen. Außer von Sars (86) ist niemals ange- nommen worden, daß der Farbenwechsel der Crustaceen ein will- kürlicher sei, außerdem liegt nur eine einzige Angabe über einen eventuell psychisch bedingten Farbenwechsel von Eisig vor, welcher bei einer Squilla mantis, auf die ein junger Octopode Der FarbenwecLsel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. 1339 losschoß, plötzlich lebhafte Rotfärbung am ganzen Körper auftreten sah (Schmidtlein, 88). An dieser Stelle sei noch einer höchst merkwürdigen BeobachtiTng DoFLEiNs (14) gedacht , wo eine Veränderung der F ä r b u n g von Leander eintrat, ohne daß die Chromatophoren einen Anteil daran haben. Leander treillanus hat eine durchsichtige Chitinschale, sowie sehr durchsichtiges Muskelfleisch, auch die übrigen Organe sind durchscheinend. Leander xiphias besitzt diese Eigen- schaften in noch weit höherem Maße. Werden diese Tiere durch Heraus- nehmen aus dem Wasser oder durch Fallenlassen auf den Boden oder durch eine Operation stark gereizt, so tritt plötzlich eine mehr oder weniger starke Trübung ihrer inneren Organe auf, welche scheinbar durch Trübwerden des Blutes hervorgerufen wird. Sobald der Shock vorübergegangen ist. verschwindet die Trü- bung nach V4 — V2 Stunde. Die Tiere, welche sich nicht erholen können, nehmen vollkommen milchweiße Färbung an. Auch vor der Häutung, sowie bei normalen Tieren können solche Trübungen gelegentlich beobachtet werden. Diese Trübung ist von Bauer (2) genauer untersucht worden und als eine Folge desUebertrittes von fein verteiltem Fett in d a s B 1 u t erkannt worden. Sobald der Chymus in den Mittel- darmanhang von Leander eintritt, verschwindet seine blaugrüne Fär- bung, wobei gleichzeitig in der Umgebung eine wolkige Trübung auftritt, die sich allmählich über den ganzen Körper ausbreitet, so daß das anfangs transparente Tier nun im Ganzen milchigweiß erscheint. Diese Ausbreitung der Trübung vom Mitteldarm kann durch künst- liche Eingriffe (starke Reize), wodurch starke Bewegungen des Tieres ausgelöst werden, herbeigeführt werden. Bei hungernden Tieren tritt aber bei den gleichen Einwirkungen keine entsprechende Veränderung ein, es ist höchstens ein schwaches Opalisieren der Muskeln zu beobachten. 3. Einfluß der Umgebung. Wir wollen uns nun in den folgenden Abschnitten dem speziellen Verhalten des Farbenwechsels zuwenden und zunächst den Einfluß der Umgebung auf die Färbung untersuchen. Daß ein solcher vorhanden ist, wird eigentlich von allen Autoren angenommen, denn sonst hätten nicht Malard (54), Matzdorff (56) sowie Keeble und Gamble (23, 41. 43) so ausführlich die Uebereinstimmung von Fär- bung und Zeichnung der Hippolyte und Idotea mit der Farbe der Wohnpflanze beschrieben. Diese Farbenübereinstimmung veranlaßte Gamble und Keeble (23) experimentell zu prüfen, ob verschieden gefärbte Hippolyten die zu ihrer Farbe passende Pflanze aufsuchen, wenn verschieden gefärbte Pflanzen den Versuchstieren geboten werden. In der Tat ergaben die Versuche eine volle Be- stätigung dieser Voraussetzung. Wenn wir gar noch hinzufügen, daß wie bereits erwähnt, auch noch Um färb u n gen der Tiere entsprechend der Wohnpflanze zu beobachten sind, was allerdings von Degner (11) nicht bestätigt werden konnte, dann könnte man sich vollkommen der Meinung Matzdorffs (56) anschließen, daß es sich hier um eine „verbergende'' Schutzfärbung handelt. Diese Anschauung scheint noch weitere Stützen darin zu finden, daß für Macromysis eine 1340 R. F. Fuchs, entsprechende Uebereinstimmung mit der Farbe des Grundes von Keeble und Gamble (41) beobachtet ist, indem das Tier auf sandigem Grunde durchsichtig farblos, in trüber Umgebung grau, in tiefem Wasser dunkel erscheint, so daß die Färbung mit dem Hell oder Dunkel der Umgebung übereinstimmt. Auch Matzdorff (56) hebt hervor, daß helle Exemplare von Idotea den Aufenthalt auf empor- ragenden Pflanzen, dunkle den Aufenthalt auf dem Boden vorziehen. Auch bei Daphnien, insbesondere Sida cristalUnn, hat Weismann (96) gefunden, daß in Seen kristallhelle Exemplare leben, in Sümpfen dagegen gelblich und rötlich gefärbte Exemplare. Auch an Hippolyte haben Gamble und Keeble (23) gesehen, daß die Tiere in seichtem Wasser heller sind als in tiefem. Weitere Beispiele ließen sich noch in großer Zahl aus den Beobachtungen P. Mayers (58) an Caprel- liden, Dofleins (14) an Leander anführen. Die Bedeutung der Farbe des Untergrundes für die Farbe der Tiere wird später noch ge- nauer behandelt werden. Trotzdem die Farbenanpassung als Schutzfärbung eine so stichhaltige und noch dazu außerordentlich bequeme Erklärung der beobachteten Tatsachen zu sein scheint, haben eine Reihe von Autoren an dieser fast zum Dogma gewordenen Auffassung zu rütteln gewagt. So macht P. Mayer (58) darauf aufmerksam, daß grüne und braun- rote Exemplare von Caprella acutifrons nebeneinander auf Ascidien vorkommen und kommt zu dem Schluß, daß das Chro- mat o p h o r e n s p i e 1 nicht d e r A n p a s s u n g au d i e U m g e b u n g diene, denn dazu ist es bei dem raschen Ortswechsel der Caprel- liden zu langsam. Er glaubt vielmehr wie Weber (95), daß die Pigmente dazu dienen, die Wärmestrahlen zu absorbieren. Howell (36) (zit. Gamble und Keeble, 23) weist darauf hin, daß die angebliche Schutzfärbung von Hippolyte sowohl im Lichte, wie im Dunkeln stattfindet, was von Gamble und Keeble (23) bestätigt wird. Ferner hat Herdmann (32) betont, daß die Farbenverände- rungen von Hippolyte niemals in kurzer Zeit erfolgen, und außerdem stimmt die angepaßte Farbe nicht mit der neuen Wohn - pflanze überein, Beobachtungen, die gleichfalls von Keeble und Gamble (43) mehrfach bestätigt wurden, ja sie konnten beobachten, daß manche Individuen von Hippolyte überhaupt keinen Farben- wechsel zeigten, wenn sie von einer Pflanze auf eine anders gefärbte gesetzt wurden (43). Die vielfach beobachtete Erscheinung, daß die in den oberfläch- lichen Wasserschichten lebenden Tiere hell, die Bodenbewohner dunkel gefärbt sind, kann keineswegs als eine primäre Schutz- färbung angesehen werden, sondern in diesen Fällen handelt es sich um eine gesetzmäßige reflektorische Beeinflussung der Chromato- phoren durch das Licht und die Helligkeit des Untergrundes, worauf später noch genauer eingegangen werden wird. Dem Licht als farbenbestimmenden Faktor spricht auch Doflein (14) eine große Bedeutung zu, indem er darauf hinw^eist, daß man nur in stark erleuchteten, geringeren Tiefen eine große Farbenmannigfaltigkeit findet, in der dunklen Tiefsee herrscht Einförmigkeit. Decapoden, welche in geringen Tiefen leben, aber dem Licht entzogen sind, er- scheinen stets pigmentarm oder farblos. Mit derselben Anschauung hat bereits Leydig und nach ihm viele andere das Fehlen des Pig- mentes bei Höhlentieren erklärt, worauf bereits hingewiesen wurde. Der Farbenwechsel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. 1341 Besondere Beachtung verdient auch das Verhalten der Daph- niden. Weismann (96) hebt ausdrücklich hervor, daß die Anpassung der Färbung an die Umgebung eine sehr weitgehende ist, dagegen sind die lokalen besonders lebhaft gefärbten Flecke un- abhängig von der Umgebung, sie kommen sowohl bei glashellen Tieren in den Seen oder gelben Tieren in den Sümpfen vor. Es sind nach Weismann „Schmuckfarben". Aber gerade diese Deutung ist eine erhebliche Inkonsequenz, denn diese lebhaften Schmuckfarben machen ja jede Farbenanpassung an die Umgebung vollkommen illusorisch, sie würden die hochzeitlich geschmückten Weibchen gerade zu jener Zeit ihren Feinden verraten, wo ihnen ein Schutz durch Farbenanpassung, bzw. unauffällige Färbung am aller not- wendigsten wäre. Weisen doch sonst die Anhänger der Schutz- färbung gerade auf die meist unscheinbare Färbung der Weibchen als einen notwendigen und hervorragenden Schutz hin. Ueberall läßt uns die Anschauung von der Schutzfunktion auf Widersprüche stoßen, die nur durch gewagte Hilfshypothesen dürftig verdeckt werden können. Wir müssen uns nach einer anderen befriedigenderen Erklärung der Funktion der Pigmente umtun, wie es Semper (89), Weber (95), P. Mayer (58) bereits versucht haben. Ebenso hat Fuchs (20, 22) betont, daß die Pigmente Produkte des Stoffwechsels darstellen, welcher von den äußeren und inneren Existenzbedingungen geändert wird, und zur gleichen Anschauung haben sich auch Keeble und Gamble (40, 41) sowie Doflein (14) bekannt. So sagen die engli- schen Autoren, daß die Erscheinungen, welche die Pigmente zeigen, nicht ausschließlich durch die Schutzfärbung erklärt werden können. Die Chromatophoren sind Zentren von Stoff wech sei kräften, die nicht nur Pigment bilden, sondern auch zerstören und andere Sub- stanzen daraus bilden, deren Funktion wir noch nicht kennen. Gerade mit Bezug auf den blauen Farbstoff, welcher bei vielen Crustaceen vorkommt, fragen Keeble und Gamble, ob nicht vielleicht die blaue Substanz, welche zur Nachtzeit auftritt, und der eine Schutzwirkung nicht zugesprochen werden kann, vielleicht eine besondere Bedeutung für denStoffwechsel der Tiere hat, wie es in der Tat durch Bauer (2) nachgewiesen wurde. Doflein (14) geht in seinen Hypo- thesen sogar noch einen Schritt weiter, indem er die Chromatophoren den Drüsen vergleicht, deren Sekret das Pigment sein soll. Ja die Bildung des blauen Pigmentes wäre als ein Fall von innerer Sekretion anzusehen. Doflein hat diese Hypothese, speziell für die Bildung des blauen Farbstoffes, noch weiter ausgesponnen, doch will ich darauf nicht näher eingehen, da sie einstweilen nur Hypo- these ist und durch Bauers (2) Versuche bereits überholt ist. 3. Einfluß der Eriiährung und chemischer Agentien. Bei den verschiedenen Versuchen über Umfärbung von Hippolyte auf verschieden gefärbten Pflanzen drängt sich unwillkürlich der Ge- danke auf, daß die verschiedenen Pflanzen färb Stoffe, welche mit dem Futter aufgenommen werden, die Umfärbung der Tiere bewirken könnten, wenn sie resorbiert werden. Sie brauchen dazu nicht einmal unverändert im Tierkörper abgelagert zu werden, sondern es können dabei nur jene Komponenten resorbiert werden, welche zur Bildung gleichgefärbter Pigmente im Tierkörper 1342 ß. F. Fuchs, Veranlassung geben. Als Stütze der Anschauung, daß die ümfärbung durch die Pflanzenfarbstoffe der Nahrung herbeigeführt werde, kann die Langsamkeit der ümfärbung in erster Linie angeführt werden. Der Einfluß der Nahrung auf die T i e r f ä r b u n g und im speziellen auf die Farben der Crustaceen ist schon lange diskutiert worden, seitdem Spence Bäte und Westwood (91) angegeben haben, daß die Farbe von Idotea durch das Futter beeinflußt werde, indem Tiere, die sich von Fucus ernähren, dunkel, schwarz, während die grüne Algen fressenden Tiere grün sein sollen. Möbius (64) glaubt aber, daß die Nahrung keinen Einfluß auf die Färbung habe, weil er sowohl bei schwarzbraunen Tieren, als auch bei einigen gelbbraunen Exemplaren einen blaßgrünen Darminhalt von verschiedenen Pflanzen gefunden hat. Aus der Farbe des Darminhaltes auf die Anteile der Nahrung an der Entstehung der Pigmente schließen zu wollen, erscheint mir ein Unding zu sein, da doch eine Inspektion des Darm- inhaltes keinen Aufschluß darüber gibt, welche Substanzen bereits resorbiert worden sind und auch gar nicht erkennen läßt, welche Teile noch resorbiert werden dürften. Diese Methode ist zur Entscheidung der uns interessierenden Frage absolut unbrauchbar. Matzdorff (56) stellte Fütterungsversuche an verschiedenen Farbenvarietäten von Idotea an, ohne daß sich ein Einfluß der Nahrung auf die Färbung gezeigt hat. „Niemals veränderten die Tiere auch nur im geringsten ihre Farben oder wurden sie einander ähnlich. Es wäre übrigens auch schwer einzusehen, wie die Nahrung auf das Pigment oder auf die Bewegungen der Chromatophoren einen Einfluß ausüben sollte." Mir wäre es sehr viel wesentlicher gewesen, zu hören, wie und im be- sonderen wie lange Zeit und unter welchen sonstigen Be- dingungen diese Fütteruugsversuche angestellt worden sind, leider fehlen über diese Punkte alle Angaben. Leider sind mit diesen höchst mangelhaften Versuchen unsere Kenntnisse über den Einfluß der Nahrung auf die Färbung der Crustaceen erschöpft, aber ich glaube nicht, daß damit die ganze Frage auch nur im entfertesten ent- schieden sein kann, sondern hier müssen wieder neue systemati- sche Untersuchungen einsetzen, da die Umfärbungsversuche von Keeble und Gamble an Hippolyte, falls sie sich bestätigen sollten, Erfolg verheißend erscheinen. In seinen letzten Untersuchungen hat Gamble (24) bereits dieses Thema angeschnitten. Seine Untersuchungen ergaben, daß das zuerst entwickelte rote Pigment der Crustaceen unabhängig ist von der Farbe der Pflanze, welche die Mutter frißt; bei in der Dunkelheit gehaltenen Tieren scheint aber eine Beziehung zwischen Futter färbe und Tier färbe zu bestehen, die aber keineswegs klargestellt ist. Gamble selbst hält es nicht für sehr wahrscheinlich, daß die Färbung der Hippolyle durch die Farbe des Futters beeinflußt wird. Schmankewitsch (87) hat bei Daphnien Farbenvarietäten be- obachtet, die er auf den verschiedenen Salzgehalt der betreff"enden Wässer bezieht; so ist Daplinia rectirostris in Süßwasser fast farblos, schwach gelblich gefärbt, während die gleiche Art des Chadschibai- salzsees rot ist; ferner sind verschiedene Veränderungen der Farbe je nach dem Salzgehalt des Wassers auch an Artemia salina beob- achtet worden. Systematische Untersuchungen über die Beeinflussung der Färbung hat jedoch Schmankewitsch nicht angestellt. Dagegen Der Tarbenwecbsel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. 1343 versuchte Matzdorff (5G) den Einfluß des Salzgehaltes auf die Färbung zu ermitteln, indem er Idotea in Salzwässern von 0,66 bis 2,62 Proz. beobachtete, aber keines der Versuchstiere ließ während der 24-stündigen Beobachtungszeit eine Veränderung der Färbung erkennen. Aber auch diese Versuche Matzdorffs halte ich nicht für beweisend, so daß neue systematische Versuche auch hier sehr erwünscht sind. Pouchet (74, 76) glaubte die Einwirkung des Sauerstoffmangels auf die Färbung zu untersuchen, indem er Crustaceen {llomanis und Palaemon) in Gefäßen mit Wasser hielt, das mit einer Oelschicht bedeckt war, um den Sauerstoffzutritt aus der Luft zu verhindern. Da aber bei dieser Methodik nicht nur Sauerstoffmangel, sondern auch Kohlendioxydanhäufung stattfinden muß, so kann natürlich von einer Verwertung der wechselnden Re- sultate keine Rede sein. Auch andere chemische Agentien wurden auf koloratorischen Effekt geprüft, so schwache Säuren von Focillon (15), welche bei Astacus eine Rotfärbung hervorbringen, welche Focillon auf eine Lösung der blauen kristallinischen Substanz in der Säure bezieht. Den Einfluß von Säuren auf die Bewegung der Chromatophoren von Idotea hat Menke (60) untersucht, indem er zu 50 ccm Seewasser 1 ccm 0,1 Normalsalzsäure zusetzte, worauf eine Expansion der Chro- matophoren eintrat, die Menke auf eine durch den Säurezusatz be- dingte Herabsetzung des Stoffwechsels zurückführt. Den Beweis für diesen Zusammenhang der Dinge ist uns Menke vollkommen schuldig geblieben, zumal eine direkte Wirkung der Salzsäure ohne Stoff- wechselveränderung nicht ausgeschlossen ist, und es auch nicht be- wiesen ist, daß ein Zusatz von Salzsäure zum Seewasser den Stoff- wechsel von Idotea herabsetzt, ebensowenig ist bewiesen, daß eine Verminderung des Stoffwechsels die Expansion der Chromatophoren bei Idotea bewirkt. Auf Zusatz von Aether zum See Wasser zeigte sich während des Erregungszustandes des Tieres eine Pigmentretraktion, während der Narkose eine Expansion. Offenbar handelt es sich dabei um Einwirkungen des Aethers auf das zentrale ko lora torische Nervensystem. Menke läßt das aber unent- schieden, da er eine Her ab setz un g des Gesamtstoffwechsels durch Aether für möglich hält, die gleichfalls nach Menkes Meinung zu einer Pigmentexpansion führen würde. Diese gekünstelte Hypothese ist gleichfalls durch keine Tatsachen bewiesen. Endlich sind auch bei Crustaceen die koloratorischen Wirkungen verschiedener A Ikal oi d e geprüft worden. Curare, Atropin, Digi- talin, Nikotin und Morphin zeigen keine Wirkung bei den verschiedeneu Crustaceen {Portunus, Carcinus^ Homarus, Cancer pagurus, Palaemon Pouchet, 76; Yung. 99). Während Yung vom Strychnin keine Farbenveränderung sah, glaubte Pouchet einen raschen Farben- wechsel bei Palaemon beobachtet zu haben, aber es handelt sich in Pouchets Versuchen nur um eine intensivere Wirkung des dunklen Untergrundes, wobei eventuell zugegeben werden kann, daß das Strychnin infolge der allgemeinen Erregbarkeitssteigerung auch die Wirkung des Untergrundes erhöht. Nur das Santonin ruft nach Pouchet (74, 76) bei Palaemon und Crangon eine starke an- dauernde Expansion der Chromatophoren hervor, die auch dann nicht verschwindet, wenn man die vergifteten Tiere auf einen hellen Grund bringt. Erst wenn die Vergiftung wieder abgeklungen ist, reagieren 1344 R. F. Fuchs die Chromatophoren auf den Untergrund. Die Santoninwirkung soll auf einen Zusammenhang zwischen den Chromatophoren und dem Auge hinweisen, da dieses Gift gleichzeitig auf die Chromatophoren und den Opticus wirkt, aber den Beweis für die Opticuswirkung bleibt uns PoucHET leider gänzlich schuldig, es sei denn, daß Pouchet glaubt, daß das Auftreten von Gelbsehen beim Menschen nach Santonin ein Beweis für die Wirkung des Giftes auf den Opticus der Crustaceen sei. Wenn wir das Fazit aus allem ziehen, was wir über die Beein- flussung der Chromatophoren der Crustaceen durch chemische Einflüsse (einschließlich der Ernährung) wissen, so können wir einge- stehen, daß es so gut wie nichts ist, und daß hier von neuem auf- gebaut und mit einer Versuchstechnik gearbeitet werden muß, die alle anderen Fehlerquellen , insbesondere Licht- und Untergrund- wirkungen, ausschließt. 4. Einfluß der Temperatur. Unter den allgemeinen Lebensbedingungen hat zweifellos die Temperatur einen Einfluß auf die Färbung der Crustaceen. Zwar hat Weismann (96), wie ich schon früher angeführt habe, den Einfluß der Temperaturerniedrigung auf die Blaufärbung der Daphnien entschieden in Abrede gestellt, und Matzdorff (56) tut dies auf Grund seiner Versuche für Idotea gleichfalls, aber ich halte weder die WEiSMANNschen Deutungen für richtig, noch Matzdorffs Versuche für beweisend. In einer Versuchsreihe wurde das Wasser allmäh- lich bis 30^ erwärmt, in anderen Fällen wurden die Tiere aus einem Wasser von 12^ in ein solches von 25 oder 30^ übertragen. Im letzteren Falle starben die Tiere binnen kurzer Zeit; außerdem wurden die Tiere in Wasser bis auf 4 ** abgekühlt, indem eine Kälte- mischung von Glaubersalz und Salzsäure dem W^asser, in dem die Tiere sich befanden, zugesetzt wurde. In allen Versuchen wurden die Tiere niemals längere Zeit beobachtet. Ueber die Beleuch- tungs- und Untergrundverhältnisse der Gefäße, in denen sich die Tiere befanden, werden gar keine Angaben gemacht, so daß diese Versuche mit ihren ganz unübersichtlichen Bedingungen vollkommen unbrauchbar sind, um irgendwelche Schlüsse daraus zu ziehen. Aber Matzdorff gibt, wie schon erwähnt, selbst an, daß der Farben- wechsel im Sommer leichter erfolgt als im Winter, und daß bei 10*^ kein sicherer Farbenwechsel zu erzielen ist. Auch Menke (60) hat den Einfluß der Temperatur auf die Ex- pansion und Retraktion der Chromatophoren bei Idotea untersucht und fand bei Steigerung der Temperatur bis zu 25*^ eine Ballung des Pigmentes, dagegen über 25*^ eine Expansion; beim Abkühlen zur Ausgangstemperatur tritt wieder Expansion ein, Menke führt auch diese Veränderungen auf die Veränderungen des Stoffwechsels zurück, indem er annimmt, daß der Stoffwechsel bei Erhöhung der Wassertemperatur bis 25 ^ steigt, bei weiterer Temperatursteigerung aber sinkt. Die Stoffwechsel- Steigerung bewirkt Retraktion , die Verminderung Expansion der Chromatophoren. Der von Menke angenommene Zusammenhang wäre ja als wärmeregulatorische Einrichtung möglich, ja sogar höchst zweckmäßig. Nur ist uns Menke für seine F.rklärung den Beweis vollkommen schuldig geblieben. Vor allem müßte der Beweis erbracht Der Farbenwechsel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. 1345 werden, daß Idotea eine Temperaturgrenze des Stoffwechsels bei 25 ^^ hat, was eine ganz willkürliche Annahme ist. Ferner sind andere Erklärungen ebenso wahrscheinlich, denn mit der Temperaturzunahme tritt eine Steigerung der Reizbarkeit des Nervensystems ein, während bei höheren Temperaturen (vielleicht 25*^) dann eine Wärmelähmung eintritt. Außerdem ändert sich bei steigender Temperatur der osmotische Druck des Seewassers infolge der Zunahme der Dissoziation der einzelnen Salzmolekeln, so daß osmotische Reizungen auch mit in Betracht kommen. Es ist also in Menkes Versuchen keineswegs bewiesen, daß die durch die Temperatur her- vorgebrachten Aenderungen des Gesamtstoft'wechsels die primären direkten Ursachen für die Pigmentverschiebungen in den Chromato- phoren sind. Den vorher angeführten negativen Angaben steht auch die Be- obachtung JouRDAiNs (37) gegenüber, daß der Farbenwechsel von Nica bei Temperaturen von 5 — 6*^ sehr verlangsamt wird, und daß bei 0^ die Chromatophoren sich vollständigretrahieren, so daß die vorher gefärbten Tiere, auch wenn sie augenlos waren, vollkommen farblos werden. Auch Keeble und Gamble (23, 41) geben an, daß Hippolyte in Wasser von 32^ C (90 *' F) ihre Farbe langsam ändert, so daß die Farbenänderungen gezeichnet werden konnten. Durch Licht blau gefärbte aufgehellte Exemplare zeigen in 15,5 ** warmem Wasser binnen 5 Minuten eine grünbraune Färbung, in 8° warmem Wasser wird die Blaufärbung zunächst nicht verändert; 35*^ warmes Wasser tötet das Tier, konserviert aber die intensive Blaufärbung stundenlang. Wird ein solches Tier in kaltes Wasser ge- bracht, so beginnt nach 35 Minuten die Blaufärbung abzublassen und ist im Verlauf einer Stunde verschwunden. Doflein (14) hat bei Leander xiphias, die in 5 — 8° kaltem Wasser und in der Dunkelheit gehalten wurden, nach 2 — 3 Tagen eine „knallblaue" Färbung auf- treten sehen, dann gingen die Tiere zugrunde. Die Gewebe und Chromatophoren waren von dem blauen Farbstoff vollkommen im- prägniert, während die anderen Farbstoffe vollkommen retra- hiert waren. Leider läßt der Versuch, wie Doflein selbst erwähnt, keine Schlüsse zu, ob die Blaufärbung als Wirkung der Temperatur- erniedrigung, oder Dunkelheit, oder als Kombinationswirkung beider Faktoren anzusehen ist. Megusar (59) beschreibt bei Gelasimus, Foiamohius, Palaemonetes eine Expansion der Chromatophoren bei plötzlichem Zusatz von warmem Wasser zum Aquariumwasser; nach Zusatz von kaltem Wasser tritt eine Retraktion ein. Aber auch hier ist nicht erwiesen, ob es sich um direkte Temperaturwirkungen auf die Chromatophoren handelt oder Retraktionsemflüsse des Nerven- systems entweder auf Temperatur- oder osmotische Reize. Jedenfalls zeigen aber die positiven Angaben, daß Farbenveränderungen durch Temperatureinflüsse wahrscheinlich sind. Eine endgültige Klärung dieser interessanten Fragen ist aber nur von neuen Versuchen zu erwarten, die namentlich mit Rücksicht auf das Verhalten des blauen Pigmentes von wesentlicher Bedeutung sein werden. Handbuch d. vergl. Physiologie. III, 1. 85 1346 R. F. Fuchs, 5. Postmortale Veräiicleruiigen, Wie bei den Cephalopoden postmortale Farbenänderungen auf- treten, so werden auch bei den Crustaceen während des Ab- sterbens und nach dem Tode des Tieres noch Farben- änderungen wahrgenommen. Die Chromatophoren überleben noch eine ziemlich beträchtliche Zeit, wie bereits Pouchet (76) als wahr- scheinlich angegeben hatte. Bauer (i) konnte an isolierten Haut- stücken von Idotea, die in gut durchlüfteten! Seewasser gehalten wurden, mehrere Stunden eine unveränderte Farbe beobachten, dann beginnen aber die Absterbeerscheinungen, die Haut wird trübe und die Chromatophoren retrahieren sich. Die noch überlebenden iso- lierten Chromatophoren zeigen keine Retraktion auf Veränderung des Untergrundes. Auch Keeble und Gamble (41) haben die Reaktion der Chromatophoren isolierter Hautstücke von Palaemon und Hippolyte auf Licht beobachtet. Bei i/omarMs expandieren die roten Chromatophoren im Augenblicke des Todes, ebenso wird Palaemon im Tode rot, durch Zerstörung des blauen Pigmentes, infolge der postmortalen Säurebildung (Pouchet, 76). Ferner wurden post- mortale Farbenveränderungen von Doflein (14) beobachtet an Leander, die in Wasser liegen gelassen wurden oder in Alkohol gelegt wurden. Die Tiere blassen zuerst ab, werden später wieder dunkel, doch sind dann alle Farbentöne verschwunden bis auf Rot, das allein übrig bleibt, das in Alkohol nach langer Zeit auch noch schwindet. Auch Krankheit hat gewisse Farbenveränderungen zur Folge, Astacus wird rot oder blau (Focillon, \b), hQ\ Phronima retrahieren sich die Pigmentzellen vollständig, so daß das Tier durchsichtig er- scheint; diese Retraktion tritt auch beim sterbenden Tier auf (Min- KIEWICZ, 63). 6. Einfluß des Nervensystems. Die Beziehungen zwischen dem Nervensystem und den Chromatophoren sind bei den Crustaceen noch sehr wenig studiert. Es liegt dies offenbar daran, daß die üblichen Experimental- methoden der Physiologie sich hier nur schwer anwenden lassen und operative Eingriffe am zentralen und peripheren Nervensystem ohne große Nebenverletzungen nicht ausführbar sind und von den Tieren sehr schlecht vertragen werden, so daß sie bald an den Folgen der Operation zugrunde gehen. Zunächst wurden von Pouchet (74,76) elektrische Reizungen mit Induktionsströmen an Palaemon und Homarus ausgeführt, ohne daß konstante Erfolge erzielt wurden. Doch konnte bei einem jungen roten Hummer durch Einwirkung des elektrischen Stromes eine Grünfärbung hervorgerufen werden, die nach Aufhören der elek- trischen Reizung der ursprünglich vorhandenen Rotfärbung wieder Platz macht. Auch direkte elektrische Reizung der roten Chromatophoren unter dem Mikroskop erwähnt Pouchet (76), bei der die Chromatophoren ihre Fortsätze einziehen und endlich kugelförmig werden. Dann erfolgt aber eine sehr rasche Ex- pansion, welche durch verstärkte Reizung nicht aufgehalten werden kann. Embryonen erblassen bei elektrischer Reizung. Außer Pouchet haben nur noch Gamble und Keeble (23) elektrische Reizungen an Der JFarbenwechsel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. 1347 Hippolyte ausgeführt. Wurde ein durch Licht aufgehelltes und blaues Tier 40—60 Sekunden mit starken Induktionsströmen gereizt, so war eine augenblickliche Wirkung nicht zu konstatieren, aber beim Liegen- lassen in Wasser verlieren die Tiere schneller ihre Durchsichtigkeit und Nachtfarbe als ungereizte Tiere. Grüne Arten werden nach 30 Sekunden langer Reizung mit dem konstanten Strom innerhalb einer halben Stunde braun. Die sonst so lehrreichen Versuche über den Erfolg der Nerven- durchschneidung haben leider bei Crustaceen bisher keine verwertbaren Resultate ergaben. Matzdorff (56) sowie Menke (60) sahen nach Bauchstran gdurch sehn ei dun g an Idotea keinen sicheren Erfolg. Dagegen soll nach Durchschneidung eines Rückense g,m e n t e s ohne Verletzung des Rückengefäßes eine dauernde Expansion der Chromatophoren eintreten (Menke, 60). Da es sich hier um eine sehr eingreifende Operation handelt, so könnte der Er- folg des Eingritfes als eine allgemeine Shockwirkung angesehen werden. Pouchet (76) hat an Palaemon die Nerven durchschnitten, welche das Rückengefäß begleiten. Als Folge dieser Ope- ration beschreibt Pouchet ein vollständiges Erlöschen des Farbenwechsels, ob am ganzen Körper oder bloß an einzelnen Teilen ist nicht gesagt; ferner tritt eine milchige Trübung der Ge- webe auf, die ja auch von Doflein (14) und Bauer (2) erwähnt wird. Durchschneidung des dorsalen Gefäßes zwischen den Schwanzsegmenten hat manchmal einseitige Lähmung der Chromato- phoren zur Folge. Der Versuchsbericht Poüchets ist aber dermaßen unklar, daß ich nicht weiß, ob Pouchet die Retraktion der Chromato- phoren hinter der Durchschneidungsstelle oder die Expansion vor der Operatiousstelle als Erfolg des Eingriffes ansieht. Da Pouchet von Lähmung spricht und eine amöboide Beweglichkeit der Chromatophoren annimmt, so wird er wohl die Retraktion des Pigmentes als Lähmung und auch als Erfolg der Operation ansehen. In manchen Phallen war die Operation ohne jeden Erfolg. Ich vermute, daß Pouchet bei diesen Gefäßdurchschneidungen zufällig manchmal koloratorische Nerven mit durchschnitten hat, manchmal eben nicht, so daß nichts anderes übrigbleibt, als alle Versuche von neuem und sorgfältiger zu wieder- holen. Mayer (57) hat an einer nicht näher angegebenen Isopoden- art den Bauch sträng in der Höhe des 5. Brustfußpaares durch- schnitten und darauf Verlust des Farbe nv^echsels beobachtet, aber Mayer selbst erklärt diese chromatische Uuempfindlichkeit als eine Folge des intensiven allgemeinen Shockes, der nach wenigen Stunden zum Tode führt. Gamble und Keeble (23) haben Hippo- lyten durch einen Schnitt in eine vordere und hintere Hälfte ge- teilt. Bei Reizung der vorderen oder hinteren Hälfte des grünen Tieres tritt Braunfärbung ein. Daraus schließen die Autoren, daß der faradische Strom entweder durch die Bauchstrangganglien oder direkt auf die Chromatophoren wirkt, aber nicht durch das cerebrale Zentrum, weil bei den Reizversuchen die Schwanzhälfte früher dunkel wird als die Kopfhälfte. In anderen Versuchen wurde der Bauchstrang hinter dem Buckel in der Mitte des Abdomens bei aufgehellten blaugefärbten Nachttieren durchschnitten. Nach der Operation wurden die Tiere in eine weiße Schüssel gesetzt. An der Schwanzregiou verschwand zuerst fast unmittelbar nach der Operation die Nachtfärbung, dann an 85* 1348 R. F. Fuchs, der Kopfregion, während der Mittelkörper noch nach einer halb- stündigen Belichtung seine Nachtfärbung behielt. Die Erklärung, die Gamble und Keeble für diesen Versuch geben, ist für mich schwer verständlich gewesen ; wenn ich die Autoren richtig verstanden habe, so soll der Shock nach der Durchschneidung den Tonus der Chromatophoren für die Retraktion der roten und gelben Pigmente hemmen, weshalb sich die peripheren Teile rasch erholen, indem an diesen Teilen die gelben und roten Pigmente expandieren. In den mittleren Körperregionen sollen hingegen besondere Verbindungen der Chromatophoren mit dem Nervensystem bestehen, die die Lang- samkeit der Erholung erklären. Leider geben die Autoren nicht an, welcher Art die nervösen Mechanismen und V^erknüpfungen sein sollen. Mir scheint eine wesentlich einfachere Erklärung dieser intensiveren Störung des Farbenwechsels an dem Mittelstück, d. h. in der Nach- barschaft der Operationsstelle, möglich zu sein, ich vermute, es handelt sich um Nebenverletzungen der inneren Organe und etwaige damit verbundene Reizungen und Nebenverletzungen größerer Strecken des Bauchstranges, wodurch die chromatische Funk- tion dieser Regionen schwer geschädigt ist. Im Schwanzteil sind solche Nebenverletzungen nicht so umfangreich, weil die Hauptorgane nach vorn (kopfwärts) gelegen sind. Fröhlich (19) hat bei Pcdaemon die zu einem Bein führenden Nerven möglichst zentral durchschnitten. Nach der Durch- schneidung geraten die Chromatophoren des Beines in Expansion, der Tonus der Chromatophoren ist vernichtet, die distalen Partien der Beinabschnitte erscheinen dunkelrot gebändert mit einer peripher davon gelegenen homogenen hochgelben Zone. Gerade die Versuche der neueren Autoren ermuntern zu weiteren operativen Studien über das koloratorische Nervensystem der Crustaceen, da noch vieles zu tun übrig bleibt, denn Gambles und Keebles Versuch hat nur Fragen angeschnitten, ohne sie zu beantworten. Ueber die chromatische Funktion des eigentlichen Gehirnes, der Schlundganglien und ihrer Verbindungen, sind wir ganz im unklaren. Es hat zwar Yung (99) außer Durchschneidungsversuchen am Bauchstrang, den Thoraxganglien, auch solche an verschiedenen Abteilungen der Schlundganglien bei Palaemon, Carcinus, Portunus, Cancer i)agurus angestellt, aber nirgends ist eine Beobachtung angeführt, die erkennen ließe, daß wesentliche Farben- veränderungen aufgetreten seien. Trotzdem unsere tatsächlichen Kenntnisse über den Einfluß des zentralen Nervensystems auf die Chromatophoren als sehr mangelhafte bezeichnet werden müssen, so zweifelt die Mehrzahl der Forscher doch nicht an der Wichtigkeit seines Einflusses auf die Färbung. Ja, Gamble und Keeble (23) schreiben die Erhaltung der normalen Färbung und Zeichnung, welche der Umgebung angepaßt sind, dem Zentralnervensystem zu. Obwohl es auch Reize gibt, die ohne Ver- mittelung der optischen Bahnen wirken, so ist doch bei den Crustaceen die Hauptwirkung auf die Färbung auf dem Wege der optischen Bahnen durch das Gehirn vermittelt. Der adäquate Reiz für diese Erregungsvorgänge ist das Licht, dessen Ein- wirkung wir in dem folgenden Abschnitt studieren werden. Der Earbenwechsel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. 1349 7. Einfluß des Lichtes. Das Licht ist der wichtigste und wirksamste Reiz für das Chromatop hören System. Wenn wir aber Klarheit über die Lichtwirkung erlangen wollen , dann muß vor allem die Wirkung der Intensität und des Untergrundes scharf voneinander geschieden werden, was leider in den Versuchen der früheren Autoren nicht geschehen ist. Es ist ein ganz besonderes Verdienst von Keeble und Gamble, diese beiden Faktoren getrennt auf ihre kolo- ratorische Wirkung untersucht zu haben. Endlich ist bei der Licht- wirkung auch noch der Anteil der Augen an dem Zustandekommen der Lichtwirkung zu ermitteln. Alle diese Untersuchungen können aber zu widersprechenden Resultaten führen, wenn dem periodischen Tag- und Nachtfarbenwechsel der einzelnen Crustaceen, der gleichfalls von Keeble und Gamble zuerst genau studiert wurde, nicht die er- forderliche Aufmerksamkeit geschenkt wird. a) Der periodische Parbenwechsel. Der Tag- und Nachtfarben Wechsel ist zuerst von Jour- DAiN (37) bei Nica beobaciitet worden, aber die folgenden Unter- sucher, vor allem Pouchet (76), bestritten lebhaft, das Vorhanden- sein einer besonderen Nachtfärbung, ja Pouchet geht sogar so weit, daß er behauptet, die Crustaceen könnten die künstliche Dunkelheit, welche auf die Pigmentzellen einen Einfluß ausübt, von der natür- lichen Dunkelheit, welche wirkungslos ist, unterscheiden. Auch Matz- DORFF (56) leugnet den Tag- und Nachtfarbenwechsel bei Idotea. In den letzten Jahren ist aber der periodische Farbenwechsel zweifellos festgestellt worden, von Keeble und Gamble (23, 39, 41) sowie Minkiewicz {Q2) an Hippolyte, Palaemon, Mysiden, Pandalus, von Bauer (1) und Menke (60) an Ideotea und von Doflein (14) sowie Fröhlich (19) an Leander = Palaemon^ sowie von Degner (11) an Crangon, endlich von Megusar (59) an Gelasimus, Palaemo- netes und Palaemon. Potamobius hat einen sehr schwachen peri- odischen Farbenwechsel. Bei Eintritt der Dämmerung entwickelt sich allmählich die Nachtfarbe, indem z. B. bei Hippolyte als Vorläufer eine rote Dämmerungsfarbe erscheint, die durch eine grüne Zwischen- stufe in die eigentlich blaue Nachtfarbe übergeht, bei welcher die Intensität des Blau sehr wechseln kann. Da zur Nachtzeit sich das rote und gelbe Pigment vollkommen retrahieren, so tritt gleich- zeitig mit der Blaufärbung eine hochgradige Transparenz des ganzen Tieres auf. Häufig kann man sehen , daß die maximal retra- hierten Chromatophoren nur noch dunkle Punkte darstellen; es ist ein dunkelrotes Zentrum mit einem hellgelben Fleck vorhanden, das ganz von blauem Pigment eingehüllt erscheint (Fig. 50—52). In einigen Fällen verschwindet sogar das blaue Netzwerk, so daß eine durchsichtige schwach graue Färbung allein auftritt. Diese Nacht- farbe hält bis zur Morgendämmerung an , wo sie allmählich ver- schwindet, und die Tiere die Tagfärbung wiedererlangen. Dieser peri- odische Farbenwechsel wird sowohl durch die Jahreszeit und die be- sonderen atmosphärischen, als auch Laboratoriumsbe- dingungen beeinflußt. So tritt die Nachtfarbe bei Tieren, die in weißen, mit Musselin bedeckten Porzellanschüsseln gehalten werden, früher ein, als wenn sich die Versuchstiere in Glasgefäßen befinden ; 1350 R. r. Fuchs, 6, 472 P- ^^• D 6, SVj p. m. 8,3 p. m. Fig. 56. Hippolyte varians. Allmähliche Wiederausbreitung des gelben und roten Pigmentes und Ketraktion des blauen Pigmentes infolge Belichtung des nachtfarben ge- wordenen Tieres. Vier Stadien derselben Chromatophore von 6,2 Uhr bis 8,3 Uhr abens. (Nach Gamble und Keeble.) \r V Fig. 51. Fig. 52. Fig. 51. Hippolyte varians. Chromatophore eines nachtfarbigen Tieres mit starker Retraktion des roten und gelben Pigmentes, starke Expansion des blauen. (Nach Gamble und Keeble.) Fig. 52. Hippolyte ttarians. Vollkommen nachtfarbiges Tier mit geringer Ex- pansion des blauen und geringer Retraktion des roten Pigmentes, wie es im Winter häufig vorkommt. (Nach Gamble und Keeble.) Der Farbenwechsel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. 1351 im ersteren Falle bleibt auch die Nachtfarbe länger erhalten als im letzteren. Man kann die Nachtfarbe auch künstlich erzeugen, wenn man die Tiere namentlich am Abend in^ weißen Porzellan- schüsseln einer starken Belichtung, z. B. durch Gasglühlicht, aussetzt. Diese Beobachtung von Keeble und Gamble wurde auch von DoFLEiN (14) für Leander bestätigt. Aber diese durch Licht na cht färben gemachten Tiere unterscheiden sich von den durch die Dunkelheit nachtfarbig gewordenen durch ihre geringe Em- pfindlichkeit auf Licht. Denn bei den auf natürliche Weise nachtfarben gewordenen Tieren genügt schon das Zwielicht der Dämmerung oder in manchen Fällen ein Blitzlicht, um die Nacht- farbe zum Verschwinden zu bringen. Der periodische Farbenwechsel ist bis zu einem gewissen Grade unabhängig von der Intensität der Beleuchtung, denn in einer Versuchsreihe zeigten ständig in der Dunkelheit gehaltene Versuchstiere genau den gleichen periodischen Tag- und Nachtfarbenwechsel wie dem Tageslicht ausgesetzte Kontroll- tiere, ebenso verhielten sich durch Amputation der Augen ge- blendete Tiere, nur verlief bei ihnen der Farbenwechsel langsamer. Aber bei sehr langer kontinuierlicher Einwirkung der Dunkelheit wird die Periodizität allmählich unter- drückt, es kommt schließlich eine sehr starke Lichtempfindlichkeit zustande. In einer anderen Versuchsreihe wurden Hippolyten dauernd bei konstantem Licht (elektrisches Glühlicht) gehalten. Aber auch bei diesen Tieren trat die periodische Tag- und Nachtfärbung auf. Es zeigt sich also eine weitgehende, wenn auch nicht vollkommene Unabhängigkeit des periodischen Farben- wechsels von der Intensität des Lichtes. Da nun auch Larven bereits diesen periodischen Farbenwechsel zeigen, so nehmen Keeble und Gamble an, daß es sich um einen vererbten Rhyth- mus handle, wobei die Nachtfarbe durch einen besonderen nervösen Zu- stand des Tieres hervorgerufen wird, weil zur Nachtzeit auch die Herz- frequenz wesentlich zugenommen hat, und der Stoffwechsel (Auftreten von Säure) sehr verschieden zu sein scheint gegenüber jenem während des Tages. Zu im wesentlichen übereinstimmenden Resultaten ist auch Menke (60) bei seinen Versuchen über den periodischen Farben- wechsel an Idotea gelangt , selbst nach 33-tägiger ununterbrochener Dunkelheit konnte noch die Periodizität, wenn auch etwas schwächer, beobachtet werden, sodaß für den Umfang der Reaktion der täg- liche Wechsel der Lichtintensität von nicht zu ver- nachlässigendem Einfluß ist. Das zeigen auch die Versuche, bei denen Tiere, welche lange Zeit in dauernder Dunkelheit gehalten wurden, dann unter normalen Bedingungen eine Verstärkung des periodischen Farbenwechsels erkennen lassen. Dagegen ist der von Menke mitgeteilte Versuch , welcher das Weiterbestehen des peri- odischen Farbenwechsels bei konstanter Beleuchtung beweisen sollte, durchaus nicht deutlich, denn in diesem Versuch sind zwar Schwan- kungen im Expansionszustand der Chromatophoren vorhanden, aber keineswegs so , daß die regelmäßige Tag- und Nachtfärbung zu er- kennen wäre, denn oft sind die Versuchstiere abends dunkler als am Tage, und außerdem zeigen die beiden Versuchstiere unter den gleichen Versuchsbedingungen oft das entgegengesetzte Verhalten, so daß dieser Versuch als Beweis dafür, daß der periodische Farbenwechsel auch bei konstanter Belichtung weiter besteht, unbrauchbar ist. 1352 R. F. Tuchs, Um zu zeigen , daß auch der Wechsel der Beleuchtung für das Zustandekommen des periodischen Farbenwechsels von Bedeutung ist, versuchte Menke, einen dem normalen Rhythmus entgegen- gesetzten hervorzurufen, indem er die Versuchstiere bei Tag ver- dunkelte und nachts erleuchtete. Die Umkehr des Rhythmus gelingt nur bis zu einem gewissen Grade, denn die Versuchsprotokolle zeigen doch manche Unregelmäßigkeiten. Werden nun die Tiere mit dem neuen umgekehrten Rhythmus in dauernde Dunkelheit gebracht, so verliert sich allmählich der neue Rhythmus, und der ursprüng- liche normale Rhythmus kehrt zurück. Menke hat auch ver- sucht, an Stelle des normalen 12-stündigen Rhythmus einen solchen von 6 Stunden zu erzeugen. Das veröifentlichte Protokoll läßt mich aber keinen deutlichen 6-stündigen Rhythmus erkennen. Menke selbst hält die Erzeugung für schwieriger, außerdem ist der neue Rhythmus nach Aufhören der periodischen Beleuchtung nur von ganz kurzer Dauer. Aus allen Versuchen geht hervor, daß der normale Rhyth- mus durch innere Ursachen (Stoff wechselperiodizität) hervor- gebracht ist, aber bis zu einem gewissen Grade durch den Wechsel der Lichtintensität reguliert wird. Bei Gelasimus , Paloemonetes und Palaemon hat Megusar (59) eine künstliche Umkehr des periodischen Farbenwechsels erzielt, wenn er die Tiere tagsüber verdunkelte und während der Nacht be- leuchtete. Bei Pandalus wechselt die Tagfarbe zwischen Grün und Rot, zur Nacht wird das Tier transparent und farblos oder schwach gelblich. Idotea (Bauer, 1) ist bei Tag im Aquarium, das einen Sandboden hat, mittelgrau, die Chromatophoren sind mäßig expandiert, sternförmig. Mit Eintritt der Dunkelheit wird das Tier durchsichtig, die Chromatophoren sind punktförmig retrahiert und bleiben es bis zum Anbruch des Tages. Crangon {Degner, 11) zeigt nachts im Gegen- satz zu allen anderen Crustaceen eine Expansion des schwarzen Pigmentes, während das weiße beträchtlich retrahiert ist. Da dieser periodische Farbenwechsel auch an geblendeten Exemplaren zu beobachten ist, so hält Degner die Nachtfärbung nicht einfach für eine durch die Intensitätsabnahme des Lichtes allein hervorgerufene, sondern auch aus inneren Ursachen bedingte, ohne daß er über diese Ursachen sich besonders äußert. Gelasimus, Palaemonetes und Palaemon (Megusar, 59) werden bei Tag dunkel und bei Nacht hell. b) Wirkung der Belichtung und Verdunkelung. Wenn wir die Wirkung des Lichtes auf die Färbung des Tieres untersuchen wollen, so müssen wir zunächst den Effekt der Belichtung des ganzen Tieres scharf trennen von der Einwirkung des Lichtes auf die Chromatophoren selbst, denn im ersten Falle handelt es sich um komplizierte Wirkungen auf den nervösen optischen Apparat, der reflektorisch Farben Wirkungen auszulösen vermag, die sich keines- wegs mit der direkten Lichtwirkung auf die Chromatophoren zu decken brauchen. In der Tat zeigen die Crustaceen ein solches ver- schiedenes Verhalten je nach dem Angriffspunkt des Lichtes, wie aus den Untersuchungen von Keeble und Gamble unzweideutig hervor- geht. Ferner ist der Untergrund, auf dem die Lichtwirkung zustande kommt, von ausschlaggebender Bedeutung. Schon der erste Beobachter des Farbenwechels der Crustaceen, Kröyer (46), erwähnt, daß zuvor dunkelgrüne Hippolyten in einem Der Farbenwechsel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. 1353 Glasgefäß hell - grünblau wurden. Eine solche Aufhellung der Versuchstiere im diffusen Tages- oder direkten Sonnenlicht haben beschrieben: F. Müller (66) für Atyoidea potimirium und Fnlaemon poranga, die glashell werden, Malard (54) bei Hlppolyte, Jourdain (37) bei Nica eduUs, Matzdorff (56) bei Idoiea, Keeble und Gamble (23, 40, 41, 43) bei Hippolyte, Palaemon sowie Mysiden, Doflein (14) und Fröhlich (19) bei Palaemon = Leander. Die nähere Untersuchung der Farbenverände- rung bei Hippolyte und Palaemon hat nun ergeben, daß infolge der Einwirkung des Lichtes die roten sowie gelben Chroniatophoren ihr Pigment in die Zentra retrahieren , wobei die vom roten Pigment freien Aeste der Chromatophoreu blaues Pigment in verschiedener Menge enthalten. Da das rote Pigment stärker retrahiert wird als das gelbe, so können durch Mischung von Gelb und Blau grüne Töne zustande kommen, solange das gelbe Pigment noch nicht vollständig retrahiert ist. Da das blaue Pigment als ein Umwandlungsprodukt des roten angesehen wird, so nehmen Keeble und Gamble (41j an, daß das Licht nicht nur eine bildende, sondern auch eine zer- störende Wirkung auf das Pigment ausübt. Bei einem be- stimmten Lichtoptimum erreicht die Pigmentproduk- tion ihr Maximum, bei weiterer Verstärkung des Lichtes nimmt die Produktion ab, und es überwiegt dann die Zerstörung. Bei der Verschiedenartigkeit des Baues der Chromatophoreu an ein und demselben Individuum kann es uns nun nicht wundernehmen , daß die verschiedenen Chromatophoren- gruppen auf einen gegebenen Lichtreiz nicht gleich stark reagieren, ja innerhalb der einzelnen Gruppen sind zwischen den einzelnen Zellen wieder Reaktionsverschiedenheiten aufzufinden. Während das rote und gelbe Pigment sich bei Belichtung des Tieres retrahieren, verhält sich das in den Chromatophoreu vorhandene bewegliche Fett ganz wie das blaue Pigment. Schon durch sehr schwaches Licht wird das Fett infolge der En doplas ma- strömung zunächst in die größeren und endlich in die feinsten Verzweigungen des Chrom atophorensystem es geführt. Es scheint aber dieses Verhalten der Lichtreaktion kein bei allen Crustaceen gültiges zu sein, denn Pouchet (76) beschreibt, daß zwei in der Dunkelheit blau gewordene Hummern bei Einwirkung des Lichtes rot geworden sein sollen , was doch nur möglich wäre infolge einer Zerstörung des blauen und einer starken Expansion des roten Pigmentes, doch scheint mir der Versuch nicht ganz beweisend zu sein, da man aus Pouchets Darstellung keinen genügenden Ein- blick in die ganze Anordnung des Versuches gewinnen kann. Ferner gibt Haller (28) an, daß die weißen Chromatophoren von Protella phasma im Lichte expandieren. Megusar (59) glaubt die wider- sprechenden Angaben der Autoren seien dadurch bedingt, daß sie nicht lange genug beobachtet haben. Nach seinen Versuchen an Gelasimus, Potamohius, Palaemonetes und Palaemon bewirkt eine plötzliche starke Belichtung eine starke Retraktion des Pigmentes, aber nach 1 an ger er Ein Wirkung tritt eine Expansion des Pigmentes ein. Endlich hat Minkiewicz (63) keinen Erfolg des Lichtes bei Phronima sedentaria beobachten können. 1354 R. F. Fuchs, In der Dunkelheit haben eine Expansion der Chromato- phoren beobachtet Jourdain (37) an Nica (Rotwerden), Malard (54) an Hippolyte, Virbius varians (Rotwerden), Matzdorff (56) au Idotea (Dunkelwerden). Aber alle diese Experimente sind wahrscheinlich durch zufällige Versuchsfehler getrübt, sicher kann man das nach den Untersuchungen von Keeble und Gamble für Malards Angabe und nach den Untersuchungen von Bauer für Matzdorffs Befunde sagen. Wie schon in den Ausführungen über den periodi- schen Farbenwechsel erwähnt wurde, zeigen nach Keeble und Gamble (41) Hippolyte^ Macromysis und Palaemon in der D unkelheit eine starke Retraktion der Pigmente in die Zentra der Chromato- phoren, die als kleine Flecke erscheinen, während der Körper trans- parent wird. Bei sehr lange andauernder Dunkelheit erleidet aber das Pigment von Hippolyte deutliche Veränderungen (Keeble und Gamble, 43). Das gelbe Pigment verschwindet ganz, das rote bleibt noch einige Zeit bestehen, verschwindet aber später auch, schließlich sind die Chromatophoren farblos und vollkommen frei von Fett sowie Pigment. In der Dunkelheit ist das Fett im Zentrum der Chrom atop höre als eine flache körnige Masse angehäuft, es liegt in flachen Schollen zu unterst unter dem gelben und roten Pigment. Für Palaemon ^ Leander scheinen die Wirkungen der lange dauernden Dunkelheit etwas andere zu sein. Denn Doflein (14) und Fröh- lich (19) haben bei Palaemon nach lange dauernder Dunkel- heit (in den Versuchen von Doflein 3 — 4 Wochen) eine deutliche Rotfärbung infolge starker Expansion der roten Chromatophoren ge- sehen, die besonders an den roten Chromatophoren des Magens und Darmes hervortrat (Doflein). Der gelbe Farbstoff tritt an Menge wesentlich zurück oder kann ganz verschwinden, und der blaue Farbstoff" fehlt ganz oder ist nur in geringer Menge vorhanden. Meiner Meinung nach braucht hier kein prinz ipiell er Unterschied gegenüber Hippolyte vorzuliegen, die ja auch bei längerer Dunkelheit ein rotes Stadium aufweist. Vielleicht braucht das Verschwinden des roten Pigmentes bei Palaemon nur noch längere Zeit als bei Hippolyte, so daß bei noch längerer Ausdehnung der Experimente Dofleins und Fröhlichs schließlich auch das rote Pigment ge- schwunden wäre, worüber weitere Versuche zu entscheiden haben werden. Auch Faxon sieht die rote Farbe der Tiefsee-Crustaceen als Folge der Dunkelheit an. Für Crangon und Homarus gibt Pouchet (76) ein vollständiges Erblassen in der Dunkelheit an, die roten und violetten Chro- matophoren waren vollkommen retrahiert, auch die weißen Chromato- phoren von Protella phnsma ziehen sich nach Haller (28) in der Dunkelheit vollkommen zusammen, wodurch das Tier dunkel erscheint. Durch die Untersuchungen Bauers (1) an Idotea ergibt sich nun, daß dieses Tier bei v ö 1 1 i g e r D u n k e 1 h e i t eine mittelgraue Färbung aufweist, welche durch einen mittleren Expansionszustand der Chromatophoren erzeugt wird. Wenn man ein maximal helles und ein maximal dunkles Tier in vollständige Dunkelheit bringt, der Untergrund ist dabei vollkommen gleichgültig, so wird das helle Tier allmählich dunkler, während das dunkle Tier allmählich heller wird, bis endlich beide Tiere den mittelgrauen Zustand erreicht haben und nicht mehr voneinander unterschieden werden können. Diesen mittel- grauen Zustand zeigen die Tiere auch bei Tag, wenn sie in einem Der Farbeuwechsel und die chromatisclie Hautfunktion der Tiere. 1355 Aquarium gehalten werden, dessen Boden mit Sand bedeckt ist. Dieser mittlere Expansionszustand der Chromatophoren ist nach Bauer der Ruhezustand, sowohl die weitere Expansion, wie die Retraktion sind aktive Phasen, welche infolge Einwirkung des Lichtes durch Vermittlung des opti- schen Apparates hervorgebracht werden. Auf die Chromatophoren selbst soll das Licht nicht wirken. c) Direkte photische Reizbarkeit der Chromatophoren. Die Frage der direkten Reaktion der Chromatophoren auf Licht hat die Autoren schon lange beschäftigt und J.ourdain (37) schloß auf eine direkte Lichtreaktion der Chromatophoren, weil eine geblendete rot gefärbte Nica im hellen Licht durch Retraktion des roten Pigmentes hell wurde. Aber dieser Schluß ist vollständig unbegründet, da ja noch das ganze periphere und zentrale Nerven- system vorhanden war, auf welche das Licht einen Einfluß ausüben konnte und dadurch indirekt die Chromatophoren beeinflussen konnte. Dieser Schluß ist um so gerechtfertigter, weil das Nervensystem der Crustaceen überall auch in seinen peripheren Teilen Pig- mentz eilen enthält, und wir durch die Untersuchungen Hertels (33) am Bauchstrang des Sipuncidus wissen, daß die Pigment- zellen als Sen sib ilisatoren d er Nervenfasern für Licht- reize anzusehen sind. Aus dem JouRDAiNschen Versuch könnte demnach nichts weiter gefolgert werden, als daß auch augenlose Tiere auf Belichtung zu reagieren scheinen. Da Matzdorff (56) für seine Behauptung, daß die Chromatophoren von Idotea auf Licht nicht direkt reagieren, sondern die Reaktion nur durch die Augen hervorgebracht wird, jeden Beweis schuldig geblieben ist, so brauchen wir uns mit dieser Angabe nicht weiter zu beschäftigen. Ob eine direkte Chro- matophorenreaktion auf Licht vorhanden ist, versuchten Keeble und Gamble (41) an isolierten Hautstücken und abgetrennten Gliedern von Hippolyte und PaJaemon zu entscheiden. Auf Grund ihrer Versuche nehmen die genannten Autoren eine direkte Re- aktion auf Licht an und führen als weiteren Beweis dafür an, daß bei der mikroskopischen Untersuchung die Chromatophoren im hellen Licht expandieren. Aber auch die Beobachtungen der engli- schen Forscher sind nicht streng beweisend, da die Chromatophoren isolierter Hautstücke und abgetrennter Glieder zwar vom zentralen, aber nicht vom peripheren Nervensystem isoliert sind, welches sicherlich noch einige Zeit überlebt. Keeble und Gamble unter- scheiden eine direkte Reaktion der Chromatophoren auf Licht von einer indirekten durch Vermittlung der Augen hervorgebrachten. Die erstere ist bei erwachsenen Tieren rasch vorübergehend und in bezug auf die Schutzfärbung bedeutungslos. Aber diese Reaktion wird beim erwachsenen Tier vollständig in den Hintergrund gedrängt durch die indirekte Reaktion, welche langsam abläuft, dauernde und zweckmäßige Färbungseifekte hervorbringt. Die indirekte Re- aktion wird durch die Augen und den Untergrund bestimmt. Es er- scheint mir aber keineswegs notwendig, die beiden Reaktionsver- schiedenheiten durch die direkte Einwirkung des Lichtes auf die Chromatophoren erklären zu müssen. Denn die verschiedenen Re- aktionen zeigen nur den Unterschied zwischen einer un koordinierten und einer koordinierten Reaktion, welch letztere nur durch Mit- 1356 R. F. Fuchs, Wirkung des Zentralnervensystems zustande kommen kann. Aber daraus darf doch niemals gefolgert werden, daß die u n k o o r d i n i e r t e Reaktion eine direkte mit Ausschluß des peripheren Nervensystems ist. Bauer (1) versuchte zu beweisen, daß die Chromatophoren von Idotea auf Licht nicht direkt reagieren. Zu diesem Zweck wurde das Versuchstier mit Seidenfäden auf einem Objektträger fixiert und so auf ein schwarzes und weißes Papier gebracht, daß das vordere Körperende auf dem schwarzen, das hintere auf dem weißen Grund sich befand oder umgekehrt. Dabei geht die Reaktion so vor sich, als würden nur die Augen allein gereizt, indem das ganze Tier sich entsprechend dem Untergrund färbt, der den Augen darge- boten wird. Keinesfalls darf aber auf Grund dieses Versuches die direkte Reaktion der Chromatophoren auf Licht ausgeschlossen werden, denn das Tier reagiert als Ganzes auf die vom Zentralnervensystem ausgehenden Impulse, welche lokale Reizwirkungen voll- ständig unterdrücken können; man kann nur sagen, daß die von den Augen bestimmte koloratorische Reaktion für das ganze Tier gilt, aber nicht mehr. Als weiterer Beweis für das Fehlen einer direkten Lichtreaktion wird von Bauer angeführt, daß geblendete Tiere mittelgrau sind, maximal helle Tiere auch auf weißem Grund mittelgrau werden, wenn die Augen lackiert werden. Entfernt man den Lack, dann werden die Tiere wieder maximal hell. Ebenso werden maximal dunkle Tiere auf dunklem Untergrund mittelgrau und nach Entfernen des Lackes wieder maximal dunkel. Aber alle diese Tat- sachen zeigen nur, daß die Pigmentverteilung von den Augen be- herrscht wird, jedoch niemals das Fehlen der direkten Lichtreaktion. Denn solange das Zentralnervensystem vorhanden ist, kann sein Einfluß nicht ignoriert werden. Bauer selbst nimmt an, daß die mittlere Expansion der Chromatophoren der Ruhe- zustand der Pigmentzelle also die rein passive Phase ist. Diese Annahme ist aber keineswegs unwiderleglich bewiesen, denn diese Mittelstellung kann mit dem gleichen Recht als ein Tonus ange- sehen werden, der vom Zentralnervensystem ausgeht und so lange unverändert bleibt, als nicht durch Einflüsse der optischen Bahn stärkere Erregungen dem Zentralnervensystem zugeführt werden. Endlich hat Bauer beobachtet, daß die Chromatophoren isolierter Hautstücke nicht auf Veränderung des Untergrundes reagieren. Diese Tatsache könnte nun als Beweis für das Fehlen einer direkten Licht- reaktion angesehen werden, aber auch hier lassen sich Einwände er- heben. Die Intensität der Wirkung des Untergrundes kann für die isolierten Hautstücke zu schwach sein, oder die Reaktion kann bei diesen Intensitätsunterschieden so langsam verlaufen, daß vor dem Deutlichwerden des Erfolges bereits die Ab- sterbeerscheinungen an der Haut auftreten. Endlich könnten die in der Crustaceenhaut von Nusbaum und Schreiber (70), sowie von E. HoLMGiiEN (35) aufgefundenen ganglionären Elemente, die ja zweifellos mit den Chromatophoren Beziehungen haben, periphere Hemmungszentra für die Licht wirkun g da r stelle n , wie sie von Fuchs im Stellarganglion der Cephalopoden (siehe Cephalo- poden) angenommen werden. Bei der prinzipiellen Bedeu- tung, die das Fehlen der direkten Erregbarkeit der Chromatophoren durch Licht hat, muß natürlich alles Für und Wider auf das sorg- Der Farbenwechsel und die chromatisclie Hautfunktion der Tiere. 1357 fältigste abgewogen werden. Wenn ich dies tue, dann kann ich Bauers Anschauung nicht als streng bewiesen gelten lassen, sondern muß diese Frage wenigstens als eine noch offene be- zeichnen. Sollte es gelingen, alle meine Einwände zu entkräften, dann müßte aber erst noch bewiesen werden, daß die Chromatophoren der anderen Crustaceen sich ebenso verhalten wie die von Idotea, be- vor wir für die Crustaceen allgemeingültige Schlüsse ziehen können. In der Tat beschreibt nun Bauer (2) neuerdings, daß die Chro- matophoren von Leander serratus und xiphias durch Licht direkt erregbar sein sollen. Denn bei Versuchstieren, die vor längerer Zeit ihrer Augen beraubt worden waren, trat im direkten Sonnen- licht eine deutliche Retraktion der roten Chromatophoren ein, die sich im Dunkeln wieder ausdehnten. Aber auch diese Beobachtung Bauers kann ich für eine direkte Lichterregbarkeit der Chromato- phoren nicht als beweisend ansehen ; da Bauer als Reiz direktes in- tensives Sonnenlicht verwendet hat, so waren die ultravioletten und thermischen Strahlen als Reize nicht ausgeschaltet, so daß also nicht entschieden ist, ob die von Bauer als direkte Lichtwirkung beschriebene Chromatophorenreaktion wirklich eine solche ist. d) "Wirkung der Intensität und Wellenlänge des Lichtes. Bei den in der Natur als auch im Experiment hervorgebrachten Farbenveränderungen ist vor allem danach zu fragen, ob vielleicht die Wellenlänge des Lichtes oder nur die Intensität von ausschlag- gebender Bedeutung ist. Auch für die später zu behandelnde Frage der Untergrund Wirkung auf die Färbung spielt natürlich die durch die Untergrundveränderung hervorgerufene Vermehrung oder Ver- minderung der Gesamtlichtintensität eine bedeutende Rolle. Genauer untersucht ist die kolorator ische Bedeutung der VeräU'de- rung der Intensität nur von Keeble und Gamble (23, 39, 41), sowie von Bauer(I) ; aber die Resultate dieser Forscher stehen im schroff- sten Gegensatz zueinander, indem Keeble und Gamble die Intensitäts- veränderungen als koloratorischen Reiz betrachten, während Bauer sie für vollkommen wirkungslos ansieht. Nach Keeble und Gamble tritt hQi HippoJyte und anderen Crustaceen bei Erhöhung der In- tensität eine Expansion, bei Verminderung eine Re- traktion des Pigmentes ein, beide werden hervorgebracht durch die direkte Einwirkung der Intensitätsänderung auf die Chromato- phoren. Als Beweise dafür werden angeführt: 1) die vorübergehende Expansion der Chromatophoren, welche die Tiere beim Einbringen in weiße Porzellanschüsseln zeigen. 2) die Retraktion des Pigmentes bei vollkommenem Lichtabschluß, 3) die dauernde Expansion des Pig- mentes geblendeter Tiere, welche in weißen Porzellanschüsseln ge- halten werden, 4) die Expansion der Chromatophoren isolierter Haut- stücke bei Erhöhung der Lichtintensität und endlich 5) die Expansion des Pigmentes bei Larven von Uippohjte und Palaemon nach Er- höhung der Lichtintensität, welche durch die Helligkeit des Unter- grundes nicht beeinträchtigt wird. Gamble und Keeble (23) konnten Hippolyten im direkten Sonnenlicht oder im weißen Gasglühlicht binnen wenigen Minuten grün färben. Wenn ich auch die direkte Wir- kung der Intensitätsveränderung als nicht streng erwiesen betrachte, so scheint doch bei den untersuchten Tieren die Intensitäts- 1358 R. F. Fuchs, Veränderung als koloratorischer Reiz wirksam zu sein. Es kann andererseits aber nach Bauers Untersuchungen (1) keinem Zweifel unterliegen, daß bei Idotea die Gesamtintensität des Lichtes als Reiz gegenüber der Untergrund Wirkung vollkommen zurücktritt und sich nur insoweit äußert, daß bei höherer Lichtintensität die vom Untergrund bewirkte Pigmentverteilung rascher eintritt als bei niederer Intensität. Mittelgraue Tiere zeigen selbst bei vollständiger Verdunklung des Aquariums keine Farbenveränderung, andererseits zeigen mittelgraue Tiere auf dunklem Untergrund selbst bei intensivster Beleuchtung im direkten Sonnenlicht eine Expansion des Pigmentes. In diesem Versuch ist die Gesamtintensität des Lichtes stark vermehrt worden, was allerdings nach Keeble und Gamble eine Expansion bewirken sollte. Wie schon die englischen Autoren angeben, tritt beim er- wachsenen Tier die direkte Reaktion der Chromatophoren gegenüber der durch die Augen bedingten zurück, wie es besonders bei den Amphibien der Fall ist. Man kann vielleicht annehmen , daß diese Präponderanz der Augen bei den verschiedenen Crustaceen eine verschieden starke ist und speziell bei Idotea sehr viel stärker als bei Hippolyte ist, so daß beim erstgenannten Tier die direkte Inten- sitätsreaktion durch die Untergrundreaktion vollkommen verdeckt wird und endlich im Laufe vieler Generationen auch ganz verloren gehen kann. Was endlich die Wirkung des monochromatischen Lichtes verschiedener Wellenlängen anbelangt, so haben sowohl Matzdorff (56) als auch Keeble und Gamble (23, 39 — 41) gefunden, daß die Wellenlänge für die koloratorische Re- aktion gleichgültig ist, daß alle monochromatischen Lichter nur entsprechend ihrer Intensität wirksam sind. Doch scheinen Keeble und Gamble (41) dem grünen Licht eine besonders inten- sive Wirkung auf die Chromatophoren zuzuschreiben. Gamble (24) scheint jedoch neuerdings diese Anschauung auf- gegeben zu haben, denn er berichtet über eine Reihe von Versuchen, in denen Hippolyte durch farbiges Licht zur Bildung einer der Be- leuchtungsfarbe komplementären K ö r p e r f ä r b u n g veranlaßt worden sein soll. Gamble umgab Glasaquarien mit verschieden ge- färbten Algen, welche die Lichtfilter darstellten. Die ganze Me- thode ist äußerst ungenau, da sich einmal die Lichtintensitäten bei verschiedenen Farben sehr verschieden verhalten und außerdem noch die Wirkungen der verschiedenen Helligkeiten des Unter- grundes als Fehler mit in Betracht kommen. Hippolyte soll nun in grünem Licht eine komplementäre Rotfärbung zeigen, indem die grünen Strahlen nicht nur das karminrote Pigment bilden, sondern auch das zinnoberrote zerstören. Aus dem gleichen Grunde, wegen der Anwesenheit von grünem Licht, sollen auch die Tiefseetiere rot gefärbt sein. Rotes Licht bewirkt eine Vermehrung und maximale Expansion des gelben Pigmentes und dadurch hellere Färbung. Gamble nimmt nun für die freilebenden Hippolyten an, daß die grünen Formen an der Oberfläche des Wassers entstanden sein sollen, wo die roten Strahlen am intensivsten wirken. Dadurch kommt es zur Bildung und Expansion des gelben Pigmentes, und durch Mischung des Gelb mit der diffusen blauen Farbe entsteht Der Farbenwechsel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. 1359 dann die Grünfärbuug. In den tiefen Schichten des Wassers sind dagegen die grünen Strahlen überwiegend, weshalb hier die roten Hippolyten entstanden sind. Es wnrde bereits darauf hingewiesen, daß Gambles Versuchs- anordnung eine sehr ungenaue ist, die ein Abschätzen der wirksamen Faktoren nicht gestattet. Aber außerdem scheint mir auch eine irrige Deutung der beobachteten Erscheinungen vorzuliegen. Das von Gamble angenommene Gesetz der komplementären Färbung ist durch seine Versuche nicht erwiesen. Denn im grünen Licht erscheinen die Versuchstiere rot , weil die roten Chromatophoren expandiert, die gelben retrahiert sind, es ist aber nicht nachgewiesen, daß die Menge des roten Pigmentes ver- mehrt und die des gelben vermindert ist. Die Expansion der roten Chromatophoren ist vielleicht nur dadurch bedingt, daß die In- tensität des grünen Lichtes bzw. der Gehalt des grünen Lichtes an wirksamen Strahlen nicht stark genug war, um die roten Chromato- phoren ebenso wie die gelben zur Ballung zu bringen. Im roten Licht dagegen war die Intensität so schwach, daß auch die gelben Chromatophoren bzw. das gelbe Pigment expandierte. Denn wenn es sich um stärkere Lichtintensitäten gehandelt hätte, dann wäre der blaue Farbstoff, der zum Zustandekommen des Grüns not- wendig ist, nicht mehr vorhanden gewesen, da er im Lichte zerstört wird, und Gamble sicher kein monochromatisches rotes Licht zur Verfügung hatte, von dem man annehmen könnte, es wirke auf den blauen Farbstoff nicht ein. Wenn von einer allge- meinen Gesetzmäßigkeit der komplementären Färbung im Sinne von Gamble gesprochen werden soll, der sich auf die WiENERsche Färbungstheorie (97) beruft, dann muß im roten Licht ein grünes Pigment, aber nicht ein gelbes entstehen; aber selbst wenn wir hier das Grün als Subtraktionsfarbe von Blau und Gelb anerkennen wollen, so muß erst der Versuch mit gelbem und blauem Licht noch gemacht werden. Trotzdem diese Versuche in be- weisender Form noch nicht angestellt worden sind, bin ich auf Grund analoger Versuche an Labriden (siehe Fische) fest davon überzeugt, daß sie die Unrichtigkeit der GAMBLEschen Deutung vollständig klarstellen würden. Außerdem spricht gegen Gambles Auffassung der Umstand, daß die Entwicklung der Pigmente bei Hippolyte nicht die gleiche ist, wenn die Tiere in monochromatischem Licht ge- halten werden oder auf einem gleichfarbigen Untergrund bei Tageslicht, worauf später eingegangen werden wird. e) Wirkung des Untergrundes. Ueber die durch den Untergrund hervorgebrachte Pigment bewegung herrscht bei allen Autoren eine seltene und geradezu verblüffende Uebereinstimmung der Angaben , die zugleich der beste Beweis für die Konstanz der Wirkung ist und zugleich zeigt, daß die Untergrun d wirkun g bei gleichzeitiger Ein- wirkung mehrere Faktoren die bestimmende ist, welche alle anderen überwindet. Ja, Keeble und Gamble (41) sagen aus- drücklich, daß die Un tergr und wirkun g unabhängig ist von der Intensität des Lichtes und die direkte Licht- wirkung vollkommen aufheben kann, denn sie konnten die Wirkung des Untergrundes selbst bei den schwächsten Licht- 1360 R. F. EucHs Intensitäten beobachten, indem sie die die Tiere {Hippolyte, Palaemon, Mysiden) enthaltenden weißen oder schwarzen Schalen mit Papier- deckeln bedeckten, in die eine Anzahl feiner Löcher mit einer Nadel gestochen waren. Bauer (1) hat, wie bereits im vorausgehenden hervorgehoben wurde, die gleiche Präponderanz der Untergrundwirkung bei Idotea beobachtet. Ferner spricht die Uebereinstimmung der Be- obachtungsresultate dafür, daß die Untergrund Wirkung sich verhält- nismäßig rasch (V2 — 1 Stunde) vollzieht, was von den meisten Autoren auch hervorgehoben wird. Auf hellem Untergrund tritt eine Retraktion des Pig- mentes in die Zentren der Chromatophoren ein, so daß die vorher mehr oder weniger intensiv gefärbten Tiere blaß, aufgehellt, durch- scheinend erscheinen. Dies wurde beobachtet an Idotea von P. Mayer (57), Matzdorff (56), Bauer (1). Matzdorff fügt noch hinzu, daß die weißen Chromatophoren sich weniger retrahieren als die dunklen, ja es kann bei den ersteren sogar jede Reaktion fehlen. Das Hell- werden von Mysiden haben Keeble und Gamble (41) beobachtet, Palaemon wurde gleichfalls von ihnen sowie von Pouchet (74, 76), Fröhlich (19) und Megusar (59) beobachtet, ferner wird Gelasimus auf hellem Grund hell (Megusar, 59) ; Fröhlich beschreibt außer- dem noch das Auftreten einer weißlichen Trübung am Carapax, für die eine Erklärung aber nicht gegeben wird. Pouchet (76) hat auch den Farbenwechsel von Crangon untersucht, der auf hellem Grund eine mäßige Retraktion des violetten und starke Expansion des gelben Pigmentes aufweist. Die Wirkung des dunklen Untergrundes besteht in einer Expansion des Pigmentes. Idotea wird schwarzbraun (Mayer, Matzdorff, Bauer), Mysiden mehr oder weniger rotbraun (Keeble und Gamble), desgleichen Hippolyte (Keeble und Gamble), Ge- lasimus, Falatnion, Palaemonetes dunkelrot (Pouchet, Keeble und Gamble, Megusar). Bei Crangon tritt eine starke Expansion der violetten und Retraktion der gelben Chromatophoren auf, doch ist der Antagonismus der beiden Pigmente kein allgemeiner. Die Farbe des Untergrundes scheint nach Dofleins (14) sowie Megusars (59) Versuchen ohne Bedeutung für seine Wirkung zu sein, denn es kommt einzig und allein auf die Helligkeit des Grundes an. Doflein hat insbesondere ver- sucht, Umfärbungen von Palaemon auf verschiedenfarbigem Unter- grund (grün, rot, schwarz, weiß) zu erhalten , wenn die Tiere lange Zeit (14 Tage) auf einem solchen einfarbigen Grund gehalten wurden. Sämtliche Versuche haben vollkommen negative Resultate ergeben. Doflein vermutet, daß diese negativen Ergebnisse vielleicht von der zu kurzen Dauer der Versuche bedingt sein und vielleicht auch dadurch vermieden werden könnten, wenn an Stelle der erwachsenen Tiere jüngere verwendet würden. Diesen negativen Angaben stehen aber die positiven von Minkie- wicz (62) und Gamble (24) gegenüber, die übereinstimmend behaupten, daß Hippolyte sich nicht nur der Helligkeit, sondern auch der Farbe des Grundes anpaßt. Ja, nach Minkiewicz (62) soll die In- tensität des Lichtes von geringerer Wirkung sein als die Farbe des Untergrundes. Nun haben aber weder Min- kiewicz noch Gamble ihre Versuche so exakt angestellt, daß zu entscheiden wäre, ob die Reaktion auf Intensitäten, Wellenlängen, Der Farbenwechsel und die chromatische Hautfanktion der Tiere. 1361 thermische, chemische, ultraviolette Strahlen erfolgt ist. Um seine Versuchsergebnisse der Farbenübereinstimmung zu erklären, nimmt MiNKiEwicz an, daß die durch die farbigen Lichter hervorgebrachte Expansion die aktive Phase der Chromatophoren darstellt, während der Ruhezustand dem Ballungsstadium entspricht, eine An- nahme, die allen Erfahrungen widerspricht. Nach Minkiev^icz be- wirken die farbigen Lichter eine Reizung der entsprechend ge- färbten Chromatophoren, dagegen wirkt blauer Untergrund wie ein weißer, das Tier retrahiert alle Chromatophoren und wird blau. Ich habe schon darauf hingewiesen, daß Gamble zu wider- sprechenden Resultaten insofern kommt, als ein Tier auf den farbigen Untergrund anders reagiert als auf die gleiche Farbe des diffusen Lichtes, denn die Tierfarbe zeigt Uebereinstimmung mit der Farbe des Untergrundes und keineSpur von komplementärer F ar ben anpassun g. Offenbar handelt es sich in den Versuchen von MiNKiEwrcz und Gamble nur um Reaktionen auf die Hellig- keit des Grundes, wobei zu bedenken ist, daß die verschieden farbigen Chromatophoren auf verschiedene Reizintensitäten verschieden rea- gieren. Durch Uebersehen dieses Verhaltens sind die Autoren zu ihren falschen Schlüssen geführt worden, daß es sich um eine Reaktion auf die Farbe des Grundes handeln soll. Hatte Minkiewicz ge- sehen, daß ein blauer Grund wie ein weißer wirkt, so fand Gamble, daß ein roter Untergrund ebenso wie ein dunkler eine Expansion und Vermehrung (mir allerdings zweifelhaft) des roten und auch des gelben Pigmentes hervorbringt. Diese Beobachtungen hätten eigent- lich die Autoren vor übereilten Schlüssen bewahren sollen. 8. Koloratoriseher Eiiiflaß der Augen. Keeble und Gamble (41) waren die ersten, welche eine physio- logische Erklärung der von den Augen vermittelten kolora- torischen Effekte des Untergrundes versuchten, indem sie eine gewisse Dorsiventralität der Augen annahmen, die zwar keine feste Strukturdifferenzen der dorsalen und ventralen Augen- hälften voraussetzt, sondern nur annimmt, daß die Erregungen in den beiden Augenhälften verschieden sind, wodurch eine verschiedene Stellung des Retinapigmentes in den beiden Netzhauthälfteu auftritt. Diese Differenzen der Stellung des Retinapigmentes sollen dann in einer nicht näher angegebenen Weise vermittelst des Nervensystems die allgemeine koloratorische Wirkung des Untergrundes hervorrufen. Daß es sich beim Zustandekommen der Untergrundreaktion nicht um mechanische Strukturverschiedenheiten der dorsalen und ventralen Augenhälften handeln kann, geht daraus hervor, daß der Effekt der- selbe ist, gleichgültig, ob der dunkle Untergrund sich auf der dorsalen oder ventralen Seite des Tieres befindet, also das Tier von oben oder unten beleuchtet wird. Diese Versuche setzen also einen wechseln- den beweglichen Mechanismus im Auge voraus, und der schien den englischen Autoren im Retinalpigment gegeben zu sein. Ein weiterer Beweis für die ausschlaggebende Bedeutung der Augen für die Unter grundreaktion ist der, daß diese Reaktion bei geblendeten Tieren fehlt. P'erner zeigen die Zoealarven von Hippolyle und Palaemon keine bestimmte Reaktion Handbuch d. vergl. Physiologie. III, 1. 86 1362 R. F. Fuchs, auf einen bestimmten Untergrund, denn es expandiert das Pigment stets, wenn dieTiere aus dem Dunkeln insHelle gebracht werden, gleichgültig, ob sich die Tiere auf einem hellen oder dunklen Untergrund befinden; es ist nur die direkte Reaktion auf die Veränderung der Lichtintensität vorhanden. Sobald die Larven das gestielte Augenstadium erreicht haben, beginnt die Untergrundreaktion und ist mit der vollkommenen Entwicklung des Auges in voller Schärfe wie beim erwachsenen Tier vorhanden. Der Gedanke Keebles und Gambles, daß die Untergrundwirkung auf verschiedenen Erregungsprozessen der dorsalen und ventralen Augenhälften beruht, wurde von Bauer (1) neu aufgegriffen und in sehr instruktiven Experimenten erfolgreich ausgebaut. Bauer stellte seine Versuche an Idotea an, denen die Augen ganz oder teil- weise mit Masken lack geschwärzt wurden. Doppelseitig lackierte Tiere zeigten keinerlei Reaktion auf den Untergrund, ihre Färbung war, wie bereits erwähnt, mittelgrau. Da die Augen von Idotea unbeweglich sind, so könnte man zunächst hier an eine fixierte Dorsiventralität der Augen denken, indem nur der ventrale Abschnitt der Augen mit den Chromatophoren zu einem Reflexbogen verbunden ist, so daß bei Reizung des ventralen Augenabschnittes Retraktion des Pigmentes, Aufhellung des Tieres eintritt, während der Ruhe- zustand dieses Augenabschnittes Expansion des Pigmentes veranlaßt. Man könnte auch annehmen, daß Reizung des dorsalen Augenab- schnittes Verdunkelung, Reizung des ventralen Aufhellung herbeiführt. Aber auch Bauer konnte in Uebereinstimmung mit Keeble und Gamble nachweisen, daß bei wechselnder Beleuchtung normal sehender Tiere von oben oder unten stets der gleiche U n ter gründe ff ekt auftritt, so daß also auch bei Idotea keine feste Dorsiventralität der Augen bestehen kann. Bauer stellte dann Versuche in der Weise an, daß nur die eine Hälfte der Augen lackiert wurde. Wurden Tiere, denen die dorsalen Augenhälften lackiert worden worden waren, auf weißen Grund gebracht, so trat eine vollkommene Expansion der Chro- matophoren ein, das ganze Tier wurde dunkel, das gleiche trat ein, wenn Tiere, denen die ventralen Au gen half ten lackiert waren, von oben her beleuchtet wurden. Es verhielten sich demnach die halbseitig geblendeten Tiere auf weißem Grund genau so wie normal sehende Tiere auf schwarzem Grund. Da nun eine gleichmäßige Belichtung des ganzen Auges keine Expansion der Chromatophoren, sondern Retraktion hervorruft, so muß der Impuls zur Expansion von den vom Lichte nicht geti- offenen Teilen des Auges ausgehen. Bauer nimmt nun an, daß in den vom Licht nicht getroffenen Teilen des Auges ein Vorgang stattfindet, welcher der Wirkung des gereizten Teiles entgegenwirkt und diesen gegebenen Falles überwiegt. Bauer vergleicht die beiden entgegen- gesetzten im Auge sich abspielenden Prozesse mit denen, die beim Simultank'ontrast vorhanden sind. Ich glaube, daß dieser Ver- gleich uns nicht wesentlich weiter führt im Verständnis des sich in der Netzhaut abspielenden Prozesses. Will man irgendwie den mechani- schen Vorgang in der Netzhaut charakterisieren, dann könnte man es ganz gut auf Grund der HERiNGschen Hypothese von der Assimi- lation und Dissimilation in der Weise tun, daß man annimmt, der in den unbelichteten Teilen der Augen sich abspielende Assimilations- Der Farbenwechsel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. 1363 prozeß beeinflusse das Zentralnervensystem in der Weise, daß auch in den Chromatophoren ein assimilatorischer Prozeß induziert wird, der sich in der Expansion des Pigmentes äußert. Denn bis zu einem gewissen Grade nehmen viele Autoren an, daß die Expansion des Pigmentes mit einer verstärkten Bildung von Pigment einhergehe, also einem Assimilationsprozeß gewisser^maßen verglichen werden kann. Bei der Belichtung tritt ein dissimilatorischer Prozeß auf, der sich durch die Retraktion des Pigmentes kennzeichnet. Aber wesentlich wichtiger als diese Hj'pothesen über den eigent- lichen Mechanismus der sich im Auge abspielenden entgegengesetzten Prozesse ist die Frage, welchen Umfang muß der von der nicht be- lichteten Stelle ausgehende Prozeß haben, um die Wirkung der be- lichteten Teile zu überwinden und eine Expansion der Chromatophoren zu veranlassen. Mit anderen Worten, wie groß muß der nicht belichteteAnteil d erAugen sein, damit eineExpansion der Chromatophoren eintritt? Diese Frage hat Bauer durch entsprechende Versuche bereits beantwortet. Mit Lackierung von etwa Vs des ganzen Auges ist die Wirkung des Lichtreizes bereits verlangsamt, aber es tritt doch noch Retraktion des Pigmentes bei Belichtung der mittelgrauen Tiere ein ; wird dagegen V4 des Auges lackiert, dann tritt ein Oscillieren der Chromatophoren auf, das Bauer analog dem Wettstreit der Sehfelder als einen Wettstreit zwischen gereizten und ungereizten Teilen des Auges auffaßt; Lackierung der einen Augenhälften führt zu einer dauernden Verdunklung des Tieres, also Ueberwiegen der in der nicht gereizten Hälfte sich ab- spielenden Prozesse. Unwillkürlich drängt sich einem die P'rage auf, wie verhalten sich Tiere, denen ein Auge vollkommen oder teilweise lackiert wurde, während das andere intakt ist? Die Bedeutung solcher Versuche ist ohne weiteres klar, denn damit würde entschieden, ob die Prozesse, welche die Expansion hervorrufen, innerhalb der einen Netzhaut sich abspielen müssen, oder ob eine binokulare Verschmelzung der durch die Dunkelheit erzeugten Vorgänge stattfindet, woraus wieder weitere Schlüsse auf die Anteile des Zentralnervensystems an der Expansion der Chromatophoren gezogen werden könnten. Leider geben uns Bauers wertvollen Versuche auf diese Frage keine Ant- wort. Es wäre deshalb eine dankenswerte Aufgabe, die BAUERschen Versuche zunächst nach dieser Richtung hin weiter auszubauen, trotz- dem in der Literatur bereits mehrfach Angaben vorliegen, daß ein- seitige Blendung keinen Erfolg auf den Farben Wechsel hat, und dann systematisch an anderen Crustaceenarten zu wiederholen. Nach Bauers Versuchen handelt es sich offenbar um eine für die Crustaceen allgemein gültige Gesetzmäßigkeit, da die Crustaceen ziem- lich übereinstimmende Untergrundsreaktionen zeigen. Zum Schluß dieser Ausführungen über die Physiologie der Chro- matophoren der Crustaceen haben wir noch das allgemeine koloratori- sche Verhalten der geblendeten Tiere zu besprechen, um das bereits über den Einfluß der Augen Erwähnte zu vervollständigen. Eine doppelseitige Abtragung oder Lackier ungder Augen hat bei Idotea einen vollkommenen Verlust des Farben- wechsels zur Folge (Mayer, 57; Matzdorff, 56; Bauer, 1; MiNKiEWicz, 62), bei Mysiden und Palaemon tritt nach der Ent- fernung der beiden Augen selbst auf weißem Grund eine starke Ex- pansion des Pigmentes ein, die wesentlich stärker ist als jene, welche 86* 1364 K. F. Fuchs, normale Tiere auf schwarzem Grund zeigen (Keeble und Gamble, 23, 41 ; Bauer, 2). Daraus schließen Keeble und Gamble, daß unter normalen Verhältnissen vom teilweise belichteten Auge aus eine Hemmung auf die Expansion der Chromato- phoren ausgeübt wird, die bei der Blendung und in vollkommener Dunkelheit wegfällt. Es handelt sich hier um ganz ähnliche An- schauungen, wie sie von Bauer (1) später weiter ausgebaut wurden. Die ersten Blendungsversuche an Palnemon wurden übrigens von PoucHET (74, 76) ausgeführt, der Rotwerden der Versuchstiere in- folge Expansion der Ghromatophoren beobachtet hat und keine Ver- änderung dieser Farbe bei 27-tägigem Aufenthalt der operierten Tiere auf weißem Grund wahrnahm. Aber nach der Häutung blassen die geblendeten Tiere stark ab, sie werden weiß, doch entwickeln sich später wieder Ghromatophoren, die vollkommen expandiert sind ; die ersten treten an den Basen der zweiten Glieder der großen Scheren auf. Die maximale Expansion des roten und gelben Pig- mentes von Palaemon nach doppelseitiger Blendung wurde neuerdings auch von Doflein (14) und Fröhlich (19) be- obachtet. Fröhlich konnte aber konstatieren, daß bei Palaemon treu- lanus einige Wochen nach der Blendung die Farbe immer blasser und blasser wird, das Tier wird weißlich und endlich nach einge- tretener Häutung ist das Tier ganz weiß, nur die Enden der Scheren sind rötlich. Die nach der Blendung auftretende Dunkelung wurde von Megusar (59) an Gelasimus, Potamohius, Palaemonetes und Palaemon beschrieben ; auch Megusar fand dann ein Abblassen und endliches Weißwerden nach einer oder mehrmaliger Häutung. Es handelt sich dabei um eine vollkommene Bestätigung der Beobachtung von Pouchet. Das Weißwerden dürfte wohl nur auf die Häutung zu beziehen sein. Eine Weißfärbung trat bei Exemplaren von Palae- mon rectirostris Zaddach in Fröhlichs Versuchen nicht ein, trotzdem die Tiere die Blendung ein halbes Jahr überlebten ; im Gegensatz zu Fröhlich hat aber Megusar auch an dieser Palaemon-Art das Weißwerden nach der Häutung beobachtet. Menke (60) hat gleichfalls eine starke Z u n a h m e d e s w e i ß e n P i g m e n t e s an geblendeten Leandern beobachtet, wobei sich sowohl das gelbe als auch das opake Pigment in weißes umwandelte. Trotz sehr intensiver Neu- bildung zahlreicher weißer Ghromatophoren konnte aber niemals eine Umwandlung der flüssigen roten und gelben Pigmente in weißes be- obachtet werden. Ferner ist zu bemerken , daß Doflein an ge- blendeten Palämonen ein Verschwinden des blauen Pig- mentes beobachtet hat, das nach Minkiewicz (62) auch bei ge- blendeten Hippolyten eintreten soll. Dagegen haben Keeble und Gamble (41) bei Hippolyte nach doppelseitiger Blendung eine rasch auftretende Transparenz (Nachtfärbung) gesehen, die durch Retraktion des Pigmentes bedingt ist, so daß also Hippolyte sich entgegengesetzt verhalten würde wie die genannten Tiere, außerdem zeigt eine nacht- farbene Hippolyte, der die Augen amputiert werden, eine Persistenz der blauen Nachtfarbe. Carcmws Jfamas zeigt nach Amputation beider Augen eine unveränderliche Rotfärbung, der Farbenwechsel ist vollständig aufgehoben (Przibram, 78). Wenn auch der Farben Wechsel infolge der Untergrund Wirkung nach der doppelseitigen Blendung erloschen ist, so zeigen doch geblendete Mysiden, Hippolyte w\nX Palaemon noch den periodischen Tag- Der Farbenweclisel und die chromatische Hautfanktion der Tiere. 1365 und Nacht färbe 11 Wechsel, nur ist er weniger vollkommen und vollzieht sich langsamer als unter normalen Verhältnissen. Außerdem scheint wenigstens nach den Untersuchungen von Keeble und Gamble (23, 41), Bauer (2), Menke (60) auch noch eine direkte Reak- tion auf Licht bis zu einem gewissen Grade erhalten zu sein. Einseitige Blendung ruft keine Veränderung des Farben- wechsels hervor (Pouchet, 76; Mayer, 57; Matzdorff, 56; Gamble und Keeble, 23; Minkiewicz, 62). Damit können wir die Ausführungen über die außerordentlich komplizierten Verhältnisse des Farbenwechsels bei den Crustaceen beschließen und uns zur Analyse dieser Vorgänge bei den Wirbel- tieren wenden. Literatur. (Cr ustacee n.) 1. Bauer, Ytktov, Ueher einen objektiven Nachweis des Simultankontrastes hei Tieren. Ctbl. f. Physiol., Bd. 19 (1905), Literatur 1905. 2. — üeber die Ausnutzung strahlender Energie im intermediären Fettstoffwechsel der Garneelen. Ztschr. f. allg. Physiol., Bd. IS (1912). 3. Bert, Paul, Sur la question de savoir si tous les animaux voient les memes rayons lumineux que nous. Arch. de Physiol. normale et pathol., T. 2 (1869). 4. Bethe, Albrecht, Ein Beitrag zur Kenntnis des peripheren Nervensystems von Astacus fluviatilis. Anal. Anz., Bd. 12 (1896). 5. — Das Nervensystem von Carcinus Maenas. I. Teil, 1. Mitteil. Arch. f. mikr. Anat. u. Entw. -Gesch., Bd. 50 (1897). 6. — I. Teil, 2. ßlitteil. Ebenda. 1. — IL Teil, 3. Mitten. Ebenda, Bd. 51 (1898). 8. 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Zwar sind auch bei den höheren Wirbeltieren, den Vögeln und Säugetieren zahlreiche Pigmentzellen in der Haut und deren Anhangsgebilden vorhanden , über deren physiologische Be- deutung sich einstweilen noch keine Aufschlüsse geben lassen, trotz- dem besonders von Pathologen und Klinikern, namentlich mit Rück- sicht auf die menschliche Pathologie, zahlreiche Untersuchungen über Pigmentbildung unter krankhaften Prozessen vorHegen. Jedenfalls müssen wir hier besonders betonen, daß Vögel und Säugetiere keinen durch Chromatophoren bedingten physiologischen Farbenwechsel zeigen, weshalb diese beiden höchsten Tierklassen aus unseren Betrachtungen ausscheiden. Die Anhänger der Schutzfärbungslehre können sich natür- lich leicht mit der Tatsache abfinden, daß den höchsten Wirbeltieren 1) Die in diesem Abschnitt angeführten Literaturnachweise sind in dem Literatur- verzeichnis über Fische enthalten. Der Farbenwechsel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. 1369 ein durch Chromatophorentätigkeit hervorgebrachter Farbenwechsel fehlt, indem sie darauf hinweisen, daß die Befiederung bzw. Behaarung eine ausreichende Schutzfärbung garantiert, weshalb das Chroniato- phorenspiel durch Nichtgebrauch allmählich verloren ge- gangen ist. Da den Vögeln und Säugetieren sogar ein rasch ver- laufender Farbenwechsel innerhalb gewisser Grenzen möglich ist, durch Sträuben ihres Gefieders bzw. ihrer Haare, so könnte darin ein weiterer Beweis für die funktionelle Bedeutungslosigkeit eines durch Chro- matophoren bewerkstelligten Farbenwechsels erblickt werden. Der Rest dieses einstmals wichtigen Schutzmittels ist noch vorhanden, die anatomischen Elemente, die Chromatophoren, persistieren noch, aber sie sind physiologisch bereits bedeutungslos geworden, und man kann an ihnen keine Formveränderungen mehr beobachten. Damit wäre aber nach unseren Anschauungen über die Wirkung des Nicht- gebrauches ein vollständiges Verschwinden der Chromato- phoren bei Vögeln und Säugetieren in der Zukunft zu erwarten. So bestechend auch diese Ueberlegungen erscheinen mögen, so erscheint mir doch diese Prophezeiung durchaus unhaltbar, obgleich sie eine durchaus logisch notwendige Konsequenz wäre, wenn tat- sächlich die Schutzfärbung das ganze Um und Auf der Chromato- phorenfunktion wäre. Wir wissen, daß unter pathologischen und physiologischen Bedingungen einerseits große Pigment mengen gebildet werden, z. B. in Geschwülsten oder beim Morbus Addisonii (Bronzeskin) oder durch ständigen Druck der Haut (Pigmentierungen an den Bundstellen der Röcke bei Frauen). Ferner wird unter normalen physiologischen Bedingungen während der Schwanger- schaft in der Haut Pigment abgelagert. Andererseits zeigt sich nicht selten ein Fehlen der normalen Pigmentbildung als partieller oder totaler Albinismus bei Säugetieren und beim Menschen. Aus all dem geht hervor, daß die Pigmentbildung durch chemische Ein- flüsse geregelt wird, ohne jede Rücksicht auf eine Schutzfärbung. Wie wollte man auch die Pigmentation der farbigen Menschen- rassen als Schutzfärbung erklären? Das müßte möglich sein, da ein allgemein richtiges Erklärungsprinzip dem Menschen durchaus keine Sonderstellung einräumen kann, Wohl könnte man gegen diese Ausführungen einwenden, daß es sich bei den höchsten Wirbeltierklassen ausschließlich um unbeweg- liche Chromatophoren handle, die nur als mit Pigment erfüllte Bindegewebszelleu aufzufassen seien, also andere physiologische oder vielleicht auch morphologische Elemente darstellen. Aber auch dieser Einwand ist hinfällig, denn sowohl die Entwicklungsgeschichte, als auch die vergleichende Anatomie der Wirbeltierchromatophoren hat seit den hervorragenden Untersuchungen Leydigs (59, 60) ergeben, daß zwischen unpigmentierten. pigmentierten Bindegewebszellen und echten Chromatophoren mit sichtbaren Pigmentverschiebungen eine scharfe Grenze nicht besteht. Außerdem ist es durch nichts erwiesen, daß die Chromatophoren der Säugetiere keine Erscheinungen der Pigmentverschiebungen aufweisen, da an histologischen Präparaten Zellen gefunden werden, bei denen das Pigment vollkommen kon- zentriert sich vorfindet, während andererseits Zellen mit reich- verzweigten pigmentierten Fortsätzen vorhanden sind. Demnach kann man wohl nicht mit Sicherheit behaupten, die Pigmentzellen der Säuge- tiere und Vögel seien absolut unfähig, ihre Pigmentverteilung zu 1370 R- i'- Fuchs, ändern. Daß in der Tat auch bei Vögeln und Säugetieren Chromato- phoren mit beweglichem Pigment vorkommen, lehren uns die Pigmentzellen des Auges, deren Verhalten unter verschiedenen ex- perimentellen Bedingungen näher studiert worden ist, worauf ein- zugehen hier nicht der Ort ist, da diese Fragen von Hess in diesem Handbuch eingehend beleuchtet worden sind. Wenn bis heute keine Angaben über die Bewegungen des Pig- mentes in den Hautchromatophoren der Vögel und Säugetiere in der Literatur vorliegen, so rührt dies wohl hauptsächlich davon her, daß die Forscher, welche sich mit den Fragen der Pigmentphysiologie be- schäftigt haben, sich diese Frage überhaupt nicht vorgelegt haben, oder sie als eine zu unwesentliche einer eingehenden Untersuchung nicht wert erachtet haben. Aber gerade von vergleichend -physiologischen Ge- sichtspunkten ausgehend, scheint es unbedingt notwendig, einwandfrei festzustellen, ob die Chromatophoren der Vögel und Säugetiere Pigment- bewegungen zeigen oder nicht, eine Aufgabe, deren Schwierigkeiten ich keineswegs verkenne. Zweifellos spielt das Hautpigment bei den Vögeln und Säuge- tieren in physiologischer Hinsicht eine, wenn überhaupt, dann ganz untergeordnete Rolle, etwa einem rudimentären Organsystem vergleichbar. Dafür spricht auch der Umstand, daß bei diesen Tieren ein Farbenwechsel durch Chromatophorenfunktion unbekannt ist. Aber es wäre unrichtig, daraus zu schließen, daß die der Schutzfärbung dienenden Chromatophoren bei Vögeln und Säugetieren in ihrer Funktion deshalb in den Hintergrund gedrängt worden seien, weil eine wirksame Schutzfärbung auf andere Weise erreicht worden ist. Ich habe schon früher (Fuchs, 39), bevor mir noch die Arbeiten von Weber (113) und der anderen Autoren bekannt waren, nament- lich auf Grund der HERTELSchen Arbeiten die Anschauung vertreten, die Chromatophoren seien bis zu einem gewissen Grade Sensibili- satoren für Formen der strahlenden Energie, deren Ausnützung unmöglich wäre, weil ohne Chromatophoren das absorbierende bzw. transformierende Medium fehlen würde. Unter dieser Voraussetzung gewinnt die Tatsache, daß den Vögeln und Säugetieren ein durch Chromatophoren bedingter Farbenwechsel fehlt, eine weittragende physiologische Bedeutung. Alle Tiere, bei denen ein ausgesprochener Farben Wechsel durch Chro- matophoren vorhanden ist, sind poikilotherme Tiere, also Lebewesen, die nicht imstande sind, eine konstante Körper- temperatur zu erhalten. Diese Tiere besitzen nach Rubners (86) Auffassung nur eine physikalische, aber keine chemische Wärme- regulation. Da aber die Intensität der Oxydationen mit der Tem- peratur zunimmt und die höher organisierten Tiere einen intensiveren Stoffwechsel haben, so könnte durch die Chromatophorenfunktion wenigstens einigermaßen die den poikilothermen Tieren fehlende chemische Temperaturregulation ausgeglichen werden, da durch die Expansion und Retraktion der Chromatophoren eine Veränderung der Wärmestrahlung — Absorption — und vielleicht auch W ä r m e 1 e i t u n g herbeigeführt wird, wie von mir (Fuchs, 40) des näheren erörtert worden ist. Bei den homoiothermen Tieren, die eine genügende physi- kalische und chemische Wärmeregulation besitzen, um ihre Körper- temperatur auf einer gleichmäßigen Höhe zu erhalten, tritt die Mög- Der Farben Wechsel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. 1371 lichkeit einer auch nur entfernt ausreichenden physikalischen Wärme- regulation durch die Chromatophorenfunktion ganz in den Hinter- grund, da hier der wesentliche Faktor der physikalischen Regulation die W a s s e r V e r d a m )) f u n g ist, der den im Wasser lebenden P i k i 1 1 h e r m e n natürlich fehlen muß. Es verdient hier besonders hervorgehoben zu werden, daß bei sämtlichen luftatmenden Arthropoden, den Arachnoiden, Myriopoden und Hexapoden ein Farben Wechsel durch Pigment- bewegung in den Chromatophoren nicht bekannt ist. Und doch wäre es höchst sonderbar, wenn die große Zahl dieser Arthropoden einen Farbenwechsel zum Schutze gegen ihre Feinde weniger nötig haben sollte als die Crustaceen. Schon diese Besonderheiten der beiden Abteilungen innerhalb des Stammes der Arthropoden weisen darauf hin, daß das Chromatophorensystem primär unbedingt eine andere physiologische Bedeutung gehabt haben muß als die der Schutzfärbung. Es läßt sich auch hier wieder zeigen, daß gerade den in der Luft lebenden Arthropoden bis zu einem gewissen Grade eine physikalische Wärmeregulation durch Wasserverdampfung möglich ist, indem die Luft des den ganzen Körper durchsetzenden Tracheensystems, die beständig gewechselt wird, sich mit Wasser dampf sättigt, wodurch ein ähnlicher Regulierungsfaktor gegeben ist wie bei den in der Luft lebenden Vertebraten. Dieser Ueber- legung scheint aber das Verhalten der gleichfalls zum Teil wenigstens ausschließhch in der Luft lebenden Reptilien zu widersprechen, die trotz ihres Aufenthaltes in der Luft ein ausgesprochenes Chromatophorenspiel besitzen, wofür das Chamäleon das längstbekannte, geradezu klassische Beispiel ist. Und doch ist dieses scheinbar widersprechende Verhalten der Reptilien geradezu eine gute Stütze für die von mir vertretene Auffassung. Denn die Reptilien haben infolge ihrer Beschuppung oder Bepanzerung keine oder nur eine sehr geringe Möglichkeit einer physikalischen Wärmeregulation durch Wasserverdampfung von ihrer Hautoberfläche aus, da ihnen die Hautdrüsen fehlen. Ihnen bleibt als ausschließlichen L u n g e n a t m e r n nur die Wasserverdampfung von der Lungenoberfläche übrig, die offenbar noch nicht ausreicht, um jede andere Möglichkeit einer Wärmeregulation überflüssig zu machen, so daß bei diesen Tieren das Chromatophorenspiel als Wärmeregulationsfaktor seine große Be- deutung beibehalten hat. Ferner ist die Innervation der Chromatophoren die gleiche wie die der Organe der physikalischen Wärme- regulation bei den Homoiothermen (Fuchs, 40), was gleich- falls gegen eine vom Großhirn beherrschte Funktion spricht, die aber notwendig wäre, wenn es sich um eine durch das Auge ver- mittelte Farbenanpassung der Tiere an die Farbe der Umgebung handeln sollte. Jedenfalls bieten uns diese rein physiologischen Ueberlegungen, die dem Chromatophorensystem eine physiologische organo- logische Bedeutung zuerkennen wollen, ein besseres Ver- ständnis für die Tatsache, daß bei gewissen Tieren und insbesondere den höchsten Wirbeltierklassen ein ausgesprochenes Chromatophoren- spiel fehlt, als die einseitig anthropomorphistischen Erklärungen, welche die Schutzfärbungshypothese bieten kann. Es ist gerade auf Grund dieser Hypothese unmöglich, zu verstehen, warum gewisse 1372 R. F. Fuchs, Tiere diese sonst so günstigen Scliutzbedingungen trotz des Vor- handenseins von Chromatop hören nicht erlangt haben sollten. Denn auch bei den Tieren mit Chromatophorenspiel waren doch nur Chromatophoren da, die erst im Laufe der Phylogenese Selektionswert erlangt haben konnten. Warum sollten aber gerade die Chromatophoren der Crustaceen oder der Reptilien Selektionswert erlangen , während die gleichwertigen Chromatophoren anderer Arthropoden oder der Vögel und Säugetiere keinen Selektions- wert hatten, da diese Tiere ebenso gut wie die anderen einen solchen Schutz durch den Farbenwechsel gebrauchen konnten. Und welchen Schutz vor Feinden bieten die bei allen Tieren funktionierenden Chromatophoren der Retina? Keinen! Und trotzdem ist diese Funktion vorhanden, weil sie eben physiologisch bedingt ist als eine Organ- funktion. Außerdem muß die Schutzfärbungshypothese ein Farben- sehen der Tiere voraussetzen, das aber durch die bisher vor- liegenden Versuche nur in beschränktem Umfange nachgewiesen ist, wie ich (Fuchs, 40) ausführlich gezeigt habe. (Siehe C. Hess, Ge- sichtssinn, in diesem Handbuch, Bd. IV.) Bereits Semper (98) hat unzweideutig ausgesprochen, daß das in den Chromatophoren abgelagerte Pigment ein Produkt des Stoff- wechsels sei, daß es mit der Schutzfärbung als solcher nichts zu tun hat, daß aber dieses Pigment sekundär eine schützende Be- deutung erlangt haben könne. Die Beziehungen zwischen Pigment- bildung und Stoffwechsel sind heute nicht mehr anzuzweifeln, wie die diesbezüglichen Ausführungen im Kapitel über die Crustaceen gezeigt haben. Da nun die Intensität des Stoffwechsels, wie alle chemischen Vorgänge, von der Temperatur beeinflußt werden, so wird es auch verständlich erscheinen, wenn durch den Stoffwechsel Produkte geliefert werden, welche der Regulierung der Körpertemperatur dienen, so daß wir im Pigment nicht ein physiologisch wertloses Produkt vor uns haben, das ausschließlich nur der Schutzfärbung dienen sollte. Damit können wir die allgemeinen Betrachtungen über den Farben- wechsel der Wirbeltiere schließen und uns dem besonderen Verhalten der einzelnen Klassen zuwenden. II. Fische. A. Historisches. Der Farbenwechsel der Fische ist einer der längstbekanntesten, denn schon Plinius ^) erzählt in seiner Historia naturalis, daß die Römer der Kaiserzeit das Farbenspiel von MuUus kannten, die erst bei Tische in heißem Wasser getötet wurden und beim Absterben ein lebhaftes Farbenspiel zeigten. Ferner gibt Redi^) an, daß Aale, die mit „dem sehr schrecklichen Tabaköl (Nikotin?) vergiftet werden, sterbend weißlich werden, obgleich sie im Leben schwärzlich aus- sehen''. Auch Cetti2) (1771) erwähnt den Farbenwechsel sterbender Fische. Aber auch im Beginn des 19. Jahrhundert waren wichtige 1) Zit. naA G. van Eyxberk, Ueber den durch Chromatophoren bedingten Farbenwechsel der Tiere (sogen, chromatische Hautfuuktion). Ergebnisse der Phy- siologie, 5. Jahrg., 190(3. 2) Zit. nach G. van Eynberk. Der Farbenwecbsel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. 1373 Beobachtungen über den Farbenwechsel der Fische gemacht worden, bevor noch dieElemente des Farben wechseis, die Chro- matophoren, bei den PMschen histologisch entdeckt worden w^aren. Stark (74, 105) fand, daß einige Flußfische, so z. B. Leuciscus pho- xinus. Gnsterosteiis aculeatus , Cobitis barbatula und Ferca fluviatilis ihre Hautfarbe auf weißem Grund aufhellten, während sie auf schwarzem Grund dunkel wurden. Der genannte Autor verglich diese Erscheinung des Farbenwechsels mit dem des Chamäleons und faßte die Erscheinungen als eine Schutzfärbung auf. Ferner beschreibt er Kämpfe der Männchen von Gasterosteus aculeatus zur Laichzeit, wobei die Sieger eine lebhafte Färbung zeigen, während die Besiegten eine unscheinbare Färbung annehmen. Gloger (42) hebt hervor, daß Saimo fario seine Farbe variiert „nach der Ver- schiedenheit des Wassers in Hinsicht auf dessen Mischung, Tiefe, Grund, Beschattung oder Licht" usw., und er „erleidet solche Ver- änderungen auch neuerdings durch Versetzung aus einem Wasser in das andere". Auch Shaw (100) bewertet die von ihm an Lachsen gelegentlich der Aufzucht einer Lachsbrut gemachten Beobachtungen über den Farbenwechsel dieser Fische im Licht als Schutzfärbung, aber er fügt bescheiden hinzu: „die eigentlichen Ursachen dieser Wirkung aufzuklären, kann ich mir aber nicht anmaßen wollen". Gleichzeitig hatte Rathke (82) eine Reihe von Beobachtungen über den Farbenwechsel der Fische veröffentlicht, die er während seiner Forschungsreise in der Krym gemacht hatte. Ueber Gohius Melanio Fall, berichtet Rathke folgendes: „Merkwürdig ist es mir gewesen, daß die schwarze Farbe, die bei anderen Fischen, deren Haut sie ge- wahr werden läßt, nach dem Tode derselben nicht leicht verschwindet, bei diesem Fisch, der sich dadurch vor anderen 6ro&ms-Arten sehr auszeichnet, nach dem Tode an beschuppten Teilen und am Kopfe in sehr kurzer Zeit verschwindet, besonders wenn man ihn im Wasser liegen läßt, ohne daß jedoch das Wasser dabei gefärbt wird. Das- selbe ist auch der Fall, wenn man einen solchen Fisch auf einen trockenen Körper gelegt hat an derjenigen Seite, auf welcher er zu liegen gekommen ist. Weniger rasch dagegen verschwindet die Farbe an der nach oben gekehrten und der Luft ausgesetzten Seite." Ferner hat Rathke den Einfluß des Lichtes auf Lepadogaster hiciliatus Risso beschrieben, die in einem dem diffusen hellen Sonnenlicht ausgesetzten Gefäße „in einer Zeit von kaum einer halben Stunde fast ganz aus- bleichten, selbst an den roten Flossen, und sie erhielten ihre frühere Farbe nicht wieder, nachdem sie in die Dunkelheit gebracht und in ihr noch 24 Stunden am Leben gelassen waren". Da diese gewiß beachtenswerten Beobachtungen Rathkes gänzlich unbekannt geblieben waren, so hielt ich es für notwendig, sie wortgetreu anzuführen, zumal später, namentlich durch v. Siebold (101), ähnliche Beobachtungen an absterbenden Fischen veröffentlicht worden sind, die allgemeine Be- achtung fanden und in die Pigmentliteratur über Fische übergegangen sind. Freilich begnügte sich Rathke mit der Konstatierung der Tatsache, ohne eine Erklärung für seine Beobachtung zu geben, während V. Siebold eine mechanische Reizung, Druck, als Ursache für die Pigmentballung beim Erblassen annahm. Eine genauere Untersuchung des Farbenwechsels wurde erst möglich, als die Elemente des Farbenwechsels, sowie die Bewegung 1374 • R. F. Fuchs, der Chromatoplioren bei den Fischen entdeckt worden waren, van Rynberk schreibt diese Entdeckung fälschlich v. Siebold (101) und Buchholz (14) zu. Es kann aber keinem Zweifel unterliegen, daß die zuerst von Vogt (111) bei Salmonidenembryonen mikroskopisch genauer untersuchten Chromatophoren , deren Struktur dann von Leydig (57 — 59) sehr sorgfältig untersucht wurde, zumindestens von KÖLLiKER (55) zuerst als kontraktile Gebilde ange- sprochen worden sind, obgleich Kölliker damals annahm, daß die außerordentlich kontraktilen Pigmentzellen der Fische infolge ihrer Bewegungserscheinungen ihren Ort verlassen und an andere Stellen rücken. Nachdem noch v. Wittich (116) die Ursache des Metall- glanzes der Fische, die Interferenzzellen (Iridocyten), sorgfältig beobachtet hatte, leiten die Arbeiten von v. Siebold (101) und Buch- holz (14) die neue Aera der Pigmentstudien bei Fischen ein, in der sowohl die Anatomie als die Physiologie der Chromatophoren eifrig ausgebaut wurde, da die meisten Forscher gleichzeitig nach beiden Richtungen hin ihre Untersuchungen ausdehnten. Die Hauptetappen des Ausbaues unserer Kenntnisse sollen in dieser historischen Skizze erwähnt werden, ohne daß hierbei auf selbst wichtige Details einge- gangen werden kann, die im speziellen Teil dieses Abschnittes eine eingehende systematische Behandlung erfahren werden, v. Siebold (101) beschreibt direkt die Formveränderungen der roten und schwarzen Chromatophoren und nimmt an, daß das feinkörnige Pigment inner- halb einer kontraktilen Substanz suspendiert ist, durch deren Kontraktions- und Expansionsfähigkeit die verschiedenen Formen und Ausbreitungen der Chromatophoren der Fische bewirkt werden. Die Frage, ob es sich bei diesen Bewegungen um ein aktives Aus- senden von Fortsätzen handelt, oder ob die Pigmentbewegung in prä- formierten Bahnen stattfindet, wird aber von v. Siebold nicht gestreift. Die Ursachen der Pigmentbewegung unterscheidet v. Siebold in äußere und innere; zu letzteren gehören die Farbenveränderungen während der Sexualperiode, zu den anderen die Farbenveränderungen durch die Temperatur und Beschaffenheit des Wassers, denen er einen besonders wichtigen Einfluß auf die Entwicklung und Expansion der Chromatophoren beimißt. Er hält auch die von Agassiz, Ayres und Storer veröffentlichte Beobachtung, daß gewisse Sal- moneen ihre Farbe nach der Beschaffenheit des Grundes ändern, nur für eine Folge der Verschiedenheit des Wassers. Ferner hat V. Siebold beobachtet, daß mechanische Reizung der Haut selbst an toten Fischen, die während des Absterbens eine Kontraktion der Chromatophoren zeigen, eine Expansion, also Dunkelfärbung, hervorbringt. Es war ihm nicht entgangen, daß bei frisch getöteten Fischen die Haut an den Druckstellen abblaßt, „denn sehr dunkel gefärbte frisch getötete Forellen, welche ich in einem groben Fisch- netz längere Zeit getragen habe, hatten allmählich einen vollständig weißen Abdruck des Netzes auf derjenigen Seite erhalten, welche von den Maschen und Knoten des Netzes gedrückt worden war, indem sich durch den ausgeübten Druck die schwarzen Chromatophoren auf ein Minimum zusammengezogen hatten". Der Widerspruch der beiden Erklärungen scheint v. Siebold entgangen zu sein, denn wir erfahren nicht, warum das eine Mal die mechanische Reizung Expansion, das andere Mal Retraktion bewirken soll. Eine wirkliche Erklärung für diese beiden Beobachtungen wurde erst in den Jahren 1911/12 durch Der Farbenwechsel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. 1375 die verdienstvollen Versuche von v. Frisch (31 — 34) gegeben, der die Wirkungen von mechanischen Reizeu, Sauerstoffmangel und Temperatur in sehr sorgfältiger Weise geprüft hat. In den Versuchen von V. Siebold (101) handelte es sich um kombinierte Wirkungen der Anämie und mechanischer Reizung, die, wie die Er- klärung V. SiEBOLDs zeigt, zu widersprechenden Angaben führen mußten. Erwähnenswert ist auch hier die Untersuchung von Buch- holz (14), der gleichzeitig, aber ganz unabhängig von v. Siebold, zuerst „form veränderliche'' Pigmentzellen bei P'ischembryonen bereits am 2. Tage nach dem Ausschlüpfen gesehen hat, und zum ersten Male durch elektrische Reize die Chromatophoren in den Schwanzflossen erwachsener Cypriniden zur Kontraktion brachte. PouCHET, dessen große Verdienste um die Chromatophoren- forschung bereits in den früheren Abschnitten gebührend hervorge- hoben wurden, hat in seinen zahlreichen in den Jahren 1872—1876 erschienenen Arbeiten, von denen nur die drei großen Abhandlungen (78 — 80) hervorgehoben seien , sowohl die anatomischen, wie die physiologischen Fragen der Lehre vom Farbenwechsel der Fische be- arbeitet. Er hat Chromatophoren bereits vor dem Ausschlüpfen bei Mac rop öden beobachtet, untersucht dann die Gestalt und Form- veränderungen der verschiedenfarbigen (braunen, schwarzen, gelben und roten) Chromatophoren. Auch die Wirkungsweise der Iri- docyten versucht er auf Grund ihres mikroskopischen Baues zu er- klären, die er nicht als die Wirkung dünner Plättchen (Interferenz) ansieht, sondern zu den Fluoreszenz er sc hei nun gen zählt, eine Ansicht, die sich allerdings niemals der Zustimmung der Fachkreise erfreut hat. Endlich gibt Pouchet an, daß er mikroskopisch den Zusammenhang zwischen den Nervenfasern und Chro- matophoren gesehen haben will, aber es kann nach den kurzen Angaben, die er darüber macht, keinem Zweifel unterliegen, daß er, wie viele seiner Nachuntersucher, einer Täuschung unterlegen ist und im besten Falle einen pigmentfreien oder wenig pigmentierten Fort- satz der Chromatophoren für die Nervenendigungen gehalten hat. Viel erfolgreicher und bahnbrechender sind seine physiologi- schen Versuche, auf denen auch heute noch die neueren Forscher fußen. Vor allem sind es die Beziehungen des peripheren und zentralen Nervensystems und der Augen zu den Chromatophoren, die von Pouchet durch feine operative Ein- griffe studiert wurden, und die durch die späteren Forscher wenigstens in ihren wesentlichen Punkten bestätigt werden konnten. Die Durchschneidung peripherer Nerven (Spinalnerven und Trigeminus) ergab eine streng lokalisierte Lähmung der Chromato- phoren im Ausbreitungsgebiet der durchschnittenen Nerven, die ex- pandierten Chromatophoren dieser Bezirke reagierten nicht mehr, wenn sich die übrigen Chromatophoren der auf einen hellen Grund gebrachten Versuchstiere retrahierten. Da aber Durchschneidungs- versuche des Rückenmarkes in verschiedenen Höhen keinen Einfluß auf den Farbenwechsel ausübten, so nahm Pouchet an, daß die koloratorischen Nerven auf dem Wege durch den Sympathicus zu den peripheren Nerven gelangen, nachdem die Durchschneidung des Lateralnerven keinen Einfluß zeigte. Dagegen brachte die Zer- störung des Sympathicusgrenzstranges die gleichen Lähmungserschei- nungen hervor, wie die Durchschneidung der peripheren Nerven. 1376 ß. F. Fuchs Ausgehend von Angaben früherer Autoren über die Wirkung des Aufenthaltsortes der Fische auf ihre Farbe, wurde die Fähigkeit der Versuchstiere (EJiomhus, Gobius, Solea) geprüft, sich der Farbe des Grundes anzupassen. Diese Anpassungsfähigkeit (üntergrund- problem) konnte nach Pouchet nur durch die Augen ver- mittelt werden; Abtragung der Augen ergab den Verlust der Anpassungsfähigkeit an die Farbe des Grundes, die operierten Tiere zeigen eine gleichmäßig mittlere Dunkelfärbung, welche durch den Eigentonus der Chromatophoren bewirkt wird. Zur gleichen Zeit wie Pouchet studierte Heincke (45) den Farbenwechsel bei Gobius und Syngnathus ; er gibt eine genaue Be- schreibung der verschiedenfarbigen Chromatophoren und ihrer topo- graphischen Anordnung. Die Pigmentzellen hält er für Bindegewebs- zellen, welche als amöboide Zellen die Fähigkeit haben, Fortsätze auszusenden und wieder einzuziehen. Eingehend wird die Farben - anpassung der Syngnathiden an ihre Umgebung beschrieben, indem diese Fische nicht nur die Farbe, sondern auch die Zeich- nung der verschiedenen Seegrasblätter {Zostera und Nerophis), zwischen denen sie leben, nachahmen. An Gobius Buthens2)nrri wurde der Einfluß der Beleuchtung und des Untergrundes ex- perimentell studiert mit dem Ergebnis, daß das Versuchstier in hohem Grade die Fähigkeit hat, seine Farbe in außerordentlich kurzer Zeit der Farbe des Grundes anzupassen. Sind der Farbe des Grundes entsprechende Chromatophoren vorhanden, dann expandieren diese und nähern so die Farbe des Tieres der des Grundes. Sind aber keine entsprechend gefärbten Chromatophoren vorhanden, dann retrahieren sich sämtliche Chromatophoren, so daß der Körper durchsichtig wird und gleichfalls der Farbe des Grundes angepaßt erscheint. Auch den Iridocyten wird Beweglichkeit zuerkannt, wodurch ein Wechsel des Glanzes ermöglicht wird. Die außerordentlich wichtigen Versuche blieben bis in die neueste Zeit ohne Nachprüfung, bis Secerov (99) die Versuche in einer aller- dings sehr anfechtbaren Weise wieder aufnahm. Doch hat neuerdings Gamble (41) an Crenilabrus melops eine höchst merkwürdige Beob- achtung veröfiFentlicht, indem dieses Tier in farbigem Licht eine komplementäre Färbung annimmt. Aber v. Frisch (34) konnte zeigen, daß Crenilabrus Roissali keine solche Komplementär- farbe zeigt, sondern in rotem Licht seine roten Chromatophoren stark expandiert. Auch Phoxinus laevis besitzt bis zu einem gewissen, allerdings beschränkten Grade die Fähigkeit, sich rotem und gelbem Licht in seiner Eigenfärbung durch Expansion der entsprechenden Chromatophoren anzupassen, aber in andersfarbigen Lichtern findet keine Farbenanpassung, sondern nur eine Anpassung an die Hellig- keit statt. Nach dieser Einschiebung wollen wir in der Geschichte der Pigmentforschung fortfahren. In den nächsten anderthalb Dezennien nach den Arbeiten Pouchets und Heinckes sind prinzipielle Fort- schritte auf dem uns interessierenden Gebiet nicht zu verzeichnen, obwohl eine Reihe von Forschern unser Thema bearbeitet und manche wertvolle Einzelheiten namentlich auf anatomischem und entwicklungs- geschichtlichem Gebiet bekannt wurden. Erst Solger (102—104) gelang es wieder, einen wesentlichen Schritt vorwärts zu tun, indem er die Kern Verhältnisse der Fischchromatophoren unter- Der Farbenwecbsel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. 1377 sucht und die Attraktionssphäre auffindet. Ferner hat er auf Grund seiner sorgfältigen mikroskopischen Untersuchungen feststellen können, daß die Pigmentbewegungen in den Chromatophoren der Fische auf präformierten Bahnen erfolgt und nicht als Aussenden amöboider Fortsätze aufzufassen ist. Eine bedeutungsvolle Erweiterung unserer Kenntnisse sind die Untersuchungen von Cunningham (19, 20). Leider waren mir nur zwei seiner Abhandlungen zugänglich. Der Autor untersuchte sehr eingehend die Topographie und Anatomie der Chromatophoren und Iridocyten verschiedener Fische und versuchte mit Erfolg au der sonst ungefärbten Unterseite der Flachfische durch kon- stante Beleuchtung dieser Unterseite Pigmentbildung hervorzurufen. In diesen Versuchen wurde der erste experimentelle Beweis für den Einfluß des Lichtes auf die Pigmentbildung geliefert. Obgleich Pouchet, wie bereits erwähnt wurde, den anatomischen Zusammenhang zwischen Nerven und Chromatophoren gesehen zu haben glaubte und Lode (68) gleichfalls die mehr oder weniger pigmentfreien Protoplasmafortsätze der Chromatophoren irrtümlich als die letzten Nervenendigungen beschrieben hatte, so war es erst Ballowitz (1—3) und Eberth (21, 22) vorbehalten, die Nerven- endigungen an den Chromatophoren histologisch dar- zustellen. Beide Autoren hatten gleichzeitig und vollkommen un- abhängig voneinander in allen wesentlichen Punkten übereinstimmende Resultate erlangt; damit war der Schlußstein gelegt in der Kette der Untersuchungen, welche durch physiologische Versuche den Einfluß des Nervensystems auf die Chromatophoren unzweifelhaft dargetau hatten. Nun folgen in der Zeit von 1900 an eine große Reihe wertvoller experimenteller Einzeluntersuchungen zur Anatomie und Physiologie der Fischchromatophoren , die beachtenswerte Detailfragen klären, welche von den früheren Forschern nicht entsprechend gewürdigt worden waren. Aber eine prinzipiell neue Tatsache wurde nur durch die sehr sorgfältigen Arbeiten von v. Frisch (31) zutage gefördert, der zeigen konnte, daß bei Phoxinus laevis durch Belichtung des Parietalfleckes (Pinealorgan, Epiphyse) die Chromatophoren zur Expansion gebracht werden; dadurch wurden unsere Kenntnisse von den koloratorischen nervösen Zentralor- ganen und der Funktion der Epiphyse im besonderen wesentlich erweitert. B. Färbung und Zeichnung. Nach dieser kurzen historischen Uebersicht über den Entwicklungs- gang der Forschungen über den Farbenwechsel der Fische gehen wir zur systematischen Darstellung der gesamten Forschungsergebnisse über und beginnen mit den für unsere Betrachtungen wichtigen all- gemeinen Grundprinzipien der Färbung und Zeichnung der Fische. Trotz der vielen Mannigfaltigkeiten der Färbung der Fische, welche noch durch verschiedene Anordnung der Zeichnung erhöht wird, kann diesen oft sehr auffälligen äußeren Erscheinungen kein systematischer (taxinomischer) Wert zuerkannt werden, wie be- Handbuch d. vergl. Physiologie. IH, 1. 87 1378 ß- F. I'üCHs, reits V. Siebold (101) betont hat, weil die Färbung sehr wechselt. Neuere Untersucher (Kammerer, 49; Mayerhofer, 70; v. Frisch, 31 u. a.) haben ferner gezeigt, daß auch die Zeichnung sowohl unter den natürlichen Lebensbedingungen als auch durch experimentelle Einwirkungen sich zu ändern vermag; aber selbst bei extremem Farbenwechsel zeigen Solea und Rhomhoidichthys an ganz aufgehellten Exemplaren „noch einen Schatten der für jede Art charakteristischen Zeichnung" (van Rynberk, 89). Doch darf hieraus noch nicht ge- schlossen werden, daß für die Zeichnung der Fische die Anordnung der Chromatophoren von ausschlaggebender Bedeutung sei, etwa in der Weise, daß an den einzelnen Stellen, wo eine besondere Zeichnung, z. B. dunkle Bänder, hervortritt, die Chromatophoren be- sonders zahlreich liegen, während sie in den hellen Zwischenräumen fehlen. Die Untersuchungen Mayerhofers (70) am Hecht (Esox lucms) haben vielmehr ergeben, daß die dunklen Chromatophoren gleichmäßig über die Haut verteilt sind, und die dunklen Bänder nur dadurch entstehen, daß die Chromatophoren der hellen Haut- partien retrahiert sind, während sie in den dunklen expandiert sind. Damit stimmen auch die Beobachtungen von v. Frisch (31) über die Fleckenzeichnung bei der Forelle [Salmo fario) überein. So lange die Fische ihren Dottersack noch haben, ist die Fleckenzeichnung noch nicht zu erkennen, die Pigmentzellen sind am ganzen Körper gleichmäßig expandiert. Erst mit dem Schwinden des Dottersackes erscheinen die hellen und dunklen Flecke, aber die Untersuchung lehrt, daß in den ersten Wochen noch keine ungleiche Ver- teilung der Chromatophoren vorhanden ist, sondern die dunklen Flecke nur durch die Expansion der Pigmentzellen an diesen Stellen hervorgebracht werden. Später finden sich allerdings an den dunklen Stellen zahlreichere Chromatophoren als an den hellen, aber auch dann sind die Chromatophoren der dunklen Flecke expandiert. Diese Expansion ist für das Zustandekommen der Zeichnung viel wichtiger als die vermehrte Zahl der Chromatophoren, was schon aus der hinlänglich bekannten Tatsache hervorgeht, daß auch am vollständig ausgewachsenen Tier die Fleckenzeichnung vor- übergehend vollständig verschwinden kann. Die angeführten Beispiele zeigen, daß die Zeichnung in d er Hauptsache physiologisch bedingt ist. Eine Unterstützung dieser Auffassung bieten die Beob- achtungen VAN Rynberks (88) an Scyllimn canicula und catuhis, bei denen die Hautpigmentierungen mit der Nervenanordnung überein- stimmen und vollständig segmentale Verteilung den einzelnen Metameren entsprechend aufweisen. Es wurde bereits erwähnt, daß Hofmann für die Cephalopoden (s. diese) ebenfalls annimmt, daß die Zeichnung physiologisch bedingt ist, doch konnte diese An- nahme nicht als bewiesen gelten, weil bei den Cephalopoden keine entsprechenden Untersuchungen über die Zahl der Chromatophoren in den verschiedenen Hautbezirken vorliegen. Daß natürlich sekundär die Zeichnung der Fische auch durch die verschiedene Anzahl der Chromatophoren in den einzelnen Hautbezirken mitbedingt wird, kann keinem Zweifel unterliegen. Die Farbe der Fische selbst hängt in erster Linie von der Farbe der in den Chromatophoren vorhandenen Pigmente ab, welche von schwarz, dunkelbraun, rot, gelb, grün bis blau wechseln kann. Da aber alle Fische neben den bunten Chromatophoren auch schwarze Der Farbenweclisel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. 1379 Melauophoren besitzen, so kann natürlich ein gegebener Farbenton durch verschiedene Expansionsgrade der Melanophoren verschieden nuanciert werden, also heller oder dunkler erscheinen, ganz abgesehen davon, daß die bunten Chromatophoren selbst wieder durch ihre Ex- pansion und Retraktion die Sättigung eines Farbentones ändern können. Ferner spielt bei der Färbung auch noch der diffuse Farbstoff, z. B. Grün oder Blau, eine Rolle, der in den verschiedensten Geweben vor- handen sein kann. Endlich kommen für die Fischfärbung noch jene Elemente in Betracht, welche den Silber- und Goldglanz bedingen und in der Argentea eine fast kontinuierliche Lage darstellen, während die isolierten Iridocyten das oft prächtige Schillern und Irisieren hervorrufen. Alle diese Färbungselemente vereinigen sich zu einem oft sehr leb- haften Farbenreichtum. Gewöhnlich zeigt sich dann die Anordnung in der Weise, daß der Rücken und die angrenzenden Anteile der Seiten in wechselnder Ausdehnung durch Chromatophoren mehr oder weniger dunkel gefärbt sind, während der Bauch und die angrenzenden Seitenteile einen verschieden intensiven Silber- oder auch Gold glänz zeigen. Doch fehlt bei den meisten Fischen an der eigentlichen Bauchseite der Silberglanz, und sie zeigen daselbst nur ein mattes reines Weiß. Aber dieses allen geläufige Schema der Fischfärbung zeigt viele Abweichungen, welche namentlich von den Anhängern der Schutzfärbungshypothese auf das einfachste er- klärt werden. So weist Popoff (77) mit besonderem Nachdruck daraufhin, daß nur die pelagisch in den oberen Schichten des Meeres lebenden Fische den prachtvollen Silberglanz der Unterseiten zeigen, während die Bewohner der Flüsse und nicht- klaren Seen einen gelblichen Schimmer haben. Bei Tiefseefischen ist eine Differenzierung in der Bauch- und Rückenfärbung gewöhnlich nicht vorhanden, die Fische sind gewöhnlich gleichmäßig dunkel und bei Fischen, welche in einer Tiefe etwa oberhalb 500 m leben, ist eine Andeutung dieser Färbungsdifferenzierung zwar vorhanden, aber die Verschiedenheiten der Rücken- und Bauchfärbung sind nur verschwommen. Es war natürlich das Nächstliegende für die Naturforscher der Darwinistischen Zeit, alle diese Färbungen als durch Selektion hervorgerufene Schutzfärbungen zu erklären, wobei nur allzuoft die kompliziertesten und gewagtesten Hilfshypothesen gemacht werden mußten. Aber auch vor Darwin hatten die Autoren namentlich mit Rücksicht auf die Farbenanpassung der Fische an den Untergrund den ganzen Farben Wechsel als eine Schutzfärbung angesehen, wie es bereits Stark (74, 105) und Shaw (100) taten. Daneben wurde die Be- deutung des Farbenwechsels für die geschlechtliche Zuchtwahl besonders betont, wie es ganz ausdrücklich von Coste (17) für die Männchen von Gasterosteus aculeatus geschehen ist; und nach Heincke (45) ist der Farbenwechsel dieses Tieres in erster Linie durch die außerordentlich ausgeprägten sexuellen Differenzen bedingt, viel mehr als infolge des örtlichen Schutzes. Aber in den letzten Jahren hat doch die Wertschätzung des „Hochzeitskleides" einigen Abbruch erfahren. Kammerer (49) beschreibt die brillante Färbung des Fluß- barsches {Perca fluviatilis) während der Sexualperiode sehr ausführlich. Da aber diese Farben, wenn auch in verminderter Intensität, das 87* 1380 R. P. Fuchs ganze Jahr hindurch zu sehen sind, sosteilen sie kein spezi- fisches Hochzeitskleid dar, sondern werden durch die sexuelle Erregung hervorgebracht. „Da das Laichen im Dunkeln stattfindet, so können die prächtigen Farben unmöglich als Reizmittel für die Weibchen aufgefaßt werden, sondern es sind einfach die physiologischen Folgen und Begleiterscheinungen erhöhter Lebenstätigkeit/' Auch V. Frisch (34) nimmt an, daß das Hochzeitskleid der Ellritze {Fhoxinus laevis) direkt durch die geschlechtliche Erregung hervor- gebracht wird. In den letzten Jahren ist besonders die Bedeutung des Silber- glanzes der Fische für die Schutzfärbung lebhaft diskutiert worden (Popoff, 77; Franz, 27; Kapelkin, 50). Die schon erwähnte Tat- sache, daß die meisten pelagisch lebenden Fische einen Silber- glanz an den unteren und seitlichen Körperpartien besitzen, während die meisten Tiefseebewohner durchaus dunkel gefärbt sind, veranlaßt Popoff anzunehmen, daß diese Färbung einen Schutz vor Feinden bieten muß. Die in bestimmten Höhen des Wassers lebenden Beute- fische sollen dann, wenn sie von ihren Feinden angegriffen werden, nach oben hin ausweichen. Da nun den im Wasser schwimmenden Fischen die Oberfläche des Wassers infolge der Totalreflexion des Lichtes silberglänzend erscheinen soll, so bietet der Silberglanz die beste Schutzfärbung vor den Feinden. Nun weist aber Franz (27) darauf hin, daß die kleinen Fische, also die Beutefische, durchaus nicht immer in den oberen Schichten schwimmen und auch nicht vor ihren Feinden nur nach oben ausweichen, und daß auch die Wasseroberfläche, von unten gesehen, nicht silberglänzend, sondern weiß erscheint, somit alle drei Voraussetzungen Popoffs für die Schutzfärbung eigentlich nicht zutreffen. Aus diesen Gründen nimmt Franz an, daß der Silbergianz nur dazu bestimmt ist, möglichst viel Licht zu reflektieren , so daß die Fische, von unten gesehen, in der jeweiligen Farbe des vom Wasser nach unten reflektierten Lichtes erscheinen. Nun gibt es aber auch Ausnahmen von dem ge- wöhnlichen Verhalten ; so ist z. B. Scomber scomber, der gleichfalls an der Oberfläche des Meeres lebt, dunkel oder trüb, während unter den Tiefseegadiden auch solche mit lebhaftem Silberglanz vorkommen. Dieser Silberglanz soll nun im Besonderen Schutzmittel gegen das Vor- handensein der Leuchtorgane bei den Feinden sein. Kapelkin (50) umgeht diese unbefriedigende Erklärung dadurch, daß er meint, der Silberglanz der Tiefseefische sei ein Residuum des früheren pelagischen Lebens in den oberen Schichten, die Fische hatten noch nicht Zeit genug, bei ihrer Wanderung nach der Tiefsee den für sie wertlosen Silberglanz zu verlieren. Kapelkin geht sogar noch weiter in den Details der Anpassung als Popoff und Franz. Der Silberglanz findet sich nur an den Seiten und erstreckt sich um so weiter, je mehr der Fisch seitlich zusammengepreßt ist, während die dem Boden zugekehrte Bauchseite weiß, ohne Silberglanz ist; denn über dem Kopfe des im Wasser befindlichen Beschauers kann es keinen Silberglanz geben. Der Silberglanz selbst ist noch eine besondere Anpassung an das bewegte Wasser, das einzelne Silberstreifen zeigt, die von den einzelnen Wellen herrühren und Fischen ganz ähnlich sind. Der unvoreingenommene Beurteiler der ganzen Frage wird wohl ohne weiteres zugeben müssen, daß keine der angeführten Er- klärungen auch nur einigermaßen befriedigen kann, denn alle haben Der rarbenwechsel und die chi'omatische Hautfunktion der Tiere. 1381 Stillschweigend zur Voraussetzung, daß die Fischfeinde ihre Beute immer nur von unten her angreifen, was sicher nicht zutrifft; ferner trägt die ganze Betrachtung der doch sich stetig ändern- den Stellung der Sonne vom Horizont über den Zenit zum Horizont keine Rechnung, denn damit ändert sich der Einfallswinkel des Lichtes und somit auch die Bedingungen, unter denen eine Total- reflexion zustande kommen kann. Endlich darf nicht übersehen werden, daß auch ein weißer undurchsichtiger Körper, der gegen einen weißen Grund gesehen wird, der sich oberhalb des Beschauers befindet, und der von oben her beleuchtet wird, dunkel erscheinen muß. Jeden- falls ist es klar, daß die angeführten anfangs sehr plausibel er- scheinenden Erklärungsversuche für die Ursachen des Silberglanzes der Fische einer strengen Prüfung nicht standhalten. C. Morphologie der Chromatophoren. 1. Anordnung der Chromatophoren. Was die Lage der verschiedenen Chromatophoren anbelangt, so kann es keinem Zweifel unterliegen, daß sie sowohl in der Epidermis, als auch in der Cutis eingetroffen werden, aber die Hauptmasse der Chromatophoren liegt Inder Cutis. KöLLlKER (55) vertrat auf Grund seiner Untersuchungen an Rhinocryptis {Lepidosiren) den Standpunkt, daß die in den tieferen Lagen der Epidermis vor- kommenden „Pigmentramifikationen" von Zellen ausgehen, die in den obersten Lagen der Cutis ihren Sitz haben. Auch die von H. Müller (72) in der Epidermis von Acipcnser beobachteten Pigmentzellen dürften nach Kölliker aus der Cutis in die Epidermis eingewandert sein ; denn damals schrieb Kölliker den Chromatophoren noch eine aktive amöboide Beweglichkeit zu, eine Anschauung, die er später aber ganz entschieden verlassen hat. Auch v. Siebold (101) lokalisiert die Chro- matophoren der Fische nur in die Cutis. Damit stimmen überein die Angaben von Emery (24) für Fierasfer acus, von Ballowitz (1), von Leydig (66) für Anguilla vulgaris. Die meisten Autoren haben aber, seit F. E. Schulze (95) die Chromato- phoren in der Epidermis beschrieben hat, neben den Chromatophoren der Cutis auch solche in der Epidermis gefunden. Doch scheinen nach F. E, Schulze nicht alle Fische Chromatophoren in der Epidermis zu besitzen. Die Chromatophoren liegen unregelmäßig zerstreut zwischen den Epidermiszellen, verschieden reichlich bei verschiedenen Fischarten, ja selbst bei ein und demselben Individuum in den ver- schiedenen Hautpartien. Die tiefe Schicht der Epidermis ist frei von Pigmentzellen, während in den höheren Lagen, besonders an der Grenze der tiefen ZylinderzeUen, eine fast zusammenhängende Lage der Chromatophoren gefunden wird. Doch scheinen in der Anordnung der Pigmentzellen bei den verschiedenen Fischen sehr weitgehende Unterschiede zu bestehen; Pouchet (80) beschreibt unverzweigte Chromatophoren im Epithel von Trigla und stark verzweigte bei Rhombus. Nach Cavalie (16) ent- hält die Rückenhaut von Torpedo Galvani in der Cutis an der Grenzschicht gegen die Epidermis die Chromatophoren, deren Fortsätze in der oberflächlichen Schicht der Cutis parallel zur Oberfläche verlaufen, manchmal aber zwischen die Zellen der Epidermis reichen. In der Epidermis selbst finden sich gleichfalls zahlreiche Chromatophoren, welche die Epidermiszellen und auch die Becherzellen ähnlich wie Nervenendigungen umspinnen. Die vollkommen isolierten Pigmentzelleu liegen mit ihren Körpern in den tieferen Epidermisschichten, niemals in den oberflächlichen, doch reichen die Fortsätze bis zur Oberfläche der Epidermis. Bei den Pleuronectiden kommt nach Cunningham und Mac Munn (20) reichlich körniges Pigment in der Epidermis vor, aber es ist in Massen zwischen den Epidermiszellen vorhanden, welche 1382 ß. F. Fuchs Teile von Verzweigungen der Chromatophoren zu sein scheinen. Das Epidermis- pigment hat keine physiologische Bedeutung. Die Chromatophoren hegen bei den Flachfischen in der Cutis zwischen der Oberfläche der Schuppen und der Epidermis (Cunnlngham, 19). Bei Phoxiniis laevis liegt das Pigment haupt- sächlich in zwei Schichten an der äußeren und inneren Grenzfläche der Cutis, doch kommen gelbe Chromatophoren auch in der Epidermis vor (v. Frisch, 34). Ganz abgesehen von den auffälligen Zeichnungsflecken von bestimmter Farbe, die natürlich durch eine besonders starke Anhäufung der entsprechend gefärbten Chrom atophorenart zustande kommt, scheint doch eine besondere Gesetz- mäßigkeit in der Verteilung und Anordnung der verschieden ge- färbten Chromatophoren zu bestehen. Im allgemeinen sind die schwarzen Chromatophoren gleichmäßiger verteilt und zahlreicher als die anders gefärbten. Wohl kommen bei jungen Tieren Ausnahmen von dieser Regel vor, indem z. B. bei Oobius Buihenspari die gelbweißen und gelbgrünen Chromatophoren zahlreicher sind als die schwarzen, aber bei älteren Tieren überwiegen auch hier die Melanophoren (Heincke, 45). Besonders untersucht wurde die Farbenverteilung von Prowazek (81), der eine regelmäßige Aufeinanderfolge der Pigmente beschreibt. Von oben nach unten folgen nacheinander zuerst Schwarz, dann Rot, dann Orangerot, endlich Gelb. Eine solche Anordnung findet sich bei Trigla Mrudo, ähnlich ist sie auch bei Blennius tentaculaüis, sowie bei Labrus. Auch bei jungen Fischen ist bereits diese Pigmentfolge vorhanden. Eine besonders merkwürdige histomechanische Anordnung zeigen nach Prowazek die Chromatophoren, sie folgen den Linien des geringeren Widerstandes im Gewebe und senden auch in dieser Richtung ihre Fortsätze aus. So drängen sich bei Jungfischen von Blennius, Oobius die Chromatophoren längs der Seitenlinien empor, und in den Rückenflossen von Trigla lineata sind die schmutzig grünlichen, sowie die gelben und roten Pigmentzellen ganz regelmäßig in den Spannungslinien angeordnet. Die vielfach angenommene Be- ziehung der Lagerung der Chromatophoren zu den Blutgefäßen stellt Prowazek ganz entschieden in Abrede. Wo aber dennoch eine solche Anordnung längs der Blutgefäße besteht, so ist hier die Pigmentbildung nicht auf die Blutgefäße zu beziehen, sondern hier handelt es sich nur darum, daß in der Richtung der Gefäße ein geringerer Wachstumswiderstand besteht, und die Chromato- phoren diesen Richtungen folgen. Diese Untersuchungen Prowazeks sind leider bisher wenig beachtet worden, trotzdem es dringend notwendig wäre, sie an einem großen Material zu prüfen, da ihnen eine prinzipielle Bedeutung zukommt. Denn wenn die Anordnung der Chromatoi^horen wirklich den histo - mechanischen Spannungslinien entspräche, dann wäre die Zeichnung der Fische in einer Weise erklärbar, welche a fortiori die Unhaltbarkeit einer Schutzfärbung durch Zeichnung beweisen würde. Dann könnte man von einer kausalen Erklärung des Zustande- kommens der Zeichnung sprechen, die uns vollauf befriedigen würde. Wenn auch die Hauptmasse der Chromatophoren in der Haut angetroffen wird, so finden sich doch auch beträchtliche Mengen von Chromato- phoren in den inneren Organen, so im Verdauungskanal. Bei Gobius niger finden sich in sehr frühem Alter sehr große Chromatophoren an der Innenseite des Mundes, und bei jungen Gymnetrus, die ganz durchsichtig sind, liegt eine große Chromatophore in der Nähe des Anus (Pouchet, 80); bei Acipenser Nacarii kommen einzelne stark verzweigte Pigmentzellen in den Nasenfalten vor (Leydig, 58), bei Heringen große Pigmentzellen in der Zunge (Ballowitz, 3). Häufig sind Chromatophoren im Peritoneum beschrieben worden, so z. B. von Cunningham und Mac Munn (20) große schwarze Pigmentzellen nebst einem gelben Pigment bei Siphonostoma typhle, von Emery (24) braune Pigmentzellen bei Fierasfer acus usw. Ein bekanntes Objekt für das Vorkommen großer Chromatophoren ist die Schwimm- blase von Fierasfer acus (Emery, 24). Die Beziehungen zwischen Chromatophoren Der Farbenwechsel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. 1383 und Zentralnervensystem sind auch bei den Fischen nicht unbeachtet ge- bheben. Schon Leydig (58) hat bei Äcipenser naso in der Schädelkapsel eine weiche Masse beschrieben, welche zahlreiche verzweigte Pigmentzellen besitzt; in der Pia mater finden sich zahlreiche schwarze und goldglänzende Chromatophoren. Eine besondere Erwähnung verdient die Beobachtung Pouchets (80), daß bei dem sonst keine Chromatophoren besitzenden Amphioxus diese nur im Zentralnerven- system vorhanden sind. Emery (24) beschreibt bei Ficrasfer braune Pigmentzellen, welche die Wirbelsäule umgeben, sowie solche in den Hirnhäuten; ferner finden sich Chromatophoren außer im Neural- auch im Hämalkanal der Fische (Bolk, 11). Das regelmäßige Vorkommen von Pigmentzellen in den Hüllen, ja selbst in der Adventitia der Blutgefäße wird von Pouchet (80) und anderen Autoren ver- zeichnet, und auch bei Fischen sind die Chromatophoren dicht an die Kapillaren gelagert, was besonders deutlich an der Rücken- und Schwanzflosse der Forelle zu beobachten ist (Lode, 68). Gerade diese Beziehung zu den Gefäßen hat die meisten Autoren dazu geführt, besondere Schlüsse auf die Pigmentbildung aus dieser ana- tomischen Anordnung zu ziehen, doch scheint es sich hier, wie bereits erwähnt, um rein histomechanische Anordnungen zu handeln (Prowazek, 81). Besonderes Interesse verdient die segmentale Anordnung der Chro- matophoren, die namentlich während der Entwicklungsperiode der Fische sehr deutlich hervortritt. Sie ist von Pouchet (80) bei jungen 8 — 10 cm langen Aalen beschrieben worden, bei denen die Chromatophoren zu beiden Seiten der Wirbelsäule so gelagert sind, daß jedem Wirbel eine große Chromatophore entspricht. Genauer untersucht wurde die segmentale Anordnung von van Rynbeek (87, 88) bei Scyl- lium catulus und Scyllium canieula, ferner von Bolk (11), sowie von Gamble (41) bei Crenilabrus n/elops. Endlich sei noch erwähnt, daß Franz (29) die Anordnung der Chromatophoren bei Fischarten für so charakteristisch hält, daß sie ,,die beste spezifische Charak- teristik für die Systematik" abgibt, er legt ihnen eine ähnliche taxinomische Be- deutung bei wie Keeble und Gamble den Crustaceenchromatophoren. 3. Bau der Chromatophoren. Die Form der Chromatophoren wechselt wie bei den Crustaceen einmal nach dem jeweiligen Ballungszustand, dann aber auch bei verschiedenen Arten und vor allem je nach der Farbe der Zellen, so daß sich für die verschieden- farbigen Zellen charakteristische Zellformen konstatieren lassen. Im allgemeinen zeigen alle expandierten Chromatophoren eine sternförmige Gestalt mit mehr oder weniger reichverzweigten Fortsätzen, wobei der Zellkörper ein mehr oder weniger gleichseitiges rundliches Polygon darstellt; aber es gibt auch abweichende Formen, wie z. B. die Pigmentzellen am Flossensaum von Pleuronectes platessa- Larven, die eine mehr gestreckte Form besitzen (Franz, 29), ebenso die Chromato- phoren zwischen den Flossenstrahlen erwachsener Teleostier (Zimmermann, 120) (Fig. 53). Larven von Blennius trigloides zeigen an den Brustflossen große, lang- gestreckte Pigmentzellen, von denen solche beobachtet wurden, deren langer Durch- messer 0,36 mm, deren kurzer nur 0,15 mm betrug. Die Größe der Zellen wechselt sehr bedeutend bei den verschiedenen Arten, so fallen nach Bolk (11) die Chromatophoren von Belone durch ihre Kleinheit auf, was Bolk mit der grünen Farbe der Chromatophoren in Beziehung bringt, da nach Heincke (45) die grünen Pigmentzellen kleiner und nicht so formenreich sind wie die schwarzen. Ebenso besitzen Pleuronectiden kleine dunkle undurchsichtige Chromatophoren (Ballowitz, 3), ferner erwähnt Pouchet (80), daß die schwarzen Chromatophoren von Hippocampus und Trigla klein sind. Auch die dunklen Chromatophoren des Hechtes sind verhältnismäßig klein und sehr regelmäßig geformt und meist nur mit kurzen Fortsätzen versehen; auch bei anderen Knochenfischen 1384 R, F. Fuchs, kommen solche Formen vor, obwohl meist die Zellen größer sind, wie besonders die dunklen Chromatophoren in der Kopfgegend des Flußbarsches durch ihre Größe auffallen. Es sind große abgeplattete Zellen von beträchtlicher Dicke, meist wenig durchsichtig, von unregelmäßiger Gestalt mit vielen unregelmäßigen Fortsätzen (Ballowitz, 3). Die großen dunklen Chromatophoren von Gadus sind besonders von Balloavitz (3) und Fkanz (29) beschrieben worden, wobei der letztgenannte Autor angibt, daß die Zellen oft millimetergroß sind. Auch Trachiniis draco besitzt an den Seiten große Chromatophoren (Pouchet, 80). Die größten und zierlichsten Chromatophoren sind die zuerst von Emery (24), später von Zimmermann (120) im Bauchfell von Fierasfer acus beschriebenen braunroten Zellen. \ Fig. 54. Fig. 53. Pleuronectes platessa, sehr junge Larve. Chromatophore aus dem Flossensaum. (Nach Franz.) Fig. 54. Fierasfer acus. Braune Pigmentzelle aus dem Bauchfell. In der Mitte der Zelle stärkere Pigmentanhäufung mit den beiden Kernen. (Nach Zimmer- mann.) Es wurde bereits oben erwähnt, daß die grünen Chromatophoren sehr klein sind. Auch die gelben Chromato- phoren, z. B. bei Blennius trigloides (Zimmermann, 120), sind kleiner als die braunen , das gleiche gilt auch von den roten Figmentzellen (v. SiE- Fig. 53, BOLD, 101), doch hat Knauthe (52), ein allerdings nicht ganz zuverlässiger Beobachter, angegeben, daß die roten Chromatophoren von Leuciscus phoxinus oft ebenso groß , mitunter sogar größer sein sollen als die schwarzen Chro- matophoren. Der Farbenwechsel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. 1385 Die auffälligsten Variationen zeigen die Fortsätze, ganz abgesehen von den Verschiedenheiten, welche natürlich durch den jeweiligen Expansionszustand des Pigmentes zustande kommen müssen. Denn von der mehr oder weniger vollkommenen Expansion des Pigmentes hängt es ab, ob die Fortsätze für gewöhnlich sichtbar sind oder nicht, ob ihre Enden hervortreten, wodurch sie einmal verschieden lang und mehr oder weniger verzweigt erscheinen. Nur Pouchet (80) beschreibt außer den gewöhnlichen fortsatzreichen Formen bei Trigla Pigmentzellen, welche keine Fort- sätze zeigen; sie liegen au der Grenze der blauen Flecke an den Flossen. Im allgemeinen verästeln sich die Fortsätze dichotomisch und verjüngen sich bis zu unraeßbarer Feinheit (Solger, 104), sie sind von verschiedener Länge und Dicke. Besonders lange Fortsätze haben nach Kölliker (55) die Chromatophoren von Rhinocryptis, welche 5—8 Fortsätze in die Epidermis entsenden, die sich dann weiter verästeln, meist kelchartig außen um einzelne Epidermisdrüsen herumziehen. Sie winden sich zwischen den einzelnen Epidermiszellen durch und reichen manchmal bis nahe an die oberflächlichen Schichten heran. Auch die roten und braunen, außerordentlich stark verzweigten Chromatophoren von Fierasfer acus besitzen feinste lange Aeste (Emery, 24). Die genauere Unter- suchung dieser Zellen (Zimmermann, 120) hat ergeben, daß die kurzen dicken Aus- läufer sich gewöhnlich sogleich in mehrere schmälere Ausläufer teilen, die in radiärer Richtung weithin verlaufen und sich wieder spalten. Die Endzweige selbst zeigen an ihren Endabschnitten ganz kurze seitliche Fortsätze (Fig. 54). Ferner hat Cavälie (16) an den Hautchromatophoren von Torpedo Galvani lange Fortsätze beobachtet, die gewöhnlich in der oberflächlichen Lage der Cutis parallel zur Ober- fläche liegen und manchmal bis zwischen die Epidermiszellen reichen. Besonders lange und reichverzweigte Fortsätze zeigen die dunklen Chromatophoren der Schwimm- blase, worauf schon Pouchet (80) hingewiesen hat; ferner sind die großen Chro- matophoren des Dorsches (Ballowitz, 3) durch sehr zahlreiche relativ feine lange Fortsätze ausgezeichnet. Verhältnismäßig kurze Fortsätze wurden beschrieben an den Chromatophoren von Blennms, die deshalb gezackt erscheinen (Zimmermann, 120), desgleichen haben die ausgebreiteten Chromatophoren der Kopfgegend des Hechtes einen kreisrunden Körper mit kurzen lappigen Fortsätzen (Ballowitz, 3), ferner besitzen die langen Chromatophoren von Blennms trigloides-harven kurze parallel verlaufende Fort- sätze, die an den Enden fächerförmig ausgebreitet sind (Zimmermann, 120). Nicht nur bei den braunen bzw. schwarzen Chromatophoren variiert die Form und Zahl der Fortsätze in der angegebenen Weise, sondern auch die farbigen Chro- matophoren scheinen sich in dieser Beziehung bis zu einem gewissen Grade cha- rakteristisch zu verhalten. So hebt bereits v. Siebold (101) als allgemeines Ver- halten hervor, daß die roten Chromatophoren sich niemals mit solchen zierlichen Formen ausbreiten wie die schwarzen und immer viel kleiner sind und nur einzelne kürzere, kaum verästelte Fortsätze erkennen lassen, während Knauthe (52) bei Leuciscus phoxinus stark verästelte rote Pigmentzellen beschreibt, die ein Maschen- werk bilden sollen. Bei Tricjla lyra finden sich nach Cunningham und MacMdnn (20) über der Silberlage der Seiten glänzende rote Chromatophoren, die meist in Form von kleinen Flecken vorhanden sind und wenig Tendenz zur Verzweigung zeigen, ebenso ist bei Cottus bubalis das rote Pigment in sternförmigen Chromatophoren mit kurzen Fortsätzen vorhanden, oder es ist in einem feinen Netzwerk vorhanden, das keine einzelnen Chromatophoren erkennen läßt. Auch die gelben Chromato- phoren haben verzweigte Fortsätze, wie Cunningham und Mac MuNN bei Oadus merlangus, sowie v. Frisch (34) bei Crenilabrus pavo, Trigla corax und Phoxinus laevis nachgewiesen haben. Bei Cyelopterus lumpics sind nach Franz (29) sowohl die Scheiben, als auch die ersten Verästelungen der schwarzen Chromatophoren gröber gebaut als jene der gelben. 1386 E. F. Fuchs, Die Fortsätze der Chrom atophoren scheinen bei vollständiger Expansion des Pigmentes sich zu berühren, so daß sie ein zusammenhängendes Netzwerk zu bilden scheinen, wie bereits von Pouchet (80) und Heincke (45) angegeben wurde; jedoch hat Schulze (95) mit aller Entschiedenheit betont, daß zwischen den Ausläufern verschiedener Pigmentzellen keine direkte Verbindung vorhanden ist. Doch hat v. Frisch (34) an den gelben Pigmentzellen der Pfrille beobachtet, daß die Fortsätze stellenweise miteinander zusammenzuhängen scheinen. Diese Frage könnte natürlich Bedeutung haben für die Fortleitung der Erregungsvorgänge von Zelle zu Zelle. Wir wenden uns nun zu den Fragen über die feinere mikroskopische Struktur der Zelle. Die Chromatophoren werden von den meisten Autoren den Bindegewebszellen zugezählt, die in einer mehr oder weniger hyalinen Grund- substanz Pigment eingelagert enthalten. Die Zellen werden allgemein seit den Unter- suchungen Pouchets (80) als kernhaltige Zellen beschrieben, wenngleich der Kern an den stark pigmentierten Zellen oft nur schwer oder auch gar nicht zu sehen ist, und erst nach Bleichuug des Pigmentes mit Sicherheit erkannt werden kann. Die erste Beobachtung eines Kernes hat wohl Schulze (95) gemacht, der ihn als „helles bläschenförmiges" Gebilde beschreibt. Die genauere Untersuchung der Kerne hat aber Solger (102 — 104) vorgenommen und seine Beobachtungen wurden von Ballo- wiTZ (3) und Zimmermann (119, 120) in allen wesentlichen Punkten bestätigt. Die großen Chromatophoren am Schädel des Hechtes enthalten meist zwei scharf begrenzte ovale pigmentfreie Felder, welche die Kerne darstellen (Fig. 55). Die Kerne neigen sich gewöhnlich mit ihren Polen gegeneinander, so daß sie einen Winkel bilden, manchmal stehen sie auch parallel; obwohl gewöhnlich 2 Kerne vorhanden sind, so wurden doch Zellen mit einem oder bis zu 6 Kernen beobachtet. Die Kerne zerschnüren sich amitotisch. Zimmer- mann (119) hat die Kerne in den Chromato- phoren von Sargus annularis, Oobio fluviatilis, Alburnus lucidus, Cliondrostonia nasus beob- achtet. In den Zellen mit ausgebreitetem Pigment haben die Kerne mehr rundliche Gestalt und berühren die Peripherie des Zell- körpers nur leicht. Bei mehrkernigen ge- bleichten Zellen hängen die Kerne entweder paarweise oder auch alle miteinander durch feine Fäden zusammen, was darauf hinweist, daß die Kern Vermehrung durch „Zerreißen" aus einem Kern hervorgegangen ist, wo- für nach Zimmermann die Pigmentbewegung verantwortlich sein soll. Da aber der Autor über diesen Vorgang keine genaue Angabe zu machen in der Lage ist, so wird die Annahme von der mechanischen Zerreißung des Kernes durch die Pigment- bewegung wohl wenig Anhänger finden. Auch an Torpedo Oalvani wurde ein zentral gelegener Kern beobachtet (Cavalie, 16). Außerordentlich interessant sind die An- gaben, die V. Frisch (34) über die Kerne der gelben Pigmentzellen der Pfrille macht. Die Kerne sind nicht in allen Zellen zu finden, jedoch kann der Kern gelegentlich in einem Fortsatz stecken, wodurch die Vermutung nahegelegt wird, daß bei den kernlosen Zellen der Kern wahrscheinlich in einem abgerissenen Fortsatz gelegen ist. Die Kerne der braunen und gelben Pigmentzellen besitzen ein sehr fein ver- teiltes Chromatin , weshalb sie sich an gefärbten Präparaten sehr stark färben (Zimmermann, 120). Fig. 55. Esox lucius. Chro- matophoren vom Schädel mit 2 Kernen und Sphäre. (Nach Solger.) Der Farbenwechsel und die chromatisclie Hautfunktion der Tiere. 1387 Die sorgfältigen Untersuchungen Solgers (102, 104) brachten auch die Kenntnis von den feineren Plasmastrukturen der Pigmentzelle, welche an den großen Chromatophoren des Hechtschädels besonders deutlich hervortreten. Im Zentrum der Zelle liegt ein heller Fleck (Fig. 57), von dem aus die Pigmentkörner nach allen Seiten ausstrahlen, sie sind in der Nähe des hellen Fleckes dichter gelagert als in größerer Entfernung von ihm. Dieses helle Zentrum deutet Solger als Attrak- tionssphäre. Da trotz der Gegenwart von mehreren Kernen stets nur eine Fig. 56. Esox lucius. Solger.) Chromatophore vom Schädel, a Attraktionssphäre. (Nach 1388 R. F. Fuchs, Sphäre vorhanden ist, so spricht auch dieser Umstand entschieden dafür, daß die Kernvermehrung nicht durch Kernteilung sondern durch Kernzerstücklung statt- gefunden hat. Genau die gleichen Struktureigentümlichkeiten zeigen auch die Chro- matophoren vom Barsch. Die sorgfältig konservierten Zellen zeigen noch weitere Struktureigentüralichkeiten. Während an frischen Präparaten die Zeilfortsätze voll- kommen homogen erscheinen, zeigen die in MÜLLERscher Flüssigkeit konservierten feine haarförmige Fortsätze, die keine Bewegung erkennen ließen. Zu diesen Fort- sätzen gehört ein nach innen spitzer Sektor des Zelleibes, in dem die Pigmentkristalle radiär angeordnet sind, außerdem schien noch eine tangentiale Anordnung vorhanden zu sein. Diese regelmäßige Anordnung spricht für eine bestimmte, wenn auch bis zu einem gewissen Grade verschiebbare Struktur des Zellkörpers. Auch Ballowitz (3) hat die Pigmentanordnung sowie die Sphäre beschrieben. Später wurde die Archiplasmastruktur auf das eingehendste von Zimmer- mann (120) bei verschiedenen Arten untersucht. Dabei hat sich ergeben, daß nicht nur die äußere Form der Zellen bei den verschiedenen Arten verschieden ist, sondern daß auch ganz charakteristische Unterschiede in der Archiplasma- anordnung bestehen. Bei den Knochenfischen zeigen die Chromatophoren ein sehr stark entwickeltes Archiplasma, keine andere Zellart der Wirbeltiere zeigt diese Ausbildung des Archiplasmas, selbst nicht die Leukocyten des Salamanders, die ja sonst als Paradigma der Archiplasmaausbildung gewöhnlich angesehen werden. Je stärker und lebhafter eine Zelle sich zusammenzieht, um so stärker muß auch das kontraktile Archiplasma entwickelt sein. Meist tritt es in der gewöhnlichen Form der Attraktionssphäre auf, d. h. im Zentrum der Zelle findet sich eine kugelige dichte Archiplasmaanhäufung von wechselnder Größe, von welcher nach allen Seiten hin die Archiplasmafäden ziehen, längs deren die Pigmentkörnchen in Reihen ange- ordnet sind. An Stelle der gewöhnlichen Sphäre kann in den länglichen Zellen eine längliche Sphäre treten, wie z. B. bei Sargus, die Zimmermann als „Zentral- stab'^ bezeichnet. Dieser Zentralstab ist kein homogener Körper, sondern er hat eine feine Struktur. Die Archiplasmastrahlen stehen fast senkrecht auf der Längs- achse des Stabes, an den beiden Enden des Stabes tritt eine deutlich sichtbare fächerförmige Anordnung der Strahlen auf. Einen dritten Typus zeigen die Chro- matophoren von jungen ßleniiius-ha.r'ven, bei denen an Stelle der gewöhnlichen Sphäre ein „Zentralnetz" vorhanden ist, wie denn überhaupt bei diesen Chro- matophoren die netzartige Anordnung des Archiplasmas besonders deutlich ausge- prägt ist (Fig. 57 — 60), während bei Fierasfer actis das Zentralnetz nicht scharf begrenzt ist, obwohl die Pigmentkörnchen wenigstens bei den großen Zellen in der Peripherie eine reihenförmige Anordnung zeigen. An gebleichten Zellen von Blennius-harven zeigen auch die Fortsätze deutliche Archiplasmastruk- tur en , welche sich bis in die feinsten Enden der Fortsätze verfolgen lassen (Zimmer- mann, 119). Bei Crenilabrus grisens hat die Sphäre hanteiförmige Gestalt (Pro- wazek, 81). Die Verschiedenheiten der Archiplasmastrukturen können meiner Meinung nach keine zufälligen morphologischen Befunde darstellen, sondern sie stehen sicherlich mit dem Mechanismus und dem Umfang der Pigmentverschiebung in innigem Zu- sammenhange. Dafür scheint mir auch der Befund Zimmermanns (120) zu sprechen, daß die gelben Chromatophoren an Blennins- Larven nur ein minimales Zentral- körperchen und wenig deutliche, spärliche Archiplasmastrahlen besitzen. Gerade aber die gelben Zellen zeigen nur geringe Pigmentverschiebungen. Wie bereits im Kapitel über die Crustaceen erwähnt wurde, hat Franz (29) auch die feinere Struktur der Fischchromatophoren untersucht, wobei er zu dem Resultat kommt, daß die in der Zelle vorhandene Strahlung durch die Anwesenheit starrer skelettartiger Stäbe hervorgerufen wird, neben denen manchmal Pigment liegt, wodurch die Stäbe deutlich sichtbar werden. Die Stäbe zeigen an Der Farbenwechsel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. 1389 manchen Stellen Verzweigungen und finden sich nicht nur im Zellkörper, sondern auch in den Fortsätzen ; sie zeigen überall eine typische Anordnung, nämlich mög- hchst senkrecht zur Zelloberflächc, woraus Franz den Schluß zieht, daß es sich um ein Stützgerüst der Zelle handelt, welches am besten die Verschiebung der verhältnismäßig großen Pigmentkörnchen sichert. Im Zentrum der Zelle hat das Stäbegerüst eine fachwerkartige Anordnung, auf dem dann die radiären Stäbe stehen. Das Zentrum des Stabgerüstes fällt mit dem dynamischen Zentrum der Pigment- bewegung zusammen. ■S' k ^ I Fig. 57. Blennius trigloid.es (Larve). Braune Pigmentzelle aus der Brustflosse. Zentralnetz und Archiplasmastrahlung. (Nach Zimmermann.) Fig. 58. Fig. 59. Fig. 60. Fig. 58 — 60. Blennius trigloides (Larve). Braune Pigmentzellen aus der Brust- flosse. Zentralnetz und Archiplasmastrahlung. (Nach Zimmermann.) Die Form des in den Chromatophoren eingelagerten Pigmentes wird von fast allen Autoren als körnig beschrieben, wobei z. ß. Leydig (66) hervorhebt, daß die blauen Pigmentkörner von Rhodeus amariis eckig sind, was auf eine kristallinische Gestalt dieser Farbstolfkörnchen hinweist und eine Verwandt- schaft mit den blauen Kristallen der Crustaceen nahelegt. Die einzelnen Körnchen haben verschiedene Größe und Form, so ist z. B. das dunkle Pigment in den Chromatophoren von Torpedo Galmni sehr grobkörnig (Cavalie, 16), während bei der Forelle das schwarze Pigment sehr feinkörnig ist (Vogt. 111), dagegen ist das braune Pigment der Forelle sehr grobkörnig. Nach Schöndorff (94) bildet das schwarze Pigment der Forelle Stäbchen, während bei Sargus annularis die einzelnen Pigmentkörnchen linsenförmig sind und als flache Scheiben oder als kurze ge- 1390 R. F. Fuchs, drungene Stäbchen erscheinen (Zimmermann, 120). Nicht nur das schwarze Pigment, sondern auch die farbigen Pigmente kommen in Körnchenform vor, andererseits kommen aber auch namentlich bei den farbigen Pigmenten tropfen- förmige Ablagerungen in den Zellen vor (Pouchet, 80), z. B. das gelbe Pigment in den Flossen von Callionyme lyre, gelbrotes Pigment bei der Forelle (LoDE, 68; SCHÖNDORFF, 94), oder ganz diffus gelöst, wie das blaue Pigment von Greni- labrus pavo, während das rote in ölartigen Tropfen erscheint (v. Zeynek, 118). Die Anordnung der Pigmentkörnchen ist reihenförmig und entspricht im allgemeinen der Archiplasmaverteilung, aber es kommen auch innerhalb der Zellen pigmentfreie Stellen vor, so besonders in der Mitte der expandierten Zellen (Zimmermann, 120, u. a.). Während die meisten Autoren diese Anordnung des Pigmentes als die normale ansehen, hat Franz (29) sie als eine Absterbe- erscheinung erklärt, denn von der Gruppierung zu Reihen ist um so weniger zu sehen, je lebensfrischer das untersuchte Material ist. Nach Franz werden die Be- wegungen der Pigmentkörnchen durch das Stäbeskelett oft gehindert, sie bleiben dann um so leichter zwischen den Stäben liegen, je schwächer die Pigraentverschie- bungen beim Absterben werden. Auch das Auftreten der von vielen Autoren beob- achteten pigmentfreien Fortsätze hält Franz für einen moribunden Zu- stand, weil er ihn häufig an geschädigten Larven von Gadus beobachten konnte. Daß beim Absterben der Chromatophoren eine Bewegung des Pigmentes gegen die Centrosphäre hin stattfindet, hatte bereits früher Prowazek (81) angegeben. Ebenso wie Solger (104) hat auch Franz (29) eine zirkuläre Anordnung der Pigmentkörnchen gesehen, die besonders bei den Larven von Gadus morrhua sehr deutlich ist (Fig. 61, 62); sie soll von einer Pigmentstauung in der Peripherie herrühren. \ l&..i Tv.. Oä! 'l^f\* W- /" '.' 'I W^' Fig. 61. Fig. 62. Fig. 61 und 62. Gadus morrhxia, Larve, Zirkuläre Anordnung des Pigmentes in der Peripherie der Chromatophore sowie um die Zellkerne infolge Pigmentstauung. (Nacli Franz.) D. Chemie des Pigmentes. Genauere chemische Untersuchungen schiedenen Farbstoffe der Fische liegen nur Das dunkle schwarze oder braune Pigment wird von allen Autoren, die sich mit seiner Untersuchung befaßt haben, als Melanin an- gesprochen (Pouchet, 80; Schöndorff, 94; Cunningham und Mac über die ver- ganz wenige vor. Der Farbenwechsel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. 1391 MuNN, 20). Uebereinstimmend betonen alle Autoren die große Re- sistenz und Schwerlöslichkeit dieses Farbstoffes. Es ist in kon- zentrierter Schwefelsäure unlöslich (Pouchet, 80) ; es wird weder von Alkohol noch Aether zerstört, während es durch 4— 5-tägige Ein- wirkung einer 25-proz. Kalilauge in einer nicht näher beschriebenen Weise zerstört wird (Schöndorff, 94), ebenso soll nach Schöndorff durch 25-proz. Salzsäure oder Schwefelsäure bei 3-tägiger Einwirkung ein vollständiger Zerfall des Melanins herbeigeführt werden, kon- zentrierte Salpetersäure wirkt binnen 24 Stunden zersetzend. 5—6- wöchiges Auswässern von in Formalin fixierten Hautstücken verändert das Melanin nicht. Cunningham und Mac Munn (20) hatten ver- sucht, das Melanin der Fischchromatophoren rein darzustellen, aber es gelang ihnen nicht, jedoch nehmen sie eine gewisse Verwandtschaft der Melanine mit den Lipochromen an. An den Lösungen von Melaninen in ätzenden Alkalien konnten keine charakteristischen Ab- sorptionsbänder festgestellt werden. Endlich hebt Cavalie (16) noch hervor, daß auf das braune Pigment von Torpedo Galvani Färbungs- mittel nicht einwirken. Obwohl das Melanin zweifellos in den Chromatophoren der Fische das häufigste Pigment ist, so gibt es doch lebhaft gefärbte Fische, welche kein Melanin enthalten, wie z. B. Carassius auratus (Cunning- ham und Mac Munn (20). Etwas eingehender sind die gelben und roten Pigmente der Fischchromatophoren untersucht worden, die nach Cunningham und Mac Munn (20) zu den Lipochromen gehören, obgleich auch die Reindarstellung dieser Pigmente ihnen nicht gelungen ist. Die Lipo- chrome der verwandten Arten zeigen in ihren Lösungen eine ziemliche Uebereinstimmung ihres optischen Ver- haltens, indem z. B. bei allen untersuchten Pleuronectiden , mit Ausnahme von Ärnoglossus megastoma, die Absorptionsbänder der Farbstoflflösungen bei Wellenlängen zwischen 400—500 iii/.i gelegen sind; aber auch bei im System weit voneinander entfernten Fisch- arten ist die Uebereinstimmung des spektroskopischen Verhaltens der Farbstofflösungen eine sehr gute. Für die Beurteilung der Pigmente halten Cunningham und Mac Munn die Lage der Absorptionsbänder für viel wichtiger als die makroskopisch oder mikroskopisch zu beob- achtende Farbe des Pigmentes. So scheint es oft mit freiem Auge, als ob zwei Pigmente, ein rotes und ein gelbes, vorhanden wären, aber die spektroskopische Untersuchung zeigt, daß das Rot nur durch eine starke Konzentration des gelben Pigmentes hervorgebracht wird, das in dünner Schicht gelb, in dicker rot erscheint. Aber nicht immer ist bloß ein farbiges Pigment vorhanden, sondern Cunningham und Mac Munn erwähnen selbst, daß bei manchen Arten zwei ge- trennte rote und gelbe Pigmente vorhanden sind, wie bei Ner- ophis aequoreus, Cottus buhalis , Pleuronectes flesus, wo die beiden Pigmente getrennt durch Extraktion der Haut mit Alkohol und Aether nacheinander erhalten werden, indem der Alkohol das gelbe und der Aether das rote Pigment löst. Die roten Farbstoffe der Fischchromatophoren sind nach Cun- ningham und Mac Munn (20) verschieden. Das rote Pigment von Carassius auratus ist, wie bereits Krukenberg angegeben hat, Te- tronerythrin, ebenso das gleiche Pigment in der Flosse von Trigla cuculus, während in der Haut ein anderes rotes Lipochrom 1392 R- F. Fuchs, vorhanden ist, dessen Rückstand nach Verdampfen der Lipochrom- lösung durch Salpetersäure oder Schwefelsäure blau oder grün gefärbt wird, aber mit Jodkali keine Reaktion gibt. Die Aetherlösung des Tetronerythrins ist rot und absorbiert sehr stark das violette Ende des Spektrums; auf Zusatz von ScHULTZEschem Reagens wird es dunkelgrün, mit Salpetersäure wird es dunkelblau, mit Schwefelsäure blaugrün. Das Tetronerythrin ist in bestimmten Chromatophoren, deren Granula deutlich sind, enthalten. Ein anderes rotes Pigment von Cerassius auratus, das zuweilen in Chromatophoren, aber meist diffus vorhanden ist, zeigt folgendes Verhalten. Es absorbiert gleich- falls das violette Ende des Spektrums und hat in der ätherischen Lösung zwei schlecht begrenzte Absorptionsbänder bei 506 — 473 /^IlI. Beim Verdampfen aus seiner Lösung ist es orangerot, mit Salpeter- säure nimmt es eine vergängliche blaue Färbung an, durch Schwefel- säure wird es dunkelgrün und blau und endlich braun, bleibt jedoch unverändert bei Einwirkung von ScHULTZEschem Reagens. Offenbar ist das von Pouchet (80) beschriebene rote Pigment ein ganz ähn- licher Körper, soweit man das nach der Schwefelsäurereaktion allein beurteilen darf. Ein noch anderer roter Farbstoff ist offenbar der von ScHÖNDORFF (94) in den roten Punkten der Forelle beobachtete. Die roten Flecken blassen bei Behandlung mit 70-proz. Alkohol am 2. Tage ab und sind am 3. Tage weiß. Der Farbstoff wird zerstört von Chloroform und Xylol, wird aber durch Säuren selbst nach Monaten nicht angegriffen ; 25-proz. Kalilauge verändert nach 5— (3-tägiger Einwirkung das rote Pigment nicht, nach 6 Wochen tritt Abblassen zu Gelb ein; konzentrierte Salpetersäure „zersetzt" ihn binnen 24 Stunden ; 5 — 6-wöchiges Auswässern der in Formalin fixierten Hautstücke führt seine vollständige Bleichung herbei. Diese An- gaben ScHÖNDORFFs können nur mit großem Vorbehalt verzeichnet werden, da sie einen großen Widerspruch enthalten : einmal wird die große Säure festigkeit hervorgehoben, dann aber eine verhältnis- mäßig intensive Reaktion der Salpetersäure beschrieben, außerdem sind die Beschreibungen der Farbreaktionen sehr unklar, denn es würde doch einer näheren Erklärung bedürfen, was man unter „Zer- setzung" des Farbstoffes zu verstehen hat; ich nehme an, es soll damit nichts weiter gesagt sein, als daß die rote Farbe verschwunden war. Endlich hat Prowazek (81) einen roten Farbstoff von Trigla beschrieben, dessen Identifizierung nach den wenigen angegebenen Reaktionen unmöglich ist. Auch die gelben Pigmente der Chromatophoren scheinen nicht immer die gleichen zu sein, obwohl sie mehr Uebereinstimmung zeigen als die roten. Aus der Haut von Pleuronectes flesus konnte mit Alkohol eine gelbliche Lösung erhalten werden, welche ein schwaches Absorptionsband bei 496 /, Syngnathns, Hippocampus, Gobius einen besonders ausgeprägten Farben- wechsel haben. Wenn auch Heincke nicht ausdrücklich sagt, daß er diesen Farbenwechsel als besondere Schutzanpassung der kleinen Tiere für notwendiger hält als für die größeren, so kann doch aus seiner Darstellung dieser Schluß unmittelbar zwischen den Zeilen herausgelesen werden. Doch möchte ich dieser Argumentation keinen allzu großen Wert beilegen, weil sie rein anthropomorphistisch ge- dacht ist. Auffallend ist es, daß der Farbenwechsel bei den verschiedenen Fischen sich sehr verschieden rasch vollzieht, ferner einige Arten nur schwer veranlaßt werden können , ihre Farbe zu ändern. Schon Stark (105) erwähnt, ddiü Fhoxinus einen ziemlich raschen Farben- wechsel hat, der sich innerhalb 5 Minuten vollziehen kann ; noch rascher ist er bei Gasterosteus acuUatus, ferner bei Perca ßuviatilis und Gobitis barbatula. Zu den Fischen, welche einen raschen Farben- wechsel besitzen, gehören ferner Rhombus laevis, Gobius niger, Callionyme lyre (Pquchet , 80), Blenyiius Montagui, Blennius palmi- cornis^ Gobius capito, Labrus merula, Crenilabrus j)avo u. a. (DE Vescovi, 110). Besonders rasch verläuft der Farben Wechsel aber bei Trigla lineata (v. Frisch, 34), die momentan erbleichen kann. Wenn der Fisch ruhig am Boden eines Gefäßes liegt, pflegt er am Bauche und am ganzen Körper rot zu sein. Beim Herantreten an das Gefäß wird der Bauch und die Flanken weiß, der Rücken grau, ohne daß der Fisch dabei die geringste Bewegung macht. Nach einer halben Minute ist die rote Farbe wieder zurückgekehrt. Ferner wird Scor- paena porcus bei Berührung oder Aufregung plötzlich dunkel. Rhombus soll nach Pouchet (80) seine Farbe auf verschiedenfarbigem Grund Der Farbenwechsel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. 1419 SO rasch ändern, als er sich von einer hellen zu einer dunkleren Stelle bewegt. Doch werden wir später sehen , daß dieser rasche Farben- wechsel auf Veränderungen des Untergrundes entweder eine Aus- nahme oder eine Täuschung ist. Ueberhaupt kann man aus den eben angegebenen Beobachtungen keineswegs schließen, daß die genannten Tiere stets einen so rasch verlaufenden Farbenwechsel haben werden, sondern das Ergebnis hängt zweifellos von der Art und dem Ort des einwirkenden Reizes ab, ferner vom allgemeinen Erregbarkeitszustand. Denn ganz abgesehen von besonderen Zeitperioden, wie z. B. während der Laichzeit, wo der Farbenwechsel leichter eintritt und auch um- fangreicher ist, worauf schon Pouchet (80) bei Gasterosteus hinwies, zeigen sich auch sonst verschiedene Schwankungen in der Leichtigkeit des Farben wechseis, indem viele Fische, z. ß. Mulius .surmnletus, Blennhis palmicornis , Lnbrus merula frisch gefangen oder frei lebend den Farbenwechsel intensiver zeigen als in der Gefangenschaft (de Vescovi , 110), das Gleiche ist der Fall bei Callionyme hjre (Pouchet, 80). Aber auch sonst kann die Zeit sehr erheblich wechseln , ohne daß bestimmte Ursachen dafür angegeben werden könnten. De Vescovi (110) hat an Blennius phoUs beobachtet, daß der Farbenwechsel sich manchmal in einigen Stunden, manchmal aber binnen einigen Minuten vollzog. Auch das Alter hat einen zweifellosen Einfluß auf die Geschwindigkeit des Farbenwechsels, denn nach den Beobachtungen von Heincke (45) brauchen erwachsene Syngnathen, die in ungestörtem Zustande sich befinden, bis 1 Stunde zu ihrem Farbenwechsel, während junge eben aus dem Brutsack entschlüpfte Syngnatlius typhle nur einen Bruchteil einer Minute dazu nötig haben. Allen diesen Beobachtungen ist aber leider nur ein sehr bedingter Wert zuzusprechen, da es sich dabei nur um gelegentliche Beobachtungen handelt, die nicht immer unter streng vergleichbaren Versuchsbedingungen angestellt worden sind. Systema- tische Versuchsreihen auf diesem wichtigen Gebiete fehlen leider noch vollständig. Eine zweite außerordentlich bemerkenswerte Erscheinung ist der Einfluß der Uebung auf die Schnelligkeit des Farben- wechsels. Pouchet (80) beobachtete, daß ein RJwmbus, der längere Zeit bereits in einem Gefäß mit Sandgrund gelebt hatte, weiß ge- worden war. In einem Gefäß mit dunklem Grund wurde er binnen 5 Tagen dunkel. Zurückversetzt in das Gefäß mit Sandgrund wurde das Versuchstier binnen 2 Tagen hell und beim Einbringen in das Gefäß mit dunklem Grunde in 2 Stunden so dunkel, wie er beim ersten Versuch erst am 5. Tage war. Auch van Rynberk (90) be- richtet über ähnliche Beobachtungen an Pleur onecti den. Frisch gefangene Tiere haben einen langsamen Farbenwechsel; dunkle Exem- plare werden auf einem weißen Marmorgrund binnen 3 Tagen hell. Bei öfterer Wiederholung der Versuche verkürzt sich die Zeit „durch Uebung" bis auf einige Minuten , ja sogar Sekunden. Ferner hat V. Frisch (34) in seinen Arbeiten vielfach auf den Einfluß der Uebung hingewiesen. Auch hier wären systematische Versuchsreihen an einem größeren Material dringend notwendig, denn es ist nicht ganz sicher, ob nicht andere Bedingungen als die „Uebung" an der Verkürzung der Zeit wesentlich beteiligt sind, vor allem kann die allgemeine Erregbarkeit der Tiere im Laufe der Versuche so zugenommen haben, daß die „Uebung" als solche gar nicht in Frage 1420 R. F. Fuchs dabei kommt, üebrigens liegt auch eine gegenteilige Beobachtung in der Literatur vor, denn Heincke (45) gibt an, daß bei lange dauernden wiederholten F^rb Wechsel versuchen an Gohius eine Ermattung des Farbenwechsels eintritt. Aber auch hier ist die genaue Analyse der Versuchsbedingungen nicht möglich , insbesondere auf welchen Teil des koloratorischen Apparates die Ermüdung zu beziehen ist. Die gleiche Frage müßte natürlich auch bei der Uebung gestellt werden. Auch ein periodischer Farbenwechsel nach der Tages- zeit wird von v. Frisch (34) bei der Pfrille beschrieben. Ver- suchstiere, die tagelang auf gelbem Papier oder rotem Grund ge- halten werden, zeigen allabendlich ein Zurückgehen der Rotfärbung. Bei der gelben Färbung vermutet v. Frisch ein gleiches, konnte aber keine sichere Entscheidung darüber treffen. Das Abblassen tritt mit der Dämmerung ein, IV2 Stunden nach Eintritt der Nacht ist das Rot verschwunden und tritt am nächsten Morgen einige Stunden nach Tagesanbruch wieder hervor. Diese von v. Frisch (34) ge- machten, aber nicht näher analysierten Beobachtungen bedürfen un- bedingt einer weiteren genaueren Untersuchung, um festzustellen, welche Faktoren an dem Zustandekommen dieses periodischen Farb- wechsels beteiligt sind. Es ist das umso notwendiger, um zu erfahren, ob es sich hier um ein Analogon des von Keeble und Gamble an Crustaceen beobachteten Farbenwechsels handelt , und ob überhaupt auch andere Fische als die Pfrille einen solchen periodischen Farben Wechsel besitzen. Von den biologischen Faktoren , welche auf die Färbung bzw. den Farbenwechsel der Fische von größtem Einfluß sind, wurde von jeher der Einfluß der Umgebung, in der die Fische leben, sehr hoch bewertet. So erwähnt Shaw (100) bereits, daß im Fluß gefangene Lachse dunkler sind als die in einem Teich gezogenen, der Quell- wasser enthält. Vor allem wird der Durchsichtigkeit und der F'arbe des Wassers eine hohe Bedeutung zugeschrieben, wie die folgenden Beispiele zeigen sollen. Scardinius he^peridicus zeigt in den Ge- wässern jenseits der Alpen schwarze Flossen. Eine ähnliche Varietät mit schwarz gefärbtem Leib kommt im Achensee vor. v. Siebold (101) vermutet nun, daß die blaue Farbe des Wassers, welche der Achensee mit den transalpinen Seen gemeinsam hat, es ist, die diese besondere Färbung bedingt, ja v. Siebold glaubt; daß die von Agassiz, Ayres und Stores an Salmoniden beobachteten Farben- unterschiede, die von den genannten Autoren auf die verschiedene Beschaffenheit des Bodens bezogen werden, wohl auf die Verschieden- heit des Wassers zurückzuführen sind. Cyprinus carpio von gewöhn- licher Färbung wurde im Freien in ein milchig gefärbtes Wasser ge- setzt, in welchem er blaß wurde und mit der Farbe des Wassers übereinstimmte (La Blanchere, 9). Ganz übereinstimmend ver- halten sich Cyprinus Tinea , sowie Leuciscus rutilus. Ferner zeigt Cyprinus auratus in einem Tümpel auf Buntsandstein die gewöhnliche rote Färbung, in einem klaren Quellwasser auf Kalkboden wurde das Tier weiß, und in einem Zementbecken wurde es wieder rot. de Ves- covi (110) geht sogar soweit, auf Grund seiner Versuche anzugeben, daß schwarze oder dunkle Umgebung eine schwarze Farbe bewirkt, rot bedingt Braunfärbung, gelb blasse Färbung, grün weißliche Grund- farbe mit farbigen Flecken, blau hat eine mittlere Färbung zwischen hell und dunkel zur Folge. Der Farben Wechsel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. 1421 Nicht nur die Farbe, sondern auch die übrige Beschaffenheit des Grundes, ob Sandboden oder Fels soll für die Färbung von Einfluß sein, desgleichen die Tiefe, aus der die Tiere gefischt werden, wie die Fischer berichten (Pouchet, 80, Regnard, 83). In je größerer Tiefe die Fische leben, um so intensiver soll die Färbung sein; so ist Scorpaena in der Ufergegend braungelb, in 30 m Tiefe weinfarben und wird um so röter, aus je größerer Tiefe sie kommt. Cottus buhalis ist an den Küsten und im seichten Wasser mattgrün oder braun, in tiefem Wasser rot oder karmin gefärbt (Cunningham und Mag Munn, 20). Ferner sind die Tiere auf Sandgrund weniger dunkel als auf Felsengrund. Nicht nur für die Meeresbewohner werden solche An- gaben gemacht, sondern auch für F'lußfische. Crisp (18) berichtet, dunkle Forellen an den tiefsten Stellen eines Stromes gefangen zu haben, während die gewöhnlich gefärbten Exemplare an den klaren Stellen des Wassers gefischt wurden. Auch den Algen des Grundes hat man einen bedeutenden Ein- fluß auf die Farbe der Fische zugeschrieben (Heincke, 45; Pouchet, 80; Regnard, 83). Heincke gibt an, daß Sy ngnathen die Farben und Zeichnungen der Seegrasblätter vollkommen nachahmen ; Cyprinus tinca wurde in einem Gefäß mit Algen binnen 1 — 2 Stunden bronze- grün, in einem Gefäß mit schlammigem Wasser weiß und blaß röt- lich, in klarem Wasser färbten sich die beiden Tiere wieder gleich (Regnard, 83). So interessant auch diese Beobachtungen über den Einfluß der Umgebung sind, so können aas ihnen doch keine irgendwie gearteten Schlüsse abgeleitet werden, welche Anspruch auf Allgemeingültigkeit beanspruchen könnten, denn die Beobachter haben immer nur einen Faktor aus der ganzen Summe von Gliedern, die die Um- gebung ausmachen, herausgegriffen, und zwar jenen Faktor, der ihnen am sinnfälligsten war, ohne auch nur im entferntesten die Wirkung anderer mitwirkender Faktoren zu bedenken. So ist z. B. nirgends von den Temperaturen des Wassers die Rede, niemals von der Stärke der Strömung, von der Verschiedenheit der Belichtung und der Be- wölkung, vom Geschlecht der Tiere, von der Jahreszeit, Zeitpunkt des Laichens usw. Ohne solche genauen Angaben lassen sich die Be- obachtungen aber gar nicht kritisch verwerten. Eine Beobachtung Haackes (44) soll hier noch Erwähnung finden. Bei Goldfischen wird durch das Leben in der Gefangenschaft häufig eine gelbrote Färbung und teilweiser oder vollkommener A 1 b i n i s m u s hervorgebracht. Gewöhnliche deutsche Karauschen (Carassius vulgaris) wurden in ein ziemlich dunkles Becken des Aqua- riums des Frankfurter zoologischen Gartens gesetzt. Im Verlauf von 2 — 3 Jahren hatte ein Exemplar sein Pigment vollständig verloren, es war daraus ein Goldfisch geworden. Ein anderes Tier hatte gleich- falls die dunkle Färbung verloren, aber die Veränderung war nicht so hochgradig. Die Ursachen für diese Pigmentumwandlungen konnten von Haacke nicht angegeben werden. Doch sei darauf hingewiesen, daß Semper (99) bei Goldfischen einen periodischen Farben- wechsel im Verlaufe eines Jahres beobachtet hat, wobei das gelbe Pigment in rotes übergeht oder das silberne dunkel wird. Die Farbenpracht der Fische zur Laichzeit ist besonders von V. Siebold (101), Coste (17), Heincke (45), Pouchet (80) und V. Zeynek (118), sowie anderen Autoren bei verschiedenen besonders 1422 R. F. Fuchs, bunt gefärbten frischen beschrieben worden. Kammerer (49) weist auf Grund seiner Untersuchungen am Flußbarsch daraufhin, daß alle Farben das ganze Jahr hindurch zu sehen sind und demgemäß kein spezifisches Hochzeitskleid darstellen, sondern unter der sexuellen Er- regung der Tiere nur stärker werden, eine Anschauung, der sich auch V. Frisch (34) anschließt. Da das Laichen der Fische im Dunkeln stattfindet, so können die prächtigen Farben unmöglich als Reizmittel für die Weibchen aufgefaßt werden, sondern sie sind die Folge- und Begleiterscheinungen der erhöhten Lebenstätigkeit zu dieser Zeit. Auch von psychischen Einflüssen auf den Farbenwechsel ist vielfach die Rede. So berichtet ein Autor 0. (74) in seiner Ueber- setzung der STAiiKschen englischen Arbeit folgendes über die Kämpfe der Männchen von Gasterosteus aculeatus: „Der Sieger zeigt eine auffallende Farbenveränderung. Aus einem gefleckten grünlich aus- sehenden Fisch wird ein solcher, der mit den schönsten Farben prangt .... Das ganze Tier trotzt (?) von Kraft und Mut. Der Besiegte zeigt auch plötzliche Farbenveränderungen , seine schönen Farben verbleichen, er wird wieder fleckig und häßlich, und er ver- birgt seine Schmach , indem er sich unter seine friedfertigen Brüder versteckt, die den Teil des Kübels bewohnen, wo kein Tyrann herrscht.'^ Weibchen zeigen nie das lebhafte Farbenspiel. Weniger poetisch und dramatisch vergleicht Pouchet (80) das Farbenspiel von Rhombus mit dem des Chamäleons, und kommt zu dem Schluß, daß die Farben Veränderungen der Fische willkürlich hervorgerufen werden. Bei stupiden Tieren, die sich leicht ergreifen lassen, fehlt die Farbenveräuderung oder ist zu mindestens weniger deutlich. Weniger anthropomorphistisch sind die Deutungen späterer Autoren über die Wirkung psychischer Einflüsse, indem sie angeben: wenn man die Tiere beunruhigt, einfangen will, quält, erschreckt, auf- regt usw. Aus diesen mannigfachen Aeußerungen geht nur eines hervor, daß es sich um ganz ungenau definierte, vielfach miteinander kombinierte Reize handelt, deren Einwirkung hier im Versuch zur Geltung kam. Man kann aber meiner Meinung nach zweifellos keinen Beweis dafür erbringen, daß die Farbenveränderung durch psychische Wirkungen hervorgebracht worden ist, es handelt sich hier offenbar nur um Reaktionen der Tiere auf äußere Reize (Tast- reize, mechanische, optische Reize), die natürlich ebensogut rein re- flektorisch ohne die geringste Mitwirkung der Psyche auftreten. Die untersuchten Tiere zeigen auf diese „psychischen" Reize verschiedenes Verhalten. Vielfach wird eine Aufhellung, Erblassen beschrieben z. B. beim Hecht (Mayerhofer, 70) Trigla lineata, Phoxinus, Carassius vulgaris, Salmo fario (v. Frisch, 31, 34). Auch künstlich auf der Unterseite pigmentierte Pleuronectiden zeigen beim „Erschrecken" Erblassen der Unterseite (Cunningham und Mac Munn, 20) , Erregung (Berührung mit einem Stab) von Creni- lahrus Roissali bewirkt die Umänderung der Querbänderung in eine Längsbänderung und umgekehrt. Dagegen hat VAN Rynberk (89) bei Solea und Rhomhoidichthys eine Verdunkelung des ganzen Körpers nach „psychischer" Reizung gesehen. Auch Scorpaena imrcus wird bei Berührung oder „wenn sie spontan unruhig werden", dunkel. Der Farbenwechsel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. 1423 Merkwürdig sind auch die Reaktionen geblendeter Tiere. PoucHET (80) erwähnt bereits, daß auch geblendete Tiere bei Be- unruhigung Farbenwechsel zeigen, und Mayerhofer (70) fügt hinzu, daß sie stärker reagieren als sehende Tiere. Endlich hat v. Frisch (34) an geblendeten Phoxinus bei Beunruhigung eine intensive Rot- färbung des Bauches gesehen, die lange anhält. Aber auch sehende Pfrillen zeigen bei psychischen Erregungen diese Rotfärbung. Auch der Schlaf soll nach Verrill (109) eine deutliche Ver- änderung der Farbe des Tieres herbeiführen. Die Färbung der Tiere ist im allgemeinen dunkler als am Tage, und außerdem treten die Zeichnungen, dunkle Flecken und Bänder, deutlicher hervor als bei Tage. Dieses Verhalten wurde an verschiedenen Platessa- Arten, Fundulus, Menticlrrus nebulosus, Serranus furvus, Prionotus pahnipes und evolans, Salvelinus tontinalis , Stenotomus chrysops , Monacnnthus konstatiert. Die Beobachtungen erfolgten zwischen Mitternacht und 2 Uhr morgens bei ganz schwachem Gaslicht, das eben nur gestattete, die Zeichnung zu sehen. Plötzliches Aufdrehen eines Gashahnes be- wirkt Uebergang zur Tagfarbe. Die dunkle Färbung zur Nachtzeit wird als Schutzfärbung angesehen. Vor allem scheint es nicht sicher, ob die Tiere überhaupt schliefen; bei Salvelinus ist der Autor selbst nicht sicher, ob die beobachteten Tiere schliefen, ich möchte diesen Zweifel auf alle unter- suchten Tiere ausdehnen. Aber selbst wenn die Tiere geschlafen hätten, so muß es doch als ein kühnes Unterfangen angesehen werden, die dunkle Färbung auf den „Schlaf" zu beziehen , anstatt die be- kannte Reaktion der Chromatophoren auf die Dunkelheit zur Er- klärung heranzuziehen. Es scheint dies wohl am naheliegendsten. Andererseits wäre noch zu erwägen, ob bei diesen Fischen ein perio- discher Tag- und Nachtfarbenwechsel vorhanden wäre wie bei Crusta- ceen. Doch müßte das erst durch besondere Experimente festgestellt werden. Verrills Versuche sind aber nach jeder Richtung hin un- zulänglich. 2. Einfluß der Ernährung- auf die Färbung. Der Einfluß der Ernährung auf die Färbung der Fische ist nur wenig untersucht. Die ersten Angaben von Knauthe (51, 54) lauten dahin, daß in nahrungs armen Tümpeln Me- lanismus auftritt, der bei folgenden Arten beobachtet wurde: Leu- caspius delineatus, Gobio fluviatilis, Cyprinus carpio, Carassius carassius, NemacJiilus barbatula, Esox lucius. Ohne irgendwelche zwingende Be- weise behauptet Knauthe, das schwarze Pigment sei durch den Hunger entstanden. Gegenüber diesen nicht stichhaltigen Beob- achtungen Knauthes ist aber zu bemerken, daß nach Mayerhofers (70) Beobachtungen hungernde Hechte immer blaß sind. Auch ^ecerov (96) gibt an, daß stark ernährte Tiere eine dunklere Färbung besitzen als hungernde oder schlecht ernährte Tiere. Aus dieser Beobachtung folgert Secerov, daß die dunklere Färbung der gut genährten Tiere „nur durch eine Zunahme von schwarzem Pig- ment entstehen konnte, weil die sonstigen Versuchsbedingungen bei genährten und hungernden Tieren gleich waren, und durch den Unter- grund und die Belichtung kein Grund zur Expansion der Chromato- phoren gegeben war". Vor allem übersieht Secerov einen sehr wichtigen 1424 R- F. Fuchs, Faktor ; es ist ja in seinen Versuchen gar nicht festgestellt worden, ob bei den dunkleren Tieren wirklich eine P i gm ent verm ehru ng vorhanden war, die über die Norm hinausgeht, ob nicht bei den hungernden Tieren, die heller gefärbt waren, eine Pigment- abnahme, eine Atrophie der Pigmentzellen vorhanden war. Das ist ein wesentlicher Unterschied, denn eine vermehrte Pigmentbildung und eine Pigmentatrophie sind biologisch ganz verschiedene Pro- zesse, und ein Vorhandensein einer Pigmentatrophie im Hungerzu- stand gestattet keinen Schluß auf eine Pigmenthypertrophie bei guter Ernährung. Eine solche P i g m e n t a t r o p h i e beim hungernden Tier ist aber viel wahrscheinlicher, zumal Ogneff (75) durch histo- logische Untersuchung der Chromatophoren hungernder Axolotl und Goldfische eine Degeneration und Zerstörung der Chromatophoren, sowie eine Pigmentatrophie nachgewiesen hat. Außerdem begeht Secerov auch einen Fehler, insofern er annimmt, daß wegen der Gleichheit der Belichtungsbedingungen ein Grund zur Expansion der Chromatophoren bei den gut genährten Tieren nicht vorhanden war. Er mußte vielmehr beweisen, daß die blassen hungernden Tiere ihre Chromatophoren nicht retrahiert hatten; denn es ist bekannt, daß mangelhafte Ernährung die Reizbarkeit des Nervensystems steigert, und außerdem sind die Chromatophoren ständig tonisch erregt, und dieser Tonus wird sicher durch den Zustand der Erregbarkeit des Nervensystems verändert. Also auch die Annahme Secerovs, daß zur Expansion kein Grund vorlag, ist hinfällig. Secerov hätte sich namentlich den Einwand der Pigmentatrophie selbst machen müssen, da er beschreibt, daß bei der mikroskopischen Beobachtung der Haut hungernder Tiere das gelbe Pigment vermindert war, und auch die rote Farbe verschwindet. Diese Beobach- tungen scheinen nicht sonderbar, wenn man bedenkt, daß im gelben und roten Pigment fettartige Körper enthalten sind, welche beim Hungern ähnlich wie andere Reservestoffe des Organismus, z. B. das Glykogen, verbrannt werden, so daß diese Lipochrome unter Umständen als Reservestofife für die Ernährung angesehen werden können und vielleicht im normalen Stoffwechsel bereits eine ähnliche Rolle spielen. Obgleich systematische Versuche, welche darauf hinzielen, durch Veränderung der chemischen Beschaffenheit des Futters eine Um- färbung der Fische zu erzielen, mir nicht bekannt geworden sind, so scheint doch eine Beobachtung von Schneider (92) , wenn sie sich bestätigen sollte, darauf hinzuweisen. Krebse fressende Barsche aus dem See Lamen zeigen eine auffallend rote Färbung. Das Crustaceo- rubin lagert sich im Körper von Perca fluviatiUs an denselben Stellen ab, wo normalerweise schon ein rotes Pigment vorkommt, so in den Flossen der Ventralseite und bei reichlicher Zufuhr von rotem Lipo- chrom in den an die ventralen Flossen angrenzenden Teilen der Bauch- haut. Neue exakte Versuchsreihen nach dieser Richtung hin sind daher dringend erwünscht. Insbesondere wäre zu untersuchen, ob nach fett- oder lipochromreichem Futter eine entsprechende Vermehrung der Lipochrome möglich ist. . 3. Einfloß der Temperatur auf die Färbung. Viel eingehender sind die Einflüsse der Temperatur auf die Fischfärbung untersucht worden. Schon v. Siebold (101) Der Farben Wechsel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. 1425 führt aus, daß das Abblassen dunkler Fisclie in der Gefangenschaft wahrscheinlich im Wasserwechsel, namentlich im Temperaturwechsel des Wassers seinen Grund habe, wodurch die Chromatophoren zur Retraktion veranlaßt werden. Diese Argumentation des berühmten Ichthyologen kann natürlich nicht als irgendwie beweisend angesehen werden, da ja die Gefangenschaft so viele Lebensbedingungen auf das schwerwiegendste verändert, daß es unmöglich ist, einem Faktor eine maßgebende Rolle zuerkennen zu wollen. Auch Knauthes (53) Versuche über den Einfluß der Kälte auf die Fischfärbung sind nicht imstande, uns ein richtiges Bild von dem Einfluß der Kälte auf die Chromatophoren zu vermitteln, weil bei diesen Versuchen nicht die Kälte als einzig maßgebender Faktor wirksam ist. Knauthe fand, daß bei einer großen Anzahl zählebiger Fische {Cyprinus carpio, Carasdus vulgaris, Tinea vulgaris, Tinea aurata, Ehodeus aniarus, Gobio fluviatilis, Misgurnus fossiUs, Leueaspius delineatus, Leuciscus piioxinus, Nemaelnhis barhatuki) nach dem Erstarren der auf Eis ge- legten Tiere oder bei Erstarren nach starker Abkühlung eine starke Expansion der Chromatophoren eintritt. „Die Tiere legen hierbei das hochzeitliche Gewand an." Auf Begießen der erstarrten Tiere mit kalter ( — 0,5^) Mistjauche tritt bei den meisten Tieren Retraktion der Chromatophoren ein. Nach dem Abtauen bleiben die Chromatophoren von Phoxinus und Colitis noch 1 Stunde reaktionslos expandiert, kon- trahieren sich dann aber plötzlich, wobei „seelische'' Einflüsse im Spiel sein sollen, während bei Perca, Cyprinus, Tinea und Rhodeus sofort mit dem Auftreten der ersten Lebenszeichen Erblassen eintritt. Ferner hat Leydig (64) beobachtet, daß die Chromatophoren, welche die Leuchtflecke der Ellritze umsäumen, sich in der Wärme retrahieren, so daß ein deutliches Leuchten zu beobachten war, während bei kühler Witterung infolge der Expansion dieser Chromatophoren, „welche die Flitterchen" bedecken, kein Leuchten zu beobachten ist. Auch Mayerhofer (70) gibt an, daß starke momentane Temperatur- differenzen auf die Chromatophoren reizend wirken, denn Hechte, die aus Wasser von 11^ in solches von 30*^ oder umgekehrt übertragen werden, zeigen Erblassen, welches nur so lange dauert, bis der Fisch sich an die Temperatur gewöhnt hat, dann tritt wieder die normale Färbung auf. Diese Versuche Mayerhofers sind durch die mechani- sche Reizung der Tiere beim Fangen und Uebertragen von einem Bassin ins andere kompliziert und beweisen absolut nichts für eine Temperatureinwirkung, denn die Retraktion der Chromatophoren ist ebensogut durch die mechanische Alteration der Tiere zu erklären, ebenso das Auftreten der normalen Färbung nach der Beruhigung der Tiere. Nicht nur der Expansionszustand der Chromatophoren, sondern auch die Bildung des Pigmentes wird nach Mayerhofer durch die Temperatur beeinflußt. Bei geblendeten Hechten trat das Pigment in der Bauchhaut während des Sommers schneller auf als im Winter. Im Sommer beginnt die Pigmentation schon nach 3 Wochen und nach 6 Wochen ist die vollständige Ausfärbung eingetreten. Im W"inter, wo sich die Tiere in einem geheizten Räume befanden, be- ginnt die Pigmentierung erst nach 5 — 6 Wochen. Im fließenden Wasser von 5—6" bleibt die Bildung des Pigmentes aus bis zum Beginn der wärmeren Jahreszeit. Sehende Kontrolltiere zeigten keine Pigmentierung der Bauchseite unter diesen Verhältnissen. Schon das Handbuch d. vergl. Physiologie. III, 1. 90 1426 R. F. Fuchs Verhalten der sehenden Kontrolltiere hätte Mayerhofek darauf hin- weisen müssen, daß die Temperatur in seinen Versuchen keine ent- scheidende Rolle für die Pigmentbildung spielen kann. Außerdem sind selbst bei blinden Tieren die Temperaturen nicht die maßgebenden und allein wirkenden Faktoren, denn die Laichzeit des Hechtes mit ihrer gesteigerten Pigmentation fällt in die Monate März bis Mai, also in den Beginn der wärmeren Jahreszeit. Ferner gibt Mayer- hofek ja selbst an, daß die Tiere sich in einem während des Winters geheizten Räume befanden. Auch die Angabe von Franz (29), daß bei Fischlarven, welche infolge großer Wärme abgestorben sind, eine maximale Retraktion des Pigmentes eingetreten ist, kann unmöglich als ein Einfluß der Wärme angesehen werden. Die ersten brauchbaren Untersuchungen über den Einfluß der Temperatur auf die Fischchromatophoien verdanken wir den Arbeiten von V. Frisch (31, 32, 34). Bei Phoxinus tritt die postmortale Auf- hellung in der Wärme schneller ein und dauert weniger lange als bei niederer Temperatur. Bei getöteten Tieren, denen das ganze Zentral- nervensystem zerstört wurde, werden die Chromatophoren stark ex- pandiert und bleiben es bis zum Eintritt der Anämieaufhellung (s. später). Wenn man an einem solchen dunklen Tier an jeder Seite eine Glasplatte anlegt und über die eine Seite 30 — 35"^ warmes Wasser, über die andere 14 ° warmes Wasser fließen läßt, so tritt auf der erwärmten Seite binnen 25 Minuten eine starke Auf- hellung ein, während auf der kalten Seite die Aufhellung erst nach 50 Minuten beginnt und nach IV2 Stunden dieselbe Stärke erreicht wie auf der erwärmten Seite, v. Frisch erblickt in der Aufhellung aber keine direkteEin Wirkung der Wärme auf die Chro- matophoren, sondern es handelt sich um eine Anämieaufhellung infolge Sauerstoff"niangels unter den Glasplatten, welche auf der er- wärmten Seite eher zustande kommt, als auf der niedriger temperierten. Wurde aber der Versuch an einem lebenden Fisch, der künstlich be- atmet wurde, ausgeführt, dann trat eine dunkle Färbung auf der erwärmten Seite (35°) und eine Aufhellung auf der abgekühlten (5°) Seite ein. Diese Reaktion tritt schon nach wenigen Sekunden ein und bleibt während der ganzen Dauer des Versuches bestehen ; ferner kann man durch scharfe Abgrenzung der Temperatureinflüsse ■ganz lokale Wirkungen erzielen. Daß es sich nicht um Wir- kungen handelt, die durch Einwirkung der Temperatur auf das Ge- fäßsystem vermittelt sind, geht daraus hervor, daß die gleichen Re- sultate erhalten werden an Fischen, bei denen nach Durchtrennung der großen Gefäße der Blutkreislauf zum Stillstand gekommen ist. Auch das Rückenmark ist an dem Zustandekommen der Wärmever- dunklung nicht beteiligt, denn sie tritt auch nach Zerstörung der Rückenmarkes ein. Wenn man bei Tieren durch Sympathicusdurch- schneidung eine maximale Expansion der Chromatophoren erzielt hat und dann eine Seite in der beschriebenen Weise mit Wasser von 3-5" berieselt, so tritt auf dieser Seite Aufhellung ein, aber der Versuch gelingt nicht immer, auch warmes Wasser wirkt 6 Stunden nach der Sympathicusdurchschneidung schwach aufhellend, v. Frisch hält die Verdunklung nach Wärmeeinwirkung und Aufhellung nach Kälteeinwirkung möglicherweise für einen Reflex, der durch das auto- nome Nervensystem vermittelt wird, aber man kann ebensogut an- Der Fai'benweclisel und die chromatische Hautfuuktiou der Tiere. 1427 nehmen, daß es sich um direkte Einwirkungen der Tempe- ratur auf die Ch roma toph or en selbst handle. Denn v. Frisch hat keinen experimentellen Beleg dafür erbracht, daß das autonome Nervensystem bei den Temperaturwirkungen auf die Chromatophoren beteiligt ist. Auch bei plötzlicher Uebertragung der normalen Pfrillen aus Wasser von 15*^ in solches von 25" tritt Verdunkelung der Tiere auf, während sie beim Uebergang in kaltes Wasser hell werden. Aber auch hier kommt die umgekehrte Reaktion vor, oder es tritt nur ein un- deutlicher Effekt ein. In diesen Versuchen, wo natürlich reflektorische und Hemmungseinflüsse verschiedenster Art im Spiel sein können, kann man natürlich nicht von einer direkten Wirkung der Temperaturreize auf die Chromatophoren sprechen. Ferner hat v. Frisch beobachtet, daß eine allmähliche Veränderung der Wassertemperatur niemals er- hebliche Farbenänderung hervorruft. Aus allen seinen Versuchen zieht V. Frisch (32) den Schluß, daß im normalen Leben die Wasser- temperatur für die Fischfärbung ziemlich belanglos sein dürfte. In einer späteren Arbeit hat v. Frisch (34) die Versuche über die lokale Wärmeeinwirkung bei künstlich ventilierten Fischen an Crenüabrus j^civo, sowie an Trigla wiederholt und gefunden, daß die roten und gelben Chromatophoren ebenso wie die schwarzen in der Wärme expandieren und in der Kälte sich retrahieren. 4. Einfluß des Blutkreislaufes; Wirkung von Sauerstoff und Kohlendioxyd. Die B eeinflussun g der Fisch färb ung durch den Blut- kreislauf wurde zuerst von Pouchet (80) untersucht, der angab, nach Durchschneidung der Arteria submaxillaris, sowie nach Unter- brechung des Blutstromes keine Veränderung der Hautfärbung des Unterkiefers beobachtet zu haben. Aber die Untersuchungen von V. Frisch (31) haben ergeben, daß die Anämie eine sehr starke Aufhellung zur Folge hat. Wurde bei Fhoxinus das Rücken- mark hinter der Rückenflosse durchschnitten, so tritt zuerst eine Ver- dunklung des Schwanzteiles auf, die am nächsten Tage einer voll- ständigen Aufhellung Platz macht. Am darauffolgende Tage tritt eine neuerliche Verdunklung ein. Die Aufhellung am 2. Tage war durch die Anämie hervorgerufen worden, denn in allen Fällen, wo die weiße Färbung eintrat, war die Blutzirkulation im Schwanzteil unterbrochen. Da nach Sympathicusdurchschneidung eine dauernde Dunkelfärbung eintritt, zeigte es sich, daß der Kreislauf im Schwanzteil nicht voll- kommen unterbrochen war. Die sehr intensive Anämieaufhellung tritt auch am toten Tier ein, und ihr folgt, wie beim lebenden Tier, eine Expansion der Chromatophoren beim Absterben, wobei die ex- pandierten Chromatophoren dann nicht mehr reizbar sind. Während die der Anämieaufhellung folgende Verdunklung bei der toten Forelle sehr deutlich ist, erscheint sie bei der Ellritze kaum angedeutet, so daß tote Pfrillen hell bleiben. Der Zeitpunkt des Eintretens der Anämieaufhellung wird von der Temperatur sehr wesentlich beeinflußt, denn im W^inter tritt sie bei Zimmertemperatur erst nach 8 — 10 Stunden ein, während sie an warmen Sommertagen bereits nach 2 — 3 Stunden vorhanden ist. Das Analoge tritt auch hervor beim Einlegen frisch getöteter Forellen in Eiswasser oder in 20*^ warmes Wasser, v. Frisch 90* 1428 R. F. Tuchs, nimmt an, daß bei der Au am ieauf hellun g der Sauerstoff- mangel den Reiz bildet. Diese von v. Frisch beobachtete Anämieaufhellung und die darauf folgende Expansion der nachher reaktionslos gewordenen Chro- matophoren erinnert ganz an den Eintritt der Totenstarre der Muskeln welche nach den Untersuchungen von Fuchs (37) ebenfalls durch die Anämie wesentlich beschleunigt wird, so daß ich diese Anämieauf- hellung als einen der Totenstarre analogen Prozeß bei den Chromatophoren ansehen muß. Denn dafür spricht nicht nur der zeitUche Verlauf der Anämieaufhellung und dessen Beeinflussung durch die Temperatur, sondern auch die der Retraktion folgende Expansion, während der die Chromatophoren ihre Erregbarkeit für immer ver- loren haben. Offenbar ist das Protoplasma nach der Lösung der Toten- starre chemisch verändert worden und hat dadurch seine Erregbarkeit verloren, wie es ja beim Muskel auch der Fall ist. Ich sehe die Anämieaufhellung nur als einen speziellen Fall der Absterbeerschei- nungen der Chromatophoren an. Das Studium der Folgen der Kreislaufstörungen weist bereits darauf hin, daß der Atmung bzw. dem S a u e r s t o f f u n d der Kohlen- säure ein bedeutender Einfluß auf die Färbung der Fische zukommt. Schon sehr frühzeitig werden Farbenverände- rungen erwähnt, die beim Liegen der Fische an der Luft auftreten. So berichtet Rathke (82) , daß bei Gobius Melanio die schwarze Farbe nach dem Tode verschwindet, „wenn man einen solchen Fisch auf einen trockenen Körper gelegt hat, an derjenigen Seite, auf welche er zu liegen gekommen ist. Weniger rasch dagegen verschwindet die Farbe an der nach oben gekehrten und der Luft ausgesetzten Seite." Ferner hat P, Bert (zit. nach Pouchet, 80) angegeben, daß Gasterosteus aculeatus durch Einwirkung von Sauerstoff im vorderen Körperteil eine lebhafte Färbung annimmt, wie zur Zeit der Geschlechtsperiode. Und Pouchet selbst führt eine Beobachtung als Wirkung des Sauer- stoffs an, daß nämlich junge Blennien beim Austauchen aus dem Wasser, in dem sie gehalten wurden, eine dunkelgrüne Farbe an- nehmen, die sie sofort wieder verlieren, wenn sie unter das Wasser zurücktauchen. Diese Beobachtung Pouchets kann selbstverständlich nicht zu irgendwelchen Schlüssen über die Wirkung des Sauerstoffs verwertet werden. Gelegentliche Beobachtungen über Sauerstoffmangel werden von Mayerhofer (70) und Schöndorff (94) mitgeteilt, von denen der erstere beim Hecht, der letztere bei der Forelle ein Er- blassen durch Sauerstoffmangel beobachtet hat. Auch Cunningham und Mac Munn (20) haben bei Stocken der Wasserversorgung ihrer Aquarien an den auf der Unterseite durch Licht künstlich pigmen- tierten Flundern ein starkes Erblassen der Unterseite gesehen ; ferner berichten sie, daß an der Luft gestorbene Flundern ganz schwarz werden; endlich hat Franz (29) beim Ersticken einer Fischlarve im ausgehöhlten Objektträger eine maximale Expansion der Chro- matophoren beobachtet. Aber alle diese Versuche gestatten uns kein Urteil darüber zu fällen, wo der Angriffspunkt des Sauerstoffmangels liegt, und ob der Sauerstoff überhaupt auf die Chromatophoren eine direkte Wirkung auszuüben vermag, da alle beobachteten Farben- veränderungen hinlänglich erklärt werden können durch die Ein- wirkungen auf das koloratorische Nervensystem. Der rarbenwechsel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. 1429 Erst V. Frisch (31, 34) gebührt das unbestrittene Verdienst, systematische Versuche über die Einwirkung des Sauerstoffs auf die Chromatophoren angestellt zu haben. Auch v. Frisch hatte beob- achtet, daß tote Pfrillen an jenen Hautstellen, die mit der Luft in Berührung waren, dunkle Färbung zeigten, während der übrige Körper bereits die Anämieaufhellung erkennen ließ; ferner zeigte sich, daß die Anämieaufhellung in warmem Wasser früher eintritt als in kaltem, was v. Frisch auf den geringen Sauerstoff'gehalt zurückführt. Diese und andere Umstände führten v. Frisch dazu, im Sauer- stoffmangel den ursächlichen Faktor der Anämieauf- hellung zu erblicken. Zur Stütze für diese Anschauung führt V. Frisch folgenden Versuch an. Je drei getötete Pfrillen werden in drei Behälter gebracht, von denen der eine oifen an der Luft steht, durch den zweiten wird ein Sauerstoifstrom geleitet, durch den dritten ein Stickstoifstrom. Die vom Absterben des Rückenmarkes ausgehende Aufhellung stellt sich in allen drei Behältern gleichzeitig, etwa nach 7-2 Stunde ein. Bei den Tieren im gewöhnlichen Wasser und im Bassin mit Sauerstoffdurchlüftung tritt nach etwa 20 Minuten Ver- dunklung ein, dagegen zeigen die Tiere in der Stickstoff"atmosphäre keine Verdunldung, sondern direkten Uebergang in die Anämieauf- hellung. Die Anämieaufhellung trat bei den Tieren im gewöhnlichen Wasser nach 37* — 6 Stunden ein und bei den unter Sauerstoffdurch- lüftung gehaltenen erst nach 6 -7V2 Stunden. Also wirkt der Sauer- stoffmangel aufhellend. Die gleichen Ergebnissen erhält man auch, wenn man den Sauerstoff'zutritt lokalisiert aufhebt durch Bedecken umschriebener Hautstellen mit paraffiniertem Papier, während unter einem luftdurchlässigen Papier Dunkelung eintritt, wodurch bewiesen wird, daß der Druck für das Zustandekommen der Aufhellung nicht ver- antwortlich gemacht werden kann, wie v. Frisch auch durch eine Reihe anderer Experimente nachweist, üebrigens haben lange vor v. Frisch und Hofmann (s. Cephalopoden) den gleichen Versuch bereits Cun- NiNGHAM und Mac Munn (20) angestellt, indem sie Hautstücke von Flach- fischen mit Deckgläschen bedeckten. Unter dem Deckglas trat Aufhellung ein, während die übrige Haut dunkel war. Die Autoren glaubten aber, es handle sich um eine Druck wirku n g. Diese lokalen Effekte des Sauerstoffmangels könnten entweder durch direkte Wirkung auf die Chromatophoren oder indirekte vom Nervensystem (periphere Ganglien- oder Nervennetze) hervorgerufen worden sein. v. Frisch nimmt nun an, daß es sich um eine direkte Einwirkung des Sauerstoff- mangels auf die Chromatophoren ohne Vermittlung des Nervensystems handelt, weil Hofmann bei Cephalopoden (s. diese) gefunden hatte, daß Sauerstoffzufuhr Expansion der Chro- matophoren bedingt. Da nun Nervenreizung bei Cephalopoden Dunke- lung (Expansion), bei Wirbeltieren aber Aufhellung (Retraktion) zur Folge hat, so müßte nach v. Frisch, falls Nervenreizung bei der Wirkung des Sauerstoffmangels im Spiele wäre, „die W^irkung bei Cephalopoden und Wirbeltieren eine entgegengesetzte sein. Daß sie tatsächlich dieselbe ist, kann man wohl als Beweis dafür ansehen, daß nicht nur das zentrale sondern auch das periphere Nervensystem an dem Effekt unbeteiligt ist." Dieser auf den ersten Blick sehr bestechend erscheinenden Ueber- legung von v. Frisch kann ich mich aber nicht anschließen. Denn die nach Sauerstoffmangel bei Cephalopoden und Fischen zu beob- 1430 ß. F. Tuchs, achtende helle Färbung ist eben nicht dasselbe, ebensowenig die bei Sauerstoffzutritt eintretende dunkle Färbung dasselbe bedeutet. Daß V. Frisch diese äußerlich gleichen Effekte bei beiden Tier- klassen miteinander identifizierte, ist ein großer Irrtum, Denn die Dunkelung (Expansion) ist bei Cephalopo den der aktive Zustand der Chromatophore, währender bei Fischen der Ruhe der Zelle entspricht. Wenn eine Identität der Wirkung des Sauerstoffmangels bei Cephalopoden und Fischen bestände, dann müßte entsprechend der Aufhellung bei Fischen bei den Cephalopoden eine Verdunklung eintreten, was aber nicht der Fall ist. Wollten wir die oben ange- führte Annahme v. Frischs über die direkte Wirkung des Sauerstoff- mangels aufrecht erhalten, dann bleibt uns nichts anderes übrig, als anzunehmen, daß er auf die Fischchromatophoren erregend, auf die Cephalopodenchromatophoren lähmend, bzw. nicht erregend wirke. Der Annahme, daß ein und derselbe chemische Körper bei verschie- denen Tierklassen verschieden wirkt, steht nichts im Wege, da ja viele Versuche uns ein solches Verhalten gezeigt haben und auch aus den Versuchen von Fuchs (38) hervorgeht, daß z. ß. Curare bei Rana fusca verdunkelnd, bei JRana esculenta aufhellend wirkt. Es würde die von v. Frisch angenommene erregende Wirkung des Sauerstoffmangels mit den Ergebnissen von Rosenthal (85) und anderen Autoren gut übereinstimmen, aber daraus kann noch nicht auf eine periphere direkte Wirkung auf die Chromato- phoren geschlossen werden, denn es könnte sich ebensogut um eine Wirkung auf die Nervenendigungen handeln. Ich halte es auch nicht für richtig, die Ergebnisse der Nervenreizung bei Cephalo- poden und Fischen direkt in eine Parallele zu stellen, denn bei den gewöhnlichen elektrischen Reizungen sehen wir allerdings den er- regenden Einfluß auf die Chromatophoren, aber trotzdem existieren auch hemmende Einflüsse von Seiten des Nervensystems, wie ja von Fuchs gerade bei Cephalopoden (s. diese) die hemmenden Zentren und Fasern erst am absterbenden Tier sicher nachgewiesen werden konnten. Die an Phoxmus erhaltenen Resultate über die aufhellende Wir- kung des Sauerstoffmangels hat v. Frisch (34) durch seine Unter- suchungen an Crenilabrus und Trigla weiter vervollständigt, wobei sich eine vollkommene Uebereinstimmung der farbigen, roten und gelben Chromatophoren mit den schwarzen ergab, indem sich auch die farbigen Chromatophoren bei Sauerstoffmangel retrahieren. Leider liegen über den Einfluß der Kohlensäure auf die Fischchro- matophoren keine Beobachtungen vor, so daß es auch nicht möglich ist, zu entscheiden, ob und welchen Einfluß eine Kohlendioxydanhäufung in den Ergebnissen der Versuche v. Frischs gehabt haben könnte. Sicherlich wäre es gänzlich verfehlt, aus den vorliegenden Sauerstoff- versuchen irgendwelche Schlüsse auf die Wirkung der Kohlensäure ziehen zu wollen. 5. Koloratorische Wirkung mechanischer und elektrischer Reizung. Die Wirkung m echani scher Reize auf die Chromatophoren ist schon lange bekannt, denn die älteren Autoren, wie z. B. v. Siebold (101), Heincke (45) haben beobachtet, daß in der Hand festgehaltene Fische, die sich zu befreien streben, einen lebhaften Farbenwechsel Der Farbenwechsel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. 1431 haben, den die Autoren als eine Wirkung des Druckes ansahen. V. Siebold erwähnt ferner, daß Kratzen und Reiben der blassen Haut die Chromatophoren zur Expansion bringe; zu diesen Versuchen eignet sich besonders Phoxinus laevis, wo durch Streichen mit einem Messer- rücken die roten Chromatophoren am Bauche stark expandieren. Knauthe (53) sah gleichfalls eine Expansion der Chromatophoren nach Reiben der Haut mit einem Messerrücken, dagegen Retraktion, wenn einzelne Stellen einem länger dauernden Druck ausgesetzt waren. Beim Tragen toter Fische in einem Netze treten an den Druckstellen des Netzes vollständig weiße Abdrücke der Maschen des Netzes auf (v. Siebold, 101 ; Knauthe, 53). Eine entsprechende Beobachtung haben auch CuNNiNGHAM und Mac Munn (20) beschrieben, indem übereinander liegende Flachfische eine Marmorierung der Oberseite zeigen. Um die Wirkung des Druckes genauer zu analysieren',-' legten sie auf isolierte Hautstücke Deckgläschen und fanden eine Pigmentretraktion unter den Deckgläschen, während die nicht bedeckten Teile Expansion zeigten. Die Autoren hatten also schon früher die gleichen Versuche wie HoFMANN an Cephalopoden und v. Frisch an Fischen angestellt, die den späteren Untersuchern aber unbekannt geblieben waren, nur hatten die englischen Autoren ihren Versuch unrichtig gedeutet, indem sie die Wirkung des Sauerstoffmangels ganz außer acht ließen. Auch Mayerhofer (70) beschreibt, daß mechanische Reize (Einfangen der Hechte) eine Aufhellung hervorbringe . und daß geblendete Tiere stärker reagieren als sehende. Bei allen diesen Versuchen kann man aber nicht entscheiden, ob die mechanische Einwirkung eine direkte auf die Chromatophoren ist oder reflektorisch unter Vermittlung des Zentralnervensystems ausgelöst wird. Denn selbst die strengste Loka- lisation der Druckeffekte am intakten Tier spricht nicht gegen die Reflexnatur, da der Reflex bei schwachen Reizen auf die Reizstelle beschränkt bleiben kann. Auch hier hat v. Frisch (31, 34) systematische Versuche angestellt, aus denen sich ergibt, daß bei den meisten als Druckwirkung beschriebenen Aufhellungen der Fischhaut es sich um eine Wirkung des Sauerstoff- mangels handelt, v. Frisch glaubt, daß der Druck nur reflek- torisch wirkt und dann eine Retraktion des Pigmentes, also Auf- hellung, hervorruft. Die Beobachtungen von v. Siebold (101), Knauthe (53) u. a., daß Reiben mit dem Messer eine Verdunkelung hervor- ruft, erklärt v. Frisch als eine direkte grob mechanische Verteilung des Pigmentes, die nichts mit der vitalen Reaktion der Zelle zu tun hat. Sowohl bei toten Pfrillen während des Stadiums der Anämie- aufhellung als auch bei lebenden Tieren kann durch leichtes Streichen mit einer Nadel eine rasch eintretende und lange anhaltende Dunkelung der berührten Hautpartie hervorgerufen werden. Bei der mikro- skopischen oder Lupenuntersuchung findet man einen schmalen hellen Strich, der von dunklen Pigmentanhäufungen beiderseits eingesäumt wird. Zum Teil ist diese Pigmentverschiebung innerhalb der Zelle erfolgt, „zum Teil aber sind die Pigmentkörnchen diffus zerstreut, offenbar durch Platzen von Zellen oder ihrer Fortsätze aus ihnen frei geworden". Wieso beim „leichten" Streichen solche Zerstörungen der Zellen selbst am lebenden Objekt zustande kommen sollen, erscheint mir sehr rätselhaft, denn sonst müßte ja bei freilebenden Fischen ein ungewöhnlich großer Zerfall von Pigmentzellen in der Haut statt- finden, was sicherlich allen Autoren, die Fischhäute mikroskopisch 1432 ß- F. Fuchs, untersucht haben, aufgefallen wäre. Aber niemals ist davon in den zahlreichen Arbeiten, die ich gelesen habe, die Rede gewesen. Ent- weder hat das „leichte" Streichen unter ziemlichem Druck statt- gefunden, oder es sind durch Schnittwirkung der scharfen Nadel die Zellen lädiert worden, oder es waren Zufälligkeiten, die eine leichte Verletzbarkeit der Zellen bedingten. Denn daß diese Beobachtungen an der Pfrille keinen Anspruch auf allgemeine Geltung erheben können, geht aus Versuchen hervor, welche v. Frisch selbst (34) später an Crenüabrus und Trigla angestellt hat, denn hier wird bei Trigla lineata folgender Versuch beschrieben : „Ja, es genügt ein ein- maliges leichtes Hinstreichen über die Haut mit einer Nadelspitze, um nach 10 — 15 Sekunden die roten Pigmentzellen daselbst zu voll- ständiger Kontraktion zu bringen, die gereizte Stelle erscheint dann weiß ; wenige Sekunden später ist sie wieder so rot wie zuvor. Auch hier kann ich nicht entscheiden, ob es sich um eine direkte Erregung der Pigmentzellen oder um eine Erregung der Hautnerven handelt." Auch Gamble (41) hat bereits vor v. Frisch beobachtet, daß bei Crenüabrus melops bei Berühren ein Auftreten und Verschwinden von dunklen Streifen stattfindet. Aus allen Beobachtungen geht unstreitig hervor, daß einwand- freie Beobachtungen über die direkte mechanische Reizbarkeit der Fischchromatophoren nicht vorliegen. Wir wollen die Ausführungen über die mechanische Reizbarkeit der Chromatophoren nicht ab- schließen, ohne eine Beobachtung van Rynberks (91) anzuführen, welche zeigt, daß mechanische Reizungen einen großen Einfluß auf den Farbenwechsel der freilebenden Fische ausüben. Pleuronectes maximus zeigt auf Sandgrund eine vollkommene Uebereinstimmung seiner Farbe mit der des Grundes. Wenn aber der Sand mit einer Glasplatte überdeckt war, wodurch die Farbe des Grundes nicht geändert wurde, so ergab sich eine andere Färbung des Tieres, woraus in Uebereinstimmung mit den Versuchen von Biedermann (8) und Fuchs (38) an Fröschen, sowie Steinachs Versuchen an Cephalopoden (siehe diese) hervorgeht, daß auch bei Fischen die Farbenanpassung des Tieres durch die von der Haut vermittelten Tastempfindungen mitbestimmt ist, wobei es sich wohl wahrscheinlich auch um durch das Zentral- nervensystem vermittelte Reflexe handeln dürfte. Elektrische Reizversuche zum Zwecke der Farbenverände- rung sind vielfach angestellt worden, wobei entweder unverletzte Tiere oder abgeschnittene Stücke (Lode, 68) direkt gereizt worden sind. Die elektrische Reizung einzelner Nerven oder einzelner Abschnitte des Zentralnervensystems wird an späteren Stellen behandelt werden. Alle Autoren (Buchholz, 14; Pouchet, 80; Lode, 68; van Rynberk, 89; Mayerhofer, 70; v. Frisch, 34), welche elektrische Reizversuche an der Haut angestellt haben, stimmen darin überein, daß dabei eine Ballung des Pigmentes zu beobachten ist, die von Lode an ab- geschnittenen Flossen unter dem Mikroskop direkt beobachtet worden ist. Nur Pouchet (80) fügt seiner Beschreibung hinzu, daß die elektrische Reizung der Chromatophoren nicht immer sichere Resultate ergab, so erwies sie sich z. B. bei einem jungen Rhombus erfolglos. Da aber keine genauen Angaben über die Versuchsanordnung vor- liegen, so kann die Ursache des Ausbleibens der sonst ganz gesetz- mäßig eintretenden Reaktion nicht ermittelt werden. Die Pigment- Der Farben Wechsel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. 1433 reaktion erfolgt bei direkter elektrischer Hautreizung ziemlich rasch, bei der Forelle nach etwa Va — 1 Minute (Lode, 68), beim Hecht nach 20—30 Sekunden (Mayerhofer, 70), je nach der Stärke des Stromes. Daß auch die farbigen Zellen bei elektrischer Reizung reagieren, wurde bereits von Lode (68) an der Forelle gesehen, nur waren dazu langdauernde Reizungen mit starken Strömen erforderlich, die einen Zerfall der Zellen herbeizuführen scheinen. Diese Angaben Lodes dürfen keineswegs Anspruch auf allgemeine Gültigkeit erheben, denn bei Trigla corax reagieren die farbigen Chromatophoren schon 5 — 10 Sekunden nach der Reizung, während bei Crenilahrus pavo die farbigen Zellen langsamer reagieren als die Melanophoren, welche schon nach 5 Sekunden Retraktion zeigen, während die roten erst nach 15 — 30 Sekunden und die gelben erst nach 1 — 2 Minuten eine ausgesprochene Reaktion erkennen lassen. Aus all den angestellten elektrischen Reizversuchen kann man keinen Schluß auf die direkte elektrische Reizbarkeit der Chromato- phoren ziehen, da eine Ausschaltung der Nerveneinflüsse nicht erfolgt ist, also alle Reizerfolge als indirekt durch Nervenreizung hervor- gebracht gedeutet werden könnten. Allerdings nimmt Lode (68) auf Grund von Versuchen mit Kurarevergiftung (siehe daselbst) eine direkte elektrische Reizbarkeit der Chromatophoren an. 6. Koloratorische Wirkung chemischer Substanzen. lieber den Einfluß von Giften, Alkaloiden auf die Fisch- färbung liegen nur wenige Angaben vor. Die erste Angabe stammt aus dem Jahre 1634 von Redi (zit. nach van Rynberk, 90), wonach die mit Tabak öl vergifteten sterbenden Aale weißlich werden. Erst Pouchet (78, 80) hat die Wirkung verschiedener Alkaloide untersucht. Seine An- gaben über die Wirkung des Kurare lauten aber widersprechend, indem er einmal erwähnt, daß Einbringen von Kurare unter die Haut von Rhombus eine vollständige Verdunkelung des Tieres bewirkt und zugleich die Reaktion des Tieres auf hellen oder dunklen Grund auf- hebt, während an einer anderen Stelle derselben Arbeit (80) erwähnt wird, daß Kurare die Färbung nicht zu ändern scheint. Demgegen- über steht aber die Angabe von Lode (68), daß subkutane Injektion von Kurare (gelöst in Wasser mit Glyzerinzusatz) eine dunkle Färbung der Forelle herbeiführt, selbst an der Bauchseite treten dunkle Punkte auf. Ferner hat Lode an Forellen , bei denen durch Kompression in der Mitte die Zirkulation im hinteren Teil des Körpers aufgehoben war, beobachtet, daß Kurare nur auf den vorderen Teil wirkte, wo die Zirkulation erhalten war, während der hintere Teil blaß wurde. Dieser Versuch ist aber nicht beweisend, weil Lode die Anämie- aufhellung des hinteren Körperteiles ganz außer acht gelassen hat. Endlich fand Lode, daß bei kuraresierten Tieren elektrische Reizung des Rückenmarkes keine Aufhellung herbeiführte, während direkte Hautreizung noch wirksam war, so daß er annimmt, das Kurare wirke auf die Nervenendigungen der Chromatophoren, während die Pigmentzellen ihre direkte elektrische Reizbarkeit nicht verloren haben. Morphin, Chinin und Santonin zeigen nach Pouchet (80) keine sichere koloratorische Wirkung, dagegen soll Stryc'hnin bei Gohius niger die Farben r eaktion auf den Untergrund wesentlich be- schleunigen. 1434 R. F. Fuchs Das Chlor alhydrat soll nach v. Frisch (31) eine direkte lähmende Wirkung auf die Chromatophoren der Pfrille und Karausche ausüben, während eine 5-proz. Kokainlösung lokal die Chromatophoren lähmt, dagegen nach Injektion in die Bauch- höhle eine Ballung der Pigmentzellen hervorruft, die nach Sympathicus- durchschneidung einer maximalen Verdunkelung Platz macht. Die aufhellende Wirkung des Kokains ist demnach vom Zentral- nervensystem bedingt. Endlich hat Golovine (43) beobachtet, daß Injektion von Di- phtherietoxin beim Barsch und Hecht eine fast augenblickliche Retraktion der Chromatophoren hervorruft, die er ohne stichhaltige Beweise für rein lokal bedingt hält, d. h. für eine direkte Einwirkung auf die Zellen selbst. Er hält auch die postmortale Aufhellung der Fische für eine Toxinwirkung, eine Anschauung, die nur dadurch möglich ist, daß Golovine von der Anämieaufhellung sowie vom Einfluß des Nervensystems auf die Chromatophoren keine Kenntnis besitzt. 7. Postmortale Reaktionen der Chromatophoren. Auch Krankheiten der Fische scheinen mehrfach Farben- veränderungen hervorzurufen, so geben Pouchet (80), Schöndorff (94) und Mayerhofer (70) an, daß kranke Fische erblassen, dagegen hat v. Frisch (31) bei kranken Forellen und Kaulbarschen, die nur matt umherschwammen , eine tiefdunkle Färbung gesehen, während kranke Fische, die Erregungszustände aufweisen, hell sind. Viel umfangreicher sind die Beobachtungen über jene Farben- veränderungen, welche die Fische beim Absterben zeigen, die be- reits von Plinius (zit. nach Leydig, 66) zuerst erwähnt werden. Das intensive Farbenspiel absterbender Fische wurde beschrieben bei Gasterosteus (0., 74) sowie Khodeus amarus (Leydig, 64), bei welch letzterem Fisch auch die Iridocyten durch Kontraktion ihres Plasmas eine Verstärkung des Metallglanzes hervorbringen. Die meisten Autoren (Rathke, 82; Siebold, 101; Leydig, 63; Möbius, 71; de Vescoyi, 110; Schöndorff, 94; Franz, 29, 30) beschreiben eine Auf- hellung der Farbe nach dem Tode der Fische, wobei einzelne Autoren noch besonders hervorheben, daß auch nach dem Tode der Fische die Chromatophoren noch längere Zeit reagieren. Pouchet (80) hatte bei verschiedenen Tieren bald Expansion, bald Retraktion des Pig- mentes beim Absterben gesehen. Dagegen hat Mayerhofer (70) an frisch abgezogenen Hautstücken des Hechtes eine stark dunkel- grüne Färbung beobachtet, die er als Absterbereaktion erklärt. Auch Cunningham und Mac Munn (20) sowie van Rynberk (89) beschreiben bei verschiedenen Flachfischen ein Dunkelwerden nach dem Tode. Diese Widersprüche erklären sich aber höchst einfach, indem die verschiedenen Autoren ihre toten Fische unter ganz ver- schiedenen, miteinander gar nicht vergleichbaren Bedingungen beob- achteten, indem manche Beobachtungen beim Liegen der Fische an der Luft angestellt waren, andere unter Wasser, noch andere beim Liegen der Tiere übereinander, so daß also der Sauerstoffzutritt und die Druckwirkungen die ausschlaggebenden Momente waren, die aber von den Autoren ganz übersehen wurden. Außerdem kommt noch hinzu, daß in all diesen Beobachtungen keine Angaben über die Zeit gemacht werden, welche zwischen dem Eintritt des Todes und der Der Farbenwechsel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. 1435 Beobachtung verstrichen war, was außerordentlich wichtig ist, wie die folgenden Versuche von v. Frisch (31) deutlich zeigen. Bei Phoxinus tritt V2 Stunde nach dem Tode eine maximale Auf- hellung ein, die etwa 20 Minuten anhält. Die Zeiten variieren aber ziemlich beträchtlich in den verschiedenen Versuchen. Dann wird der Fisch wieder dunkel und bleibt mehrere Stunden so, bis sich eine neuerliche Aufhellung einstellt, die v. Frisch als eine direkte Wirkung der Anämie auf die Chromatophoren ansieht. Meiner Meinung nach könnte auch hier bereits eine Totenstarreerscheinung an den Chro- matophoren vorliegen ; zumindest ist diese Deutung nicht ganz von der Hand zu weisen. Die erste, kurze Zeit nach dem Tode eintretende allgemeine Aufhellung ist, wie v. Frisch gezeigt hat, vom Rücken- mark aus bedingt, denn sie bleibt aus, wenn das Rückenmark mit einer Nadel vorher zerstört worden war, oder sie verschwindet sofort, wenn während der Aufhellung das Rückenmark zerstört wird, wodurch das Tier sofort dunkel wird. Diese postmortale Aufhellung ist demnach eine Folge der Erregungsprozesse, die sich während des Absterbens des Rückenmarkes in diesem selbst abspielen. Höhere Temperatur beschleunigt das Eintreten und den Ablauf der postmortalen Aufhellung. Bei frisch getöteten Tieren, die in 20^ warmem Wasser gehalten wurden, war die Aufhellung schon nach V4 Stunde eingetreten und hielt 7 — 20 Minuten an ; bei Tieren in 7 " warmem Wasser trat die Aufhellung erst nach ] Stunde ein und blieb auch 1 Stunde bestehen. Es wurde schon erwähnt, daß Golovine (43) die postmortale Aufhellung der Fische auf eine Toxinwirkung zurückführt, weil Ex- trakte aus der Haut bereits blaß gewordener Barsche, einem lebenden Tier subkutan injiziert, eine Pigmentretraktion an der Injektionsstelle hervorrufen. Offenbar handelt es sich in den Versuchen von Golovine um nichts anderes als eine lokale Reizwirkung entweder durch den Druck der injizierten Flüssigkeit oder durch zufällige chemische Be- standteile des Extraktes ; aber keineswegs kann man aus einem solchen Versuch auf eine Toxinwirkung als Ursache der postmortalen Auf- hellung schließen. 8. Einfluß des NerTensystems auf den Farbenwechsel. a) Die Wirkung der peripheren Nerven. Um den Anteil des Nervensystems am Farbenwechsel der Fische experimentell festzustellen, wurden sowohl Durch- schneidungen peripherer Nerven als auch operative Ausschaltungen des ganzen Zentralnervensystems oder einzelner Teile desselben vor- genommen. Aus den Durchschneidungsversuchen, welche Pouchet (80) an- stellte, geht zweifellos hervor, daß die koloratorischen Nervenbahnen in dem Unterhautzellgewebe oder vielleicht in noch tieferen Lagen zu ihren Innervationsbezirken ziehen und erst kurz vor ihrem Endziel in die Haut selbst eintreten, denn sonst müßte eine Umgrenzung eines Hautstückes durch 4 Schnitte eine Störung Innervation der Chromatophoren innerhalb der abgegrenzten Hautpartie zur Folge haben, was aber nach Pouchets Versuchen nicht der Fall ist; es zeigen nur die Schnittränder dunkle Färbung, deren Nerven durch den Schnitt getroffen wurden. Lode (68) hat einzelne Haut- 1436 R- F. Fuchs, nerven bei der Forelle durchschnitten, worauf die zugehörigen Chromatophoren Expansion zeigten. Wurde nun das Rückenmark elektrisch gereizt, so kontrahierten sich alle Chromatophoren mit Aus- nahme der den durchschnittenen Hautnerven entsprechenden Gebiete. Durchschneid ungen der Spinalnerven wurden zuerst von PoucHET (78, 80) ausgeführt, dessen Beobachtungen von van Rynberk (89) vollkommen bestätigt wurden. Beide Autoren stellten ihre Versuche an verschiedenen Pleuronectiden an. Die Durch- schneidung der Ventraläste, da, wo der Nerv sich in den dorsalen und ventralen Ast teilt, hat keinen Erfolg auf der ventralen Seite, sondern die dorsale Seite zeigt im entsprechenden Gebiet eine Ex- pansion der Chromatophoren. Will man durch die Durchschneidung des ventralen Astes die Chromatophoren der ventralen Seite zur Ex- pansion bringen, dann muß man den ventralen Ast an jener Stelle durchschneiden, wo die Rami communicantes vom Sympathicus in den ventralen Ast eintreten. Denn die koloratorischen Fasern stammen, wie bereits Pouchet erkannt hat, aus dem Sympathicus. Diese sympathischen Fasern versorgen sowohl die ventralen als auch die dorsalen Chromatophoren. Die Fasern für die dorsale Seite verlaufen aber von ihrer Eintrittsstelle in den ventralen Ast des Spinalnerven in diesem Ast nach rückwärts, bis sie den Ramus dorsalis des Spinalnerven erreichen. Daraus erklärt es sich, daß bei einer Durchschneidung des Ramus ventralis zwischen der Teilungs- stelle des Spinalnerven und dem Eintritt des Ramus communicans des Sympathicus der koloratorische Eifekt auf der Dorsalseite eintritt. Nach der Durchschneidung des Spinalnerven tritt eine dunkle bandförmige Zone auf, die sich von dem übrigen hellen Körper scharf abhebt und genau dem Ausbreitungsgebiet des Spinal- nerven entspricht. Man kann durch alternierende Nervend urch- schneidungen eine Zebrastreifung erzeugen. Nach Pouchets An- gaben ist aber die Expansion der Chromatophoren in den neuro- tomierten Gebieten keine maximale, denn wenn man einen so operierten Flachfisch auf einen duuklen Grund bringt, dann erscheinen die neurotomierten Hautbezirke heller als die übrigen normal innervierten Gebiete, aber allmählich blaßt der Unterschied ab. van Rynberk (89) konnte weiterhin feststellen, daß die koloratorischen Nerven- bezirke in der Haut sich in kraniokaudaler Richtung etwa um die Hälfte ihrer Größe überdecken, die bei einer Solea impar von etwa 20 cm Körperlänge etwa 7 mm breit sind. Damit dürfte meiner Meinung nach wohl das von Pouchet bereits beobachtete Wieder- verschwinden der Bänderung entsprechend den neurotomierten Haut- partien zusammenhängen, indem später die Innervation von einem Spinalnerven aus hinreicht, um die gleichen Eifekte hervorzurufen, wie früher durch die Doppelinnervation zweier benachbarter Nerven. Aus der Kontinuität der den einzelnen Spinalnerven entsprechenden koloratorischen Felder zieht van Rynberk den Schluß, daß die einzelnen sympathischen Ganglien des Grenzstranges je ein solches ununterbrochenes Hautgebiet mit koloratorischen Fasern versorgen, wodurch die streng segmentale Anordnung der koloratorischen Innervationsgebiete bedingt sei. Pouchet (78, 80) hat auch Trigeminusdurch schnei- dun gen an Rhombus sowie Callionyme lyre ausgeführt, wobei ent- weder der ganze Nerv oder einzelne Aeste desselben durchschnitten Der Farbenwechsel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. 1437 wurden, wodurch scharf begrenzte, durch die Expansion der Chromato- phoren dunkelgefärbte Bezirke am Kopf hervortraten. Ferner hat PouCHET (78) im Aquarium von Concarneau zufällig einen großen, am Kopf auffallend hell gefärbten Rhombus beobachtet, bei dessen Unter- suchung sich eine Trigeminusverletzung ergab. Aber auch die im Trigeminus verlaufenden Kolorationsfasern stammen, wie v. Frisch (31) gezeigt hat, aus dem Sympathien«. b) Der koloratorische Einfluß des Sympathicus. (Autonomes Nervensystem.) Die Bedeutung des Sympathicus für den Farben- wechsel der Fische wurde zuerst von Pouchet (78, 80) erkannt und experimentell untersucht. Die Durchschneid ung des Sympathicus im Häm alkanal bewirkt eine Verdunkelung des Körperabschnittes, der hinter der Durchschneidungsstelle liegt. Dabei haben die Chromatophoren der verdunkelten Partie nicht das Maximum der Expansion erreicht, denn auf dunklem Untergrunde sind die normal innervierten Hautpartien dunkler als die, deren sympathi- sche Innervation gestört wurde. Dagegen erwies sich die Sympathicus- durchschneidung an der Articulatio tympanica, die Pouchet an Rhombus ausführte, ohne jeglichen Erfolg auf die Chromatophoren. Um zu zeigen, daß die nach Sympathicusdurchschneidung im Hämal- kanal auftretenden Farbenveränderungen nicht durch die Verletzung der großen Blutgefäße hervorgerufen werden , wurden der Nervus maxillaris und die Arteria maxillaris in verschiedenen Zeiträumen durchschnitten, wobei nur nach Nervendurchschneidung eine Dunkelung der Haut eintrat, niemals jedoch nach der Arteriendurch- trennung. Diese von Pouchet angestellten Kontrollversuche sind natürlich keineswegs beweisend, denn hier handelt es sich um eine kleinere Arterie mit zahlreichen Kollateralbahnen, während im Hämal- kanal die großen Hauptgefäße durchtrennt werden. Lode (68) hat PouCHETs Versuche insofern erweitert, als er zeigte, daß bei Forellen, deren Sympathicus durchschnitten war, der koloratorische Erfolg einer elektrischen Rückenmarksreizung, nämlich die Aufhellung nur bis zur Durchschneidungsstelle des Sympathicus reicht. Die Grenzlinie der dunklen neurotomierten Partie verläuft von der Schnittstelle schräg ventral nach hinten. Da Lode auch bei Tieren, denen das Herz herausgeschnitten war, bei denen also der Kreislauf stillstand, die gleichen Resultate nach der Sympathicusdurchschneidung erhielt, so war damit gleichzeitig der Beweis erbracht, daß die bei der Sympathicus- durchschneidung erfolgte Verletzung der großen Gefäße für den kolo- ratorischen Erfolg nicht in Frage kommt. Zudem wissen wir ja aus den Untersuchungen von v. Frisch (31), daß Anämie aufhellend wirkt, während nach Sympathicusdurchschneidung eine Ver- dunklung eintritt. Lodes Reizversuche am Rückenmark hatten bereits ergeben, daß die kolora torischen Bahnen aus dem Rücken- mark in den Grenzstrang des Sympathicus übertreten, aber die genaueren Kenntnisse über den Verlauf der koloratoriscben Bahnen im Sympathicus verdanken wir erst den Untersuchungen von v. Frisch (31, 34). An Phoxinus laevis hat v. Frisch (31) den Sympathicus im Hämalkanal ohne Verletzung der großen Gefäße durchschnitten. Bei Durchtrennung des Sympathicus bis unter dem vorderen Ende der Rückenflosse trat immer eine Verdunkelung der 1438 ß. F. Fuchs kau dal von der Operationsstelle gelegenen Partie ein, die bereits nach V2~l Minute begann und binnen 5 — 10 Minuten ihr Maximum erreichte. Durchschneidet man aber den Sympathicus wenige Milli- meter vor der Rückenflosse über dem Ursprung der Bauch- flosse oder kranial von dieser Stelle, so verdunkelt sich der Teil des Körpers, der vor der Durchschneidungsstelle liegt; es gelang auch halb- seitige Durchschneidungen auszuführen, wobei eine scharfe Grenze der dunklen Hautbezirke in der Dorsallinie zu konstatieren war. Da sich bei den Sympathicusdurchschneidungen kranial von der Rücken- flosse das Hautgebiet des Trigeminus verdunkelt, so stammen auch seine koloratorischen Fasern aus dem Grenzstrang. Auch tritt bei Reizung des Grenzstranges an der soeben erwähnten Stelle Aufhellung des Kopfes ein. Da an Tieren, denen der Sympathicus durchschnitten wurde, die vom Absterben des Rückenmarkes herrührende postmortale Aufhellung ausbleibt oder bei Tieren, welche diese Aufhellung zeigen, dieselbe sofort einer Verdunklung Platz macht, wenn man jetzt den Sympathicus durchschneidet, so war damit, wie durch Lodes Versuche, bewiesen, daß die im Sympathicus verlaufenden koloratorischen Fasern aus dem Rückenmark stammen. Auf Grund der vorher beschriebenen Durch- schneidungsversuche kommt v. Frisch zu dem Ergebnis, daß bei Phoxinus in der Gegend der Bauchflosse zwischen 12. und 18. Wirbel die koloratorischen Fasern aus dem Rücken- mark in den Grenzstrang übertret en (Fig. 71). Analog liegen die Verhältnisse bei Salmo fario, wo die koloratorischen Fasern unter der Mitte der Rückenflosse in der Gegend des 26. Wirbels in den Sym- pathicus übertreten. Auf Grund von Reizversuchen der Medulla ob- longata bei Tieren, denen der Sympathicus im Hämalkanal durchschnitten worden war, konnte v. Frisch (34) feststellen, daß bei Crenüabrus pavo der Uebertritt für alle koloratorischen Fasern, auch für die farbigen Chromatophoren, in der Gegend des 8. Wirbels (zwischen 6. und 10.) gelegen ist, während bei Trigla corax die koloratorischen Fasern bereits in der Nähe des 3. Wirbels aus dem Rückenmark in den Sympathicus übertreten. Die Uebertrittstelle der koloratorischen Fasern aus dem Rücken- mark in den Sympathicus kann nach den Versuchen an Phoxinus auf mehrere Segmente (2—3 Wirbel) verteilt sein und kann bei verschie- denen Individuen um 1—2 Wirbel nach vorn oder rückwärts wechseln. Der Uebertritt der Fasern in den Sympathicus erfolgt so, daß proximal die Kolorationsfasern für die vordere Körperhälfte eintreten, während die für die hintere Körperhälfte bestimmten Fasern an einer weiter kaudal gelegenen Stelle in den Sympathicus eintreten, so daß es eine meist in der Gegend des 15. Wirbels gelegene Stelle gibt, wo die Durchschneidung des Sympathicus weder den Kopfteil noch den Schwanz- teil in seiner normalen koloratorischen Innervation alteriert. Durch- schneidet man aber an dieser Stelle das Rückenmark, dann tritt Verdunklung des Schwanzteiles ein, weil an dieser Stelle die für den kaudalen Abschnitt bestimmten Fasern noch nicht in den Sympathicus übergetreten sind. Die vordere Körperhälfte ist aber normal, weil ihre koloratorischen Fasern bereits vor der Schnittstelle in den Sym- pathicus eingetreten sind. Da sich analoge Innervationsverhältnisse bei Labriden, Trigliden, Cypriniden, Salmoniden vor- finden, so glaubt V. Frisch die von ihm an den Vertretern der ge- Der Farbenwechsel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. 1439 nannten Familien ermittelten prinzipiell übereinstimmenden Inner- vationsverhältnisse auf alle Knochenfische als gültig übertragen zu dürfen. Ebenso wie Pouchet hat auch v. Frisch (31) nach Sympathicus- durchschneidung ein Wie der auftreten der normalen Färbung gesehen, indem in einigen Versuchen schon 8 Tage nach der Ope- ration ein Abblassen der dunklen (operierten) Hautbezirke konstatiert werden konnte ; auch reagiert der nervös gelähmte Anteil der Haut auf einem hellen Untergrund, auf dem er sich aufliellt. Nach 21 Tagen war der Farbenunterschied zwischen Vorder- und Hinterkörper ausge- glichen. Auch nach der Durchschneidung des zur Stirn ziehenden Trigeminusastes konnte schon am 1. Tage nach der Operation bei Aufregung des Tieres eine vollkommene Aufhellung der gelähmten Partie beobachtet werden. Nach einiger Zeit der Ruhe tritt der dunkle Fleck wieder auf, der etwa 12 Tage nach der Operation noch zu konstatieren ist. v. Frisch hat eine Erklärung für das Ver- schwinden der dunklen Färbung, sowie das Wiedereintreten der Re- aktion der Chromatophoren nicht zu geben vermocht. Zweifellos muß in diesen Fällen die von mir zur Erklärung von PoucHETS Beobachtungen herangezogene Ueberdeckung der kolora- torischen Innervationsgebiete versagen, denn hier handelt es sich nicht um Durchschneidung einzelner Spinalnerven, sondern um die Lähmung der gesamten Kolorationsbahn im Sympathicus für den ganzen Hinter- körper. Könnten wir annehmen, daß das Licht direkt auch ohne Vermittlung des Nervensystems auf die Chromatophoren der Fische einwirkt, dann wäre das Abblassen der gelähmten Hautpartien und die Reaktion auf einen hellen Untergrund wohl zu erklären. Aber wir können bis heute noch nicht mit Sicherheit behaupten, daß die Chromatophoren der Fische durch Licht direkt erregt werden können (s. später bei Lichtwirkung). Wohl wissen wir zweifellos durch Hertels (46) Versuche, daß das Pigment auch als Sensibilisator für Nerven auf Lichtreize wirkt, weshalb man annehmen könnte, das Licht wirke durch Vermittlung des Pigmentkörpers auf die die Chromatophore um- spinnenden Nervenendigungen. Aber auch eine andere Erklärungs- möglichkeit liegt vor. Es könnten die Ganglien des Grenzstranges als sekundäre bzw. tertiäre Zentren einen Tonus auf die Chromato- phoren ausüben, wenn die primären Zentren des Gehirnes bzw. Rücken- markes zerstört sind. Ja diese Sympathicusganglien oder peripher gelegene Ganglien könnten sogar als Reflexzentren die später auf- tretenden Lichtreaktionen vermitteln. Diese Annahme ist keineswegs ohne weiteres von der Hand zu weisen, da die Innervation der Blut- gefäße, soweit sie bei Wirbeltieren (allerdings Säugern) untersucht ist, ganz analoge Verhältnisse bietet. Nach Ausschaltung des primären Gefäßzentrums in der Medulla oblongata erweitern sich die Blutgefäße (Tonusverlust). Nach einiger Zeit haben die Gefäße wieder ihren normalen Tonus. Zerstört man jetzt das Rückenmark, so tritt neuer- liche Erweiterung der Blutgefäße ein (Tonusverlust infolge Ausschal- tung der sekundären im Rückenmark gelegenen Zentren). Nach einiger Zeit erlangen die Blutgefäße aber auch hier ihren Tonus wieder. Die Lage der für diesen Tonus erforderlichen (tertiären) Zentren, peripher vom Rückenmark ist zurzeit noch nicht mit Sicherheit bekannt. Auch die Gefäßnerven treten aus dem Rückenmark in den Grenzstrang über und gehen vom Grenzstrang auf dem Wege spinaler oder cere- braler Nerven zu ihrem Innervationsgebiet. Wir sehen also hier ein 1440 R. F. Fuchs, ganz konformes Verhalten der Gefäßnerven und Kolo- rationsnerven (Fuchs, 40), so daß die Wahrscheinlichkeit vor- liegt, daß auch für die Chroniatophoren tertiäre, außerhalb des Rücken- markes gelegene Zentren vorhanden sein dürften. Endlich könnte das allmähliche Wiederkehren der hellen Farbe und der Lichtreaktion nach Sympathicusdurchschneidung durch ein allmähliches Aufhören hemmender Einflüsse bedingt sein, wie es Fuchs bei den Cephalopoden (s. diese) nachgewiesen hat. Die fehlende Lichtreaktion nach der Sympathicusdurchschneidung könnte als Ueberwiegen der Hemmungseinflüsse gedeutet werden. Wo allerdings bei Fischen die peri- pher vom Sympathicus-Grenzstrang gelegenen hemmenden Zentren zu suchen sind, läßt sich zurzeit nicht sagen ; aber da auch sonst bei Wirbel- tieren Hemmungszentren im autonomen Nervensystem gefunden worden sind, so muß man auch in diesem System nach solchen Zentren für die koloratorischen Funktionen suchen. Eine experimentelle Prüfung der hier aufgeworfenen Fragen ist dadurch möglich, daß wir im Nikotin ein Mittel besitzen, um die Zellen der autonomen bzw. sympathischen Zentren auszuschalten, während das Adrenalin diese Zentren bzw. ihre Zellen erregt. c) Koloratorische Wirkung des Zentralnervensystems. Der Einfluß des Rückenmarkes auf die Färbung der Fische wurde zuerst von Pouchet (78, 80) an Rhombus untersucht, indem das Rückenmark des kaudalen Teiles durchschnitten wurde, ohne dali ein nennenswerter Färbungseffekt zu konstatieren gewesen wäre, so daß Pouchet zu dem Ergebnis gelangte, das Rücken- mark sei kein Leitungsorgan für die koloratorischen Impulse, welche vom Gehirn zu den Chromatophoren gehen. Lode (68) kam auf Grund seiner Versuche an Forellen zu dem gleichen Ergebnis, und endlich hat auch van Rynberk (89) an Solea impar Pouchets Angabe bestätigt. Demgegenüber hatte aber Leydig (66) beobachtet, daß bei Rho- deus amarus nach Rücken marksdurch seh neidung eine rasche Verdunklung infolge Expansion der Chromatophoren auf- tritt, die später allmählich zurückgeht, weil die Zellen sich wieder retra- hieren. Der Widerspruch in den bisherigen Ergebnissen wurde erst durch die Arbeit von v. Frisch (31) aufgeklärt, der fand, daß eine Durchschneidung des Rückenmarkes hinter der Rücken- flosse bei Phoxinns erfolglos ist, weil, wie bereits vorher ange- geben wurde, die koloratorischen Bahnen bereits vor der Rücken- flosse sämtlich in den Sympathicus übergetreten sind. Offenbar haben Pouchet, Lode und van Rynberk bei ihren Versuchen auch zu weit kaudalwärts die Rückenmarksdurchtrennungen vorgenommen. Daß das Rückenmark tatsächlich an der Leitung der koloratorischen Impulse beteiligt ist, hat v. Frisch (31, 34) in ganz einwandfreier Weise gezeigt. Kurz nach dem Tode der Versuchstiere {Phoxinus, Crenilahrus, Trigla, Salmo) tritt eine starke Aufhellung auf, welche mit der früher behandelten Anämieaufhellung nichts zu tun hat, die V. Frisch deshalb als postmortale Aufhellung bezeichnet hat. Zerstört man einem frisch getöteten Tier das Rückenmark, so bleibt die postmortale Aufhellung aus. Ist dagegen bei einem Tier, das das Rückenmark noch besitzt, die postmortale Aufhellung bereits einge- Der rarbenwechsel und die chromatische Hautfunktiou der Tiere. 1441 treten, so verschwindet sie sofort nach Zerstörung des Rückenmarkes und macht einer Verdunklung Platz. Die postmortale Aufhellung ist durch die Reize hervorgerufen, welche infolge der Absterbe- prozesse im Rückenmark zustande kommen. Ob dabei ein koloratorisches Zentrum im Rückenmark selbst anzunehmen ist, oder ob es sich um die Erregung der koloratorischen Leitungsbahn handelt, ist vorläufig unentschieden. Es gelingt, an Tieren, denen man an zwei in der Nähe des 16. Wirbels gelegenen Stellen die Wirbelsäule durch- schneidet, wobei natürlich der Sympathicus mitdurchschnitten wird, eine gürtelförmige Aufhellungszone zu erzeugen, wie Fig. 70 zeigt. Die von dem durch die Schnitte abgegrenzten Mittelteil des Rücken- markes ausgehende Erregung kann zwar noch auf den Sympathicus übergehen, aber in diesem sich nur so weit ausbreiten, als seine Kontinuität durch die WMrbelsäulendurchschneidung nicht unterbrochen wurde. Fig. 70. Phoxinus laevis. Durchschneidung der Wirbelsäule an den beiden Schnitt- stellen. Gürtelförmige postmortale Aufhellung von den zwischen den Schnittstellen ge- legenen Teilen des ßückenmarkes ausgehend. Wegen der gleichzeitigen Sympathicus- durchschneidung ist das übrige Tier dunkel. (Nach v. FRISCH.) Daß die Me du Ha oblongata für den Farbenwechsel eine Rolle spielt, zeigte Lode (68), indem er durch elektrische Reizung (Ein- stechen von Elektroden in die Medulla) ein vollkommenes Erblassen seiner Versuchstiere (Forelle) erzielen konnte; Leydig (66) beob- achtete an Rhodeiis amarus eine rasch eintretende Verdunklung nach Zerstörung der Medulla oblongata, die nach einiger Zeit wieder einer Aufhellung Platz macht (postmortale Aufhellung V. Frischs). Die genauen Untersuchungen über die Funktion des Gehirns als koloratorisches Zentralorgan verdanken wir aber erst den sorgfältigen Untersuchungen v. Frischs (31, 34). Auf Grund von Durchschneidungsversuchen, in welchen die Schnitte schrittweise vom Anfang des Rückenmarkes immer weiter nach vorn verlegt wurden, ergab sich, daß ein Aufhellungszentrum im Nachhirn (Medulla oblongata) gelegen ist, dessen Ausschaltung eine maximale Expansion der Chromatophoren bedingt, die bis zum Eintritt der postmortalen Aufhellung bestehen bleibt. Reizt man bei einem so verdunkelten Tier {Phoxinus, Crenüabrus, Trigla, Salmo) das Nachhirn elektrisch, so tritt eine Aufhellung des ganzen Körpers ein. Bei Durchschneidung an der Grenze zwischen Nachhirn und Mittelhirn war der Erfolg ein wechselnder, manchmal Aufhellung, manchmal mittlere Färbung oder Verdunklung, aber diese Tiere zeigten stets noch Farbenwechsel, denn es trat wiederholt spontane Aufhellung ein. Dagegen ergaben elektrische Reizungen des Mittelhirnes keine sicheren Resultate. Das Kleinhirn hat keine Bedeutung für die kolo- ratorischen Funktionen, wie Abtragung desselben gezeigt hat. Wohl Handbuch d. vergl. Physiologie. III, 1. 91 1442 R. F. Fuchs, aber trat nach Vorderhirnreizun g bei Phoxinus Verdunklung des ganzen Körpers auf, welche Wirkung von Strom schleifen auf das Zwischenhirn Tieren, denen das Vorderhirn abgetragen war, noch der Operation ein normaler Farbenwechsel bestand. Reizung des Zwischenhirns bei Phoxirms konstant eine V. Frisch auf bezieht, weil bei lange Zeit nach Dagegen ergibt eine deutliche Verdunklung; bei der Forelle ist sie aber nicht deutlich vorhanden. Diese Verdunklung nach Zwischenhirnreizung wird von v. Frisch als die Wirkung eines daselbst gelegenen Hemmungszentrums angesehen, das die aufhellende Wirkung des im Nachhirn gelegenen Aufhellungszentrums hemmt. Diese Hemmungswirkungen werden durch die folgenden Beobachtungen von v. Frisch (31) besonders interessant. Die Pfrille zeigt nämlich bei isolierter Belichtung ihres Scheitel fleck es eine Verdunklung des ganzen Körpers. Bei geblendeten Tieren trat nach Beschattung des Scheitelfleckes Aufhellung ein und nach Belichtung Verdunklung des ganzen Tieres, woraus hervorgeht, daß es sich nicht um von den Augen vermittelte Färbungsreflexe handeln kann. Um zu erfahren, ob es sich um ein funktionierendes Pinealorgan handelt, entfernte v. Frisch dieses vollständig, wobei zunächst nach der Operation eine Verdunklung des Tieres mit Verlust der Reaktion auf Belichtung und Verdunklung der Stelle eintritt, aber bereits am nächsten Tage war die Reaktion wieder vorhanden. Auch die Zerstörung des von Studnicka (zit. nach v. Frisch, 31) als „Schaltstück" bezeichneten Teiles des Hirn Ventrikels hatte gleichfalls nur einen vorübergehenden Verlust der geschilderten Reaktion zur ».,../ Fig. 71. Schema des Verlaufes der koloratorischen Bahnen bei der Pfrille. Tl' Wirbel- säule, E Rückenmarlj, S Sympathicus, JV Spinalverven, T Trigeminus, P Pigmentzellen, Z ßückenmarkszentrum. (Nach v. Frisch.) Folge. Da auch die Hypophyse an der Reaktion nicht beteiligt ist, wie Versuche mit vollständiger Entfernung der Hypophyse lehren, so nimmt v. Frisch an, daß wahrscheinlich in der Zwischenhirngegend zwischen den Epithelzellen des Ventrikels und seinen Ausstülpungen Licht perzipierende Zellen liegen, von denen Nervenfasern ins Gehirn ziehen, die mit dem koloratorischen Apparat zu dem beschriebenen Reflex verbunden sind. „Vielleicht sind diese Zellen im Pinealorgan besonders dicht gedrängt, vielleicht sind sie hier identisch mit den bekannten , Sinneszellen' und vielleicht entspricht hier der ,Tractus pinealis' den postulierten Nervenfasern. Aber sie können nicht auf das Pinealorgan allein beschränkt sein, sonst müßte nach dessen Zer- störung die Reaktion vernichtet sein." Der Farben Wechsel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. 1443 Nach diesen Ausführungen über die Physiologie des koloratori- schen Nervensystems kann an seiner funktionellen Bedeutung wohl nicht mehr der leiseste Zweifel bestehen, um so sonderbarer muß es erscheinen, wenn Golovine (43) mit gänzlicher Ignorierung des vor- handenen Tatsachenmaterials, ohne irgendeinen Beweis, erklärt, daß das Nervensystem nur durch Vermittlung des Vasomotorensystemes die Färbung beeinflusse, indem durch die Zirkulationsänderung lokale Intoxikationen zustande kommen, die die Reaktion (Ballung) der Chromatophoren hervorbringen. Eine Diskussion dieser vollkommen aus der Luft gegriffenen Behauptung ist nach dem Auseinandergesetzten vollkommen überflüssig. d) Der Tonus der Chromatophoren. Die Frage der tonischen Innervation der Chromato- phoren wurde zuerst von Pouchet (80) aufgeworfen; er nimmt an, daß die Chromatophoren von Rhombus nach Nervendurchschneidung oder Abtragung der Augen einen mittleren Kontraktionszustand zeigen, der während des Lebens erhalten bleibt. Wie dieser vom Auge un- abhängige Tonus zustande kommt, ist nicht erklärt. Auf Grund seiner Beobachtung, daß nach Abtragung des Nachhirns eine Verdunklung des V'ersuchstieres zustande kommt, nimmt v. Frisch (31) an, daß die Chromatophoren vom Aufhellungszentrum im Nachhirn tonisch innerviert werden. Woher aber die tonische Erregung dieses Zentrums stammt, ist auch durch v. Frisch nicht aufgeklärt. Daß die Augen dieses Zentrum nicht allein beeinflussen, ist sicher, denn blinde Tiere zeigen unter gewissen Bedingungen Farbenwechsel. Offenbar handelt es sich um im Tier selbst entstandene Reize, die das koloratorische Zentrum erregen, vielleicht Stoffwechselprodukte oder thermische Reize, welche analog wie beim Gefäßtonus der Homoiothermen, im Interesse der Wärmeregulierung wirksam sind. Jedenfalls bedarf die Frage, woher der Tonus des Kolorationszentrums im Nachhirn stammt, einer genaueren Untersuchung, weil sie verspricht, neue Anhaltspunkte für die physiologische Funktion des Chromatophorensystemes als Organ der Wärmeregulierung zu liefern. Sehr interessante Beobachtungen von tonischen Erscheinungen au den Chromatophoren von Pleuronectiden hat Bauer (6) ge- macht. Werden Schollen längere Zeit (Tage bis Wochen) dauernd auf einem schwarzen oder weißen Untergrund gehalten, dem sie sich durch maximale Expansion bzw. Retraktion der Chromatophoren an- gepaßt haben, so bleibt dieser jeweilige Ballungszustand der Chromatophoren bestehen, wenn man die Augen maskiert oder die Tiere blendet, gleichgültig auf welchem Grund sich die Tiere nun befinden ; z. B. ein dunkles Tier auf hellem Grund. Diese Nach- wirkung ist weniger ausgeprägt, je kürzer die Zeit war, während welcher die Tiere auf einem Untergrund gehalten wurden, sie kann bei zu kurzer Versuchsdauer auch ganz fehlen. Die Chromatophoren sind nicht starr geworden, da sie auf entsprechende andere Reize noch reagieren ; ebensowenig geht dieses Verharren der Chromatophoren in der bestimmten Stellung von den Augen aus, da nachherige Ab- tragung der Augen das Verhalten nicht ändert. Dagegen ver- schwindet die tonische Starre nach Zerstörung des Grenzstranges des Sympathicus in den zugehörigen Inner- ei* 1444 R F. Fuchs, vationsbezirkeD. Bauer nimmt ein tonisch erregtes Zentrum im Gehirn oder Rückenmark an, dessen Tonus durch das Auge in entgegengesetzten Richtungen (Expansion oder Retraktion) ver- schoben werden kann, das dann aber nach langdauernder Beeinflussung in der einen Richtung den entsprechenden Zustand auf längere Zeit festhält. Ich glaube, wir können mit Hilfe des im Zwischen hiru gelegenen Hemmungszentrum die Verhältnisse genügend auf- klären. Waren die Hemmungen sehr lange Zeit unausgesetzt wirksam, so dauern sie noch einige Zeit nach, haben aber die Erregungen des im Nachhirn gelegenen koloratorischen Zentrums, das Aufhellung be- wirkt, längere Zeit ungehemmt bestanden, dann wirken diese Erregungen nach. Wir brauchen dann keine schwer zu erklärende Verschiebung des Tonus innerhalb eines Zentrums nach zwei verschiedenen Rich- tungen anzunehmen, bei welcher Voraussetzung Bauer wohl der Biotonus von Hering vorgeschwebt haben mag, welcher als Quotient der jeweiligen Assimilation und Dissimilation ausgedrückt werden kann. 9. Die koloratorische Wirkung des Liclites. a) Wirkung der Intensität. Der Einfluß des Lichtes auf den Farbenwechsel ist seit jeher eifrig untersucht worden. Die erste experimentelle Beob- achtung stammt von Rathke (82), welche ich hier anführen will, weil sie gänzlich der Vergessenheit anheimgefallen ist. Die Beobachtung an Lepadogaster hiciliatus Risso wird folgendermaßen beschrieben : „Als ich mehrere dieser Fische, gleich nachdem sie gefangen waren, in ein mit Meerwasser gefülltes Glas getan und sie dem Lichte der Sonne, doch nicht der unmittelbaren Einwirkung der Sonnenstrahlen selbst, ausgesetzt hatte, bleichten die meisten in einer Zeit von kaum einer halben Stunde fast ganz aus, selbst an den rot gefärbten Flossen und erhielten ihre frühere Farbe nicht wieder, nachdem sie in die Dunkelheit gebracht und in ihr noch 24 Stunden am Leben gelassen waren." Fast gleichzeitig veröffentlichte Shaw (100) seine Versuche an Lachsen, die in einer weißen Schüssel ganz hell geworden waren, dann aber beim Zudecken der Schüssel mit einer dichten Decke nach wenigen Minuten eine dunkle Farbe angenommen hatten, die im Lichte allmählich wieder verschwindet. Ganz ähnliche Beobachtungen hat später V. Siebold (101) gemacht, der beim Abheben des Deckels eines dunklen Forellenbehälters ein augenblickliches Erblassen der dunkelsten Tiere sah, das er auf eine besonders starke Reizbarkeit der dunklen Chromatophoren auf Licht bezog. Bei fortdauernder Lichteinwirkung dehnten sich die Chromatophoren nach einiger Zeit wieder aus. Natürlich konnten diese ersten Beobachtungen nicht ausreichen, um die gesehenen Farbenveränderungen als Erfolg der Belichtung oder Dunkelheit sicherzustellen, da in den Versuchen ein Zusammen- wirken vielfacher Reize vorhanden ist, ohne daß der Einfluß des Einzelfaktors klargestellt werden könnte. Diese Aufgabe blieb den späteren Untersuchern vorbehalten. Leider sind die Ergebnisse der späteren Autoren sehr widerspruchsvolle geworden, weil die Versuchs- anordnungen, unter denen die Versuche angestellt worden sind, häufig nicht eindeutig sind. Vor allem fehlt es an genauen messen- den Versuchen, in denen Helligkeit, Energiewerte, Farbe (Wellen- Der Farbenwechsel und die chromatische Hautfunktion der Tiere, 1445 länge) chemische, bzw. ultraviolette und thermische Strahlung ge- bührend auseinander gehalten werden. Ein wirklicher Fortschritt in der Untersuchung der Lichtreaktionen der Tiere kann jetzt nur noch durch exakte messende Versuche erzielt werden, denn Beobachtungen ohne genau physikalisch definierbare Versuchsbedingungen sind nur dazu geeignet, das bestehende Chaos ins Ungemessene zu vergrößern, zumal auch die physiologischen Bedingungen, unter denen sich das Tier gerade befindet, oft schwer zu analysieren sind und von Seite der Experimentatoren auch nach dieser Richtung hin oft Zuviel außer acht gelassen worden ist. Wir wollen zuerst die Einflüsse von Intensitätsschwankun- gen des farblosen Tageslichtes bzw. künstlicher sogenannter weißer Lichter untersuchen. Zunächst soll das Verhalten normaler Tiere angeführt werden. Heincke (45) hatte bei Gohius Uuthenspnrri zur Laichzeit das Auftreten einer gleichmäßig braunschwarzen bis grünschwarzen Färbung gesehen, wenn die vorher lebhaft gefärbten Tiere mit einem Kästchen bedeckt wurden, bei Belichtung trat nach 1 — 2 Minuten die gesamte bunte Zeichnung wieder hervor, bei Be- lichtung mit Sonnenlicht tritt noch raschere Reaktion ein. Außerdem gibt Knauthe (53) an, bei Pfrillen und Schmerlen, welche allerdings durch Kälteeinwirkung total erstarrt waren , auf Einwirkung von Magnesium- und hellem Tageslicht eine langsame Retraktion der Chromatophoren gesehen zu haben. Ueber die Ausführung des Ver- suches selbst sind keinerlei nähere Angaben gemacht, so daß die Beobachtung Knauthes absolut wertlos ist. Auch über die Beschaffen- heit des „Kästchens" in Heinckes Versuchen kann man nichts erfahren, ebensowenig wie der Versuch angestellt wurde, denn man müßte natürlich wissen, ob die Tiere ganz verdunkelt waren oder nicht, kurz, es fehlt eine Beschreibung der ganzen Versuchsanordnung, so daß auch diese Beobachtungen zur Analyse der Lichteinwirkung nicht ver- wendet werden können. Dagegen hat Wenckebach (114) bei jungen Embryonen von Belone und anderen Fischen bereits am 6. Tage Reaktionen auf Licht gesehen, indem sich die Chromatophoren auf Belichtung ex- pandieren, zahlreiche Fortsätze erkennen lassen, während sie sich im Dunkeln retrahieren. Uebereinstimmende Beobachtungen hat auch V. Frisch (34) an Crenilahrus pavo gemacht, der sich bei voll- kommenem Lichtabschluß stark aufhellt, bei neuerlicher Belichtung binnen wenigen Minuten seine frühere Färbung wieder annimmt. Zur Auslösung dieser Lichtreaktion ist bei geblendeten Tieren eine vollständige Verdunkelung nicht erforderlich, es genügt schon Be- schattung, also plötzliche Aenderung der Lichtintensität. Dagegen haben sehende Pfrillen auf Belichtung und Verdunkelung keine gesetz- mäßige Reaktion erkennen lassen. Die lan gandauernde Einwirkung von Dunkelheit hat leider keine ganz übereinstimmenden Resultate ergeben. Schöndorff (94) hat bei in der Dunkelheit gehaltenen Forellen ein Abblassen der Färbung beobachtet, desgleichen Mayekhofer (70) bei Hechten, die bereits nach einigen Tagen ein geisterhaftes Aussehen zeigen, ohne daß eine Rückbildung des Pigmentes zu konstatieren gewesen wäre, denn am Licht expandieren sich die Chromatophoren wieder normal. Mehrere Monate hindurch hat Ogneff (75) Goldfische, die sich in Glasaquarien befanden; einer ununterbrochenen Einwirkung der Dunkel- 1446 R- F. Fuchs heit ausgesetzt, wobei die Fische regelmäßig gefüttert wurden. Nach zweimonatigem Aufenthalt im Dunkeln glichen die Goldfische voll- kommen Karauschen oder Schleien , sie waren am ganzen Körper gleichmäßig braunrot gefärbt und nahmen nach 1 — 2-monatigem Aufenthalt im Lichte wieder ihre gewöhnliche Färbung an. Nach Ogneffs Untersuchungen findet keine Neubildung von Chro- matophoren statt, sondern die bereits vorhandenen sind vollkommen mit Pigment erfüllt und stark expandiert. Wenn ich Ogneff richtig verstanden habe, dann nimmt er an, daß in der Dunkelheit jedoch eine Pigmentvermehrung eintritt. Einzelne Zellen zeigen abgerissene Fortsätze und Austreten von Pigment um den Zellkörper; manchmal finden sich Zellen, die von Phagocyten aufgefressen werden, ferner hat Ogneff kleine rundliche Zellen gesehen, die mit Leukocyten oder Lymphocyten eine gewisse Aehnlichkeit haben and mit Pigmentkörnern ganz erfüllt sind. Die Deutung der erwähnten mikroskopischen Beobachtungen als Phagocytoseerscheinungen erscheint mir aber nicht über jeden Zweifel erhaben zu sein. Es scheint wahrscheinlicher, daß bei der gesteigerten Pigmentbildung auch Zellen, in denen sonst kein Pigment abgelagert wird, sich mit Pigment beladen, da ja nach Leydigs bereits mehrfach erwähnten Anschauungen ein kontinuier- licher Uebergang zwischen Bindegewebszellen zu echten Chromato- phoren besteht. Auch Regnard (83) hat bei Karpfen, die beinahe ein Jahr in fast vollkommener Dunkelheit gehalten wurden, eine beinahe schwarze Färbung beobachtet, während die im hellen Tageslicht gehaltenen Kontrolltiere hellgelb waren. Leider hat der Autor keine genaue Ver- suchsanordnung mitgeteilt, was gerade wegen der „fast vollkommenen" Dunkelheit sehr erwünscht wäre. Es sei hier daran erinnert, daß CuNNiNGHAM (19) an jungen Fleuronectes flesus durch Beleuchtung der sonst unpigmentierten Unterseiten auch an diesen Stellen Pig- mententwicklung bzw. Bildung von Chromatophoren beobachtet hat. Das gleiche Resultat erwähnt Haacke (44) ohne genauere Angaben seiner Versuchsanordnung. Bei den Versuchen von de Vescovi (110), der angibt, daß Lahrus merula in einem weißen Glasaquarium auffallend blaß, in einem dunklen Aquarium augenblicklich dunkel wird, läßt sich aus der Darstellung nicht entscheiden, ob diese Reaktionen als Reizung durch den Unter- grund anzusehen sind (siehe später) oder als Wirkung verschiedener Helligkeiten ; das erstere scheint mir sogar das Wahrscheinlichere zu sein. Aehnlich verhalten sich Gobius capito, Blennius palmicornis, Blennius Montagui. Zur Entscheidung der Frage über die Lichteinwirkung hat man auch vielfach versucht, rein lokale Einwirkungen des Lichtes auf die Chromatophoren zu untersuchen, aber selbst bei diesen Ver- suchen sind keine übereinstimmenden Ergebnisse erhalten worden. LoDE (68) fand lokale Belichtung bei Salmo fario, Perca fluviatilis und TJnibra Krameri vollständig erfolglos, während Steinach (106) an geblendeten Aalen, die kuraresiert und künstlich beatmet wurden, eine genau lokale Aufhellung bei Belichtung einer um- schriebenen Stelle auftreten sah. Die gleichen Resultate erhielt Steinach (107) bei Forellen und jungen Lachsen, besonders deutlich bei einer streifen weisen Belichtung der weniger intensiv pigmentierten Bauchfläche. Da Steinach mit Tages- bzw. direktem Sonnenlicht Der Farbenwechsel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. 1447 arbeitete, so ist die Wirkung der ultravioletten bzw. thermischen Strahlen nicht ausgeschlossen. Leider fehlen auch hier wieder die genauen Angaben über die Ausführung der ßelichtungsversuche. Zu vollständig widersprechenden Ergebnissen kam v. Frisch (31), der junge geblendete Dottersackforellen im ZiEGLERschen Durchströmungs- kompressorium einschloß und bestimmte isolierte Stellen durch 72 — 7* Stunden mit dem Lichte einer Bogenlampe bestrahlte, aus dem die Wärmestrahlen und ultravioletten Strahlen vorher absorbiert worden waren. Es trat keine Reaktion auf Licht ein. Auch Pfrillen zeigten auf rein lokale Belichtung der Haut keine Reaktion, ebensowenig zeigte sich eine Reaktion auf Verdunkelung der Haut an umschriebenen Stellen (Umlegen von Staniolstreifen oder Ueberschieben einer vom Schwanz bis zu den Kiemen reichenden Papphülse über das Glas- gefäß, in dem die Fische sich befanden). G-enüabrus pavo (34) zeigte bei lokalen Belichtungsversuchen an geblendeten Tieren, daß die Expansion der Chromatophoren eine rein lokale Lichtwirkung ist. Während bei geblendeten Pfrillen die Be- lichtung des Scheitelfleckes (Parietalorgan) eine intensive Verdunkelung hervorbringt, ist eine Belichtung des Kopfes bei Crenilahrus voll- kommen erfolglos, es findet sich hier auch kein Scheitelfleck. Auch lokale Verdunkelungen zeigten genau entsprechende lokale Aufhellun- gen, die wieder dunkelten, sobald das Licht zu den vorher verdunkelten Hautpartien gelangen konnte. b) Wirkung der Wellenlänge. Da die Farbenanpassung der Fische für die Lehre von der Schutz- färbung eine große Bedeutung hat, wurde auch das Verhalten der Fische in verschiedenen farbigen Lichtern vielfach untersucht. Leider sind auch hier die Versuchsanordnungen oft recht mangelhafte und die Angaben darüber vielfach so ungenaue, daß es schwer fällt, die erhaltenen Resultate kritisch zu verarbeiten und einheitlich dar- zustellen. DE Vescovi (110) war wohl der erste Forscher, welcher versuchte, die Farbenanpassung verschiedener Fische zu studieren, indem er sie in verschieden gefärbten Glaswannen hielt. Aber in seinen Versuchen ist vor allem die Wirkung des Untergrundes nicht berücksichtigt, ganz abgesehen davon, daß wir über die Helligkeiten und Wellenlängen der verwendeten farbigen Lichter nichts erfahren. Trotz der wesentlichen Mängel der Versuchsanordnung läßt sich doch erkennen, daß eine wirkliche Uebereinstimmung der Farbe des Tieres mit der Farbe des Aquariums nicht stattfindet, trotz- dem DE Vescovi eine solche aus seinen Befunden ableiten zu können glaubt. Im großen und ganzen scheint es sich um Helligkeits- reaktionen zu handeln, an denen wohl der Untergrund wesentlich beteiligt war. Die untersuchten Tiere zeigten fast alle im roten Aquarium eine Verdunkelung, in gelben und grünen Aquarien ein verschieden starkes Abblassen, während im blauen Licht unregelmäßige Erfolge eintreten. Das wichtigste Ergebnis aus DE Vescovis Versuchen ist die Angabe, daß Sargus Salviani C. V. bei keiner der angewendeten Beleuchtungsarten einen Farbenwechsel zeigt, während Sargus annularis L. den oben erwähnten Farben Wechsel aufweist. Diese Beobachtung de Vescovis verdient unsere Beachtung im Hinblick auf eine analoge Beobachtung von v. Frisch (35) an 1448 R. F. Fuchs, Labriden, wo Crenüabrus massa auf Farben keine Reaktion zeigt, während Crenüabrus roissali und Crenüabrus ocellata deutliche Reak- tionen auf farbige Lichter zeigen. Ferner hat Mayerhofer (70) angegeben, daß bei Hechten verschiedenfarbige Lichter keine auffallenden Farbenveränderungen hervorrufen. Solche Beobachtungen mahnen sehr zur Vorsicht, die Beobachtungen an einer Art auf eine andere zu übertragen, da sich nicht einmal innerhalb der Art eine Konstanz mit Sicherheit erwarten läßt. Die Versuche de Vescovis wurden von Schöndorff (94) in vollkommen unzulänglicher Weise wiederholt, indem in je einem farbigen Aquarium je eine Forelle einige Zeit gehalten wurde. Nur verwendete Schöndorff an Stelle der farbigen Papiere zum Be- kleben der Aquarien, wie es de Vescovi tat, Farblösungen, in die eine Glaswanne mit dem Fisch gesetzt wurde. Auch hier sind weder die Wellenlängen der Lichter, noch ihre Helligkeiten, noch die Wirkung des Untergrundes berücksichtigt, und zu alldem nur je ein Tier für jeden Farbenversuch! Hautstücke der einzelnen Versuchstiere wurden mikroskopisch untersucht. Die Resultate sind absolut wertlos zur Beurteilung der Farbeuwirkung auf die Chromatophoren. Dennoch seien sie der Vollständigkeit wegen angeführt : Rot übt keine Wirkung aus, blau und gelb wirken verdunkelnd. „Die gelben Strahlen ver- mögen die Chromatophoren im Bereich des ganzen Körpers an die Oberfläche zu locken und bewirken Expansion des Pigmentes. Rote, blaue und grüne Strahlen bewirken keine Veränderung der Chromato- phoren. Vom Stanniol ausgehende Lichtstrahlen bewirken eine Re- traktion der Chromatophoren von der Oberfläche und starke Kon- traktion der Pigmentzellen." Die histologischen Beobachtungen stehen, wie diese Uebersicht zeigt, auf der gleichen Höhe wie seine experi- mentelle Beweisführung. Mit der gleichen äußerst mangelhaften Methodik wurden die Ver- suche von Lehmann (56) an Perca fluviatüis sowie an Salmo fario fortgesetzt. Seine Resultate sind aber andere als die seines Vor- gängers. Das grüne Licht bewirkt eine „Verminderung des Pigmentes im allgemeinen. Es ist aus der Epidermis fast ganz geschwunden, es findet sich aber noch in einzelnen an der Oberfläche gelegenen Hohlräumen. In den Pigmentbahnen unterhalb der Epidermis findet sich ein dunkler Streifen, der aus körnigem Pigment besteht, in den tiefen Bahnen sind die Pigmentstränge gleichfalls vorhanden". Grünes Licht soll eine Verlangsamung der Pigmentbildung sowie ein Ver- schwinden des Pigmentes aus der Epidermis hervorrufen. Blaues Licht bewirkt einen „vollständigen Schwund des Pigmentes" aus der Epidermis und ruft eine „Kernströmung" nach den tiefen Teilen hervor, bei rotem Licht ist das Pigment aus der Epidermis nach den „Bahnen" gedrängt, während bei gewöhnlichem Tageslicht das Pigment in der Epidermis reichlich vorhanden ist. Vor allem liegt zweifellos eine vollkommene Verwechselung zwischen Pigmentbildung und je- weiligen Ballungszuständen der Chromatophoren vor, sowie eine voll- kommene Unkenntnis des normalen histologischen Baues der Haut und der Chromatophoren insbesondere. Die von Lehmann be- schriebenen Färbungen der lebenden Tiere würden wenigstens beim Barsch bis zu gewissem Grade eine Uebereinstimmung der Färbung des Versuchstieres mit der Farbe des Aquariums ergeben, bei der Forelle aber ist die Uebereinstimmung weniger gut. Da jedoch die Der Farbenwechsel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. 1449 Farbe der Tiere innerhalb des farbigen Lichtes, in dem sich die Tiere befinden, bestimmt wurde, wie ich aus der ganzen Darstellung an- nehmen muß, so ist es ganz selbstverständlich, daß die Farben der Tiere mit denen des umgebenden Lichtes mehr oder weniger gut übereinstimmen müssen. Der Autor hätte natürlich die gleiche Farben- Übereinstimmung gefunden, wenn er, statt die Tiere im farbigen Licht zu untersuchen, sich eine entsprechend gefärbte Brille aufgesetzt hätte. Nur eine Konstatierung der Färbung der Versuchstiere im farb- losen Licht hätte über die Farbenveräuderung irgendeinen Auf- schluß ergeben. Davon ist aber nicht die Rede. Auch Secerovs (96) Versuche, der ebenfalls Tiere {Nemachilus harhatula) in verschieden gefärbten Aquarien hielt und eine Anpassung der Tierfarbe an die Versuchsfarbe beschrieben hat, sind keineswegs beweisend, da hier alle notwendigen Angaben über die physikalischen Konstanten des Lichtes fehlen, ebenso über die Dauer der Versuche und über die Art, wie die endgültige Farbe der Versuchstiere fest- gestellt wurde. Während die vorangehend behandelten Versuche sich mit mehr oder meistens weniger Erfolg bemüht hatten, eine Farbenüberein- stimmung zwischen der Farbe der Umgebung und der des Versuchs- tieres nachzuweisen, hat Gamble (41) auf Grund von Versuchen an Crenilahrus melops eine komplementäre Farbenanpassung als die Wirkung farbiger Lichter beschHeben. Leider ist auch in diesen Versuchen die ganze Anordnung keineswegs einwandfrei ; es ist vor allem auch hier unmöglich, die genauen physikalischen Bedingungen der zum Versuch verwendeten farbigen Lichter zu bestimmen, ganz abgesehen von anderen komplizierenden Umständen der Versuchs- anordnung. Gamble bestrahlte seine Versuchstiere mit Licht, das durch verschieden gefärbte Algen hindurchgegangen war, die sich in den Aquarien befanden. Die vor Beginn des Versuches grünen Tiere wurden bei Bestrahlung mit Tageslicht, das durch eine mehrfache Lage von grünen Pflanzen hindurchgegangen war, innerhalb einer Woche braun, wobei eine erhebliche Anhäufung von rotem Pigment konstatiert wurde. Licht, das durch rote Algen hindurchgegangen war, erzeugte eine grüne Färbung des Versuchstieres, bei dem eine Vermehrung des gelben Pigmentes eingetreten war. Braune Pflanzen eignen sich wegen der geringen Lichtdurchlässigkeit wenig zu solchen Versuchen. Ganz anders ist die Wirksamkeit dieser Farben, wenn sie als Unter- grund zur Wirkung kommen, dann wirken alle gleich und von einer komplementären Farbenanpassung ist nichts zu konstatieren. Trotz dieser Versuchsergebnisse kann von einer gesetzmäßigen „komplementären Farbenanpassung" nach dem WiENERschen (115) Prinzip, wie Gamble die Ergebnisse auffaßt, keine Rede sein. In einer Reihe von sehr sorgfältigen Versuchen an Phoxinus laevis, Nemachilus harhatula, Crenilahrus roissali, sowie dessen Varietät quin- quemaculatus, endlich Crenilahrus ocelatus hat v. Frisch (34, 35) übereinstimmend gefunden, daß bei sehenden Tieren, soweit überhaupt von einer Farbenanpassung die Rede sein kann, die Farbe des Fisches stets der Beleuchtungsfarbe entspricht, niemals aber eine Komplementärfarbe auftritt. Gamble hätte, wenn er seine An- schauung als selbst nur für Crenilahrus melops einigermaßen geltend ansehen wollte, sich nicht darauf beschränken dürfen, die im w^eißen Licht grünen Tiere nur mit grünem oder rotem Licht zu beleuchten. 1450 R- F. Fuchs sondern er hätte auch in blauem und gelbem Licht die kom- plementäre Anpassung nachweisen müssen. In den Versuchen von V. Frisch (35) wurden auch blaue und gelbe Lichter untersucht, aber bei ihrer Einwirkung fand sich ebensowenig wie bei der von rotem und grünem Licht auch nur eine Spur komplementärer Anpassung. Da V. Frisch andere Crenüabrus - Arten untersucht hat als Gamble, so könnte man immer noch annehmen, daß die verschiedenen Arten verschieden auf farbige Lichter reagieren, denn v. Frisch (35) gibt ja selbst an, daß Crenilabrus massa auf Farben überhaupt nicht reagiert, so daß also für Crenilabrus pavo doch die von Gamble be- hauptete komplementäre Farbenanpassung bestehen könnte. Aber auch diese Anschauung halte ich im höchsten Maße für unwahrscheinlich, da sich für die zufällige komplementäre Farbenanpassung in den Ver- suchen Gambles eine ausreichende physiologische Erklärung geben läßt. Crenilabrus melops hat wie seine Verwandten schwarze, rote und gelbe Chromatophoren, sowie den diffusen blauen Farbstoff. In dem durch grüne Algen gegangenen Licht ist die Intensität der Helligkeit bzw. der chemisch wirksamen Strahlen vermutlich so abgeschwächt, daß es zwar noch ausreicht, die leichter reagie- renden Melanophoren stärker zur Retraktion zu bringen, während die schwerer reagierenden roten Chromatophoren expandiert blieben, die gelben etwas weniger expandiert waren, da ja auch Unterschiede in der Expansion der einzelnen farbigen Chromatophoren bekannt sind. So mußten die Tiere rotbraun erscheinen und das rote Pigment deutlicher hervortreten. Denn eine tatsächliche Vermehrung des roten Pigmentes ist von Gamble gar nicht nachgewiesen worden. Im roten Licht finden sich keine genügend wirksamen Strahlen mehr vor, um die gelben Chromatophoren auch zur Ballung zu bringen, so- daß dann das Gelb mit der blauen Grundfarbe die grüne Färbung erzeugt. Die Versuche von v. Frisch (35) sprechen sehr zugunsten meiner Auffassung, wie im folgenden gezeigt werden wird. Die umfangreichsten Untersuchungen über den Einfluß farbigen Lichtes auf dieFarbenanpassung der Fische hat v. Frisch (34, 35) angestellt, indem er seine Versuchstiere in Aquarien hielt, die auf Paraffinfüßen in Behältern standen , welche mit einer Farb- lösung gefüllt waren , deren Lichtdurchlässigkeit spektroskopisch be- stimmt worden war. Als Lichtquelle diente das Tageslicht; ferner war eine besondere Beeinflussung vom Untergrund nicht vorhanden, außerdem waren die Vergleichsaquarien in genau gleicher Weise ar- miert, nur enthielten sie an Stelle der Farblösungen gewöhnliches Wasser. Die Feststellung der Farben der einzelnen Versuchstiere (6 — 7 Exemplare in jedem Aquarium) erfolgte auf einem grauen Unter- grund. Dagegen hat v. Frisch keine Sorge dafür getragen, daß die Helligkeiten der Farblösungen gleich waren, noch wurden die thermischen, ultravioletten bzw. chemischen Strahlen in ihrer Wirk- samkeit berücksichtigt, ein Umstand, der für die Deutung der Ver- suche von V. Frisch meiner Meinung nach von großer Wichtigkeit ist. Die Versuche an sehenden Pfrillen ergaben,' daß in roten und gelben (gelbgrünen) Aquarien die Versuchstiere einen rötlich - gelben Farbenton zeigten ; an mikroskopischen Präparaten zeigte sich eine Expansion der roten und gelben Chromatophoren. In grünem Licht war keine Rotfärbung zu beobachten, manche Tiere zeigten einen gelben Ton, aber die Mehrzahl war wie die Kontrolltiere gefärbt. An Der Farben Wechsel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. 1451 mikroskopischen Präparaten waren die gelben Chrom atophoren der Epidermis, sowie die der Kutis verhältnismäßig stark geballt. In Figg. 72 — 74 sind die Chromatophoren der unteren Pigmentlage der Kutis bei einem Kontrolltier (Fig. 72), bei einem Gelbtier (Fig. 73) und einem Grüntier (Fig. 74) wiedergegeben, nach sechswöchigem Aufenthalt in den Aquarien. Beim Kontrolltier sehen wir die stärkste Ballung der gelben und schwarzen Chromatophoren , beim Grüntier eine etwas geringere Ballung beider und beim Gelbtier eine mäßige Expansion beider. Ich möchte besonderen Wert darauf legen, daß der Ballungs- bzw. Expansionsgrad der Melanop hören dem der Xantho- phoren im großen und ganzen parallel geht. Bei Crenilabrus roissali waren bei Rottieren die roten und gelben Chromatophoren stark expandiert, beim Grüntier kontrahiert; die Me- Fig. 72. Fig. 73. *«a Fig. 72 — 74. Phoxinus laevis. Chromatophoren nach 6-wöchigem Aufenthalt in einem ungefärbten (Fig. 72), in einem gelben (Fig. 73) und in einem grünen Aquarium (Fig. 74). (Nach v. Frisch.) Fig. 74. 1452 R. F. Tuchs, lanophoren waren bei 3 Rottieren gleichfalls expandiert (bei drei anderen mittel expandiert), beim Grüntier kontrahiert. Das Kontroll- tier zeigte Kontraktion der Melanophoren , an manchen Stellen der Erythrophoren dagegen meistens Expansion der Xanthophoren. In einer zweiten Arbeit hat v. Frisch (35) die genannten Creni- labrus- Arten (Cr. ocelatus und Cr. roissali) nach der gleichen Me- thodik in rotem, gelbem, grünem und blauem Licht untersucht. Bei Crenilabrus ocelatus zeigten die Rot-, Gelb- und Grüntiere einen röt- lich-gelben Farbenton, dagegen behielten die Blautiere ihre ursprüng- lich-grüne Färbung bei. Die Blautiere hatten gegenüber den grünen Kontrolltieren einen bläulichen Ton angenommen. Die mikroskopische Untersuchung sorgfältig fixierter Hautstücke ergab bei Kontrolltieren (auf grauem Grunde gehaltene Tiere) mittelstarke Expansion der roten und gelben Chromatophoren. Blautiere zeigten maximale Kontraktion der farbigen Pigmentzellen, Rottiere starke Expansion, Gelbtiere ziem- lich starke Expansion , aber etwas weniger als bei den Rottieren. Ueber das Verhalten der Melanopho'ren sind keine Angaben gemacht, sie sind wohl auch nur vereinzelt vorhanden. Aehnlich waren auch die Versuchsergebnisse an Crenilabrus roissali. Die mikroskopischen Be- funde lauten: Blautiere starke bis maximale Kontraktion der farbigen Chromatophoren , Rottiere starke bis maximale Expansion , Gelbtiere von fünf bei zweien starke Retraktion, 2 mittelstarke, 1 starke Ex- pansion, Grüntiere ziemlich starke Kontraktion. Bei allen Blautieren und 2 Grüntieren ist der diffuse blaue Farbstoff sehr vermehrt. Die Tiere zeigen , soweit man überhaupt von Farbenanpassung reden kann , eine mehr oder weniger gute Annäherung an die Be- leuchtungsfarbe, aber niemals eine komplementäre Farben- anpassung. Worauf ich aber besonderen Wert legen möchte, das ist die Tatsache, daß es in allen Versuchen niemals gelungen ist, eine genaue Farbe nanpassung zu erzielen. Insbesondere haben die Tiere im roten Licht niemals eine rein rote, im gelben Licht niemals eine rein gelbe Farbe gezeigt, auch bei Grrüntieren und Blautieren war der Unterschied nur ein gradueller, indem die Blautiere einen etwas bläulicheren grünen Farbenton zeigten. Dem entspricht auch das mikroskopisch festgestellte Ver- halten der Chromatophoren , indem die roten und gelben Chromato- phoren von verschiedenfarbigen Lichtern zwar verschieden stark, aber beide Arten von demselben Licht gleich stark zur Expansion oder Retraktion gebracht werden. Es ist niemals gelungen, im roten und gelben Licht nur die roten oder die gelben (Chromatophoren allein zur Expansion zu bringen. Aus diesen Gründen halte ich mich berechtigt, die Beobachtungen v. Frischs in anderem Sinne zu interpretieren , als es der Autor tut. Da der Expansionszustand der Chromatophoren der Ruhe und der Retraktions- zustand ihrer Tätigkeit entspricht , so folgt aus den Versuchen V. Frischs, daß rotes Licht keinen Reiz zur Retraktion der farbigen Chromatophoren darstellt, gelbes einen schwachen, grünes einen ziemlich starken und blaues Licht den stärk- sten Reiz darstellt. Oder allgemeiner formuliert, die langwelligen Lichter wirken nicht oder nur schwach, die kurzwelligen Lichter dagegen stark, und zwar ist die Wirkung um so intensiver, je kürzer die Wellenlänge ist. Damit ist aber noch nicht bewiesen, wie ich (Fuchs, 40) bereits früher ausgeführt habe, daß die Farben als Der Tarbenwechsel und die chromatisclie Hautfunktion der Tiere. 1453 solche das Entscheidende sind, sondern wir wissen, daß der Gehalt an pho to chemisch wirksamer Energie mit der Abnahme der Wellen- länge zunimmt. Die reizende Wirkung der verschiedenfarbigen Lichter geht also genau parallel ihrem Gehalt an photochemischer Energie, so daß selbst die Versuche v. Frischs nicht als ein Be- weis für die Anpassung der Fische an die Beleuchtungs- farbe angesehen werden können. 10. Beeinflussung des Farbcnwechsels durch die Augen. Wir haben nun im Folgenden zu untersuchen, welche Rolle das Auge für die koloratorischen Wirkungen des Lichtes spielt. Denn wenn auch, wie im Vorhergehenden gezeigt wurde, das Licht selbst ohne Vermittlung der Augen auf die Chromatophoren einwirken kann, ob direkt oder durch Vermittlung des Nervensystems, ist wenig- stens bei Fischen nicht entschieden , da sichere Versuche über Aus- schaltung der Nervenendorgane bei Fischen nicht vorliegen, so darf daraus nicht gefolgert werden, daß beim freilebenden Tier die- Augen nicht einer der ausschlaggebendsten Faktoren für den Farben- wechsel sind. Die zahlreichen Versuche, welche über diese Frage vorliegen, haben diese Auffassung auch vollauf bestätigt. Die ersten Versuche an doppelseitig geblendeten Exem- plaren von Rhombus und Gobius stellte Pouchet (78, 80) an, der fand, daß RJimnbus nach der Operation eine mittlere dunkle Färbung zeigte, die nicht so dunkel war als jene, welche normale Tiere auf dunklem Grunde erkennen lassen. Diese mittlere Färbung kann sich unbedeutend ändern, die Ursachen für diese Veränderungen sind aber von Pouchet nicht genauer untersucht worden. Die Dunkel- färbung nach doppelseitiger Blendung wurde von Steinach (106, 107) an Forellen und Aalen , sowie von Mayerhofer (70) am Hecht, von Franz (39) an jungen Schollen beobachtet. Dagegen gibt Steinach (106, 107) an, daß er an 2 Goldbutten (Pleuronectes platessä) keine Dunkelfärbung nach Exstirpation beider Augen beobachtet habe. Diese zwei negativen Resultate können aber nicht als beweisend an- gesehen werden, denn die Versuchstiere waren nicht frisch gefangene Tiere, sondern aus dem Berliner Aquarium nach Prag versandt worden, so daß diese negativen Versuche nichts beweisen, zumal keine An- gaben darüber gemacht sind, ob diese Tiere überhaupt noch den normalen Farbenwechsel vor der Operation zeigten. Auch an freilebenden Tieren , die zufällig die Augen verloren hatten, wurde die dunkle Färbung beobachtet, so von Lode (68) an Forellen und von Semper (99) an einem amerikanischen Zwergwels, dem ein Teleskopfisch beide Augen ausgebissen hatte. Bei diesem geblendeten Tier war aber nach einigen Monaten die dunkle Färbung soweit zurückgegangen, daß es sich kaum von einem normalen Tier unterschied, nur der Rücken und die Flossen schienen noch dunkler als normal zu sein. Mit Sempers Beobachtungen ^anz übereinstimmende Resultate erhielt auch v. Frisch (31) nach doppelseitiger Exstirpation der Augen bei Pfrillen und Karauschen. Daß es sich beim Erfolg der Enukleation nicht um die Wirkungen von Nebenverletzungen handelt, bewies v. Frisch dadurch, daß Loslösung der Bulbi aus der Augenhöhle ohne Opticusdurchschneidung keine Farbenveränderung 1454 R. P. Fuchs, bewirkt, ebensowenig wie Eröffnung der Schädelhöhle oder Verletzung des Gehirnes bei Karauschen. Dagegen tritt nach Opticusdurch- schneidung, sowie nach isolierter Durchschneidung des Chiasmas (voll- kommene Kreuzung) Verdunklung der Versuchstiere ein. Partielle Augenverletzungen (Abtragung der Cornea und Iris) bewirken nur mäßige Verdunklung, entsprechend der dabei eintretenden Schädigung des inneren Auges. Auch Verkleben der Augen führt bei Forellen eine allerdings nicht maximale Verdunklung herbei. Bezüglich der Wiederkehr der normalen Färbung bzw. Aufhellung konnte aber v. Frisch weitgehende Unterschiede beob- achten, ja es kann vorkommen, daß einzelne Pfrillen heller werden als normale Kontrolltiere, während andere immer dunkel bleiben. Gewöhnlich ist aber bei Pfrillen eine Woche nach der Blendung die normale Färbung zurückgekehrt. Jedoch besteht insofern ein Unter- schied zwischen normalen und geblendeten Tieren, als normale Tiere unter den gleichen Versuchsbedingungen untereinander ziemlich gleich gefärbt sind, während geblendete Tiere untereinander große Färbungs- differenzen aufweisen, trotz der gleichen Versuchsbedingungen, da die wichtigsten regulatorischen Einflüsse fehlen, nämlich die durch die Augen vermittelten. Bei Salm oniden (S. /aho und salvelinus) hält die Dunklung länger an als bei Pfrillen, sie geht erst nach 1 — 2 Monaten vorüber, Saiblinge scheinen die normale Färbung aber rascher wiederzuerlangen. Das Verhalten geblendeter Tiere gegenüber Licht ist nur von v. Frisch (i32, 34, 35) genauer untersucht worden, wenn wir vom Verhalten der Versuchstiere auf verschiedenem Untergrund hier absehen wollen, da das Verhalten der Untergrundreaktion blinder Tiere später behandelt werden wird. Zwar hatte Mayerhofer (70) angegeben, daß geblendete Hechte keine Veränderung ihrer Farbe zeigen, wenn sie im Dunkelzimmer oder im direkten Sonnenlicht sich befinden ; in beiden Fällen sind sie gleich gefärbt. Aber dieses Resultat, dessen Analyse nicht möglich ist, weil genauere Angaben über die Versuchsbedingungen fehlen, darf keineswegs verallgemeinert werden, wie die Versuche von v. Frisch lehren. Geblendete Pfrillen hellen sich beim Aufenthalt im Dunkeln bereits nach 1 — 3 Minuten auf, bei geblendeten Karauschen verläuft die Aufhellung etw^as langsamer; im Licht wird Phoxinus binnen V2— 3 Minuten stark dunkel. Diese Dunklung durch Licht wird von V. Frisch auf die Erregung des Parietalorgans durch Licht bezogen. An Pfrillen beobachtete v. Frisch, daß bei Wieder- holung der Versuche, wenn die Pfrillen vorher lange am Licht ge- standen haben, dann die durch die neue Belichtung hervorgebrachte Dunkelfärbung des Tieres intensiver ist als vorher. Am frisch ope- rierten Tier ist der durch Verdunklung und Belichtung hervor- zurufende Farbenwechsel nicht so prompt wie später. Zur Auslösung der beschriebenen Reaktion ist aber keineswegs eine voll- ständige Verdunklung notwendig, es genügt eine Aenderung der Intensität des Lichtes; auf diese Intensitätsschwankungen bezieht V. Frisch auch die Erscheinung, daß blinde Karauschen und Pfrillen an sonnigen Tagen sehr dunkel, samtschwarz sind mit lebhaften Schillerfarben, während sie am Abend oder an trüben Tagen blaß, wie sehende Tiere sind. Der Farbenwechsel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. 1455 Bei Perca fluvinülis ist dieser Farben Wechsel geblendeter Tiere zwar bei manchen Exemplaren zu beobachten, bei anderen aber nicht, bei Forellen ist er nur sehr schwach angedeutet, ebenso bei Aalen. Dagegen zeigt Crenilabrus pavo nach seiner Blendung (v. Frisch, 34) eine starke Aufhellung im Dunkeln und Verdunklung im Licht. Für die Lichtreaktion der Pfrillen hat v. Frisch das Parietalorgan als maßgebend nachgewiesen, für die anderen ist aber dieser Beweis von v. Frisch nicht geführt worden, wohl aber hat V. Frisch (34) den Nachweis erbracht, daß bei Crenilabrus rein lokale Lichtwirkungen vorliegen. Wie die ohne Mitwirkung der Augen und des Parietalorgans vorhandenen Reaktionen auf Licht zu erklären sind, ist eine noch der Lösung harrende Frage. Dagegen haben alle Versuche v. Frischs (34, 35) eindeutig er- geben, daß sämtliche geblendeten Tiere {Phoxinus laevis, Crenilabrus roissali, sowie dessen Variation quinquemaculatus und Crenilabrus ocellatus) absolut keine Farbenanpassung an die verschiedenen Reizlichter zeigen, so daß eine Farbenanpassung, soweit man über- haupt von einer solchen reden kann, wie im Vorangehenden aus- geführt wurde, nur durch die Augen vermittelt wird. Zwar scheint es in einer Versuchsreihe (34) an Crenilabrus roissali, als ob auch bei blinden Tieren eine allerdings geringfügige Farbenanpassung vorhanden gewesen wäre, aber die genaue Untersuchung hat ergeben, daß es sich wohl um zufällige, schon vor dem Versuch vorhanden gewesene Differenzen in der Pigmentierung gehandelt haben dürfte. Die Frage, ob das Licht einen Einfluß auf die Pigment- bildung ausübt, wurde von Mayerhofer (70) und Secerov (96) an geblendeten Hechten und Bartgrundeln zu lösen versucht. An geblendeten im Licht gehaltenen Grundein trat nach Secerovs Beobachtungen eine Pigmentierung der normal nicht pigmentierten Bauchseite ein. Auch bei Hechten fand Mayerhofer das Gleiche, indem die normalerweise gegen die Bauchseite zu verlaufenden dunklen Querbänder allmählich immer mehr und mehr gegen die Bauchseite vorrücken und sich mit denen der Gegenseite vereinigen können. Die an den blinden Tieren auf der Bauchseite aufgetretenen Querbänder (Fig. 63) stellen eine Fortsetzung der bei normalen sehenden Tieren an den Seiten vorhandenen Bänder dar. Dagegen zeigen geblendete Hechte, die mehrere Monate im Dunkelzimmer gehalten wurden, keine Pigmentierungen der Bauchseiten. Im Gegenteil, es trat sogar an den früher beim normalen Tier gefärbten Hautstellen ein Abblassen der Färbung ein, das von Mayerhofer nicht auf eine Retraktion des Pigmentes in den Chromatophoren bezogen wird, weil bei Belichtung des Versuchstieres keine Expansion des Pigmentes zu beobachten war. Auf Grund der mikroskopischen Beobachtung nimmt Mayerhofer an, daß es sich um eine Rückbildung des Pigmentes handelt. Im Gegensatz zu diesen Befunden stehen die Beobachtungen von V. Frisch (31), der an geblendeten Pfrillen, Karauschen und Forellen keine Pigmentierung der Bäuche finden konnte, so daß unbedingt neue Versuche zur Entscheidung dieser Frage angestellt werden müssen. Ebensowenig konnte v. Frisch (34) an geblendeten Crenilabrus eine sichere Vermehrung der farbigen Pigmentzellen durch längeres Halten im farbigen Licht nachweisen. Wir haben im folgenden das Verhalten nur einseitig geblendeter Fische bei Belichtung und Verdunklung zu studieren. Pouchet (80), 1456 R. F. Fuchs der einseitige Blendungen (Abtragung eines Auges) an Gobius und Rhombus ausgeführt hatte, konnte nach diesem Eingriff keinen Erfolg auf die Färbung der Versuchstiere und deren Farbenwechsel konstatieren , zu dem gleichen Ergebnis führten die Versuche von Steinach (106, 107) an Pleuronectes platessa und Salmo (fario?, Forelle, deren Art nicht bestimmt ist),^ Mayerhofer (70) an Esox lucius, Cotfus gobio, Perca fluviatüis, Secerov (96) an der Bartgrundel und VAN Rynberk (89) an Bhomboidichthys sowie Solea. Dagegen be- richtet Semper (99), daß ein japanischer Makropode, der im Kampfe mit seinen Aquariengenossen ein Auge verloren hatte, sonst aber keine Störung aufwies, allmählich immer dunkler wurde und vollkommen dunkel blieb bis zu seinem Tode. Da ein genauer anatomischer Be- fund bei diesem Tier aber nicht erhoben wurde, so läßt sich über die Ursachen der Dunklung des ganzen Körpers keine sichere Angabe machen, da ja noch andere Nebenverletzungen vorhanden gewesen sein konnten. Die zuletzt angestellten Versuche v. Frischs (31) über die "Wirkung einseitiger Blendung (Exstirpation oder Verkleben eines Auges) haben zu anderen Ergebnissen geführt. Forellen (v. Frisch verwendete Bachforellen, während Steinach Seeforellen untersuchte), zeigen nach Exstirpation eines Auges zunächst eine rasch vorüber- gehende Dunklung des ganzen Körpers, aber bereits nach wenigen Sekunden tritt eine Dunklung der kontralateralen Körper- hälfte ein, was nach v. Frisch durch die totale Sehnervenkreuzung der Fische erklärt wird. Diese einseitige Verdunklung wurde bis zu 6 Monaten beobachtet, obwohl die Intensität der Dunklung zu ver- schiedenen Zeiten wechseln kann. Aber die Ergebnisse der einseitigen Blendung sind bei der Karausche und Pfrille nicht dieselben wie bei der Forelle, trotzdem auch diese Fische eine totale Sehnervenkreuzung besitzen, denn Karausche und Pfrille zeigen nach ein- seitiger Blendung keine kontralaterale Dunklung, weshalb v. Frisch bei diesen Fischen Kommissurenverbindungen innerhalb des Gehirnes annimmt, ohne aber über den Ort dieser Kommissuren eine Angabe zu machen. Bei Tieren, die nach ein- seitiger Blendung Färbungsunterschiede zeigen, ist die Reaktion der Chromatophoren auf einen Wechsel der Belichtung aber auf beiden Seiten vorhanden, in der Dunkelheit sind beide Seiten gleich hell gefärbt, aber der Färbungsunterschied der beiden Seiten stellt sich wieder ein, wenn das Tier belichtet wird. Es besteht ferner insoweit eine Ver- schiedenheit der Reaktion auf beiden Seiten, als bei Belichtung oder psychischen Reizen die für gewöhnlich dunklere Seite langsamer reagiert als die normale. Diese Differenz der Reaktionsgeschwindig- keit läßt sich meiner Meinung nach ohne weiteres verstehen, da ja für gewöhnlich der Reizeffekt bei gekreuzten Reflexen auf der kontra- lateralen Seite schwächer zu sein pflegt als auf der gleichnamigen Seite, die vom Reiz direkt getroffen wird; ferner sind durch die ein- seitige Blendung auch die Erregungen, durch welche sonst Hemmungen der einen Seite überwunden werden, weggefallen, so daß auf der dunklen Seite die Hemmungen stärker sind als auf der normalen. Dadurch wird ein jeder Reiz auf der normalen Seite eine intensivere Reaktion bewirken als auf der abnorm gehemmten. Saiblinge zeigen nach einseitiger Blendung ein ähnliches Ver- halten wie Forellen, nur sind die Unterschiede der Färbungen auf Der Farbenwechsel und die chromatische Hantfunktion der Tiere. 1457 beiden Seiten weniger ausgesprochen, was wohl damit zusammenhängen dürfte, daß Saiblinge überhaupt einen geringeren Farbenwechsel als die Forellen haben. Nach den Untersuchungen von Bauer über die Wirkung einer teilweisen Lackierung der Augen an Crustaceen (siehe da- selbst) war es interessant, ähnliche Versuche auch an Fischen an- zustellen. An Forellen konnte v. Frisch (31) konstatieren, daß eine Verkleb ung der unteren Augenhälften eine starke Ver- dunklung der Versuchstiere hervorruft, ebenso wie ein dunkler Untergrund; dagegen hat eine Verklebung der oberen Augenhälften keine Dunklung zur Folge. Bei Fischen ist also eine gewisse Dorsiventralität der beiden Netzhauthälften vor- handen, die bei der von Bauer untersuchten Idotea (siehe Crustaceen) fehlt. Die Deutung dieses Gegensatzes sucht v. Frisch damit zu geben, daß Idotea im freilebenden Zustand bald den Rücken, bald den Bauch der Wasseroberfläche, also dem Lichte, zuwendet, so daß bald die obere oder untere Netzhautpartie beleuchtet wird, während die Forelle stets die obere Netzhautpartie (entsprechend der unteren Augenhälfte) dem Grunde zukehrt, während die untere Netzhauthälfte vom Lichte getroffen wird. Die nach Verklebung der unteren Augen- hälften bei gleichzeitiger Belichtung der oberen Augenhälften auf- tretende Verdunklung ist intensiver, als wenn beide Augen vollständig verklebt werden. Es handelt sich um ein Re- sultat, das sich vollständig mit dem von Bauer an Idotea beob- achteten deckt. Selbst die Verklebung der unteren Augenhälfte eines Auges genügt, um eine intensive Dunklung des ganzen Tieres hervor- zubringen, wobei auch noch Färbungsdifferenzen der beiden Seiten hervortraten, wie bei der Enukleation eines Auges. Ferner wirkt Ver- klebung eines ganzen Auges stärker verdunkelnd als Verklebung beider Augen. Wird dagegen bei einem Tier, dessen eines Auge vollständig verklebt ist, die obere Hälfte des zweiten Auges verklebt, so ist es heller, als wenn beide Augen verklebt werden. Wird dagegen bei einem durch Verkleben eines Auges einseitig geblendeten Tiere die untere Hälfte des zweiten Auges verklebt, so wird es dunkler als nach vollständiger Verklebung beider Augen. Alle diese Erscheinungen sollen nach v. Frischs Anschauungen durch Hemmungsvorgänge im Gehirn bedingt sein, aber V. Frisch hat es gänzlich unterlassen, seine Versuchsbefunde im einzelnen auf Grund seiner Annahme von zentralen Hemmungen zu erklären, was gar nicht so leicht ist. Es bedarf sehr komplizierter Hypothesen, wenn wir mit den einzelnen Beobachtungen bei einem Erklärungsversuch nicht in Widerspruch geraten wollen. Verhältnis- mäßig am einfachsten erscheint mir folgende Erklärung. Die Chro- matophoren stehen unter der tonischen Erregung des Kolorations- zentrums in der Medulla oblongata, das die Impulse zur Retraktion des Pigmentes aussendet. Die Intensität dieser Impulse wird geregelt durch ein paariges Hemmungszentrum, das vielleicht im Zwischen- oder Mittelhirn liegt. Mit diesem Hemmungszentrum sind nun die Netzhäute so verbunden, daß die Verdunkelung der oberen Netzhaut- hälfte (entsprechend der unteren Augenhälfte) erregend auf das Hemmungszentrum wirkt, d. h. dessen Wirkung verstärkt. Die Größe der Erregung, welche von der verdunkelten oberen Netzhaut- hälfte zum Hemmungszentrum geleitet wird, hängt aber ab von der Handbuch d. vergl. Physiologie. III, 1. 92 1458 R- F. Fuchs, Kontrastwirkung der sich in der Netzhaut abspielenden Erregungsvorgänge, sie ist durch den Simultankontrast be- stimmt. Die untere Netzhauthälfte hat keine direkte Verbindung mit dem Hemmungszentrum und Kolorationszentrum, da ihre Ausschaltung keine Farbenveränderung hervorruft, sie kann nur durch Kontrast- wirkung die Größe der von der oberen Netzhauthälfte ausgehenden koloratorischen Impulse beeinflussen. Außerdem ist aber nötig, noch anzunehmen, daß jede obere Netzhauthälfte mit den Hemmungszentren der beiden Seiten (oder einem bilateral wirkenden) verbunden ist in der Weise, daß die Hemmung auf der zur Netzhaut gehörigen Körper- hälfte (kontralaterale) größer ist als auf der anderen. Mit Hilfe dieser komplizierten Hypothesen sind wir allerdings imstande, die von V. Frisch beobachteten Erscheinungen vollkommen zu erklären. Im Anschluß an die koloratorischen Wirkungen einseitiger oder partieller Blendungen verdienen auch die Beobachtungen von Ritzema Bos (84) erwähnt zu werden. Sobald bei Pleur onectiden die beiden Augen auf derselben Seite gelegen sind, verliert die augenlose Körperseite ihre Pigmentzellen. Bei einer Pleuronectes (Platessa) flesus war das eine Auge auf seiner Wanderung nur bis an die dorsale Seite des Kopfes gelangt. Die augenlose Seite des Körpers ist nicht so flach wie beim normalen Tier; die rechte (normale) Körperseite zeigt die gewöhnliche Färbung und Farbenwechsel, dagegen ist die linke Körperseite größtenteils dunkel, fast schwarz, und zeigt keinen Farbenwechsel. Nur der vordere Abschnitt des Rückens, der sich unmittelbar an den Kopf anschließt, zeigt eine hellere Farbe und Chromatophorenfunktion. Die linke Seite des Kopfes ist bis auf die Kiemenspalte ganz weiß wie bei einer normalen Flunder. Wenn also die Wanderung des einen Auges von der Unter- nach der Oberseite vor Erreichung des Endzieles an einem Punkt zum Stillstand kommt, so bleibt die Entfärbung der Unterseite aus. 11. Die koloratorische Wirkung des Untergrundes. a) Die Helligkeit des Untergrundes. Schon die Analyse der Effekte partieller Augenverklebungen führt uns zu dem bereits vielfach gestreiften Problem der Untergrund- wirkung auf die Eise hfärbung, welche von einer großen Reihe von Forschern studiert worden ist. Bereits der erste Untersucher dieser Frage, Stark (105), fand, daß Leuciscus phoxinus (Pfrille), Gasterosteus aculeatus, Cohitis barbatula und Perca fluviatiUs in einer weißen Schüssel sehr hell wurden, während sie in einer schwarzen Schüssel sehr dunkel wurden. Eine Dunklung trat auch ein, wenn ein die Versuchstiere enthaltendes Glasgefäß auf ein schwarzes Tuch gestellt wurde. Allerdings hat Stark bei seinen Versuchen nicht die besondere Wirkung des Untergrundes hervorgehoben, sondern die eintretende Färbung nur als Anpassung an die Umgebung bezeichnet. Dagegen hat bereits Shaw (100) wenige Jahre später betont, daß Lachse, die sich an einer Stelle des Flusses ruhig hielten, immer die Farbe des Untergrundes zeigen ; schwimmen sie an eine andere Stelle, dann nehmen sie allmählich eine entsprechende Färbung an. Auch der Versuch mit schwarzen und weißen Becken wurden angestellt, wobei eine Uebereinstimmung der Färbung „mit der Farbe der Oberfläche ein- tritt, auf der der Fisch lebt". Damit war die Anpassung der Fisch- Der Farbenwechsel und die chromatische Hautfunktion der Tiere, 1459 färbung an die Farbe des Untergrundes bereits im Jahre 1838 voll- kommen klar ausgesprochen. Die Anpassung der Fische* an die Helligkeit des Grundes ist von fast allen Autoren, die diese Frage an den verschiedensten Fischen geprüft haben, gefunden worden, und zwar werden die Fische auf einem hellen Grund hell und auf einem dunklen Grund dunkel. Es wurden folgende Teleostier untersucht: Perca fluviatUis (de Ves- covi, HO), Crenilabrus melops (Gamble, 41), Esox lucius (Mayer- hofer, 70), Leuciscus phoxinus (de Vescovi, 110), Phoxinus laevis (Leydig, 64), Mugil cephalus (de Vescovi, 110), Cohiüs barbatula (de Vescovi, 110), Rhombus (Pouchet, 78, 80), Solea impar, monachir, vulgaris, Kteinii (van Rynberk, 89; Franz, 30), Rhomboldichthys (van E.ynberk, 89), Pleuronectes maximus (van Rynberk, 91), Ga- sterosteus aculeatus (de Vescovi, 110), Gobius caplto (de Vescovi, HO; Pouchet, 80), Gobius Ruihensparri (Heincke, 45), Blennius Montagui (Pouchet, 80; de Vescovi,^ 110), Scorpaena porcus (de Vescovi, HO), Nemachilus barbatula (Secerov, 96; v. Frisch, 34). Allerdings geben die verschiedenen Autoren an, daß nicht alle Arten gleich stark und gleich schnell auf den Untergrund reagieren, so z. B. reagieren nach van Rynberk (89) Solea vulgaris und Solea Kleinii viel schwächer auf den Untergrund als Solea impar oder monachir. Andererseits ist die Reaktion bei Rhombus eine sehr rasche (Pouchet, 80), besonders rasch soll sie bei den am Grunde lebenden Fischen sein, aber auch beim Hecht ist sie nach Mayerhofers (70) Beobachtungen sehr rasch, denn auf hellem Grund und bei Beleuch- tung mit direktem Sonnenlicht tritt die Aufhellung bereits nach V2 — 1 Minute ein. Die Reaktion ist um so rascher, je intensiver der Kontrast zwischen den beiden belichteten und nicht belichteten Netz- hauthälften ist. Auf die Geschwindigkeit, mit der die Anpassung an den Untergrund stattfindet, ist die U e b u n g von großem Einfluß, wie Pouchet (78) zuerst gezeigt hat. Ein Rhombus, der längere Zeit auf weißem Sandboden gelebt hatte, brauchte 4 Tage, um sich einem dunkelbraunen Grunde anzupassen ; bei öfterer Wiederholung der Anpassungsversuche auf hellem und dunklem Untergrund wurde die dazu erforderliche Zeit immer kürzer, bis endlich zur Anpassung an den dunklen Grund nur noch 2 Stunden erforderlich waren, van Rynberk (89) bestätigt die Angaben Pouchets für verschiedene Pleuronectiden, die frisch gefangen einen langsameren Farben- wechsel haben, als nach einiger Uebung, denn die Anpassung eines dunklen frisch gefangenen Tieres an einen hellen Untergrund (Marmor- boden) beanspruchte zuerst 3 Tage; nach einiger Uebung brauchte das Tier nur noch einige Minuten, ja sogar Sekunden. Bei den Färbungsveränderungen, die ein dunkler Untergrund hervorbringt, handelt es sich nicht immer um ein diffuses Dunkelwerden der Fische, sondern es kann sich dabei auch um Zeichnungs- änderungen handeln, denn beim Hecht (Mayerhofer, 70) bewirkt ein dunkler Untergrund eine Zunahme der Dunkelheit der grünen Querbänder, während die zwischen den Bändern gelegenen Haut- partien abblassen. Ferner hat Sumner (108) (in einer mir leider im Original nicht zugänglichen Arbeit) beschrieben, daß Pleuronec- tiden auf einem homogenen dunklen Grunde eine mehr gleichmäßig dunkle Färbung annehmen, während auf einem gesprenkelten Boden verschiedene Zeichnungen auftreten, je nach der feineren oder gröberen 92* 1460 R. F. Fuchs, Textur des Bodens, aber das „Muster auf der Haut bleibt annähernd dasselbe, gleichgültig, welche Zeichnung man dem Boden gibt". Es wurde schon bei den Ausführungen über die normale Fischzeichnung erwähnt, daß Zeichnungen auch durch verschieden starken Tonus der Chromatophoren in einzelnen Hautbezirken bedingt sein können. Wenn nun ein Tier, das solche Zeichnungen normalerweise hat, auf einen dunklen oder hellen Grund kommt, dann reagieren die tonisch ver- schieden innervierten Zellen auch verschieden stark, so daß die Zeich- nung bald stärker, bald undeutlicher hervortritt. Mayerhofer (70) hat an abgezogenen Hautstücken durch mikroskopische Beobachtung festgestellt, daß die Zahl der Chromatophoren in den dunklen Bändern des Hechtes die gleiche ist wie in den hellen Zwischenräumen. b) Die Farbe des Untergrundes. Auch die Frage, ob die Fische sich der Farbe des Unter- grundes anzupassen vermögen, ist vielfach untersucht worden und von der Mehrzahl der Autoren bejaht worden. Zuerst wurde die Anpassung an einen farbigen Grund von Heincke (45) an Gohius ButJiensparri untersucht. Obwohl Heincke aus seinen Versuchen den Schluß zieht, daß sich ein Versuchstier der Farbe des Grundes anpaßt, so ist diese Deutung der Beobachtungen doch sehr einzu- schränken. Denn Heincke sah nur auf rotem Grunde ein Rötlich- werden der Tiere, weil sich die schwarzen Chromatophoren mehr retrahiert hatten als die gelben und roten, während auf blauem und hellgrünem Grund die Fische durchscheinend werden, wegen der Kon- traktion aller Chromatophoren und deshalb in der Farbe des Grundes erscheinen. Da Heincke keine Messungen der Licht inten sitäten des Grundes angestellt hat, so kann er nicht angeben, ob es sich in seinen Versuchen nicht nur um Reaktionen auf verschiedene Helligkeiten des Grundes handelt, die mit einer Farben- anpassung absolut nichts zu tun haben. Secerov (96) war durch sehr mangelhafte Versuche gleichfalls zu dem Resultat gekommen, daß seine Versuchstiere (Nemachilus barhatula) sich wenigstens inner- halb gewisser Grenzen an die Farbe des Grundes anzupassen ver- mögen, ja Secerov geht sogar so weit, an isolierten Hau t stücken eine Anpassung an die Farbe des Grundes zu behaupten, weil Hautstücke, die er lange genug im Licht auf gelbem Papier liegen ließ, eine gelbliche Färbung annahmen. Ich habe schon bei Behandlung der Fragen über die Pigmentbildung hervorgehoben, daß es sich hier um Fäulniserschein uu gen handeln dürfte, aber niemals um eine Farbenanpassung an den Grund. Neuerdings hat y. Frisch (34) auch den experimentellen Nachweis gebracht, daß Secerovs Behauptung über die Farbenanpassung isolierter Hautstücke absolut unrichtig ist, daß das Gelbwerden der Melanophoren nur durch Fäulnis bedingt ist. Auch Gambltes (41) Versuche an Crenüahrus melops, Gohius und Larven von Lepidogaster haben keine Beweise für die Anpassung der Fischfarben an die Farben des Untergrundes erbracht, denn die be- obachteten Farbenreaktionen sieht GtAMBle selbst nur als Reak- tionen der Versuchstiere auf einen hellen oder dunklen Unter- grund an. Ebensowenig kann van Rynberks (91) Angabe, daß sich Fleuronectes maximus der Farbe des Grundes anpaßt, irgendwie als Der rarbenwechsel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. 1461 beweisend angesehen werden, denn die beschriebenen Farbenverände- rungen der Tiere sind nur geringe, die allein durch verschiedene Expansions- bzw. Retraktionsgrade der Melanophoren bedingt werden können, ferner fehlt auch in van Rynberks Versuchen jeglicher Beweis dafür, daß es sich bei seinen Beobachtungen nicht um Reak- tionen auf die Helligkeit des Grundes handelt, und endlich hat VAN Rynberk selbst gezeigt, daß für die Vollkommenheit der Farben- anpassung seiner Versuchstiere die vom Grunde vermittelten Tast- empfindungen sehr wesentlich sind, da durch das Ueberdecken des Saudgrundes mit einer Glasplatte die Farbenanpassung nicht mehr genügend ist ; es zeigt dann das Versuchstier einen deutlichen Unter- schied gegenüber dem Grunde. Erst die Versuche von v. Frisch (33, 34, 36) haben mit einer exakteren Versuchstechnik sich bemüht, den Nachweis zu erbringen, daß sowohl Pfrillen, Bartgrundeln als auch Crenilabrus eine Anpassung an die Farbe des Grundes zeigen, die nicht als Reaktion auf die Helligkeit des Grundes angesehen werden kann. Ich selbst (Fuchs, 40) kann v. Frisch nur insoweit beipflichten, daß die von ihm besonders an Pfrillen beobachteten Erscheinungen der Farben- anpassung bis zu einem gewissen Grade von der Helligkeit des Grundes unabhängig zu sein scheinen, daß aber auch v. Frischs Versuche keinen bindenden Beweis dafür erbracht haben, daß es sich dabei tatsächlich nur um eine Anpassung an die Farbe des Grundes handelt. In seinen ersten Versuchen über Anpassung an die Farbe des Grundes verwendete v. Frisch (34) farbige Papiere, deren Hellig- keiten nicht bestimmt worden sind. Seine Versuchsergebnisse lauten dahin, daß die Pfrillen auf rotem oder gelbem Grund eine Expansion ihrer gelben und roten Chromatophoren zeigen, daß andererseits ein grüner, blauer oder violetter Grund nicht anders als ein grauer Grund von bestimmter Helligkeit wirkt. Die gleichen Ergebnisse lieferten auch Versuche, in denen an Stelle der farbigen Papiere Farblösungen als Untergrund verwendet wurden. Es ist also v. Frisch nicht einmal gelungen, auf gelbem Grund nur die gelben und auf rotem Grund nur die roten Chromatophoren allein zur Expansion zu bringen, wenn wir von der Wirkungslosigkeit der übrigen Farben ganz absehen. Es hat also die Pfrille nicht einmal innerhalb der Grenzen, wo eine Farbenanpassung wegen des Vorhandenseins entsprechend gefärbter Chromatophoren möglich wäre, sich der Färbung des Grundes angepaßt. Da namentlich die Helligkeit des farbigen Grundes auch als Fehlerquelle mit in Betracht kommen könnte, so hat sich V. Frisch (33, 36) bemüht, diesen Fehler bei neuerlichen Versuchen möglichst auszuschalten, wobei er folgendermaßen verfuhr. Es wurde eine Reihe gelber Papiere von gleicher Farbenqualität, aber verschie- dener Helligkeit hergestellt, deren Helligkeit so verschieden war, daß eine Pfrille, wenn sie von dem dunkelgelben auf das heilere gesetzt wurde, sich deutlich aufhellte und beim V'^ersetzen auf ein dunkler gelbes Papier sich verdunkelte. Dann wurde ein graues Papier aus- gesucht, das der Helligkeit des zu prüfenden gelben Papieres ent- sprach, indem die Pfrille beim Versetzen vom gelben Papier auf das graue und umgekehrt keine Helligkeitsänderungen zeigt. Die Pfrillen expandieren nun bei längerem Verweilen auf allen gelben Papieren, gleichgültig, wie hell sie sind, stets ihre farbigen 1462 R. F. Fuchs, Pigmentzellen, während sie auf dem grauen Papier stets kontrahiert sind. Auch in dem Falle, wo auf einem grauen und gelben Papier die Pfrillen zunächst gleich hell sind, wo also v. Frisch gleiche Helligkeit der beiden Papiere annimmt, wird die Pfrille nach längerem Verweilen auf dem gelben Papier rot gefärbt, während auf dem grauen Papier keine Rotfärbung eintritt. „Die Ex- pansion der roten Pigmentzellen ist also innerhalb weiter Grenzen unabhängig vom Helligkeitswert des Untergrundes und allein abhängig von seinem Farbwert." Ich habe bereits an anderer Stelle (Fuchs, 40) ausgeführt, daß dieser Schluß nicht streng bewiesen ist, soweit er sagt, es bestehe eine Abhängigkeit vom „Farbwert". Um diese Frage diskutieren zu können, muß zunächst hervorgehoben werden, daß alle Untergrund- reaktionen, gleichgültig ob auf Helligkeiten oder auf Farben an sehenden Tieren vorhanden sind, an geblendeten aber vollkommen fehlen, also durch die Augen vermittelt werden (Pouchet, 78; van Rynberk, 91 ; v. Frisch, 33, 34). Die abweichenden Angaben von Secerov (96, 97) sind offenbar durch zufällige Versuchsfehler, bzw. Zufälligkeiten bedingt. Wir haben also zu untersuchen, welche Qualitäten des gelben Untergrundes eine Erregung der Netzhaut hervorbringen können. Diese letztere ist abhängig von der Helligkeit, vielleicht von der Farbe, also Wellenlänge, sowie von ihrem Gehalt an photochemisch wirksamer Energie, wenn wir die thermischen Strahlen außer acht lassen. Die Intensität der Erregung ist also eine sehr komplizierte S um m e von Wirkungen. Der Gehalt an photochemischer Energie nimmt ab mit der Zunahme der Wellenlänge; also ist in einem gleich hellen Gelb eine geringere photochemische Energie als in einem gleich hellen Grau; es kann demnach die vom Grau ausgelöste Reizung gerade noch hinreichen, um neben den Melanophoren auch noch die schwerer reagierenden farbigen Chromatophoren zur Retraktion zu bringen, während der gelbe Grund nur so stark reizend wirkt, daß zwar die Melanophoren, aber nicht mehr die farbigen Pigmentzellen retrahiert werden. Denn daran müssen wir festhalten, daß der Ex- pansionszustand der Ruhe und der Retraktionszustand der Erregung der Chromatophoren entspricht. Da nun der Gehalt an photochemischer Energie nicht einfach proportional der Helligkeit ist, so können selbst- verständlich sehr verschiedene Grau zu einer Retraktion aller Chromatophoren ausreichen, während verschieden helle Gelb zwar ver- schiedene Retraktionszustände der Melanophoren bewirken, aber für die farbigen Chromatophoren sind alle Gelb noch u n t e r s c h w^ e 1 1 i g e Reize. Dieser Einwand ist in den Versuchen v. Frischs (36) nicht widerlegt, und darum kann es nicht als bewiesen gelten, daß der „Farbwert" des Grundes die „Farbenanpassun g" bedingt. Zudem wird wohl niemand behaupten wollen, daß eine extreme Ex- pansion der roten Chromatophoren eine Farbenanpassung an einen gelben Grund darstellt. Auf Grund aller Versuche komme ich zu dem Ergebnis, daß eine wirkliche Farbenanpassung an die Farbe des Grundes bisher noch nicht beobachtet worden ist. Eine sehr interessante Abänderung der Untergrundreaktion hat BuYTENDiiJK (15) an Tarbutten beobachtet. Wenn man ein Tier, dem ein Auge exstirpiert worden ist auf einen hellen oder dunklen Der Farbenwechsel und die chromatisclie Hautfiinktion der Tiere. 1463 Untergrund bringt, so paßt es sich in der bereits geschilderten Weise der Helligkeit des Grundes an. Exstirpiert man nun, nachdem die Anpassung an den Untergrund erfolgt ist, das zweite Auge, so tritt keine Veränderung der Färbung auf. Die Tiere bleiben nun wochenlang trotz doppelseitiger Blendung so ge- färbt, wie es der Anpassung an den Untergrund vor der zweiten Operation entsprach. Buytendiijk glaubt, diese Erscheinung damit erklärt zu haben, wenn er annimmt, daß die Verdunklung des Ge- sichtsfeldes keinen Reiz darstellt. Diese einfache Annahme wider- spricht aber so vielen Tatsachen, insbesondere den Ergebnissen der Versuche von v. Frisch (31) über die partielle Verklebung der Augen, welche den Schlüssel zur Lösung des Untergrundproblems enthalten. Literatur. (Fische.) 1. 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E., Nocturnal and diurnal changes in the colors of certain fishes and of the squid (Loligo) with notes on their sleeping habits. The Amer. Joum. of Sc, Ser. 4. Vol. 3, Vol. 153.(1897). 110. de Vescovi, Pietro, Nota preliminare sulle funzioni cromatiche dei pesci. Atti del Reale Istituto Veneto di Sc, Lettre ed Arti, Tomo 4, Äer. 6 Venezia 1885/86. 111. Vogt, C, Embryologie des Salmons, in L. Agassiz, Histoire naturelle des pois- sons d'eau douce de l'Europe centrale, Neuchdtel 1842. 112. Voit, Carl, Ueber die in den Schuppen und der Schwimmblase von Fischen vor- kommenden irisierenden Kristalle. Ztschr. f. wiss. Zool., Bd. 15 (1865). 113. Weher, Max, Anatomisches über Trichonisciden, zugleich ein Beitrag zur Frage nach der Bedeutung der Chromatophoren, Pigmente und verzweigten Zellen der Hautdecke. Arch. f. mikrosk. Anat., Bd. 19 (1881). 114. Wenckebach, K. F., Beiträge zur Enttvicklungsgeschichte der Knochenfische. Arch. f. mikrosk. Anat. u. Entw.-Gesch., Bd. 28 (1886). 115. Wiener, Otto, Farbenphotographic durch Körperfarben und mechanische Farben- anpassung in der Natur. Ann. d. Phys. u. Chem., N. F. Bd. 55 (1895)., 116. V. Wittich, Ueber den Metallglanz der Fische. Arch. f. Anat., Physiol. u. wiss. Med., Jahrg. I854. 117. V. Zeynek, Rieh., Ueber den blauen Farbstoff aus den Flossen des Crenilabrus pavo. Ztschr. f. physiol. Chem., Bd. 34 (1901 j 02). 118. — Idem. Ebenda, Bd. 36 (1902). Der Farbenwechsel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. 1467 119. Zimnierniann, lieber die Kontraktion der Pigmentzellen der Knochenfische. Ver- handl. d. Anat. Ges. a. d. 7. Vers, in Göttingen, 1893. 120. — Studien über die Pigmentzelle. I. lieber die Anordnung des Archiplasma in den Pigmentzellen der Knochenfische. Arch. f. mikrosk. Anat. u. Entw. -Gesch., Bd. ^1 (1898). III. Amphibien. A. Einleitung. Bevor wir in die systematische Behandlung der einzelnen Fragen des Farbenwechsels der Amphibien eintreten, soll eine kurze histo- rische Uebersicht über die Entwicklung unserer Kenntnisse auf diesem Gebiete gegeben werden. Ob der Farbenwechsel der Amphibien den Naturforschern der früheren Jahrhunderte gänzlich unbekannt war, ist nicht zu ent- scheiden. Aber so viel ist sicher, daß die erste wissenschaftliche Be- schreibung dieser Erscheinung sich erst bei Roesel von Rosenhof (104) findet in seiner wissenschaftlich wie künstlerisch gleich wunder- vollen Historia naturalis ranarum nostratium, welche 1758 in Nürn- berg erschienen ist. Allerdings erwähnt van Rynberk (105), daß bereits Vallisnieri 1715 in einem Anhang zu seiner Istoria del Camaleonte ein Bräunlich werden der Frösche beschreibt, das er auf eine veränderte Stimmung des Nervensystems zurückführt. Leider habe ich diese Stelle beim Durchlesen des VALLisNiERischen Buches wohl übersehen, so daß ich mich auf van Rynberks Zitat stützen muß. Roesel von Rosenhof hat die Farben der um Nürnberg frei- lebenden Frösche und Kröten sehr eingehend beschrieben und abge- bildet und erwähnt auch besonders die Farbenveränderungen, welche die Froschlarven während ihrer Metamorphose durchmachen, daß die ursprünglich schwarzen Larven der Rana iemporaria später braun werden und helle Punkte erhalten. Besonders auffallend waren Roesel die „bedeutenden" Farbenveränderungen des Laubfrosches nach der Laichzeit, „dabei legt der Frosch seine Haut ab", und „das tun auch die freilebenden Frösche alle Tage". Auch bei den Laubfröschen werden die ursprünglich dunklen Larven immer heller und zeigen am Rücken immer deutlicher die grüne Färbung. Ebenso erwähnt Roesel die schön grüne Färbung von Rana esculenta nach der Paarung, während sie außer dieser Zeit bald heller, bald dunkler ist. Endlich hat er auch bei Bufo variabilis Farbenveränderungen beschrieben, die durch die Häutung bedingt sein sollen. Kaum 10 Jahre später hat Pallas (97) den Farbenwechsel von Rana variabilis (offenbar Bufo varinbiUs oder viridis) beschrieben und ihn mit dem des Chamäleons verglichen — et ad illustranda ea, quae in Chamaeleonte miramur, phoenomena mutationis colorum insigniter faciant. Ihm war auch die Farbenveränderung auf m ech an ische Reize bekannt, denn er berichtet: Posteaquam vero contactu sese inquietam sensit, toto corpore inflari visa est et albus color simul in cinereum (aschgrau) divertissimum mutabatur, persistente tamen ma- cularum virore atque fulvetudine verrucarum. Offenbar hat Pallas, von Vallisnieri beeinflußt, auch bei Kröten das Aufblähen als 1468 R. F. Fuchs, Ursache des Farbenwechsels angesehen, außerdem ist es aber inter- essant, zu erfahren, daß Pallas bereits Zeichnungen unterschied, die beim Farbenwechsel sich nicht änderten. Auch der Einfluß der Be- lichtung, Temperatur und Trockenheit der Haut auf die Färbung ist Pallas nicht entgangen , wie nachstehendes Zitat be- weist: Alteram deinde adhuc majorem colorem alterationem efficere solebat Solls ardor, quem maxime aversabatur atque fugiebat animal, et qui constrictione forsitan pororum atque siccitate cutis inducta, totius sensim corporis variegati colorem mutabat in uniformem cinereum, cum visibili animalis detrimento et inquietudine, omnique pulchritudinis extinctione. Aber auch den Einfluß des Nerven- systems, bezw. des Schlafes erwähnt Pallas: Primum enim . . . somni tempore macularum color viridis abitat in supra memoratum cinereum, persistente simul naturali inter maculas albedine, ut virorem istum solo animalis vigilantis vigori vitali attribuendum esse diceres. Auch Schneider (106) hat den Farbenveränderungen der Am- phibien große Aufmerksamkeit geschenkt. Vor allem waren auch diesem Forscher die starken Farben Veränderungen zur Zeit der Ge- schlechtsperiode aufgefallen, die er gleichfalls mit der Häutung in Zusammenhang bringt. Von Rana esculenta berichtet er: Pul- cherrimus vero corporis color per tempora coitus efflorescere, idem- que depositis exuviis enitscere solet. Und von Calamita arboreus (wohl Bufo calamita?) sagt er: Colorem viridem post coitum, et pullus non- dum adultus saepius, cum cute mutat. Auch der Einfluß der Jahres- zeit auf die Färbung ist Schneider bekannt, denn Bufo viridis, der im Winter in der Erde lebt, hat seine grüne Fleckenzeichnung ver- loren — nee ullum macularum viridium vestigium aderat. Außer- dem ist aber auch die Feuchtigkeit und Aufblähung der Haut von größter Bedeutung für die Färbung. Vero similius est colorem ranarum mirum in modum in cute humida et eff'uso muco lubrica vel sicca variari, diversum etiam per cutem, humore absorpto tumidam vel inspirato largiter aere sufflatam, color transparere debet. Ferner möchte ich von den älteren Forschern noch Gloger (52) erwähnen, welcher in seiner Wirbeltierfauna Schlesiens viele Farben- varietäten beschreibt, doch scheint er Beobachtungen über den Farben- wechsel nicht angestellt zu haben, aber er hat die wichtige biolo- gische Bedeutung der Färbungsprobleme erkannt, indem er schreibt: „Schon allein Untersuchungen über die Art und mitwirkenden Umstände des Abänderns der Färbung und Zeichnung unserer Am- phibien nach Alter und Jahreszeit und nach allen wechselnden äußeren Verhältnissen könnte jahrelangen Stoff zu einer Beschäftigung liefern, deren Ergebnis ebenso wichtig und einflußreich für die systematische Feststellung der Formen , wie für die Physiologie und Lebensge- schichte dieser Geschöpfe ausfallen müßte." Endlich seien noch auf die Beschreibungen des Farbenwechsels von Dumeril und Bibron (22) hingewiesen, welche gleichfalls die Verände- rungen der Farbe während der Geschlechtsperiode und unter beson- deren äußeren Einflüssen erwähnen. Eine neue Vertiefung hat die Chromatophorenforschung erst er- fahren, nachdem die histologischen Elemente der Färbung, die Pig- mentzellen, bei den Amphibien festgestellt worden waren, welches Verdienst unzweifelhaft Ascherson (2) gebührt, der die „verästelten Pigmentzellen'' bei Rana temporaria und esculenta beschrieb , deren Der Parbenwechsel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. 14(>9 verschiedenen Formen (Kugelforni oder Verästelung) er für verschie- dene „Entwicklungsstadien" der Zellen ansah. Er unterschied bereits die weißen Pigmentzellen der Bauchseite, zwischen denen sich vereinzelte schwarze Pigmentzellen vorfinden. Aber eine Erklärung des Farbenwechsels brachte diese Arbeit nicht. Dies blieb erst einer vollkommen unbeachtet gebliebenen kurzen Mitteilung Pouch ets (99) vorbehalten, der die Struktur der Haut des Laubfrosches einer ge- nauen mikroskopischen Beobachtung unterzog und fast alle für den Farbenwechsel der Amphibien wesentlichen Punkte der Hautstruktur bereits im Prinzip erkannt hatte. Er fand, daß die Haut zwei Lagen von Farbzellen enthält, eine oberflächliche und eine tiefe, von denen die oberflächliche Schicht aus kleinen, im Lichte lebhaft glänzenden polyedrischen Plättchen besteht, während die tiefer gelegene Schicht dicker ist und das dunkle Pigment enthält, das Strahlen- oder Pinsel- form zeigt und mit seinen feinen Verzweigungen in den Maschen des Hautnetzes endigt. Der Farbenwechsel des Laubfrosches, den Pouchet mit jenem des Chamäleons und der anderen Saurier vergleicht, kommt dadurch zustande, daß die dunklen Pigmentbüschel der unteren Lage sich gegen die Oberfläche zu ausdehnen und die kleinen Elemente der oberflächlichen Lage verdecken. Dadurch wird das Tier dunkel, durch Zurückziehen der Fortsätze in die tiefen Lagen wird das Tier wieder hell. Aber bereits vor Pouchets histologischer Arbeit hatte Axmann (4) begonnen, den Farben Wechsel der Frösche experimentell zu studieren (die Versuche waren bereits 1846 und 1847 ausgeführt worden), und den Einfluß des Nervensj^stem s auf den Farben - Wechsel der Frösche festzustellen versucht. Durchschneidung der Ischiadicuswurzeln zwischen Spinalganglion und Zutrittsstelle des Ramus communicans führt Erblassen der Haut herbei, dagegen ist die Durchtrennung des Ramus communicans, sowie die Durchschnei- dung der vorderen und hinteren Wurzeln zentral vom Ganglion ohne Färbungserfolg, weshalb Axmann annimmt, daß vom Spinalganglion ständig trophische Einflüsse auf die Chromatophoren ausgeübt werden, nach deren Wegfall eine trophische Störung der Chromatophoren ein- tritt, welche zu einem Schwinden der Fortsätze führt. Da sich auch sonst Veränderungen der Haut (Oedeme) eingestellt haben, so ergibt sich, daß hier komplizierte pathologische Prozesse vorlagen, welche die richtige Deutung der AxMANNSchen Versuche unmöglich machen. Brücke (15) gebührt das Verdienst, das zweite wichtige Element der Färbung die „Interf er enz z eilen" bei Hyla genauer studiert zu haben und das Auftreten der grünen Farbe auf diese Zellen zurück- geführt zu haben, da ihm auch der gelbe Farbstoff bekannt war. Aber eine genauere Analyse des Farbenwechsels der Frösche hat er nicht durchgeführt. Unabhängig von Brückes Beobachtungen hat Harless (58) seine Untersuchungen über den Farbenwechsel von Hyla angestellt, welche in vieler Beziehung schwere Irrtümer enthalten ; Harless unterscheidet schwarze, gelbe und lichtbraune Chromatophoren und erkennt ganz richtig, daß beim Farben Wechsel das Verdecken der gelben Chromatophoren eine wichtige Rolle spielt, aber über den Me- chanismus des Farbenwechsels hegt er ganz falsche Vorstellungen, indem er den blaßbraunen Intsrferenzzellen einen flüssigen Inhalt zuschreibt, dessen Schichtendicke durch elastische Kräfte der 1470 K F. Fuchs, Zelle verändert wird und so verschiedene Interferenzfarben erzeugt. "Weniger irrig sind seine Vorstellungen von den Gestaltveränderungen der schwarzen Pigmentzellen, von deren Bewegungen das Gelb- und Dunkelwerden der Haut abhängt. Diese Bewegungen der Chro- matophoreu stehen unter dem Einfluß des Nerven- systems, da bei Zerstörung des Rückenmarkes und Gehirns an Stelle des Grün eine schmutzig- ockergelbe Farbe auftritt. Lokale elek- trische Hautreizungen bringen Aufhellung hervor. Viel wertvoller sind die Arbeiten v. Wittichs (129, 130) über den Farbenwechsel der Frösche, die gleichzeitig mit der von Harless er- schienen. Zunächst wird nachgewiesen, daß es gelbe Pigment- zellen und gesonderte Zellen, in denen die Interferenz- körnchen enthalten sind, gibt. Diese letzteren Zellen sind in der Rückenhaut nur spärlich zu finden , dagegen in der Bauchhaut sehr häufig, wo sie den metallischen Silberglanz erzeugen. Wenn auch die Beziehungen der Interferenzkörner zu den gelben Chromatophoren nicht richtig erfaßt wurden, indem v. Wittich beide — gelbes Pig- ment und Interferenzkörner — auf verschiedene Zellen verteilte, so hat doch bereits v. W^ittich einen Zusammenhang zwischen beiden Zellarten angenommen, indem er die Meinung aussprach, daß die Interferenzzellen aus den gelben Chromatophoren entstehen , mithin beide Zellen verschiedene Entwicklungsstufen einer gemeinsamen Zell- form darstellen. Endlich ist noch die tiefstgelegene Schicht der ver- zweigten dunklen Pigmentzellen vorhanden. Die grüne Färbung der Frösche ist keine Interferenzfarbe, wie Brücke annahm, sondern sie rührt von trüben Medien her, die durch die Epidermis und gelbe Chromatophorenschicht gebildet werden, wodurch die dunklen Pig- mentzellen blau erscheinen und mit den davorliegenden gelben Zellen die grüne Subtraktionsfarbe geben. Denn der gelbe Farbstoff kann durch Alkohol aus der Haut extrahiert werden, weshalb ältere Spiritus- präparate von grünen Fröschen bläulich gefärbt erscheinen. Ueber- deckt man diese Präparate mit gelbem Seidenpapier, so tritt wieder die ursprüngliche grüne Farbe auf. Aber auch der experimentellen Erforschung des Farbe n - wechseis wandte sich v. Wittich mit gleich großem Erfolg zu, so daß seine Versuche als die Grundlage unserer Kenntnisse vom Farbenwechsel der Amphibien anzusehen sind. Er stellte den auf- hellenden Einfluß des Lichtes und psychischer Reize fest, die aulhellende Wirkung elektrischer Reizung der Haut und Nerven. Aber trotz der Beeinflussung der Chromatophoren vom Zentralnerven- system kommt den Pigmentzellen doch auch eine funktionelle Selbständigkeit zu, da selbst isolierte Hautstücke eine mecha- nische, elektrische und photische Reizbarkeit in hohem Maße eine Zeit- lang bewahren. Gleichzeitig mit den grundlegenden Untersuchungen v. Wittichs erschienen die auf Veranlassung von Virchow (119) ausgeführten Versuche von Lothar Meyer (90), welche die irrtümlichen Anschau- ungen AxMANNs widerlegten , daß das Verschwinden der Fortsätze der dunklen Pigmentzellen nach Nervendurchschneidung ein Zeichen der Atrophie sei, sondern Meyer nahm wie v. Wittich an, daß es sich um Pigmentbewegungen innerhalb der Zellen handle. Ferner wurde der regulierende Einfluß des sympathischen Der Farbenwechsel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. 1471 Nervensystems auf die durch das Licht hervorgebrachten Farben- veränderungen erkannt. Einen weiteren Fortschritt bedeutet die Arbeit von Busch (16), nicht etwa deshalb, weil er an Froschlarven und Tritonenlarven die amöboide Natur der schwarzen Pigmentzellen festgestellt zu haben glaubte, sondern vor allem deshalb, weil er zuerst den Einfluß des Blutkreislaufes auf den jeweiligen Ballungszustand der Pigment- zellen erkannt hatte. Die volle Bedeutung dieses Faktors wurde aber erst durch die ganz hervorragenden Arbeiten des genialen Joseph Lister (82, 83) klargestellt, der sich ganz entschieden gegen die damals herrschende Anschauung von der amöboiden Natur der Pigmentzellen wendet und überzeugend nachzuweisen versucht, daß alle bisher als amöboide Formveränderungen betrachteten Erschei- nungen auf Strömungen des Pigmentes innerhalb der Zellen zurückzuführen sind, da es ihm gelang, pigment freie bzw. nur mit spärlichen Pigmentresten versehene Fortsätze zu beob- achten. Ferner hat Lister den ballenden Einfluß der Unterbrechung des Blutkreislaufes in einer Reihe scharfsinniger Experimente nach- gewiesen und in diesem Faktor auch die Ursache der postmor- talen Pigmentballung erkannt. Lister richtete dann vor allem sein Augenmerk auf den Einfluß des zentralen Nervensystems auf den Farben Wechsel der Frösche. Durch Exstirpa tion der Augen zeigte er, daß es sich bei dem durch Licht hervorgebrachten Farbenwechsel um einen durch die Augen auf dem Wege der Opticus- bahn vermittelten Reflex handle. Das Zentralnervensystem übt nach Listers Auffassung einen hemmenden Einfluß auf die Chro- matophoren aus, welche nach der Ausschaltung des Nervensystems (Nervendurchschneidungen) das Bestreben haben, ihr Pigment zu expandieren. Endlich hat Lister den regulierenden Einfluß des Nervensystems auch durch die Einwirkung verschiedener chemi- scher Reizmittel (Canthariden, Crotonöl, Senföl, Chloroform, Curare) zu erweisen versucht. In dem ganzen Zeitraum von 1860 — 1890 wurde wenig Neues auf dem Gebiet der Chromatophorenforschung bei Amphibien zu Tage ge- fördert, denn alle Forscher haben immer wieder die gleichen Wege be- schritten, so daß nur Bestätigungen, oder ebenso oft auch Widersprüche gegen frühere Angaben veröffentlicht wurden. Immerhin kann man sagen, daß in diesem Zeitraum wenigstens die Anatomie der Amphibien- chromatophoren noch erfolgreicher bearbeitet wurde als die Physio- logie des Farbenwechsels. Aus der Reihe dieser Arbeiten, die im speziellen Teil dieses Abschnittes eingehend Berücksichtigung finden werden , sei vor allem die mir leider im Original nicht zugängliche Dissertation von Szczesny (116) erwähnt, welcher behauptet hatte, die an die Chrom atophoren herantretenden Nerven- fasern gesehen zu haben. Aber es kann wohl kein Zweifel darüber herrschen, daß er ebenso wie später Ehrmann (26) einer Täuschung unterlegen ist, die Ehrmann (32) später selbst erkannt hatte. Die zahlreichen Arbeiten Leydigs (72 — 78), welche bis in die 90er Jahre des verflossenen Jahrhunderts reichen , haben einzelne wertvolle Kenntnisse über die verschiedenfarbigen Pigmente der Amphibienhaut gebracht, vor allem deshalb, weil Leydig sich bei seinen Untersuchungen nicht nur auf die Frösche beschränkte, sondern die verschiedensten Urodelen und Anuren in den Kreis seiner ver- M72 R. F. Fuchs, gleichenden Untersuchungen einbezogen hat. Außerdem hat Leydig, wie früher die älteren Forscher, wieder zahlreiche Beobachtungen des Parbenwechsels an verschiedenen freilebenden Amphibien ange- stellt. Von den experimentellen Arbeiten dieser Periode verdienen hier besondere Erwähnung nur jene von Vulpian (120) und Bimmer- mann (11), welche durch eine Reihe sehr sorgfältiger Experimente unsere Kenntnisse vom Einfluß des Zentralnervensystems und des Sympathicus auf den Farben Wechsel zu erweitern strebten. Insbesondere sind Vulpians Versuche über den Einfluß der sympathi- schen Ganglien (oberstes Halsganglion) bemerkenswert, da diesen Ganglien ein vom zentralen Nervensystem unabhängiger Einfluß auf die Färbung zukommt. Dagegen hat Bimmermann das Verdienst, neben der sorgfältigen Prüfung der Einflüsse des Nervensystems auf den Farbenwechsel erkannt zu haben, daß diese Einflüsse nur regu- latorischer Art sind, wodurch die selbständigen Reaktionen der Hautchromatophoren beeinflußt werden. Insbesondere leugnet Bim- mermann den Einfluß der Augen auf den Farbenwechsel und bringt damit die Streitfrage über den direkten erregenden Einfluß des Lichtes auf die Chromatophoren wieder in Fluß, eine Frage, die für die Amphibien bis heute noch nicht einwandfrei entschieden ist. Dagegen haben die gleichzeitig unabhängig voneinander im Jahre 1892 erschienenen Arbeiten von Ehrmann (30, 31) und Biedermann (10), welche in den wesentlichsten Punkten miteinander übereinstimmen, sowohl die Histologie als auch die Physiologie der Chromatophoren sehr wesentlich gefördert. Vor allem haben sowohl Ehrmann als auch Biedermann gezeigt, daß auch die gelben Chromatophoren sehr wesentliche Veränderungen beim Farben Wechsel zeigen, während man früher in Uebereinstimmung mit v. Wittich ange- nommen hat, daß sie keine Formveränderung erkennen lassen. In der Tat handelt es sich bei den in den gelben Pigmentzellen (Xantholeuko- phoren) sich abspielenden Prozessen auch um etwas ganz anderes als die Expansion und Retraktion von Pigmentkörnern nach oder von den Fortsätzen vom Zellzentrum aus; denn in den Xantholeukophoren ist ein gelbes Lipochrom zugleich mit irisierenden Guaninkörnchen (Kristallen) vorhanden. Entweder sind die beiden Teile so gelagert' daß das gelbe Pigment die Interferenzkörner überdeckt , oder die Interferenzkörner sind zwischen dem gelben Pigment sichtbar. Je nachdem sich nun noch die schwarzen Pigmentzellen expandieren oder "retrahieren, können alle Farben von Silbergrau, Hellgelb über Grün zu Dunkelgrün und Schwarz entstehen, die Hyla zu zeigen vermag. In Einzelheiten hat sich zweifellos Ehrmann geirrt, so daß Bieder- mann erst den wahren Sachverhalt aufklären konnte. Beide Autoreu gaben aber übereinstimmend an, daß die Bewegungen des schwarzen Pigmentes nicht nur in einer horizontalen Lage erfolge, sondern daß es sich auch in großem Umfang vertikal aufsteigend bewegt. Was die Formveränderungen anbelangt, welche die Chromato- phoren darbieten, so betonen beide Autoreu, daß wohl eine Bewegung des Pigmentes auf präformierten Bahnen vorliegen dürfte, aber Biedermann weist darauf hin, daß die Beobachtung pigmeutfreier Fortsätze allein eine andere Bewegungsmöglichkeit nicht aus- schließt, indem trotzdem ein aktives Aussenden und Einziehen von Fortsätzen denkbar wäre, wenn zuerst ein Exoplasma Fortsätze bilden Der Farben Wechsel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. 1473 würde, in das dann sekundär durch Pigmentströmungen das Pigment hineingeschoben würde. Ein weiteres Verdienst Ehrmanns (32) ist es, die En twicklun g der Chrom atophoren bei Amphibien genau untersucht zu haben und die frühzeitige Selbständigkeit dieser aus dem mittleren Keim- blatt entstammenden Elemente erkannt zu haben. Damit war aber wiederum der alte Streit nach dem Entstehungsorte der Epi- dermischrom atophoren entfacht. Ehrmann ist der Meinung, daß es sich nur um aus der Cutis eingewanderte Chromatophoren handeln könne, während Jarisch (63, 64) sowie S. Mayer (87) den Standpunkt vertreten, daß die Epidermischromatophoren zum größten Teil umgewandelte Epidermiszellen sind, eine Streitfrage, die bis heute noch nicht entschieden ist, da die Befunde aus der menschlichen Pathologie sowie aus der Histologie der Säugetiere meiner Meinung nach nicht ohne Bedenken auf die Amphibien über- tragen werden können. Weniger glücklich war Ehrmann in seinen experimentellen Studien über den Farbenwechsel, während Biedermann auch hier wesentlich neue Ergebnisse entdeckt hat. Vor allem hat Biedermann den überwiegenden Einfluß der Temperatur undFeuchtig- keit auf den Farben Wechsel sichergestellt, wozu bei Hyla noch die Wirkung von Tastempfindungen kommt, so daß Biedermann ganz mit Recht den Lichtwirkungen auf die Färbung der Amphibien weniger Bedeutung zuerkennt als den vorher genannten Faktoren. Damit sind Biedermanns Verdienste noch nicht erschöpft, sondern er konnte noch einen genaueren Verlauf der peripheren kolo- ratorischen Bahnen im Nervus Ischiadicus und in den Gefäß- scheiden ermitteln und zu den bereits bekannten Einflüssen über die ballende Wirkung der Kreislaufunterbrecjiung die wahrscheinlich direkte, expandierende Wirkung der Kohlensäure fest- stellen. Daß nach diesen reichen Ergebnissen besonders der Arbeit von Biedermann der Farbenwechsel der Amphibien nicht mehr sehr ver- lockend für die experimentelle Untersuchung erschien, ist nicht zu ver- wundern; es haben auch die meisten Autoren sich anderen, in ihrem Farbenwechsel noch weniger erforschten Tierklassen zugewandt, so daß in den letzten 20 Jahren nur verhältnismäßig wenige Arbeiten über den Farbenwechsel der Amphibien erschienen, welche nur einige wenige prinzipiell neue Tatsachen zutage förderten. Aus dieser Reihe will ich nur hervorheben, daß Fuchs (45) durch systematische Unter- suchungen über die koloratorische Wirkung der Alkaloide nach- weisen konnte, daß die beiden Arten Bana esculenta und Rana fusca auf das gleiche Agens mit verschiedenen Färbungsreak- tionen antworten, so daß auch hier physiologische Art- unterschiede zum ersten Mal nachgewiesen wurden. Ferner be- deuten die Untersuchungen Baraks (5 — 7) über den Farbenwechsel von Amhlystoma-ljd^YSQn einen wesentlichen Fortschritt unserer Kennt- nisse, da Barak zeigen konnte, daß der Farbenwechsel der Larven auf Lichtreize primär anders verläuft als später, wo er sekundär unter die Herrschaft der Augen kommt. Dieser Entdeckung lege ich einen ganz besonderen Wert deshalb bei, weil sie die phylo- genetische Unabhängigkeit des Farben wechseis von Handbuch d. vergl. Physiologie. III. 1. 93 1474 R. F. Fuchs, der Schutzfärbung klar mitbeweist, worauf ich (Fuchs, 47, 48) in letzter Zeit besonders hingewiesen habe. Nach dieser Schilderung der Entwicklung unserer Kenntnisse vom Farbenwechsel der Amphibien wenden wir uns der systematischen Darstellung der einzelnen Probleme zu und beginnen mit der-- B. Färbung und Zeichnung. Die Farbenskala, welche die Amphibien* darbieten, ist eine sehr reiche; sie umspannt alle Uebergänge von Rot über Orange, Grün, Blau sogar bis Violett, wobei dann noch besonders Nuancen dieser Farbentöne möglich sind von Silberweiß bis Schwarz, und auch Ocker- farben erzeugt werden ; außerdem kommt auch noch die rein weiße Färbung, sowie der metallische Gold- und Silberglanz, bzw. der erz- farbene Ton hinzu, der namentlich bei Kröten sehr ausgesprochen ist. Die Verteilu n g der Farben an den einzelnen Körperstellen ist sehr verschieden, worüber genauere Angaben vor allem in den systematischen Werken enthalten sind, auf die ich hier nicht eingehen kann. Besonders sorgfältig wurde die Farbenverteilung von Roesel VON Rosenhof (104), Dumeril und Bibron (22), Leydig (72, 73, 75, 76), V. Bedriaga (9) u. a. beschrieben. Alle diese Beschreibungen zeigen, daß im allgemeinen die Rücken fläche und Oberseite überhaupt dunkler und mannigfaltiger gefärbt ist als die Unterseite, welche mehr einfarbig und gewöhnlich auch heller (gelb, grau oder weiß) gefärbt ist. Besonders Werner (124, 125), der sich viel mit den Fragen der Färbung und Zeichnung der Amphibien beschäftigt hat, weist darauf hin (125), daß sekundäre Einfarbigkeit bei Amphibien wohl nicht selten vorkommt, daß aber primäre Einfarbig- keit nur bei Ichthyoiden, vielleicht auch bei den Aglossen unter den Anuren anzutreffen ist. Bei den Ur od eleu bilden die gefleckten Formen weitaus die Majorität, ob es ganz pigmentlose Amphibien gibt, muß zum mindesten stark bezweifelt werden, da Kammerer (67) selbst an freilebenden Proteus anguineus niemals vollständiges Fehlen des Pigmentes beobachtet hat, zum mindesten waren undeutliche gelbe Flecken vorhanden, auch rötliche Punkte kommen bei solchen absolut im Dunkeln gehaltenen Tieren vor. Das dunkle Pigment fehlt allerdings vollständig. Wenn freilebende dunkle Exemplare von Proteus zuweilen gefangen werden, dann handelt es sich um Tiere, welche durch besondere Zufälle (Hochwasser) an das Licht geschwemmt worden sind und später ihren Weg wieder in die dunklen Höhlen ge- funden haben. Daß die Färbung der Amphibien eine sehr wechselnde ist — wenn wir vom eigentlichen Farbenwechsel selbst absehen — ist schon den älteren Forschern aufgefallen, denn Roesel von Rosenhof (104) erwähnt bereits bei der Beschreibung von Bana temporaria, daß „diese Frösche sich der Farbe nach so unterscheiden, daß man unter Hunderten nicht zwei finden wird, die hierin vollkommen miteinander übereinstimmen". Das gleiche berichtet er auch von Bufo terrestris. Diese Färbungsverschiedenheiten haben auch dazu geführt so viele Standortsvarietäten zu unterscheiden, womit die verschiedenen Forscher ausdrücken wollten, daß die Farben durch die allgemeinen bio- logischen Faktoren der Außenwelt, das Klima, beeinflußt werden, wobei allerdings die Wirkung des einzelnen Faktors nicht Der Farbenwechsel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. 1475 angegeben werden kann, weil es sich hier um eine Summe von gleich- zeitig wirkenden Faktoren handelt. So erwähnt Leydig (75), daß bei Bufo cinereus aus Gebieten südlich der Alpen das Schwarz in der Färbung mehr hervortritt als bei unseren einheimischen Arten. Da- gegen konnte Leydig die Angabe anderer Autoren nicht bestätigen, wonach Hyla arborea in südlicheren Gegenden (Exemplare aus Genua) dunkler sein soll als in unseren Breiten. Besonderen Einfluß auf die Färbung schreibt Leydig dem h o c h a 1 p i n e n K 1 i m a zu ; Bombinator igneus ist in den Hochalpen auf dem Rücken ganz dunkelbraun, fast schwarz, „wohl aus dem gleichen Grunde, warum auch bei anderen Tieren in feuchten, kühlen Gebirgsgegenden auch die Farbe anderer höherer und niederer Tiere gerne ins Dunkle zieht". Der Einfluß der Jahreszeit auf die Färbung wird in den Kapiteln über Farben- wechsel durch Temperatur und Feuchtigkeit behandelt werden. Von den allgemeinen endogenen Faktoren, welche die Färbung beeinflussen, scheint vor allem das Alter der Tiere von Bedeutung zu sein. Doch liegen hierüber nur vereinzelte zum Teil widersprechende Angaben für vollkommen ausgewachsene Tiere vor. Leydig (72) erwähnt, daß bei jungen Salamandern weder die schwarze noch die gelbe Färbung so intensiv ist wie bei älteren Tieren, dagegen sind nach v. Bedriaga (9) ältere Tiere von Bufo viridis dunkler als junge Tiere. Viel besser übereinstimmende Ergebnisse haben die Beobachtungen über die allmähliche Um färbung der Tiere von der Larve bis zum erwachsenen Tier ergeben. Es scheint allerdings auch hier bei den verschiedenen Tierarten keine Gleich- mäßigkeit vorhanden zu sein, obgleich man doch gerade hier am ehesten die staramesgeschichtlichen Uebereinstimmungen der Farbenentwicklung erwarten sollte. Der größere Teil der Widersprüche dürfte sich wohl durch systematische Untersuchungen, die bis jetzt noch vollständig fehlen, beseitigen lassen. Denn da bereits ganz junge Larven einen ausgesprochenen Farbenwechsel haben, und die Autoren keineswegs stets unter vergleichbaren Bedingungen ihre Beobachtungen angestellt haben, ja oftmals fehlen überhaupt alle Angaben über das Alter sowie die äußeren Versuchsbedingungen, so ist es wohl nicht wunderbar, daß so verschiedene Angaben anzutreff"en sind. Die Mehrzahl der Angaben stimmt mit denen von Bruch (14) überein, welcher bei Rana esculenta zuerst ein einförmiges zartes und blasses Graugrün der Oberseite beschreibt, während die Unterseite als weiß bezeichnet wird. Nach vollendeter Metamorphose zeigen die Frösche bereits sehr verschiedene Farbentöne, im zweiten Jahr tritt das Grün deutlich hervor und erreicht im dritten Jahr seine stärkste Brillanz, während die Färbung später wesentlich dunkler wird. Ebenso haben nach Knauer (68) eben geborene Larven von Salamandern eine schmutzig -graugrüne Färbung der Oberseite und werden mit zunehmendem Alter immer dunkler und erreichen nach 4 Mo- naten bereits die Färbung der ausgewachsenen Tiere mit ihrer tief- schwarzen Oberseite und gelben Flecken. Ferner sind junge Am- blystoma- Larven (Babäk, 5) nach dem Ausschlüpfen durchscheinend und zeigen nur einzelne punktförmige Chromatophoren ; später werden sie schmutzig- graubraun oder rötlich mit dunkelbraunen Flecken, wobei auch gelblichweiße Flecken auftreten können. Das Wesentliche bei all diesen angeführten Beobachtungen ist, daß die hellen Larven allmählich dunkler werden. Dagegen zeigen nach 93* 1476 . R. i". Fuchs, Leydigs (75) Beobachtungen Bufo cinereus und Pelohates fuscus so- wie Bufo vulgaris (v. Bedriaga, 9) ein entgegengesetztes Ver- halten, indem bei Bufo cinereus die das Wasser eben verlassenden Larven dunkelbraun sind und im ersten Sommer kupferbraun werden, während die Larven von Pelohates fuscus braunschwarz sind und später sich aufhellen und eine gleichmäßig olivbraune Färbung zeigen. Auch das Geschlecht ist von Einfluß auf die Färbung, obwohl bei verschiedenen Arten die Geschlechtsunterschiede der Färbung nicht gleich stark ausgebildet sind. So zeigen nach Bruch (14) Hyla und Bana keinen deutlichen Farbenunterschied der Geschlechter, während bei Pelohates die Weibchen stets „brillanter" gefärbt sind als die ^trüb-olivfarbigen" Männchen. Aber auch bei Bana temporaria zeigen alte Weibchen eine mehr braunrote Farbe, gegenüber der dunkleren graubraunen, olivenfarbigen bis schwärzlichen Färbung der Männchen, was auch von v. Bedriaga (9) bestätigt wird. Auf die während der Sexualperiode beobachtete lebhafte Färbung und Farbenveränderung wird später eingegangen werden. Die vielfach variierende Zeichnung der Amphibien, die aus Flecken, Streifen und Binden besteht, ist von den Systematikern sehr sorgfältig studiert worden, wobei sich ergeben hat, daß nur ein kleiner Teil dieser Zeichnungen konstant ist und taxino- mischen Wert hat. Für dieses Handbuch kommt die Beschreibung der Zeichnungen nicht in Betracht. Es genügt, hier darauf hinzuweisen, daß nach den Untersuchungen von Ehrmann (31) und Weidenreich (122) das Epidermispigmen t für die Zeichnung selbst nicht in Betracht kommt, daß diese nur durch das Pigment der Cutis hervor- gebracht wird, indem an den betreffenden Stellen eine dichtere Lage- rung der entsprechenden, meist dunkel gefärbten Pigmentzellen auf- tritt. Andererseits ist auch der jeweilige Ballungszustand der Chro- matophoren für die Zeichnung nicht ganz bedeutungslos, wie be- sonders die Untersuchungen Schubergs (108) an Axolotln gezeigt haben ; denn je nach dem allgemeinen Ausbreitungs- oder Ballungs- zustand der Chromatophoren können die dunklen Flecken, Streifen und Binden mehr oder weniger deutlich hervortreten, eventuell sogar ganz unsichtbar werden. Dagegen sind echte Zeichnungs- änderungen, wie sie bei Fischen beschrieben wurden, z. B.Wechsel von Quer- und Längsbändern, mir nicht bekannt geworden; die einmal bestehenden Flecken und Binden bleiben bei den Amphibien konstant, sie wechseln nur in Sichtbarkeit durch Aenderung der Hellig- keit der Grundfärbung. C. Morphologie der Chromatophoren. 1. Auordnuiig der Chromatophoren. Für das Verständnis des Farben wechseis ist vor allem die Anordnung der Chromatophoren von prinzipieller Bedeutung. Die Mehrzahl der Chromato- phoren findet sich in der Haut und zwar in allen Teilen der Haut, obgleich die Hauptmasse der Pigmentzellen in dem Chorion gelegen ist. Ihre genauere Verteilung auf die verschiedenen Hautschichten wurde zum ersten Male von Bolal" (12), ClACCio (20) und Leydig (72, 73) sorgfältig studiert, obgleich H. MtJLLER (92) das Verdienst gebührt, zum ersten Male „echte Pigmentzellen" in der Epidermis des Frosches beobachtet zu haben, von denen er nicht mit Sicherheit auszuschließen Der Tarbenweclisel und die chromatische Hautfunktion der Tiere, 1477 vermag, ob sie aus dem Chorion eingewandert sind ; doch neigt er mehr zur An- sicht, daß diese Zellen in der Epidermis entstanden sind. Jedenfalls müssen diese Zellen schon sehr frühzeitig in die Epidermis eingewandert sein, wo sie sich durch Teilung vermehren. Eine dauernde Einwanderung hält Müller nicht für wahrscheinlich. Damit ist der Streit um die Entstehung der Epidermischromato- phoren und deren Natur entbrannt, der für die Frage der Pigmentbildung von prinzipieller Bedeutung ist und deshalb in einem späteren Kapitel eine ausführhche Darstellung erfordert. An dieser Stelle wollen wir zunächst die Pigmentierung der Epidermis erörtern. Schon die gewöhnlichen Epidermiszellen können dunkelkörniges Pigment enthalten, wie zuerst v. Wittich (130) an olivgrün gefärbten Exemplaren von Ra7ia temporaria beobachtet hatte; dieses Pigment sollte nach Stieda (115) in den tiefsten Zellen des Stratum Malpighii enthalten sein. Hensche (59) erwähnt als eklatante Fälle von Epidermispigmentierung, daß die Hautpapillen der Männchen von Rana temporaria dunkel pigmentiert sind, während jene der Weibchen un- pigmentiert sind. Ferner wurden pigmentierte Epidermiszellen beschrieben am Frosch (CiACCio, 20), bei Alytes und Bufo (Bolau, 12; Leydig, 73, 77), ferner bei Triton und Salamandra (Bolau, 12; Leydig, 72, 73; Fischel, 36; H. Eabl, 102), sowie bei Siredon (Paulicki, 98). Aber es gibt auch Tiere, wo die Epidermis voll- kommen pigmentfrei ist, wie z. B. bei Byla, oder wo das Pigment an ein- zelnen Stellen fehlt, wie in der Bauchepidermis von Alytes oder über den gelben Flecken von Salamandra maculosa. Außer diesen pigmentierten Epidermiszellen finden sich aber noch verzweigte Pigmentzellen innerhalb der Epidermis, wie alle Autoren bestätigen, welche sich mit der Histologie der Froschhaut beschäftigt haben (Müller, 92; CiACCio, 20; Leydig, 72, 73; Eberth, 24; Pouchet, 100, und viele andere). Am Salamander werden Epidermischromatophoren beschrieben von Leydig (77); C. Rabl (101); Ehr- mann (32); Fischel (36), ferner bei Triton (Bolau, 12; Leydig, 72), sowie an Siredon (Paulicki, 98). Ein Teil der Autoren ist der Meinung, daß diese Pigmentzellen der Epidermis echte Chromatophoren seien, welche die bekannten Verschiedenheiten der Pigment- verteilung zeigen (Leydig, 72, 73, 77; H. Rabl, 102), und wie Zimmermann (133) bei Salamanderlarven angibt, auch Ortsveränderungen zeigen, während andere Autoren, wie Meyerson (91), zwar die zellige Natur dieser Elemente nicht an- zweifeln, aber sie zu den fixen Bindegewebszellen rechnen oder sie, wie S. Mayer (87), mit den Langerhans sehen Sternzellen in Beziehung bringen. Andere Autoren, wie Mertsching (89), weisen darauf hin, daß den zwischen den Epithelien befindlichen Chromatophoren alle Fortsätze fehlen, eine Angabe, die höchst unklar und auch unzutreffend ist, denn Haller (57) hat bei Rana fusca und Fischel (36) bei Salamanderembryonen zierlich verzweigte Pigmentzellen zwischen den Epithelzellen gefunden. Ja, Gegenbaur (51) hebt besonders hervor, daß bei den Epidermischromatophoren „eine reichere Entfaltung feiner und feinster Fort- sätze" als in der Cutis auftritt. Außerdem hatte schon Leydig (77) bei Salamander- embryonen lange feinverzweigte Fortsätze beschrieben, die bis an die Cutis reichen und daselbst ein Netzwerk bilden. Ja, Meyerson (91) läßt einzelne Fortsätze direkt bis in die Cutis hineinreichen. Bezüglich der Verteilung der Chromatophoren in' der Epidermis ist zu be- merken, daß sie wohl in allen Lagen derselben vorkommen. Aber Ehrmann (27, 32) hat mit Rücksicht auf die später zu behandelnde Frage der Einwanderung der Pigmentzellen drei Phasen des Pigmentaufstiegs in die Epidermis voneinander ge- trennt: 1) das Pigment findet sich in allen Lagen der Epidermis; 2) die basalen Zellen sind pigmentfrei, während die oberen Lagen jedoch pigmentiert sind, wobei zwischen den pigmentierten und pigmentfreien Teilen der Epidermis Pigmentzellen 1478 R. F. Fuchs, mit nach oben gerichteten Fortsätzen zu beobachten sind ; 3) die Epidermis ist voll- kommen frei von Pigment, es findet sich aber in der Cutis. Ich möchte noch be- sonders betonen, daß Ehrmann ausdrücklich hervorhebt, daß das Pigment nur intracellular vorhanden ist, eine Angabe, die auch Mertscbing (89) gemacht hat. Die drei EHRMANNschen Phasen des Pigmentaufstiegs werden von Carnot (17) an Batrachierlarven vollkommen bestätigt, ich bin aber nicht ganz sicher, wie weit Carnots eigene Beobachtungen reichen, und wie weit es sich um eine bloße Ueber- nahme der EHRMANNschen Auffassung handelt. Die Hauptmasse der Chromatophoren ist im Corium gelegen, unterhalb der Grenziamelle, welche pigmentfrei ist (Leydig, 74; Gegenbaur, 51). Die Schicht, welche die dichtgedrängte Hauptmasse der Chromatophoren enthält, gehört zum Stratum spongiosum der Cutis und wird von Gaupp (50) wegen ihres Reichtums an Blutgefäßen als Stratum vasculare bezeichnet. Die dunklen Pigment- zellen folgen insbesondere den Capillaren (CiACCio, 20 ; Biedermann, 10 ; Ehrmann, 31). Allerdings bestreitet Jarisch (63) die engen Lagebeziehungen der Pigment- zellen zu den Blutgefäßen, indem er darauf hinweist, daß einerseits Chromatophoren nicht immer die Blutgefäße begleiten und andererseits auch Kapillaren frei von Pigmentzellen sein können. Aber Eternod und Robert (33) haben in letzter Zeit wieder auf die Lagerung der Schwimmhautchromatophoren an den Teilungsstellen der Gefäße hingewiesen. Auch bei Axolotln beschreibt Pauli cki (98) und Schu- berg (108), daß die Kapillaren der Haut von den Chromatophoren umsponnen werden. Der folgende Anteil, das Stratum spongiosum, enthält die Drüsen und wird von Gaupp deshalb als Stratum glanduläre bezeichnet. Auch in ihm finden sich an den pigmentierten Stellen, z. B. am Rücken, dunkle Pigment/.ellen, wie ja auch verschiedene Autoren hervorheben, daß die Drüsen von Pigraentzellen umsponnen werden (CiACCio, 20; Bolau, 12; Ehrmann, 31; Paulicki, 98; Schuberg, 108 ; FiSCHEL, 36). Das Stratum compactum, die mächtigste Schicht des Coriums, ist nicht frei von Chromatophoren, obgleich sie hier nicht in größeren Mengen vorhanden sind und speziell den perforierenden Bündeln folgen, die senkrecht aufsteigen und Gefäße, Nerven, Bindegewebe, sowie elastische Fasern enthalten. Die erste Beschreibung dieser senkrecht aufsteigenden Pigmentzüge habe ich bei Leydig (73, 77) gefunden, auch CiACCio (20) erwähnt sie, desgleichen Ehrmann (26), der auch die Pigment- zellen beschreibt, welche Nervenstämme, Blut- und Lymphgefäße des Unterhaut- zellgewebes begleiten. Gelegentlich werden auch Melanophoren im Unterhautzellgewebe erwähnt, ferner hat Eberth (24) im Unterhautgewebe von Rana esculenta und fusca viele „sternförmige Interferenzzellen" beschrieben. Gaupp (50) hat besonders in der Tela subcutanea der Bauchhaut zahlreiche Leukophoren gefunden, während sie am Rücken auf große Strecken pigmentfrei ist. Melanophoren hat Gaupp im Unterhaut- zellgewebe von Rana esculenta nicht gefunden. Nachdem wir die Verteilung der Chromatophoren in den einzelnen Haut- schichten kenneu gelernt haben, müssen wir noch auf ihre besondere Anordnung in der Gefäßschicht des Coriums eingehen. In diesem mächtigen, flächenhaft ausgebreiteten Pigmentlager finden sich zweierlei Arten von Chromatophoren, näm- lich die Xantholeukophoren, welche gelbes Pigment und irisierende Körperchen ent- halten (Biedermann, 10; Ehrmann, 31), und die Melanophoren. Wenn auch bereits v. Wittich (129) die Verteilung der beiden Zellarten richtig erkannt hatte, indem er angibt, daß an den grünen Hautstellen der Frösche unter der Schicht der gelben Pigmentzellen eine mächtige Schicht von dunklen Pigmentzellen liegt, und diese Angaben besonders von Leydig (73) bestätigt wurden, 80 haben doch erst die Arbeiten von Biedermann (10) und Ehrmann (31) voll- Der Farbenwechsel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. 1479 ständige Klarheit gebracht. Die drei Figuren (Fig. 75, 76, 77) zeigen die Verhält- nisse, wie sie Ehrmann an Hyla abgebildet hat. Wenn die dunklen Zellen ihr Pigment geballt haben — Ehrmann sagt die Fortsätze eingezogen haben — sieht man die hellen polygonalen Zellen, welche in einer Flucht unmittelbar unter der Basal- membran der Epidermis liegen, über den Zellkörpern der Melanophoren, welche nach Biedermann eine fast zusammenhängende gleichförmige Fläche bilden. Wäh- rend des Expansionsstadiums des Pigmentes werden aber die Xantholeukophoren Fig. 75. Hyla arborea. Vertikalschnitt durch die Haut eines ganz hellen Laubfrosches. Die Melanophoren haben ihre Ausläufer einge- zogen, die Xantholeukophoren sind bloßge- legt und befinden sich in der „gelben Po- sition", d. h. das gelbe Pigment befindet sich an der Oberfläche über den Guaninkörnchen. (Nach Ehemann.) ^^^ ■XS> ' *Ä» "Hl cj c o*& -'? Sei mehr oder weniger vollständig von schwarzem Pigment umflossen. Genau die gleichen Verhältnisse hat Siedlecki (110) am javanischen Flugfrosch [Polypedates Reinwardtii) wiedergefunden, wo die Xantholeukophoren in einer einschichtigen, nur an einzelnen Stellen zweischichtigen Lage über den Melanophoren liegen, von denen jede mit 6—8 Xantholeukophoren in Verbindung tritt. Bei Kröten sind die Ver- hältnisse etwas komplizierter, denn nach Leydig (74) liegt bei Bufo vulgaris das <3Si' f^rj^ ^E» Fig. 76. Hyla arborea. Vertikalschnitt durch die Haut eines halbdunklen Laubfrosches. Die Melanophoren umgreifen zum Teil die darüberliegenden hellen Pigmentzellen mit ihren Ausläufern ; die hellen Zellen (Xantholeukophoren) befinden sich in der „grauen Po- sition". (Nach Ehrmann.) nicht irisierende grauweiße Pigment, welches zusammenhängende Netzfiguren bildet, tiefer als das schwarze, während hei Pelobates fuscus an einigen Stellen das grauweiße tiefer liegt als das schwarze, an anderen Stellen in der gleichen Lage oder sogar höher, woraus Leydig schließt, daß sich das Pigment „verschiebe", womit offenbar aktive Wanderungen der Zellen (ob beide Arten?) gemeint sind. Fig. 77. Hyla arborea. Vertikalschnitt durch die Haut eines tief dunklen Laubfrosches. Die Xantholeukophoren sind von den Aus- läufern der Melanophoren ganz umhüllt. (Nach Ehemann.) S» *^ d> /Q ^ CS» © (27 .--1 /n j^, ^'' ^^ XV y^K Was das Vorkommen von Chromatophoren außerhalb des In- teguments bei Amphibien anbelangt, so liegen darüber zahlreiche Angaben in der Literatur vor. Der Pigmentreichtum der Gefäßscheiden ist von Kölliker (70), PoDCHET(lOO), Marchesini (86), BabÄk (5) beschrieben worden; BabAk (5) konnte sogar den typischen Farben Wechsel an den Gefäßchromatophoren von Amblystoma- 1480 R- F. Fuchs, Larven beobachten. Auch die Lymphgefäße (Kölliker, 70) sowie das Pericard (V. Wittich, 130, Lieben, 79) und die Periösophagealmerabran (Lieben, 79) zeigen zahlreiche Chromatophoren. Besonders zahlreich sind die Chromatophoren (Xantho- leukophoren und Melanophoren) im Peritoneum (v. Wittich, 130, Fischel, 36, Flemming, 41, Maechesini, 86); auch in der Lunge (Fischel, 36, Lieben, 79) und der Leber (Asvadoürova, 3) sind zahlreiche Pigmentzellen anzutreffen. Ein besonderes Interesse beanspruchen aber die Chromatophoren des Ovariums (Ehr- mann, 32), weil sie nur bei jenen Arten vorkommen, welche originär pigmentierte Eier haben , wie Triton taeniatus , Siredon pisciformis und die Batrachier, während Triton cristatus, sowie Salamandra maculosa keine Chromatophoren im Ovarium besitzen und dementsprechend auch uopigmentierte Eier liefern, 3. Der Bau der Chromatophoren. a) Die Melanophoren. Die Melanophoren haben nach der übereinstimmenden Beschreibung der Autoren eine unregelmäßig verzweigte Form, die natürlich insofern von den ver- schiedenen Autoren etwas verschieden bezeichnet wird , je nach dem Expansions- grad, den das Pigment gerade zeigte. Sie bestehen aus einem Zellkörper und den verschieden geformten verzweigten Fortsätzen (Fig. 78). Doch gewinnt man bei "~X Fig. 78. Hyla. Eine schwarze Chromatophore mit teilweise pigmentfreien Aus- läufern. (Nach BlEDEEMANN.) Der Farbenwechsel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. 1481 Borgfältigerem Studium der Literatur den Eindruck, daß nicht alleMelano- phoren dieselbe Gestalt haben. Insbesondere zeigen die Mel an op hören der Epidermis etwas anderes Aussehen als jene der Cutis. So werden bei Sa- lamanderlarven besonders fein verzweigte Melanophoren beschrieben (Leydig, 77, FiscHEL, 36, Ehrmann, 32), die Fischel als pyramidenförmig bezeichnet. Nach Ehrmann (32) unterscheiden sich die Epidermischromalophoren von Salamander- larven auch durch ihre runden oder kugelig -ovalen Körper von den glatten Cutis- chromatophoren, welche dicke Fortsätze haben. Allerdings verschwindet der Unter- schied der beiden Chromatophoren beim ausgewachsenen Tier. Auch beim Frosch erwähnt Eberth (24) solche Unterschiede, die Cutischromatophoren sind größer und haben stärker entwickelte Zellkörper als die schmächtigen spindelförmigen oder runden Chromatophoren der Epidermis. Dagegen hat Fuchs (45) in der Epidermis der Froschschwiramhaut ziemlich plumpe Chromatophoren mit lappigen Fortsätzen beschrieben. Endlich machen Flemming (41) und Lieben (79) darauf aufmerksam, daß sowohl die Chromatophoren des Peritoneums bei Salamanderlarven, als auch der inneren Organe von Rana temporaria plumper und weniger verzweigt sind als die der Cutis. Aber auch bei verschiedenen Arten scheint die Form der Melanophoren etwas verschieden zu sein, denn Bufo cinereus hat kleine rundliche und nicht lang verzweigte Zellen (Boi.AU, 12) , ferner haben die Melanophoren von Polypedates Reinwardtii gewöhnlich einen runden Körper (Siedlecki, 110). Die Größe der Melanophoren variiert nach der Größe der Tiere und wird von Lister (82) für den Zellkörper mittelgroßer Frösche auf Vsoo englische Zoll in der Länge, ^/g^^ Zoll in der Breite und Visoo Zoll in der Dicke angegeben. Die verzweigten Fortsätze der Melanophoren sind gewöhnlich von ziemlicher Länge, besonders jene der Epidermischromatophoren (Hering, 60, KoDis, 69, Meyerson, 91, Zimmermann, 133), ihre Form wird von dem letztgenannten Autor als drehrund bezeichnet. Wenn das Pigment im Zentrum der Zelle retrahiert ist, kann man häufig die pigmentfreien Fortsätze eine Strecke weit nach der Peripherie verfolgen (Fig. 78) (Lister, 82, Biedermann, 10, Golovine, 53). Nach Bieder- mann sind diese pigmentfreien Fortsätze bei Hyla durch die üblichen, in der Histo- logie gebräuchlichen Farbstoffe nicht zu färben, jedoch hat Schüberg (108) an Axolotln durch Dahlia kurze pigraentfreie Fortsätze gefärbt. Die letzten Endi- gungen der Fortsätze sind bei Fröschen (Lister, 82) sowie bei Pelobates (Leydig 77) sehr fein, sie ziehen sich nach Leydig zu unraeßbarer Feinheit aus. Daß dieses Verhalten aber kein für Amphibien allgemein gültiges ist, lehren die Beobachtungen von Paulicki (98), der bei den Cutischromatophoren des Axolotls zackige End- verbreitungen beschreibt, wie sie auch von Crustaceenchromatophoren bekannt sind (siehe diese). Die Mehrzahl der Autoren (Biedermann, 10, v. Wittich, 129, Harless, 58, Leydig, 77, Lister, 82, Zimmermann, 133, Flemming, 41 u. a.) geben an. daß die Fortsätze zu mehr oder weniger engmaschigen dichten Netzen sich verflechten, aber ob es sich dabei nur um eine Aueinanderlagerung (Kontiguität) oder eine Kon- tinuität handelt, ist nicht immer zum Ausdruck gebracht, jedoch Schüberg (108) nimmt auf G^nd seiner Beobachtungen an Axolotln eine direkte Ver- einigung der Zellfortsätze an; diese Netze können nicht nur in einer Ebene liegen, sondern auch mit tiefer liegenden Chromatophoren den Zusammen- hang herstellen (Fig. 79). Ferner hat Ehrmann (27, 30, 32) bei Salamanderlarven und Fröschen Ver- bindungen der Fortsätze der Cutischromatophoren mit den Zellen der Epidermis beschrieben, wobei die Fortsätze der Cutischromatophoren direkt in das Innere der Epidermiszellen aufgenommen werden sollen. Die Abbildungen, welche Ehrmann zum 1482 ß. F. Fuchs, Beleg dieser Auffassung gibt, haben mich aber nicht von der Richtigkeit seiner Auffassung zu überzeugen vermocht. Die Grundsubstanz der Melanophoren , in welche die Pig- mentkörnchen eingelagert sind , ist homogen und farblos {Lister, 82, Paulicki, 98), sie ist bedeutend schwerer färbbar als die der anderen im Corium vorkommenden Zellen (Schubekg, 1ü8). Der Kern der Melanophoren, der oft schwer oder gar nicht zu sehen ist, wurde von Lister (82) an Sana temporaria entdeckt ; er ist ge- wöhnlich als heller Fleck zu er- kennen. Er hat eine ovale Gestalt (Lister, 82; Meyerson, 91). Ge- wöhnlich liegt der Kern exzentrisch (Lister, 82) und ragt bei Sala- manderlarven aus dem Pigment- körper hervor ( Flemming ,41). A uch bei Amblystoma wurde der Kern be- obachtet (Paulicki, 98; Schuberg, 108). Außerordentlich interessant sind die von Flemming (41), Zimmer- mann (133) und Ehrmann (32) näher beobachteten Vorgänge der Fig. 79. Amblystoma. Netz- förmig verbundene Pigmentzellen der mittleren Coriumlage unmittelbar unter der äußeren Coriumlage. Flächenansicht aus einem Tangentialschnitt durch die Haut von der Seite des Rumpfes vom Axolotl von 128 mm Länge. (Nach Schuberg.) Zellteilung und Kernteilung an den Melanophoren , welche besonders gut an den großen Chromatophoren des Peritoneums von Salamanderlarven zu beobachten sind. Die Hauptphasen dieses Teilungsprozesses sind nach Zimmermann kurz folgende. Zuerst werden die Fortsätze eingezogen, wobei sich die Zelle abrundet, dann erfolgt die typische Kernteilung, während welcher bestimmte Veränderungen der Pigmentverteilung zustande kommen, und endlich folgt die Teilung der Zelle, wobei die in der Teilungsebene angesammelte Pigmentmasse genau halbiert wird. Es muß noch besonders hervorgehoben werden, daß stark pigmentierte Zellen niemals Zeichen von Kernteilung zeigten, solche wurden nur bei Zellen von ge- ringerem oder mittlerem Pigmentreichtum beobachtet. Obwohl Zimmermann (133) und NuSBAUM (95) eine Anordnung der Pigmentkörnchen, entsprechend der achro- matischen Spindel nicht beobachten konnte, so hat doch Ehrmann (32) zweifellos eine reihenförmige Anordnung der Pigmentkörner, entsprechend der Filarsubstanz (Mitome), beobachtet. Der Farbenwechsel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. 1483 b) Die Xantholeukophoren. Die Xantholeukophoren, welche sich besonders reichlich an den grünen Körperstellen finden, zeigen einen sehr komph'zierten Bau, der nicht immer richtig erkannt wurde, indem ein Teil der älteren Forscher, wie z. B. v. Wittich (129), diese Zellen in zweierlei Zellen unterschied, nämlich die gelben Pigmentzellen und Iridocyten, was neuerdings Ficalbi (35) wieder annimmt ira Gegensatz zu Ehr- mann (31) und Biedermann (10). Da mir Ficalbis Arbeit nicht im Original zu- gänglich war, so will ich mich mit diesem einfachen Hinweis auf seine Angabe be- gnügen. Aber bereits v. Wittich und besonders Hering (60) weisen darauf hin, daß in den gelben Zellen stark lichtbrechende prismatische farblose Körperchen vor- kommen, so daß das Verdienst, den richtigen Sachverhalt erkannt zu haben, Hering gebührt. Die Mehrzahl der Autoren beschreibt die Xantholeukophoren als rundlich polygonale Zellen, die an den Stellen, wo sie weniger dicht gedrängt stehen, Stern- form zeigen (v. Wittich, 130; Hering, 60; Ehrmann, 31; Biedermann, 10), deren meist kurze Fortsätze hier und da Netze bilden (Ehrmann, 31). Bei Polypedates Reinwardtii haben die Xantholeukophoren eine halbkugelige Gestalt, deren ebene Fläche nach der Epidermis zu gewendet ist, an anderen Stellen sind sie prismatische Gebilde, deren unteres Ende gleichfalls halbkugelig abgerundet ist (SiEDLECKI, 110). Ihre Farbe wird bald als goldgelb, hellgelb oder gelbgrün bezeichnet; sie sind wesentlich kleiner als die Melanophoren , 18—22 \j. beim Frosch (Harless, 58). SiEDLECKI (110) gibt ihren Durchmesser auf 16 |ji und ihre Dicke auf 14 [jl an. Der im Verhältnis zur Zellgröße kleine Kern ist nicht immer leicht zu sehen, er erscheint aber, wenn er sichtbar ist, als ein heller ovaler Fleck (v. WiTTiCH, 130; Bimmer- mann, 11; Haller, 57; Biedermann, 10); bei Polypedates ist der halbkugelige Kern dicht unter dem abgeflachten Teil der Zelle gelegen (Siedlecki, 110). In der Grundsubstanz der Xantholeukophoren, welche nach Biedermann gelb gefärbt ist, wechseln gelbe Pigmenttröpfchen mit kristallinischen Körperchen (Interferenzkörner) in regelmäßiger Schichtung ab (Biedermann, 10; Sied- lecki, 110). Das gegenseitige Mengenverhältnis des gelben Pigmentes und der Inter- ferenzkörner kann in den Zellen von verschiedenen Hautstellen wechseln ; bei Hyla sind in den Zellen der Riickenhaut beide Bestandteile in gleichen Mengen vorhanden, dagegen kann bei grauen Exemplaren von Rana esculenta das gelbe Pigment ganz fehlen, während es bei grünen sehr reichlich ist. Von der allergrößten Wichtigkeit ist es, daß die gegenseitige Lagerung der beiden Bestandteile wechseln kann, wodurch bestimmte Farbenveränderungen hervorgerufen werden, auf die später eingegangen werden wird. An Stelle des gelben Farbstoffes kann in den Xantholeukophoren auch ein rotes Pigment treten, wie es Biedermann (10) bei Rana temporaria beschreibt. Bereits V. Wittich (130) erwähnt bei Ra?ia temporaria rote Pigmentzellen, welche auch in der Bauchhaut vorkommen; Fuchs (45) hat sie auch in der Schwimmhaut gesehen. Endlich beschreibt Leydig (74) ein brennend rotes Pigment an gewissen Stellen von Salamandra perspicillata. c) Die Leukophoren. Die Leukophoren enthalten nur kristallinische Körner in ihrer Grund- substanz ohne Beimischung eines gelben Pigmentes. Sie erzeugen die irisierenden Farben, welche nach BrIjckes (15) Untersuchungen an Hyla dem drittten Newton- schen Ringsystem angehören. Nach dem Austrocknen erscheinen sie im auffallenden Licht grau, im durchfallenden braun. Diese Zellen haben nach v. Wittichs (129) Beschreibung rundlich polygonale Form und einen hellen Kern und sind be- sonders reichlich in der Bauchhaut anzutreffen. Nedmann (94) hat die Interferenz- zellen im parietalen Blatt des Peritoneums untersucht und, wie BrIjcke, sie als 1484 ß. F. Fuchs, reichverästelte Zellen beschrieben, welche Netze bilden. Auch im parietalen Blatt des Peritoneums von Salamanderlarven finden sich große mit Körnern, Prismen, Stäbchen und polygonalen Schollen voll „gepfropfte" Zellen von lavendelgrauer Farbe (Reinke, 103). d) Farblose Zellen. Als letzte Kategorie von Zellen sind farblose Zellen zu nennen, die Schu- berg (108) an Axolotln genauer untersucht hat. Diese im Corium und im Unter- hautzellgewebe gelegenen Zellen bilden mit ihren verzweigten Fortsätzen Netze. Der Zellkern ist oval, eingebuchtet oder schwach gelappt. Sie sind dicht erfüllt mit feinen Körnchen. Manchmal enthalten diese Zellen dunkles Pigment in wechselnden Mengen. Die farblosen Körnchen, welche kugelförmige Hohlräume haben sollen, faßt Schüberg als Pigmentkörner auf, die kein Guanin sind, weil sie keine Doppelbrechung zeigen. Da sich diese Zellen mit Dahlia nicht oder nur schwach färben und sich ganz wie Pigmentzellen verhalten, so hält Schuberg diese Zellen für farblose Pigmentzellen, die aber nicht mit den Guanin enthaltenden Leukophoren identisch sind. 3. Die FormTcränderungen der Chromatophoren beim Farben- wechsel. Die Form veränd erungen , welche die Melanophoren bei dunklen und hellen Fröschen zeigen, waren v. Wittich (129), Harless (58) und Virchow (119) nicht entgangen, denn es werden bereits dunkle Pigmentnetze bei dunklen Tieren beschrieben und die Ansammlung des Pigmentes im Zellkörper bei hellen Tieren, wobei die Fortsätze unsichtbar werden und das Zentrum der Zelle, der eigentliche Körper, an Durchmesser zugenommen hat (Virchow, 119). Die erste genaue Beschreibung der Formveränderungen hat aber erst Lister (82) geliefert, der alle Zwischenstufen der Melanophoren form vom Zustand der äußersten Ausbreitung des Pigmentes zu Netzen bis zum Stadium der vollkommenen Pigmentballung zu runden Pünktchen sorgfältig beschrieben und abgebildet hat. Die Zwischenstufen bezeichnet Lister als sternförmig, zackig und punktförmig. Wenn sich das Pigment aus den Fortsätzen nach dem Zentrum bewegt, bleiben häufig einzelne Pigmentkörnchen oder -klümpchen an einzelnen Stellen der Fortsätze liegen, was wohl auch Busch (16) schon früher beobachtet, aber nicht richtig ge- deutet hat; aber es kommen auch vollkommen pigmentfreie Fortsätze vor, welche dieselben Größen Verhältnisse zeigen wie die pigmenterfüllten, so daß Lister keine Formveränderung der Fortsätze annimmt; nur der zentrale Teil des Zellkörpers zeigt bei voller Retraktion des Pigmentes eine Ausbuchtung. An absterbenden Zellen hat Lister auch die feineren Vorgänge der Bewegung der Pigmentkörnchen studiert, die mit langsam tanzenden Be- wegungen gegen das Zentrum der Zelle vorrücken, was von Hertel (62) an Tritonen- melanophoren vollkommen bestätigt wurde. Diese Vorwärtsbewegung ist nach Hertel an einzelnen Stellen langsamer, an anderen schneller, so daß Pigmentanhäufungen entstehen ; namentlich an den peripheren Enden der Fortsätze treten solche rundliche Pigmentanhäufungen auf, die Biedermann (10) als keulen- oder tropfenförmige Anhäufungen bereits vorher bei Byla beobachtet hatte. Diese imgleich schnellen Pigmentbewegungen hatte auch Lister allerdings bei der Expansion des Pigmentes schon beobachtet, denn er sagt, daß die einzelnen Pigmentkörnchen bei ihrer Fort- bewegung vom Zentrum plötzlich stehenbleiben, andere können sogar Wirbelbe- wegungen (circuitous route) zeigen, also ganz ähnliche Bewegungen wie sie von Degner ganz neuerdings an Krusterchromatophoren, und wie sie von Kahn und Lieben (65) auch bei Froschchromatophoren beobachtet wurden. Nach Hertels Versuchen brauchten die Tritonenchromatophoren eine etwa 10—15 Minuten lange Bestrahlung mit ultraviolettem Licht, um die maximale Pigmentverschiebung nach dem Zentrum Der Farbenwechsel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. 1485 auszuführen. Wurde aber die Bestrahlung schon nach 3 Minuten unterbrochen, dann ging zwar die Pigmentbeweguug gegen das Zentrum noch eine Zeitlang weiter, kam aber bald zum Stillstand, bevor die maximale Ballung eingetreten war und ging in Expansion über. Nach Lister (82) bleibt in den pigmentfreien Fortsätzen eine farblose Flüssigkeit zurück. Bei maximaler Expansion ist im zentralen Teil der Zelle nur eine kleine Pigmentmenge vorhanden, so daß das Zentrum der Zelle zuweilen ganz pigmentfrei wird. Auch die Chromatophore n der Epidermis zeigen ganz analoge Erscheinungen der Pigmentverschiebungen wie die vorher geschilderten der Cutischroraatophoren (H. Müller, 92; Leydig, 73), aber sie reagieren langsamer als die der Cutis (H. Müller, 92; Meyerson, 91). Bei den geballten epithelialen Pigmentzellen der Öalamanderlarve sammelt sich das Pigment an den Polen der Zelle, während es bei den Cutischroraatophoren um die ganze Peripherie des Kernes konzentriert ist, so daß es diesen verdeckt (Fischel, 36). Es scheint aber auch Epidermischromatophoren zu geben, welche keine Formveränderungen zeigen (Fuchs, 45), denn selbst bei stärkster Ballung der Schwitnmhautchromatophoren bleiben immer einige oberflächlich gelegene vollkommen expandiert. Üb es sich um keine echten Chromatophoren gehandelt hat, vermag ich nicht zu sagen. Uebrigens muß auch noch hervorgehoben werden, daß durchaus nicht alle Chromatophoren der Schwimmhaut gleichzeitig immer gleichstarke Ballungs- oder Ex- pansionserscheinungen darbieten, nur bei sehr starken und langandauera- den Reizen kann man eine solche Gleichmäßigkeit fast vollkommen erreichen. Ferner konnte von Leydig (77) an den dunklen Chromatophoren des Gehirns (Dura mater) keine Formveränderung nachgewiesen werden. Es ist nun die Frage zu beantworten, welcher von beiden Zuständen der Pigmentverteilung den ruhenden, und welcher den aktiven dar- stellt. Darüber herrscht durchaus keine Uebereinstimmung bei den Autoren. Als den Ruhezustand sehen wohl die meisten Forscher in Uebereinstimmung mit Hering (8), v. Wittich (31), Sollaud (111) die Expansion an, während Goltz (55), VüLPiAN (120) sowie Hermann (61) bei Froschlarven die Retraktions- phase als den Ruhezustand betrachten. Doch hat keiner der drei letztge- nannten Autoren einen zwingenden Beweis für diese Anschauung erbracht. In letzter Zeit haben besonders die französischen Autoren, z. B. Carnot (17) in An- lehnung an die von Pouchet bei Fischen und Krebsen vertretene Anschauung, sowie auch BabÄk (8) auf Grund von Versuchen an Ämblystoma einen mitt- leren Ballungsz US tand als den Ruhezustand betrachtet, von dem aus nach beiden Richtungen hin aktive Veränderungen erfolgen. Diese Anschauung ist aber unhaltbar, weil wir den mittleren Ballungszustand als einen durch den Tonus des Nervensystems erzeugten kennen lernen werden, und ein Tonus immer einen Erregungszustand darstellt, allerdings hat Lister (82) angenommen, daß in den Zellen selbst eine Kraft vorhanden sein soll, die den Expansions- zustand aktiv hervorruft, und daß diese Kraft vom Nervensystem aus gehemmt werde, und alle Reize, die zur Ballung führen, eine solche hemmende Wirkung auslösen. Diese Auffassung kann wohl heute nur noch historisches Interesse beanspruchen. Auch die Xantholeukophoren zeigen Formveränderungen, obzwar sie, wie Ehrmann (31) hervorhebt, nicht ohne weiteres sichtbar sind. Denn sowohl V. Wittich (129) als auch Leydig (77) geben an, daß an den gelben Zellen keine Formveränderungen wahrzunehmen sind. Ehrmann beschreibt diese Formverände- rungen bei Hyla als Ausbuchtungen und Abschnürungen, doch hat Biedermann (10) am gleichen Objekt keine solchen Veränderungen der Zellform erwähnt. Bei Polypedates Remwardtii (Siedlecki, 110) zeigen die Xantholeukophoren beim Ueber- gang von der dunklen zur hellen Färbung eine Umwandlung der halb- 1486 R. F. Fuchs, kugeligen Zell form in eine ellipsoide, wobei der früher oberflächlich gelegene Kern in die Tiefe der Zellen rückt und selbst mannigfache Form Veränderungen zeigt. Außer diesen Formveränderungen treten an den Xantholeukophoren noch bestimmte Umlagerungen des gelben Farbstoffes und der Interferenzkörner innerhalb der Zellen auf, welche von Biedermann (10) und Ehrmann (31) an Hyla und von Siedlecki (110) an Polypedates beobachtet worden sind. Durch diese Um- lagerungen kommen nun verschiedene Färbungen zustande. Das gelbe Pig- ment der Xantholeukophoren kann nach Biedermann folgende Verteilung zeigen : Im Stadium der Expansion, das bei grünen oder hellen Laubfröschen vorhanden ist, bilden die Interferenzkörner eine scheibenförmige Unterlage, über die sich fast genau ihrer Anordnung entsprechend das gelbe Pigment ausbreitet, so daß man nur durch diese hindurch die Körnchen zu erkennen vermag, weshalb die Zelle gelb ge- färbt erscheint. In dieser Verteilung zeigen die Interferenzkörner eine solche Lage, daß sie im auffallenden Licht blau glitzern. Hat man aber eine dunkle Hyla durch Erwärmen in der Hand silbergrau gefärbt, dann trifft man in den Xantholeuko- phoren das Retraktionsstadium an, in welchem die Interferenzkörnchen räumlich scharf getrennt sind von dem gelben Pigment, das zu einem rundlichen Klumpen geballt, zwischen den scheibenförmigen Anhäufungen der Interferenzkörner (Fi g. 80 liegt. Diese letzteren sind dichter zusammengedrängt [und erscheinen im auf- fallenden Licht matt. Im Anschluß an die bisher geschilderten Erscheinungen der Expansion und Retraktion der Pigmente in den Xantholeukophoren und Melanophoren ist es uns möglich, das Zustandekommen der verschiedenen Farben, welche die Amphibien beim Farbenwechsel zeigen, befriedigend zu erklären. Ich führe hier als Beispiel die Farben von Hyla arborea nach Biedermann (10) an, da die Farben der anderen Amphibien auf ganz analoge Weise zustande kommen. Das weitverbreitete Grün ist nicht durch ein grünes Pigment hervor- gerufen, wie bereits v. Wittich (129) u. a. ältere Forscher erkannt hatten. Beim Fig. 80. Fig. 81. Fig. 80. Hyla arborea. Unterschenkelhaut von einem hellgrau gefärbten Exemplar. Das gelbe Pigment erscheint zu größeren Klumpen geballt. (Nach Biedermann.) Fig. 81. Hyla arborea. Haut des Unterschenkels von einem citronengelb gefärbten Exemplar im durchfallenden Licht gesehen nach Entfernung der Epidermis. (Nach Biedermann.) Der Farbenweclisel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. 1487 Laubfrosch kommt die grüne Färbung durch folgende Pigmentverteilung zustande: Der gelbe Farbstoff ist oberflächlich expandiert, ebenso auch das dunkle Pigment der Melan ophoren, die Netze bilden und ihre pigment- haltigen Fortsätze bis zu der Schicht der Xantholeukophoren aussenden. Diese letzteren erscheinen auf dem dunklen Grunde der Melanophoren blau und dazu mischt sich das Gelb des ausgebreiteten gelben Farbstoffes, wodurch die Subtraktions- farbe Grün entsteht. Je mehr nun das schwarze Pigment der Melanophoren in die oberflächlicheren Fortsätze sich vorschiebt, um so dunkler wird das Grün. Die gelbe Färbung von Hyla kommt dadurch zustande, daß der gelbe Farb- stoff der Xantholeukophoren expandiert ist, während das dunkle Pigment der Melanophoren vollkommen retrahiert ist (Fig. 81). Tritt nun bei einem gelb gefärbten Tier auch noch eine Retraktion des gelben Pigmentes ein, dann erscheint es weißlichgrau. Wenn nun in diesem Zustand das Pigment der Melanophoren expandiert, dann färbt sich Hyla schwarz, wobei die dunkel pigmentierten Ausläufer der tiefgelegenen Melanophoren die Xantholeukophoren umfassen oder ganz überdecken (Fig. 82, 83). Die verschiedenen braunen, roten und o ck ex Y&rhenheS Rana temporaria und den verschiedenen Kröten kommen in gleicher Weise dadurch zustande, daß hier ein rotes Pigment zu den übrigen hinzukommt. ^ Fig. 82. Hyla. Haut des Unterschenkels bei sehr dunkler (fast schwarzer) Fär- bung. Das gelbe Pigment ist nicht mit dargestellt. (Nach Biedermann.) Als letzte Farbe ist noch das Blau zu erwähnen, das namenthch die Männchen von Rana eseulenta und fusca im Frühjahr zeigen. Die erste Beobachtung rührt wohl von Steenstrup (112) her, der blaubereifte Männchen von Rana plalyrrhinus in einer Bucht des Tuelsöe bei Soröe angetroffen hat. Später hat Leydiq (75, 76) wiederholt auf diese Blaufärbung hingewiesen, die auch von Haller (57) sowie Ehrmann (31) erwähnt wird. Nach Leydig (75, 76) sind drei Faktoren am Zu- 1488 R. F. Fuchs, standekommen des Blau beteiligt: 1) ein weißliches, vielleicht blau irisierendes Pigment, das sich in den obersten Schichten der Lederhaut ausbreitet , 2) die tiefer liegenden dunklen Pigmentzellen und 3) die Schwellung der Leder- haut durch Füllung ihrer Lymphräume. Die schwarzen Chromatophoren umspinnen mit ihren Fortsätzen das weißliche Pigment, wobei die Schwellung der Lederhaut das Durchscheinende des blauen Reifes hervorbringt. Je nach dem Expansionszustand der Melanophoreü und der Füllung der Lymphräume kann das Blau zwischen Blaugrau und Sattblau wechseln. Ehrmann (31) läßt das Blau durch die Wirkung eines trüben Mediums (Xantholeuko- phoren ohne gelbes Pigment) auf einem dunklen Grund entstehen. Es gelang ihm durch Auflegen eines Kochsalzkristalles auf die graue Haut einer Hyla künstlich die blaue Farbe zu erzeugen, wobei eine mächtige Expansion des schwarzen Pigmentes eingetreten ist. Fig. 83. Hyla. Unterschenkelhaut von einem sehr dunklen Tier. Das gelbe Pigment erscheint in den Lücken geballt. (Nach Biedermann.) Die Pigmentbewegung in den Pigmentzellen der Amphibien ist nach der Erfahrung fast aller Autoren eine langsame. Nähere Zeitbestimmungen liegen nur von Hertel (62) vor bei Einwirkung von ultraviolettem Licht, wo nach einer 2 bis 3 Minuten dauernden Bestrahlung die Bewegung begann und nach 10 bis 15 Minuten eine maximale Pigmentretraktion bei Tritonenlarven beobachtet wurde. Eternod und Robert (33) sahen bei Fröschen vollständige Ballung vorher netz- förmig expandierter Melanophoreü binnen 1 Minute eintreten, Da aber keine ge- naueren Angaben über den Reizversuch vorliegen, so können natürlich solche abso- luten Zeitangaben keinen größeren Wert haben. Aber alle Autoren, von Harless (58) angefangen, sind darüber einig, daß die Retraktion rascher abläuft als die Expansion, nur Hermann (61) behauptet das Gegenteil für Froschlarven, die durch Licht gereizt wurden. Ferner verdient Flemmings (41) Beobachtung erwähnt zu werden, daß an kleineren Zellen von Salamanderlarven die Bewegungen rascher sind als an großen. Endlich scheint es nach den Beobachtungen von FüCHS (45), daß die Melanophoreü der verschiedenen Hautbezirke verschieden rasch reagieren, denn die Schwimmhautchromatophore n zeigten stets eine lang- samere Reaktion als die der Rückenhaut. 4. Der Mechanismus der Foriiiveränderung. Daß die Kräfte zur Formveränderung in den Chromatophoren selbst gelegen sind, darüber sind sich die Forscher vollkommen einig, denn Harless' (58) Anschauung, daß die Aenderungen der Pigment- verteilung durch einen von außen auf die Zellen ausgeübten Druck zustande kommen sollten, ist bereits von v. Wittich (130) vollkommen widerlegt worden. Dagegen hat die Frage, ob die Expansion der Chromatophoren durch ein Aussenden von Fortsätzen zustande kommt, die bei der Retraktion wieder eingezogen werden wie die Pseudopodien, bis heute noch keine endgültige Beantwortung er- fahren. Die älteren Forscher, wie v. Wittich (129, 130), Virchow (119), Hering (60) und besonders Leydig (72, 74, 77), Busch (16), Bimmermann (11), Pouchet (99), Vulpian (120) u. a., haben ohne Anführung besonderer Beweise angenommen, daß die Formverände- rungen der Chromatophoren ein Kontraktionsphänomen seien Der Farbenwechsel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. 1489 bzw. eine amöboide Bewegung darstellen. Hat doch Haller (57) direkt von Wanderungen der Cutischromatophoren gesprochen. Von den neueren Forschern haben sich dieser Auffassung nur Negre (93) und GoLOviNE (53) unbedingt angeschlossen, letzterer, weil es ihm gelang, bei expandierten Chroniatophoren pigmenttreie Stellen der Fortsätze mit künstlichen Farbstoffen zu färben , während an voll- ständig retrahierten Chroniatophoren niemals eine Färbung der Fort- sätze gelang. Diese Beweisführung Golovines halte ich für durch- aus ungenügend, denn es kann sich bei diesen Färbungen sehr wahr- scheinlich um mechanische Farbstoffniederschläge um die Pigment- körnchen gehandelt haben, da pigmentfreie Fortsätze schwer färbbar sind. Winkler (128) nimmt auf Grund von Reizversuchen mit kon- stantem Strom an, wobei an Zellen, die früher keine pigmentfreien Fortsätze erkennen ließen, während der Reizung pigmentierte Fort- sätze auftreten, daß es sich hier um Aussenden von pseudo- podenartigen Fortsätzen handle, während durch faradische Reizung diese Fortsätze eingezogen werden. Dieser Versuch beweist natürlich nur, daß die Pigmentverteilung bei faradischer Reizung eine andere ist , als bei galvanischer, aber er ist kein Beweis dafür, daß keine pigmentfreien Fortsätze vorhanden waren, da ja diese selbst an frischen Präparaten sehr schwer zu sehen sind. Daß bei wieder- holten solchen Reizversuchen nicht immer genau die gleichen Fort- sätze auftraten, ist auch kein Beweis für ein aktives Aussenden der Pseudopodien, denn einmal gibt Winkler selbst zu, daß das Pigment „meist" wieder die frühere Bahn aufsucht. Wenn nun die Expan- sionen verschieden stark sind, nicht immer maximal, dann werden natürlich manche Fortsätze nicht mehr, andere weniger vollkommen mit Pigment erfüllt sein, so daß schon dadurch verschiedene Bilder der Chromatophoren auftreten müssen ; außerdem gibt Winkler selbst an, daß er eine sichere Retraktion pigmentfreier Fortsätze nicht gesehen hat. In etwas veränderter Form haben Ehrmann (27, 31, 32) und Fischel (36), sowie Carnot (17) dieser Hypothese sich angeschlossen, denn diese Autoren sind der Meinung, daß die Fortsätze der Pig- mentzellen ein gezogen und ausgestreckt werden, und Fischel gibt ausdrücklich an, daß bei den geballten Chromatophoren keine pigmentfreien Fortsätze vorhanden sind ; aber neben diesen Form- veränderungen spielen Körnchenströmungen noch eine Rolle. Die zweite Auffassung über die Pigmentbewegung ist von Lister (82, 83) und H. Müller (92) zuerst vertreten worden ; sie gipfelt darin, daß sich das Pigment infolge von Protoplasmaströmungen innerhalb der Zelle in präformierten Bahnen bewege, daß also die Fortsätze unveränderlich sind. Als Beweis für seine Meinung führt Lister die Existenz der pigmentfreien Fortsätze an. Dieser Auffassung hat sich Hertel (62) angeschlossen, ferner Sied- lecki (110), sowie Kahn und Lieben (65). Die beiden letztge- nannten Autoren beobachteten durch photographische Aufnahmen einer und derselben expandierten Schwimmhautinelanophore vor einer Pigmentballung und während der folgenden Expansion nach der Ballung, daß die Fortsätze bei den einander folgenden Expansionen genau die gleichen sind. Auf Grund der ver- öffentlichten Photogramme muß unbedingt zugegeben werden, daß die Uebereinstimmung eine fast, wenn auch nicht ganz vollkommene ist. Diese kleinen Differenzen können sich leicht ergeben, wenn der Zeil- Handbuch d. vergl. Physiologie. III, 1. 94 1490 R. F. Fuchs, turgor der umgebenden Zellen sich ein klein wenig geändert hat, wodurch das Einströmen in einzelne feine Aeste erschwert wird. Aber ich muß entschieden bestreiten , daß aus dieser Uebereinstimmung, auch wenn sie absolut vollständig wäre, gefolgert werden darf, daß hier ein sicherer Beweis dafür vorliegt, daß die Chromatophoren keine Fortsätze aussenden und das Pigment in unveränderlich festen Bahnen sich bewege. Denn wenn die Chromatophoren bei einer maximalen Expansion — und nur bei solchen besteht eine Ueber- einstimmung — pseudopodienartige Fortsätze aussenden würden, so müßten diese in den Intercellularlücken gelegen sein, und diese sind natürlich auch nicht veränderlich, so daß also auch dann gleiche Bilder bei aufeinander folgenden Expansionen zustande kommen müßten. Somit ist auch die Anschauung, daß es sich bei den Pig- mentverschiebungen nicht um Aussenden und Einziehen von Fort- sätzen handelt, nicht streng bewiesen. Biedermann (10) hält zwar die Bewegung der Pigmentkörnchen auf präformierten Bahnen für sicher, aber es wäre doch möglich, daß die Zelle, wenn die Pigmentretraktion vollkommen erfolgt ist, auch noch die pigment freien Fortsätze einzöge. Denn wenn die Körnchenbewegung infolge des beweglicheren Endoplasmas rascher erfolgte, als die Bewegung des zäheren Hyaloplasmas, dann wäre die Existenz pigmentfreier Fortsätze genügend erklärt. In diesem Sinne deutet auch Schuberg (108) seine Befunde am Axolotl , wo es manchmal gelang, die pigmentfreien Fortsätze mit Dahlia zu färben, manchmal aber an retrahierten Zellen, deren Protoplasma gut ge- färbt war, keine Fortsätze zu sehen waren. Ueber die Ursachen , welche die Pigmentverschiebungen veran- lassen, sind wir noch vollkommen im unklaren. 5, Die Innervation der Cliromatophoren. Daß die Chromatophoren der Amphibien unter dem Einfluß des Nerven- systemes* stehen, |ist durch eine Unzahl physiologischer Experimente und Beobach- tungen zweifellos festgestellt. Trotzdem ist es aber bis heute noch nicht gelungen, den letzten Zusammenhang der Nerven mit den Chromatophoren, also die Nerven- endigungen, einwandfrei histologisch darzustellen. SzczESNY (116) hat wohl die zu den Chromatophoren hinziehenden vermeint- lichen Nervenfasern abgebildet, aber es können der Beschreibung nach, die ich aller- dings nur nach dem Referat kenne, keine Nerven gewesen sein. Leydig (77) begnügt sich mit der Angabe, daß sich die kontraktilen Pigmentzellen der Epidermis mit Nervenfasern verbinden, während Haller (57) wenigstens die vermeintlichen Nervenendigungen an den Pigmentzellen näher beschreibt; aber daraus geht mit Bestimmtheit hervor, daß es sich nicht um Nervenfasern handelt. Auch Ehr- MANN (26) hat eine Beschreibung und Abbildung der an die Chromatophoren heran- tretenden Nervenfasern gegeben, aber Ehrmann (32) hat später selbst erklärt, daß die früher beschriebenen Nervenendigungen nicht die letzten Nervenendi- gungen sind; aber als pigmentfreie Zellfortsätze will er seine vermeintlichen Nerven- fasern auch nicht gelten lassen. Jedenfalls konnte Ehrmann die histologische Natur dieser Elemente nicht erklären. Eberth und Bunge (25) konnten mit der Golgi- Methode ebenso wie Golovine (53) die Nervenendigungen an den Chromato- phoren der Froschhaut nicht beobachten; dagegen gibt Sollaud (111) an, daß er an Fröschen die gleichen Nervenendigungen gesehen habe wie Ballowitz an Fischen. Aber aus der veröffentlichten Beschreibung kann ich keine Uebereinstimmung der Befunde Sollauds mit denen von Ballowitz entnehmen. Nach Sollaud soll jede Chromatophore gewöhnlich mehrere Fasern erhalten, die sich in der Nachbar- Der Farbenwechsel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. 1491 Schaft der Zelle in feine knötchenförmige Fäserchen teilen, die häufig miteinander anastoraosieren. Die letzten Nervenendigungen hat auch Sollaud nicht gesehen, wie er selbst sagt, aber ich bin auch darüber im Zweifel, daß die als Nerven be- schriebenen Gebilde wirklich Nerven waren, so daß bis heute eine zweifellose Beob- achtung des anatomischen Zusammenhanges von Nerven und Chromatophoren noch nicht vorliegt. Selbstverständlich ändert dies nichts an der Tatsache, daß eine solche Verbindung unbedingt bestehen muß. D. Die Pigmente. 1. Form und Anordnung der Pigmente. Das schwarzbraune Pigment, welches in stärkerer Anhäufung schwarz, in dünneren Schichten bräunlich erscheint, ist von mehr oder weniger feinkörniger Beschaffenheit. Die einzelnen Granula haben eine rundliche Gestalt und können sich zu größeren Brocken aneinander legen. Sowohl Fischel (36) als auch Reinke (103) haben an Salamanderiarven beobachtet, daß die künstlich gebleichten Pigment- körner sich künstlich färben lassen, daß also das dunkle Pigment an ein be- sonderes Substrat innerhalb der Zelle gebunden ist. Reinke ist der Meinung, daß die in anderen Zellen enthaltenen kristallinischen Einschlüsse die ungefärbten Vorstufen der dunklen Pigmentkörner seien, weil er innerhalb einzelner Zellen beiderlei Elemente antraf. Aber diese Anschauung ist zweifellos irrig, da wir wissen, daß dunkles Pigment in den Leukophoren neben den Guaninkörnern nicht selten auftreten kann. Das gelbe oder gelblichweiße Pigment ist in den Zellen in etwas un- regelmäßig geformten größeren Tröpfchen oder Tropfen enthalten, die häufig al» fettige oder ölige Kügelchen oder Klümpchen beschrieben werden (Pouchet, 1(X); Leydig, 73; Ehrmann, 31, u. a.). Fischel (36) erwähnt, daß auch dieses helle Pigment sich bleichen lasse, aber es gelingt nicht, die entsprechenden Körner später zu färben. Auch ein rotes Pigment in Form von fettigen Kügelchen wird von Leydig (74) bei Scdamandra perspicillata beschrieben; vielleicht gehört hierzu auch das rosenrote Pigment von Bufo variegata und vulgaris, sowie das nicht näher untersuchte rote Pigment von Rana temporaria. Leydig (73) erwähnt ein körniges, rein weißes Pigment, das nicht kri- stallinisch ist; bei Amphibien ist es weniger verbreitet als bei Reptilien. Nach Leydig soll es eine Verwandtschaft mit dem gelbweißen Hautfarbstoff der Arthro- poden haben. Ferner wird sowohl von Leydig (73) als von Ehrmann (31) ein eigenes irisierendes Pigment beschrieben, das wohl etwas anderes ist als die in den Xantholeukophoren enthaltenen Interferenzkörner. Ueber die Eigenart dieses Pigmentes geben die Autoren leider keine Aufschlüsse. Als letzte der färbenden Substanzen sind die in den Xantholeukophoren bzw. Leukophoren enthaltenen Interferenzkörner anzuführen, welche zwar, streng genommen, nicht zu den eigentlichen Pigmenten im engeren Sinne gehören. Der erste Untersucher v. Wittich (129) beschreibt sie als säulenförmige, kry- stallinische Stäbchen, die farblos und schwach lichtbrechend sind und im auffallenden Licht lebhafte Interferenzfarben zeigen und stark glitzern. Die Größe der sphärischen Körperchen wird von Pouchet (100) auf etwa 1 |j. angegeben ; diese kristallinischen Körper zeigen eine blättrige Struktur von parallel übereinander hegenden feinen Lamellen (Pouchet, 100; Biedermann, 10). Neumann (94) be- schreibt scharf eckige rhombische Tafeln, die von je zwei parallelen Kontur- linien begrenzt werden, während Biedermann bei Hyla eine deutliche kristallinische Struktur nicht zu erkennen vermochte. Es scheinen eben, wie Leydig (74, 77, 78) in seinen Arbeiten angibt, ziemlich große Unterschiede in der Form vorzukommen, denn Leydig sagt, daß, solange die Körnchen klein sind, sie nicht irisieren; wenn sie aber kristallinisch werden oder gar Kristalle sind, dann irisieren sie. Eine feinkörnige 94* 1492 R. F. PucHs, Form haben die Körnchen von Bufo vulgaris, die aber trotzdem irisieren. Die Körnchen sind, wie bereits v. Wittich (129) fand und von Ewald und Krtjken- BERG (34) bestätigt wurde, doppeltbrechend. Die Verteilung des Pigmentes in der Zelle ist ziemlich gleichmäßig, aber wenn wenig Pigment vorhanden ist, so liegt es in der Nähe des Kernes. Die epi- thelialen Chrom atophoren des Frosches und der Salamanderlarve zeigen aber nur selten eine gleichmäßige Verteilung des Pigmentes durch das ganze Plasma; ge- wöhnlich ist das Pigment in den oberen Partien der Zelle angesammelt, so daß es eine Schale oder eine Sichel bildet (Ehrmakk, 27), oder die Zellen bei mittlerer Einstellung des Mikroskopes schwarz konturiert erscheinen (Zimisiermann , 133). Außerdem gibt Ehrmann an, daß bei sich teilenden Chromatophoren eine An- ordnung der Pigmentkörnchen entsprechend der achromatischen Kernfigur auftritt. 2. Chemisches Verhalten des Pigmentes. Das dunkle oder schwarze Pigment der Amphibien wird zur Gruppe der Melanine gerechnet; offenbar handelt es sich aber bei den verschiedenen Amphibien um verschiedene Melanine, wie besonders die verschiedenen Angaben über die Löslichkeit des Farb- stoffes zeigen. Es ist unlöslich in Wasser, Aether, Alkohol und wird von Schwefelsäure, nach Jarisch (63) von Mineral- und Pflanzen- sauren nicht angegriffen; dagegen gibt Magnan (85) an, daß Salpetersäure es löst. Die Lösung wird beim Erhitzen rot und durch Verdünnen gelb. In Alkalien unlösliche Melanine haben gefunden Jarisch (63), sowie Magnan (84), welcher Autor sogar angibt, daß das Melanin durch Kochen mit Kalilauge nicht verändert wird und darauf seine Reindarstellung des Melanins basiert, während Marche- siNi (86) angibt, das Melanin der Batrachier sei löslich in Kalilauge ; Pepsin-Salzsäure verändert das Melanin nicht (Jarisch, 63). Mit Ferrocyankalium und Salzsäure behandelt, gibt es keine Berliner- blaureaktion, woraus Jarisch schließt, daß das Melanin kein Eisen enthalte, ebenso gibt auch Magnan (85) keinen Eisengehalt an und erwähnt, daß das Melanin mit Ferrocyankali, sowie mit Kupfersulfat eine grüne Färbung zeigt. Ob alle Melanine der Amphibien eisen- frei sind, ist damit noch keineswegs entschieden, aber selbst wenn das der Fall sein sollte, so darf daraus noch nicht gefolgert werden, daß das Melanin nicht vom Blutfarbstoff abstam mt. Das Melanin wird entfärbt durch Chlor, Chromsäure, sowie Wasserstoffsuperoxyd (Jarisch, 63). Nach der von Magnan (85) ver- öffentlichten Elementaranalyse zeigt das von ihm dargestellte Batrachier- Melanin folgende Zusammensetzung: C 58 — 53 Proz., H 3,5 — 6 Proz., N 8—15 Proz., 21^30 Proz., S 0,3—0,5 Proz. Es ist dies ein verhältnismäßig schwefelarmes Melanin. Der gelbe Farbstoff der Amphibien ist sehr viel eingehender untersucht worden. Schon den ersten Untersuchern, wie v. Wittich (129, 130), Hering (60), Leydig (73, 74), Pouchet (100) war die Löslichkeit des Farbstoffes in Alkohol bekannt, denn schon V. Wittich (130) hatte damit das Grau- bzw. Blauwerden der in Spiritus aufbewahrten grünen Frösche erklärt. Die Löslichkeit des Farbstoffes in Aether war bereits Hering (60) und Pouchet (100) bekannt, so daß die schon genannten Autoren den gelben Farbstoff als einen fettähnlichen Körper bezeichnen, der nach dem Ver- dampfen der Lösungsmittel in Form von Tropfen zurückbleibt. Ferner hatte Harless (58) und Hering (60) ganz richtig beobachtet, daß Der Farbenwechsel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. 1493 das gelbe Pigment von verdünntem Aetznatron nicht angegriffen wird. Genauer untersucht wurde aber der Farbstoff erst durch Kruken- berg (71), der ihn in Uebereinstimmung mit Kühne Lipochrin nannte. Die Alkohol-Aether-Chloroformextrakte dieses Farbstoffes der Froschhaut sind rein gelb, in verdünnter Lösung gelbgrün ; die Schwefel- kohlenstofflösung zeigt orangegelbe Färbung. Ganz ähnlich verhält sich der gelbe Farbstoff von fi?//a und \ er schiedenen Bufones {viridis, calamita^ vulgaris), ein analoges Verhalten zeigt auch der Orangefarbstoff von Triton und Salmnandra, nur sind die Alkohol- und Aetherlösungen orange, die Schwefelkohlenstofflösungen orangerot gefärbt. Doch ist besonders zu bemerken, daß aus der Haut von Salamandra selbst beim Er- wärmen der Farbstoff nur sehr langsam an die genannten Lösungs- mittel abgegeben wird, und das ist wohl der Grund, warum Leydig (74) irrtümlicherweise angab, das gelbe Pigment von Salamandra maciüata sei in Alkohol unlöslich „und gehöre wohl zu den sonst weißen Pigmenten, welche Harnsäureverbindungen darstellen", womit Leydig das Guanin meint. Aber nach Krukenberg ist das gelbe Lipochrin der Anuren das gleiche wie das orangefarbene der Urodelen, denn beide zeigen übereinstimmende Spektra. Die ange- gebene verschieden schwere Löslichkeit soll darauf beruhen, daß das Lipochrin mit einem anderen Stoff verbunden ist. Leicht löslich sind die Orangefarbstoffe der Salamandrinen und Anuren in einer 2-proz. Natriumkarbonatlösung; doch zeigen diese Lösungen keine Ab- sorptionsbänder. Auf Zusatz von stärkeren Mineralsäuren ver- blaßt der Farbstoff. Nach dem Eindampfen am Wasserbad bleibt dann ein brauner Rückstand zurück, der an Alkohol keinen Farbstoff abgibt. Die gelben Farbstoffe werden durch konzentrierte Schwefelsäure und Salpetersäure grün oder blau gefärbt, während Jodjodkali nur den gelben Farbstoff der Tritonen blaugrün färbt, bei den übrigen von Krukenberg untersuchten gelben Amphibienfarbstoffen aber keine Reaktion zeigt. Besonders wichtig ist, daß Krukenberg bei allen untersuchten gelben und orange Farbstofflösungen im Prinzip überein- stimmende Absorptionsbänder fand; die alkoholischen Lösun- gen zeigen einen breiten Streifen, der die Linie F umschließt, dann einen breiten Streifen vor G, der mit einer mehr oder weniger deut- lichen Unterbrechung in das kontinuierliche lange Absorptionsband übergeht, das das blaue Ende des Spektrums verkürzt. Die bei der spektralen Untersuchung der Lösungen verschiedener Arten hervor- tretenden Unterschiede führt Krukenberg auf Beimischungen anderer Körper in den Lösungen zurück. Es kann nach den von Krukenberg ermittelten Eigenschaften kein Zweifel sein, daß das Lipochrin der Amphibien ein zu den Luteinen gehöriges Lipochrom ist; vielleicht sind die von Krukenberg beobachteten Verschieden- heiten der Löslichkeit und des spektralen Verhaltens dahin zu deuten, daß hier verschiedene nahe verwandte Luteine vorliegen. Die Untersuchungen von Magnan (84, 85) haben Ergebnisse gezeitigt, die mit denen der früheren Autoren nicht ganz übereinstimmen. Auch Magnan beschreibt ein gelbes Pigment, welches im wesentlichen wohl die Eigenschaften des KRUKENBERGschen Lipochrins zeigt. Aber im Gegensatz zu Biedermann (10) und den früher genannten Autoren wird angegeben, daß Kali- und Natronlauge (?) lösend wirken sollen, außerdem finden sich widerspruchsvolle Angaben über eine ent- färbende Wirkung des Sauerstoffes auf die nicht-lichtbeständigen 1494 R. F. Tuchs, Lösungen. Ferner wird von Magnan (84) angegeben, daß der nach dem Verdampfen der alkoholischen oder ätherischen Lösungen er- haltene fettige Rückstand aus oktaedrischen Kristallen (von 20 in Länge und 12 /.i Breite) des gelben Farbstoffes besteht. Ferner will Magnan (84, 85) noch einen eigenen, in Eisessig löslichen, in Alkohol und Aether unlöslichen braungell3en Farbstoff dargestellt haben, der nicht kristallisiert und nur bei roten Fröschen sich findet. Auch einen grünen Farbstoff hat Magnan (84, 85) aus der Haut der Batrachier dargestellt, trotzdem bisher noch niemand grünes Pigment bei Amphibien mikroskopisch beobachtet hat. Meiner Meinung nach handelt es sich dabei entweder um Zersetzungsprodukte des gelben Lipochrins oder um andere Beimischungen zu seinen Farbstofflösungen. Dieser grüne Farbstoff soll leicht löslich sein in 50-proz. Alkohol, in 3-proz. Kali- und Natronlauge, in Benzin, dagegen wenig löslich in Wasser. Beim Verdampfen der Benzinlösung im Vakuum soll der Farbstoff einen dunkel-flaschengrünen, fettigen, nicht-kristallinischen Rückstand geben. Sehr verdächtig ist die Angabe, daß der Farbstoff in an- gesäuertem Wasser eine weiße Wolke liefert, die in Suspension bleibt und nach Magnans (85) Meinung Guanin sein soll. Die Lösungen des grünen Farbstoffes sind am Licht nicht be- ständig, jedoch in der Dunkelheit monatelang haltbar. Das rote Pigment wird nach Leydig (73) von Alkohol „zer- stört", womit offenbar gelöst gemeint ist, da es dann in den Prä- paraten nicht mehr sichtbar ist. Aus der Haut brünstiger Weibchen von Rana temporaria hat Magnan (84, 85) einen nur in Ammoniak löslichen roten Farbstoff erhalten , der also mit dem LEYDiGschen nicht identisch sein kann. Beim Verdampfen der ammoniakalischen Lösung bleibt ein orangefarbener Rückstand übrig. Die Lösung des Farbstoffes wird in Salzsäure und Schwefelsäure gelb, durch Essig- säure und Phosphorsäure braungelb, durch Salpetersäure zuerst gold- gelb, dann grün. Kali- und Natronlauge färben sie goldgelb. Am Licht ist die Lösung unbeständig, selbst in der Dunkelheit wird sie braun, behält dann aber ihre Farbe. Die Lösungen absorbieren die blauen und gelben Strahlen. Eine genauere chemische Klassifizierung des roten Pigmentes von Magnan ist auf Grund der vorliegenden Angaben nicht möglich. Die Interferenzkörner der Xantholeukophoren , sowie der Leukophoren werden, wie bereits v. Wittigh (129) festgestellt hat, durch Alkohol nicht verändert, dagegen lösen sie sich in Säuren und Alkalien. Hering (60) konnte beobachten, daß schwache Kalilauge aus den Xantholeukophoren die Kristalle löst, während der gelbe Farbstoff zurückbleibt; ebenso wirkt auch Natronlauge (Bieder- mann, 10). Nach PoucHET (100) sind die Körnchen der Iridocyten widerstandsfähig gegen schwache Mineralsäuren, werden aber in konzentrierter Essigsäure, sowie in Alkalien gelöst. Durch lange Ein- wirkung von Alkohol, Aether verlieren sie ihre früher geschilderten optischen Eigenschaften und erlangen sie auch nicht mehr wieder, wenn sie nachher längere Zeit in Wasser liegen. Der Fäulnis wider- stehen die Kristalle längere Zeit. Nach Ewald und Krukenberg (34) sowie nach Neumann (94), der auch die charakteristischen Kri- stalle des salzsauren Salzes darstellte, handelt es sich um Guanin- kr ist alle, die von Leydig (78) irrtümlich als eine Harnsäure- verbindung angesehen wurden. Ewald und Krukenberg finden die Haut von Fröschen sehr reich an Guanin, auch bei Bufo vulgaris und Der Farbeuwechsel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. 1495 calamita konnten sie nach einigen negativen Versuchen Guanin nach- weisen. Dagegen fand sich in der Haut von Axolotln kein Guanin, da Zellen mit doppeltbrechendem Inhalt nicht zu beob- achten waren, so daß höchstens nur Spuren davon bei Axolotln vor- handen sein könnten. 3. Die Bildung des Pigmentes. Die bis heute noch unentschiedene Frage der Pigmentbildung ist wohl die verwickeltste der ganzen Pigmentphysiologie, vor allem des- halb , weil die verschiedenen Autoren sich gar nicht darüber klar waren, daß nicht alle Beobachtungen an Larven auf das ausgewachsene Tier übertragen werden dürfen, ja, daß sogar während der einzelnen Larvenzeiten ganz verschiedene unter- einander nicht direkt vergleichbare Verhältnisse vorliegen. Ferner wurden die Beobachtungen kritiklos von einer Art auf die andere über- tragen und verallgemeinert, so daß ein Chaos von Widersprüchen entstand, aus dem sich auch heute kaum eine befriedigende Darstellung des gesamten Materials geben läßt. Die Frage der Pigmentbildung wurde durch Aeby (2) angeschnitten, der erklärte, daß nach seinen Befunden bei Vögeln, Säugetieren und Menschen kein Pigment im Epithel gebildet, sondern durch Wanderzellen einge- schleppt werde. Damit war natürlich auch sofort die Frage ge- geben: woher stammt das Pigment, wo ist seine Bildungsstätte? Damit war aber wieder die weitere Frage verknüpft, aus welchen Substanzen des Organismus entsteht das Pigment, ist es ein Um- wandlungsprodukt des Blutfarbstoffes, oder wird es durch den Zellstoff- wechsel innerhalb der Zelle selbst gebildet und aus welchen Substanzen? In dieser Darstellung werde ich mich nur auf die an Amphibien gemachten Beobachtungen beschränken. Denn der größte Fehler, der in dieser schwierigen Frage gemacht wurde, liegt meines Er- achtens darin, daß man die Pigmente der Haare, Federn, Epidermis von Säugetieren und Vögeln mit den Pigmentzellen der Amphibien und Reptilien kritiklos durcheinander warf und jede Zelle, die im Mikroskop schwarze oder braune Körnchen zeigte, als ,,Pigment- zelle" ansah und jedes schwarze oder braune Körnchen als „das Pigment" bezeichnete. Dadurch sind jene Unklarheiten entstanden, welche die Frage nach der Pigmentbildung ganz hervorragend aus- zeichnen. Es war einer der schwersten Irrtümer, daß man glaubte, die Frage der Pigmentbildung mit Erfolg diskutieren zu können, ohne eine Ahnung von der Entwicklungsgeschichte der Chro- matophoren zu haben. Diesen Irrtum richtig erkannt zu haben und eine systematische Untersuchung der Chromatophorenentwicklung durchgeführt zu haben, ist das große Verdienst von Ehrmann (30, 32), das nicht dadurch geschmälert werden kann, daß einzelne Autoren in Detailfragen mit Ehrmann nicht übereinstimmen. Daher werde auch ich das Kapitel über die Pigmentbildung mit einer Darstellung der Entwicklungsgeschichte der Pigmentzellen beginnen. a) Entwicklung der Chromatophoren. Um die Entwicklung des Pigmentes und der Chromatophoren genau verfolgen zu können, muß man die Beobachtungen an Embryonen, welche aus primär pigmentierten Eiern stammen {Rana, Bufo, Pelobates, Siredon pisciforme), von jenen trennen, die an Embryonen aus nicht ori ginär pigmentier t en Eiern {Salamandra maculata und atra , Triton cristatus) gemacht werden. 1496 R. F. Fuchs, Schwach pigmentierte Eier besitzen: Triton taeniatus und Hyla arborea. Bei den originär pigmentierten Eiern sammelt sich das Pigment am animalen Pol. Im Morulastadium enthalten die kleinen Zellen des animalen Poles reichlich Pigment, während die des vegetativen Poles verhältnismäßig pigmentarm sind. Die analogen Verhältnisse finden sich auch an der ßlastula und Gastrula, wo das Ekto- derm pigmentiert ist, während das Entoderm nur an der Oberseite, entsprechend den eingestülpten Zellen des animalen Poles, reichlicher Pigment enthält. Dabei ist daß Pigment hauptsächlich an der freien Oberfläche der Zellen angesammelt, wie es bei den pigmentierten Epithelzellen der Froschlarven bereits früher von KoDis (69) erwähnt wurde. Auch die Anlage des Mesoderms, sowie die Chorda enthalten bei Ämblystoma-Lavven noch reichlich primäres Eipigment, während bei Batrachiern zwar wechselnde, aber geringere Mengen des Eipigmentes ins Mesoderm gelangen. Ebenso ist das Pigment der Medullarfalten noch primäres Eipigment, sowie jenes der Mesenchymaulage. Bei den aus primär pigmentfreien Eiern sich entwickelnden Larven von Salatnandra maculata und Triton cristatus tritt das erste Pigment auf kurz vor jenem Zeitpunkt, wo sich die Augenlinse von ihrer ektodermalen Anlage abschnürt, bald nach der Zeit, wo die Auflösung der Ursegmente erfolgt ist (Ehrmann, 32). Diese Angaben stimmen auch mit denen von C. Eabl (lül) über- ein, der das erste Auftreten von Pigmentzellen bei Amphibien zur Zeit beobachtet hat, wo sich die Auflösung der Cutislamelle der Urwirbel und die Bil- dung des Bindegewebes aus der parietalen Seitenplatte vollziehen, wo dann „ein- zelne Bindegewebszellen alsbald zu Pigmentzellen werden", die sich frühzeitig aus dem Verbände ihrer Nachbarn loszulösen und eine gewisse Selb- ständigkeit zu erlangen scheinen. Infolgedessen sind bei primär nicht pigmentierten Embryonen die bis zu dem genannten Zeitpunkt angelegten Organe pigmentfrei. Das embryogene Pigment ist nach Ehrmann mesodermalen Ur- sprunges; und zwar treten die ersten Pigmentzellen an den hinteren Partien des Kopfes zwischen Auge und Gehörbläschen auf. Ehrmanns Anschauung vom meso- dermalen Ursprung der Pigmentzellen hält Weidenreich (122) nicht für be- wiesen, da man das Auftreten der Pigmentzellen nicht aus dem ersten Auftreten von Pigment ableiten darf. Dieser Einwand wird aber durch die EABLschen Be- obachtungen widerlegt, da ja Rabl die noch unpigmen tierten Mesoderm- z eilen als die späteren Pigmentzellen bereits erkannt hat. Die ersten embryonalen Pigmentzellen beschreibt Ehrmann (32) als Spindel- oder Wetzstein förmige ovale Zellen , die anfangs fortsatzlos und nicht pig- mentiert sind, aber verschieden sind von den Zellen des primären Bindegewebes, den Mesenchymzellen. Sehr spät erst treten die Melanoblasten untereinander und mit den Zellen des übrigen Bindegewebes in Beziehung. Die Zellen sind grün- lichgelb und enthalten einen diffusen Farbstoff, der aber bald Körnchenform an- nimmt und in dicker Schicht schwarz erscheint. Gleichzeitig mit den Pigmentzellen der rückwärtigen Teile des Kopfmesoderms entstehen auch die der vorderen Teile und der sekundären Augenblase. Schon frühzeitig treten mitotische Teilungen auf, die Melanoblasten wachsen dann in die tieferen Teile, aber alle Pigmentzellen des erwachsenen Tieres stammen aus primären Melanoblasten, welche unter dem Ektoderm zuerst in der Umgebung des Hirnbläschens aus dem Mesoderm entstanden sind. Dem- entsprechend müssen auch die in der Epidermis vorhandenen Chromatophoren nach Ehrmanns Auffassung aus der Cutis eingewachsen sein, wogegen [von vielen Seiten energisch Widerspruch erhoben worden ist. Bevor wir aber diese Streitfrage erörtern, wollen wir noch einen kurzen Blick auf die Entwicklung der primär pigmentierten Larven werfen. Auch hier tritt zur selben Zeit, wie bei den primär nicht pigmentierten Larven, die Ent- Der Farbenwechsel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. 1497 Wicklung des embryonalen Pigmentes im Mesoderm auf, aber alle vorher be- reits aus den drei Keimblättern entstandenen Organanlagen enthalten noch das ursprüngliche Eipigment. Weidenreich (122) wendet sich aber gegen diese Auffassung EhrmäKNs, daß es sich hier nur um primäres Eipigment handeln könne, da das Pigment in diesen Entwicklungsstadien wegen der Verteilung auf so viele Zellen nicht nur nicht vermindert, sondern eher vermehrt erscheint. Ich möchte diesem Einwand keine zu große Bedeutung zumessen, da es außerordentlich schwer, ja unmöglich ist, die absolute Pigmentmenge auch nur schätzungsweise anzugeben. Aber darin stimmt auch Weidenreich mit Ehrmann überein, daß in den späteren Entwicklungsstadien das primäre Pigment eine allmähliche Verminderung erfährt, während das embryonale zunimmt. Schon Ehrmann (32) hatte vor Weidenreich (122) gefunden , daß die Pigmentausbreitung vom kranialen zum kaudalen Ende und nach ventral fortschreitet; genauer untersucht wurde die Aus- b reitung und Anordnung des Larvenpigmentes jedoch erst von Weidenreich (122), der zunächst darauf hinweist, daß das primäre Pigment keine tegumentäre (hüllenartige) Anordnung zeige und auf keine bestimmten Zonen oder Schichten beschränkt ist, was ja auch aus Ehrmanns Darstellungen ohne weiteres ersichtlich ist. Aber das sekundäre Pigment zeigt eine deutliche tegumen- täre Anordnung, die Weidenreich in folgende Hüllen oder Pigmentdecken gliedert: 1) die kutane, welche in die epidermale und dermale zerfällt, 2) die perineurale bzw. epineurale, 3) die pericölomatische und endlich 4) die perivaskuläre. Dabei sind die dorsal gerichteten Seiten stärker pigmentiert als die ventralen, was von der Haut schon lange bekannt ist. Das zeitliche Auftreten der Hüllen ist nicht bei allen Tieren das gleiche, bei Amphibien tritt zuerst die kutane und perineurale Pigmen- tierung auf. Wir wenden uns nun zur Frage nach der Herkunft der Epidermis- cbromatophoren. Die von CiACCio (20) vertretene Meinung, die Pigmentfiguren der Epidermis seien keine Zellen, sondern es handle sich um eine Bildung von Pigment aus der Intercellularsubstanz, kann wohl als endgültig widerlegt angesehen werden, da an der Zellnatur der Epidermischromatophoren heute nicht mehr zu zweifeln ist. Schon frühzeitig hat Eberth (24) die Auffassung vertreten, daß die Epidermis- chromatophoren ihr Pigment zwar erst in der Epidermis erhalten, daß die Zellen selbst aber vorher als farblose Wanderzellen in die Epidermis ein- gedrungen seien und somit erst in der Epidermis sich in Chrom atophoren um- wandeln. Später wurde jedoch angenommen, daß nicht nur das Pigment in der Epidermis entstanden sei, sondern auch die es tragenden Zellen umgewandelte Epidermiszellen sind. Dieser Standpunkt wurde besonders von J arisch (63) vertreten, indem er einmal darauf hinweist, daß in der Epidermis von Froschlarven Pigment bereits vorhanden ist, wenn in der Cutisanlage noch kein Pigment zu finden ist. Da es sich aber hierbei um das primäre Pigment handelt, so ist dieser Grund nicht beweisend. Die zweite Stütze für seine Anschauung sieht Jarisch in der braunen Pigmentierung der Larvenzähne von Froschlarven, wo die Braunfärbung mit der Zunahme der Verhornung sich vermehrt. Hier ist von einer Einwanderung von Pigmentzellen keine Rede. Es zeigt sich vielmehr, daß die Braun- färbung da auftritt, wo beim Verhorn ungsprozeß die Zellkerne undeutlich zu werden beginnen. Aber auch diese Beobachtung ist nicht beweisend, denn aus Jarischs Abbildungen geht hervor, daß es sich um eine ganz diffuse Braun- färbung handelt, aber nicht um körniges Pigment, so daß es unwahrscheinlich ist, daß es sich hier um ein gleiches Melanin handelt wie in den Chromatophoren. Auch S. Mayer (87) hält es für wahrscheinlich, daß die Epidermischromatophoren in der Epidermis selbst entstanden sind, wobei er die LANGERHANSschen Sternzellen, die häufig vereinzelte Pigmentkörnchen enthalten, mit der Entstehung 1498 R. F. Fuchs der Epidermischromatophoren in Beziehung bringt. In neuester Zeit ist Weiden- KEICH (122) sehr entschieden für die Entstehung der Epidermischromatophoren innerhalb der Epidermis eingetreten. Er fand in frühen Embryonalstadien von Salaniandra atra ramifizierte Chromatophoren in der Epidermis, ohne daß Zeichen einer Einwanderung zu erkennen waren, weshalb Weidenbeich einen ektodermalen Ursprung dieser Chromatophoren vielleicht aus der Zellmasse des Verschlußgebietes des ^Jeuralrohres für möglich hält. Einen mehr vermittelnden Standpunkt vertritt H. Rabl (102), der zwar eine selbständige Bildung des Pigmentes im Epithel annimmt, aber andererseits eine Umwandlung von Leukocyten in Pigmentzellen vertritt, indem sie zerfallende rote Blut- körperchen aufnehmen, wobei die Leukocyten ihre Form ändern. In manchen Fällen kann dann wohl ein zur Pigmentzelle umgewandelter Leukocyt in das P^pithel ein- treten. Es gibt also Rabl wenigstens eine teilweise Einwanderung oder richtiger Einschleppung des Pigmentes in die Epidermis zu. Uebrigens möchte ich hier an- führen, daß AsvADOUROVA (8) bei Tritonen, Salamandern und Pleurodele (?) ganz allgemein die Leu kocy ten als die Pigmentoblasten ansieht, weil sich in der Leber die Leukocyten mit Pigment beladen, wobei Kernveränderungen auftreten. Schon früher hatte Meyersün (91) in der Leber Zellen mit schwarzbraunem Pig- ment beobachtet, die er als wandernde Melanocyten (Pigmentzellen) be- zeichnet und die er für identisch hält mit den Leukocyten, die im Blute gleichfalls mit schwarzem oder braunem Pigment beladen sein können. Diese Pigmente sind Reste von zerfallenen Blutkörperchen. Die in diesen umgewandelten Leukocyten vorhandenen Körnchen färben sich mit Neutralrot rot oder braun und sollen eine Vorstufe des Pigmentes sein. Zunächst wird man eine Identifizierung der Leuko- cyten und Chromatoblasten durch die Beobachtungen von Asvadoürova als nicht genügend begründet ansehen müssen. Gegen die Entstehung der Epidermischromatophoren in der Epidermis selbst hat sich ganz entschieden Ehrmann (27, 28, 32) ausgesprochen. Nach seinen Beobachtungen an Salamanderembryonen treiben die Melanoblasten des Mesoderms zapfenartige Sprossen in das Ektoderra, in welche auch ein Zapfen des Kernes hineintritt, der dann durch Abschnüren seinen Zusammenhang mit dem sub- epithelial gelegenen Kern der Melanophore verliert; der intraepitheliale Melanoblast teilt sich dann durch direkte Zellteilung, nachdem er zuvor Fortsätze ausgesandt hat, aber noch immer mit dem subepithelialen in Verbindung ist. Erst lange,, nachdem sich die Melanoblasten in der Epidermis abgeschnürt haben, tritt bei Salamanderlarven Pigment in den übrigen Epi- dermisz eilen auf, das durch ein direktes Ueberströmen von den Melanoblasten auf dem Wege ihrer Fortsätze in die übrigen Epidersmiszellen gelangen soll, mit denen sich die Fortsätze der Pigmentzellen direkt verbinden sollen. Auch am aus- gewachsenen Tier soll das Einwachsen der Cutischromatophoren in die Epidermis in der genau gleichen Weise stattfinden. Eine Einwanderung der Epidermis- chromatophoren aus der Cutis nimmt auch Gegenbadr (51) als feststehend an, da er das allmähliche Vordringen der Cutischromatophoren in die Epidermis beschreibt. Aber im Gegensatz zu Ehrmann scheint Gegenbaur keine Abschnürung der Epidermischromatophoren aus denen der Cutis anzunehmen, sondern ein allmähliches Wandern der ganzen Zelle. Den gleichen Standpunkt vertritt auch Schdberg (108), der insbesondere darauf hinweist , ' daß die von Ehrmann beschriebenen Ver- bindungen zwischen Pigmentzellen und Epidermiszellen nicht als solche gedeutet werden können. Endlich haben KoDis (69), sowie Winkler (127) das Pigment überhaupt in der Epidermis entstehen lassen, von wo aus es durch Wanderzellen in die tiefen Lagen des Körpers transportiert wird; und zwar sind diese Zellen nach der Auffassung von KoDis in Bindegewebszellen umgewandelte Epithelzellen, wofür Der Farbenwecbsel und die chromatische Hautfunktion der Tiere. 1499 der Autor jeden Beweis schuldig geblieben ist. Winklers Beobachtungen sind an sich bildenden Regeneraten des Salamander- und Tritonenschwanzes angestellt, un- mittelbar nach der Amputation. Schon 16 Stunden nach der Operation hat Winklee Pigraentzellen gesehen, die sich aus dem Verbände der Zellen frei machen und Kugelform annehmen, die Pigment um den Kern enthalten; diese Zellen senden zuerst Fortsätze zwischen die anderen Zellen aus, später folgt auch der Kern, „und die ganze Zelle geht auf Wanderschaft". Daß dieser Prozeß nicht der normale Vorgang der Chromatophorenentstehung ist, wird durch Ehrmanns Befunde außer Zweifel gestellt, denn bei primär unpigmentierten Embryonen tritt das erste Pigment m es odermal auf. In Winklers Fall handelt es sich um die Vorgänge einer Wundheilung und Kegeneration, bei denen ja die Leukocyten bzw. Wanderzellen eine große Rolle spielen. Es ist anzunehmen, daß Winklers Pigmentzelien Leuko- cyten oder Lymphocyten waren, die sich mit Blutfarbstoffresten oder anderen Zer- fallsprodukten beladen hatten. b) Ursprung des Pigmentes. Von Meyerson (91), Ehrmann (30, 32) und List (80, 81) wird die Meinung verfochten, daß das Pigment der Chromatophoren häniato- genen Ursprunges sei. Als eine besondere Stütze für diese Anschauung führt Ehrmann (32) an, daß die Melanoblasten niemals eine grünlichgraue Färbung zeigen, bevor nicht deutlich grün- lich gefärbte Blutkörperchen in den Gefäßen vorhanden sind. Die Färbung erstreckt sich auf das Protoplasma der Melano- phoren und ist eine Vorstufe des späteren Pigmentes. Der Farbstoff selbst soll aus den zugrunde gehenden roten Blutkörperchen in das Gewebe diffundieren und wird von den primären Melanoblasten auf- genommen, in denen er in das melanotische Pigment umgewandelt wird, da bei Amphibienembryonen und -larven das Pigment niemals außerhalb von Zellen gefunden wurde. Eine direkte Ent- stehung des Pigmentes aus Do